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Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesten)
Nr. 205 Zweites Blatt
Der Dichter und die Zugend.
Don Ernst Wiechert.
Der ostprcuhische Dichter Ernst Wiechert hielt auf Einladung der Münchener Studentenschaft eine Rede, die mit außergewöhnlich starkem Beifall ausgenommen wurde. Diese spontane Zustimmung ehrt die studentische Äugend, zeigt sie doch, dah sie nicht nur den starken Elan des Kämpfers sondern auch die Tiefe und Selbstkritik besitzt, die sie zu einer neuen Führergenerativn fähig machen wird. Wir bringen einen Auszug aus dieser Rede, die aus Heister Anteilnahme und positivem Willen zur Mitarbeit geboren wurde.
Die Dichter sind die Brüder der Äugend. Die erinnern euch an die Zeiten, in denen ihr wart wie sie. Vielleicht seid ihr klüger geworden als sie und spart schon mit dem Oel eurer Lampe. Sie aber haben sich verschwendet und verbrannt, weil sie nicht sich leuchten wollten, sondern allen denen, die im Dunkeln sind. Sie haben getan, was ihr alle tun wollt ober tun solltet. Sie sind die Bewahrer des Unvergänglichen und die stillen Mahner in einer lauten P>elt. Än allem Wandel der Zeiten und Meinungen ruht in ihrer Hand das Unwandelbare. In allem Verwirrten und Angstvollen der Welt lösen und binden sie die Fäden der grosten Ordnung, machen das Trübe klar, das Verwirrte einfach, das Schmerzliche heilig. Unter ihren Händen hört der Mensch auf, ein Spielball dunkler Gewalten zu sein. Das Unrecht der Erde wird vergänglich, der Tod verliert seinen Stachel, das Schicksal nimmt uns ruhig bei der Hand. Schön ist es, Schlachten zu gewinnen und Reiche zu gründen, aber nicht leichter wird vor dem letzten Urteil der gewogen werden, dessen Hand die Verse geschrieben hat: „5>er Mond ist aufgegangen, die goldnen Sternlein prangen am Himmel hell und klar ..
Meine lieben Zuhörer. Sie werden sagen: »Alles dieses war einmal." Und in den Zeiten des Friedens dürfe es so sein, daß die Dichter an den großen Strömen sitzen und die Dinge der Ewigkeit zwischen ihren formenden Händen bewegen. Aber in den Zeiten des Kampfes sei niemandem ein Platz an den stillen Ufern vergönnt, und die Äugend, die das S<hwert trage, werde nur auf die Stimme dessen hören, der ein Schwert von Feuer trage. Meine Freunde, Sie mühten alt geworden sein vor der Zeit, wenn Sie nicht so dächten, und doch lassen Sie mich sagen, dah es ein Gedanke des Irrtums ist. Denn wenn es ein Gedanke der Wahrheit wäre, so würden die Literaten der eben versunkenen Zeit recht gehabt haben mit ihrer These, dah nur die Zeitkunst das Recht habe, eine Kunst genannt zu werden, und Wilhelm Raabe würde unrecht gehabt haben, als er die Verse schrieb: »Das Ewige ist stille, laut die Vergänglichkeit. Schweigend geht Gottes Wille über den Erdenstreit..
Meine Freunde, es sei einem Dichter, der heute in das Gesicht der Äugend sieht, erlaubt, es mit Sorgen zu sehen. Mit Freude und mit Stolz und mit tiefster Teilnahme, aber auch mit Sorge. Ähr seid die erste Äugend, die, seit ich lebe, etwas empfangen hat, was wir niemals empfingen: Macht. Und obwohl ich Zeit meines Lebens dafür gekämpft habe, dast die Äugend Raum bekomme, einen großen und ganz selbständigen, ihr eigenen Raum, so erfüllt es mich mit Sorge, daß dieser Raum mit Macht erfüllt wird, weil es mir als eine Gefährdung nicht etwa der Rechte der Aelte- ren erscheint, sondern als die Gefährdung eines biologischen Gesetzes: dah Macht ein Attribut der Reife ist, ein zu Erwerbendes und nicht ein Geschenktes.
Meine Freunde, ich spreche nicht von Schandpfählen und Scheiterhaufen. Revolutionen werden nicht mit Lampionbeleuchtung gemacht. Äch spreche auch nicht von Aufrufen und Reden. Don
Hauch über der Kindheit.
