Ausgabe 
4.10.1933 Drittes Blatt
 
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r. Ernst

menten bewaffnet. Denn es gilt vor allem die Am-

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Oer falsche Admiral von Bordeaux.

Als ein kleiner Hauptmann von Köpenick hat sich ein französischer Schwindler erwiesen, der in einer Admiralsuniform in Bordeaux verschiedene Per­sonen betrogen und um ihr Geld gebracht hat. Der Mann lieh sich die Uniform eines Vizeadmirals der französischen Marine von einem Altkleider­händler und knüpfte dann Gespräche mit Leuten an, die eine Anstellung suchten. Er versprach ihnen, seinen Einfluß für sie zu verwenden. Um die neuen Bekannten von seiner Bedeutung zu überzeugen, besuchte er mit ihnen einen Dampfer, auf dem er mit allen seinem scheinbaren Rang entsprechenden Ehren und Auszeichnungen empfangen wurde. Er begab sich dann mit feinem neuen Schützling zu verschiedenen Schiffahrtsgesellschaften, bei denen man ihm auch die höchste Achtung entgegenbrachte. Durch solche Proben wurde das Opfer von dem Einfluß des Admirals geblendet und beeilte sich, dem hochgestellten Freunde mit Barmitteln aus­zuhelfen, wenn er auch nur Andeutungen machte. Diesen Trick wiederholte der Hochstabler mehrere Male mit vollem Erfolg. Er verlobte sich auch mit einer jungen Dame der besten Gesellschaft von Bordeaux und borgte viel Geld von ihr. Als ihn schließlich sein Schicksal ereilte, und er verhaftet wurde, saß er gerade in einem Caf6 in der vollen Pracht seiner Uniform.

Hochschulnachnchten.

Aus Grund des Gesetzes zur Wiedevherstelsiing des Berufsbeamtentums sind in dem Lehrkörper der Universität Frankfurt a. M. folgende Aen- berungen eingetreten: Aus dem Staatsdienst ent­lassen sind die ordentlichen Professoren Dr. Her­mann Heller (Öffentliches Recht), Dr. Werner Ltpschitz (Pharmakologie), Dr. Max Hark-

ivangdi«he u und Schul* r jm jotanneesaa!

Er ist der Einzige, der jetzt in die Wingerte darf. , Ein Weinberghäuschen ist seine Burg, auf der er h'iust. Tisch, Bank und eine Feuerstelle sind Jnven- ' tar genug zur Vesperrast, oder um sich den Kittel p trocknen, wenn ihn ein überraschender Regen­schauer durchnäßte.

Von hier aus schreitet r feinen Bezirk ab mit einer Rätsche und einer Knallbüchse als ßärminftru-

Wernherbst.

Von Peter Bauer

D i e W i n g e r t e.

Der Oktobermorgen kommt schon in winterlicher Bermummung: mit dichten Rebeln und empfinb- licher Frische. Die Hügel und Hänge hinter den Dörfern sind wie von dickem Qualm zugeraucht und unsichtbar. Der Himmel, ein riesiges graues Zelt- tuet), scheint hinter den letzten Häusern und Gärten a.uf der Erde festgepflockt.

Aber die Sonne durchdringt allmählich die grauen Störe und Gespinste. Der Horizont hellt sich auf ob wird silbern. Der Rauch, der da und dort den Kaminen entsteigt, säult weiß empor und schim­mert in den Höhen zerfließend wie Seide. Wärmen- ö er Glanz strahlt in die Gassen ein, daß die schlich­ten Fassaden der niedrigen, langgestreckten Häuser mit) die lehmgelben Wege zum Dorf hinaus wie mit Gold bestaubt leuchten.

Ueber den auftauchenden Wingerten brodeln und wabern die Rebel wie seltsame Geistertänze, die l»lld zerweht sind. Purpurn glüht an den Stöcken b'is Weinlaub und grüßt van allen Hügeln und Bergen wie Freudenfeuer, zum Zeichen, daß die schwere Fracht der Reben, die prallen handlangen Hange! der grüngolden und dunkelblau prangenden Erauben reif und voll köstlicker Süße sind. Voll .eingefangenen Sonnenscheins .

Der Wingertschütz.

