Am Mittwoch, 15., und Donnerstag, 16. Februar.
Kartoffelkäfer-Bekämpfung.
ge-
in gleicher Eigenfchaft an das
(Nachdruck verboten!)
21 Fortsetzung
Die neue Farbphotographie als Hilfsmittel des Biologen
Geheimrat Rovelius ließ sich schwer in einen der kleinen hellblauen Sessel fallen und fuhr sich mit der Hand über die Stirn.
„Herr Äriminalrat!" sagte er beherrscht, doch in tiefer Erregung, „ich mutz Ihnen einige Erklärungen geben."
Schaub sah den alten Herrn gespannt an. Nnhig meinte er dann: „Ich wäre Ihnen sehr dankbar, Herr Geheimrat. Mein Berus bringt manche Härten mit sich, das wissen Sie. Ich bin vor meinem Gewissen verpflichtet, zu erfahren, was Ihre Fräulein Nichte bei Herrn Bortefeld wollte--Es ist nichts aus
ihr hecauszubekommen..
Rovelius seufzte schwer. Er sah den Kriminalisten ernst an. —
In der Oberhessischen Gesellschaft für Natur- und Heilkunde (Naturwissenschaftliche Abteilung) und der Ortsgruppe Gießen des Deutschen Biologenoerbandes sprach am gestrigen Montagabend im Physiologischen Institut Professor Dr. Antel über das Thema: „Die neue Farbphotographie als Hilfsmittel des Biologen". *
Fast ebenso alt wie die Photographie sind auch die Versuche, an die Stelle des nur schwarz-weißen Bildes, das am Ende des photographischen Vorganges steht, das a l 1 f a r b i g e Bild zu setzen, das den geschauten Gegenstand auch in dieser Hinsicht in allen Einzelheiten getreu wiedergibt. Wer die Bedeutung der Farbe für die Wissenschaft vom Leben kennt, der wird verstehen, daß gerade bei den Biologen mit an erster Stelle dieser Wunsch erwachte. Steckt doch eine Unsumme von Fleiß und Scharfsmn in den Untersuchungen über die Verknüpfung zwischen dem normalen Dasein eines Tieres und gewissen Farben, welche im Leben dieses Tieres, in seiner Umwelt eine bestimmte Rolle spielen. Und soweit die Organismen selbst Träger von Farben sind, interessiert den Biologen auch die Frage, auf welchem Wege der Organismus die Farbe erzeugt, wie es also z. B. kommt, daß die feinen Schuppen eines Schmetterlinqsflügels die herrlichsten Schillerfarben entstehen lasten, wie die roten, grünen und blauen Töne auf dem Gefieder der Papageien Zustandekommen und vieles andere mehr.
Gilt es aber, die gewonnenen und festgelegten Einsichten einem größeren Kreise .zu übermitteln, so wird jedesmal der enmiindtiche Mangel an technischen Hilfsmitteln zur Wiedergabe der Farben deutlich. Gewiß bleibt dem Forscher die Zeichnung, wenn er sich nicht auf reine Beschreibung beschränken will. Aber eine Zeichnung ist niemals eine rein optische Wiedergabe des Gesehenen, sondern stets das Er-
„Aber es ist doch gaiy ausgeschlossen, daß Henny auf Bortefeld geschossen haben soll — das ist ja Wahnsinn!"
Schaub beruhigte sachlich: „Ich habe das ja auch noch nicht behauptet, Herr Geheimrat. Bitte er zählen Sie mir einiges über Ihre Richte!"
„Sie ist ein zarter, sehr sensibler Mensch — es ist Wahnsinn, ihr sowas zuzutrauen!"
„Ihre Eltern leben nicht mehr?"
.Rein. Meine Schwester und mein ad)mager wurden das Opfer eines Autounfalles. Bor fünf Jahren. Seitdem steht Henny allein. Ich und Robert — mein Sohn — find ihre einzigen näheren Verwandten. Ich habe Vaterstelle an ihr vertreten. Bis vor einem Jahr wohnte sie auch bei uns..."
„Und jetzt?"
