Ur. 157 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger tGeneral-Anzeiger für Oberhessen)
Donnerstag, 15. ZnniMY
Tä
DerlaUj.
fQm es n-N Linien »• Die
.5 @ra{j beltätig- 9 bringt vird.
ere Le. gewittri, en Win.
heraus- Listige lenstes
uhchlond ge und en nach, nperatur Glnder, iÖe; dg, ^tägiger che. Zahl lten zehn gönnen* hland, Ostmark, lrchschnitt n mäßig itete, im ach land- e großen ngen bis hntägigen 'age mit sten viel« r kleiner
Lange.
>st Blum« e Bilder: - Thyriot: ift: Ernst I Neuner. ; für den 2I.V.1939: liversitäts« i Gießen, ch 25 Pf. Pf. mehr, ss 15 Pf., ist Preis« iiltig.
U25D
den!
m Hotel enlose
I. u. W geeilt. ierung.
L.-G.
42901
äsche durch betrieb SW»
1939, ven Neuenweg ch d. Hott' iderschränke, >en, W irgarderobe, -tzger, einen , Trume-w' । o Snreiv >f), Bette; „ieg.,®«"6, we,l*' sN*
4$^
ri,ph^
tbaden
ÄiS gatDira*
)lß
)C °6 lf> lennstie F
Aus Der Stadt Gießen.
Sonntag auf der Hütte.
Es ist ein wundervollen blauer Junimorgen. Der lairffad ist gepackt und auf einem der Fahrräder v rstaut. Nun kann es losgehen.
Oie Sonne liegt golden über Tal und Höhen, dr Dögel fingen und zwitschern in allen Tonarten, merall Blutenduft und Bienensummen.
Nach einer anstrengenden Fahrt — es ist uns ichtig heiß geworden — sind wir endlich am Ziel, !□ wir von Freunden erwartet werden. Die Hütte rgt auf einer Anhöhe am Wald, mit herrlichem s>rnblick, umgeben von einem wundervollen Garten. )sr ist für die Kinder das reinste Paradies. Ginster >!'iht in goldgelber Fülle, märchenblaue Lupinen ,cken ihre schlanken Stengel, hellroter Riesenmohn l id)tet im hohen Grase. Ach, wie ist es schön, so
Gras in der Sonne zu liegen! Man steht in in blauen Himmel, zum dunkelgrünen Wald hin- iier oder zu den frischgrünen Kornfeldern, durch 11 der warme Juniwind läuft.
Aber — 'bas Mittagessen muß jetzt bereitet wer- >11, die Kinder fragen schon, wann es denn — erlich! — etwas gäbe? Nun beginnt ein geschäf- tl:es Treiben: zuerst sammeln die Minder Holz im Wirten, dann muß Wasser an der nahen Pumpe fliolt werden. So einfach einen Wasserhahn in der K che ondrehen, und dann kommt es silberhell her- osgeschossen: jawoll, das gibt's hier nicht! Die Kinder pumpen mit Hingabe. Den Eimer, den sie vijschleppen, betrachtet die Hausfrau mit Abscheu: ,/ araus soll ich Kaffee kochen?? Das ist ja schon v Icher!"
Nun wird im kleinen Herd Feuer angemacht. t)"s wohl angeht? Zuerst werden unsere Bemühun- fin mit dickem, blauem Qualm beantwortet. Alles hntet. „Den Gasherd anstecken ist doch einfacher!" Linkt die Hausfrau und legt wieder Holz auf. Aber wirklich, nun brennt es, der Reis wird aufgesetzt. T? Kinder dürfen schon den Tisch decken.
_lnö bann gibt es eine fröhliche Mahlzeit. Nachher tfi Ruhezeit. Sogar die Kinber halten mindestens ei e Viertelstunde Rast im Grase, es ist sogar Rede- vc bot. Nur der Kleinste kommt zu seiner Mutter acufen: „Eben hott' ich ein Tier im Mund, ich hcn's aber wieder rausgehit!" Er wird gelobt und ttzber weggeschickt.
