Nr. 63 Erstes Blatt
189. Jahrgang
Mittwoch, 15. März IM
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Der Führer nimmt das tschechische Volk unter den Schuh des Deutschen Reiches.
Deutsche Truppen als Träger des Willens der deutschen Reichsregierung in Böhmen und Mahren eingerückt. — Wieder, Herstellung von Ruhe und Frieden. — Der Führer gewährleistet dem tschechischen Volke artgemäße autonome Entwicklung seines völkischen Lebens. — Die mährische Landeshauptstadt Brünn von deutschen Truppen beseht. — Keinerlei Widerstand.
Sr. Sachas Besuch in Berlin.
Das Abkommen mit dem Führer.
Berlin, 15. März. (DRB. Funkspruch.) Der tschechische Staatspräsident Dr. hacha traf in Begleitung des tschechischen Außenministers Lhvalkowsky um 1.10 Uhr zu einer Besprechung mit dem Führer In der neuen Reichskanzlei ein. 3m Ehreuhof schritt der Staatspräsident die Front der angetretenen Kompanie der ff-£eib- ftanbarte ab, während der Musikzug den präfenfiet- marsch intonierte.
Der Fü h r e r empfing Staatspräsident Dr. hacha in feinem Arbeitszimmer. Bei der Besprechung waren von deutscher Seite zugegen: Ministerpräsident Generalfeldmarschall G ö r i n g, der auf Wunsch des Führers seinen Urlaub in Italien unterbrochen hatte vnd gegen 18 Uhr in Berlin eingetrosfen war, sowie der Reichsminister des Auswärtigen von Ribbentrop.
Rach einer ersten dreiviertelstüvdigen Besprechung zogen sich der Staatspräsident und Außenminister Lhvalkowsky zur Beratung sowie zu Linzelbesprechungen mit Ministerpräsident Generalfeldmarfchall Göring und Reichsminister von Ribbentrop zurück. Nach Wideraufnahme der Besprechung beim Führer wurde um 3.55 Uhr folgendes Abkommen -unterzeichnet:
„Der Führer hat heute In Gegenwart des Reichs- Ministers des Auswärtigen, von Ribbentrop, den tfchecho-flowakischen Staatspräsidenten Dr. hacha
und den tfchecho-flowakischen Außenminister Dr. Lhvalkowsky auf deren Wunsch in Berlin empfangen. Bei der Zusammenkunft ist die durch die Vorgänge der letzten Wochen auf dem bisherigen tschecho-slowakischen Staatsgebiet entstandene Lage in voller Offenheit einer Prüfung unterzogen worden. Auf beiden Seiten ist übereinstimmend die Ueberzeugung zum Ausdruck gebracht worden, daß das Ziel aller Bemühungen die Sicherung von Ruhe, Ordnung und Frieden in diesem Teile Mitteleuropas sein müsse. .
Der tfchecho-flowakische Staatspräsident hat erklärt, daß er, um diesem Ziele zu dienen und um eine endgültige Befriedung zu erreichen, das Schicksal des tschechischen Volkes und Landes vertraue ns voll in die Hände des Führers des Deutschen Reiches legt
Der Führer hat diese Erklärung angenommen und seinem Entschluß Ausdrmk gegeben, daß er das tschechische Volk unter den Schuh des Deutschen Reiches nehmen und ihm eine seiner Eigenart gemäße autonome Entwicklung seines völkischen Lebens gewährleisten wird.
Berlin, 15. März 1939.
gez. Adolf Hitler
gez. Dr. hacha
gez. von Ribbentrop gez. Dr. Lhvalkowsky."
Eine Proklamation des Führers.
Sicherung einer grundsätzlichen Regelung im böhmisch-mährischen Raum im Sinne einer tausendjährigen Geschichte.
Berlin, 15. März. (DNB. Funkspruch.) Der Führer erläßt folgende Proklamation:
An das deutsche Volk!