Don Hans Jlafonet.
Äch erinnere mich noch wie heute, als Hans Winter zum ersten Male mit einer Drille auf der Rase die fünfte Volksschulklasse betrat. Es ging ein Gebrüll los, baß die alte Wandtafel klapperte. Wir alle trampelten und schrien: „Brille, Brille! Ein Profax!" Was soviel bedeutete wie Professor. Es war eine unvergleichlich größere Sensation als ein neuer Anzug, ja selbst als die ersten langen Hosen, deren Besitzer gleichfalls hochgenommen wurden. Lind nun — Sie Zeit hat die wehmütige Eigenschaft, zu vergehen — ist mein Äunge so weit wie damals Hans Winter.
Als er sich mir zum ersten Male mit der Brille präsentierte, lächelte er ungewiß, und die Augen hatten die gewohnte Blicksicherheit verloren. Da haben sie nun in das kleine Gesicht eine große Drille hineingesetzt, sie balanciert verlegen auf dem Raschen, und ihr Träger ist teils stolz und teils besangen, also in einem Konflikt. Alles Erstmalige ist ein Ereignis, und iedes Ereignis stört das Gleichgewicht. Vielleicht ist der "Betroffene weniger betroffen als ich. der "Betrachter, dem die Drille zu einem Symbol wird. Dieses Glas vor den Kinderaugen kommt mir vor wie> eine Verfälschung der Ratur. Mit der Drille fängt's an, es ist der erste Hauch der Erwachsenheit, Fortsetzung folgt: die ersten langen Hosen, das erste kleine Mädchen, nun ist kein Halten mehr. Rur eine Brille, und mir ist wie Abschied vom Gesicht meines Kindes.
Habt ihr schon einmal beobachtet, wie ein Kind seine Drille aus dem Futteral holt, den vergoldeten "Bügel über die Ohren schlägt, die sich leicht krümmen, und sich über sein Buch beugt? Es ist die getragene Handlung eines Erwachsenen: sie hat etwas Altbärtiges, der Kontrast von Kindlichem und Unkinblichem etwas Rührendes. Gleich wird er, denkt man, den Leitartikel lesen. Mich schmerzt diese Drille, die er selbst gar nicht mehr spürt. Das ist die Anpassung an das Geben und die Umformung durch das Geben; und es ist ein Glück, daß die meisten Menschen diesen Prozeß gar nicht wahrnehmen.
»Mit b.tDzffn tem Auge" sagen die Erwachsenen. Siehst du, Äunge, nun hast du ein »bewaffnetes Auge". Gucke scharf.
Es muh doch etwas mehr gewesen fein als ein kleiner Schreck und ein nasser Umfall, als die vierjährige Älse, von einer kräftigen Welle um- gelegt.» unter den Meeresspiegel geriet und ziemlich verstört aus dem Wasser geholt wurde. Sie
allem diesem ist für mein Gefühl etwas viel da, mein Gefühl war immer dafür, die großen und schweren Dinge schweigend zu tun. Auch der Krieg ist schweigend geschlagen worden, und Aufrufe und Reden waren eine Sache der höheren Stäbe. Der Soldat schwieg, und es war ihm nötig und gut, zu schweigen.
Äch weiß, meine Freunde, dah kein Dichter in die Unsterblichkeit seines Volkes eingehen wird, dessen Stimme nicht von der Äugend gehört wird und dessen Flamme nicht in den Herzen der Äugend brennt Äch weiß, daß die Besten unter Ähnen nicht geworden wären, was sie sind, wenn die Flamme Hölderlins und Rietzsches und Stefan Georges in ihnen erstorben wäre. Aber alle diese, meine Freunde, so sehr sie brannten in der Rot ihrer Zeit, erhoben ihre Stimme aus der Ferne. Keiner von ihnen stand auf den Märkten der Zeit, sondern sie standen in der Einsamkeit der Wissenden und Z>er Seher, in einer solchen Einsamkeit. daß zwei von ihnen daran zerbrachen.
