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Üt. 66 Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)
18./I9.mär$1959
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Wie sehr Wagner auf das Zusammenwirken aller beteiligten Faktoren größten Wert legte, bestätigt die genaue Anweisung für die Aufführung des „Fliegenden Holländers" aus seiner Hand. Und was schon die letzten Gießener Operninszenierungen di-s laufenden Winters zu erkennen gaben, das sand mit der Wiedergabe des „Fliegenden
von Oberbürgermeister Ritter in seiner vorgestrigen Mitteilung erwähnten Marktbautcn in der Nähe des Schlachthofes fertiggestellt sind. Zu welchem Zeitpunkt das sein wird, ist jetzt noch nicht mit Sicherheit vvrauszusagen. Man wird eine wesentliche Steigerung der Auftriebszahlen zu erwarten haben, wenn man bedenkt, daß zu den bisherigen vier Orten der jetzigen Schlachtviehverteilungsstelle (Gießen, Wieseck, Klein- Linden, Heuchelheim) 23 weitere Gemeinden hinzukommen werden. Auf der Schlachtviehverteilungsstelle belief sich der Auftrieb bisher wöchentlich im Durchschnitt auf 80 bis 95 Stück Großvieh, 150 bis 270 Schweine, 130 bis 160 Kälber. Nach der Eröffnung des Mittelmarktes wird, auf Grund der bis-
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mir erlebten Seeabcnteuer verleihen konnten. Ein unsägliches Wohlgefühl erfaßte mich, als das Echo der ungeheuren Granitwände den Schiffsruf der Mannschaft zurückgab, unter welchem diese den Anker warf und die, Segel aufhißte. Der kurze Rhythmus dieses Rufes haftete in mir wie eine kräftige tröstende Vorbedeutung und gestaltete sich bald zu dem Thema des Matrosenliedes."
Die bald darauf folgenden Elendstage in Paris als Journalist und Opernarrangeur zwangen Wagner, einen einaktigen Entwurf des Holländer- Stoffes für 500 Franken zu verkaufen. „Mit diesen 500 Franken mußte der ,Fliegende Holländer^ sofort von mir in Dichtung und Musik für Deutschland ausgeführt werden, während ich das ,Vaisseau fantome', (den oben benannten Entwurf) seinem französischen Schicksal überließ." Zwei Ereignisse beflügelten seine Schaffenskraft besonders: die Nachricht von der Annahme des „Rienzi" zur Aufführung in Dresden, und die, starkes Heimatsgefühl weckenden Eindrücke der Pariser Erstaufführung von Webers „Freischütz". In sieben Wochen entstand die ganze Musik bis auf die Instrumentation: nur die Niederschrift der Ouvertüre verzögerte sich durch eine neuerliche Notlage des Meisters um zwei Monate.
Das fast ins Mythische weisende Natur- und Schicksalserleben läßt Wagner sich von dem üblichen Opernmelos entfernen, und in den Bezirken, die dem Zentrum des Dramas am nächsten stehen, zu neuen Ausdrucksformen gelangen. Die Wiedergabe des Natureindruckes hebt sich über die bloße Abschilderung hinaus zu persönlich durchlebten musikalischen Gebilden, ein Zug zum Ursprünglichen findet seine Erfüllung in Volksliednähe (Spinnerlied, Steuermannsgesang). Die Keimzelle aber für das ganze Werk ist die zuerst entstandene Ballade der Senta mit dem Holländerruf und dem Erlösungsthema, die zum Leitgedanken des dramatischen Geschehens werden. Die Arie wächst sich zu dramatisch geweiteter Szene aus. Die beiden Hauptträger der Handlung erscheinen in neuer musikdramatischer Durchleuchtung, die in die Zukunft weist, während die mehr am Rande stehenden Gestalten (z. B. Daland) mehr oder weniger noch dem Opernstil erhaftet sind. Die geniale Ouvertüre aber bindet als symphonische Dichtung großartiges Naturerleben mit den Gewalten des Schicksals, als eine Vorahnung des kommenden Dramas.