Nachdem erst vor wenigen Monaten Deutschland gezwungen war, seine -in geschlossenen Siedlungsgebieten lebenden Volksgenossen gegenüber dem unerträglichen terroristischen Regime der Tschecho-Slowakei in Schuh IN nehmen, zeigten sich in den letzten Wochen steigend erneut gleiche Erscheinungen. Dies muß in pitttm Raume, in dem so viele Hat ionali- i äten nebeneinander leben, zu unerträglichen Zuständen führen.
Als Reaktion auf diese Zustände und die erneuten Angriffe gegen das Leben der Volksgruppen, haben ssch diese nunmehr von präg losgelöst. Die Tschecho-Slowakei hat damit anfgehört, zu i'xistieren. Seit Sonntag finden in vielen Orten wüste Exzesse statt, denen nunmehr aber wieder zahlreiche Deutsche zum Opfer fielen. Stündlich mehren sich die Hilferufe der Betroffenen und Verfolgten, "us den vottreichen deutschen Sprachinseln, die die Großmut Deutschlands im vergangenen Herbst bei der
Tschecho-Slowakei beließ, beginnt ' wieder ein Strom von Flüchtlingen von um hab und Gut gebrachten Menschen in das Reich zu fließen.
Eine Fortdauer der Zustände muh zur Zerstörung der letzten Ordnung in einem Gebiet führen, an dem Deutschland lebens- ! wichtig interessiert ist, ja das selbst über tausend 3ahre lang zum Deutschen Reich gehörte.
Um diese Friedensbedrohung nunmehr endgültig zu beseitigen, und die Voraussetzungen für die erforderliche Reuordnung in diesem Lebensraum zu schaffen, habe ich mich entschlossen, mit dem heutigen Tage deutsche Truppen nach Böhmen und Mähren einmarschieren zu lassen. Sie werden die fer- ’ roriffifdjen Banden und die sie deckenden tschechischen Streitkräfte entwaffnen, das Leben aller Bedrohten in Schuh nehmen und somit die Grundlagen für die Einführung einer grundsätzlichen Regelung sichern, die den Sinn einer tausendjährigen Geschichte und den praktischen Bedürfnissen des deutschen und des tschechischen Volkes gerecht wird.
| Berlin, 15. März 1939.
gez.: Adolf Hitler.
Befehl des Führers an die Wehrmacht.
Deutsche Soldaten als Willensträger des Reichs. - Schuh von Leben und Eigentum. — Prag befiehlt: keinen Widerstand.
Berlin, 15. März. (DNB. Funkspruch.) Arn Sage des Einmarsches der deutschen Truppen in Böhmen und Mähren hat der Führer folgenden Befehl an die deutsche Wehrmacht erlaßen:
Die Tschecho-Slowakei befindet sich In Auflösung. In Böhmen und Mären herrscht unerträglicher Terror gegen deutsche Volksgenossen. Mit dem 15.März 1939 beginnend, werden daher Verbände des deutschen Heeres und der l eutschen Luftwaffe in das tschechische Staatsgebiet einrücken, um hier Leben und Eigentum aller Bewohner des Landes gleichmäßig sicherzustellen.
3ch erwarte von jedem deutschen Soldaten, daß nr sich den Bewohnern des zu besehenden Gebietes tiegenüber nicht als Feind betrachte, sondern nur
als Träger des Willens der deutschen Reichsregierung, in diesem Gebiet eine et- tr ägliche Ordnung herzustellen.
Wo dem Einmarsch widerstand entgegen- geseht wird, wird er aber sofort mit allen Mitteln gebrochen werden.
3m übrigen seid Luch bewußt, daß 3hr als Repräsentanten Deutschlands den tschechischen Boden betretet
Der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht (gez.) Adolf Hitler.