Und wenn ich auch weiß, dah ich nur wert bin, demütig vor ihrer Schwelle zu stehen, so darf ich, da Sie mich gerufen haben und da ich mich nicht vor den Menschen fürchte, nicht nur als em Glückwünschender zu Ähnen sprechen, sondern muß als ein Mahnender vor Sie treten, als ein Mensch, in dem die Welt sich anders spiegelt. Es ist kein Mangel an denen, die sich Dichter dieser Zeit nennen, die die Welle emporhebt und die von der Höhe dieser Welle zu Ähnen sprechen, laut und viel, bevor die Welle sie wieder begräbt Aber es ist Mangel an denen, die tapfer genug sind, von der Sorge zu sprechen, die sie erfüllt Meine Freunde, es wird viel gejubelt in unsrer Zeit, und es ist nichts gegen den Äubel zu sagen, denn er ist das Gieb des Sieges. Aber, vergessen Sie nicht, es wirb auch viel gelitten in einer Zeit, in ber bie Äugenb auf den Stuhl des Richters gefetzt wirb unb ben Stab zu brechen hat über Geben unb Werk.
Meine Freunbe, es wirb an allen Orten ein Hymnus auf bie Äugenb gesungen. Das ist gut so, benn es ist ein Zeichen, daß ein Volk nicht vor der Zeit alt und bitter geworden ist. Aber es will mir scheinen — verzeiht daß ich es so sage —, als sei ber Einsatz zum Beginn bieser Hymnen etwas zu früh gegeben worden. Es tut den Fünfzigjährigen nicht immer gut, gefeiert zu werden, und sollten die Zwanzigjährigen weiser sein als bie Fünfzigjährigen? Meine Freunbe, es kommt für jeben Menschen einmal bie Zeit, ba es für ihn Abschieb nehmen heißt von bem Stürmenben unb herrlich Beglänzten der Äugendzeit. Rur die Toren beider Geschlechter wollen jünger sein, als sie sind. Vielleicht ist es die ernsteste Stunde im Geben des Einzelnen, weil sie viel Erkenntnis verlangt, viel Verzicht und sehr viel Güte. Es kommt in Wahrheit nicht mehr wieder, was man einstmals besah, und das Altenteil des Gebens hat seine Bitterkeiten, wie das Altenreil des Bauern sie hat. Än solch einer Stunde des Gebens, wo der Dogen sich senkt, wo das Schwert abgegeben wird an junge Hände, sieht man mit klaren, ja vielleicht mit prophetischen Augen auf den Weg des jungen Geschlechtes, wie er sich auf hebt von unserer vereinsamenden Schwelle und hinausführt in ein Gand der neuen Morgenröte, das auch uns verheißen war, aber das wir nicht mehr betreten werden. Unb wäh- renb sie fortstürmt, ohne sich umzublicken, bie Äugenb aller Zeiten, auf biefen Weg, ben zu finben alle Zeiten sich leidenschaftlich gemüht haben, blicken wir ihr nach von der Schwelle unseres Hauses, ben erhobenen Stirnen, wie auch wir sie einst trugen, ben bekränzten "Dassen, wie auch wir sie einst hoben, ben wehenden Fahnen, wie auch uns sie einst überwehten. Unb wir suchen nach einem Segen, den wir ihnen mitgeben könnten, ber bie Summe unsres eigenen Gebens enthielte, ber vielleicht verworfen würde, weil sie keines Segens zu bedürfen glauben, aber ber doch gesprochen werben muß, bamit unsre Augen ohne Angst an dem Staube hängen können, ber nun
war sehr blaß unb konnte nicht reben; unb alles, was sie von sich gab, war salziges Deewasser.
»Was hast bu bamals empfunden, wie war es denn", fragte man sie später, „als bu so balagst unb das Wasser über bich hinwegging?"
„Es war ganz bunkel", erzählte Älse, „wie unter der Steppdecke, wenn man sich versteckt, und die Welle sagte: Trink mich, trink mich, damit du sterbst." Sterbst. Was ist Sterben für eine Vierjährige? Die Dunkelheit, die Welle, keine Gust, bie Angst. Es war eine Trübung, ein Hauch über einem Spiegel. Es war bie Sekunde einer Erkenntnis. Es ging vorüber; zum erstenmal ging ber Tob vorüber
Ganz kleine Geschichten ...
... von berühmten Leuten und gewöhnlichen Sterblichen.
Der Held.