Die Erwachsenen haben sich, jeder nach feinem H'schmack, die verschiedensten Ruheplätze ausgesucht. Dr Hausfrau hat sich ins Gras in die Sonne gelegt, a\*r bald wird es zu heiß, und sie rückt hinüber in den Schatten, den ein breitästiger Kirschbaum fandet. Ihre Blicke schweifen durch sein Geäst zum II uen Himmel, bann bleiben sie an den übervollen ^neigen hängen: „Herrlich", denkt die Hausfrau, „n*d) diesen Monat werden sie reif. Auch Erdbeeren, »ije wunderbaren, roten Früchte, wird es bald fleen. Was ist, der Juni für eine schöne Zeit, es flirt gewiß keine, die köstlicheren Duft mitbrächte: K 'schen, Erdbeeren und — Rosen! Die Marmeln «e", so denkt sie weiter, „wird wieder viel Zucker tcren, gut, daß ich mir dafür etwas Geld gespart Ijcne!"
Dann fallen ihr die Augen zu, und sie träumt icn lauter vollen Einmachgläsern. E. L. St.
Bornotizen.
Tageskalender für Donnerslag.
Gloria-Palast, Seltersweg: „Deutsches Land in If ika". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die kluge Lewiegermutter".
Gießen-Klein-Linden.
In den Fluren „Psingstwerde", „Heegstrauch", „feUberg", „Schinderhohl" und „In den Kraut- öi sen" wurde die Versteigerung des Heugrases von de Gemeindewiesen durch die Stadt Gießen vor- xe ommen. Es wurden im ganzen etwa sieben M rgen ausgeboten. Der Preis der Wiesen mit sehr gu$m Grasstand belief sich für den Margen auf 18 bis 25 Mark.
Gießener Studenten als Erntehelfer im deutschen Osten.
Die Gießener Studentenschaft fand sich am gestrigen Mittwochabend zu einer Kundgebung in der Neuen Aula der Universität ein, um durch Den Gaustudentenbundsführer die wesentlichen Gründe des Einsatzes der Studenten als Erntehelfer im deutschen Osten zu erfahren.
Der Ortsreferent für den Einsatz der Studenten im Osten, cand. agrar. Pfonnkuch, hieß die Kameraden und insbesondere den Gaustudentenbundsführer Kugelmann herzlich willkommen. Er forderte auf, die Zeichen der Zeit und die Ziele zu erkennen bzw. zu verfolgen, ohne nach rechts ober links zu blicken.
Stubentenführer Frank gab dann eine Reihe von Erläuterungen über den Einsatz der Studenten im deutschen Osten und stützte sich dabei auf die Anordnungen des Reichsstudentenführers. Er bat, von Beurlaubungen nur im dringendsten Falle Gebrauch zu machen und durch restlosen Einsatz zu beweisen, daß bas Bekenntnis ber Studenten zum Führer nicht nur ein Lippenbekenntnis sei. Er konnte mitteilen, daß der Ernteeinsatz der Gießener Studenten im vergangenen Jahre nach Zahl und
Leistung von allen berufenen Stellen lobende Anerkennung erfuhr. Abschließend gab er dem Wunsche Ausdruck, daß auch ber diesjährige Ernteeinsatz einen vollen moralischen Erfolg für die Gießener Studentenschaft bedeuten möge.
