Ar. 244 Zweites Blatt
Mittwoch, 18. Oktober My
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Aus dem Reiche der Krau.
Schöpferische Hausfrau.
I 3itt Wesen der Frau liegt es oft, sich führen zu losen, die Verantwortung einem anderen zuzuschie- hin, konservativ am Althergebrachten zu hängen. Lese Einstellung aber ist nicht so häufig wirklickx? Lranlagung als Bequemlichkeit. Wird solch eine Kau zwangsmäßig in die Lage versetzt, eigene ö-tschliisse fassen zu müssen, sich selbständig urnzu- st. len, dann setzt eine andere wichtige weibliche Zzenschast ein, die Anpassungsfähigkeit, die Aus- da,er und Geduld. Und mit einem Male klappt al.'s ausgezeichnet.
Wie oft erleben wir Fälle, in denen eine Frau, plizlick) aus dem gewohnten Leben herausgcriffen', vrivöhnt, unangelernt mit kleinen Kindern dem j Lldenskampf allein gegenüberstand und sich kräftig dpchsetzte. Sie entwickelte Eigenschaften, die vorher ftn Mensch in ihr vermutet hatte. Sie hatte es tfrn nicht nötig gehabt! Wie unendlich viel mehr Krte könnten durch Frauen geschaffen werden, WM sie nicht nur auf die große Not als Erwecke- rk ihrer Fähigkeiten sich verließen.
»heute, in einer Zeit, da jeder seinen Mann stehen m.und weibliche Bequemlichkeit, Scheu vor selb- stiidigem Denken und Handeln unangebrachter als je sind, wird von der Frau erwartet, daß sie sich ct« allen Kräften mit Rat und Tat einsetzt, wo es An nötig, ist. Manche Lebensverhältnisse werden stt wandeln und meist wird es Sache der Frau sein, Nie Wege zu finden, unerwartete Möglichkeiten zu senken und zu schaffen.
pb es sich darum handelt, in den Beruf des Man- M einzuspringen oder der überlasteten Nachbars- jtu zu helfen oder den Unterricht der Kinder in di. Hand zu nehmen oder sich in der Hausgcmein- flift nützlich zu machen, nicht aus dem Dollen und 8 i) befriedigend zu wirtschaften, ob eine ungeahnte aber praktische neue Tageseinteilung durch- uu'enfen ist oder was es sonst sei — die Frau von |ljite weiß, daß es auf sie, auf ihre schöpferische Ilnahme, aus ihre Anpassungsfähigkeit und
idigkeit mit ankommt und wird ihren Ehrgeiz Mein setzen, keine Erwartung zu enttäuschen.
Eva Leiter.
.Lufischuh-Sviel" für Kinder.
«lede verantwortungsbewußte Mutter wird vor o|m darauf bedacht sein, ihre Kinder bei etwaigen ; l?i umgriffen zu schützen. Ebenso wichtig tw die
lliiungcn der Großen find die der Kleinen und Äiinften. Es muß für das Kind ebenso selbstver- Kidlich sein wie für den Erwachsenen, beim Er- :| tören der Sirene in voller Ruhe in den Luftschutz- äim zu gehen. Es ist nun nicht ganz einfach, die tber dazu zu bringen, so berichtet eine Mutter, i fortzufahren: „Meine beiden Jungen, drei und 1 Jahre alt, spielen am liebsten Soldaten. Diese diebc machte ich mir zunutze. Eines Tages er* Wen ich mit den Gasmasken und erzählte ihnen Wei, daß ich ihnen ein wunderbares neues Spiel- !>g mitgebracht hätte. So etwas hätte jeder richtige
Sr'bat, jolglich müßten sie es auch haben. Doller Meisterung ließen sie sich daraufhin die Gasmaske »Hetzen und waren riesig stolz darauf, marschierten tvlch die ganze Wohnung und sangen sogar dabei. Mnn haben mir ,Luftschutz' gespielt. Mutti ging Eil die Küche und war »Sirene', eine Ecke des Mberzimmers »Luftschutzraum'. Mit schauerlichen