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Soldatenpost nach Böhmen unö Mähren
herigen Marktbeobachtungen, künftighin mit einem Auftrieb von 130 bis 140 Stück Großvieh, 350 bis 400 Schweinen und 170 bis 200 Kälbern zu rechnen sein. Der Auftrieb des Schlachtviehs wird jeweils am Montagnachmittag erfolgen, der Markt wird immer am Dienstag stattfinden.
An den Gießener Mittelmarkt werden zu den bisherigen Gemeinden Gießen, Wieseck, Klein-Linden, Heuchelheim, nach der Absicht des Viehwirtschaftsverbandes Hessen-Nassau, noch folgende 23 Gemeinden in der Umgegend von Gießen gebunden werden: Albach, Allendorf (Lahn), Annerod, Alten-Buseck, Butzbach, Dutenhofen, Garbenteich, Gleiberg, Gro- ßen-Buseck, Großen-Linden, Hausen, Krofdorf, Launs- bach, Leihgestern, Lich, Lollar, Oppenrod, Rödgen, Steinbach, Steinberg, Trohe, Watzenborn und Wißmar. Die Marktbindung bedeutet, daß alle fleischverarbeitenden Betriebe in den genannten Orten, also Metzgereien und Wurstfabriken, ihr Schlachtvieh wöchentlich nur in Gießen auf dem Mittelmarkt zugeteilt und ausgehändigt erhalten. Tie bisherige Möglichkeit der Metzger in den genannten Orten, unmittelbar in ihrem Orte oder in der Nachbarschaft Schlachtvieh aufkaufen zu können, fällt künftighin fort. Das Schlachten der Tiere kann wie bisher für die Landorte in den dortigen Metzgereien bzw. eigenen Schlachthäusern erfolgen. Die Beschaffung des Schlachtviehes von den Bauern und Landwirten erfolgt durch die Viehverwertungsgenossenschaften und durch Kommissionäre, die das Vieh auf dem Gießener Markt anliefern. B.
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rtqSum in Farben stehen, dann muß die Wohn- stcRe des Menschen im Dorfe auch schön sein. Ein Sück Zaun darf nie schief hängen, die Straßendecke bei nicht von Schlaglöchern strotzen. Denn das Lcnd soll rufen mit dem schönen Dorf, der Vogels- wll als Schmuckkästchen gelten und der Mensch
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25 Jahre Goethe-Bund in Gießen
Von Or. Otto Henning.
Mitleid" erweckendes, fluchbeladenes Schicksal. Un. heimlich ernst, schmerzhaft verzweifelt, aber beherrscht, und darin gerade erschütternd, dämonisch. Groß in seinem Monolog, von hohem dramatischem stimmlichem Akzent und Innerlichkeit; ein anderer im Hoffen des zweiten Aktes; zerknirscht, verzweifelt im letzten Bild; stets aber als Sänger und Darsteller in vollendetem Ausgleich.
Hatte schon die Feldmarschallin im „Rofenkavalier" Anni Assion auf stark ansteigender Linie gezeigt, im Durchleben der Senta gab sic für Gießen wohl ihr Größtes. Die (übrigens sehr schön gesungene) Ballade wurde durch sie zu einer seherischen Schau, die unbedingt zwangsmäßig zur Erfüllung ihres Schicksals führen mußte. Jenes Somnambule, unbewußte Träumerische, das im weiteren Fortschritt der Handlung immer mehr zur inneren Gewißheit, unabwendbaren Verpflichtung wird, das, losgelöst vom Sinnlich- Menschlichen, nur dem ethischen Ziele, erlösen zu wollen, folgt, das iburde für sie bestimmend und löste alle gestaltenden Kräfte ebenso, wie der wachsende Affekt die Stimme zu größter, voluminösester Entfaltung führte und in der höchsten Opferbereitschaft letzte Erfüllung fand.
Menschlich schlicht und doch kernig war der Erik von Heinrich Durst; ein Getäuschter der Liebe, wurde die Kavatine des dritten Aktes Abbild seiner Männlichkeit in schmiegsamer gesanglicher Linie; stark und eindringlich und sieghaft durchschlagend war sein Organ in den Momenten dramatischer Erregtheit. Seiner Tochter ein besorgter Vater, dem Holländer hilfsbereiter Freund so stellte Erwin Bugge den Daland dar; eine praktisch, nüchtern denkende Natur, ganz aus dem ihm vorgezeichneten Lebenskreis erwachsend, dem Gesanglichen mit Musikalität und stimmlicher Farbe und Modulation nachkommend.
