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Die zuständige Einwohnerschast, Aerzte und Geschäftsleute Gießens und des Landkreises sowohl wie die beteiligten Äehörden und öffentlichen Körperschaften, Vereinsführer usw. werden um Prüfung der Einträge auf Dichtigkeit und Vollständigkeit hiermit dringend gebeten.
3m Hinblick auf die Schwierigkeiten in der Beschaffung der notwendigen Unterlagen in einer Zeit ununterbrochener Umwandlungen auf allen Gebieten und der damit verbundenen längeren Heistellungsdauer des Adreßbuches kann für Fehler und Unrichtigkeiten keinerlei Haftung übernommen werden. Es empfiehlt sich insbesondere auch Einsichtnahme in die Derzeichniffe durch die Hausbesitzer und durch Mieter, die seit der Hauslistenaufnahme umgezogen sind.
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Ein krampfartiges Weinen schüttelte chren Äör- per, dah sie an der Mauer chatt suchen muhte. Run war es wieder Mitleid, das er mit ihr empfand. Er legte den Arm um ihre chüften und zog sie in den Jtaum, den früher Christa bewohnt halte.
„Sei doch vernünftig!" bat er, drückte sie auf seine Knie und legte ihren Kopf beschwichtigend gegen seine Schulter. „Sei doch vernünftig! Das 'st ja alles gar nicht wahr, was du sagst, Madel! Wer hat dich je zurückgesetzt? ... Niemand! Wer hat Christa dir vorgezogen? ... Keiner! Das Hast ou dir alles nur eingebildet! Was hat sie dir je zu Leide getan?" ,,
Sie wurde ruhiger und sah ihn aus verschwollenen Augen an. „Feder hat um sie geworben.
.Zeder? ..." Er versuchte ein Lächeln. »Grude war der einzige. Neidest du ihr etwa seine Liebe. Sie erwiderte nichts und strebte hochzukommen. Aber er hielt sie zurück. „Sag, Madlen!"
"Glaub mir Kind", tröstete er, ,^uch für dich kommt einmal d.c Stunde, wo dir ein Mann von seiner Liebe sprechen wird. Du wirst erst neunzehn Fahre, Madlen. Er fuhr liebkosend über hr Blond- haar das ihr widerspenstig m die Schlafen fiel.
Sie wohnte leise vor sich hin. .Letzt, wo Papa tot ist, gibt es so viel weniger Gelegenheit. W:r müssen sicher auch mehr sparen. Und viel besser ein- ^br^Hflofigreit stimmte ihn weich. ,,3d) bin doch auch noch da", sagte er. Was nicht von Ma- mas Pension bestritten werden kann, das lege ich darauf. 3d) gebe dir allmonatlich ein Taschengeld, tagen wir hundert Schilling. Davon kaufst du dir, was du gerne haben möchtest — ja, Madlen?"
Ihre Arme legten sich um seinen Hals. Das Gesicht dagegengepreßt, drückte sie sich an ihn. „War- um seid ihr alle so gut? Du. Christa, die Mama. Montrey ... nur ich. warum bin ich so schlecht. Rolfs"
„Bist du denn schlecht?" fragte er erschrocken, weil er sich nicht mehr mit ihr zurechtfand. Immer hatte er geglaubt, sie ganz genau zu kennen. Und nun war ihre Psyche doch komplizierter, als er ge- dacht hatte. Sie war doch nicht so kalt, wie sie zu sein vortäuschte. „Wir könnten nicht alle gleich gut sein, Kind", lächelte er über ihr blondes Haar hin- weg. „Vielleicht bist du besser als wir alle."
Ihr Gesicht flog hoch. „Nein! — Ich habe dir ja
wfeben der kleinste Druck, der auf ihm lag, pflanzte sich aus sie über. Darum liebte er sie auch so über alles. Weil sie eben ganz eins mar mü ihm."
fjd) könnte sterben für ihn, Rolf!"
Mein Armes!" Er hob sie wieder zu sich auf unö quälte sich, was er ihr Liebes tun konnte. Nun Christa nicht mehr war, blieb sie und die Mutter das einzige, das chm nahe stand. „Wie wäre es. Madien, wenn du für einige Zeit zu mir kämst? Eg jft doch immer eine Ablenkung."
