Treffen der alten Soldaten
ührer
Gießen, Blockstraße 14—16.
1466A
Mark,
einen
Kind,
für das Halbjahr beträgt. Wenn ein Kind in einer nationalpolitischen Erziehungsanstalt untergebracht ist, wird eine Ausbildungsbeihilfe einschließlich der Kosten für die Beschaffung der Lehrmittel und sonstigen Gegenständen gewährt.
Die Ausbildungsbeihilfen zum Besuch von Fachschulen und Berufsfachschulen werden in Hohe der tatsächlich aufgewandtcn Lehrgebühren bewilligt. Als Höchstbetrag gelten jedoch 100 RM. für öas Studienhalbjahr. An Ausnahmefällen kann dieser Betrog sogar überschritten werden. Hierzu kommt eine Beihilfe für die Lebenshaltungskosten in Hohe von 300 RM. für das Halbjahr, wenn das Krnd außerhalb des Elternhauses leben mutz.
Beim Besuch von Hochschulen wird m gleicher Weise wie für die Besucher einer Fach- und Berufsfachschule eine Beihilse in Höhe der tatsächlich aufgewondten Lehrgebühren gewährt, und zwar ohne Festsetzung eines Höchstbetrages. Auch eine Beihilfe für die Lebenshaltungskosten in Hohe von 300 Mark für das Halbjahr kommt in den Fallen zur Auszahlung, in denen das Kind außerhalb des Elternhaushaltes zu leben gezwungen ist.
wie und wann sind die Anträge zu stellen?
Die Gewährung von Beihilfen für den Besuch einer mittleren oder höheren Schule, einer national- politischen Erziehungsanstalt, einer Fach- oder Berufsfachschule ist bei dem Leiter der Schule zu beantragen, deren Besuch ermöglicht werden soll. -3n der Regel hat dies vor Beginn des Schuljahres zu erfolgen. Die Antragstellung geschieht auf besonde- ren Vordrucken, die von den Finanzämtern unentgeltlich abgegeben werden. Antragsberechtigt ist sowohl der gesetzliche Vertreter des Kindes, als auch das volljährige oder für volljährig erklärte Kind selbst. Zum Nachweis der arischen Abstammung sind die Geburts- und Heiratsurkunden der Eltern und Großeltern beizubringen. Ebenso ist ein Lebenslauf des Kindes, sowie eine beglaubigte Abschrift des letzten Schulzeugnisses der bisherigen Schule vorzulegen. Die Verlängerungsanträge nach Ablauf eines bewilligten Schuljahres oder Semesters haben in derselben Weise zu erfolgen.
Der Antrag auf Ausbildungsbechilfen zum Besuch von Hochschulen ist rechtzeitig vor Beginn des Semesters auf dem für die übrigen Schulen gebräuchlichen Vordruck bei dem zuständigen Finanzamt em- zureichen. Die hierbei erforderlichen Unterlagen sind die gleichen, wie sie für die Schüler der höheren usw. Schulen verlangt werden. Hierzu kommt noch die Vorlage eines polizeilichen Führungszeugnisses in den Fällen, in denen sich das Hochschulstudium nicht unmittelbar an den Schulbesuch anschließt. Bei Ableistung der Arbeitsdienst- oder Wehrdienstpflicht ist das dort erhaltene Führungszeugnis mit vorzulegen. Bei einem Wechsel innerhalb verschiedener Hochschulen ist außerdem eine Bescheinigung des Studentenwerkes über die gegebenenfalls bisher erhaltenen Stipendien oder sonstigen Vergünstigungen vorzulegen. Auch der Verlängerungsantrag ist bei dem Finanzamt des Antragstellers einzureichen, und zwar unmittelbar nach Abschluß des laufenden Semesters. Es sind hierbei außer dem Antragsvordruck auch die Fleiß- und Führungszeugnisse des abgelaufenen Semesters beizufügen.
Im übrigen sind stets alle Veränderungen in den persönlichen oder wirtschaftlichen Verhältnissen dem Finanzamt sofort und unaufgefordert mitzuteilen. Hierunter fallen u. a. Verlegung des Wohnsitzes, Schulwechsel, Beendigung und Unterbrechung der Schulausbildung oder Ableben des Kindes, für bas die Ausbildung'sbeihilfe gewährt wurde.