Mit frischem, leuchtendem, sehnsuchtsgettagenem Organ sang Ernst-August Waltz sein Steuermannslied. Ilse Winhold war mit warmen Tönen mütterliche Betreuerin Sentas mit besonderen Zügen. Tas Ganze aber fand in Paul Walter seine Zusammen fassung. In der groß aufgebauten Ouvertüre mit ihrem starken dramatischen Realisnms gab er dem kommenden Geschehen bestimmendes Vorerleben, bei feinsinnig bezogener Einfügung der einzelnen Episoden und glänzenden Klangcntwicklungen. In engster Verbundenheit mit der Handlung und mit der Szene war er den Darstellern entschiedener Förderer mit nachgehendem Anpassungsvermögen; groß in der Herausgestaltung dramatischer Akzente ebenso wie in der Erfüllung des einzelnen, mit wachem Auge für das Wesentliche und Schöne der Partitur, dabei seine Helfer im Orchester (voran Holz und Hörner) zu vollem Gelingen führend.
Aeußerst nachhallende Eindrücke nahmen beu Hörer innerlich gefangen; starker, stürmisch ausbrs» chender Beifall wurde zum Zeichen verdienten Dankes und anerkennender Würdigung.
Dr. Hermann Hering.
Gelegentlich der Einweihung der Bauernschenke auf dem Viehmarktplatz im Anschluß an eine Besichtigung der Viehversteigerungshalle Rhein-Main am Donnerstagnachmittag hat Oberbürgermeister Ritter — wie wir gestern bereits berichteten — der Bevölkerung von Gießen und Umgegend eine erfreuliche Mitteilung gemacht, als er bekanntgab, daß der Gießener Viehmarkt vom Reichsnährstand und der Stadt Gießen zu einem Mittelmarkt ausgestaltet werden wird. Diese Neuordnung ist in verschiedener Richtung von weittragender Bedeutung.
Zunächst sei hier zur Vermeidung von falschen Vorstellungen mitgeteilt, daß es sich bei dem Mittelmarkt nicht um einen Zuchtviehmarkt handelt, sondern daß damit ein Schlachtviehmarkt ersteht. Der organisatorische Aufbau der Märkte nach der Regelung des Reichsnährstandes ist folgender: Unterste Stufe der Organisation ist die Viehverladestelle, bei der das Vieh aus mehreren benachbarten Orten gesammelt und auf den Transport zu den Viehmärkten gebracht wird; dann folgt als nächste Stufe die Schlachtviehverteilungsstelle, wie wir sie gegenwärtig noch in Gießen haben und durch die ein kleiner Kreis von Orten seinen Schlachtviehbedarf zugeteilt erhält; nun kommt der Mittelmarkt, der für eine größere Reihe von Ortschaften Bezugsstelle für Schlachtvieh ist; schließlich steht an oberster Stelle der Großviehmarkt, wie er in Frankfurt a. M., Mainz und Darmstadt abgehalten wird. Gießen wird also als Viehmarktort um eine Stelle heraufrücken.
Diese Veränderung bedeutet für die Bauern und Landwirte unserer engeren Heimat als Viehverkäufer insofern eine gute Lösung, als sie nun nicht mehr, wie seither, zwecks Erzielung eines günstigeren Preises für ihr Vieh auf dessen Versand zum Großviehmarkt in Frankfurt a. M. angewiesen sind, sondern künftighin ihr schlachtreifes Vieh dem Mittelmarkt in Gießen zuführen können und hier — obwohl dann die Transportkosten geringer sind als seither — die gleichen Ausstich-Zuschläge erhalten, wie sie in Frankfurt a. M. bezahlt werden. Dieser Besserstellung des Viehverkäufers steht eine beachtenswerte qualitative Verbesserung der Fleischversorgung der Verbraucher von Gießen und Umgegend gleichwertig zur Seite, da künftighin unter der Auswirkung der günstigeren Preisverhältnisse für die Verkäufer bessere Qualitäten von Schlachtvieh auf dem Gießener Mittelmarkt angeliefert werden. Die Neuordnung des Marktes wirkt sich also in einer preismäßigen Besserstellung der Viehhalter und in einer qualitativen Steigerung der Wertklasse des an die Verbraucher abgegebenen Fleisches aus.
