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Aus der Provinzialhauptstadt.
Oie Standarte 116 mH starkem Aufgebot in Nürnberg.
Gestern abend fuhr die SA. der Standarte 116, soweit sie am Reichspartettag m Nürnberg teilnimmt, mit Sonderzug um 20.15 Uhr von Gießen ab. Gegen 18.30 Uhr sammelten sich die Stürme vor ihren Sturmlokalen und ruckten dann geschlossen nach dem Brandplatz ab. Im Hofe des Kreisamtcs versammelten sich die Nürnberg- Fahrer und erhielten hier die letzte Instruktion für den Aufmarsch in Nürnberg. Neben den an der Fahrt teilnehmenden SA.-Männern hatten sich auch viele andere Angehörige der SA. in geschlossener Formation auf dem Lrandplatz eingesunden, um die Nürnberg-Fahrer zum Bahnof zu begleiten. Der Marsch der SA. zum Bahnhof gestaltete sich in Anbetracht der starken Beteiligung zu einer eindrucksvollen Kundgebung. Mit klingendem Spiel ging es durch die stark belebten Straßen. Etwa 20 Sturmfahncn wurden im Zuge mitgeführt. Die Einwohnerschaft säumte die Straßen und Gassen und grüßte die SA. und die Fahnen mit erhobenen Händen. Um die gleiche Zeit marschierte auch die Hitler-Jugend und zog mit ihrem frischen Gesang die Aufmerksamkeit - aller Passanten auf sich. Um 20 Uhr marschierte dann der Stahlhelm vom StahlhUmheim in der Mollkestraße aus durch die Stadt zum Bahnhof, um den Sonderzug 20.15 Uhr ab Gießen zu benützen.
Der SonderzUg der Gießener SA. trifft am Dienstagmorgen 6.16 Uhr von Nürnberg her wieder in iGchen ein.
Rundfunkübertragung vom Reichsparteiiag der NSDAP.
Samsfag, 2. September:
14.50 Uhr: Bon Nürnberg über alle Sender: Funkbericht vom Einmarsch der Hitler-Jugend und der Kundgebung im Nürnberger Stadion mit Übertragung der Rede des Führers und des Ncichsjugend,ührers.
Heute überträgt der Rundfunk ferner aus Nürnberg gegen 19.50 bis 21.30 Uhr über alle Sender ein „Volksfest" in Nürnberg und 21.30 Uhr und 23.30 Uhr einen Funkbericht vom Amtswalterappcll mit der Rede des Reichsministers Dr. Goebbels.
Sonntag, 3. September:
11.35 bis 16.35 Uhr: lieber alle Sender: Mililärmusik, Arbeiter- und Marschlieder der SA. Funkbericht vom An marsch und Vorbeimarsch der SA. vor dem Führer.
18 Uhr: lieber alle Sender: Rede des Führers vor dem großen Parteikongreß.
Das Sport-est unseres BaiaUlonS fällt aus.
Das für den 23. und 24. September vorgesehene Sportfest unseres Bataillons fällt aus, da am gleichen Tage die große Feier am Riederwalddenkmal stattfindet. Das Pre sschießen des Bataillons und der Bereinigung ehemaliger hessischer Grenadiere wird im Oktober nachgeholt.
Falsche Gerüchte.
Die Staatspressestelle teilt mit: Dem Vernehmen nach soll von einer Stelle das Gerücht verbreitet sein, daß alle im einstweiligen Ruhe st and befindlichen Beamten ohne weiteres in den endgültigen Ruhestand versetzt würden. Diesem Gerücht wird mit aller Entschiedenheit entgegengetreten. Es wird hierbei auf die Verfügung des Herrn Reichsinnenministers vom 7. August 1933 besonders hingewiesen, nach welcher bei
Wiederbesetzuna von Stellen, sowie bei Neuernen« nungen und Pesörderungen soweit irgend möglich auf dienstfähige und nationalgesinnte Wartestandsbeamte zurückzugreifen ist.
„Braune Messe" ist Verkaufsmesse!
Der Kampf um den Mrtschaflsaufbau.