Die Ausbildungsbeihilfen ermöglichen es, daß den begabten Kindern eine gute Erziehung und ein sicheres Fortkommen gewährleistet wird. Gerade den erbgesunden und bevölkerungspolitisch wertvollen Ellern ist hierdurch der Aufbau einer kinderreichen Familie erleichtert. Das neue Deutschland benötigt durch das Aufbauwerk des Führers und infolge der Weltgeltung Großdeutschlands befähigte Kräfte für Staat, Wirtschaft und Kultur. Zur Sicherung der hervorragenden deutschen Leistungen ouf nahezu allen Gebieten und zur Erhaltung und Mehrung der Volkskraft ist es dringend erforderlich, daß die ' heutige und die kommenden Generationen das „Gin« kindsystem" und das „Zweikindersystem" ablehnen und sich wieder zum Kinderreichtum als der natur- lüften Lebensordnung bekennen. Alle müssen durch den natürlichen Willen zum Kind und zur Vollfomilie das Treuebekenntnis ablegen zu Volk und Führer.
mein ganzes Geld, mehr habe ich nicht, 1500 dos genügt doch?"
„Behalten Sie den Dreck."
„Außerdem gebe ich Ihnen alle Monate
Teil meines Gehaltes —"
„Was tu ich mit Raten? Sie find ein
mögensschaden nicht erwachsen, er wird aber entstehen, wenn die Angeklagte die Wechsel nicht restlos einlöst. . / „
Der Verteidiger beantragte in erster Lime Freisprechung, im Falle einer Verurteilung aber gemäß § 27 b Str GB. auf Geldstrafe zu erkennen.
Der Vertreter der Anklage beantragte im Falle St. 2 Monate Gefängnis und 100,— RM. Geldstrafe, im Falle K. 6 Wochen Gefängnis und 50,— RM. Geldstrafe und im Falle L. einen Monat Gefängnis und aus den Freiheitsstrafen eine Gesamtgefängnis-- strafe von drei Monaten zu bilden.
Urteil: Die Berufung der Angeklagten gegen das Urteil des Amtsgerichts (Schöffengerichts) in Gießen vom 22. Juli 1937 wird mit der Maßgabe auf ihre Kosten als unbegründet verworfen, daß sie im Falle L. lediglich eines Betrugsversuchs schuldig ist, und unter Einbeziehung der durch Urteil der Kleinen. Strafkammer in Gießen vom 13. Januar 1939 ausgesprochenen Strafe zu einer Gefamtgefängnisstraw von sieben Monaten verurteilt wird. Bei den Geldstrafen aus dem Urteil des Amtsgerichts (Schöffengerichts) in Gießen vom 22. Juli 1937 behält es sein Bewenden. ______
„Wie Sie wollen. Dann steht halt in acht Tagen ein saftiger Artikel über Sie in der Zeitung. Mit Bildern. Sehr veranschaulicht das Ganze. Das wird ein Fressen für die Wiener, kann ich Ihnen sagen. Der Herr von Tinser moralisch ein toter Mann! Daß Ihr Chef und Ihr Vater eine Nummer bekommen, dafür garantiere ich. Wer mir das einzige Geschäft meines'ßebens versaut, dem springe ich an die Gurgel, verstanden?"
„Gott, was sind Sie für ein Mensch!" stöhnte Tinser und fühlte eine eiskalte, ziehende Schwäche im Kreuz. „Ich will Ihnen Geld geben, viel Geld,
Zeit für alle Angehörigen der Kameradschaft die Abzeichen des NS.-Reichskriegerbundes beschafft werden. Die Kameradschaft erwartet nun, daß der in der Organisation des NS.-Reichskriegerbundes vorgesehene Reichsinspekteur für die Waffe der alten Artilleristen bestellt wird, damit auch die in der großen Organisation aller alten Soldaten zusammengeschlossenen ehemaligen Artilleristen ihre Betreuung entsprechend der Waffentradition elchalten. Zum „Tag der Wehrmacht" am kommenden Samstag und Sonntag stellten sich die Kameraden der Artilleristen-Kameradschaft einsatzbereit in den Dienst der Sammlung für das WHW.; entsprechende Maßnahmen wurden vom Kameradschaftsführer getroffen.
Kameradschastsappell der ebem.H6er.
