Nr. 254 Erstes Blatt
189. Jahrgang
Montag, 30. Oktober 1939
Eichener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Ortt(ft und Verlag: vrühlsche Universttätrdruckerei R. Lange in Sietzen. Schristleitung und SeschSftrftelle: Schulstratze 7
Annahme von Anzeige» für die Mittagsnummer vis8'/,Ul)rdes Dormittags
Srvndpretfe für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm
Brette 7 Rpf., für Text- anzeigen von 70mm Breits
50 Rpf.,Platzvorschrift nach vorh. Dereinbg. 25°/e mehr.
Lrmähtgte Grundpreise: Stellen», Vereins», gemeinnützige Anzeigen sowie ein« spaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Rpf., Familienanzeigen, Bäder-, Unterrichts- u. behördliche Anzergen6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B
ErscheMt täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Giehener Familienblätter Heimat im Bild • Die Scholl«
Monatr-Vezugspretr:
Mil 4 Beilagen RM. 1.95
Ohne Illustrierte e 1.80 Zustellgebühr e -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt
Zernsprechanfchlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnach- richten Anzeiger Giehea
Postscheckkonto:
Krankfurt am Main 11688
zu
das
pomezia, die 5. neugegriinbefe Stobt in den ehemaligen pontinischen Sümpfen
nicht zutreffen, ist ein neuer frecher Schwindel der Londoner Lügenzentrale entlarvt worden. Mit einem ungeheuren Aufwand von Druckerschwärze und Papier haben englische Zeitungen in den letzten Tagen versucht, der Schweiz und der Weltöffentlichkeit vorzulügen, daß Deutschland die Absicht habe, die Neutralität der Schweiz zu verletzen und über schweizerisches Gebiet nach Frankreich vorzustoßen. Zu diesem Zweck seien, so wurde behauptet, „ungeheure Truppenmassen" zusammengezogen worden. Und mit noch größerer Phantasie wurde bereits der deutsche Vorstoß in grellen Farben ausgemalt.
Oer Jahrestag des Marsches auf 3tom.
Rom, 30. Ott. (DNB.) Mussolini hat am Sanis-
Jm Rahmen der gewaltigen Urbarmachung der Pontinischen Sümpfe weihte der Duce am Sonntag die fünfte Stadt, die Stadt Pomezia, von deren Aufbau unsere Bilder berichten. Unser linkes Bild zeigt einen Blick durch den Säulengang des Bürgerschaftshauses auf die Kirche, und das rechte Bild zeigt das Rathaus von Pomezia. — (Scherl-Bilderdienst-M.)
lich auf der Hand, daß es nicht ausgesprochen werden braucht.
tagvormittag anläßlich des Jahrestages des Marsches auf Rom Parteisekretär Minister S t a r a c e empfangen, der dem Duce die die Nummer 1 tragende Parteikarte für das 18. Jahr der faschistischen Zeitrechnung überreichte und meldete, daß von der Partei und ihren Gliederungen und Orga- nisationenn 21,6 Millionen Italiener und Italienerinnen erfaßt seien. Davon entfallen 2,6 Millionen auf die faschistischen Kampfverbände, 7,8 Millionen auf die faschistischen Jugendorganisationen, 3,8 Millionen auf die Freizeitbewegung und 1,3 Millionen auf die Wehrmachtverbände.
Während des Empfanges war auf der Piazza Venezia eine ungeheure Menge zusammengeströmt. Auf die stürmischen Zurufe hin trat Mussolini auf den Balkon heraus und richtete folgende kurze Ansprache an das Volk: „Am ruhmvollen Jahrestag der Revolution der Schwarzhemden stehen wir alle von den Alpen bis zum Indischen Ozean geschlossen, stark und entschlossen wie nie zusammen. Der Faschismus verlangt, wie schon in den harten Kampftagen der Revolution, für sich ein einiges Vorrecht,' in allen Dingen mit dem Volk und für
Volk bauen und marschieren." — Die Worte
des Duce wurden mit stürmischen Ovationen ausgenommen.