Sodann sprach ber Gaustubentenbundsführer Kugelmann. In eindringlichen Worten stellte er den Gießener Studenten Die Notwendigkeit des diesjährigen Ernteeinsatzes im Osten vor Augen. Er wies auf die Dringlichkeit hin, die deutsche Ernte im Osten zu sichern und dem deutschen Menschen im Osten in seinem Volkstumskampf zu helfen. In großen Zügen umriß er dann die Geschichte Polens und wies auf die Gegensätzlichkeiten hin, die zwischen den Polen und dem deutschen Volke bestehen. Weiter schilderte er die Eigenschaften der Polen, ihre Kampfesweise gegen das Deutschtum und schließlich auch das schwere Los all Derer, Die als Deutsche im polnischen Staat leben müssen und ständigen Bedrohungen Des Leibes, des Lebens und ihrer Güter ausgesetzt sind. In kurzen Worten kennzeichnete er ferner den Einsatz der polnischen Landarbeiter, wie er bisher geschah und wie er in die
sem Jahre hätte geschehen sollen, unter den bestehenden Verhältnissen aber nicht zustande kommen konnte. Mit großer Aufmerksamkeit hörten Die' Studenten davon, mit welchen Mitteln der Gewalt und des Rechtsbruches es den Polen bisher gelang, viele Deutsche von Haus und Hof zu vertreiben, mit welch' lächerlichen Vorwänden deutsche Existenzen in Polen vernichtet, mit welchem Haß die deutsche Schule und das deutsche Pressewesen zerstört wurden. Der Redner zog Daraus Die Folgerung, Die sich für Die Gesamtheit Des deutschen Volkes und jetzt insbesondere für die deutsche Studentenschaft ergibt. Der Ernteeinsatz im deutschen Osten werde für den Studenten eine Bewährungsprobe sein und solle eine praktische Hilfe für den Bauern im deutschen Osten darstellen. Die Parole sei: „Der deutsche Student bewährt sich nur im Osten!"
Die Ausführungen wurden mit großer Aufmerksamkeit aufgenommen und fanden starken Beifall. Mit dem Gedenken Des Führers wurde Die Kundgebung geschlossen.
Der Ernteeinsatz wird mit Dem 15. Juli beginnen.
Weitere Steigerung des Fremdenverkehrs in Gießen
Jahresbericht des Fremdenverkehrsvereins Gießen.
Der Fremd^nverkehrsverein Gießen erstattete jetzt feinen Bericht über das G e - fä)ä ftsj ahr 1 9 38, d. h. für Die Zeit vom 1. April 1938 bis 31. März 1939. Der Bericht gibt wiederum einen aufschlußreichen Ueberblick über Die vielseitige Tätigkeit des Vereins im Dienste Der Fremdenverkehrswerbung für unsere Stadt.
Einleitend wird übe,r den Mitglieder- bestand -berichtet, daß zu Beginn des Geschäftsjahres 291 Mitglieder dem Verein angehörten, im Verlaufe durch Tod, Geschäftsaufgabe und Austritt 9 Mitglieder verloren, dafür 9 neue Mitglieder gewonnen wurden, so daß der Verein am Ende des Geschäftsjahres wiederum 291 Mitglieder zählte.
Hinsichtlich der Fremdenverkehrs ft ati- si i k wird mitgeteilt, daß im Geschäftsjahr 1938/39 bei einer Gesamtzahl von 30338 Fremden eine Gesamtzahl von 4 14 0 3 Uebernachtungen zu verzeichnen war. Von den Fremden waren 29 788 aus dem Reich, mit insgesamt 40 729 Uebernachtungen, aus dem Ausland 550 mit insgesamt 674 Uebernachtungen. Zu der Gesamtzahl der Uebernachtungen kommen noch 4326 Uebernachtungen in der Gießener Jugendherberge hinzu, so daß wir in unserer Stadt alles in allem 4 5 7 2 9 Uebernachtungen verzeichnen konnten. In diesen Zahlen kommt eine weitere erhebliche Steigerung Des Fremdenverkehrs in unserer Stadt zum Ausdruck.
lieber Die Werbemittel teilt Der Geschäftsbericht mit, Daß im Verlaufe Des Jahres für Die Werbung in erster Linie wieDer eine Werbeschrift verwandt wurde, die einen aufschlußreichen Ueberblick über unsere Stadt und ihre schöne Umgebung bietet. Diese Schrift wurde im Geschäftsjahr wiederum in Tausenden von Stücken versandt. Die. Werbung mittels Der Werbeschrift wurde durch Anzeigenwerbung in Autoführern, Zeitschriften usw. ergänzt. Von Bedeutung ist fernerhin, daß Gießen in Das Netz Der Reichsbahn-Rundreisen einbezogen wurde, auch Daraus durfte sich eine günstige Werbewirkung ergeben haben. Sodann erinnert der Bericht an die Weihnachtswerbung 1938, bei Der wiederum, wie einst vor einer Reihe von Jahren, das Licht als Hauptfaktor Der Werbung verwandt wurde. Selbstverständlich waren auch wieDer die elektrisch beleuchteten Weihnachtsbäume auf Straßen und Plötzen der Stadt als Schmuck zur weihnachtlichen Zeit eingesetzt. Werbeanzeigen in Den Tageszeitungen steigerten Die Wirkung Der ge
samten Werbung. Die Ausschmückung Der Stadt bei jener Werbung hat allgemein Anklang gefunden, vor allem auch das Lichterkettenmaterial, das bei der Weihnachtswerbung im kommenden Winter noch in verstärktem Einsatz verwandt werden soll, so daß weitere Straßenzüge damit geschmückt werden können.