Lieferfirma weitergegeben, vielleicht für eine Schuld der Angeklagten, vielleicht auch für eine zu liefernde Maschine. . .
Im Falle L. wurde mit einem minderjährigen (also noch nicht geschäftsfähigen) Betriebsangestellten ein Kaufvertrag über ein Motorrad abgeschlossen, in _ dem der Käufer als im Jahre 1913 geboren angegeben wurde, während er erst im Jahre 1916 geboren ist. Durch Zufall wurde dies vom Vater des Käufers entdeckt und die Fabrik darüber verständigt, daß sein Sohn noch minderjährig sei. Mit diesem Vertrag bezweckte die Angeklagte, in den Besitz einer neuen Maschine zu gelangen. Hier blieb es also bei einem versuchten Betrug.
Diese Manipulationen machte die Angeklagte, um sich in den Besitz von Geld oder Kredit zu bringen. Den Käufern der Maschinen ist bis jetzt ein Ver
endet Gaidl hämisch seine Rede.
„Das — das werden Sie nicht tun", stöhnte Tinser mit grauem Gesicht.
„Freilich tu ich's. Sie zwingen mich ja. Wenn Sie gegen mich so sind, kenne ich auch kein Erbarmen", keifte Gaidl voll Haß.
„Sie sind ein ganz großer Schuft, Gaidl", murmelte Tinser verstört.
„Schimpfen können S', soviel Sie mögen. Das macht mir nichts aus. Aber die Erfindung will ich!"
„Wie denn, Sie Narr? Wie stellen Sie sich denn das vor?" rief Tinser in höchster Erregung. „Soll ich in Hegemanns Büro vielleicht für Sie den Tresor aufsprengen und das Manuskript heraus- holen?" . ~
„So? In einem Tresor hebt er das Ding auf?
„Natürlich. Meinen Sie, das liegt offen herum, und man braucht es nur abzuschreiben? Das Schrift« stück wird in einem ganz modernen Geldschrank ver- wahrt. Oder soll ich Hegemann den Schlüssel aus der Tasche klauen? Sie sind ja irrsinnig, Mann!" schrie Tinser voll Zorn,
Kameradschaftsführer Vonhard
würdiate das Vermächtnis der Helden des Weltkrieges. Er schilderte, wie es im Kriege für den Soldaten das erhebendste Gefühl war, zur Kameradschaft gezählt zu werden. Im gleichen Sinne gelte es heute, dem Führer die Treue zu halten. Jeder einzelne habe sich als Soldat der Nation zu suhlen. Die alten Soldaten erfülle es mit Stolz, daß der Führer durch die Schaffung der neuen Wehrmacht dem Volke die Ehre zurückgegeben hat
Während der Kreismusikzug der N>sDAP. unter Musikzugführer Schleuse das Lied vom guten Kameraden spielte, widmete die Versammlung den Gefallenen ein stilles Gedenken.
Sodann begrüßte der Kamoradschaftsfuhrer den Gauamtsleiter, SA.-Brigadeführer Dippel, und dessen Mitarbeiterstab, Ortsgruppenleiter Th o mos als Vertreter des Kreisleiters und die Ehrengäste des Dersorgungsamtes, des Landratsamtes und an-
Tinser."
Tinser kam sich vor wie ein gefangenes Tier, das einen Ausweg gefunden zu haben vermeint und nun erkennen muß, daß es mit dem Ausweg und
.... auch fiir den vornehmen Geschmack dabei preiswürdig wie immer, das sind die Vorteile Stoffspezialhauses Bernard & Sohn
Wir verkaufen zu der von der Wehrmacht durchzuführenden Veranstaltung am 16. März, abends 8 Uhr, im Stadttheater Eintrittskarten, und zwar- einheitlich für alle Plätze zu 030 RM. 1830D Vorverkauf: Seltersweg 60.