Mussolini begab sich dann in den Senat, wo er den neuen Anbau des Senatsgebäudes seiner Bestimmung übergab. Der Duce hat auch am Nachmittag zahlreiche fertiggestellte Bauten und Straßen ihrer Bestimmung übergeben, so die Via Imperiale sowie das neue Gebäude des Faschistischen Sozialversicherungsinstitutes. Abschließend begab sich Mussolini auf das Capitol, wo er der Ueberreichung des Zweiten Buches des neuen Zivilgesetzes durch den Justizminister an den Gouverneur von Rom beiwohnte. Wie in Rom, so wurden in allen Städten und Dörfern des Imperiums die während des Jahres vollendeten Bauten ein- geweiht. Insgesamt über 1500 Bauten, für die über 900 Millionen Lire aufgewandt wurden, und die nahezu 16 Millionen Arbeitstage erforderten. Der Duce hat am Sonntagnachmittag die fünfte und letzte Stadt des aus den Sümpfen neu gewonnenen pontinischen Ackers Pomezia eingeweiht. Damit ist das Werk der Sanierung und Erschließung der früher vom Fieber heimgesuchten Gegend beendet. Mussolini wurden bei seiner Rückkehr nach Rom von einer ungeheuren Menge auf der Piazza Venezia neue begeisterte Kundgebungen dargebracht, die ihn veranlaßten, mehrmals auf dem historischen Balkon des Palazzo Venezia zu erscheinen.
Bern 29. DEL (DNB.) Amtlich wird mitgeteilt: Die'von London und Paris verbrettete Nachricht von dem Aufmarsch v o n 12 deutschen Divisionen an der Schweizer Nordgrenze entspricht den Tatsachen tn keiner Weise. Die Belegung an unserer Nordgrenze gibt keinen Anlaß zu besonderer $ Dazu^schreibt"de/'D eutsche Dienst : Mit dem klaren und eindeutigen Dementi der Schweizer Re- aieruna, daß die von London und Paris in die Welt posaunten angeblichen deutschen Truppenzusammenziehungen an der Nordgrenze der Schweiz
Neuer Schwindel der Londoner Lügenzenirale entlarvt
Oie Schweiz dementiert kategorisch deutsche Truppenkonzentrationen an der Schweizer Grenze.
Jahre sich mit grünenden Saaten, Wein- oder Olivenpflanzungen bedeckten, aus denen weithin die weihen Bauernhäuser im Sonnenlicht hervorleuchten, wer in diesen Häusern die Dankesworte arbeitsamer, zufriedener und glücklicher Menschen an den Duce und den Marschall Balbo vornehmen durfte, der mußte die Ueberzeugung gewinnen, daß dieses Siedlungswerk, das Generalfeldmarschall Göring bei seinem Besuch im April dieses Jahres als „eine auf der Welt einzig dastehende Leistung" bezeichnete, nicht mehr fehlschlagen kann, daß es bereits gelungen ist.
Welche militärische Bedeutung die libysche Massensiedlung besitzt, ergibt sich ohne weiteres aus
Der zweite „Zug der Zwanzigtausend" nach Libyen.
Von unserem 71. G.-Korrespondenten
_ . . _ Rom, Ende Oktober 1939.
Krieg und Kriegsgeschrei durchhallt gegenwärtig Europa; Italien aber läßt sich m seinem gewaltigen Aufbauwerk, von dem der Duce einst erklärte es sei „der Krieg, den wir bevorzugen", nicht beirren. Auf dem Gelände der Weltausstellung 1942 auf den Hochebenen und in den Sümpfen, die in naher Zukunst tausenden von italienischen Bauern- familien Existenz und Brot sichern sollen, singt die Arbeit weiter ihr dröhnendes Lied. Auch die Massenbesiedlung Libyens, die Ende Oktober vorigen Jahren mit jenem Heldengedicht des Friedens, das die Uebersiedlunq von 20 000 Menschen an Bord von 17 Dampfern darstellte und das die Welt aushorchen ließ, eingeleitet wurde, erfährt durch die unruhigen und ungewissen Zeiten keine Unterbrechung. Mit eiserner Tatkraft führt der Faschismus die Riesenaufgabe, ine er sich gesetzt Hatz ihrer Lösung entgegen, getreu dem Worte des Luftmarschalls Balbo, der damals erklärte: „Dies könnte bereits ein Endziel darstellen, aber es wird nur eine Etappe sein. Der Marsch wird keine Rast kennen, bis eine geschlossene Masse italienischer Bauern jene libysche Erde bearbeitet, auf der seit Jahrtausenden nur Steppe und Gestrüpp gewachsen ist."