Der Blumenschmuckwettbewerb im Geschäftsjahr 1938/39 wickelte sich wiederum bei starker Beteiligung ab. Zahlreiche erste, zweite und Dritte Preise konnten Den Teilnehmern an Dem Wettbewerb überreicht werben. Wenn auch bei Den bisherigen Blumenschmuckwettbewerben schon viel zur Verschönerung unseres Stadtbildes erreicht worden ist, so gilt es doch weiterhin, in Der Ausschmückung der Straßen mit Blumen vor Den Fenstern Der Wohnungen und auf Den Balkons nicht müde zu werden. Vor allem ist es erforderlich, daß Die Innenstadt, in der sich her stärkste Verkehr abwickelt, noch mehr und noch besser als bisher mit Blumen geschmückt wird. Alle Hausbesitzer und Mieter sollten sich Daran beteiligen. Der Blumenschmuckwettbewerb 1939 wird wiederum mit zahlreichen ersten, zweiten und dritten Preisen ausgestattet, ferner soll für jede Bewertungsgruppe je ein Ehrenpreis von dem Verein zur Verfügung gestellt werben.
. Ferner wird in hem Bericht auf die neue Stadtplantafel a m Bahnhof hingewiesen, über die vor einigen Wochen im „Gießener Anzeiger" in Wort und Bild bereits berichtet wurde. In diesem Plan sind nicht nur hie wichtigsten Angaben über die Stadt enthalten, sondern auch Die ab 1. April 1939 eingemeinbeten Orte Klein-Linden und .Wieseck sind mit Teilen ihres Gemarkungsbereiches in Die Plantafel ausgenommen. Die Tafel hat bisher stets die Aufmerksamkeit zahlreicher Fremden gefunden.
Verkehrswerbende Veranstaltungen von Gießener Vereinen wurden auch im Geschäftsjahr 1938/39 von dem Verein mit Geldmitteln öder Ehrenpreisen unterstützt. Ferner wurden Reisegesellschaften bei ihrer Unterbringung bzw. Verpflegung betreut und der Adreftbuchaustausch mit anderen Städten fortgesetzt.
Im April 1939 schied Bürgermeister Professor Dr. Hamm, der seit 1926 Dem Vorstand angehörte und feit 1933 den Vorsitz des Vereins führte, infolge seiner Berufung nach Berlin aus. Die Leitung des
Vereins übernahm bis auf weiteres Der zweite Vor« sitzende, Beigeordneter her Stadt Gießen, Oberforst, meister i.R. Nicolaus.
Aus Dem Rechnungsbericht 1 938/39 ift ersichtlich, daß hie Einnahmen im Geschäftsjahr sich
Das ist sehr gut möglich, wenn Sie sich am großen FEX-Preisausschreiben beteiligen! Holen Sie sich bei Ihrem Kaufmann einen Prospekt und beantworten Sie- lieber heut’ als morgen - dieFrage: „Was sagen Sie zu FEX?* EEY atUaiifai
■■ nur 28 Pfg.
die große Sunlicht Neuschöpfung auf dem Gebiete zeitgemäßer Waschmittel für die Feinwäsche!
______________________.______________________________________f. 76 310
0f*.
auf 10 501,36 Mark, Die Ausgaben sich auf IQ 510,33 Mark beliefen, mithin eine Mehrausgabe von 8,97 Mark zu verzeichnen ist. Der Verein' besitzt aus früheren Jahren einen ansehnlichen finanziellen Rückhalt, der aus 4076 Mark auf lausendem Konto und 6 212,99 Mark auf Sparkonto, ferner aus 50 Mark für ein Stück Ablösungsanleihe des Deutschen Reiches besteht.