Man schreibt uns: Hemmungslose Geschäftemacher haben in der Nachkriegszeit das Denken und Handeln großer Käufermassen bewußt darauf abgestellt, daß Groschen und Mark für Dinge vertan wurden, die einmal Handel, Handwerk und Gewerbe schädigten und andererseits in schroffem Gegensatz zu den Belangen der nationalen Wirtschaft standen. Ausstellungen wurden von diesen Unternehmern in großen Ausmaßen abgehalten. Hierbei kam es aber diesen Unternehmern nicht darauf an, für die Interessen der Aussteller zu wirken, sondern mühelos große Gewinne zu machen.
Daß im nationalsozialistischen Staat derartige „Rummclunternehmungen" ausgemerzt werden mußten, ist selbstverständlich. Damit aber andererseits Handel, Handwerk und Gewerbe die pflegliche Be- Handlung durch zielbewußte Werbearbeit erfuhren, die eine Wiedergesundung fordert, wurden nach gesunden Wirtschaftsgrundsätzen die „Braunen Messen" aufgezogen. Bei den Erwägungen über die durch die „Braunen Messen" gegebenen Möglichkeiten wurde grundsätzlich festgelegt, daß für die Aussteller mit den geringsten Mitteln das bestmöglichste bei der Werbung für deutsche Ware herausgeholt werden müsse. Deshalb sind alle „Braunen Messen" als Derkaussmessen aufgezogen. Sie sind im Sinne eines nationalen Warenmarktes als Kollektiv- Warenhaus nach nationalsozialistischen Grundsätzen gedacht. Dadurch, daß der Aussteller Waren verkaufen fann, sind die Unkosten auf ein Mindestmaß herabgedrückt, wie die bisher veranstalteten „Braunen Messen" sogar bewiesen, haben die meisten Aussteller sogar mit einem Reingewinn arbeiten können.
Die Hauptaufgabe der „Braunen Messen" ist, das kaufende Publikum im nationalsozialistischen Staat davon zu überzeugen, daß Ws deutsche Handwerk und der deutsche mittelständische Handel in der Lage sind, alle Wünsche und Bedürfnisse des deutschen Volksgenossen vollkommen zu befriedigen.
— Tageskalender für Samstag. Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Paprika" mit Franziska (Saal.
— Der Deutsche Technikeroerband, Ortsgruppe Gießen, veranstaltet am heutigen Samstagabend im Gewerkschaftshaus eine Mitgliederversammlung, in der u. a. Dr. Röder (Gießen) sprechen wird. Für die Mitglieder ist das Erscheinen Pflicht.
*
** Besichtigungszeiten der Museen. Die Museen und Sammlungen im Alten und Neuen Schloß sind am Sonntag zwischen 11 und 13 Uhr geöffnet.
** Sperrung der K l i n i k st r a ß e. Die Polizeidirektion teilt mit: Wegen Neubefestigung wird die Klinikstraße vom 4. September ab zwischen Wetzlarer Weg und Frankfurter Straße für den Verkehr mit Fahrzeugen aller Art bis auf weiteres gesperrt. Die aufgestellten Sperrschilder sind zu beachten.
** Der Iugendleiter der Deutschen Arbeitsfront in Hessen. Zum Iugendleiter der Deutschen Arbeitsfront in Hessen wurde der Gauführer für Kurhessen der NS.-Iugendbetriebs- zellen, Eduard S t o h m a n n , ernannt. Ihm unterstehen sämtliche Jugendlichen in der Deutschen Arbeitsfront für den Arbeitsfrontbezirk Hessen.
Rundfunkprogramm.
Sonntag, 3. September.
