29./30.3UIH939
m. (75 Zweites Blatt
Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)
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Wandern und Reisen ♦ Bäder und Sommerfrischen
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nicht nur darum herumgehen,
Im hohen Vogelsberg. — (Aufnahme: Neuner, Gießener Anzeiger.)
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immer aufs neue Linienführung der gruppe.
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Jeder, der auf die Nehrung kommt, möchte natürlich Elche fehen, und das gelingt auch eigentlich immer, obwohl die scheuen Tiere vor den iremben Besuchern mehr und mehr zurückweichen. Uber die Fischer wissen Bescheid, sie kennen die Spur, sie kennen die Waldungen und die Schlupfwinkel der Tiere, sie fahren die Gäste kreuz und tguer durch den Wald. Dann stehen sie plötzlich vor uns, die Elche, und man ist jedesmal von neuem vast erschreckt über ihre Größe und Urweltlichkeit. Die Birken des Waldes sind niedrig, der Huf des Nches zerbricht sie krachend, wenn er durch das Dickicht kommt, mit seinen Schaufeln nimmt er ein Wericht Kiefernnadeln mit auf den Weg, seine Leibspeise aber sind die jungen Eschen!
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Wir fuhren von Nidden in einem Fischdampfer mach Heidekrug herüber. Wir saßen am Bug I4e5 Schiffes, das hoch stieg wie ein sich bäumendes Pferd, der Schaum der Wellen spritzte uns ins Besicht. Meine Begleiterin sagte, nur noch das Seiten auf einem wilden Pferde käme diesen stürmischen Hasfahrten gleich. Sie war 73 Jahre alt und stammte aus dieser Gegend. Ihre kurzen wei- izen Haare wehten im Wind, ihre klaren braunen Äugen leuchteten. Wir trafen auf unserer Fahrt Fischer, die das Heu von den Wiesen des Festlandes :ouf die Nehrung herüber holten. Zwei Boote waren nebeneinander gebracht und der Heuberg iyerausgeschichtet, auch die Pferde, die die Fuhre >yerangefahren hatten, standen des Sturms gewohnt, geduldig mit gesenkten Köpfen auf dem Boot. Heu fit rar und kostbar wie Gold auf der Nehrung.
Dom Haff kamen wir in den R u ß st r o m , der torett und gewichtig durch eine Wiesenlandschaft von vo unendlicher Weite fließt, daß das Auge den Horizont fern, fern über die Ebene hin sucht. Es fit sehr einsam. Selten ein Gehöft am Ufer, hin und wieder sind Fischer auf und in dem Strom, imit chren Netzen und Aalreusen beschäftigt. Nun macht das Dampferchen eine Wendung, wir biegen im ein Flüßchen, die „Schiesch" (Schiessz), die in weichen Windungen ihren Weg weiter geht. Er ist -chmal und klar, der Fluß, Bäume und Gebüsch drängen sich ans Ufer, neigen sich über das Wasser, «*s spiegeln sich die hochstenglichen roten Weidenröschen darin. Vereinzelt sieht man graue Holzhäuser mit lustigen bunten Gärtchen daran. Auf Mer Bank, gegen die graue Hauswand gelehnt, Igängen grünliche Netze zum Trocknen, ein blitz- falauer Eimer prahlt daneben in seiner Farbe.
Wir kommen nach Heydekrug, das ist ein berühmter Marktflecken. Wir steigen aus, und ein syroßes Empirehaus, das dicht an dem imposanten Marktplatz liegt, nimmt uns gastlich auf. Hier ist jilles weit und großzügig, der riesige Platz, das Haus mit seinen Treppenfluren, die Gastfreiheit seiner Bewohner. Weiter fuhren wir nach Ruß, auf liiem Wege die Siedlung „Bismarck" berührend. Es ffft begreiflich, daß hier alles gegen die großen Ueberschwemmungen im Frühjahr geschützt wird, wenn der „Schacktarp", der Eisgang auf dem Ruß- rtrom losgeht. Die Heuschober stehen auf einer Untermauerung von Feldsteinen, kein Haus, in dem ^icht ein Boot für den Verkehr in solchen Zeiten ?nir Halck ist. Mußte doch eines Tages selbst der Herr Amtsrichter aus Ruß in einem Kahn über !<en Marktplatz zu einer Sitzung in Gerichtsgebäude gebracht werden ...