„Jetzt hat sie ihre eigene Wohnung am Ufer-Ring, -sre ist vermögend und treibt künstlerische Studien. Ihre Verse und Plastiken haben einen ge wist en Ruf. Ich hätte sie lieber bei mir behalten, aber das Verhältnis zwischen meiner «chwägerin, die mir nach dem Tode meiner Frau den Haushalt führt, und Henny war nicht besonders. Ich gab deshalb nach, als sie mich vor einiger Zeit bat eine eigene Wohnung beziehen zu dürfen. Zwischen ihr, Robert und mir hat sich auch durch den Wohnungswechsel nichts geändert, sie kommt häufig zu uns und geht vor allen Dingen häufig mit mir in die Oper und ins Konzert..
„Sie sind mit Dr. Bortefeld feit längerem bekannt?"
Gcheimrat Rovelius beugte sich vor.
„Deswegen wollte ich Sie gern allein sprechen, Herr Kriminalrat Ich kenne Bortefeld seit der Zeit, als er in München dirigierte. Er mar damals schon ein ausgehender Stern, und ich lud ihn häufig zu mir ein. Sie misten ja, daß ich ein großer Musik- -liebhaber bin Als Bortefeld als musikalischer Leiter des Sendehauses nach hier versetzt worden mar, pries ich natürlich den glücklichen Zufall, der uns wieder zufammenführte, ich hatte ja inzwischen wegen der Verlegung meiner Werke nach hier auch München verlassen. Er ist dann — ein paarmal allerdings nur, da er sehr beansprucht ist — auf meinen musikalischen Teeabenden gewesen. Ich habe gleich bemerkt, daß Henny leider zu ihm phantastische und schwärmerische Neigung zu fassen begann ..."
„Es war Ihnen das nicht recht, Herr Geheimrat?"
„Nein", sagte der alte Herr seufzend „Ich nehme
Die anschauliche Schilderung des Vortragenden in Verbindung mit den vielen aufschlußreichen Licht- childern ermöglichte einen weitreichenden Einblick in eine Zeit, die uns heute wieder in vielfältiger Weise innerlich nahekommt. Daher fand denn auch der dankenswerte Vortrag verdientermaßen die gebührende Anerkennung der Hörer in Form von lebhaftem Beifall. Studienrat Dr. Glöckner gab dem Dank an den Vortragenden noch in herzlichen Worten Ausdruck.
Schuß im Junkhausi
Ein Roman von Maria Gb orlin.
Copyright by Prometheus-Verlag, Dr. Eichacker, Gröbenzell bei München.
„Ja." Schaub wartete einen Moment. Bortefelds Klinik? Nanu?l Eine warme dunkle Stimme meldete sich.
,^ier Schwester Elisabeth, Hein Kriminalrat! Ich mar ja heute schon einmal bei Ihnen. Erinnern Sie sich?"
„Ja, sicher, Schwester--was ist denn?"
„Also Herr Dr. Bortefeld--— läßt Ihnen
durch mich nochmal eine Nachricht überbringen —" Schaub preßte erregt den Hörer näher ans Ohr.
„Ja?" rief er erregt. „Was rst denn?"
„Herr Dr. Bortefeld bittet Sie noch einmal dringend, jede Untersuchung feines Unglücksfalles zu unterlassen..."
Schaubs Stirn furchte sich leicht. Die sanfte Stimme am Apparat fuhr fort:
„Herr Professor Hepstedt schließt sich der Bitte unseres Patienten an--"
„Wie geht es Herrn Dr. Bortefeld berat, Schwester? Besser?"
„Den Umständen nach sehr gut — — natürlich muß aber jede Aufregung vermieden werden. Herr Dr. Bortefeld macht sich Gedanken, daß Ihre Ermittlungen — —" Die fanfte Stimme brach ab, man hörte leises Geflüster und verwischte erregte Stimmen. Dann kam sie wieder:
„Vor allem soll der Verdacht gegen Fräulem Kay ganz unbegründet sein. Herr Dr. Bortefeld läßt dos ausdrücklich versichern —"
Wieder flüsterten zwei Stimmen im Apparat Dann tönte es nochmal auf: „Im übrigen ist Herr Dr. Bortefeld zu einer Erklärung bereit. Wenn es Ihnen nichts ausmacht, läßt er Sie bitten, auf einen Augenblick in die Klinik herüberzukommen.