Am 28. Oktober, dem 18. Jahrestag des Marsches auf Rom, begann die zweite Etappe des Siedlungswerkes, wiederum beförderte eine aus sechs Dampfern bestehende „Friedensflotte" 1600 Bauernfamilien Mit rund 20 000 Köpfen in ihre neue libysche Heimat. Wiederum sind diese Bauern aus zehntausenden von Familien aus das Sorgfältigste ausgewählt worden, um alle nur denkbaren Sicherheiten hinsichtlich ihrer beruflichen, gesundheitlichen und moralischen Eignung für die Pionierarbeit, die sie drüben zu vollbringen haben, zu erhalten. Wie sehr sich diese peinlich genaue „Durchsiebung" der Bewerber um die libyschen Bauernsiedlung bezahlt macht, beweist die Tatsache, daß von den im Jahre 1938 nach dem „vierten User" Italiens verpflanzten Siedlern sich nur ein Prozent als nicht anpassungsfähig erwiesen hat, während die Bchörden mit einem Ausfall von 10 v. H. gerechnet hatten.
In wenigen Monaten haben viertausendfünfhundert italienische Arbeiter, die von mehreren tausend Eingeborenen unterstützt wurden, in ganz Libyen eintausendsechshundert Bauernstellen mit Wohngebäude, Stallungen, Scheunen, Geräten, Wasserleitungen, Verbindungsstraßen usw. für die Neuankömmlinge fertiggestellt. Um allmählich eine möglichst gleichmäßig dichte Besiedlung der für Europäer geeigneten Landstriche zu erzielen, sind nicht nur die bereits vorhandenen 21 italienischen Siedlungen durch Zubauten erweitert, sondern in sämtlichen vier Provinzen neue Dörfer und Flecken angelegt worden, denen Mussolini die Namen berühmter Männer oder faschistischer Märtyrer verlieh. So erstanden in den westlichen Provinzen Tripolis und Misurata zwei Dörfer — Garibaldi und Marconi — und drei Flecken — Corridoni, Tazzoli und Micca —, in den östlichen Provinzen Bengasi und Sema ein Dorf — Ma- Tneli — und zwei Flecken — Filzi und Sauro. Diese Siedlungen liegen zum Teil in der Küstenniederung, zum andern Teil auf der Hochebene des „grünen Djebel Cirenaico". Im Mittelpunkt der Dörfer werden — deren künftige Bewohner alle für ihr Leben erforderlichen Einrichtungen, wie Kirche, Schule, Gemeindeverwaltung, Haus des Fascio, Markt, Postamt, Carabinierikaserne, Krankenhaus, Gasthaus, Handwerkerläden, vorfinden, während sich die Flecken mit einer Schule, einer Kapelle und der „Kooperative" (Laden) begnügen müssen. Insgesamt mußten zur Herrichtung der 1600 Bauernstellen rund 60 000 Hektar Boden von Gestrüpp und Steinen befreit und mit Hilfe von Motorpflügen zum ersten Male umgebrochen werden.