NltÖnen gab Mutti »Alarm', die Kinder verstanden mit den Gasmasken in ihrer Ecke und lif en sich erst wieder bei der »Entwarnung' sehen. Ipeit Gewalt mußte ich schließlich das »schöne Spiel' »Arechen. Doll Freude konnte ich dann beim Probe- 11 drm feststellen, daß sie ohne jede Furcht und ganz ! INstverständlich mit in den Keller gingen, vergnügt I thi mitgebrachtes Brot futterten und sich wunderten,
warum denn nur ihr kleiner Spielkamerad, der auch da war, so herzzerreißend weinte. Auch auf nächtlichen Alarm find sie vorbereitet. Am Bett find griffbereit Hausschuhe und Wintermäntel, die schnell ubergeftreift sind. An der Wohnungstür steht eine fertig gepackte Tasche, in der Strümpfe, Wäsche und Anzüge für die Kleinen bereit liegen. Wenn es im Keller nicht zu kühl ist, kann man sie dort ruhiger unb neffer anziehen, als in der Wohnung. Etwas Obst ist auch da, das gleichzeitig Hunger und Durst stillt, einige Riesentaschentücher und etwas Verbandzeug. Unten im Schutzraum steheck schon ihre kleinen Stühlchen, auf dem einen erwartet sie »Teddi)'. auf dem anderen »Molli', das Hündchen."
AeneWolle aus altenStticksachen
In jeder Haushaltung gibt es noch alte Moll- fachen, die, weil sie nicht mehr modern, beschmutzt, in der Farbe ausgelaufen oder an einzelnen Stellen von den Motten zerfressen sind, auf die Seite ge
legt wurden. Die Bezugscheinpflicht hat Wolle für Strickwaren nicht ausgenommen. Wir haben also auch mit Wolle sparsam umzugehen. Es ist ganz abgesehen davon aber sowieso nicht sparsam gewirtschaftet, wenn man irgendwelche "Werte um- konnnen läßt. Sehr gut können sie in anderer, neuer Form wieder gebi-aucht werden.
Die Art und Weise, nun aus solchen alten Wollsachen wieder neue Wolle zu gewinnen, das heißt, einen glatten, sayberen Faden herzustellen ist sehr einfach- man zieht die StNckwaivn auf, wickelt den jetzt krausen Wollfaden ans ein Brettchen, löst nun den Strang, bindet diesen an verschiedenen ^stellen ab. Nun legt man den Wollstrang in eine handwarm? Seifen brühe, die man von einer kleinen Wäsche übrig hat, knetet ihn leicht durch, wäscht ihn nochmals in einer zweiten Seifenlauge, spült gut und hängt den Strang mit leichter Beschwerung auf. Nach dem Trocknen von der Ofennähe entfernt, sieht die Molle tadellos neu aus, ist sauber und frei von Motteneiern. E. WAV.
Weiße Kopse - rote Kopse.
Von M A. v. Lüiqendorff.
Beim Anblick eines zartgelblich-grünen Weißkrautkopfes denkt heute wohl kaum mehr jemand daran, welche gärtnerische Leistung es war, aus der ursprünglich unscheinbaren Wildpflanze die testen, schweren und doch so feinrivpigen Köpfe heranzuzüchten, die in unserer Gemüseküche unentbehrlich geworden sind. Der Weißkohl gehörte schon im frühen Mittelalter zu den Pflanzen, die mnn als Gemüse zog, aber er war damals nicht sonderlich geschätzt, weil man es noch nicht verstand, den „kochkohle", wie er hieß, in der den Blätterkern fest umschließenden Kopfform zu züchten. Noch im Kräuterbuch des im siebzehnten Jahrhundert lebenden Naturgelehrten Jakob Theodor von Bergzabern findet sich der Kopfkohl als ein ziemlich tnirftigeo Gewächs dargestellt, das überhaupt kaum eine rich tige Kopfbildung erkennen läßt.