6.15 Mr: Hasenkonzert. 8.30: St. Mart'mskirche, Kassel: Morgenfeier. 9.30: Stunde des Chor- gesangs. 10.30: Trierer Heiligtumsfahrt. 11.30: Reichssendung: Kantate von Joh. Seb. Bach. 12.00: Mittagskonzert. 14.40: Stunde des Landes. 15.30: Stunde der Jugend. 16.30: Kurhaus Wiesbaden: Rachmittagskonzert des Städtischen Krrr- vrchesters. 18.00: Fröhliches Zwischenspiel. 18.30: Hörbericht vom Fußball-Kampf Berlin — Hamburg. 19.10: Dom Mainzer Weinmarkt. 19.30: Berus und Berufung. Don Rene Wirtz. 20.00: „Gri-Gri", Operette in drei Akten. Musik von Paul Lincke. 22.45: Rachtmusik.
Monlag, 4. September.
7.10 Mr: Frühkonzert. 9.40 (a. d. Deutschlandsender): Schulfunk: Fanfaren und Standarten — Märsche unserer großen Komponisten. Leitung: Reinhold Merlen. 12 00 Don Baden-Baden: Mittaaskonzert. 14.20: Jeder hört zu! 15.20: Musikalischar Zeitvertreib. 16.30: Don Dürnberg: Rachmittagskonzert des Scharsschen Orchesters aus Fürth. 18.00: Deutscher Almanach. 18.10: 3x5 Minuten. 18.25: Zum 50. Tod.stag von Iwan Turgenjew. Dortrag von Otto Flake, Baden- Baden. 19.00: Von Berlin: Reichssendung: Stunde der Ration (musikalische Wahrzeichen deutscher Städte, bayerisch-schwäbische Städtemusik). 20.00: Rhein- und Mosellieder. 20.30: „Mit Mörsern und schweren Feldhaubitzen an der Westfront und in Italien." Gespräch zwischen Walter Oertel und Wilhelm Traupel. 21.00: Reue Haydn» Funde. Dortrag und Aufsührung einer der neu aufgefundenen Symphonien von 3. Haydn. 22.00: Zeitdienst. „3m Herzen der Luth." Don Dr. G. Stratil-Sauer. 22.45: Don Leipzig: Rachtkonzert des Funkorchesters.
Dienskg, 5. September.
7.10 Mr: Bad Hersfeld: Frühkonzert. 10.45: Praktische Ratschläge für Küche und Haus. 12.00: Mittagskonzert. 14.20: 3eder hört zu. 15.20: Der Hausfrau zur Erholung. 16.30: Rachmittagskonzert. 18.00: „Revolution des Herzens." Don Heinz Haßmann. 18.30: Kassel: „Flucht von Berlin" Erzählung von Martin Otto 3ohannes. 19.00: Reichssendung: Stunde der Ration. Christoph Martin Wieland. Ein Hörspiel zum 200. Geburtstag des Dichters, von Paul Cnderling und Martin Lang. 20.30: Dom Deutschlandsender: Europäisches Konzert. 22.45 bis 24.00: Don Hamburg. Rachtkonzert.
Mittwoch, 6. September.
7.10 Uhr: Bad Hersfeld: Frühkonzert. 9.00 bis 9.45: Schulfunk: Michael Kohlhaas. Ein Hörspiel nach der Kleistschen Rovelle. 10.45: Praktische
Ratschläge für Küche und Haus. 12.00: Don Leipzig: Mittagskonzert. 14.40: 3eder hort zu. 15.30: Stunde der Jugend. Fahrtenfreude und Liederklang. 16.30: Rachrnittagskonzert. 18.00: Das Reueste von gestern. Don Dr. Helmuth Kohlbecker. 18.25: Zeitfunk. 18.45: Kurzbericht vom Tag. 19.00: Don Breslau: Reichssendung: Stunde der Ration. 3hr frommen deutschen Landsknecht gut (Volkslieder, Reime und Schwänke des 16. und 17.3ahrhunderts). 20.00: Klaviermusik von Max Reger. 20.45: Forchheim: Havanna in Baden. Ein Hörbericht. 21.15: Gastspiel B. Zuger ls Original Tegernse-er Bauerntheater: „Die Hosenknöps." Dauernschwank. 22.00: Zeitdienst. 22.45: Rachtkonzert.
Donnerstag, 7. September.