Die prager Regierung hat Befehl gegeben, dem Einmarsch der deutschen Truppen keinen Widerstand entgegenzusehen und ihren Anordnungen in jedem Falle Folge zu leisten.
Deutsche Truppen im Vormarsch auf ihre Tagesziele m Böhmen und Nähren.
Flugzeuggeschwader überflogen die Grenze.
Berlin, 15. März. (DRB. Funkspruch.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
Truppen des deutschen Heeres unter Führung des Generals der 3nfanterie Blaskowih und des Generals der 3nfan(erie L l ft haben Mittwoch früh die deutsch-tschechische Grenze überschritten und befinden sich im Vormarsch auf ihre Tagesziele in Böhmen und Mähren.
Bereits gestern abend haben Verbände des Heeres und Teile der Ceib ff anbarte Adolf Hitler Mährifch-O st rau nndWitkowih beseht
Geschwader der deutschen Luftwaffe unter Führung der Generale der Flieger Kesselring und Sperrte und des Generalleul.mnts Löhr haben heule zu gleicher Zeit die deutsch-tschechische Grenze überflogen.
Deutsche Truppen in Brünn und Minik.
Das tschechische Militär wartet in den Kasernen auf weitere Befehle.
präg, 15. März. (DRB. Funkspruch.) Deutsche Truppen sind am Mittwochmorgen in die mährische Hauptstadt Brünn eingerückt Auch an den anderen Abschnitten bringen bie beutschen Truppen, an ber Spitze moforifierteftolonnen, überall rasch vor. Knapp nach 6 Uhr früh würbe bie Stabt Melnik, am Zusammenfluß ber Elbe unb Moldau, besetzt Zu Zwischenfällen ist es nirgends gekommen. Die tschechische Bevölkerung verhält sich durchaus ruhig. Die deutsche Bevölkerung beginnt bereits Hakenkreuz sahnen zu hissen.
Vom tschechischen General st ab wird dem Vertreter des Deutschen Rachrichtenbüros mitgeteilt: Aus Befehl des Ministers für Ratioual- verteidigung, Sirovy, sind alle Soldaten, Offiziere und Generäle an ihren Dienstplähen bzw. in ihren Kasernen zu finden und warten dort auf weitere Befehle. Der Minister für nationale Verteidigung selbst befindet sich mit allen feinen Mitarbeitern im Ministerium der Rationalverteidigung. Die in präg weilenden tschechischen Generäle sind im ©eneralffabsgebäube versammelt Die Verordnungen bezüglich der tschechischen Soldaten unb Offiziere gelten auch für biejenigen (9 e b i e t e, in bie bie beutschen Truppen bereits einmarschiert sinb. Das tschechische Militär wirb aus biefen Gebieten zunächst nicht zurückgezogen.
Flaqaen heraus!
Berlin, 15. März (DRB. Funkspruch.) Der Reichsminister für Volksausklärung unb propaganba Dr. Goebbels forbert bie gesamte Bevölkerung auf, aus Anlaß bes Einmarsches ber deutschen Truppen in Böhmen unb Mähren zu flaggen.
Reifefperrt für Lohmen und Mähren.
Berlin, 15. März. (DRB. Funkspruch.) 3eber Reiseverkehr (Ein- unb Ausreise) in bas unter beutschen Schuh gestellte böhmische unb mährische Gebiet ist bis auf weiteres gesperrt
Für eine neue Ordnung.
Im Zeitraum von noch nicht einmal einem halben Jahre haben die Prager Machthaber die Chancen und das politische Vermögen leichtfertig vergeudet, die Urnen durchs die Abkommen von München uyd Wien auf der Vertrauensgrundlage der Mächte gegeben waren. Die Slowakei hat den überfallartigen und militärisch von langer Hand vorbereiteten tschechischen Staatsstreich gegen Vreßbura damit beantwortet, daß sie in einer denkwürdigen Sitzung des Landtages unter Vorsitz des vom Vertrauen des Volkes getragenen Ministerpräsidenten Dr. Tiso die Unabhängigkeit ausrief. Gleichzeitig sind, aufs schwerste yerausgefordert durch militärische Grenzübergriffe der Tschechen, ungarische Truppenteile in die Karpatho-Utraine einmarschiert.