Immerhin war der Kohl schon im Altertum bekannt, da Plinius bereits mehrere Kohlarten er erwähnt, allein auch diese Arten müssen seiner Beschreibung nach noch wenig Nutzwert besessen haben, wie sie denn auch als Gemüse nicht sonderlich beliebt waren. Im alten deutsck^en Küchengarten pflegte man übrigens so ziemlich jedes eßbare Gemüse kurzweg als „Kraut" zu bezeichnen, so daß schließlich jeder Gemüsegarten einfach „Krautgarten" genannt wurde, ganz gleich, ob Kraut darin wuchs oder nicht.
Wem die ersten Fortschritte in der Züchtung des Weißkrautes gelangen, weiß jetzt niemand mehr. Aber die einstige Mißachtung schwand immer mehr, je mehr es zum festen Kopfkohl mit den weichen, zartschmeckenden Jnnenblättern wurde Im Jahr 1934 waren 40 885 Hektar deutschen Nutzlandes mit Weißkohl bebaut, und diese Riesen- flächen dürften sich in den letzten Jahren noch wesentlich vergrößert haben. Nach einer neueren Berechnung werden im Deutschen Reich jedes Jähr weit mehr als eine Milliarde Weißkohlköpfe verzehrt. Mas natürlich auch durch die Verwendung des Weißkohls zu Sauerkraut bedingt wird.
Wie bei allen Gemüsen, so besteht auch beim Weißkraut ein großer Teil seines Nährwerts in seinem Gehalt an lebenswichtigen Mineralstoffen, außerdem enthält es aber auch Eiweiß, Kohlenhydrate — besonders Zucker —, etwas Fett sowie das wachstumfördernde Vitamin A und das Vitamin B, durch dessen Mangel in der Ernährung nach neuen Untersuchungen die Entstehung der Zahnkaries begünstigt wird. Die Verteilung des Nährstoffgehaltes verhält sich in den einzelnen lei-
len eines Krautkopfes nicht ganz gleich. Sowohl im Strunk als in den Rippen der Blätter findet sich mehr Zucker und Eiweiß, weshalb Strünke und Rippen unbedingt mitgekocht werden sollten/ wogegen das Blattgewebe wieder mehr Fett und andere Kohlehydrate enthält. Der Zuckergehalt der Krautblätter wechselt außerdem mit der Jahreszeit und ist im Juni starker als etwa im August, wobei es sich allerdings nur um sehr geringe Mengenunterschiede handelt.
Der schmackhafte, schönfarbige Bruder des Weißkohls, das Rotkraut, tpuroe ebenfalls schon im späteren Mittelalter gepflanzt, doch ehe es soweit war, daß die dunkelroten Blätter den harten Kopf bildeten, dauerte es doch noch ein paar Jayr- Hunderte. Durch seinen das Weißkraut fast um das Doppelte übersteigenden Gehalt an Eiweiß und Zucker und seinen vermehrten Gehalt an Vitamin A ist der Rotkohl nun zwar nährstoffreicher als das Weißkraut, muß aber dennoch hinter dem Weißkraut zurückstehen, weil seine Anbaufläche in Deutschland „nur" 5000 bis 8000 Hektar umfaßt mit einem jährlichen Durchschnittsertrag von 210 Millionen Köpfen. Daß ein tiefdunkler Rotkohlkopf unwillkürlich die Eßlust reißt, hat seinen guten Grund, weil die kräftige' Färbung tatsächlich ein Beweis seiner Güte ist.
Es ist ein hübsches Zusammentreffen, daß Rot- krantzeit auch Apfelzeit ist, denn nichts schmeckt zu gedämpftem Rotkraut so köstlich wie Apfelstücke oder Scheiben, die man, wenn das Kraut halbweich ist, mitkocht. Dadurch wird auch der Nährwert des Krautes gesteigert, weil sich nun zu seinen Vitaminen auch noch die in den Aepfeln enthaltenen Ergänzungsstoffe gesellen. Als Rohkost eignet sich seingeschnittenes Rotkraut ausgezeichnet; es ist in dieser Form nicht nur ein sehr gesundes und wohlschmeckendes Gericht, sondern durch feine prächtige Färbung auch eine Augenweide, die zum Zu- greisen verlockt.