«In zu scheuchen, die gar zu gern die süßen Trau- bm abpicken. Das muß ihnen mit der klappernden Kätsche verleidet werden ober wenn biefer Schreck nicht nachhaltig genug ist, mit einem weithin hallen- . bm Schuß. Mancherorts stellt bie Gemeinbe ben alten trabitionellen Stutzen, einen Vorberlaber aus b<m vergangenen Jahrhunbert unb ebenso bas nö­tige Pulver unb bie Zünbhütchen. Oft muß bas ! schwarze, immer wiederkehrenbe Diebesgefinbel meh­rere Male verjagt werben, bis ihm die Lust für «bifen Tag vergangen ist.

Wenn bie ersten Winzer erscheinen unb bie Lese beginnt, ist bie Mission bes Wmgertschützen, dessen poften jedes Jahr neu vergeben unb vom Polizei- bimer ausgeschellt wird, beendet. Er holt seine

iffnung

größte Faßriese, von dem uns Kunde wurde, ge­hörte dem Kurfürsten Georg XI. in Königstein. 130 dicke eiserne Reisen waren notwendig, um bie Dau­ben zusammenzuhalten. Das Gewicht bes Faßunge- tüms in vollem Zustanb soll 6000 Rentner betragen haben

Unb immer roieber in jebem Herbst füllt bie Natur neue Fässer voll unb bes Segens ist kein Enbe. Hebbel erinnerte sich schauernb anall bies Quellen unb Weben", ba er benbunflen, heiligen Wein" vor sich im Glase sah unb begriff:

Das bist bu, o Natur, Deiner gewaltigsten Kräfte, Deiner verborgensten Säfte Ueberfliefjenbe Spur."

Siebensachen aus bem Wingerthäuschen unb zieht ab. Aber ben jungen Most wird er doch nicht zu versuchen vergessen.

Die Lese.

Hauptsächlich Frauen und Mädchen, in Kopf­tüchern gegen die Spätjahrsonne, schreiten in einer Linie ausschwärmend den Wingert in seiner Länge ab. Jede Leserin bleibt in ihrer Furche unb sammelt von ihrer Rebenreihe. Gebückt schneibet sie bie saft­schweren Hänget ab unb wirst sie in einen Kübel ober Eimer. Ihren Inhalt sammelt von Zeit zu Zeit ein Mann ein, ber einen schmalen hohen Bot­tich an Traggurten auf feinem Rücken schleppt. Die Bütte, bie über ben Kopf bes Mannes hinausragt, wirb in bie Mühle entleert, aus ber bie gemahle­nen Trauben in ben Maischebottich fallen. Ein herb­süßer Duft steigt von ber Maische, dem zerquetsch­ten Traubenfleisch, auf unb macht lüstern nach ber saftigen Labe. Gin Mäbchen beißt sich aus einer bichten Traube einen Munb voll Beeren ab, baß ihm bie Süße von ben Lippen trieft, eine anbere Leserin pickt mit emsigen Fingern einen Hänget leer bis auf ben Rappen. Sie schmecken prächtig zum Brot. _

Erst gegen Abenb zieht bie frohe Winzer- unb Leserschar hinter ben knarrenden Fuhren, die die Maische zur Kelter fahren, heimwärts. Stärker als aus der Mühle quillt der Traubenduft aus der faft- preffenben Kelter.

Der braune Most labet zum ersten Probetrunk bes neuen Jahrgangs. Er ist süß unb süffig wie immer. Erst nach vielfacher Wanblung wirb er feine Qualität erweisen.

I n den Fässern.

Bald raunt und rumort der Most in den bauchi­gen Fässern, daß Schaum aus den Spunden steigt und der benebelnde und berauschende Atem der Gärung die Kellergewölbe füllt. Einer Kerze erstickt er jäh die züngelnde Flamme.

Der zum Federweißen gewandelte Most ist noch im Glase als heimtückischer Geselle bekannt. Von dieser süßdurchgorenen trübweißen Flüssigkeit schlür­fen die Kenner nicht allzuviel in langen Zügen...