7.10 Uhr: Bad Ems: Frühkonzert. 10.10: Schulfunk: Schlesische Edelsteine (Kohle). Ein Stassel- hörbericht. 10.45: Praktische Ratschläge für Küche und Haus. 12.00: Mittagskonzert. 14.20: 3eder hört zu. 15.30: Stunde der Jugend. Atem der Prärie. 16.30: Don Rürnberg: Rachmittagskonzert des Frankenorchesters Rürnberg. 18.00: „Die Wirtschaft der Türkei und ihre Beziehungen zu Deutschland." Don Dr. Karl Klinghardt. Frankfurt a.M. 18.25: Der Kellnerberuf. Don Walter Kempf. 19.00: Dom Deutschlandsender: Rcichssendung: Stunde der Ration. Erbkrank — erbgesund. Rassenhygienisches Lehrspiel von Dr. Konrad Dürre. 20.00: Opernkonzert. 21.00: Dolk flieg' du wieder! Hörbericht aus dem Leben der Segelflieger. 21.45: Heiteres Konzert.
Freitag, 8. September.
7.10 Mr: Bad Ems: Frühkonzert. 12.00: Mit- tagskonzcrt. 14.20: 3eder hört zu. 15.20: Musikalischer Zeitvertreib. 16.30: Rachmittagskonzert. 18.00: „Finnlands Freiheitskampf." Erlebtes und Erfahrenes, von Dr. v. Scott-Pistolekors. 18.25: Zeitfragen. 19.00: Reichssendung: Stunde der Ration. „Undine". Text von Fouquee, Musik von E. Th. A. Hoffmann. 20.00: Die Dampfer „Elsa" und „Friede". Hörbild. 21.00: 3X5 Minuten. 21.15: Don London: Blasmusik. 22.45 bis 0.30 (M. und ab 23.00 auf den Deutschlandsender): Rachtmusik.
Samstag, 9. September.
7.10 Mr: Frühkonzert. 10.10: Schulfunk: Danzig, eine deutsche Stadt. Hörfolge. 12.00: Mittagskonzert. 14.30: Kleines Wochenend. 15.30: Stunde der Jugend. 16.30: Rachrnittagskonzert. 18.00: „Grundfragen der Wirtschafts-Regulierung." Don Diplom-Dolkswirt Heinz Pentzlin. 19.00: Reichssendung: Stunde der Ration. Als der Großvater die Großmutter nahm. Bilderbuch aus der guten alten Zeit. 20.00: Großer Bunter Abend. 22.45: Don Leipzig: Rachtmusik.
Oie Offenbacher Kommunisten immer noch am Werk.
Offenbach, 1. Sept. (WSN.) In der Nacht zum Freitag wurden in Offenbach, Dietzenbach und Heusenstamm wieder zahlreiche tommuai- fl i f d) e Flugschriften verteilt. Die Staatspolizei hat sofort die Fahndung ausgenommen und konnte auch einige verdächtige Personen sestnehmen. Bekanntlich hat der Landesvolizei- präsident von Hessen angeordnet, daß als Vergeltungsmaßnahme bei Flugblattverteilungen eine Anzahl Personen derjenigen Partei, von der aus die Verteilung geschieht, in verschärfte Schutz- h a f t zu nehmen ist. Danach wurde auf Befehl des kommissarischen Polizeidirektors von Offenbach eine Anzahl Kommuni st en von Offenbach, Dietzenbach und Heusenstamm in Schutzhaft genommen.
Holländischer Devisenschieber festgenommen.