Die hier und da von böswilligen Auslandsblät- ttrn aufgestellte Behauptung, daß dieses gewaltige Ziedlungsprogramm unter Benachteiligung der Eingeborenen durchgeführt werde, ist von Marschall Balbo erst unlängst wieder in einer Rede zurückgewiesen worden. Im Gegenteil verbessere sich das Los der Araber beständig, einmal, weil sie an dem von Italien geschaffenen neuen Leben mitarbeiteten, anderseits, weil die Re- ttierung Libyens stets ein offenes Herz für die Bedürfnisse der Eingeborenen gezeigt habe. In der £at können die Äraber Beihilfen, Prämien und landwirtschaftliche Darlehen zu den gleichen Bedingungen erhalten wie die italienischen Siedler. Ferner sind zu den beiden Eingeborenendörfern, die 'm vergangenen Jahr an der Bucht von Ras Jlal lrbaut worden sind, in diesem Jahre sechs meliere, zwei in der Provinz Tripolis und vier in bstlibyen hinzugekommen. Am beweiskräftigsten eber werden die ausländischen Entstellungen durch Ue Tatsache widerlegt, daß alljährlich Hunderte °on Araberfamilien, die in früheren Zei- fen, besonders während der militärischen Eroberung les Landes, nach Tunis, Algerien und Aegypten geflüchtet waren, wieder in die alte Heimat z u - rückwandern. . , ,,
Wer, wie der Verfasser, die Möglichkeit hatte, in wiederholten Fahrten durch Libyen die bisherigen, tlle Erwartungen übertreffenden Ergebnisse der ^oßzügigen Siedlungspolitik Balbos zu ver beobachten konnte, wie aus Steppe und Busch- lrnd Rodungen entstanden, die schon in einem
dem Umstand, daß jede Bauernfamilie zwei bis drei wehrfähige Männer mitbringt, die in den .Häusern des Fascio" ihre vollständige Milizausrüstung vorfinden. In den beiden letzten Jahren dürfte sich also die Zahl der Waffenträger in Libyen um acht- bis zehntausend vermehrt haben. Generalfeldmarschall Göring, der ja während seines Aufenthaltes als Gast des General- gouverneurs Balbo mehreren Paraden und Feld- bienftübungen beiwohnte, prägte für diese Männer, die in der einen Hand den Spaten, in der anderen das Gewehr halten, das Wort: „Hervorragende Dauern, hervorragende Soldaten." Mit diesen Männern könne Italien mit ruhiger Festigkeit alle kommenden Dinge abwarten. Was dies für ein Gebiet, das im Westen an die nordafrikanischen Besitzungen Frankreichs, im Osten an Aegypten, den Hüter des Suez-Kanals, grenzt, vom strategisch- militärischen Gesichtspunkt aus gerade in den jetzigen europäischen Krisenzeiten bedeutet, liegt so deut-
■
Hl • :
Der erfolgreiche Handelskrieg.
Rund 500 000 Tonnen Schiffsraum sind durch deutsche U-Boote seit der Erklärung des Kriegszustandes versenkt worden. Diese 500 000 Tonnen bedeuten an sich schon einen sehr schweren und spürbaren Ausfall an Schiffstonnage für England und Frankreich. Es handelt sich ja nicht nur darum, daß dieser Schiffsraum versenkt ist, sondern vor allem darum, daß er für d i e Versorgung unserer Feinde im Außenhandel über See nicht mehr zur Verfügung steht. Diese 500 000 Tonnen lassen sich zunächst nicht wieder ersetzen, auch wenn der Unglücksmann Winston Churchill die Briten immer wieder damit vertröstet, es feien neue Handelsschiffe auf Stapel gelegt. Wie wirksam der Handelskrieg gegen England ist, geht auch daraus hervor, daß England, das fast seinen ganzen Holzbedarf in den skandinavischen Staaten deckt, schon unter Holzmangel besonders im Bau- .gewerbe und im Kohlenbergbau zu leiden hat.
Als Ablenkung für diese Schläge versucht die britische Admiralität, vom geistesverwandten Lügen- minifterium wacker unterstützt, Verluste an U-Booten zu erfinden. An dem Tage, an dem in Scapa Flow der „Royal Oak" versenkt und die nicht minder stolze „Repulse" torpediert wurde, ließ Winston Churchill zunächst durch Rundfunk ver- künden, es seien nicht weniger als fünf deutsche U-Boote durch britische Kriegsschiffe versenkt worden. Das war der Auftakt: Gleich darauf mußte mitgeteilt werden, was in Scapa Flow vor sich gegangen war, allerdings n u r h a l b , denn die ganze Wahrheit kann den Briten noch immer nicht vorgesetzt werden.