Noch manche Umfüllung unb wissenschaftliche Be- hanblung muß sich im Laufe der Zeit der Jung- roein gefallen lassen, bis er als neuer Jahrgang in gewaltigen Stückfässern neben den alten Jahrgängen

Diese Riesenfässer, zwischen denen zu wandeln wohl eine Beruhigung für jeden Weinfreund fein muß, erinnern an bie mittelalterlichen Faßriesen, von benen der Heidelberger, der fast 250 000 Fla­schen aufzunehmen vermag, nach erhalten und be­kannt ist. Das Eberbacher Faß, das 444 Ohm gefaßt haben soll, wurde im Bauernkrieg zerstört. Der

Heimer (Sozialphilosophie) unb Dr. Adolf Löwe (Wirtschaftl. Staatswissenschaften) In den Ruhe­stand versetzt sind die ordentlichen Professoren Dr. Karl S trupp (Völkerrecht), Dr. Max Wert­heimer (Philosophie und Psychologie), Dr. Carl Grünberg (Wirtschaftl. Staatswissenschaften), Dr. Franz Oppenheimer (Soziologie), Dr.Karl P r i b r a m (Wirtschaftl. Staatswissenschaften) unb Dr. Carl Mannheim (Soziologie). Die Lehrbe­fugnis ist entzogen worben den Honorarprofessoren Obermagistratsrat Dr. Ernst Cahn (Verwaltungs- unb Staatsrecht), Dr. Hugo Sinzheimer (Ar­beitsrecht unb Soziologie), Justizrat Dr. Ludwig Wertheimer (Handels- und Jndustrierecht), Dr. Ludwig Benda (Chemotherapie), Dr.FritzMayer (Chemie); den nichtbeamteten außerordentlichen Professoren Dr. Joseph Igersheimer (Augen­heilkunde), Dr. Georg Ludwig Dreysus (Innere Medizin), Dr. Karl Altmann (Haut- und Ge­schlechtskrankheiten), Dr. Hugo Braun (Hygiene und Bakteriologie), Dr. Edgar Goldschmidt (Pathologie), Dr. Marcel Traugott (Geburts­hilfe und Gynäkologie), Dr.Raphael Weichbrodt (Psychiatrie und Neurologie), Dr. Wilhelm H a - nauer (Soziale Medizin), Dr. Richard Koch (Geschichte der Medizin), Dr. Walter Lehmann (Ohren-, Hals- und Nasenkrankheiten), Dr. Joseph Berberich (Ohren-, Hals- und Nasenkrankheiten), Dr. Martin Sommerfeld (Deutsche Philologie), Dr. Fritz Heinemann (Philosophie), Dr. Otto Szasz (Mathematik), Dr. Walter Fränkel (Physikalische Chemie), Dr. Friedrich Hahn (Che­mie), Dr. Edmund Speyer (Chemie), Dr. Sieg­fried Budge (Volkswirtschaftslehre), Dr. Gott­fried Salomon (Soziologie), Dr. Walter SuIz - bach (Soziologie und Sozialpolitik). Dr. Fritz Neumark (Volkswirtschaftslehre); den Privat­dozenten Land- und Aintsgerichtsrat Dr. Ernst Eduard Hirsch (Bürgerliches und Handelsrecht), Dr. Franz Herrmann (Dermatologie und Syphilibologie), Dr. Emmy Klieneberger (Bakteriologie), Dr. Ernst Herz (Psychiatrie und Neurologie), Dr. Ernst Metzger (Augenheilkunde), Dr. Martin Pleßner (Semitische Philologie), Dr. Theodor Wiesengrund (Philosophie), Dr. Hans Weil (Pädagogik), Dr. Gottfried Fränkel (Zoologie), Dr. Erich Heymann (Physikalische Chemie), Dr. Friedrich Pollock und Dr. Eugen A11schul (beide Volkswirtschaftslehre). Der Lehr- auftrag ist entzogen worden den beauftragten Do­zenten Dr Norbert Glotzer (Jüd. Religions­wissenschaft und Ethik), Ernst Kahn (Wohnungs- wesen), Prof. Dr. Ernst Kantorowicz (Soziale Bürgerkunde) und Dr. Hendrik d e Man (Sozial Psychologie unb Sozialpäbagogik).

Nr. 232 Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Mittwoch, 4. Oktober |955

Ein Volk

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trefft ihr einen.

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Oerrote Napoleon von 8u6o//

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(Fortsetzung folgt.)

Tatsachenbericht von einer Fahrt durch das deutsche Oesterreich.

Von Udo Wolter.

Dienstag 10. Oktober: Verschiebene Be­triebe im Kreis St. (Goarshausen: Blei- unb Silber- Hütte Braubach, Papierfabrik Felbmühle AG., unb Fleschwerke AG. in Oberlahnstein, Drahtwerke C. & S. Schmibt in Nieberlahnstein.

Mittwoch: 11. Oktober: I. G. Höchst.

Donnerstag, 12. Oktober: Verschiebens Betriebe Kreis Limburg: Rdichsbahn-Ausbesserungs- werk, Maschinenfabrik Scheibt, Maschinenfabrik Ohl unb Karlshütte Staffel.

