Nr. 259 Drittes Blatt Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)Samstag, 4. November 1933
Die Tisch-Kameradschaft der Ration.
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Ein Bild, wie man es am kommenden Sonntag wieder in allen deutschen Heimen sehen wird. Auf dem . Tisch steht das einfache, billige Eintopfgericht. Die Ersparnis, die die Hausfrau macht, fließt der Winter- hilfs-Sammlung zu, durch die Millionen darbender Volksgenossen in den harten Wintermonaten mit Nahrungsmitteln versorgt werden. Den Besserbemittelten aber wird die freiwillige Einschränkung das beglückende Gefühl des Dienstes an der Gemeinschaft geben.
Geschichten aus aller Welt.
Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten I
Ist das zu glauben?
(m) Tokio.
Eine junge Japanerin hatte soeben geheiratet und wollte nun zum Friseur gehen, um sich noch verschönern zu lassen, allerdings ein etwas merkwürdiges Verfahren — nach der Trauung. Gesagt, getan. Aber als sie fertig war, ergab sich eine große Schwierigkeit, und die junge Frau stand ratlos in einer Tokioter Straße, bis sie sich schließlich hilfesuchend an einen Polizisten wendete. Sie hatte nämlich, so unglaublich es klingt — den Namen ihres Ehemannes sowie die Adresse der neuen Wohnung vergessen! Nach vielem Hin und Her gelang es der Polizei, iyre Eltern ausfindig zu machen, die in einem Dorf in der Umgegend von Tokio wohnten und nicht zur Hochzeit gekommen waren. So erfuhr man den Namen und die Adresse des frischgebackenen Ehegatten, dem seine Frau, auf die er schon in hellster Aufregung gewartet hatte, nun unverzüglich „zugestellt" wurde.
Bernt Batchen ging verloren.
(h) Kapstadt.
Dazu muß nun ein berühmter Flieger, wie Bernt B a l ch e n , nach Kapstadt kommen, um hier spurlos zu verschwinden, wenigstens auf zwei Tage. Damit man weiß, weswegen er überhaupt in Kapstadt ist: er will mit dem Forscher und Millionär Ellsworth einen Non-Stop=glug über den Südpol machen, kleine 3000 Meilen. Von Kapstadt aus wollten sie in das Roßmeer vorstoßen zum Weddell-See.
Aber Balchen wollte seinen Blinddarm nicht mitnehmen, denn er hatte auf der Reise nach Kapstadt
Beschwerden gefühlt und sich entschlossen, gleich in Kapstadt diesen Störenfried herausnehmen zu lassen.
Nun hat Balchen die Angewohnheit, wenn er in einer Stadt ist, eine Taxe immer für den ganzen Tag zu nehmen. Ein wenig gedankenvoll — vielleicht wegen der bevorstehenden Operation — vergaß er dem Chauffeur Bescheid zu sagen und ließ, ihn vor dem Hotel stehen, in dem er wohnen wollte, ehe er sich operieren ließ.
Der Chauffeur wartete und wartete, dann meinte er, der Fahrgast habe ihn wohl angemogelt und fuhr deshalb fein Pfand, den Koffer Balchens, zum Schiff zurück, mit dem Balchen angekommen war. Dann alarmierte er die Polizei.
Anhand des Koffers stellte man fest, daß er dem bekannten Flieger Bernt Balchen gehörte. Aber in dem Hotel hatte er durch einen Zufall nicht Wohnung genommen, sondern sich auf einmal entschlossen, gleich das Hospital aufzusuchen.
Er wunderte sich, daß der Chauffeur nicht mehr mit dem Auto vor der Tür stand, machte sich aber weiter keine Gedanken darüber und legte sich ins Krankenhaus.
Hier las er bann gedankenvoll feine eigene Vermißtenanzeige in der Zeitung und ließ der Welt verkünden, daß Bernt Balchen nicht spurlos verschwunden sei, sondern sich wegen seines Blinddarms im Hospital befinde. Worauf Kapstadt beruhigt aufatmete und — der Chauffeur sein Fahrgeld einkassieren kam.
Schlangen in NSA.
(z) N e u y 0 r k.