Die Kameradschaft ehemaliger 116er hielt tm .Auerhahn" unter Leitung von Kameradschafts- - Hans Bill ihren Monatsappell ab, der
„Hegemann hat den Schlüssel —
Den einen nur, Sie Idiot! Den zweiten hat ie-- ma'nd anders", rutschte es Tinser heraus. Er war ich in all seiner Verzweiflung und Wut gar nicht darüber klar, wieviel er preisgab. Er schwieg erschöpft. Nun mußte doch dieser Blutsauger endlich von ihm ablassen. _
Gaidl überlegte. Nach einer Weile meinte er spottvoll: . f
„Eigentlich sind Sie doch noch recht jung, Tinser. Weil Sie so grobe Schnitzer machen. Weil Sie nur die Hälfte von dem, was ich wissen will, schon ver- raten haben; ohne es zu wollen allerdings, wenn das für Ihr zartbesaitetes Gemüt ein Trost ist. Aber jetzt zu den beiden Tresorschlüsseln. Den einen, sagen Sie, hat Ihr Chef, den anderen wer anders. Von „Klauen" ist gar keine Rede, viel zu gefährlich; es genügen Wachsabdrücke. Ich muß den Hutschek, meinen zweiten Mann, mal fragen, ob' nicht besser ist,, das Geschreibsel einfach zu photographieren. Keine Angst. Der Hutschek ist zwar ein Fachmann für Geldschrankangelegenheiten, aber von Ihnen -weiß er nichts. Sie, Tinser, besorgen mir die Schlüssel- abdrücke. Mehr brauche ich von Ihnen nicht, und wir sind dann fertig miteinander. Es kann für Sie doch nicht schwer sein, an Hegemann und den anderen bei irgendeiner Gelegenheit heranzukommen? Wo Sie mit Ihrem Chef so eine dicke Freundschaft haben. Alles andere erledige bann ich und der Hut- schek. Also, was ist? Ja oder nein?" fragte er grob.
Tinser sah geguält geradeaus. Dann schüttelte er stumm den Kopf. Gaidl sagte höhnisch:
Arbeitstagung der ASKOV.
Die Kameradschaft Gießen der NS.-Kriegsopser- Versorgung veranstaltete am Samstag als Vorabend einer Arbeitstagung der Gaudienststelle der N^KOB. im Cafe Leib einen Kameradschaftsabend. Das Jungvolk gab dieser Veranstaltung durch Fanfaren- märsche und die Marine-HI. durch den Schargesang von Soldatenliedern und eindrucksvoll vorgetragene Sinnsprüche eine besondere Note.
einqeleiiet wurde mit einem Gedenken der verstorbenen Kameraden K. Oehler und K. Jost (Nidda). Nachdem einige Kreisbefehle verlesen waren, wurde die Teilnahme am „Tag der Wehrmacht" besprochen. Der Kameradschaft fällt die Aufgabe zu, die aktiven Kameraden auf dem Marsch durch die Stadt mit der Sammelbüchse zu begleiten und am Kartenverkauf für die Militärkonzerte mitzuhelfen, dabei fallen möglichst die alten Uniformen angezogen werden. Der Schießdienst erhielt eine Neuordnung. Schießwart Kern stellte neue Mannschaften auf, die das Uebungsfchießen aufnehmen und sich auch anläßlich der Arbeitstagung der Schießwarte des Kreises am 26. März an einem Kameradfchafts ° Schießen beteiligen werden. Am Reichskriegertag vom 3. bis 5. Juni nimmt Die Fahnenabordnung der Kameradschaft teil. Anderen Kameraden ist die Teilnahme freigestellt. Das Fecht- wesen soll neu ausgebaut und vor allem die Materialsammlung organisiert werden. Dafür ist dem Fechtwart Müller Kamerad Dclb ermann als Stellvertreter zur Mithilfe beigegeben worden. Sozialwart Albold sprach über bas Sozialwesen.
Aus den Gießener Gerichissälen
AG.-Gemeinschast „Kraft durch Freude".
derer Behörden.
Gauhauptstellenleiter Struckmann hielt eine kurze Ansprache, in der er die Bedeutung des Heldengedenktages umriß. Er bezeichnete diesen Tag des Heldengedenkens als den schönsten Zeitpunkt für eine Arbeitstagung, die der Ausrichtung der Arbeit für die Kameraden und Hinterbliebenenfrauen gelte, denn, fo führte er aus, „mir haben uns einstmals im Felde gegenfettig das Versprechen gegeben, für die Hinterbliebenen zu sorgen und wenn wir gefallen wären, dann hätten die anderen Kameraden genau fo sich der Arbeit für die Angehörigen gewidmet, wie wir es heute tun.