Mer sein eigener Versorger ist, sollte immer darauf achten, baß Blattgemüse, also auch Meih- und Rotkohl, nicht am frühen Morgen geschnitten werden, auch wenn sie noch so kernig frisch aussehen, sondern lieber gegen Abend. Gerade in den Morgenstunden enthalten die Blätter nämlich den geringsten Nährwert, weil unter dem Einfluß des Sonnenlichtes in den Blattgewebezellen Stärke gebildet wird und sie daher bis zum Abend ganz überfüllt sind mit diesen Stärkemassen!
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Die unwiderstehliche Bohnensuppe.
Nein Freund, Oberleutnant Franz H., erzählte lir folgendes Erlebnis aus dem Polenfeldzug, über ai das ganzp Bataillon drei Tage lang lachte.
• Äei dem atemberaubenden deutschen Vormarsch im es öfters vor, daß sich im Rücken der beut- En Front noch versprengte polnische Truppenteile hielten. Dies mußte auch der Gefreite M. er- ren, als er feinen gefangenen Polacken nach ruck- 7ts abliefern sollte. Der Gefreite M. war beim fWmarjd) in einem stockfinsteren Wald über einen jÄoumstrun'k gestolpert, worauf der 'Baunnftrurn Mchakreff"! sagte, das Gewehr wegwarf und sich
IS Pole gefangen gab. , ..
K.Wirst mjich erschissen?" fragte der Pole nut M letzten Rest seines aus der österreichischen Mirschast herübergeretteten Deutsch.
- ber (Befreite M. schüttelte den Kopf. „Du kommst ps Gefangenenlager und kriegst einen Teller Boh- Igtifuppe!" ,, . x
.Bohnensuppe?" grinste der Pole schmatzend, W>oh, choh, js gut! @emma!" Es klon« beinah- ^Giinerisch. . m f
. her Gefreite hängte sich das Gewehr des Polen k nahm den Mann mit festem Griff am Arm, N sie tappten sich zum Feldweg durch, an dem w Kompanie lag. , . ,,.
Wer aber konnte man den Gefangenen nicht suchen. „Führen Sie den Mann nach rückwärts befahl der Leutnant. .
M war der Gefreite M. mit seinem Gesänge- ktt keine zwanzig Minuten auf dem
J? er sich plötzlich von versprengtem polnischen Mtär eingeschlossen sah. An Flucht war nicht zu krten. Auch der gefangene Pole erkannte feine Nfenbrüber, aber er schrie nicht etwa laut, so «ri überlegte. Der Krieg hing ihm offenbar zum Hß heraus, die Deutschen schossen verdammt gut, bi überhaupt ...
>.-Bohnensuppe?" fragte er.
2>er (Befreite zwinkerte bestätigend. e
j - -Mit Wurscht?" sagte der Polack sreudestrahl . ,M Gwehr cher! Weiß ick), wos ich moch! Und '■ chob den Gefreiten vor sich her und meldete sich ,TH0^^ch^^dajtscfa *&htinb gefangen, muß ich ritf- W"ts abliefern!/Z . e»_
|»Xaf!" faßte der polnische Leutnant. „Js guti
^"weiteren Verlaufe dieses seltsamen Mar
sches passierte der (Befreite M. mit seinem gefangenen Polacken noch zweimal deutsche und zweimal versprengte polnisck>e Truppenteile, wobei er je nach Bedarf (Befangenenmarter oder „(Befangener" war, was dank der lockenden „Wurscht" glänzend gelang.
Er traf wohlbehcklten im Quartier des Bataillons ein. (Befreiter M erhielt eine Belobigung und der Polack zwei Schalen Bohnensuppe 'mit Wurscht.