In den Vereinigten Staaten sind die Herren Volkswirte seit Jahren schon auf die ausgefallensten Einfälle gekommen, um die auch in diesem Dollar
Gtreik-Ausschreiiungen in Amerika
Eine Tumultszene in den Straßen von Paterson im Staate Neuyork, wo streikende Seidenspinner mit Steinen und Pistolen gegen die Polizei vorgingen. Die Polizisten antworteten mit Maschinengewehren und Tränengasbomben, wobei drei Personen getötet und mehr als fünfzig schwer verletzt wurden. Der Streik wirft ein Schlaglicht auf die äußerst gespannten Wirtschaftsverhältnisse in USA., die immer wieder zu schweren Konflikten der Behörden mit Arbeitgebern, Arbeitern und Farmern führen.
lande bestehende Erwerbslosigkeit vieler Hundert- taufenber zu beseitigen. Nachdem kürzlich erst der Anfang damit gemacht worden ist, einige tausend Arbeitsloser als Goldsucher buchstäblich in die Wüste, nämlich Texas und Arizonas, zu schicken, wo tatsächlich noch Goldvorkommen festgestellt worden ist, hat die Regierung den neuen Vorschlag eines Menschenfreundes empfangen, der empfiehlt, 1000 Arbeitslose mit dem — Vertilgen der in den Vereinigten Staaten vorkommenden Schlangen zu beschäftigen. Der Einsender dieses Vorschlags verspricht sich davon eine Wohltat für alle Wochenendfahrer, die dann nicht mehr zu befürchten brauchten, beim Campen in Gottes freier Natur von einer Schlange gebissen zu werden. Die Verkehrsorganisationen und Wochenendfahrten veranstaltenden Reisebüros wären sicherlich gerne bereit, diesen Feldzug gegen das Schlangengezücht zu finanzieren.
Da meldet sich zu rechter Zeit jedoch die „Reptile Study Society of America" und macht energisch Front gegen diesen unvernünftigen Plan, der überdies der großen Arbeitslosigkeit gegenüber nur einen Tropfen auf einen heißen Stein bedeuten würde. In den Vereinigten Staaten gibt es nach dem Urteil dieser Fachmänner, die es ja wissen müssen, nur vier giftige Schlangenarten, von denen drei zudem nur in den weniger besiedelten Süd- floaten Vorkommen. Die Meldungen über Schlangenbisse in den Vereinigten Staaten seien von Jahr zu Jahr spärlicher geworden, und ein solcher Feldzug berge in sich die große Gefahr, daß gerade die weitaus größere Zahl der nützlichen Schlangen ausgerottet werde, die der amerikanische Landwirt nicht entbehren könne, da sie seine beste Helferin im Kampfe gegen die landwirtschaftlichen Schädlinge sei. — Die Regierung hat auch danach gehandelt und den Vorschlag des Schlangenfeindes dem Papierkorb übergeben
Aomartc am laufender! Band.
(z) Chikago.
Soeben beendet in einer amerikanischen Zeitschrift die Schriftstellerin Miß Mabel Urner eine Romanserie, deren Anfang vor genau zwanzig Jahren (!) in eben dieser selben Zeitschrift begonnen hat und die in regelmäßigen wöchentlichen Fortsetzungen bis heute ununterbrochen erschienen
ist. Und das Reizvollste daran ist, daß es sich da« bei um eine Romanserie für — Jugendliche handelt, in der Art etwa, wie in der deutschen Backfisch» literatur die „Trotzkopf"-Serie bekannt geworden ist. Die jugendlichen Leserinnen dieser Riesenserie, die vor zwanzig Jahren mit der Lektüre dieser Kindergeschichte begonnen haben, sind heute schon erwachsene Frauen, Mütter wahrscheinlich, von denen man doch kaum annehmen kann, daß sie heute noch Geschmack an solcher naiven Kost finden.
Die Schriftstellerin Miß Mabel Urner hat mit dieser Leistung zweifellos einen Rekord aufgestellt.
•W
w.
Bei feinem Besuch, den Adolf Hitler anläßlich seiner Weimarer Wahlrede dem Nietzsche-Archiv abstattete, wurde dem Kanzler von der greisen Schwester des Philosophen der Stockdegen ihres Bruders überreicht.
Calw an der Nagold.
-23on Hermann Hefte.
