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Nr. 100 viertes Slay

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheßen)

29./30.ApnI 1939

Der Nationalfeiertag des deutschen Volkes.

Krühlingsfesi deutscher Volkwerdung.

Zum 7. Male begeht das deutsche Volk den 1. Mai »ls seinen nationalen Feiertag. Fast ist es vergessen, !» der gleiche erste Maientag über 40 Jahre lang li»ic Proklamation des Klassenkampfes und der Zwietracht gewesen ist. Die sozialen Kämpfe hatten u einer Aufspaltung der Volkseinheit in Kasten und klassen geführt und es schien keine Brücke zu geben, ie über den Graben hinwegführte, der unsere Na- ion in zwei Teile zerschnitt. Der Sozialismus in Deutschland war zum Marxismus geworden, ein 3olf, das sich den Luxus der Uneinigkeit gar nicht sisten durste, weil es inmitten einer feindlichen Veit lebte, wurde dadurch entscheidend geschwächt, i r ft sechs Jahre sind vergangen, seitdem der Nationalsozialismus die Macht übernahm und da- nit einen neuen Abschnitt der deutschen Geschichte röffnete. Mit Feindseligkeit und Widerstreben hat ^zwischen das Ausland erkennen müssen, daß der Nationalsozialismus ein ordnendes Prinzip iarstellt, das so stark und mächtig ist, unser ganzes faatliches und völkisches Leben auf eine neue Grundlage zu stellen. Der große Prozeß, der fch in Deutschland vollzog, und der noch nicht ab- isschlossen ist, ist die Volkwerdung, wie htolf Hitler selbst den Sinn unserer Zeit bezeich- iet hat.

Aus diesem Willen heraus ergab sich mit Natur­notwendigkeit, daß die Kräfte der Zwietracht und 7r Spaltung aus dem deutschen Volkskörper ver- shwinden mußten. Als ein Symbol dieses Vor- pngs mußte es wirken, als der Führer den 1. Mai :$im nationalen Feiertag des deutschen Volkes er- cirte. Damit wurden die alten Erinnerungen einer ^merzlichen Vergangenheit ausgelöscht, damit wurde i'r 1. Mai zum Frühlingstag der Volk- > erbring. Hinter uns liegt die graue Zeit einer lechseloollen Geschichte, so wie die Wintermonate verwunden sind. Mitten im Werden der Natur mmelt sich das Volk um seinen Führer und seine ahnen und blickt mit mutigem Vertrauen in seine I jiufunft.

So sehen wir den neuen und stolzen Sinn der Rutschen Maifeier. Der Führer Adolf Hitler hat es W einigen Jahren ausgesprochen, daß es nicht ge- rögen kann, den Bauern oder den Unternehmer : fi:r den nationalen Staat zu gewinnen, wie es an- d rseits kein großer Erfolg wäre, wenn allein der Arbeiter den Weg züm Sozialismus gefunden hätte. Alle Teile der Nation müssen national und so- 8>olistisch denken und handeln, müssen einig sein in D:i Ablehnung der Internationale und in der Be­kämpfung des Marxismus und Bolschewismus. Mit b-rechtigtem Stolz hat der Führer dazu folgende Torte gefunden:

(Wenn in der Zukunft die Frage an uns ge­richtet wird: Was schätzt ihr denn als eure größte Leistung ein?, dann kann ich nur sagen, daß es uns gelungen ist, den deutsche nArbeiter wieder in die Nation hineinzustel- I e n und ihm klarzumachen: Die Nation ist nicht ein Begriff,' an dem du keinen Anteil hast, son­dern du selbst bist Träger der Nation, du gehörst zu ihr, du -kannst dich nicht von ihr trennen, dein Leben ist gebunden an das Leben deines ganzen Volkes: dos ist nicht nur die Wur­zel für deine Kraft, sondern auch die Wurzel für dein Leben!"

Tin neues Sekbstbewußtsein ist so entstanden, das vian Säbelrasseln ebenso entfernt ist wie von i icjryächlicher Sentimentalität. E i n neuer deut- t* e r Sozialismus fand seine Prägung, der einen Ausdruck in der Solidarität d e s V o l - i s, also in seiner Gemeinschaft findet. Auf solche g<> stige Kräfte gestützt überwand der Nationalsozia- itnu5 das Elend der Arbeitslosigkeit. Er stellte die libeit der Fäuste und der Köpfe bewußt in den )snst des Ganzen. Der Unternehmer wurde von iem marxistischen Vorwurf befreit, ein kapitalisti- tfcr Ausbeuter zu sein, dem Arbeiter aber gab der sichrer seine Ehre wieder, indem er ihn fest in die t Hon eingliederte. Die Wirtschaft, die aus Be- riebsführern und ihren Gefolgschaften besteht, er­

freut sich des Schutzes und der Lenkung des Staa­tes, der seinerseits der oberste Treuhänder aller wirtschaftlich Schwachen ist und bleibt.