Kurt G. v. Fischer.
Die Verdunkelungsanlage.
Von K Spengler
Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft. Auch, oder vielmehr erst recht, in der Ehe. Sie können auch durch kleine Dienstleistungen ersetzt werden. Dann kommen sie billiger und gelten fast genau t°(5ie kosten bloß Zeit und etwas Geschick. Ost ist freilich die Zeit, die Minuten, Viertelstunden, die man daran wendet, einen Dübel in die Wand zu gipsen, einen Steckkontakt zu erneuern kostbare Zeit, aber das ist nicht zu ändeni. Die Preise sind ?n diesem Fall fest. Die Gesamtsumme dieser kost- lick>en Minuten, Viertelstunden machen den Tribut der Ehe, das Deputat verbriefter Hilfsleistungen.
Das Verdunkeln gehört jetzt auch dazu. Ich tue es nicht immer persönlich. Das besorgt nun t meine ftrau Aber die Verdunkelungsanlage ist in Idee und Ausführung von mir. Sie ist aus Papier, was ihren Ewigkeitswert beeinträchtigt.
Die Hauptsache aber ist die Idee, der geniale Wurf ihrer Gestaltung; und der Geist steht denn docki Io meine ich, über der Materie. Zudem erwog ich bereits, sie aus einem besseren Stoff nachzubil- den Aus Pappe mindestens oder Blech oder ganz dünnem Sperrholz oder — ich will die Reihe der ncuci ffierfftoffc, hic ich aufjerben. in Grroagunfl „iAt anführen. Sic ist nahezu endlos, denn meine Erfindungskraft oerfiegt in solchen Fällen "'bin lenem Tage beschloß ich wleder einmal selb,, ■X&t Man muß hin und wieder Oel in» Nmochen der familiären Einlrachl gießen und der Hausfrau aeroi fc Arbeiten abnehmen. Meine ehe- W Hausfrau war zum Einkäufen »-«n.
1.-- 3Lu hpreits aber wir haben viele Fenster in
Wohnung die den Tag bis zur Neige aus- unserer Wohnung, ™ fanden sie sperr-
lit offen Der Hinweis auf die balsamische N d>- ÄW man ihn oft in R°-
meinen findet, wäre hier angebracht. Ich unterdrücke ihn, weil es in Jener Dämmerstunde nicht um einen lyrischen Ausdruck für einen atmosphärischen Zustand ging, sondern um Hell und Dunkel.
Die Verdunkelungsanlage stand üblicherweise zwischen dem Fensterbrett und einer Bank in der Küche, bloß an jenem Abend nicht. Ich wollte meine Frau mit der in vollem Betrieb befindlichen Apparatur überraschen und begann fieberhaft zu suchen.
Unter dem Bett im Kinderzimmer fand ich drei Klicker und ein zerquetschtes Zelluloidpüppchen, mit dem meine Tochter einzuschlafen pflegt. Meine Tochter ist drei Jahre alt und wiegt 14 Kilo. Ein Zelluloidpüppchen hält das nicht aus. Eine wichtige Entdeckung gelang mir im Badezimmer.
In einer Ecke hinter der Badewanne fand ich ein Stück Feinseife. Es wog, wie ich sofort auf der Küchenwaage feststellte, noch fünfundsechzig Gramm.
Hinter dem stillgelegten Kachelofen in der Wohnstube tastete ich, es war inzwischen finster geworden, an etwas schwarzes, nachtgähnendes. Heureka! Nein, es war ein Regenschirm.
Die verdunkelte Nacht setzte meinem Forsck>en ein Ende. Ich saß in der finsteren Küche, den Hemdkragen gelöst, balsamisckie Lüste strömten zu den Fenstern herein und umfächelten mich.
So fand mich meine Frau. Später offenbarte sie mir, von meinen Augen sei ein phophoris- zierender Schimmer ausgegangen wie bei jenem Tiger im Dschungelfilm.