Der Gießener Schlachtvieh-Mittelmarkt wird voraussichtlich von Anfang April ab zunächst in der Viehversteigerungshalle Rhein-Main stattsinden. Dort wird er solange durchgeführt werden, bis die
ein Bekenntnis zur Persönlichkeit und zum Werk des großen deutschen Geistesgenius abgelegt. Neben diesen literarischen Vortragsabenden 'wurden unzählige Lichtbilderoorträge veranstaltet. Hier sollten unseren Mitgliedern und Freunden von berufenen Dortra genben die Schönheiten deutschen Landes und seine ehrwürdigen Sitten und Gebräuche geschildert werden. Wir verpflichteten zu solchen Vorttagsabenden hervorragende Wissenschaftler und Forscher, um uns berichten zu lassen über Erfolge und Kühnheit deutschen Forscher- und Unternehmungsgeistes. Als sich 1928 nur wenige in Deutschland um den verdienstvollen Forscher Wilhelm F i l ch n e r kümmerten,
Aus kleinsten Anfängen ist der Goethe-Bund Gießen emporgewachsen. Es war ein weiter Weg von der ersten kleinen Gemeinschaft, die von einigen Iu- gendkameraden gegründet wurde, bis zum heutigen 25. Jahrestag, der im Nahmen einer Gießener Goethe-Festwoche unter der Schirmherrschaft des Herrn Oberbürgermeisters der Stadt Gießen begangen werden kann. Dieser Entwicklungsgang hat aber bem Bund eine innere Festigkeit, eine organisch gewachsene, ureigene Triebkraft gegeben, die ihn zu Erfolg und Leistung befähigte. Wohl mußten Kinderkrankheiten überwunden werden, aus Fehlschlägen oder Fehlern mußte gelernt werden, Schwierigkeiten und Hemmnisse aller Art waren aus dem Wege 3U räumen. Es gab Schatten und Licht, schöne und schwere Zeiten. Und dies war gut so, denn hieraus erwuchs die Kraft und die Erfahrung! Hieraus erstand auch dann der treue und tatst oh e Kreis der Helfer, der den Goethe-Bund zu immer größerer Leistung und damit zu Ruf und Ansehen ftihrte.
Viele von denen, die bei dieser Aufbauarbeit des Bundes am Werke waren, sind von Beruf und Lebensschicksal auseinanidergerissen worden. So oft sie aber wieder Zusammentreffen, denken sie gerne und freudig an die Freunde und an die Stunden im Goethe-Bund; an die wertvollen Erlebnisse im Vor- tragsfaal, an die unermüdliche Kleinarbeit zum Gelingen der freiwillig gesetzten Ziele und Aufgaben, an die erste Heimstätte in der „Schönen Aussicht, an das flethe Klubzimmer im „Hindenburg", an die Zusammenkünfte im Kaufmännischen Vereinshaus, roo wir in schwerer Notzeit eine gastliche Aufnahme gefunden hatten und wo wir im,redlichen Bemühen für unsere schöngeistige und kulturelle Arbeit uns Grundlage und Wissen schufen. In der Zeit geistiger und völkischer Not, in der Zeit, wo neben Straßenkämpfen und Unruhen der Hausbrand und die Beleuchtung eingeschränkt oder sogar eingestellt werden mußten, da zogen wir zu unseren Mitgliedern und Freunden von Haus zu Haus, sammelten Kohlen für unsere Dortragsräume und steckten statt der elektrischen Beleuchtung die Karbidlampe an. Als in der Zeit der Inflation uns von einem Tag zum andern die Einnahmen aus dem Kartenverkauf „wegschmolzen" ober uns durch Unruhen die Hilfskräfte fehlten, da griffen wir selbst zu: Wir trugen die Plakate aus, bauten die Vortragssäle zu Gastspiel-Veranstaltungen um, übernahmen den Kartenverkauf an der Kasse ober Kartenkontrolle am Saaleingang. So wurden unsere Vartragsveranftaltun- gen ohne Unterbrechungen durchgeführt, denn gerade in dieser Zeit waren sie besonders nötig. Daß wir uns so mit eigener Person und eigener Kraft für unsere Kulturaufgabe einsetzen konnten, machte uns stolz und gab uns neue Kraft.