Die großen wirtschaftlichen Erfolge unserer Zeit, ihre stolzen Bauten, ihre neuen Jndustriewerke und Autobahnen sind ein einziger Triumph deutscher Arbeit. In opferwilliger Disziplin haben Arbeiter und Unternehmer alle Hindernisse überwunden, die sich auf dem Gebiete der Rohstoffe ergeben mochten, als es galt, den Neuaufbau mit gigantischen Kräf­

Großdeutschen Reich, das seinerseits etwa 7 Millio­nen Tschechen die Erhaltung ihrer volklichen Eigen­ständigkeit sichert.

Fürwahr, unsere Nation hat ein Recht darauf, selbstbewußt in die Welt zu blicken. Deutschland und Italien haben die Front der jungen Völker aufgerichtet, die mit starkem Willen ihre Ziele verfechten, während die Demokratien des We­stens an den überlieferten Formen und Fehlern des 19. Jahrhunderts festhalten und im Status quo den

ten vorwärts zu treiben und gleichzeitig im deut­schen Westen jenen Wall aufzurichten, der uns vor jeder feindlichen Invasion zu schützen vermag. Der deutsche Arbeiter schmiedet die Waffen, die der deutsche Soldat in der Stunde der Gefahr für sein Volk zu führen hat. Darin beruht die tiefe innere Gemeinschaft zwischen Arbeitertum und Wehrmacht.

Der große Vorgang der deutschen Volkwerdung hat sich in diesen wenigen Jahren ungeahnt ent­wickelt. Das machtlose Reich von 1932 ist zu Kraft und Ehren emporgestiegen, es hat seine Kinder aus dem Saarland, aus Oesterreich, aus dem Sudeten­gau und aus dem Memelland heimgeholt, gleich­zeitig durch das Protektorat über Böhmen und Mähren seinen Lebensraum abgerundet und seine Grenzlinien verkürzt. Statt der 67 Millionen deut­scher Menschen leben jetzt über 80 Millionen im

Rettungsanker suchen. Deutschland und Italien haben die Mitte Europas neu geformt, während England und Frankreich sich bemühen, Nordamerika ober das halbasiatische Sowjetrußland in die euro­päische Frage einzuschalten. So kämpft Deutschland letztlich für die europäische Idee in ihrer besten Ge­stalt, für die Erhaltung einer Kultur, die die Welt zu erfüllen vermochte.

Der 50. Geburtstag Adolf Hitlers war der freu­dig begrüßte Anlaß für alle Deutschen, dem Manne zu danken, der aus unbekannten Schichten des Volkes zu seinem Führer und Erretter empor- geftiegen ist. Wenn wir am 1. Mai die Volkwerdung unserer deutschen Geschichte festlich feiern, so danken wir dem Schicksal, daß es uns Adolf Hitler gegeben hat.

jAufnahme: Elisabeth Hase, Frankfurt a. M.s

Der Weg der deutschen Sozialpolitik. Die staunenerreaenden Leistungen der moder­nen Technik schienen im letzten Jahrhundert dem Leben ein neues glückliches Gesicht zu geben; wo früher Postkutschen das Reisen zur Qual mach­ten und den arbeitsfreudigen Menschen kostbare Zeit raubte, dampften die Eisenbahnen, während man einst am Webstuhl tagelang an der Anferti­gung eines Stoffballens schaffen mußte, webten jetzt mühelos und rasch die Maschinen, wo ehedem Petroleumlampen qualmten, erstrahlten nun elek­trische Glühbirnen. Reichtum sammelte sich. Hand-- werker wurden durch Erfindungen und durch die Einstellung von Maschinen reicher als Könige. Aber nicht alle teilten das glückliche Geschick. Der weitaus größte Teil von ihnen wurde zum Heer der Sklaven, die im Dienst der Reichen ein Leben des Elends und der Armut fristeten. Wenn einst das Gesamtergebnis des nationalen Schaffens sich einigermaßen gleichmäßig auf Meister und Gesellen verteilte, so entstand jetzt ein nie gekannter Gegen­satz in der Lebenshaltung der einzelnen Volksge­nossen. Neue Erfindungen machten Arbeitskräfte überflüssig, und das Gespenst der Arbeitslosigkeit tauchte zu dieser Zeit in Deutschland auf. Daß der Staat dem Wachsen dieser Spannungen nicht taten­los hätte zusehen dürfen, kam den liberalistisch den­kenden Menschen jener Zeit nicht in den Sinn. Man freute sich der glänzenden Fassade, und meinte, Ge­wehre würden Immer noch ausreichen, Proteste gegen die Not zu unterdrücken.