Ich knurrte nach meiner Derdunkelungsanlage, dem sinnreichen Werk aus Papier, Stäbchen, Schlaufen und Häkchen.
„Die ist im Oien", faqte sie kalt und fügte hin- ,pj: „Ich hab zwischen die Doppelfenster und -türe Pappendeckel geschoben, das ist viel praktischer als dein Krimskrams."
Damit schloß sie die Fenster, das Oberlicht, die Balkontüre. Kein Sirius, kein Orion, keine Milchstraße fand mehr Zutritt. Dann knipste sie das Licht an. Es war alles höck)st einfach. Genau so, wie ich mir's immer schon im Geist vorgestellt hab«.
Ich konnte nicht umhin, ich mußte ihrem Werk Beifall zollen, trojzdem es, Dehn Licht betrachtet, ein Plagiat meiner Gedanken war.
Meine Frau hätte das nie zugegeben, was schon aus Ihrer Antwort hervorgeht, die sie mir an den Kops roarf: „Du bist ein Lappnachil"
Mr Hausstauen und die Vezugsschelne.
Die Einführung von Lebensmittelbezugsscheinen bedeutet lediglich eine vorsorgliche Maßnahme, die unser Staat gegen die Egoisten und Hamsterer rechtzeitig ergriffen hat, wie eine gerechte, vorsorgliche Mutter, die ihre Kinder gleichmäßig nach und nach versorgt. Die Mengen der Nahrungsmittel, die ausgegeben werden, entsprechen im wesentlichen dem. was eine neuzeitliche und vernünftige Hausfrau schon immer etwa verbrauchte. Für sie ist die llmstellung bei genauer Uebcrlegung nur gering. Die Mengen der rationierten Nahrungsmittel entsprechen im übrigen dem Nährstoffbedarf des Körpers nach der modernen Ernährungslehre und schadet es den wenig Unbelehrbaren nichts, wenn jie ßch zwangsweise umstellen müssen. Die Bezugsscheinpflicht fordert von uns Hausfrauen:
1. Genau zu überlegen, was mir auf unsere Bezugsscheine kaufen wollen, d. h. einen erbe n t- lichen Küchenzettel m a d) e n , über die ganze Woche alles gleichmäßig verteilen und nicht wahllos dies und jenes kaufen.
2. Uns anderseits ohne Murren n a ch d e m z u richten, was v o r Hand e n ist, ob wir einmal Rind- ober Schweinefleisch, Rinder- oder Kokosfett bekommen, ist gleichgültig, den Geschäftsleuten durch Freundlichkeit und Geduld ihre schwierige Aufgabe erleichtern.
3. Ausgiebigen Gebrauch von den ivlchllck; v o r • 1) a n bene n Nahrungsmitteln, vor allem Obst. Gemüse, Kartoffeln zu machen.
Auf biese Weise tragen wir Frauen einen Teil bei zu ber Lösung ber großen Aufgaben, bie der gegenwärtige Kampf unserem Volk stellt.
Einmachrezepte für Quitten.
Das beliebte Quittenbrot stellen wir vor« teirhaf't von Saft und Mark zufammen her. Der Saft enthält am meisten Pektin und verursacht das rofd)c Gelieren. Deshalb gibt die Masse bann mehr aus als bei ber üblichen Trennung von Fruchtmark und Saft. Nur muß mnn bie Früchte knapp mit Wasser bedecken, um nicht zu viel Flüssigkeit zu ePlyol'teii. Da Geleekochen viel Zucker verlangt, kochen wir Quittensaft und Brot. 'Richt ganz reife Quitten abrei'ben, zerschneiden, V< des Gewichts können saure Spätäpfel sein, knapp mit Wasser bedecken (je Kilo Frucht etwa ’/a Liter Wasser), garkochen, auf Sieb Witten, den ersten Saft zu Fruckst« saft kochen (je Liter Saft 200 Gramm Zucker), das Mark mit dem übrigen Saft durchschlagen, je Kilo Masse nur '/> Kilo Zucker nehmen unb dazu ganz wenig kristallisierte Zitronensäure. Diese gibt den s-einfäuerlichen Gefchmack feiner Frucht Pasten. Nun rasch bei stetem Rühren kochen, bis ein Tropfen auf kaltem Teller rasch erstarrt. Die Masse fast kalt rühren, auf ganz dünn geölte Platte zum Erstarren geben. Erst nach dem Stürzen auf ein mit Puderzucker dünn beliebtes Brett mit Formen aus- stecken ober in Stücke schneiben. Diese einige Tage im Warmen trocknen lassen iinb zwischen Pergamentpapier in Blech oder Porzellan auf heb en. Nach Belieben kann man nach dein Kochen grüne ober rote Küchenfarbe in das Mark geben, um es zu färben. Dasselbe nochmal in grobem Zucker zu wenden, tft Zuckerverschwendung und auch vielen zu süß. Wer bie ganzen Platten bis zum Gebrauch aufheben will, legt sie zwischen Pergamentbogen wie di« Figuren.