Am Schlüsse Des Berichts dankt die Vereinsführung dem Oberbürgermeister unserer Stadt, den Vorstandsmitgliedern, der Presse und den Mitgliedern her Bewertungskommission für den Blumenschmuckwettbewerb für ihre wertvolle Unterstützung und Mitarbeit im Verlaufe des Berichtsjahres.
Zwei kleine Mädchen.
Von Joseph Baur.
gu Beginn dieses Kurzfilmes aus hem Alltag m« Die beiden Hauptdarstellerinnen noch keines- Kfls als solche zu erkennen. Sie erscheinen im Icgenteil als das Nebensächlichste des BilDes, das 1 mir voüi Balkon aus bietet. Miwer Sonnen- !cnz des Spätnachmittags liegt über den Gärten i den schmucken Giebelhäusern in der weiten ende. Das Wichtigste in dieser Szenerie einer ilLnheimsiedlung draußen vor her großen Stadt ni‘.‘ die Männer, die sonnabendlich vergnügt in im Gärten werken, während die Frauen in Haus in! Küche den Sonntag vorbereiten.
»(i.o können auch Die beiden kleinen Mädchen im garten — Elfriede, das dreijährige Töchterchen Ire-rier Hauswirte, und ihre gleichaltrige Gespielin der Nachbarschaft, Ursula — recht nach Herzens- lu'i in der Erde wühlen und mit Wasser pantschen. c:< bleiben ganz unbehelligt, und sie genießen das ir sollen Zugen. Auch von mir. Dem Mieter der Olt en Wohnung, haben sie nichts zu befürchten. 8h verschwinde lesend in meinem Liegestuhl.
9iad) etwa einer halben Stunde kann ich be- fa:len, daß die beiden Mädchen schon an Bedeu- t'.n:| gewonnen haben. Sie sind nicht mehr da — uil das fällt auf. Nun findet auch der Schauplatz rar Spiele mehr Beachtung. Erstaunlich, wie viele irge in weitem Umkreis verstreut sind: Wägelchen, u.'pen, Tiere, Geschirre: und zerfallene Sand- idm zieren Die Treppe und alle Wege.
I!an sucht im Garten, im Haus, in der Umgebung 15 Hauses, man fragt bei Ursulas Eltern — die ä,chen bleiben verschwunden. Elfriedes Vater lltirbricht die Gartenarbeit und geht in den näch- ftn;Straften suchen. Er kommt allein zurück. Immer Ü:d lächelnd schwingt er sich nun aufs Fahrrad. Q: nvill vorsorglich zu Dem unbeschrankten Bahnte,gang in her Nähe fahren. In den Gärten ist EL und' zu ein fragender Ruf zu hören, der den mthwundenen Kleinen gilt. Ein paar Nachbars- siuien beteiligen sich mit Fahrrädern an der Such- liim.
I; länger die Mädchen verschwunden bleiben, iti bedeutender wird ihre Rolle im Ablauf Des mnabent)treibens Der Eigenheimleute. Das sonst I che Bild hat sich geändert. Männer stehen müßig dien Zäunen beieinander, da und dort bilden st Nleine Gruppen von Frauen und Kindern. Be- ri:otungen werden geäußert und Ratschläge erteilt.
ic। ich in meinem Liegestuhl werde unruhig. Ich (,c mich aufs Motorrad, mit meiner Frau als
Beobachterin, und wir kontrollieren alle „Ausfallstraften", die die Kleinen gegangen sein können. Erfolglos kommen wir zurück. Niemand ist im Haus, die Küchentür der unteren Wohnung steht offen, es riecht brenzlig. Mit sicherem Griff rettet meine Frau einen Sonntagskuchen vor Dem Verkohlen. Im Badezimmer brodelt es. Das Bad für die schmutzige kleine Tochter wäre so schön bereit.
Inzwischen wird schon in allen Häusern, vom Keller bis zum Dachboden, nach den verschwundenen Mädchen gesucht. Jemand rührt sogar mit einem Besenstiel in her Wassertonne umher. Ich fahre für alle Fälle einmal in die Stadt, um auf der Polizeiwache das Verschwinden der Kinder zu melden.