Zch kann doch die Mama nicht allein lassen!"
'Die Mama schicken wir für einige Wochen in ein Bad Sie hat es wirklich nötia und ist schon so lange nicht mehr auf Reisen gewesen. . . Willst du, Madien?"
’ßiefes „3a" erleichterte ihn über die Maßen. „Also gut Ich laste sofort ein Zimmer für dich im Sanatorium instandsegen. Grude suche ich zu bestimmen, daß er in Urlaub geht und sich einen Vertreter nimmt. Und bis er dann wieder zurückkommt, bist du längst in einen anderen verliebt."
Sie sah ihn ungläubig an, wurde aber doch ruhiger und hob seine Hand gegen ihre Wange. Sie ist doch gut, dachte er, und zog sie fester an sich. Ehe er sich von ihr verabschiedete, fragte sie noch, wann sie kommen dürfte und ob es ihm möglich wäre, ihr den Wagen zu schicken. Sie würde doch Gepäck haben. Außerdem sorgte sie sich, wer nach der Wohnung sah.
„Du kannst ja selbst mal ab und zu herunter- kommen, Madien! Das Mädchen schicken wir auch in Urlaub. So ist alles schönstens geregelt. Also Kopf hoch, Mädel!"
„Freust du dich, wenn ich komme, Rolf?"
„Ja, sehr! Wir haben uns ohnedies immer so wenig gehabt." Er nahm ihr Gesicht zwischen seine Hände und küßte sie auf den Mund. „Auf Wiedersehen, Kleines!"
Sie begleitete ihn noch bis an die Treppe, bann schloß sie behutsam die Flurtüre, um die Mutter nicht zu wecken. Vielleicht war es doch so, wie er gesagt hatte, daß Grude und sie nicht zusammen- pahten. Wenn sie ihn nur nicht so unvernünftig lieb hätte!
In Christas Zimmer hing sein Bild. Sie lief hinüber, kniete auf dem brokatbezogenen Hocker und betrachtete es. Schön war er eigentlich nicht. So was man gewöhnlich mit „schön bezeichnete. Die Männer auf der Flimmerleinwand waren entschieden anders. Und doch hatte keiner von ihnen solche Augen wie er und einen solchen Mund. „Fe- litsche!" — Die Tränen kollerten ihr über die Wangen und blieben an den Winkeln des Mundes haf- ten.
„Was machst du denn?" fragte die Geheimratm, die erwacht war und nun nach der Tochter suchte.
(Kfogt. d°b ich schl-ch, bin- Und ich bin's °nch! - ihm in Öen Änien unb krallte die Finger in das Arnar» lud) ieines Beinkleides. ,Zch bin die ein- A? A sichlet, daß Christa nicht wiederkommt.
3 6Vaö(en .' Er Halle die Hande um ihren gelegt und sah, wie sich ihr Gesicht vor
Schmer; verzog.
Well", wimmerte sie. —
"-Dtuh fertig!" raunte er.
ffieil ich Grude liebe." Ihr Kopf schlug wieder gegen seine Knie, die Achseln zuckten, ihr gatt;er Sarper krümmte sich unter der «cham.
3n Wellenberg hallten ihre Worte nach wie em Donnerschlag. Wie ein Blitz hatte dieses Geständnis den legten Winkel chrer oeele beleuchtet. Er suchte nach Worten und fand keines, das auch nur irgendwie Berechtigung gehabt hätte.
Der blonde Kopf richtete sich langsam auf. „Du verdammst mich?"
Er drückte ihr Gesicht wieder auf seine Knie und strich den verwirrten Scheitel entlang. „Betrachtest du es als Schuld?"
Sie nickte.
„Weiß Grude?"
Zum zweitenmal schrak ihr Kopf hoch, sank und hob sich nicht wieder.
„Wir können uns schuldig suhlen und es doch nicht sein!" sagte er tröstend. „Nur weil wir heben, Madien, deshalb sind wir noch nicht schlecht! Man muß nur die Kraft haben, diese Liebe in sich nie- derzuringen."
Das kann ich aber nicht, Rolf!