Wie es wirklich mit der deutschen U-Boot-Wasfe bestellt ist, das geht aus dem Bericht des Ober- kommandos der Wehrmacht hervor. Es sind drei U-Boote noch nicht zurückgekehrt. Ob sie verloren sind, steht noch nicht fest, aber es ist sicher, daß sie dem Feinde empfindlichen Schaden zugefügt haben. Mit dieser Zahl von drei U-Booten, die vielleicht als verloren bezeichnet werden können, muß die Zahl verglichen werden, die der alte Lügenbold Winston Churchill dieser Tage im Unterhaus mitteilte, wobei auch Chamberlain kein Bedenken trug, sie sich zu eigen zu machen. Danach sollen mindestens 17 deutsche U-Boote allein durch englische Kriegsschiffe versenkt worden seien, ungerechnet die U-Boote, die ftanzösische Kriegsschiffe versenkt haben wollen.
Wie diese Versenkungen zustande kommen, ist wiederholt im Londoner Rundfunk mitgeteilt worden: Hat beispielsweise ein U-Boot ein Handelsschiff versenkt, so brausen auch schon englische Flieger heran, kreuzen über der Stelle, wo angeblich das U-Boot getaucht sein soll, um dann mitzuteilen, es hätte sich nichts mehr von ihm wahrnehmen lassen. Daraus macht die brittsche Admiralität ein ver-- senktes U-Boot, woraus sich schließen läßt, daß für diese Admiralität jedes U-Boot versenkt ist, das vorschriftsmäßig taucht und wegschwimmt.
Was die deutschen U-Boote bisher im Handelskrieg geleistet haben, gehört zu den stolzesten Taten der Seekriegsgeschichte. Sie haben es gemeinsam mit den Flugstreitkräften erreicht, daß die Nordsee von englischen Kriegsschiffen so gut wie gesäubert ist, die Home Fleet hat sich wahrscheinlich nach der Westküste Englands verzogen. Das deutsche Volk dankt seinen U-Boot-Männern für den unerschrockenen Einsatz, es dankt ihnen besonders dafür, daß dieser Einsatz dazu beigetragen hat, die einmal unbestrittene Vorherrschaft Englands zur See spürbar in Frage zu stellen. D. S.
Dieses Liigenmanöoer ist an sich nicht neu. Erst vor kurzem war es Belgien, das wir angeblich überrennen wollten. Genau wie jetzt hinsichtlich der Schweiz wurde damals der Weltöffentlichkeit vorgelogen, daß Deutschland sich entschlossen habe, die belgische Neutralität zu übergehen, um durch belgisches Gebiet nach Frankreich 'vorzudringen. Zu diesem Zweck ließ man ganze deutsche Armeen bei Aachen aufmarfdjieren, und man scheute sich nicht, mit immer neuen alarmierenden Sensationen aufzuwarten. Bis — der ganze Schwindel durch ein amtliches belgisches Dementi widerlegt wurde!
In London verschanzte man sich wie üblich hinter Ausflüchten. Der „Daily Herald" bekommt es jetzt sogar fertig zuzugeben, daß die damalige „Nachricht" von dem angeblichen deutschen Vorstoßplan über Aachen nach Belgien eine freie Erfindung für den inneren Gebrauch gewesen sei. Das englische Blatt gibt damit offen zu, daß man im Londoner Lügenministerium von Zeit zu Zeit ganz systematisch Mit derartigen Schwindelnachrichten aufwartet, um die englische Öffentlichkeit aufzupeitschen, eine Tatsache, die für die Londoner Lüxenpraxis in der Tat kennzeichnend ist.
Unter diesen Umständen wird man sich auch im Auslande kaum noch darüber wundern, wenn den mit so großem Stimmenaufwand hinausposaunten Lügen über die angeblich beabsichtigte Verletzung der Schweizer Neutralität das Dementi auf dem Fuße gefolgt ist. Die Londoner Lügenzentrale hat sich wieder einmal — wie schon so oft — bis auf die Knochen blamiert. Um so mehr, als man in London, um mit dem „Daily HeraD" zu sprechen, gestern noch behauptete, die Nachrichten! über die Schweiz seien „begründet", und es seien viele Anzeichen dafür vorhanden, daß die Deutschen dort vorstoßen wollten!