Schaub ließ nachdenklich den Hörer auf die Gabel zurückgleiten. Arn anderen Ende Legte ihn Schwester Elisabeth behutsam auf. Ihr klares Gesicht war sorgenvoll. —
,,T)05 mit dem Besuch fetzt, Herr Dr. Bortefeld --habe ich Ihnen nur nachgesprochen, um
Sie nicht aufzuregen? Ich kann Ihnen nicht dafür garantieren, ob Professor Hepstedt dazu sein Einverständnis gibt So ein später Besuch ist ganz ungewöhnlich und gegen die Regel Und überhaupt — jetzt nach Ihrer' schweren Operation--"
Bortefeld lebrst^fich müde in die Kisten zurück.
„Versuchen Sie es doch noch mal, Schwester! Was ist denn bester: wenn ich mich die ganze Nacht hier herumquäle, oder wenn Schaub auf eine kurze Welle zu mir kommt und ich beruhigt einschlasen kann?"
Es war etwas Wahres an den Worten. Schwester Elisabeth nickte etwas bekümmert. „Also, gut «h will das auch noch versuchen —" (Forts, folgt)
natürlich die schwärmerische Zuneigung eines jungen Mädchens von einundzwanzig Jahren zu einem berühmten Dirigenten nicht tragisch. Aber einmal fühlte ich mich natürlich für Hennys Glück verantwortlich, sie ist doch das letzte Vermächtnis meiner verstorbenen Schwerter. Dann hatte ich aud) für Hennvs Zukunft und für eine spätere Ebe ganz andere Pläne. Das wichtigste aber war, daß ich genau bemerkte, daß Dorteseld über eine freundliche Höflichkeit hinaus nichts für Henny emvfand. Sie hat aber wohl ein paar liebenswürdige Worte, die er über ihre Derfe und Vlastiken gesagt hat, völlig mißdeutet, iedenfalls wuchs ihre Zuneiaung in noch stärkerem Maße, auch als sich Bortefeld immer weniger bei uns blicken ließ. Ich weiß bestimmt, daß er wegblieb, weil er Hennys Zuneigung merkte und ihr keine Enttäuschung bereiten wollte Borte- felbs Musik bat sie in einen Rausch verseht, sie nt ihm schwärmerisch zugetan — das ist alles, so nur kann ich mir e^cklären. daß sie heute obend zu ihm ging und wahrscheinlich wieder gebeten bat, er solle doch meinen Teeabenden nicht fernbleiben."
Schaub sah dem «Pen Herrn ins Gesicht.
„Das hat Ihre Nichte uns getagt, Herr Rovelius. Mer wie kommt sie zu dem Revolver? — Haben sie übrigens Fräulein Kay gesehen? Kennen Sie sie?"
Rovelius sah erstaunt auf. „Richtig, sie faß ja bei Ihnen — — in der Aufregung habe ich sie gar nicht bearüßt —"
„Sie ist mit Ihrer Nichte befreundet. Den Revnl- oer, mit dem Bortefeld angefchossen wurde, hat sie
Lornotizen.
Xagesfalenbet für Dienstag.
Stadttheater: 19.30 Uhr Erstaufführung „Der Rosenkavalier". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Heimat". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Zwischen Strom und Steppe — Pußtaliebe".
Erstausführung „Der Rosenkavalier" im Stadttheater.
Heute Abend findet die Erstaufführung der Oper „Der Rosenkavaiier", Komödie sur Musik m Drei Akten von H. von Hofmannsthal, Musik von Richard Strauß, statt. Musikalische Leitung: Kapellmeister Paul Walter, Spielleitung:Hans Gerßler Bühnenbilder: Karl Löffler. Die Vorstellung findet gleichzeitig als 20. Vorstellung der Dienstag-M:ete statt. Die Intendanz macht nochmals darauf aufmerksam, daß die Vorstellung um 19.30 Uhr beginnt. Ende nach 23 Uhr.
Lien, die Stabt der deutschen Ostmark.
Auf Einladung des Goethe-Bundes und des Kaufmännischen Vereins wird Prof. Dr. Waldmann, Direktor der Kunsthalle in Bremen, am Mittwoch, 15. Februar, 20 Uhr, in der Neuen Aula einen Licht- bilderoortrag über das Thema „Wien, die Stadt der deutschen Ostmark" halten. Der Vortragende wird die Herrlichkeit der Bauten und Kunststätten Wiens in. eindrucksvoller Weife aufzeichnen.