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Reisewinke.
Nicht soviel Handgepäck!
Die Mahnung: reise unbeschwert! sollte man nicht nur auf die seelische Haltung beziehen, sondern auch bei der nüchternen Ueberlegung, was alles auf der Reise mitzunehmen ist, zu ihrem Recht kommen lassen. Denn nichts hindert so den Reisegenuß wie das mühselige Schleppen von großem Handgepäck. Zudem verursacht man dadurch auch oft noch unliebsame Auseinandersetzungen mit anderen Reisegenossen; denn der Platz für Gepäck ist in den Abteilen nur beschränkt. Grundsätzlich soll nach den Bestimmungen nur so viel ins Abteil mitgenommen werden, wie man über und unter seinem Sitzplatz unterbringen kann. Größere Stücke sollten eigentlich immer im Gepäckwagen reifen, zumal die Kosten dafür im Reiseetat kaum eine wesentliche Rolle spielen dürften.
-Baden feiert HansThomas lOY.Geburtstag
Im Juli feiert der Gau Baden zusammen mit dem hundertjährigen Bestehen der Staatlichen Kunsthalle in Karlsruhe den 100. Geburtstag des Malers Hans Thoma. Aus diesem Anlaß veranstaltet die Staatliche Kunsthalle vom 2. Juli bis 3um 21. August eine Hans-Thoma-Gedächtnisaus- stellung, die als die umfassendste Schau der Werke des Meisters betrachtet werden darf. Zu gleicher Zeit wird im Geburtsort Bernau im südlichen Hochschwarzwald in zwei Ausstellungen das Andenken des berühmten Malers festlich begangen.
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Unter dem Solmser Löwen.
Braunfelser Miniaturen.
Das Sympathie« und Wappentier der altertümlichen Stadt Braunfels ist kein gewöhnlicher Löwe, sondern einer von eigner Art; das Schönste an ihm ist der Schwanz, ein prächtig aufgereckter, kunstvoll gefchnörkelter, geschweifter und geteilter, mit stattlicher Quaste geschmückter Zierat. Auch ist dieser Löwe nicht gelb, sondern meistens blau, und besonders der über dem äußeren Eingang zum Schloß eingelassene hat uns gut gefallen. Oben auf dem Turm dreht sich einer als Wetterfahne golden vor dem blauen Himmel. Ihrer zwei begrüßen den Kurbesucher am Brunnenhäuschen in der Lindenallee, zwei andere halten eine Brezel als Handwerksschild an einem Bäckerladen.
Lauterbach (Oberhessen), das idyllische LcmdstädtcheN im lieblichen Tal der Lauter, am Hang des Vogelsberges, umgeben von weiten, stillen Buchen- und Tannenwäldern und von sanften Höhenzügen. Sommerfrische. Malerisches Alt-Lauterbach,. HeimM- museum. Grober Stadwark (30 Morgen). Mod.^reischwimmbad. Grünberg. Die Sommerfrische an Wald und Wasser, malerisch am Fuße des Vogelsberges gelegen. Herrliche Svaziergange tn den Tälern, in prächtigen Tannen- und Laubwäldern, Ausstüge nach dem hohen Vogelsberg. Eisenbahnknotenpunkt. Gute Gaststätten. Großes Waldschwimmbad. Prospekt durch die Stadtverwaltung.