Vom 13. bis 15. Oktober Reichstagung ber Deutschen Chemiker in

Frankfurt a. M.

Besichtigung Merck - Darmftabt, abenbs gemein­sames Abenbessen im Frankfurter Ratskeller. Kon- zert ber NSBO.-Kapelle Cornelius.

Samstag, 14. Oktober: Arbeitstagungen, FestvorftellungDie Räuber" im Frankfurter Schauspielhaus.

Sonntag, 15. Oktober: Vormittags Frank­furter Stabtrunbfahrt; 15 Uhr: Kunbgebung mit Fahnenweihe im Hippobrom Frankfurt a. M., Reb- ner: Staatssekretär Feber, Treuhänber ber Arbeit Dr. Liier, Gaubetriebszellenleiter Becker.

Montag, 16. Oktober: Besichtigung oer­schiebener Frankfurter Betriebe, u. a. Golb- unb Silberscheibe-Anstalt, Mouson & Co., Brauerei Binbing.

Dienstag, 17. Oktober: Karlshütte bei Buchenau, Wilhelmshütte, Lubwigshütte, Neuhofs nunqshütte Sinn, Burger Eisenwerke Burg.

Mittwoch, 18. Oktober: Herborner Eisen­werke, Herborn, Lanbesheilanstalt Dillenburg, Draht­zieherei Herborn; Holzbearbeitungs-Werk Voßloh, Dillenburg; Abolfshütte Nieberschelb, Neuhütte Straßebersbach. Amtswalterappell in Dillenburg.

Freitag, 19. Oktober: Waggonfabrik Ca­stell Mainz, Zaderndruck Mainz und Erdalwerk.

Samstag, 2 0. Oktober: Voigt 8- Häffner AG. und Frankfurter Volksblatt.

Ls werden täglich mehr als 100 Betriebe des rheinmainifchen Wirtschaftsgebietes besucht werden. Sämtliche rhein-mainischen Arbeiter­führer werden in diesen Wochen unterwegs sein. Die gesamte Presse wird lausend über diese noch nie dagewesene Aktion unter einer besonderen RubrikW i r gehen in bie Betriebe" be­richten. Aus ber Presse wirb auch ersichtlich sein, was unmittelbar beabsichtigt ist.

Ich hoffe unb erwarte, baß mein Appell überall richtig oerftanben wirb.

F ür ben Sozialismus ber lat".

Heil Hitler!

Willi Becker, Gaubetriebszellenleiter, MdL., Bezirksleiter der Deutschen Arbeitsfront.

Frankfurt a. M., 30. Sept. 1933.

Programm des Werbefeldzuges.

Mittwoch, 4. Oktober: Biedricher Industrie: Kelle & Co., Dr. Kurt Albert, H. & A. Albert, Dyckerhoff & Widmann.

Donnerstag. 5. Oktober: Verschiedene Betriebe im Kreis Gelnhausen: Gummifabrik Veri- tas, Gebr. Adt & Co., Steingutfabrik Wächtersbach, Klinkerwerke, Meerholz und noch zwei Betriebe ber Mittelbeutschen Hartsteininbustrie.

Freitag, 6. O k t o b e r: Besichtigung ber Opel­werke in Rüsselsheim.

Sa mstag, 7. Oktober, unb Sonntag, 8. Oktober: Wiesdabener Sektinbustrie: Hen­kell & Co., Biebrich, Söhnlein-Schierstein, Amts­walterappell in Wiesbaben.

Montag, 9. Oktober: Ablerwerke, Frank­furt a. M.; Fulb & Co.

»lieben

11

Sergeant Batista, ber Dbertommanbierenbe bef kubanischen Armee, leitete ben Angriff auf bas Ra- tional-Hotel in Havanna, wo von ber kommunistisch verhetzten Menge 130 gegenrevolutionäre Offiziere uaqjnra ))sHsuis6asqaw astuivjnoW sjnv

Wir gehen in die Beiriede."

Aiesenpropagandafeldzug der Deutschen Arbeitsfront. Ein Aufruf des Gaubetriebszellenleiters.