Es war ein unersetzbarer Verlust für unser Volk, daß sein großer Wirtschaftspolitiker Friedrich List, von den Anfeindungen und Demütigungen einer Zeitgenossen verbittert, seinem Leben ein rühzeiliges Ende machte. Er hatte die sozialen Ge- ahren erkannt und war gewillt, aus völkischer Ver­antwortung heraus einzugreifen.Diese Radikalkur aber erforderte unermeßliche Aufopferungen von feiten derer, welche die Macht in Händen haben der Wohlhabenden, der Reichen und Bevorzugten nicht bloß an Geld, sondern auch an National- stolz und an Vorteilen. Die Möglichkeit, die über­große Last der Arbeitenden auf die Schultern der Besitzenden zu übertragen, steht demnach außer Zweifel. Nicht minder unzweifelhaft ist die Ver­pflichtung der letzteren, diese Lasten zu übernehmen; denn offenbar ist die Nationalschuld von Unter­nehmungen verursacht worden, die lediglich der Kapitalaufhäufung, nicht dem Arbeiterstand zugute gekommen sind. Wird die englische Aristokratie sich freiwillig zu diesen großen Opfern verstehen, so­lange es noch Zeit ist, oder wird man den Not­stand des Proletariats erst noch höher steigen lassen?"

So zeigt Friedrich List am englischen Beispiel, welchen Weg die soziale Reform zu gehen hätte. Aber diese Worte, die er 1844 zur Mahnung an die Träger des Nutzens richtete, ver-. hallten ungehört. Was wunder, wenn nun die Wünsche derer, die vom Schicksal benachteiligt wur­den, zu scharfen, teils übertriebenen Forderungen wurden? Wenn and) Anordnungen erlassen wurden, in denen die Arbeitszeit auf dreizehn Stunden be­schränkt wurde, oder eine preußisches Gesetz von 1839 als wesentlichesoziale" Neuerung die Be­schränkung der Arbeitszeit der Jugendlichen unter 16 Jahren auf 10 Stunden gebot, so zeigen diese Zustände nur, daß hier der denkbar günstigste Nährboden für eine Weltanschauung sich bot, die die bestehende Ordnung verneinte, an Volksgemein­schaft nicht g tauben konnte und sie verwarf und über alles die Befreiung des Proletariats stellte.

Erft unter Bismarcks Führung begann in der Zeit von 1878 bis 1890 die erste Periode der deut­schen Sozialgesetzgebung, nachdem die Anfänge des deutschen Sozialismus, die sich bei Friedrich List und Carl Rodbertus-Jagetzow zeigten, in der Aus­einandersetzung zwischen dem internationalen Mar­xismus und dem ebenso volksfremden Kapital sich zerrieben hatten. Diese sozialen Reformen kamen sehr, sehr spät und standen unter unglücklichen Vor­zeichen. Auf der einen Seite stand das Unternehmer­tum, das um jeden Preis feinen Besitzstand zu er-

Ehre der Arbeit.

Von Wilhelm Mehl.

Die Ehre ist das Wahrzeichen unserer freien U»nschenwürde. Wir haben Ehre, indem wir uns elnjt als eine sittliche Persönlichkeit wissen und füllen; wir zeigen uns ehrenhaft, indem wir das it uns erkannte Urbild unserer sittlichen Persönlich- eid zum Richter unserer Taten machen.