Amtsobergehilfe Eirich tritt in den Ruhestand.
wird das Farbbild weitgehend ersetzen können und dem Schüler Tier und Pflanze in natürlicher Um« wett vor Augen führen, so wie es nur auf Exkursionen möglich ist. Noch weiter vollends ist das Anwendungsbereich in der wissenschaftlichen Tätigkeit des Forschers. _
Die Fülle der verschiedenen Möglichkeiten zeigte der Redner an einer Reihe zum Teil hervorragender Beispiele, teils von ihm selbst, teils von Rmarbel- tern ausgenommen. Den lebendigen und klaren Ausführungen dankte die zahlreiche Zuhörerschaft mit reichem Beifall. K.
WHT., Ortsführung Gießen-Süd.
darf.
Mit einem Filmftteifen zeigte Dr. Hahn beit Kartoffelkäfer und die Anwendung der Abwehrmatz- nahmen und wies darauf hin, daß zu einem feftzu- fetzenden Zeitpunkt die Bekämpfungsmaßnahmen auch in der Stadt Gießen durchgeführt werden.
Gießener wochenmarktpreije.
* Gießen, 14. Febr. Auf dem heuttgen Wochenmarkt kosteten: Markenbutter, kg 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Wirsing, A kg 16 bis 17, Weißkraut 11 bis 13, Rotkraut 13 bis 15, gelbe Rüben 10 bis 14, Spinat 25 bis 35, Unterkohlrabi 9 bis 10 Pf., Feldsalat 1,10 Mark, Via 15 Pf., Tomaten, % kg 40 bis 50, Zwiebeln 15, Meerrettich 35 bis 60, Schwarzwurzeln 20 bis 40, Kartoffeln, kg 5 Pf., 5 kg 43 Pf., 50 kg 3.35 bis 3,75 Mark, Aepfel. % kg 45 bis 50 Pf., Rüste 40 bis 45, Blumenkohl, das Stuck 20 bis 50, Endivien 10 bis 25, Lauch 5 bis 12, Sellerie 10 bis 40, Rettich 5 bis 15 Pf.
♦♦ Ein Siebzigiöhriger. Der Dienst- mann Wilhelm Gelsenleuchter, Danunstraße 421, kann am heuti-aen Dienstag seinen 70. Geburtstag feiern. Seit 1899 ist er in feinem Berufe tätig. Seiner Militärdienstpflicht genügte er m den Jahren 1889 bis 1892 beim Jni.-Regt. 116. Seit Jahrzehnten ist er Leser des Gießener Anzeigers. (Unseren Glückwunsch zum Geburtstag!)
♦* Uniformlieferungen für unfere Straßenbahner will die Direktion der Stadtwerke für das Rechnungsjahr 1939 vergeben. Das Lieferungs-Ausschreiben wird heute bekanntgemacht. ____
fein.
WSW.-Lotterie geht zu Cnke
In diesen Tagen verabschieden sich die „grauen Glücksmönner" von uns, und ihre bekannten Mäntel mit den roten Aufschlagen werden bis, zur nächsten ReickswinterhiPe-Lotterie ans dem Straßenbild verschwinden. Die Glücksbringer, die fast ausnahmslos aus ehemaligen Arbeitslosen bestehen, hatten alle Hönde voll zu tun, um die hohen, mittleren und kleinen Gewinne unter die Leute zu bringen. An dem regen Umsatz haben diesmal die Ostmark und das Sudetenkand einen erheblichen Teil. Der Verkauf der letzten Glücksbriefe ist in Angriff genommen. Niemand verfäume daher, in den nächsten Tagen die Gewinnmöglichkeit der letzten Lose wahrzunehmen. Wer nicht gleich einen Treffer zieht, kann immer noch bei der Prämienziehung am 30. März einen Gewinn zwischen 50 und 10000 RM. erlangen. Roch mancher Tausender und Fünfhunderte^ wartet fetzt darauf, abgeholt zu werden.
Die deutschen Straßen in Bor- und Frühgeschichte
Bortrag im Oberhessischen Geschichtsverein.
