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Kr.291 Erstes Blaff

189. Jahrgang

Dienstag, 12. Dezember 1939

Metzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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ihnen bestimmen.

H. Ev.

ersten beläuft.

sich der G e s a m t v e c t u st in der Dezemberwoche aus 121742 Tonnen

Die Engländer haben also mit ihremGeständ­nis" mindestens die Hälfte der versunkenen Schiffe glatt unterschlagen.

Wie viel sie aber sonst noch verschwiegen haben, weil die betreffenden Nachrichten auch nicht in die neutrale Presse durchgesickert sind, wissen nur sie allein. Sie werden sich jedoch hüten, darüber zu sprechen, denn ihre Staatsmänner haben im Un­terhaus nicht nur zugegeben, sondern sogar mit Nachdruck betont, daß lediglich jene Verluste einge- standen würden, die sich vor so viel Zeugen abge­spielt hätten, daß sie nicht mehr bestritten werden könnten.

Es muß in diesem Zusammenhang auch darau ; hingewiesen werden, daß die Engländer zur Ver­schleierung ihrer Verluste mit unlauteren Methoden arbeiten. Bei einem erwiesenen Untergang, den sie nicht leugnen können, bestreiten sie die geg­nerische Einwirkung und setzen diese Schiffe auch nicht auf die Verlustliste des Handelskrieges. Was sich in den letzten beiden Wochen anSchiffs- zusammenstößen" ereignet hat, ist einfach unübersehbar. Dabei gingen natürlich regel­mäßig das eine oder andere oder beide Schiffe unter. Auch berichtet man in den Gewässern um die englische Küste vonSandbänken", von deren Vorhandensein die Schiffahrt bisher keine Ahnung hatte, so daß selbst Lotsendampfer auf ihnenstran­den". Ferner tauchen überseeische Riffe auf, an denen die ahnungslosen britischen Schiffe i n den eigenen Gewässern scheitern. Schließ­lich hat die englische Handelsflotte einen gefährlichen Hang zuFeuersbrünsten" aller Art bekom­men, die Schiffe auf hoher See befallen und zer­stören. Alle diese Schiffe, die auf so eigenartige Weise umkommen, tauchen natürlich nicht in den englischen Verlustlisten auf. Dadurch wird das Ge­samtbild sehrverschönert", und der Welt erscheint die britische Lage nur halb so trostlos, wie sie in Wirklichkeit ist.

Berlin, 12. Dez. (DNB.) Nachdem die Verluste der englischen Handelsschiffahrt ein Ausmaß erreicht haben, das in der Welt das größte Aufsehen hervor­ruft, so daß das Ansehen Großbritanniens als See­macht auf das schwerste erschüttert ist, fühlen sich die Londoner Amtsstellen bemüßigt, mit der Dementier - spritze zu kommen. Sie schlagen dabei aber nicht den direkten Weg ein, weil sie wohl wissen, daß ein bloßes Abstreiten wenig Zweck hätte, sondernmel­den" von selbst einen Teil ihrer Verluste und klam­mern sich dabei an die Hoffnung, daß ihreschöne Offenheit" Glauben finden werde.

Der Zweck ihrer Meldung besteht jedoch nur darin, dieHälftederVerlu st ezube st rei­ten, indem man die andere Hälfte zugibt. So er­klärt London, daß in den ersten sieben Tagen des Dezember sieben englische Schiffe mit einer Gesamttonnage von 33518 Tonnen und acht neutrale Schiffe von insgesamt 26 612 Ton­nen, zusammen also 60 130 Tonnen, verloren gingen. In diese Liste hat London aber noch drei Schiffe eingerechnet, deren Untergang in Deutschland nicht bekannt war. Es handelt sich um folgende brittsche Dampfer:A s h l e a" (4422 Tonnen),Newton Beech" (4651 Tonnen) undTreevani 0 n" (5299 Tonnen), zusammen also um 14 172 Tonnen.