Im Jahre 1849 mar’s, im Kriege gegen Dänemark. Der „alte Wrangel" — „Papa Wränge l“, wie er allgemein vom Heere genannt wurde —, hatte den Oberbefehl über die preußischen Truppen. Eines Tages leitete er, mit feiner Suite auf einer Anhohe haltend, das Gefecht. Da fiel ihm ein blutjunger Leutnant durch feine außerordentliche Bravour auf. Er bewahrte im stärksten Kugelregen Umsicht und Kaltblütigkeit und wußte seinen Zug meisterhaft zu führen. Nach beendigtem Kampfe ließ ihn Wrangel zu sich rufen und redete ihn mit folgenden Worten an: „Du hast dir heute recht brav gehalten, mein Sohn. Das freut mir. Wie heißt denn du eijentlich?" „Zu dienen, Exzellenz", war die Antwort, „mein Name ist Hase!" „Was?" rief erstaunt der alte Eisenfresser, „o o ch noch Haase? Na, denn freut's mir um so mehr, mein Sohn!"
Erstaunliches Erlebnis.
Im k. k. Hofoperntheater in Wien tagte einst eine große Konferenz von Lehrern, bie aus dem ganzen Reich zusammengekommen waren und abends geschlossen die Hofoper besuchten. Im Zwischenakt war der Kapellmeister Richter auf der Bühne und musterte die Zuschauer durch das Loch im Vorhang. Darauf meinte er zu den nebenstehenden Sängern: „Ich habe das Opernhaus schon voller gesehen; ich habe es auch schon leerer gesehen; aber so voller Lehrer habe ich es noch nie gesehen!"
Eine Tasse Bohnenkaffee.
Ein berühmter Schriftsteller verbrachte einst seine Ferien auf dem Lande. Eines Tages trat er in eine Dorfschenke, setzte sich und fragte die Wirtin: „Haben Sie Zichorie?"
Eifrig bejahte die dicke Madame.
„Wieviel?"
schon lange aufgeftanben ist hinter ihrem Weg:
„Was geliebt werben kann am Menschen", also sprach Zarathustra, „bas ist, bah er ein Liebergang unb ein Untergang ist. Äch liebe bie, welche nicht zu leben wissen, es sei benn als Unter» gehende. Äch liebe bie großen Derachtenben, weil sie bie großen Verehrenben finb unb Pfeile ber Sehnsucht nach bem andern Ufer. Äch liebe ben, besten Seele sich verschwenbet. Äch liebe ben, welcher sich schämt, wenn ber Würfel zu seinem Glück fällt. Äch liebe ben, welcher seinen Gott züchtigt, weil er seinen Gott liebt. Äch liebe alle Die, welche wie schwere Tropfen finb, einzeln falienb aus ber dunklen Wolke, bie über ben Menschen hängt. Sie verkünbigen, bah ber Blitz kommt unb gehen als Verkündiger zu Grunde." Also sprach Zarathustra.
Seid demütig, meine Freunde, nicht vor den Menschen, aber vor Gott, benn wem bie Macht verliehen wirb, hat nicht nur zu beugen, fonbem auch aufzurichten, was gebeugt würbe, unb Dankbarkeit gehört zu ben Dingen, bie keinem Wandel der Zeiten unterworfen sein dürfen. Und seid nicht nur demütig, sondern kehrt auch ein wenig zurück aus dem Lärm der Welt in die stillen
„Dreißig Pakete!"
„Schon. Bringen Sie die dreißig Pakete her!"
Keuchend brachte die Wirtin dreißig Pakete Zichorie und legte sie auf den Tisch des Gastes.
„So", bemerkte der Schriftsteller trocken, „jetzt können Sie mir eine Tasse Bohnenkaffee kochen!"
Im dunkel st en Afrika.
Sebastian Schulze reift durch Afrika. Unter dem dem tut er es nicht.
Mit zwölf schwarzen Trägern und einer halb- ledergebundenen Landesbeschreibung von Doktor H. F. Bummfiddle aus dem Jahre 1903 bringt er bis dorthin vor, wo Afrika am dunkelsten ist.
Und so kam es, wie es kommen mußte.
In der achten Woche seiner Wanderung wurde er von den schwarzen Kriegern des Häuptlings Kari- Kiri ergriffen und zur Audienz geschleppt.