Q u i tt e ii \ a f t : Je Liter Saft 200 Gramm Zucker rasch zum Kochen bringen und tüchtig kochen und fchäumen. Dadurch wirb ber Saft schön rötlich.
Oer preußische Znfiuilw.
Wie König Friedrich 2vilhelni III.. so liebte auch ber nachmalige Kaiser Friebrich, ber zur Zeit bieses Geschichtchens noch Kronprinz war, den Infinitiv als kürzeste Form ber militärischen Kürze. Einmal hatte er einen neuen Lakaien bekommen, einen ausgedienten Unteroffizier, ber sich immer so stramm benahm, wie er bas im Dienste seit eh und je gewohnt war. Strammheit im Dienste ist etwas sehr sästines, im täglichen Leben aber kann allzu große Strammheit and) auf die Nerven gehen. Und wenn ein Kammerdiener gar zu stramm ist, so ist das mandjmal nicht schön. Deshalb nahm sich ber Kronprinz ben Mann einmal vor, und sagte ihm: „Sind nicht mehr Unteroffizier! Jetzt Kammer- bleuer! Nicht so stramm benehmen! Kammerbienek muß legerer sein!"
Na, unser Kammerbiener merkte fid) bas. Als der Kronprinz einige Tage später einmal vom Dienste ins Kronprin^enpalais kam, wo fid) um diese Stunde der alte König Wilhelm als Gast äuge jagt hatte, stand der neue Lakai im Hausflur. Der Kronprinz, der fick; verspätet hatte, kam eilig herein und fragte: „Majestät schon da?"
„Legerer!" ging es unserem Lakai durck; den Geist. Und deshalb gab er die dem Kronprinzen etwas unerwartete Antwort: „Papachen ist im Nebenzimmer!"
Dem Kronprinzen blieb über soviel ßegerhelt, wie man zu sagen pflegt, die Spucke roeg! Schnell trat er an den verblüfften Lakaien heran und flüsterte ihm ärgerlid) zu: „Wohl betrunken!" Und ber über so viel Vertraulichkeit aus so hohem Munde nod) perplexe Lakai flüsterte ebenso vertraulich zurück: „Hab nichts gemerkt, Königliche Hoheit!"
LinkolnS Pfote.
Als ber zu dem berühmtesten unb bedeutendsten amerikanischen Präsidenten gewordene Abraham Lincoln nod) ein Schuljunge war, entdeckte sein Lehrer eines Tages bei Schreibunterricht, daß Lincolns „Pfote" vor Schmutz geradezu starrte. Erbost fuhr er auf ihn los und brüllte ihn an: „Du vermaledeiter Taugenicksts und Schmutzfink du, wenn hier in der Klaffe nod) eine dreckigere Hand zu finden Ist, dann sollen dir die wohlverdienten Prügel erspart bleiben!" Da zeigte ber kleine Lincoln seine bis bat)In verborgen gehaltene linke Hand — und die ihm ziigebacksten Prügel blieben aus. Olav Sölinimd.