Demgegenüber ist festzustellen, daß auf Grund übereinstimmender Berichte aus engli­schen Teilgesiandnissen und Meldungen der un­interessierten neutralen Presse die Schifss- verluste rund um die englischen Küsten in den ersten sieben Tagen des Dezember 2 7 Dampfer betragen haben. Darunter gab es 14 Schiffe, ein französisches und 13 andere Schiffe, mit insgesamt 107 557 Tonnen. Die Verluste britischer Schiffe in diesen sieben Tagen machten 60 916, der Neutralen 39 629 und der französischen 7 030 Tonnen aus. Dazu kommen jetzt noch die von den Engländern neuerdings gemeldeten 14 172 Tonnen, so daß

$ j n ie bez 0 ge n." Wie der Londoner Rundfunk rühmt, sollen sie bei einem Vorstoß im Niemands­land schon auf eine deutsche Patrouille g e st 0 ß e n sein. Ehe sie diese Aufgabe übernah­men, wurde ein Armeebefehl erlassen, in dem es u.a. heißt:Man hat euch ausgesucht, um euch der Ehre des Kampfes teilhaftig zu machen Der Feind wartet auf eure Ankunft. Bewahrt Ruhe und Wurde und seid auf der Hut. Das Empire sieht auf euch. Der König hatte zuvor diesen Regimentern einen Besuch abgestattet.Es kann jetzt außerdem gesagt werden", so teilte der Londoner Rundfunk mit,daß der König auch die vorderste Front be-

Keine Verkürzung oder Verschiebung der Weihnachtsfeiertage.

Berlin, 11. Dez. (DNB.) Entgegen anders lautenden Gerüchten wird mitgeteilt. daß die Deih- nachtstage und der Neujahrstag gesetzliche Feier­tage sind, die weder verkürzt noch ver­schoben werden. Auch tritt an der bekannten Regelung der Bezahlung der Feier­tage für Lohnempfänger keine Aenderung ein.

122000 Tonnen in der ersten Dezemberwoche Verlustziffern, die England zu verschleiern versucht.

ein unfreiwilliges Eingeständnis in diesen Erwä­gungen? Nämlich das Eingeständnis, daß Frank­reich die Zeichen der Zeit, vor allem die Probleme, tie sich im Zusammenhang mit der Entwicklung des modernen Deutschland stellen, überhaupt nicht begriffen hatte, als es im September seinen Krieg an Deutschland erklärte? Man lebte da- lnals in Vorstellungen, die durch die Wirklichkeit nicht die geringste Rechtfertigung erfuhren. Dor ollem lebte man in der Idee eines sogenannten Blitzkrieges", den nun Deutschland gegen Frank­reich veranstalten werde: zu sehr hatte eine mit schiefen Darstellungen operierende Propaganda die inerkwürdigsten Irrtümer über Deutschland und seine engebliche Angriffslust verbreitet. Heute möchte man widerstrebend die Irrtümer berichtigen, die aus Liesen falschen Vorstellungen entsprungen sind. Die Zensur läßt bereits militärische Betrachtungen passieren, daß Frankreich gegenwärtig ein viel zu starkes Heer unterhalte, das in finan- Heller und wirtschaftlicher Beziehung Anfotderun- grn an die Kraft des Landes stelle, die diese bei weitem übersteigen.

Die ersten Engländer in der Magmoi-Linie.

Brüssel, 11. Dez. (Europapreß.) Zum ersten- wal in diesem Kriege sind die Engländer aus ihren Quartieren im Innern Frankreichs der Front nähergebracht worden. Im französischen Heeresbericht vom Montagvormittag wird nämlich risdrücklich mitgeteilt:Zum er st en mal haben kritische Truppenteile, die sich seit einigen Wochen tuf französischem Boden befinden, Stellungen in der v 0 rdersten Linie der Maginot-

Stockholm, 11. Dez. (Europapreß.) Nach hier eingetroffenen Meldungen werden die Kämpfe in Finnland mit unverminderter Kraft an allen Fron­ten fortgesetzt. Der heftigste Kampf scheint sich a n der nördlichsten Front j n Lappland abzuspielen. Hier haben die Russen in den letzten Tagen große Truppenverstärkungen er­halten, die mit aller Macht daran arbeiten, d i e Verbindungen zwischen Schweden und Finnland abzuschneiden. Diese Truppen sind zahlenmäßig den Finnen überlegen. Die Haupt- tämpfe an diesem Abschnitt spielen sich bei 6a« mijärvi und Petsam 0 ab, das bis Montag­morgen noch in den Händen der Finnen war. Weitere Kämpfe größeren Ausmaßes werden aus Salla gemeldet. Der Vormarsch der russischen Truppen wird von der Luftwaffe unterstützt. Auf beiden Seiten wird an den Frontabschnitten in Lappland sehr tapfer gekämpft, so daß die Zahl der Toten beträchtlich ist.