Meine Frau hat noch immer Hoffnung, die Kleinen zu erspähen. Erst als die Häuser der Stadt in Sicht kommen, ergeht auch sie sich in schwarz- seherischen Vermutungen. Wir malen uns aus, wie unschön dieser Abend und wie sorgenvoll gar die Nacht werden könnte. Da hören wir, trotz dem Knattern Des Motors, den hellen Rus einer uns wohlvertrauten Kinderstimme. Ich fahre an den Gehsteig heran und halte. Sie sind es, Elfriede und Ursula! Wir steigen ab und bestaunen dies Bild: Zwei herrlich schmutzige kleine Mädchen, Hand in Hand, mit glückstrahlenden Gesichtern. Sie wollten in der Stadt eine Puppe kaufen. Ein gnädiges Geschick hat sie unversehrt über viele gefährliche Verkehrswege geleitet.
Ihre Gesichter verdüstern sich, als sie umkehren müssen. Zwar gibt es einen Trost: sie» dürfen Straßenbahn fahren. Meiner Frau freilich sehe ich an, haft sie lieber mit zwei sauberen, hübsch an- gezogenen Kindern in die Straßenbahn gestiegen wäre. Ich fahre mit dem Motorrad voraus.
In der Siedlung erwarten mich Gesichter voll Spannung und Besorgnis. Ich trage ein verheißungsvoll fröhliches Lächeln zur Schau. Vom Balkon aus rufe ich bann laut mein „Gefunden!" über die Gärten und gebe nach allen Seiten die gewünschten Auskünfte. Elfriedes Mutter kommt aus einem Nachbarskeller zum Vorschein. Sie ist sehr bleich und noch nicht imstande, mein Lächeln zu erwidern. Ein Aermel ihres Kleides ist bis zu den Schultern tropfnaß: vom Absuchen der Wassertonnen. Ursulas Mutter Dagegen kann schon wieder lachen. Sie hat fünf Kinder und deshalb merkwürdigerweise die besseren Nerven. Ursulas Vater deutet eine Handbewegung an, die sich auf das Hinterteil seines Töchterleins bezieht. Die Mutter jedoch ist mehr für Belehrung in Güte. Eisriedes Vater greift wieder zu den Gartengeräten. Und Die Mutter läßt Die Badewanne einlaufen. Ihr Aus- reifter wird gleich Da sein.
Die Siedlung bietet jetzt wieder das gewohnte geruhsame Abendbild. Der Himmel ist klar, es wird schönes Sonntagswetter geben. Die beiden kleinen Mädchen verlieren rasch an Bedeutung.
Das Frühsommerlied.
Von Hans Brandenburg.
Noch hat das Laub, obwohl sommerlich üppig, die lichtgrüne Frische des Frühlings, und noch sind die Vögel nicht verstummt und singen, obwohl den Elternpflichten dienend, von Glück und Liebe. Die langen Regenwochen haben die Mahd verzögert, noch stehen die meisten Wiesen, und die anhaltende Nässe, die vielfach beklagte, drang doch in die Halme, daß Die Kornfelder mächtig hochschossen. „Geh aus, mein Herz, und suche Freud!" Und ehe uns ber volle Sommer an die Seen und in bie Berge zieht, soll vor allem die nächste Nähe locken, bie Ebene um die Stabt, Das karge Kies- unb Moorland, bas nun einmal, währenb ber längsten Tage, in wuchernber Fülle liegt.
Die Luft darüber schwirrt von Mücken, Faltern und Junikäfern und weht weithin den Sommerschnee her weißen Pappelflöckchen. Die Gerste, nur vereinzelt, wirrt kreuz und quer Das grüne Haar- gesträhne ihrer Grannen, aber her Roggen wogt in einer graublauen, hochgekämmten Flut, wir schreiten hinein wie in die Gänge eines Backofens, denn die Aehren blühen und duften warm nach Brot. Die Landstraße ist versunken, nur die Kronen- häupter ihrer Bäume tauchen noch auf, sie scheinen, eine Doppelzeile riesiger grüner Sträuße, dem Boden aufzuliegen und bann roieber Dahinzuschwim- men in unendliche Ferne. Der Himmel wölbt seine Glocke, von Lerchenliedern erschüttert und von Wolken umbaut.