,Das darfst du nicht sagen. Es gibt kein „ich kann nicht!" Denke dir, er wäre verheiratet, bann bliebe er dir auch unerreichbar. Unb sieh, Mab- len" er zögerte etwas mit seinem Gestänbnis, „er ist mein bester Freunb. Ader er paßt nicht zu bir! Glaub mir — er paßt wirklich nicht! Ihr wurdet euch wund aneinander schlagen!" Unb ganz erfüllt, ihr das Entsagen zu erleichtern, zergliederte er Grudes Psyche, die er kannte, wie kein zweiter mehr. „Ihm wird alles zur Not, Madien! Was einem änderen kaum die Haut ritzt, das geht bei ihm in alle Tiefen. Jeder Verrat, jede Untreue, jeber Betrug wird zur Katastrophe für ihn. Was du nach einer Stunde schon wieder vergessen hast, das spinnt er noch des Nachts in seinen Träumen fort unb grübelt und zerfasert es noch anderntags, um herauszuklügeln, wie es gemeint war. ...Du würdest ihn nie begreifen. Er ist eine ganz andere We- fenheit als du."
„Und Christa?" weinte sie leise.
„Die war seine Art! Jede Regung, tue seine Seele schlug, griff wie eine Welle auf sie über und zog dort ihre Kreise weiter. Sie brauchte ihn nur an-
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„Ich habe an Christa gedacht und wie glücklich sie jent sein könnte."
Ein Seufzen! — Dann schloß sich die Ture wieder. Madlen sprang hinzu und stieß den Riegel vor Sie war noch nicht fertig mit ihrer Zwiesprache Warum sollen wir denn nicht zueinander paffen. Felitsche? — Zur Not würde chm alles, Hane Rolf gejagt! Zur Tragik! Ach! Di« Tragik Die verlernte er sicher, wenn sie erst mit ihm zusammen war." m _ .... _
Sie erschrak vor sich selber. „URetn Gott, sie sollte doch verzichten, hatte Rolf befohlen. Die Zähne gegen die Lippen gedrückt, versenkte sie sich wieder in Grudes schmales Gesicht- Was er sagen würde, wenn er wüßte? — Wenn die >schwester wirklich tot wäre? Er zähtte noch kaum zweiund- dreihig Jahre! Da liebte man doch wieder! Wenn heute nicht, dann morgen! Unb wenn morgen nicht, bann über Jahr unb Tag! „Felitsche?" Die Tränen jagten sich. Verzweifelt sah sie ihn an.
Der Hocker begann zu rutschen unb noch ehe sie bie Hand nach einem Hall ausstrecken konnte, glitt sie vorne über unb schlug schwer gegen die Kant« eines Schrankes.
Das dumpfe Gepolter rief die Geheimrätin zum zweiten Male herbei. Die Türe war diesmal verriegelt. „Madlen!" rief sie. „Madlen, was ist denn?"
Nichts regte sich. Ihre Faust trommelte gegen das Holz der Füllung, Dann rannte sie nach dem Wohnzimmer zurück und drehte die Scheibe des Telephons. Grude meldete sich. „Felix, komm! Ich bitte dich, komm sofort! Die Madlen!"
„Was ist mit ihr?"
„Ich weiß es nicht! Ich weih es nicht! Sie hat bie Türe verriegelt. Felix, ich bitte bich!"
Er hatte schon eingehängt.
Fünf Minuten später sprang er bie Treppe her- auf. Das Holz ber Füllung krachte knirschend unter seinen Händen. Die Geheimrätin kniete als Erste am Boden und hob bas Gesicht der Tochter in bett Schoß.
Grude holte Wasser, schüttete Lysoform hinein und machte einen Wattebausch damit naß.
„Sei ganz ruhig, Mama, es ist nur eine Ohnmacht. Die Schramme ist ganz ungefährlich."
Die alte Dame zur Seite schiebend, hob er Madien in die Arme, fühlte ein Zucken und sah, wie sich ihre Augen öffneten. „Felitsche!" Dann schlossen sich ihre Lider und blieben über bie blauen öteme geberft, bis er sie auf ben Diwan gebettet hatte.
Er saß vor ihr unb strich über ihre unruhigen Hänbe. „War bas notwendig?" fragte er ernst. „Die Mama kann wahrhaftig keine weiteren Auf- regungen mehr ertragen, ohne baß sie schweren Schaben babei nimmt. Was hast bu benn eigentlich gemacht?" (Fortsetzung folgt.).
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