WSN. Frankfurt a. M., 31. Aug. Eine größere holländische Reisegesellschaft, die in einem sehr luxuriösen Groß- auto durch Deutschland reiste, konnte gestern hier sc st genommen werden. Sämtliche Fahrtteilnehmer sind in ihrer Heimat schon vorbestraft. Die Betrüger hatten sich in Holland vor
ihrer Invasion nach Deutschland billige Register» mark verschafft und waren damit über die Grenze gekommen. Diese Beträge, die ein Reisender nach Deutschland milnehmen darf, fetzten sie möglichst bald in Deutschland bei den Banken um. Sie fuhren dann sofort nach Holland zurück, um sich wieder billige Registermark zu verschaffen. Auf diese Weise haben sie erhebliche Bettäge nach Deutschland ein- geschmuggelt und sich bedeutende Vorteile verschafft. Wie hoch der Verdienst der Bande ist, steht noch nicht fest. Ihr Täuschungsmanöver gelang bei den Banken und beiden Grenzbehörden dadurch, daß sie die in den Pässen eingetragenen Beträge stets wieder durch ein chemisches Präparat mit dem Namen „Tintentot" zu entfernen verstanden. In Zusammenarbeit mit der Zollsahndungsstelle mit einer hiesigen Großbank ist es gelungen, die Devisenschieber zu verhaften.
Waffenfunde in Worms.
Worms, 31. Aug. (WSN.) In den letzten Tagen wurden wiederum bei einer Anzahl Kommunisten Haussuchungen durchgeführt und hierbei Waffen, darunter ein Militärgewehr, und in größerem Umfange marxistisches Material vorgefunden. Strafverfahren ist eingeleitct: die Beteiligten wurden vorerst dem Konzentrationslager Osthofen zugeführt.
Rheinland in Kelten.
Oiebe,AaterIandsverräter,3uchthäusler und Deserteure errichten eine Republik.
Urheberrecht: Darnmert-Pressedienst, \ Berlin W 35.
IV.
Die Schutztruppe der Verräter.
Die „rheinischen Revolutionäre" bekommen jetzt Pässe, um sich untereinander erkennen zu können. Die Angst, daß sich Deutsche, wirkliche Deutsche, die für, nicht gegen ihr Daterland tämpfen, eingeschlichen haben könnten, ist bei den Feiglingen zu groß geworden. Solch ein „Guide civil“ besteht aus einem in der Mitte geknifften Papierbogen mit Photographie:
Pah!
Gemäß den Weisungen der Oberleitung der bereinigten rheinischen Separatistenvereine wird Herr......wohnhaft......beauftragt,
sich nach......zu begeben, um dort die
Propaganda zu betreiben. Die Militär- und Zivilbehörden werden dringend gebeten, ihm die Ausführung dieses Auftrages $u erleichtern.
Le sder^taire g6n£ral.
Doch wehe, wenn ein Strolch, mit diesem Pah ausgerüstet, in die richtigen deutschen Hände gelangt! Die Leute wissen, dah durchschnittlich jeder dieser Separatisten zwei oder drei Menschenleben auf dem Gewissen hat.
Die Franzosen aber glauben Grund zu haben, die „Entwicklung der Dinge" immer optimistischer anzusehen. Jetzt beginnen die Kommandanturen, nachdem Anweisung aus Par s ergangen ist, ein „Generalkommando" mit einer „S chuhtrupp e“ zusammenzustellen. Die Oberleitung dieses militärisch auf gezogenen Apparates übernimmt ein gewisser Herr Leidner, im Hauptberuf Kommunist, der aber deshalb die glänzende Uniform eines „Generalstabschefs" nicht verschmäht. Auch die Tatsache, dah er, als Kommunist, dem parlamentarischen Frankreich imperialistische Dienste leistet, stimmt ihn nicht weiter wehmütig. Geld stinkt nun eben mal nicht!