Ls genügt uns aber nicht, daß wir uns in unse­re, persönlichen Ehre begreifen und ehrenhaft han- letn; mir wollen auch von andern in beiden er= a.nt sein. Diese Anerkennung unserer Ehre ist iigts anderes als die Anerkennung des Rechtes W ercr Persöylichkeit, worauf alles menschliche Ge- tiiinleben ruht. Wir fordern aber solche Anerken­nung Dritter nicht bloß für unsere Person schlecht- ti;, sondern auch für einzelne Handlungen und conz besonders für dasjenige Wirken, welches uns & i bestimmten Platz in der bürgerlichen Gesellschaft ermeift. In diesem Sinne nun sprechen mir von e Ehre des Berufes und der Arbeit. Wir roollen mVer eigenstes, persönliches Wesen in unserer Ar- ei geehrt sehen, und aus diesem Drang nach per- üllicher Ehre der Arbeit, der um so mächtiger in Ihn Volks kreisen erwacht, je höher die Gesittung egt, kann man schon schließen, daß die periön- dfite Arbeit die menschenwürdigste sei.

Bon der religiösen Weihe der Arbeit, die nur den N nschen vorausfetzt, predigen die ältesten Prophe- l!T;; die Eb^ der Arbeit aber ist zu einem moder- ei Begriff ausgewachsen, der erst vollgültig roirb i einer hochentwickelten Gesellschaft.

Mr wünschen jedoch nicht bloß äußere Anerken- rng unserer Ehre: wir machen sogar den Voll- e iand ber Ehre abhängig von jener. Mag einer och soviel Ehre im Leib hoben und dessen gewiß in: bas genügt ihm nicht. Wenn er seine Ehre verkannt sieht ober gar geleugnet von anbern, so ilet er bamit biefe Ehre selbst für tödlich verletzt. Zyre will geehrt fein." Darum ist Ehre nicht bloß i Selbstbewußtsein unserer sittlichen Persönlich- iiv noch bloß die Kundgabe desselben in ehren­den 2atenz sondern auch die Anerkennung alles

diesen von der bürgerlichen Gesellschaft. Der sitt­lich selbstbewußte Mann beansprucht bei Dritten ein Recht auf Ehre; so fordert auch das Volk, wel­ches sich der sittlichen Kraft seiner Arbeit bewußt geworden, die Ehre dieser Arbeit als ein Recht.

Der Arbeiter und der Dichter.

23 on Maf Bartbel

Um die Trümmer peruanischer Sonnentempel und um die verwitterten ägyptischen Pyramiden geistern und seufzen immer noch die Arbeitslieder unbekann­ter Geschlechter. Jeder Stein, jedes Tor, jeder Bo­gen unserer mittelallerlichen Dome ist erfüllt von den Schmerzen und Seligkeiten namenloser Kame­raden. Die Viadukte der antiken Wasserleitung wer­fen ihren Schatten in die Campagna, und ein Brun­nen in einer Stadt am Neckar ober am Main quillt und schwillt über von den Träumen derer, die vor uns gewesen sind und die in die Zukunft hinein­bauten.

In der Dichtung steht Viadukt neben Viadukt, und von Bogen zu Bogen rinnen Klage und Sage der Arbeit, stürzen ab in tiefe Trauer, schäumen hoch in Jubel und Freude. Die Schmerzensschrei der Sklaven, die Rebellenlieber ber Ausgebeuteten und die Hymnen der Aufständischen klingen und singen von den Bergen ber Schöpfung und münden ein in das Meer der Gemeinschaft Arbeit ist Kampf, Kampf ist Bruber der Freiheit, die Freiheit voll­endet sich aber erst tn der Gemeinschaft.

Der Arbeiter und der Dichter sie gehören zu­sammen. lieber ihnen steht em Schicksal. Der Dich­ter wie fein namenloser Bruber am Schmiedefeuer oder im Kontor, sie schaffen nicht für sich, sie schaf­fen mit ihrem Werk an der heiligen Gemeinschaft des Volkes, das ihrer bedarf wie Brot und Schön­heit. Der eine vollendet einen Hammer, der andere ein Gedicht. Der Hammer hat fo gut feine Mission zu erfüllen wie das Gedicht. Ihr Wert ist nicht der Kaufwert. Ihren Wert gewinnen Hammer und Ge­dicht erst burdj den Gebrauch, durch ihre Nutzan­

roenbung. Was zwingt ben Dichter, sein Lieb zu fingen? Was zwingt den Arbeiter, einen Hammer zu schmieden? Sie schaffen, auch wenn sie. bezahlt werden, im Auftrage eines großen Befehls.