Nun war das Ziel und die Aufgabe genau erkannt, das notwendige Maß von Begeisterung unb Idealismus in' uns gelegt und an Stelle des bisherigen Namens „Bund zur Pflege von Musik unb Literatur" wurde der Name des großen deutschen Geistesheroen angenommen. Dies bedeutete für uns zugleich wieder neue Verpflichtung und neue Verantwortung, getreu dem Goethewort: Der echte Deutsche bezeichnet sich durch mannigfaltige Bildung und Einheit des Charakters.
Was der Goethebund Gießen damit sich selbst unb dem Gießener Kulturleben gelobt unb versprochen hatte, hat er getreulich gehalten. Dies können wir heute einmütig bekennen. Das durch ben Goethe- Bund vermittelte Geistesleben ist nicht nur der Bedeutung unserer Universitätsstadt Gießen vollauf gerecht geworden, sondern gab unserer Stadt vor anderen Städten Vorrang und Ansehen.
Im Mittelpunkt der Vortragstätigkeit des Goethe-
Holländers" unter der musikalischen Leitung Paus Walters seine volle Bestätigung: ein einheitliches Herauswachsen des Ganzen aus seinen inneren, ihm gemäßen Triebkräften, ein Erschließen, ein Werden in voller Entfaltung der innewohnenden Bedingtheiten, ganz ausgerichtet auf die leitende Idee.
Zum ersten Male ist unsere Bühne in der günstigen Lage, ganz aus eigenen Kräften, aus eigenen Mitteln ein Wagnersches Werk zur Aufführung zu bringen, und sogleich mit einem Hochstande, der besondere Würdigung und vollste Anerkennung fordert und restlos verdient.
Für Wagner ist das Bühnenbild nicht nur Hintergrund der Szene, sondern Stimmungsträger, der die Gestalten in ihrem Handeln begreiflich macht. Karl Löffler war in Sorgfalt und Hingegebenheit auf die Anweisungen des Textes eingegangen und hatte so eine Umwelt mit der ihr nötigen Gegensätzlichkeit erstehen lassen, die das Milieu sicher zeichnete und dem Geschehen starke Resonanz gab. Hand in Hand damit, in genauester Ausrichtung auf das Musikalische wurde durch die Lichtführung Remigius Konen zum bedeutsamen Mitschaffenden. Gert Buchheim als Spielleiter vereinigte die wirkenden Kräfte in letzter Einheit zu einer Handlung von überzeugender und packender Geschlossenheit, als eine große erschütternde Ballade. Die Volks- und Chorszenen entwickelten sich in engster Bindung mit dem Rhythmischen; die Anmut der Spinnszene ebenso wie der Eingang des dritten Aktes, der die Chöre zu aktiven Trägern der dramatischen Momente werden ließ, insbesondere mit der Charakterisierung der inneren Gegensätze, die zwischen dem Matrosenchor und der Holländermannschast klaffen. Heinz Markwardt hatte dafür gründlichste, sauberste Vorarbeit geleistet, nicht nur die Sicherheit, sondern reizvolle stimmliche Klangschönheit, Ausgeglichenheit, lebensvolle Frische und Bewegtheit bestätigten die Chöre in ihrer dramatischen Wichtigkeit.
Entscheidend für den Erfolg der Oper wurde mit tarkern Anteil Gustav Bley als Holländer. Zum ersten Male wohl hatte er damit eine ausgesprochen heldische Baritonpartie übernommen. Zwar konnte im Vorjahre die starke Eindringlichkeit seines Enoch Arden schon seine Eignung für dieses Fach erkennen lassen; aber die jetzige Aufführung erwies überzeugend seine Fähigkeiten. Waren auch sonst stets die durch ihn verkörpetten Gestalten aufs engste aus den dramatischen Bedingungen heraus gebildet, so erwuchs ein Holländer ^anz aus dem Musikalisch-Dramatischen mit einer bis zum letzten vorstoßenden Einfühlungsgabe, die jeden einzelnen Zug im Menschlich-Packenden verankerte und mit starken persönlichen Kräften erfüllte.' Kein Schritt, keine Miene, feine Gebärde, keine Bewegung, die nicht aus bet Partitur ihr Leben zog; immer innerlich ganz hingegeben an „tiefstes
Aus der Stadl Gießen.