Der Redner begründete auch die Voraussetzungen für die Feier dieses Kameradschaftsabends, die in den stolzen Erfolgen des letzten Jahres gegeben feien, durch die der Sinn des Opfers der Gefallenen erfüllt fei und das deutsche Volk in stolzer Zuversicht an die Ehrenmale der Gefallenen treten könne. In diesem Sinne dankte der Redner der Mitwirkung der Pimpfe und der Marine-HI., denen er die Helden des Weltkrieges als Vorbild vor Augen stellte. Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Jugend dann, wenn die alten Soldaten ihnen ine Fahnen übergeben müssen, genau fo ihre Pflicht erfüllen, wie sie es getan haben
Dem offiziellen Teil fchloß sich ein kameradschaftliches Beisammensein an, bei dem die Manne-HI. durch ihre Lieder und der Kreismusikzug der NSDAP, durch Soldatenmärsche die Erinnerung an Deutschlands große Zeit wachriefen.
ArliUeristen-Kameradichaff 1895.
Der März-Kameradschaftsabend der Gießener alten Artilleristen, der wegen der Großkundgebung der Partei am Samstag vorher auf den letzten Samstag verlegt wurde, vereinigte im Kameradschaftsheim „Hessischer Hof" in gewohnter Weise wieder eine große Zahl von alten Kameraden und von jungen Waffenbrüdern unserer aktiven Gießener Artillerie-Abteilung.
Zunächst wurde, im Hinblick aus den Helden- qedenktag und Tag der Wehrfreiheit mit einer müröigen Feier der für Deutschland gefallenen Kameraden gedacht und in einer Ansprache des Kameradschaftsführers M ü l l e r die auf den Schlacht», felbern im Weltkriege gefallenen Kampfer und die im Freiheitskampf der nationalsozialistischen Bewegung ermordeten Kameraden als leuchtendes Vorbild soldatischer Haltung und als Glaubenstrager eines neuen und großen Deutschland gerourbigt. > Ihren Dank und Gruß an die Gefallenen brachte die Kameradschaft am Heldengedenktag durch Kranz- , nieberlegunq am Ehrenmal auf dem Neuen Fned- i hof zum Ausdruck.
. Im geschäflichen Teil des Abends wurde vom ’ Kamerädschaftsführer mitgeteilt, daß in der nach!len
vom raschen Gehen, aufgeregt und zerzaust. Ihre, geflickten kleinen Schuhe waren beschmutzt, und der rechte Strumpf hatte an der Ferse ein Loch. Ihr Kleid bestand aus billigem und sehr farbenfreudigem Stoff. Sie machte den Eindruck eines ärmlichen! Ladenmädels aus der Vorstadt.
Der Käptn musterte sie mit Wohlwollen. Früher, vor zwanzig Jahren oder auch noch vor fünfzehn, verdammt nochmal, da hätte er mit diesem putzigen Persönchen ein Garn gesponnen, daß es eine Arc gehabt hätte. Aber jetzt war er zu eingerostet für derlei Kinkerlitzchen. Er drückte mit dem Daumen die Pfeifenasche zusammen und brummelte großväterlich:
„Wie heißen mir denn, kleines Fräulein?
„Anna Schwiebus."
„Flott sehen Sie aus. Von einem ollen ehrlichen Seebären dürfen Sie ruhig ein Kompliment an* nehmen." . /-
„Sie sind wohl von der Wasserkante?
„Nicht ganz. Aus Rosenheim", berichtete der Käptn verlegen.
„So? Ich muß jetzt weg. Vielen Dank für bis Auskunft", sagte die Anna und wandte sich zum Gehen. Das Hubersche Geschäft, Konditorei und Feinbäckerei, war nicht zu verfehlen. Als Anna durch die Scheibe spähte, erblickte sie Holl hinter einer Zeitung. Sobald der Arzt ihrer ansichtig wurde, erhob er sich erstaunt.
„Du? Was soll denn das bedeuten, Anna? Nimm ^Grüß Gott, Georg! Ich suche dich. Wegen Scheuer!. Den halben Weg bin ich gefahren, dis übrige Strecke gelaufen. Immer den Schienen entlang und zuletzt dem Seeufer. Es hätte sonst zu viel Geld gekostet."