Arbeit ist Schöpfung, Dichtung ist Schöpfung, unb beide haben nichts zu tun mit dem abgegriffe­nen Falschgeld alter Zeit: Angebot und Nachfrage. Arbeit unb Dichtung schaffen erst jenen Zustanb, der das Leben des einzelnen unb des ganzen Vol­kes erträglich macht, unb den wir bas zweite Dasein nennen.

Das zweite Dasein ist die große Atempause der Besinnung, wenn die Maschinen verstummt sind. Das zweite Dasein ist das leichtere Leben nach dem verpflichtenden Zwange um den Bissen Brot. Das zweite Dasein ist die Umschmelzung des einzelnen in den Blutkreislauf feines Volkes. Das zweite Da­sein ist aber auch die Umwandlung gleichgeschalteter Herzen unb Hirne hinüber in die Bezirke der eige­nen Persönlichkeit. Und um dieses zweite Dasein kämpft ber Mann, der bert Hammer schmiebet, ge­nau so glühenb wie ber Dichter in ber Stunbe seiner Begnabung.

Der Weg nach Deutschlanb ist von Hitlers mar­schierenden Kolonnen der Revolution für alle schaf­fenden Menschen verkürzt und frei gemacht worden. Die deutschen Arbeiter zu Beginn ihrer Kämpfe steht ber utopische Sozialismus und am Ende ihrer Kämpfe der deutsche Sozialismus, die schaffen­den Menschen der Faust und der Stirn bekennen sich zu dieser Revolution, an deren Spitze musische Menschen stehen.

Die Freiheit der - Kunst und die Freiheit des schöpferischen Menschen sollen nicht angetastet wer­den, aber der Raum wird geordnet, auf dem der Künstler steht und in dem er schaffen muß, der Raum, in dem mir alle stthen unb schaffen: ber Schicksalsraum unseres Volkes unb Vaterlandes. BaUm und Korn gedeihen nicht im luftleeren Raum. Auch die Kunst hat ihre Wachstumsgesetze. Aus ber Weltliteratur wissen wir, baß nur die Kunst­werke ihre immergrünen Wipfel allen Völker nei­gen, die fest und tief im eigenen Lande unb Volke wurzeln und wachsen. Auch die neue Kunst muß

ihren Wurzelgrund im eigenen Lande unb Volke, im Blut und in ber Seele des Vaterlandes haben. Kunst kommt von Können. Die Gesinnung in ber Kunst allein treibt nur Blüten, aber sie trägt keine Früchte unb spendet keinen Samen.

Der neue Mensch in Deutschland ist auf dem Marsch: ber soldatische Mensch. Wir wollen nicht mehr mit den erstaunten Gesichtern der Laternen­anzünder Herumlaufen, wenn in ben großen Stäb- ten von einem Punkte aus alle Lichter und La­ternen angezündet werden. Der neue Mensch! Im­mer schon haben wir von den Schlachtfeldern ber Arbeit gesprochen. Die Kameraden in den Kohlen­schächten, an den Drehbänken, an ben Setzmaschinen, an ben laufenben Bänbern, an den' Schreibma­schinen, die Freunde in den chemischen Industrien, die Flieger, die Monteure, die Chauffeure sie alle tragen schon Gesicht und Uniform des neuen Menschen.

Der neue soldatische Mensch will keinen Krieg auf europäischen Schlachtfeldern. Der neue Mensch in Deutschland will Arbeit unb Frieden. Der neue Mensch hat genug in seinem eigenen Lande zu kämpfen. Bei uns stoßen die Dinge unb die Gegen­sätze viel zu eng zusammen, um nicht neu geordnet werden zu müssen. Unb sie werden auch neu ge­ordnet!

Und nun kommen die Männer von ben Feuern und den Drehbänken, von ben Schreibtischen unb von den Feldern, die Männer der Faust unb der Stirn, und reihen sich ein in den Zug der Mil­lionen, ber durch Deutschland marschiert, einer- neuen Zukunft entgegen. Wir haben feine Angst vor der Zukunft. Wir marschieren mit im gleichen Schritt und Tritt.

Die Dichtung und die Arbeit sind berufen, eine neue Ordnung zwischen den Völkern unb ben Klas­sen zu schaffen. Die Dichtung unb die Arbeit find die beiden Hämmer, die alle Klassengrenzen zer­schlagen. Der Dichter unb ber Arbeite^ hämmern an einer neuen Schöpfung: an der Schicksalsge- meinschaft bcs ganzen Volkes.