In bie Fäbenreihe ber Halme geben Rabe unb Zyane, Kamille, Ehrenpreis und Hornkraut ihren bunten Einschlag, ber Mohn sprengt rote Blutstropfen hinein, das wilde Stiefmütterchen schlägt wurzeln nahe seinen winzigen gelben Erdblick aus. Zuweilen durchzuckt ein Mäuschen den Rain, ein Hase hoppelt über den Pfad, uns zu Füßen schreckt die. purrende Flucht von Feldhühnern hoch. Die Flut des Getreides geht über in bie zitternbe Ebbe goldbraun blühenber Gräser. Diese trägt tausend- fach ben weißen Stern ber Wucherblume und den dunkelgelben des Wiesenbocksbarts neben dem Blau der Teufelskralle und den Farben aller übrigen Wiesengeschwister. Der rosarote und weifte Klee haben den Feldklee, den Wundklee, Den Hufeisenklee, Den Hornklee neben sich. Und wo Die Wiese zur
Steppe wird, da lecken aus ihr Ochsenzunge und Natterkopf auf, verbergen sich in ihr rot unh blau das gemeine und Das schopfige Kreuzblümchen, würzen sie die lila Krümelchen des Thymians. Hier aber ftöftt der Brachvogel aus langem Säbelschnabel seinen melancholischen Ruf und Triller über die Weite, und aufgeregte Kiebitzeltern schlagen jammernd nach ihm mit ihren Flügeln. Geschorene Schafe Durchgrasen weift und dünn den ferneren Teppich. Den Bach säumt unten die gelbe Wasserlilie in Blattschwertern und oben ein Strauchwall, darin wilder Schneeball und Heckenrosen blühen. Und im Kiefernwald dahinter rankt duftendes Geift- blatt am Unterholz und glöckelt im haarfeinen Grasboden Die Akelei.
Das alles Dringt bis an die Gärten der Menschen. Sie sind hier keine Parks, sondern aus Wildnis oder Brachland hervorgegangen. Gehölze, dicht gewirrt aus Eichen, Haseln, Weiden, Liguster und Berberitze blieben in ihnen stehen, Kaninchen und junge Zickchen springen ums Haus, vom Waldrand läutet der Kuckuck, und wie im Walde dudelt die Grasmücke und flötet her Fitislaubsänger feine abwärts perlenden chromatischen Läufe, während im letzten blühenden Apfelbaum Kohlmeise und Hals- bandfliegenschnäpper ihre Jungen füttern und im Weichselbaum her Kirschkernbeifter die unreifen Früchte plündert. Doch Pfingstrosen und Feuer- lilien punken auf den Beeten. Akelei und flammende Herzen und im Steingärtchen Der weifte und gelbe Alpenmohn, daneben Lupinen wie gebogene Füllhörner. Rittersporn und Rose werden endlich kommen, und die Strauchblüte Des Sommers bricht auf; Hollunder und Jasmin.
Hochschulnachrichten.
Professor Dr. Fritz Lange, em. Ordinarius fü« Orthopädie an der Universität München, vollendet am 21. Juni sein 7 5. Lebensjahr. Lange habilitierte sich 1896 in München, wo er bis zu seiner Emeritierung (1934) gewirkt hat. Der Gelehrte, her sich hauptsächlich mit der Behandlung von Lähmungen, Sehnenoerpflanzung, Spondylitis (WirbelentzünDung) und Plattfuß beschäftigt hat, ist Mtherausgeber Der „Deutschen Zeitschrift für Orthopädie" und Der „Münchner Medizinischen Wochenschrift". 1914 gab Lange eine Lehrbuch futf Orthopädie heraus, ferner gemeinsam mit Spitzy ein Lehrbuch her Chirurgie und Orthopädie des Kindesalters, weiter ein Taschenbuch des Feldarztes. Wichtig für den praktischen Arzt war Langes Arbeit über die Behandlung Der Knochenbrüche: auch sein Werk über die epidemische Kinderlähmung hat viel Beachtung gesunden.