Vom Landratsamt Gießen wird uns „ schrieben: Am morgigen Tage tritt der Amtsobergehilfe Karl Eirich in den Ruhestand. Damit geht ein Beamter, der in treuer Pflichterfüllung mehr aIß 40 Jahre im Staats- und Kommunaldienst tätig war und - dafür noch kürzlich die Anerkennung des Führers durch Verleihung des Goldenen Treudienst-Ehrenzeichens gefunden hat. Einer alteingesessenen, kinderreichen Bauernfamilie in Nieder- Moos, Kreis Lauterbach, entstammend, mar Amtsobergehilfe Eirich nach Erfüllung seiner Militär - p-licht vom Jahre 1897 an zunächst als Pförtner am städtischen Krankenhaus und anschUehend als Kanzleiwarter im damaligen Ministerium des Innern in Darmstadt beschäftigt. 1904 erfolgte ferne Ernennung zum Kreisdiener in Groß-Gerau, 1914 feine Versetzung in gleicher Eigenfchast an das Kreisamt Schotten. Seit dem Jahre 1924 versieht er die Stelle des Amtsobergehllfen beim Kreisamt, jetzigen Landratsamt Gießen. Im Rahmen und in Ausübung feiner Obliegenheiten ist Amtsobergehllfe Eirich in den vergangenen Jahren mit einer großen Anzahl von Volksgenossen aus Stadt uni) Land in Berührung gekommen. Durch sein hilfsbereites, sreundliches Wesen hat er sich allgemeine Wertschätzung erworben. In besonderem Maße gilt dies für sein Verhältnis zu den Vorgesetzten und Mitarbeitern am Landratsamt selbst sowie zu den Bürgermeistern und Gendarmeriebeamten des Kreises. Wegen seines forreEten, bescheidenen Auftretens, feiner nie erlahmenden Arbeitsfreudigkeit und wegen seiner vorbildlichen Leistungen in der Betreuung der ihm anvertrauten Amtsräume läßt man ihn nur ungern scheiden. Mochte dem verdienten Beamten ein langjähriger, gesegneter Lebensabend beschieden
gebnis einer geistigen Verarbeitung, weil der Weg i vom Gegenstand bis zur Darstellung notwendig durch I die Person des Beobachters und Zeichners gehen : muß.
So wichtig und unentbehrlich diese Tatsache die Zeichnung für viele Zwecke macht, wenn es darauf ankommt, völlig unbeeinflußte Festlegungen und Dokumente zu schassen, dann hat die Photographie ■ das Wort. Bei der Wiedergabe der Farben freilich versagte diese Hllfe seither, denn in keinem Falle wurde das geforderte Maß an Treue und Leuchtkraft der Farben erreicht. Mit der neuen Farbphotographie jedoch ist wirklich ein entscheidender Schritt nach vorne getan, Mauern, die lange Zeit unzertriimmerbar erschienen, find gefallen. Gewiß bleiben noch Wünsche übrig, sind noch Kinderkrankheiten zu überwinden; auch ästhetische Probleme tauchen auf und fordern Auseinanderfetzung. Der Bann aber ist gebrochen und das neue Farbbild schließt eine wirklich vorhandene breite Lücke.
Damit ist jedoch die Schwarz-Weiß-Photographie bei weitem nicht entthront. So wie neben ihr die Zeichnung ihren Wert behielt und stets behalten wird, so behält auch fie nach wie vor die eroberten Gebiete; vor allem wird der Biologe bei der, notwendigen Abstraktion vom Organismus her nach der reinen Form nrmrer wieder zu ihr greifen.