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geht's euch schlecht. Dann wirb gewirbelt!

unb ber ganzen Umgebungg e ro i r b e I t", b. h. Unruhen gegeben habe. Die Bauern hätten bie Steuern nicht mehr zahlen wollen unb als man ihre Nazibürgermeister unb Aeltesten verhaftete, feien sie zu Scharen in bie Stabt eingerückt, um das Gefängnis unb bie Gerichtskasse zu stürmen. Aber zuletzt hätten sie sich mit ben Fensterscheiben begnügt, biese eingeschmissen, unb seien roieber ab­gezogen. Am Abenb habe bann ein großer Umzug ftattgefunben unb ba bie Genbarmen selber Nazis gewesen, habe man bie Demonstration nicht gestört unb nur nachher einige Verhaftungen vorgenommen. Das sei benen in Wien aber zu wenig gewesen unb so habe man vor einigen Tagen zu ben acht Nazigenbarmen 16 regierungstreue hinzugetan. Da- her säh's jetzt so roilb aus.

Geht es benn ben Bauern hier so breckig?" Die Frau zuckt mit ben Schultern.

«Ja, wissen's, an biese Regierung zahlen's halt nicht gern. Unb bann finb auch bie ©äff nicht ge­kommen, wo boch bie ganzen Orte zum ersten Male haben Prospekte brücken lassen. Die ßeuf kommen halt langsam in Rage.

Was soll's benn anbers sein? Wo boch gleich scharf geschossen wirb..."

Ist es benn schon geschehen?"

Drei-- ober viermal. In ben Dörfern. Abers ist halt immer baneben gegangen. Die ßeuf würben roieber wirbeln, roenns einen träf. Sehn's sich boch bie Zäun' an."

Unb richtig! An einer Mauer lese ich:

Hemberg mit Unterstützung einer fremben Macht gegen bie Nazis unb gegen Deutschlanb kämpft? Sogar bie Regierung weiß barum unb bulbet es trotzbem."

Das macht' ich erst bewiesen sehn."

Kann ich ihm sagen, baß ich persönlich Akten­stücke gesehen, aus benen bie Hanblungsweise Starhembergs klar hervorginge?

Der Zug läuft in Horn ein. So werbe ich einer Antwort enthoben. Von ber Station bis zur Stabt haben wir noch ein kleines Stück Weg ge­meinsam, ohne baß wir barum unsere Diskussion noch einmal aufnehmen. Ich erzähle ihm ein wenig von Berlin, von ben neuen Zustänben. Im besten Einvernehmen trennen wir uns.

Zwölf Stunben später sollte ich erst erkennen, welche Unvorsichtigkeit ich begangen hatte, inbem ich mich auf biese Unterhaltung eingelassen.

Dann wird gewirbelt..."

Hohe, walbbebeckte Hügel kreisen in großem Bogen bas Stäbtchen. An ihrem Fuß ziehen sich kleine Dörfer in bie schmalen Walbtäler hinein. Die ßanbschaft ist freunblid) unb abwechslungsreich.

Auffallenb ist bie hohe Anzahl von G e n b ar­me r i e in ben Straßen. Die Wirtin bes kleinen Cafss am Marktplatz erklärt mir bann auch aus­führlich unb mit ungeheurem Wortschwall, wie es in ben letzten Wochen unb Monaten in ber Stabt

Der reichsbeutsche Journalist, ber sich auf einer Rundreise durch Oesterreich befindet, verläßt Wien und begibt sich in bie nieber- österreichische ßanbschaft, um sich ein Bilb von ber Stimmung in ber Bevölkerung au verschaffen.

IV.

et. Pötten.

Gutes Gelingen. Heil Hitler, Kamerab!"

Heil!"

Die Hänbe hoch zum Gruß. Egal, wer es sieht unb wer es hört.

Egal, ob verboten unb verfemt. Wir wollen sehen, wer es wagen wirb, uns um biefes Grußes willen in ben Weg zu treten.

Die Passagiere sehen uns an, sagen jeboch kein Wort, ßangfam verläßt ber O-Zug nach St. Pölten bie Halle.

Seltsam, wie schnell man sich an einen Menschen gewöhnen kann. Ich hoffe, ihn nicht zum letzten Male gesehen zu haben. Bon biefer Stelle aus noch­mals herzlichen Dank für bie geleistete Unter­stützung, Pg....

St. Pölten ist ein kleines Nest. Wie ich bie Wohnung bes mir empfohlenen Truppführers ... aufsuche, erfahre ich, baß er vor einigen Tagen rpegen Teilnahme an einer verbotenen Demonftra* .tion verhaftet und in bas ßinzer ßanbes» g e f ä n g n i s eingeliefert worben ist.