Das „Generalkommando" ist zusammengestellt. Run geht es an den „Aufbau" des „Rheinland- Schutzes"! Man nimmt „Kämpfer", wo man sie findet. Daß es sich dabei durchwegs um Dor- bestrafte handelt, fällt nicht weiter ins Gewicht. Schließlich hat man eine schreckliche Rotte bewaffneter Strolche beisammen, die in 25 Ortsgruppen eingeteilt werden. Die Ortsgruppen werden wieder in Züge zu ungefähr je 30 Mann gestaffelt. Die „Mannschaften" erhalten die vom „Ge- ncralkommando" abgestempelten grün-weiß-roten „ Feld"-Binden, die Führer erhalten als Draufgabe eine goldene Armbinde und die „Genietruppen" ein silbernes Luchabzeichen. „Generalstabs- ches" Leidner verspricht jedem Soldaten 2 Franken Tagegeld. Verheiratete erhalten sogar 5 Franken. Außerdem soll jeder dieser wackeren Söldner nach Ablauf seiner „Dienstzeit" einen 2Iiuug und 100 Goldmark erhalten. Was er verspricht, kann er auch halten: Frankreich hat ja nicht umsonst das Rheinland beseht: Geld kann er massenhaft haben, und genaue Buchführung hat bisher noch kein französischer Kommandeur von ihm verlangt. iDollar-lOOMllionerMejchsmark
Kann Deutschland dem Rheinland noch Hilfe leisten? — 3n Berlin ist die ganze Bevölkerung auf der Jagd nach den alleinseligmachenden Devisen. An jeder Börse Deutschlands werden sie verschieden notiert — man sucht ihrer um jeden Preis habhaft zu werden, der Handel wird zum Schleichhandel, und die Rot vergrößert sich wie eine zu Tal gehende Lawine.
Deutschland kann seinem Rheingebiet keine Hilfe leisten. Mit dem Wert der Mark fallen Dater- landsliebe und Glauben, Ehrfurcht und Güte — Hoffnung hat schon längst niemand mehr. Der Reichstag redet über alles Mögliche — nur nicht darüber, wie dem unhaltbaren Zustand ein Ende zu bereiten ist. Der Reichstag ist wahrhaftig eine Quasselbude geworden — ein Spottbild des parlamentarischen Deutschland. Die Parteien machen Politik — wer über die meisten Stimmen verfügt, hat die meiste Macht und versteht sie aus- zunuhen — um einen Ministersessel zu erhaschen. Das Elend einzudämmen versuchen? Warum? Uns geht es nicht schlecht! Ministergehälter werden im voraus gezahlt. Juli 1923 steht der Dollar gleich 1 MillionReichsmark. Eine Goldanleihe von 500 Millionen Mark, die die Deichsbank auflegt, vergrößert nur den allgemeinen Wirrwarr. Plötzlich sind keine Zahlungsmittel mehr zu bekommen. Alles stockt: Handel, Industrie und Verkehr. Der Reichsbankdiskont wird auf 30 Prozent gebracht. Ergebnis: Die verfügbaren Zahlungsmittel schrumpfen noch mehr.
Mitte August druckt die Reichsdruckerei täglich 30 Billionen Goldmark. Hi 1 serding, der sozialdemokratische Finanzminister, hat endlich den Stein der Weisen gesunden: das Reich braucht, um der Rot zu steuern, nur alle Devisen zu kassieren und sie zur Stützung des Kurses zu verwenden. Der Stein der Weisen versagt — trotz weitgehender Vollmachten, trotz Devisenkommis- 1 far, um die heiß begehrten ausländischen Roten
auch wirklich zu bekommen, erreicht der Dollar Ende August den Stand von 100 Millionen.
Ende September wird er 200 Millionen erreicht haben. Das Deutsche Reich wird den passiven Widerstand im Ruhrgebiet abblafen, die Entscheidung wird vor der Tür stehen. Finis Germaniac?
Der Probeputsch.
Am 30. September glauben die Franzosen — an geschlossen die' Belgier — die Zeit gekommen, um einen Beweis ihrer Macht im Rheinland zu geben. Die Rheinische Republik muß Zustandekommen, und wenn das ganze Land verrottet werden sollte! Sieg um jeden Preis! Mit allen Mitteln! Menschlichkeit? Erfüllung des Versailler Vertrages auch durch die Sieger? Pah! Einen Fetzen Papier! Die Tatsachen sehen anders aus!
Am 30. September befördern Franzosen und Belgier in den beschlagnahmten Eisenbahnwagen, die jetzt „Regiewagen" heißen, in Massen bewaffnete Separatisten nach Düsseldorf, um nun bald den tausendjährigen Plan des französischen Rheins zu verwirklichen. Schon drei Tage vorher hat der „Generalstabschef" Kommunist Leidner einen Befehl veröffentlichen lassen:
Der rheinische Tag in Düsseldorf.