Welche Möglichkeiten bietet nun die neue Farbphotographie? In erster Linie wird fie Verwendung finden im Unterricht, fei es, daß dem Studenten die in den Bibliotheken ruhenden Schätze der kostbaren alten Tafelwerke leicht zugänglich gemacht werden können, fei es, daß an Stelle des Präparates oder Tafelbildes die bis in alle. Einzelheiten getreue Farbaufnahme tritt. Auch Sammlungen
Ausgehend von den allerersten Anfängen des Wege- und Straßenwefens etwa um die Zeit 5000 und 4000 vor Christi, machte der Vortragende einleitend mit den charakteristischen Merkmalen jener Straßen bekannt, um dann systematisch die verschiedenen Entwicklungsstufen des vorgeschichtlichen Straßenwesens zu schildern. Besonders behandelte er dabei die Straßenentwicklung in Nordwest- und Norddeutfchland mit vornehmlicher Schilderung der Bauweise in der Gegend der Weser und der Moorgegend Westfalens. Hier wußte er in fesselnder Weise u. a. Entstehung und Technik von Bohlenwegen darzulegen, die den Bewohnern jener Gegenden — Römern und Germanen — die Ueberquerung der damaligen großen Moore ermöglichten und die erkennen ließen, daß man schon damals einen verhältnismäßig hohen Stand des technischen Könnens erreicht hatte. Der Bericht über jenen Straßenbau, den der Vorttagende durch eigene Ausgrabungen mit erforschen half, machte erkennbar, wie stark die heimatkundliche Forschung sich dieses Teils der ältesten deutschen Geschichte angenommen hat. Rekonstruktionen jener^ Bohlenwege auf Grund der Ausgrabungsergebnisie waren auf der Deutschen Straßenbau-Ausstellung 1934 zur Schau gestellt und haben dort große Beachtung ge-
Ihrer Richte fortgenommen und bei sich gehabt — wir hatten fie zuerst in Verdacht, daß sie das Attentat auf Bortefeld ausgeübt Hot verschiedene Gründe sprachen dafür. Aber fetzt neigt sich' der Verdacht mehr auf die Seite Ihrer Nichte, Herr Geheimrat, ich kann Ihnen das nicht verschweigen."
Der alte Herr wurde totenfahl.
„Sie rft schwärmerisch, die Henny, ein bißchen überspannt, eines Verbrechens aber ist sie nicht fähig, ganz bestimmt nicht, Herr Kriminalrat."
„Dann wollen mir in Ruhe weiter untersuchen. Vor allen Dingen eines: Wie kommt Ihre Nichte, die doch, wie Sie sagen, so zart und sensibel ist, überhaupt in Den Besitz eines Revolvers? Das 'rft doch bestimmt eine ungewöhnliche Waffe in der Hand einer Frau..
„Ist es ein kleiner kostbarer Revolver. Silber. Nickel und Perlmutt?"
,^a, ganz recht. Herr Geheimrat!"
„Er gehörte meinem Schwager fri'cher. Hie hat ihn geerbt."
„Konnte fie ihn handhaben? Wissen Sie dos. Herr Geheimrat?"
Der alte Herr schwieg verwirrt. Schaub beobachtete ihn scharf.
„Ja?" fragte er nochmals eindringlich.
„Ich--glaube wohl!" meinte der alte Herr
sehr zögernd. „Mein Sohn Robert iü leidenschaftlicher Jäger, hat auch schon verschiedene Schießpreise gewonnen, wir haben hinter unserem Hause einen Hchießftand. Als Henny bei uns wohnte, und auch später noch, haben Robert und sie häufig Ziel- und Tontaubenschießen veranstaltet, bei der Gelegenheit hat ihr Robert auch die Handhabung des kleinen Revolvers gezeigt. Aber ich bitte Sie, Herr Kriminalrat, das ist doch kein Beweis, daraus kann man doch nicht etwa folgern...!" Er brach ab, Schweiß stand ihm auf der Stirn. „Das war doch eine reine Sportangelegenheit... weiter nichts!" meinte er noch hastig.
„Natürlich..." sagte Schaub freundlich. „Das ist fein Beweis. Nur — wissen Sie, wozu eine enttäuschte und liebende Frau fähig ist? Vielleicht mar alles nur ein unglücklicher Zufall. Vielleicht gar keine wirkliche Schuld. Bitte, beruhigen Sie sich, Herr Geheimrat, es wird ja sich alles noch Herausstellen!"
„Ich habe sie doch so gebeten, nicht mehr zu Bortefeld zu gehen!" murmelte der alte Herr sorgenvoll. Das Telephon am Schreibtisch klingelte. Schaub griff danach. Torsten meldete sich.
„Ich bms, Herr Krimmalrat. Torsten. Ich habe die Telephonzelle geb:'en, ein Gespräch für Sie nach drüben zu legen. Ifts Ihnen recht?" ___
Auf Einladung des Oberbürgermeisters fand am Sonnt-agnachmittag ein Lichtbilüervortrag über den Kartoffelkäfer und seine Bekämpfung statt. Der Sitzungssaal des Stadthauses Bergsttaße erwies sich als viel zu klein, so daß viele Dolksgenoffen in den Seitengängen und im Flur stehen mußten.