Zwischen Bremen und Neapel, zwijchen Wien und Singapore habe ich manche hübsche Stadt gesehen, Städte am Meer und Städte hoch aus Bergen, und aus manchem Brunnen habe ich als Pilger einen Trunk getan, aus dem mir jpäter das süße Gift des Heimwehs wurde.
° Die schönste Stadt von allen aber, die ich kenne, ist Calw an der Nagold, ein kleines, altes, schwäbisches nchwarzwaldsladlchen.
Wenn ich jetzt etwa wieder einmal nach Calw komme, dann gehe ich langjam vom Bahnhof hmad- wärts an der katholischen Kirche, am „Adler" und am „Waldhorn" vorbei und durch die Bijchosstraße an de. Nagold hin bis zum Weinsteg oder auch bis zum Brühl, bann über den Fluß und durch die untere Ledergasse, durch eine der steilen Seitengassen zum Marktplatz hinauf, unter der Halle des Rathau|es durch, an den zwei mächtigen alten Brunnen vorbei, tue auch einen Blick hinauf gegen die alten Gebäude der Lateinschule, höre im Garten des Kun- nenwirts die Hühner gackern, wende mich wieder abwärts, am „Hirschen" und „Räßle" vorüber, and bleibe bann lang auf ber Brücke stehen. Das ist mir der liebste Platz im Städtchen, der Domplatz von Florenz ist mir nichts dagegen.
Wenn ich nun von der schonen steinernen Brücke aus dem Fluß nachblicke, hinab und hinauf, bann sehe ich Häuser, von denen ich nicht weiß, wer :n ihnen wohnt. Und wenn aus -einem ber Häuser ein hübsches Mäbchen blickt (die es in Calw stets gegeben hat), bann weiß ich nicht, wie sie heißt
Aber vor dreißig Jahren, da saß hinter allen diesen vielen Fenstern kein Mäbchen unb Lin Mann, keine alte Frau, kein Hunb unb keine Katze, die ich nick genau gekannt hätte, lieber die Brücke lies kein Wagen und trabte kein Gaul, von dem ich nicht wußte, wem er gehöre. Und so kannte ich alles, die vielen Schulbuben unb ihre Spiele und Spottnamen, die Bäckerläden und ihre Ware, die Metzger und ihre Hunde, die Bäume und die Maikäfer und Vogel und Nester drauf, die Stachelbeersorten in den Gärten
Daher hat die Stadt Calw diese merkwürdige Schönheit. Zu beschreiben brauche ich sie nicht, düs steht fast in allen Büchern, die ich geschrieben habe. Ich,hätte sie nicht zu schreiben brauchen, wenn »ch in diesem schonen Calw sitzen geblieben wäre. Das war mir nicht bestimmt.
Aber wenn ich jetzt (wie es bis zum Kriege alle paar Jahre einmal geschah), wieder eine Viertelstunde auf der Brückenbrüstung sitze, über die >ch als Knabe tausendmal meine Angelschnur hinab
hängen hatte, dann fühle ich tief und mit einer wunderlichen Ergriffenheit, wie schon und merkwürdig dies Erlebnis für mich war: einmal eine Heimai gehabt zu haben! Einmal an einem kleinen Ort der Erde alle Häuser und ihre Fenster und alle Leute dahinter gekannt zu haben! Einmal an einem bestimmten Ort dieser Erde gebunden gewesen zu sein, wie der Baum mit Wurzeln und Leben an seinen Ort gebunden ist.
Wenn ich ein Baum märe, stünde ich noch dort. So aber kann ich nicht wünschen, das Gewesene zu erneuern. Ich tue das in meinem Träumen und Dichten zuweilen, ohne es in der Wirklichkeit tun zu wollen.
Jetzt habe ich hier und da eine Nacht Heimweh nach Calw. Wohnte ich aber dort, so hätte ich jede Stunde des Tages unb der Nacht Heimweh nach der schonen alten Zeit, die vor dreißig Jahren war, und die längst unter den Bogen der alten Brücke hinweg geronnen ist Das wäre nicht gut! Schritte, die man getan hat, und Tode, die man gestorben ist, soll man nicht bereuen
Man darf nur zuweilen einen Blick dort hinein tun, durch die Ledergasse schlendern, eine Viertelstunde auf der Brücke stehen, sei es auch nur im Traum, unb auch das nicht allzu oft
Oer prophetische Hahn.