Man muß aber nicht nur darum herumgehen, sondern auch hinauf auf den Turm, wo sich eine wunderbare Sicht auftut nach allen vier Winden, — und hinein ins Innere, soweit es dem Besucher offen- steht. Es wäre vergebliche Mühe und ist überdies hier nicht unseres Amtes, die reichen Schätze aufzuzählen, welche die stilgerecht bewahrten und in sich geschlasse« nen Räume bergen. Den Jäger vermutlich noch mehr als den Kunstfreund wird die Galerie mit den Bildern des fürstlichen Hofmalers Seifer fesseln, die reichen Jagdsammlungen mit heimischen und exoti- schen Trophäen vieler und seltener Art nicht minder. Der Kunstfreund, der Liebhaber der Geschichte und der Altertümer würde gern länger verweilen, als die knapp bemessene Führung ihm Zeit läßt: Waffen über Waffen, Rüstungen, Helme, Morgensterne, ver« witterte und zerschlissene Fahnentücher — eines ist aus Kreuzzugszeiten erhalten geblieben, ein unheimlicher Anblick über Jahrhunderte hinweg —, an der Wand hängt das riesige Richtschwert noch,
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Die Bevölkerung hier ist arm, es gibt viele Häuser, in denen es keine Holzdielen, sondern nur Lehmboden gibt, man ist damit zufrieden... Wenn dber Besuch erwartet wird, werden selbstgewebte timte Decken auf den Boden gebreitet. Hoch geehrt mit) jeder Gast und ihm sogleich vom Besten an- koeboten, was die Küche aufzuweisen hat. Schnaps tn großen Gläsern soll offenbar ein Ausgleich sein Qr den fetttriefenden Räucheraal, die Neunaugen, Isen Geleekloben mit den wuchttgen Aalstucken. Wir nhen in Ruß fest, der Regen peitschte gegen die Fensterscheiben, Sturm zerrte an den Säumen, reine Möglichkeit, den Fischkutter zu benutzen der ■jns auf bas Haff hinaus bringen sollte zum Fisch- •nng. Keine Möglichkeit, im Ruderboot bis an die Außmündung zu fahren, dort hin, wo die Moven Titften, die Reiher silberschimmernd im Sonnenlicht wehen, bas scheue rote Bleßhuhn aus bem Wasser wucht: Wildnis und Einsamkeit...
Stattdessen fuhren wir mit der Bahn nach Memel. Diese Stadt setzt sich merkwürdig zu- tummen: Hier ein Dorf mit Häusern, auf deren "dach ein Erwachsener mit der Hand fassen kann,
alte Häuschen sind's mit schonen messingenen Türgriffen und Beschlägen, dort engstraßige Großstadt mit großen Läden und viel Verkehr. Schön ist das Rathaus, in dem während des unglücklichen Krieges 1806/7 die preußische Königsfamllie gewohnt hat — es im Innern wenigstens ganz unversehrt erhalten mit seinem entzückenden rund geschweiften Treppenaufgang in dem schön proportionierten Hausflur. Hineintretend sieht man durch eine enge Glastür in ein gepflegtes viereckiges Gärtchen, in dem die ieflüchteten Königskinder gespielt haben mögen. Gegenüber dem Rathaus steht wieder die während der Litauerzeit verschwundene Borussia, auf deren
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Wir Deutschen reisen gern. Wir wollen etwas : sehen, und je weiter es geht, desto „schöner" ist es. । So glauben viele. Dabei vergessen sie ihre eigne i engere Heimat. Erst wenn bann einmal ein lieber Freund zu uns kommt und wir mit ihm unsere Umgebung anschauen. Berg und Tal durchwandern, alte, verträumte Städtchen besuchen und staunend vor den Schönheiten stehen, müssen wir schamhatt zugeben, daß auch wir „zu Hause" allerhand Sehenswertes vorzeiaen können.
„Willst du immer weiter schweifen?
Sieh, das Gute liegt so nah!"
So ist es auch mit vielen ob er hessischen Städtchen, die ihr altes, schlichtes Kleid bewahrt haben, die auch heute noch erzählen von der Vergangenheit. Sie waren einst im Mittelalter groß und bedeutend, im Gegensatz zu vielen heuttgen Großstädten, die damals kaum genannt wurden, aber der dreißigjährige Krieg mit seinen Schrecken druckte auch diesen Städten seinen Stempel auf. Eine neue Blütezeit kam nicht für sie. Nun leben sie ftill und beschaulich für sich dahin. Was sie uns aber bieten, das ist die deutsche Vergangenheit, das ist der Zauber einer längst entschwunbenen Zeit, der — dem flüchtigen Betrachter unsichtbar — uns in den Bauwerken, in den engen Straßen, in der ganzen Anlage der Städtchen umfängt. Es ist beinahe so wie im Märchen vorn Dornröschen. Hinter Büschen und Hecken liegen verzauberte Städtchen, und gar mancher weiß nichts von der verborgenen Schönheit.