Dr Hahn von der Hauptstelle für Pflanzenschutz schilderte die Gefahr, die durch die Verbreitung des Kartoffelkäfers für die deutsche Ernährung entstehen kann, und beschrieb bann den Käfer und feine Lebensweise. In Grüningen wurde einer dieser Schädlinge gefunden, die sich ungeheuer schnell aus- breiten. Auch in den Kreisen Friedberg, Wetzlar und Büdingen wurden die Schädlinge aufgefunden, so daß der Abwehrdienst für das ganze Gebiet einschließlich der Stadt Gießen organisiert wird.
Die Abwehrmaßnahmen bestehen aus der Suchaktion und den Spritzungen. Zu bestimmten Zeiten werden durch die Schulen und durch Erwachsene, vor allem durch die Anbauer von Kartoffeln und Tomaten, solche Suchaktionen durchgeführt. Wer dazu aufgefordert wird, hat sich daran zu beteiligen. Dec Redner wies darauf hin, daß z. B. in Wieseck gegen säumige Volksgenossen Strafen ausgesprochen n>er= den mußten. Die Spritzungen werden einheillich vom Reich durchgeführt, zunächst beim jungen Kartoffelkraut, einige Zeit später noch einmal. Auch diese Spritzungen muß jeder Volksgenosie in seinem Garten oder Feld durchführen lasten. Der Redner'gab praktische Winke für die Durchführung beider Äbwehrmaßnahmen und hob u. a. hervor, daß beim Spritzen weder geraucht, noch gegesteu werden
in der Gegend von Elbing, am Chiemsee (dort^aller- dings mehr als Knüppelweg), ferner auf der strecke von Köln bis Esten festgestellt worden.
Nachdem die Hörer die verschiedenen sttatzen- arten jener Zeit kennengelernt hatten, vermittelte der Vortragende in aufschlußreicher Weise die Bekanntschaft mit den Fahrzeugen, den Trägern des Straßenverkehrs. Auch hier führte die Betrachtung bis weit in die vorchristliche Zeit zurück, und auch -......... - -
damals schon trat der aus der Römerzeit al? findet im Bereich der Ortsgruppe Gießen-sud Die Kampf- und Streitwagen bekannte Typ des von Pfund'ammlung für den Monat Februar 1939 Pferden gezogenen Fahrzeugs bestimmend in den durch die NS.-Frauenschaft statt. Die Einwohner- Vordergrund. Die Entwicklung des Wagenbaues der Ortsgruppe wird gebeten, die Psund- konnte man dann weiter verfolgen bis in die Früh- päckchen bereitzuhalten.
zeit des christlichen Zeitalters, wobei in den grundlegenden Bauformen das heute noch geltende Prinzip des Wagenbaues zu erkennen war. Diese _ Fahrzeuge traten vor allem aus den fog. Römerftraßen in Erscheinung, deren sich damals ein ganzes Netz über unser Heimatland ausbrektete. Diese Römer- srraßen waren zuerst ausgesprochene Militärftraßen, später folgte ihnen der Haudelsverkchr. Auch unsere engere Heimat, die Wetterau, wurde von diesen Straßen berührt und kam dann in den Entwicklungsbereich der immer mehr fortschreitenden germanischen Kultur. Der neuzeitl'chere Sttaßenbau in jenen Zeitläuften wurde dann belonders durch den Sachsenkrieg Karls des Großen bestimmt.
Am gestrigen Montagabend sprach auf Einladung funden Aehnliche Bohlenwege sind^igens öes Oäerhelsischen Geschichtsoereins der Direktor *«”- nnn fFTtima nm Chiemsee (Dort atter-
des Oberhessischen Museums in Gießen, Dr. Krüger, in der Aula des Gymnasiums m fesselnder Weise über das Thema „Die deutschen Sttaßen in Vor- und Frühgeschichte". Es war — wie der Vorsitzende des OberheWchen Geschichtsverems, Studienrat Dr. Glöckner, am Schlüsse des Vortrags mit Recht besonders Hervorbob — eine Fülle von interestanten Ergebnissen aus einer langen und schweren Arbeit, die der Vortragende fernen gespannt folgenden Hörern an Hand vieler guter Lichtbilder darbot.