Erzählung von pe- Schtvenzen.
Schwenzen ist der Verfasser des im Gießener Stadttheater aufgeführten Schauspiels „Am Himmel Europas"
Bjarne war wie alle Lofotenbewohner sehr abergläubisch Hier hat alles etwas zu bedeuten. Ob ber Seeabler von ber Schneezinne so ober so kreist, ob bie Möven bem Schiff von Luv ober Lee begegnen, ob bie oerbammten Krähen in ben hunbert Quobrat- meter Kartoffelacker ober auf bem Dachfirst hocken.
Wir wohnten sehr frieblich in bem kleinen, roten Holzhaus in ben grauen Klippen. Alles ging sozusagen von selbst Die Gipfel ragten, bie Wasserfälle rauschten, bie Möven kreischten unb mir rauchten unsere Pfeifen unb marteten auf ben Makrelen- schwärm Der kam nicht.
Bjarne mar sehr zufrieben, daß ich das Zimmer gemietet hatte. Er erzählte mir lange Geschichten, mährend er sich unglaubliche Mengen „Lefze" (halb- roher Kartoffelpfannkuchen) einverleibte.
„Hallei —I" schrie er. „Komm über mit einer Ladung Lefze, Gunvor." Gunvor mar seine Frau. Dann mar doch noch Erik, beider Sohn. Auch Erik aß für sein Leben gern Lefze, am liebsten mit Sy- rup. Diese Herrlichkeiten mußten im Schrank ver- schlossen fein, denn Erik war, wie sein Vater sich
I ausbrückte, „hinsichtlich Lefze ein Schurke". Ließ I man den Schrank offen, stahl er sie unbemerkt. Hatte man den Schrank verschlossen und das Haus verlassen, so schraubte Erik, ber mit seinen sieben Jahren ein sehr geschickter Bursche mar, bas Schloß ab, unb bie Lefze mar sein. Gunvor prügelte ihn, aber er hatte — mieber nach bes Vaters Wort —: „keine Seele im Hintern". Es nützte nichts, unb zudem mar Bjarne, ber brei Zeitschriften hielt, gegen jebe körperliche Züchtigung. Er litt, mie alle Lofotensöhne, an einem abenteuerlichen Bilbungsbrang unb sagte immer: „Soviel ich gelesen habe, schlug selbst ber Russäu (Rousseau) feine Kinber nicht
Die roenigen Männer in ben Lofoten, die nicht mit ben großen Fischerflotten fahren, haben einen sehr vielfältigen Beruf Sie ziehen ein paar Dutzenb Kartoffeln, füttern Hühner unb Gänse mit Fischköpfen, fangen Dorsche, roenn melche ba sinb, unb wenn keine ba sinb — Grillen Da können sie stun- bentang hinter ber Garbine hocken unb Dingen in ber Luft nachhängen, bie man nicht sehen kann. Auch basteln sie mit allem Kram, von ber Stiefelsohle bis zum Rabio
Ich mar in Soolvaer gemesen unb hatte Erik eine wunberschöne rote Kappe mitgebracht. Diese Kappe hatte er unter ber Bebingung erhalten, nie mieber Lefze zu stehlen unb unter anberem davon abzusehen, allein mit dem Ruderboot aus der Bucht herauszufahren. Bjarne und Gunvor mären von meiner gütigen und klugen Pädagogik begeistert
Eines Tages erschien Erik nicht zum Kaffee. Da Gunvor ausdrücklich verkündet hatte, es mürbe Lefze geben, so mar bies Ausbleiben burch nichts zu erklären. Wir rufen, laut burch bie Hänbe, Bjarne ruft, Gunvor, ich unb das Echo rufen: „E—r—i—f!"
Keine Antmort. Auf einmal packt mich Bjarne in furchtbarer Erregung am Arm. Er meist zum Wasser hinab — vierzig bis fünfzig Schritt vom Lanb treibt ein leeres 'Boot...! Wir mollen gerade hin- abstürzen — da sehen mir, daß unser Boot ruhig aus Land gezogen daliegt. Ein Fremder — ein Unglück —? Unb jetzt taucht schreienb und gestikulierend hinter einem Stein der Knabe Erik auf.