Huf vom Land.
Wir kennen den Zwiespalt: der Mensch der Stadt o>er eines großen Industriegebietes hat den Wunsch mch einem eigenen, schönen Stückchen Heimaterde! Iber in den weitaus meisten Fällen kann er durch ferne Arbeit dem Wunsche keine Erfüllung geben Cv findet er sich mit der Zeit damit ab. Und trotz- bi m kennt er keine größere Sehnsucht, als einmal zur Eholung „aufs Land" zu gehen. Das deutsche Dorf lockt zu sehr, denn schließlich kam ja jeder Städter enmal vom Lande. Ist es ein Wunder, wenn ihm W Bodenverwurzelung und der Hang zur Heimat aaumerfen sind?
Verständlich wird diese Sehnsucht, wenn man W, rote jedes deutsche Dorf sich dem Charakter d-r Landschaft anpaßt und dadurch selbst Charakter echält. Ja, für unsere Wetterau und den Vogelsberg kann man ruhig sagen, daß die Dörfer darin alle Voraussetzungen haben, schön zu sein! Und diese Schönheit ruft und lockt mit den Stimmen des Lutes, unbewußt oft und dennoch unbezwinglich!
Der Ruf des Dorfes ist in den letzten Jahren vilfach gehört worden: es wurde der Kurort schaffender Menschen! Das hat den Vorteil, daß sich die Wuschen aus Stadt und Land kennen und ver- ftpen lernen. Damit verschwinden die dummen Sportteile, die früher den einen nicht zum anderen lutmen ließen. Wie jedes Dorf von seiner Landschaft ormt ist, so muß jeder Mensch in seine Umgebung tyÜen. Der städtische Büroangestellte kann nun ein- inJ nicht in Langschäftern und Halstuch am Schreibet) sitzen; jedenfalls wäre diese Bekleidung für ihn sea ungesund. Und ebensowenig kann man sich einen Buern vorstellen, der in Halbschuhen und Steh- kr-gen hinter seinem Pfluge herläuft!
Äenau so unpassend war das Bestreben einer ge- sÄftstüchtigen Epoche, dem bodenständigen Dorfe eiien „Sädtischen" Anstrich zu geben. Schreiende R-lameschilder sehen schon in der Stadt nicht schm aus, auf dem Lande wirken sie geradezu häßlich! Ltzerdem sind sie hier völlig nutzlos, denn niemand rittet sich nach ihnen. In der Zeitung haben An- zegen den besten Rahmen und den größten Erfolg! Jr übrigen wollen die schaffenden Menschen, die fltf) im kommenden Sommer zur Erholung aufs Lmd kommen, keine Häßlichkeiten sehen, sondern be Charakter des Dorfes und der Landschaft, in den es liegt.
2enn Wald und Wiese, die Gärten und die Bäume
den bisherigen Bekanntgaben über Beförde- von Briefen und Postkarten an Soldaten in ikcHmen und Mähren teilt das Reichspostministe- rium ergänzend mit, daß die Postnummern und PcNleitstellen, die in den Anschriften der Sendungen aiugeben sind, den Truppen über die militärischen Aonmandostellen bekanntgegeben worden sind. Die EiDaten sind angehalten worden, die in Betracht tunmenöe Postnummer und Postleitstelle ihren An- ^khi.rigen mitzuteilen. Die Absendung von Briefen tzft Postkarten ohne diese beiden Bezeichnungen ft wecklos. Andere Sendungen, und zwar Pakete, ßL chen, Einschreibbriefe, Wertbriefe, Postaufträge tni Nachnahmesendungen an die deutschen Soldaten Böhmen und Mähren können noch nicht befördert Denen. Ferner ist die Auszahlung von Geld an
Bundes, dem sich bereits im Jahre 1920 der Kaufmännische Verein und der inzwischen aufgelöste Gewerbeverein Gießen in Vortragsgemeinschaft anschlossen, standen die Dichterlesungen. Fast alle namhaften und angesehenen deutschen Dichter haben in unserer Stadt aus ihren Werken gelesen oder Vorträge gehalten; für einigt von ihnen war sogar ihr Gießener Vortragsabend ihre allererste öffentliche Lesung. Zu besonderen literarischen Anlässen wurden Feierstunden durchgeführt, zu denen hervorragende Vortragende oder ausgezeichnete Sprech- künsller gewonnen wurden. Alljährlich wurde zum Jahrestag des Goethe-Bundes in einer Goethe-Feier
Gießener Gtadltheater.