Doch nicht umsonst hatte Sebastian Schulze seinen H. F. Bummfiddle gelesen. Er wußte um die Gier der Reger nach den unbekannten Erzeugnissen der europäischen Industrie.
Ergo ergriff Herr Schulze tief in seinen Rucksack und überreichte dem Häuptling eine alte, verbeulte Weckeruhr. Darauf trat er bescheiden zehn Schritte zurück, um ihm den nötigen Platz für einen längeren Freudentanz zu schaffen.
Aber nichts dergleichen geschah.
Kari-Kiri besah sich die Uhr von allen Seiten — drehte hier ein bißchen, drehte dort ein bißchen. Schließlich nickte er freundlich unb sagte: „Ra, schon, Mister, weil Sie es sind! Für zwei Mark fufszig werde ich Ihnen das Ding wieder in Ordnung bringen. (Lust. Bl.)
Der Zauberer.
Wenn der Vater mit dem Sohne eine Reise reift, wird der Mann oft zum Kind. Das macht die Reiseluft. So war es auch bei Münnelmann, der mit seinem sechsjährigen Jungen im Abteil saß, ihm plötzlich die Mütze vom Kopf riß und sie schnell versteckte.
„Wo ist meine Mütze, Vater?"
„Zum Fenster habe ich sie hinausgeworfen."
„Meine gute, neue Mütze?"
Der Vater lächelte lieb:
„Keine Sorge! Ich bin ein großer Zauberer. Wenn ich nur pfeife, kommt die Mütze von selber zurückgeflogen."
Der Junge riß die Augen auf. Der Vater pfiff. Und richtig, schon hielt Vater Münnelmann die Mütze in der Hand.
„Fein, Vater!"
Des Jungen Augen strahlten. Mit einem Schwung warf er die Mütze wieder aus dem Fenster und rief:
„Pfeif nochmal, Vater!"
Kleiner Unterschied
Caruso fuhr seinerzeit von Capri nach Köln.
Unterwegs stieg einer ein. Stellte sich vor:
Sam$tag,2.Septcmbcr 1955 ™ . ■■ - _ 1_____!
Wälber, die aller Äugenb zugehören. Es ist wohl nötig, daß gejätet unb verbrannt werbe, nachdem bas Unkraut geblüht hat für lange Zeit, aoer es ist auch nötig, baß gepflügt und gesät werbe, unb immer war bas Schweigen ber Erde um diese heiligen Dinge. „Gebt denen, bie hungern", sagt eines Dichters Wort, „von eurem Reis. Gebt benen, bie leiben, von eurem Herzen!"
Äch habe einmal in einem "Brief an einen jungen Menschen von ber Berufung des Dichters gesprochen unb von ihm gesagt, daß ihm gebühre, still im Ganbe zu wohnen, wie der Knecht in seiner Kammer wohnt, und indes im Haus des Herrn bie Gichter glänzen, wacht er über bem Schlaf ber Tiere unb ber Felder, unb alles, was ihm beschert werden kann, ist, bah am Morgen seine Seele vom Tau ber Gnabe bebedt ist, gleich bem Vliese Gibeons, bas bieser an bie Tür seines Zeltes schlug.
Es ist basselbe. was ich Ähnen, nun ich am Ende bin, zu sagen habe, weil beide zu dem Gleichen berufen finb, ber Dichter wie bie Äugenb: das Stille zu bewahren, bas Mübe zu erneuern, bas Große zu verehren, bas Gcibenbe zu lieben.
„Max Meier mein werter Name."
„Caruso", erwiderte der große Sänger.
Max Meier staunte Bauklötzer.
„Der berühmte Mann?" vergewisserte er sich.
„Ich glaube."
Caruso lächelte geschmeichelt. Max Meier atmete Ehrfurcht und sagte:
,^ch habe schon viel von Ihnen gelesen — von Robinson Caruso — welche Ehre, einen so berühmten Weltumsegler kennenzulernen — und wie geyt es Ihrem Freunde Freitag?" (Luft. Bl.)
Wüsten-Aufschnitt.
„Also, ich hatte ein Repetiergewehr in der Hand und einen tüchtigen Rucksack auf dem Buckel, und die Sache ging famos. Zuerst kam mir ein kleiner Pavian in die Quere, den schoß ich und steckte ihn in den Rucksack. Dann sprang mir eine Gazelle übern Weg; geschossen, und in den Rucksack spediert. Bald darauf seh' ich auf hundert Meter eine Pantherkatze, — Schuß — Rucksack ..."