Das mit dem Geld verstand Holl augenblicklich. Kleine Leute muhten sparen, das war nun mal nicht anders, auch wenn die Schuhe habet flöten gingen. Er bestellte Kaffee und ein Stück Kuchen für feinen Besuch. „Was ist mit Scheuer!? Erzähle."
„Ich habe dir doch geschrieben, daß er verunglückt ist. Mein Gott, er ist ganz schlecht daran und kann es jeden Tag gar machen." Sie seufzte und meinte ein bißchen. Sie brachte ein Sacktuchlem zum Vorschein, das nicht mehr ganz weiß war
„Gar keine Hoffnung?" erkundigte sich Holl tetH nehmend. ,, _
„Nein, gar keine. Die Aerzte sagen, die Lung« sei verletzt."
। „Soso, die Lunge'?"
(Fortsetzung folgtI)
Amtsgericht Gietzen.
Der H. Th. in Gießen war beschuldigt, am 21. Januar 1939 am Güterbahnhof in Gießen einen Radio- | apparat im Werte von 103— RM. entwendet zu haben, handelnd unter den Voraussetzungen des strafverschärfenden Rückfalls (Vergehen und Ver- irechen nach §§ 242, 244 StrGB.). Der Angeklagte war in vollem Umfange geständig. ,
iDer Vertreter der Anklage beantragte, auf die gesetzliche Mindeststrafe von einem Jahr Zuchthaus zu erkennen. Der Verteidiger beantragte gemäß § 244 Abs. 2 StrGB. eine Gefängnisstrafe.
Der Angeklagte wurde unter Zubilligung mildernder Umstände zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr verurteilt. 1 Monat und 12 Tage der Untersuchungshaft wurden auf die Strafe angerechnet. Dem Angeklagten wurde eröffnet, daß ihm noch einmal Gelegenheit gegeben würde, auf eine andere Bahn zu kommen, und daß er bei einem neuen Diebstahl mit Zuchthaus und Sicherungsverwahrung zu rechnen habe.
G. Z. in Gießen hatte sich am 21. Mai 1938 des Hausfriedensbruchs und der Beleidigung schuldig gemacht. Dem Angeklagten, der einschlägig vorbestraft ist, wurde nahegelegt, die Beleidigung zurückzunehmen und eine Buße zu zahlen. Der Angeklagte erklärte sich bereit, eine Buße von 30,— RM. und die Kosten des Verfahrens zu zahlen. Der Hotelbesitzer, bei dem der Hausfriedensbruch begangen wurde, und der beleidigt» Polizeibeamte wollen ihre Strafanträge zurücknehmen, sobald die Buße und die Kosten bezahlt sind.
Große Strafkammer Gießen.
Die K. R. in Berlin, früher in Butzbach, war durch Urteil des Amtsgerichts (Schöffengerichts) Gießen vom 22. Juli 1937 wegen Betrugs und Untreue zu einer Gesamtgefängnisstrafe von drei Monaten und 90,— RM. Geldstrafe verurteilt worden. Sie legte gegen das Urteil Berufung ein.
In der jetzigen Hauptverhandlung vor der Großen Strafkammer wurde eine Reihe Zeugen vernommen. Die Angeklagte bestritt nach wie vor jede Schuld.
Im Falle K. verkaufte sie ein Motorrad für 550,— RM. Hierauf wurden 50,— RM. angezahlt. Für den Rest wurden 15 Wechsel zu je 36,— RM. ausgestellt, die sie an die Lieferfirma weitergab. Dem Käufer ‘ paßte aber die Sache mit den Wechseln nicht, und er bezahlte weitere 200,— RM. bar und verpflichtete sich, monatlich 20,— RM. zu zahlen, um von der Wechselverbindlichkeit loszukommen. Dem Käufer wurde von der Angeklagten versprochen, sie werde jeden Monat 16,— RM. drauflegen und den Wechsel über 36,— RM. einlösen. Sie nahm die Ratenzahlung au, löste aber die Wechsel nur zum Teil ein.