Geht unser Staunen nicht an, wenn wir z. B. nach Laubach kommen? Es liegt am Fuße des Vogelsberges. Mehr weiß mancher nicht von ihm. Und doch! Wie fein zeichnet sich das alte graue Schloß von dem dunkelgrünen Wald ab! Und wie liegt das kleine Städtchen so friedlich da im Grünen, wie ein Kind im Schoß der Mutter. Gar heimelig ist es in den engen Gaffen des Städtchens, in denen es gewiß nach Landwirtschaft riecht. Wie schon ist erst der Marktplatz mit dem Engelsbrunnen! Don da schaut man hinein in die malerischen Gäßchen. Zwischen alten Bäumen liegt das Schloß mit den? wuchtigen Treppenaufgang. Die grauen Wände mit dem abgebröckelten Putz, aber überwuchert vom Grün, der dicke Turm und die vielen unregelmäßigen Fenster erinnern uns an eine versunkene Märchenwelt. Nur einige Schritte weiter, und wir sind mitten im schönsten Buchenwald. Wer einmal hier auf der Höhe gestanden hat zur Abend- zeit, wenn die letzten Sonnenstrahlen die Wolken vergolden, vergißt niemals das Bild, das sich ihm hier barbietet.
Warum reifen immer noch so viele nach Rothenburg ob der Tauber? Weil sie einmal eine mittelalterliche Stadt sehen wollen, und weil jeder Reiseführer darauf aufmerksam macht. Es ist nahezu Mode geworden, diese Reise nach Rothenburg ob ber Tauber. Und in Oberhessen haben wir doch auch noch unverfälschtes Mittelalter. Ebenfalls am Fuße des Vogelsberges, wie Laubach, aber schon hin weisend auf die Wetterau, liegt Büdingen, das sich ja wohl mit Recht das oberhesstsche „Rothenburg" nennt. Man schaue sich nur einmal das alte Stadttor, das auch Jerusalemer Tor genannt wird, genauer an! Der Wassergraben davor wurde in einen Garten verwandelt. Schade, das Ganze wurde viel malerischer wirken, wenn sich die Brücke im Wasser spiegelte. Aber immer noch macht dieses Jerusalemer Tor einen mächtigen Eindruck auf den Beschauer. Die breite Binde, die das Tor und die beiden runden, massigen Türme tragen, wirkt phantastisch Die engen Gäßlein mit ihrem sauberen Steinbelag, die vielen Blumen an den alten Hausern mit den schonen Erkern, der rankende Wein überall das heimelt uns an. Unwillkürlich treten wir leiser auf. Aber auch hohe ©iebel ragen aus dem Häusergewirr hervor. Wie schon ist auch das alte Rathaus! Den unvergeßlichsten Eindruck aber macht das Mühlentor. Hier ist die Mittelalterlichkeit am besten erhalten. Da steht gar trutzig em Turm aus Sandstein, der aber an Stelle der Kegelhaube ein Steingeländer trägt, daneben schmücktsich em Haus mit einem Treppengrebel, und dicht über dem Wasser hängt ein Erker, der an Schönheit seinesgleichen sucht. Und vor bem Ganzen die zwelbogrge Brücke! Das ist unverfälschtes Mittelalter. Die Schönheit jener Bauweise tritt hier vor unser Auge Auch ba» Schloß wirkt so stark. Hier ist Romantik,
Vlick ins befreite Land.
Fahrt über das Haff.
Es ist schon viel über biß Kurische Nehrung geschrieben worden, man hat sich nach Wort und Bild eine bestimmte und gewiß wahre Vorstellung oon ihr gemacht und doch ist man bei dem ersten Besuch dort wie von etwas Neuem, nie vorher Gesehenem überrascht. Es sind vielleicht die Farben, Die Beleuchtungen, bas Gegeneinander von Sand- wüste, Himmel, Meer und Haff, das anrührt, so sah und atemverschlagend wie der plötzliche Anblick Der ersten Gletscherkette.