Die slowakische Regierung hat also in Notwehr endgültig die Folgerungen gezogen, die aus dem Bruch so gut wie sämtlicher tschechischer staatsrechtlich binbenber Verpflichtungen herruhren. Zu diesen Verpflichtungen gehört u. a. die Vereinbarung von Sille in vom 6. Oktober 1938 mit ber klaren Feststellung des neuen staatsrechtlichen Status der Slowakei, ferner der Gesetzesentwurf über die Dezentralisierung der tschechischen Exekutive. Es ist wesentlich für die Beurteilung der jetzt herbeigeführten Entscheidung, daß dieser Gesetzentwurf nicht etwa außerhalb des Silleiner Abkommens aufgeftellt wurde, sondern einen integrierenden Bestandteil bes Vertrages bildet. Ferner ist darauf zu verweisen, daß Dr. Tiso und die von ihm seinerzeit gebildete Regierung durch eine einmütige Vertrauenskundgebung des gesamten slowakischen Volkes an die Spitze des Staates berufen wurde.
Aber ein drittes, schwerwiegendes Moment kommt hinzu, das den Zerfall der Tschecho-Slowakei völlig offenbar macht. In feiner Rede vom 26. September im Berliner Sportpalast hat der Führer festgestellt, daß in den Jahren der „friedlichen" Entwicklung ber Tschecho-Slowakei nahezu 600 000 Deutsche das Land verlassen mußten, weil sie sonst hätten verhungern müssen, und er fügte hinzu: „Die gesamte Entwicklung seit dem Jahre 1918 bis 1938 zeigte eines klar: Herr Benesch war entschlossen, das Deutschtum langsam auszurotten! Und er hat dies auch bis zu einem gewissen Grade erreicht." Seit jenem Septembertag erfolgte durch München, b. h. nicht nur durch die Mächte der* Achse, sondern ausdrücklich auch durch Frankreich und England bie strenge Verpflichtung der Tscheche! auf eine loyale, menschenwürdige R e g i e r u n g s w e i s e im Sinne eines Kulturstaates; wir erinnern daran, daß die tschechische Antwort auf die Zustellung des Münchner Abkommens ausdrücklich auf die dringenden Empfehlungen Frankreichs und Englands Bezug nimmt!
Was aber bricht von einem zum andern Tage aus der Prager Zentrale über das Land und über die im Lande verbliebenen Deutschen? Morde, Ueberfälle, Häusersprengungen, brutalste Mißhandlungen. Dazu die Brandlegung an ganzen von Deutschen bewohnten Dörfern und schließlich gar umfangreiche Mobilmachungsmaßnahmen. Dies alles, einschließlich schwerster Rechtsbrüche und Kapitalverbrechen, wird verübt von tschechischem roten Pöbel, den man mit Militärgewehren bewaffnet hat. Zur gleichen Stunde kommt aus Moskau bie Stimme des Sprechers der Komintern, die geradezu triumphierend auf die intakte, fest organisierte und einsatzbereite Masse von 60 000 Kommunisten in der Tscheche! hinweist.'
Man braucht sich in diesem letzten Stadium des Zerfalls der früheren Tschecho-Slowakei nicht mehr mit der Feststellung aufzuhalten, daß alle diese Erscheinungen Zug um Zug, Stück für Stück die Geschichte der Terroristenherrschaft vom Mai bis Oktober 1938 wiederholen. Man muß vielmehr jetzt festellen, daß die zweite „Tschecho-Slowakei" ihre staatlichen Aufgaben genau so unerfüllt gelassen hat wie die erste. Diejenigen in Prag, die unter dem
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