Kurze Unterhaltung mit ber Frau. Sie ist jeboch wenig von ber Tätigkeit ihres Mannes unterrichtet.

Den ßautfprecher hat er einmal in s Fenster Zur Straße gestellt, als Hitler im beutschen Runbfunk sprach. Schon bamals hatten sie ihn an- gezeigt, weil bas doch verboten ist. Unter uns wohnt nämlich ein jüdisches Ehepaar. Es ist schrecklich, Herr."

Eine Bummelbahn mit einer vorsintflutlichen, langschornsteinigen Maschine bringt mich nach Horn in dos Waldviertel. ßangfam rattert das Bügle durch die hüglige ßanbschaft.

Unterredung

mit einemHahnenschwanz".

Schwaighuber heißt der Mann. Gerichts­vollzieher von Beruf. Acht Pfändungen hat er heute in Horn vorzunehmen.

H a h n e n f ch w ä n z e" nennt der Volksmund Bie Heimwehrleute des Fürsten Starhemberg wegen der Spielhahnfeder, die sie am Uniformhut fragen. Solch einHahnenfchwanz" ist auch der Schwaighuber, der eine Station vor Horn zuge» "füegen. Aber einer von der friedlichen und ver­nünftigen Sorte. Wenigstens scheint es mir so.

Eine Bitte um Feuer für meine Zigarette hat schnell und zwanglos die Unterhaltung mit dem leb­haften Manne in die Wege geleitet.

Jetzt ereifert er sich.

Aus ist's mit den Nazis, sag' ich Ihnen."

So?"

»Ach, gehn's daher. Sie glauben s nicht, weil sie ein Preuß' sind. Aber paffens auf, der Fey greift durch."

Ich habe mich als Vertreter einer Berliner Maschinenfabrik ausgegeben, der geschäftlich in Oesterreich zu tun hat. Also heißt es, feine politi­schen Ansichten mit der gebührenden Vorsicht kund zu tun, damit der Mann nicht Verdacht schch

Aber daß der Anschluß Oesterreichs an Deutschland unendliche wirtschaftliche und poli- bische Vorteile mit sich bringen wird, steht doch wohl aufjer Frage. Finden Sie es darum richtig, daß man bie Nazis verbietet, bie für biefen Anschluß Pimpfen, unb daß andererseits Ihr Führer Star­

ker Führer der Deutschen Arbeitsfront, Dr. Robert Ley, hat an sämtliche Redner und Dienst­stellen folgenden Aufruf erlassen:

Wie bereits angekündigt, findet im Rahmen bes großen Propaganbaselbzuges bes Reichs- propaganbaminifteriums gegen Hunger unb Kälte ein Werbefelbzug ber Deutschen Arbeits­front statt. Unter bem Motto:

W i r gehen in bie Betriebe" bars in biefen Wochen kein Betrieb Deutfd)- lanbs unberührt bleiben. Ich selbst werbe im Verein mit ben Führern ber Gesamtverbänbe ber Deutschen Arbeitsfront Tag für Tag unter­wegs sein unb erwarte, daß alle Dienststellen und Redner der Deutschen Arbeitsfront das gleiche tun. Wir wollen dem arbeitenden Men­schen im Betriebe die Hand drücken. Es muß wahr werden: in diesem Winter darf kein Volksgenosse hungern und frieren. Die frühe­ren Machthaber führten das Wort Sozialis­mus auf ben Lippen, wir wollen es in bie Tat umfetzen. Vorwärts mit Hitler gegen Hunger unb Kälte! gez.: Dr. Rodert L e y.

Gemäß biefer Anorbnung wirb auch in Hessen unb Hessen-Nassau in ben nächsten Wochen kein Betrieb unberührt bleiben. Auch ich unb mein Stell­vertreter, ber Reichstagsabgeorbnete Pg Fritz Kern, werben zu jeder Stunbe unterwegs fein, um für ben beutschen Sozialismus, bie wahre Volks- unb Brotgemeinschaft zu werben. Weiter unten finb bie Betriebe verzeichnet, bie von ber Gauleitung selbst besucht werden. Da­von unberührt bricht am 9. Oktober eine unge­heuere Versammlungslawine auf bie Betriebe los. Nach Plänen ber örtlichen Kreis­betriebszellenleiter in Verbinbung mit sämtlichen anberen Dienststellen ber Partei wirb hier gehanbelt werben, um ben Sozialismus ber Tat zu beweisen.

'850 bis 4,1815 ' Jen Zeils.)

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