Nidden gibt sich um den Hafen herum mit »inigen großen Häusern und Hotelbetrieb einen monoänen Anstrich, der sich aber rasch verliert, >e weiter man durch bas langgestreckte Fischerdorf *ommt. Es liegen die Fischerhäuser dicht am Haff, graufe, schindelgedeckte Hütten mit blitzblauen Fen- terumrahmungen, in den Gärtchen blühen über Den Kartoffeln blauer Rittersporn und Feuerlilien. In den Fischerhäusern kann man als Badegast wohnen, kann in den Gärten zwischen dem Ritter- porn und den Feuerlilien auf einem Bänkchen ützen und sehen, wie der Mond über dem Haff nufgeht. Die Fischer kommen zum Strand hinunter und machen ihre Boote fertig, diese schwarzen Boote, deren Maste zierliches Schnitzwerk schmückt. Die Boote gleiten hinaus, die Segel bläht ein seichter Wind. Die Kinder, die an das Ufer gelaufen kommen, sind hellblond, ein Lichtschein liegt um ihre Köpfchen. Sie patschen den Booten nach, •rft der große Bruder, bann das kleine Schwesterchen. Eine hagere Frau in schwarzer Joppe und mit weißem Kopftuch, das ein ernstes Gesicht mit cgelmäffigen strengen Zügen umschließt, folgt den Kindern, sie faßt das kleine blonde Mädchen am Rock, sie nimmt es auf den Arm, sie schilt, aber Lachen und Zärtlichkeit kommt dabei in ihr Gesicht. Sie sprechen kurisch untereinander, die Fischer-
hier umweht uns das Geheimnis ber Vergangenheit. Es ist ein Märchenschloß. Leise rauschen die Blätter der Bäume, über allem scheint ein leichter, durchsichtiger Schleier zu hängen, die Vogel fingen . . Jrn Anblick solcher Schlosser kommen wir ins Träumen. Alte Sagen rauschen herauf, wir Horen Schwerterklirren und Rosfetraben ...
Und wollen wir noch ein Städtchen nennen, das am Bergeshang liegt und von alten Zeiten erzählt? Ja! Es ist Gelnhausen an der Kinzig. Aengst- lich drängt sich die Stadt an den Berg, nur in einer Richtung zieht sie an der Kinzig, bie wie eine Schlange die Stadt umringelt, entlang. Hoch ragt die fünftürmige Marienkirche über das Stadtbild hinaus. Immer wieder fesselt uns diese schone und doch so einfach gebaute Kirche. Das Kleinod aber, dgs Gelnhausen, unten im Kinzigtal, verborgen hält, ist die Barbarossapfalz. Wohl sind es nur Ruinen, aber dem Wanderer, der sich Zeit nimmt, hier zu weilen, dem ersteht ein Bild ber Vergangenheit, wie an wenigen Plätzen in Deutschland. Die Hohenstaufenzeit steigt vor unferm Auge herauf. Alte orientalische Kunst breitet sich vor uns aus. Hier lebten einst Kaiser Friedrich und Heinrich VI. Die Sage vom schoney Grafenkind Gela (das der Stadt den Namen gegeben haben soll) wird wieder lebendig beim Anblick dieser schonen Steinbogen mit den ziselierten Kapitälen. Alles ist eingesponnen in lebendiges Grün, und es sieht so aus, als ob es immer eine Ruine gewesen wäre. Es geht ein Zauber von diesen Resten der Palastmauern und Säulen aus, der unbeschreiblich ist. Man wird unwillkürlich an die Märchenbauten von Granada erinnert. So leicht, so zierlich, so beschwingt und öuftig stehen die Säulen vor uns ...
Laubach, Büdingen und Gelnhausen, drei kleine Landstädtchen, dicht zusammen gelegen, und doch so verschieden. Jedes Städtchen hat sein besonderes Kleid, seine eigene Seele. Vergessen wir nicht, daß sie uns so nahe liegen, daß sie zu unserer Heimat gehören!
Sockel die Namen der Männer verzeichnet sind, bie 1808 für bie Befreiung Deutschlands wirkten.
Nicht weit davon ist der Platz, auf dem der Führer sprach am Tage nach jener denkwürdigen Märznacht, in ber das Memelland von neuem zu deutschem Leben erwachte... Im Hafen, der nun eine große Zukunft haben wird, liegen Torpedoboote, Matrosen machen ihre Uebungen... Ein Dampfer aber trägt uns über das Haff, das nun wieder still geworden und eine schimmernde, sonnen- glänzende Fläche ist, nach Nidden zurück.