Im Falle St. wurde der Kaufvertrag über ein Motorrad wieder rückgängig gemacht, die vom Käufer L ausgestellten Wechsel wurden aber trotzdem an die
dem Enttommen nichts ist. Er fiel verzagt in sich i zusammen wie ein uralter Mann, den es friert. In < seinem Schädel überschlugen sich mild die Gedanken, i Wenn Gaidl seine Drohung verwirklichte, war der ! gute Name Tinser für alle Zeiten geschändet, war 1 die Stellung bei Hegemann dahin, mar die ganze - Zukunft und Existenz zerbrochen. Was mürde der Vater zu diesem Skandal sagen, mas Hegemann? Tinser umklammerte flehend Gaidls Arm und wimmerte: „Dann muh ich mir eine Kugel durch das Herz jagen —"
„Ihre Sache —", erwiderte Gaidl gefühllos.
„Ich soll Hegemann bestehlen! Hegemann, der mir vertraut, der meinen Vater kennt und der so nett zu mir ist. Das können Sie doch nicht von mir verlangen. Sind Sie denn überhaupt noch ein Mensch, Gaidl?"
„Na schön,- Sie Wattegemüt. Dann will ich ein übriges tun und Ihren Chef auf mich nehmen. Aber den anderen kann ich Ihnen nicht ersparen. Wer ist es denn?"
Tinser gab keine Antwort. Erst nach einer ganzen Weile raffte er sich zu ein paar hoffnungslosen Sätzen aus. „Sie sind furchtbar, Gaidl — — in was für eine Tinte bin ich da geraten! Und kein Ausweg, keiner." Er starrte mit schiefem Mund und blicklosen Augen auf die verdämmernden Berge.
„Endlich werden Sie vernünftig, Tinser", sagte Gaidl und nahm ihn beim Arm. „Gehen wirres wird kühl. Wir besprechen das Weitere noch. Sobald ich den Wachsabdruck habe, liefere ich Ihnen das Fläschchen und das Fell aus und verdufte für immer."
„Schwören Sie mir das?' .... „
„Bei allem, was mir noch heilig ist sozusagen.
„Bittschön, kennen Sie vielleicht einen Herrn Doktor Holl?" fragte Anna Schwiebus, die kleine Zeitungsverkäuferin, den Käptn demütig. Der Käptn mit dem weißen Haar und dem aufgezwirbelten weißen Schnurrbart teerte gerade das umgelegte Beiboot am Strand. Anna nahm es als günstiges Vorzeichen, daß sie auf diesen vertrauenerweckenden Mann als ersten in Seesham stieß.
„Den Holl? Den sollt' ich wohl kennen, Fräulein- chen. Der wohnt gleich da hinten. Aber er wird jetzt nicht zu Hause sein. Wahrscheinlich sitzt er in der Bäckerei von Huber und liest Zeitungen." Und , der Käptn vollführte mit dem Teerpinsel zahlreiche erklärende Bewegungen. ,Kommen Sie aus der
i Stadt?"
i „Ja. Es ist sehr dringend", sagte die Anna und > setzte ihr schiefes Hütchen zurecht. Sie war erhitzt
Das MÜchm WM.
lloman von Walther kloepffer.
Copg right bg Carl Duncker Verlag,Aerlin>Vs5
19. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
„Nein, zum Teufel! Nein, nein 1 Was Sie vorhaben. ist eine bodenlose Lumperei. Es ist eine Unverschämtheit von Ihnen, mir so etwas überhaupt zuzutrauen", schrie Tinser.
„Sie, Herr ... Baron soll ich Sie ja nicht mehr titulieren — ich will Ihnen jetzt etwas sagen. An Ihrer «stelle würde ich mit solchen Ausdrücken vorsichtiger fein. War vielleicht Ihre Geschichte mit den Mauseoiechern keine Lumperei? Was glauben s' denn, daß die Leut' dazu sagen, wenn sie erfahren, der Sohn vom alten Herrn Tinser hat gefälscht? Sie, das Flascherl mit der Bleichflüssigkeit hab' ich noch! Und das Fell von der einen Maus, das Sie verpfuscht und weggeworfen haben, fein auch. Der Gaidl ist nicht so dumm, wie er ausschaut. Hab mir dazumal gedacht: wer weiß, für was es gut ist. Und was ist mit dem Karton in der zoologischen Sammlung? Jeden Tag kann man Ihr Manöver Nachweisen und nachprüfen, wenn die Leute erst ein- mal mit der Nase draufgcstoßen sind. Ich brauch' bloß zu so einem Wiener Fünfgroschenblatt zu gehen und das Belastungsrnäterial auf der Redaktion ab- liefern, dann lesen's am andern Tag alle Leut'", be-