Wir haben hier dem Auslande zu beweisen, daß unsere Truppen (!) gut diszipliniert (!) und vollständig in den Händen unserer Führer sind. Der Aufmarsch muh sich durch stramme Haltung und sonsttges militärisches Wesen auszeichnen. Wir müssen daraus bestehen, daß gegebene Befehle ruhig und prompt ausgeführt werden. Wir erwarten, daß Anordnungen der Dezirksleiter unbedingt Folge geleistet wird.
Mit rheinischem Gruß „Das Generalkommando."
Die Reichsregierung hatte ja den passiven Widerstand endgültig aufgegeben. Warum appellierte sie an die Menschlichkeit? Das war doch Dummheit! Siegte nicht stets der, der die Macht in Händen hatte und sie zu benutzen wußte? Am Frühmorgen des 30. September erhielt der französische Stadtkommandant Morin ein Schreiben, das er lächelnd in der Hand wog. Er wußte den Inhalt bereits. Ein solches Schreiben hatten die Separattsten von Paris erhalten und sofort Der» vielfältigen lassen. Sein Text lautete:
Rheinische Republik: Hauptquartier.
Datt'.m...
An den Herrn Dezirksdelegierten!
* Wir beabsichtigen, am.... die Stadt zu besetzen und daselbst den Belagerungszustand zu erklären. Wir versichern ausdrücklichst, daß wir keineswegs in die französischen Hoheitsrechte der Desatzungsbehörden einzugreisen beabsichtigen und bitten um wohlwollende Neutralität. Wenn es die Verhältnisse erfordern, werden wir nicht verfehlen. Sie um Ihr Eingreifen zu ersuchen.
Der Aktionsausschuß.
3n Düsseldorf erwies sich ein Eingreifen Morins als „bedauerlicherweise notwendig". Was war geschehen?
Am Morgen des 30. September wird der Düsseldorfer Hauptbahnhof plötzlich von Separatisten überschwemmt. Sie steigen aus den Wagen, klettern von Dächern herunter und gruppieren sich langsam und widerwillig zu Zügen, die von den abenteuerlich kostümierten. Schuhtruppen eskortiert werden. Gröhlend bewegt sich der Zug nach dem Hindenburgwall. Dort hat man eine große öffentliche Versammlung unter dem freien Himmel geplant, um den Rheinländern erneut zu beweisen, daß ihr Platz nicht bei den Preuhenbar- baren sein könne.
Die Düsseldorfer Bevölkerung hat beschlossen, dieses jämmerliche Schauspiel deutschen Verrats durch Richtachtung zu {trafen. Die Straßen sind leer. Die Rolläden vor den Geschäften herunter- gelassen. Düsseldorf scheint eine tote Stadt. Rur die Polizisten müssen auf den Straßen sein. Ohne Waffen zwar, aber sie müssen da sein. Sie haben ihre Instruktion. Aks die separatistischen Strolche nun sehen, dah ihre Versammlung keine Zuschauer hat, beginnen sie wütend zu werden. Die Wut sucht nach einem Ventil. Der Mob fordert ein Opfer für diese „Beleidigung"! Man wirft sich auf die Polizisten, die sich nicht wehren können und dürfen, an jeder Straßenecke sehen grinsend die französischen Soldaten und Senegal, neger zu, wie „man es ten Deutschen gibt“. Blutüberströmt bricht hier ein Beamter zusammen — dort kollert ein anderer in den Rinnstein. Sie sind nicht von ihrem Platze gewichen — obwohl sie sich nicht verteidigen konnten. Sie waren getreu küs in den Tod...
Einundzwanzig Tote liegen still und blutig auf den Straßen Düsseldorfs. Ein Franzose oder gar ein Separatist ist nicht barunter. Trotzdem wird durch ein sranzöfisches Gericht gegen 30 Beamte kriegsgerichtliches Verfahren eingeleitet, weil sie „eine von der Besatzungsbehörde genehmigte Versammlung gestört haben". So sieht Herrn Tirards Menschlichkeit aus!
(Fortsetzung folgt)