M. v. O.
Heimaistädlcheir am Vogelsberg
Von ph Hofmann.
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Das fürstliche Schloß auf bem Schloßberg, nach dem großen Brande gegen Ende des 17. Jahrhunderts im alten Stile wieder aufgebaut, noch heute bewohnt, ist eine imposante Anlage. Es bekrönt die kleine Stadt; einst wehrhafte Mitte und Kern der gesamten Siedlung, ist es heute noch Blickpunkt und Wegweiser von allen Wanderstraßen ringsumher. Man wird nicht müde, es aus der Nähe und aus der Weite, von allen Seiten zu umkreisen, und ist gefangen von der bewegten reich gegliederten Architektur«
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FOTO-Arbeiten preiswert wD FotO-Ruhl, Seltersweg 67 das an bie ehemals standesherrliche Gerichtsbarkeit erinnert wie im Torweg bie Tafel mit ber blutig abgehauenen Hand und dem Beil, welches den Burgfriedensbrecher nach alter Weise bedrohte ... In anderen Räumen entzücken große, farbig bemalte, chinesische und japanische Vasen den Beschauer, weist der Führer auf die Prunkstücke der Gemäldesammlung; ein Murillo ist darunter, sogar ein dem Rem« brandt zugeschriebener „Betender Mönch" ...
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Man kann das alles nur eben streifen und dem Besucher anempfehlen, einen Rundgang durchs Schloß nicht zu versäumen; es lohnt sich wahrhaftig. Auch in die kleine Kapelle wird er eintreten, auf dem Kanonenplatz die alten, in Frankfurt gegossenen Geschütze bestaunen, die neben dem Namen des Gießers ihren eigenen auf dem Lauf tragen: „Die Maus" nennt sich eines, ein anderes heißt „Der Zaun« schlupser". . v
Beim Eingang in den Torweg aber wird man sich überzeugen, daß die Stadt Braunfels eines ber schönsten und würdigsten Weltkriegsehrenmäler besitzt, das man in unserer Gegend finden kann: der wuchtige, schlichte, von einem Helm bekrönte Block mit den Namentafeln der Gefallenen im Schatten eines mächtigen Baumes darf vorbildlich genannt werden.
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Dann geht man am altertümlichen Rabbrunnen vorüber unb steht wieder draußen, unterhalb der gewaltigen Ringmauer und freut sich eines ebenso rührenden wie malerischen Anblicks: aus den schmalen Fugen zwischen den klobigen Werksteinen wachsen da und dort bescheidene Büschelchen blauer Glockenblumen und überspielen im sanften Sommerwinde zart und fröhlich die ernste, verwitterte, steil ansteigende Fläche...
Auch Autos und Autobusse vermögen die sttlle Raum-Harmonie des kleinen, heiteren, sehr getroffenen, von guten Fachwerk-Fassaden an allen Seiten begrenzten Marktplatzes nicht wesentlich zu beeinträchtigen. Ueberhaupt gibt es hier vielerlei schönes Fachwerk zu sehen, manches ist erst in längster Zeit wieder freigelegt; auf Schritt und Tritt begegnen dem schlendernden Kurgast lustige, farbig ornamentale Malereien, kunstreiches Schnitzwerk und altväterische Inschriften. *
Der Kurgast, der Erholungsreisende, ber flüchtige Wanderer — alle sind hier gut aufgehoben. Morgens unb am Nachmittag wird man in der Lindenallee des Kurgartens sitzen oder lustwandeln, einqehüllt in den würzigen Honigduft, der aus den alten Bäumen weht; man schaut in das reiche, vielfältig gestufte Grün des Parkes, man trinkt seinen Karlssprudel aus Bis- kirchen, hört die Bienen summen, die Vogel rufen, die Kurmusik aus dem Lautsprecher „beliebte Walzer und Märsche" schmettern.*
Hauptanziehungspunkt am Vormittage ist natürlich das Sommerbad, klein, aber überaus gepflegt, wahrhaftig ein Idyll. Das Becken ist mit blauen Kacheln ausgelegt, man schwimmt und plätschert appetttkich