„ ... und wenn Sie jetzt noch einen Elefanten treffen, hau' ich Ihnen ein paar hinter die Löffel!!"
(Lust. Bl.) Mahnung.
Max Reger, der berühmte Komponist, wurde von einer Familie zur Kindtaufe geladen. Der Künstler aß beträchtliche Portionen, besonders von dem Kaviar.
Die junge Frau freute sich über den Appetit ihres Gastes und versprach ihm, daß er beim nächsten Kind ein ganzes Fäßchen Kaviar erhalten solle.
Nach ungefähr zwei Jahren erinnerte sich Reger wieder des großzügigen Versprechens. Mitten in der Nacht wurde das Ehepaar durch ein Telegramm geweckt:
„Faule Bande, wobleibtmeinKaoia r?"
Zeitschriften.
— Das Tier im modernen Lichtbild zeigen Abbildungen der neuesten Leipziger „I llu- st r i r t e n Zeitung" lVerlag I. I. Weber). Neben den vom modernen Kameramann künstlerisch erfaßten Bildern aus dem Tierleben verdeutlichen gut gelungene Zeichnungen von Kinderhand, daß sich auch unsere Kleinen gerne mit dem Tier beschäftigen und ihr Wesenhaftes erkennen. — Ein weiterer Beitrag behandelt unter der Ueberschrift „Deutsche Volkstumspflege", die Wiedererweckung einer alten Sitte in Dithmarschen. — Tem Dichter Christoph Martin Wieland ist aus Anlaß feines 200.Geburtstages eine Würdigung von Erhard Bruder gewidmet. — Erinnerungs-Beiträge befaßen sich des weiteren mit den 4G0 Jahre bestehenden hessischen Heilanstalten Merzhausen und Haina.
Gedenkblatt an die Schlacht von Sedan (2.Septemberl87ü)
Der französische General Reil le überbringt König Wilhelm I. die Kapitulation Kaiser Napoleons III. Hinter dem König Kronprinz Friedrich Wilhelm, Moltke und Bismarck. (Nach dem Gemälde von Steffeck.)
1
I
Oer Tag von Sedan.
Don Gurt Hohel.
Die Generation, die bei Ausbruch des Weltkrieges von den Schulen strömte oder gerade dienstpflichtig war, hat noch die festliche Stimmung in sich ausgenommen, die den Tag von Sedan für das Vorkriegsdeutschland erfüllte. Es war der Tag der Nationalfeier im eigentlichsten Sinne. Es war der Tag des größten militärischen Sieges der geeinten Deutschen. Nicht der Tag der Kaiserkrönung, der 18. Januar, wurde der Nationalfeiertag, sondern der Siegestag des Heeres. Das Bismarck-Deutschland empfand durchaus soldatisch, es sah in den Waffen das Schicksal. Und selbst als die Kriegergeneration von 1870/71 schon zum großen Teil dahingegangen war, blieb es bei dieser Feier. Sie trug durchaus nicht den Charakter einer haßerfüllten Kriegserinnerung, sie trug überhaupt keinen aktuell
politischen Zug — sie war das Fe st der Nation schlechthin. Daß die rednerischen Kundgebungen von der jüngsten Generation — der, die nachher in den Weltkrieg zog —, nicht immer gefühlsmäßig voll aufgenommen wurden, daß da irgendwo etwas ins Leere ging, das steht hier nicht in Rede. Tas Volksfest blieb. Es war „patriotisch", aber es war von einer echten Empfindung getragen.
Sedan: — der Sieg war die Wende der europäischen Geschichte, die den Weltkrieg beschwor. Auf diesem Siege konnte das Kaiserreich gegründet werden, jenes Reich Bismarcks, das heute besteht und die unerhörteste Belastungsprobe der Geschichte bestanden hat. Die Männer der älteren Vorkriegsgeneration ahnten wohl, daß diese unerhörte Probe auf Bismarcks Werk kommen werde, aber sie sahen sie immer im Scheine der Kanonaden um Sedan. Sie glaubten nicht an den ungeheuren Schmelzofen der herannahenden Materialschlachten.