„Ein Mann ist ins Wasser gefallen, ein Mann liegt im Wasser!" —
Wir nehmen ihn bei beiden Ohren, er muß berichten: „Es kam ein alter Mann gerudert — ein Lappe — ber mar betrunken — da machte er so — unb fiel ins Wasser..
„Ging er unter?" — „Ja, mie ein Stein!" — „Wann?" — „Jetzt eben!" — Bjarne unb ich machen fieberhaft das Boot klar, gerade mill ich abstoßen, Bjarne kommt mit Haken unb Stangen unb Seilen aus bem Schuppen, als Gunvor heraneilt, einen Hahn unterm Arm. Denn das ist so da oben. Wenn
man jemanden sucht, der ertrunken ist, bann braucht man nur einen Hahn mit an Bord zu nehmen unb an ber Unfallstelle zu kreuzen. Wenn man sich über bem Ertrunkenen befindet, bann kräht ber Hahn ...
Wir legen uns mit aller Wucht in bie Riemen. Aber kaum hoben mir ben brüten Schlag getan, als ber Hahn kräht. Bjarne lotet, finbet nichts. Unbeub sich schimmert ber Tangmalb herauf, in dessen Bü- Sehen der alte Lappe seinen letzten Rausch ausschläft. Wir rudern roeiter. Sofort fängt der Hahn an zu krähen. Nur menn mir Halt machen, schweigt er. Soroie das Boot sich in Bemegung setzt, kräht er. Ich werde rasend, denn die tragische Situation spannte meine Nerven gerade genug an und diese Albernheit mit dem Hahn machte mich völlig desperat. Bjarne verband bem Tier bie Augen — b. h. er steckte ihn unter bie Jacke, in ber Hoffnung, das Licht ber Intuition roerbe ihm im Dunkeln klarer leuchten. Vergebens. Das Vieh krähte ohrenbetäu- benb, unb bamit war feine Sachunkenntnis für mich ermiefen, da ich zu der Ansicht neige, baß auch die unheimlichste Leiche nur an einer Stelle liegen kann. Ganz erschöpft unb verzmeifelt gaben mir endlich die Suche auf. Das Unglücksboot nahmen wir in Schlepp unb zogen es auf Lanb. Außer einigen Angelgeräten unb einer Zeitung lag nichts barinnen.
Wir treten in bie Stube. Erik, unberührt von ber Tragik ber Stunbe, hat ben Schrank aufgeschraubt, die Lefze gestohlen. Er sitzt am Tisch unb kaut. Wir smd sprachlos, aber zu erschüttert, um ihn zu züchtigen. Sdjmeigenb trinkt inan Kaffee. Lefze ist lei» ber keine mehr ba ...
Auf einmal geht bie Türe auf, unb ein junger Mann tritt ein. Er schimpft unb schreit, mir hätten fein Boot gestohlen ... Der alte Lappe! Erik mill entmischen, wirb aber verhaftet. Es stellt sich her- aus, baß er ben Unglücksfall er.funben hat, um uns für einige Zeit von Hause fern zu halten. Das Boot bes jungen Mannes lag sehr orbentlich am Gestein vertäut, mährenb er für einen Augenblick in ben Klippen verhinbert mar. Aber Erik hat es losge« macht, hinausgestoßen unb bie Riemen einzeln hinterhergesanbt.
Bjarne rnünschte Rousseau unb alle Humanität Zum Teufel. Er holte aus, als wollte er bie Sünden der Welt erschlagen. Aber ber junge Mann, der sein Leben plötzlich als neu geschenkt empfanb, bat für ihn, unb ber niederträchtige Bengel ging wieder ohne Dresche aus. Es zuckte mir in ben Fingern. In diesem psychologischen Moment wagte es der unselige Hahn, zu krähen. Aus! Ich stür.ue hinaus unb drehte ihm ben Hals um.
Es würbe ein Festmahl. Die Ungerechtigkeit feierte jetzt ihren höchsten Triumph. Erik, der an bem Mahl teilnahm, bekam das rechte Bein, während ich nur bas linke erhielt...