Warner: „Der fliegende Holländer."
nach dem „Rienzi" mit dem kurz darauf g nden „Fliegenden Holländer" sich eine ein- fftn idende, entscheidende Wendung im Schaffen \IttLnrb Wagners vollzog, liegt tief in dem Wesen f®irr Schasfensart begründet. Folgte er vorher oder minder dem Borbilde der traditionellen J&f“, so löst sich jetzt seine Persönlichkeit von diesem i jfrimg und bringt das ihm Gemäße zum Durch- E»io. „Es ist bei mir nicht der Fall, daß ich i yr deinen beliebigen Stoss wähle, ihn in Verse Efttiie und bann darüber nachdenke, wie ich auch everpassende Musik dazu machen wolle? Bei dieser ^«>es Verfahrens würde ich allerdings dem liebel» fiiitiae ausgesetzt sein, mich zweimal begeistern zu si»!>l, was unmöglich ist. Die Art meiner Pro- kl pton ist aber anders: zunächst kann mich kein iZßio ' anziehen, als nur ein solcher, der sich mir ttfci nur in seiner dichterischen, sondern auch in fipic: musikalischen Bedeutung zugleich darstellt, gwsch daran gehe, einen Vers zu machen, ja, eine 48?£5e zu entwerfen, bin ich bereits von dem nPi^alischen Dufte meiner Schöpfung berauscht, ichh!be alle Töne, alle charakteristischen Motive im so daß, wenn dann die Verse fertig und b i ebenen georbnet sinb, für mich bie eigentliche L'^n ebenfalls schon fertig ist, unb bie detaillierte wriünlifche Behanblung mehr als eine ruhige unb bichrnene Nacharbeit ist, ber bas Moment bes eiM'lichen Probuzierens bereits vorausgegangen ifrfc* Brief an Gaillarb, 1844.)
DlÄ Ganzheitserleben mit ber Integration aller fsÄisqyen Kräfte läßt.Wagner über bie bichterische FMlmg hinaus in bie zugrUnbe liegenbe Urhanb- Iu;tu vorstoßen, in „bas wirklich vor unserm Auge sishb wegenbe Drama, als bas bas sichtbar geworben Gegenbilb ber Musik, wo bann bas Wärt unb bt’ ii ‘be einzig ber Hanblung, nicht aber bem bich- tei&fen Gebenken mehr angeboren." Nicht mehr all- j» Parattelvorgang zwischen Musik unb Szene, foiht!>m als ein Verschmelzungsvorgang, ber Wort urÄ Musik aus ber gemeinsamen Wurzel beiber, bete $oanblung, erwachsen läßt, hat von nun an Wlanrrs musikbramatische Durchgestaltung zu gelten t lls einheitliche Aeußerung gemäß dem sie gSN'imsam erregenben Ursprünge.
lü bies große Urerlebnis brachte ihm bie von Stürmen gefährbete Seereise von Pillau naßö ii.onbon (1839), wo bas Schiff, burch torbrige Sfce gezwungen, einen Hafen in ben Schären aiTüIci^n mußte. „Die Durchfahrt burch bie nor- biftidn Schären machte einen tounberbaren Ein- bohr mf meine Phantasie; bie Sage vom fliegen» bejijaollänber, wie ich sie aus bem Munbe ber AW cs en bestätigt erhielt, gewann in mir eine besstmnte, eigenartige Farbe, bie ihr nur die von
Nr.1 Nierentee
Nr.2 Darmtee