Es handelt sich hier um den nördlichsten Krieg der Welt, der in diesen Tagen nördlich vom Polarkreis ausgekämpft wird. Wenn man von den Kämpfen im Freiheitskrieg absieht, hat sich kein Kriegsheer feit den Zeiten Karls IX. so weit nach Norden gewagt. Damals zog der finnische Bauer Nuho Vesainen an der Spitze eines kleinen Heeres aus und zerstörte das russische Kloster in Petsamo. Das Kloster, das wieder aufgebaut wurde und bis zum heutigen Tage steht, ist vor Beginn der Feind­seligkeiten von den finnischen Behörden evaku­iert worden, wobei die russischen Mönche in Sicherheit gebracht wurden. Neben ihnen wurden aus dem östlichen Teil Lapplands nicht weniger als 15 000 Personen unter den größten Schwierigkeiten evakuiert. Ein Teil davon wurde'an die finnisch-! schwedische Grenze geleitet.

Der Abtransport der Zivilbevölkerung aus Petsamo selbst etwa 3000 Personen gestaltet sich insofern schwierig und umständlich, als manch­mal 600 Kilometer im Kraftwagen zu-

Der nördlichste Kampfabschnitt des finnisch-russischen Krieges.

Krieg nördlich des Polarkreises.

rückgelegt werden müssen, bevor man die Eisenbahn erreicht. Die Evakuierung war bei Beginn der Feindseligkeiten noch nicht abgeschlossen, so daß die Flüchtlingszüge ost an der Weiterfahrt behindert wurden, da die Straßen und Wege von Militär­kolonnen blockiert waren. Die Berichte von einer angeblichen Beschießung der Flüchtlingszüge durch die russische Luftwaffe werden von dem'Regierungs­präsidenten von Lappland, Hilliä, dementiert. Von den 3000 aus Petsamo Abtransportierten, so stellt der finnische Regierungsvertreter fest, sei nur eine Person durch einen Granatsplitter leicht verletzt worden.

Weiter liegen jetzt Berichte über die Eintreibung von hunderttausend Renntieren vor, die sich sehr schwierig gestaltet hat. Man wollte diese Tiere den Russen nicht in die Hände fallen lassen und organisierte daher Hunderte von Lappen, die das Vieh zusammentrieben. Es ist gelungen, die Renn- tiere weite Strecken vor den Schlitten und Kraft- roaaen herzutreiben und schließlich in sicheres Ge­lände zu führen. Nicht weniger als vier Millionen Kilogramm Renntierfleisch wurden dadurch für die finnische Bevölkerung sichergestellt. Bei Salla haben die Russen auch Tanks und Streit­wagen eingesetzt, die in dem schwierigen Gelände aber nur sehr schwer oorankommen. Ob­wohl die Schneedecke noch nicht einen halben Meter hoch ist, sind die russischen Tanks auf den sechs Meter breiten Landweg angewiesen.

Der finnische Heeresbericht.

Stockholm, 12. Dez. (DNB.-Funkspruch.) Der finnische Heeresbericht vom 11. Dezember lautet: Armee: Am 10. Dezember griff der Feind zweimal T a i p a l e e n j 0 k i an. Er wurde jedoch z u - rückgeworfen. Dabei wurden sieben feindliche Tanks zerstört. Mehrfache Versuche der Russen, d 1 e Hauptverteidigungslinie des Vuoksi bei Kiviniemi zu durchbrechen, wurden im Beginn er-

Voreilig geräumtes Paris

Don unserem pariser EZ.-Korrespondenten

sucht und das Niemandsland beobachtet hat. Der König hat den Generalen Gamelin und Gort hohe Orden verliehen."

Zwangsgelder fallen unter Gnadenerlaß.

Berlin, 11. Dez. (DNB.) Der Reichsminister des Innern bestimmte, daß alle Polizeistra- f e n, die unter der BezeichnungZwangsgeld" oder einer anderen Bezeichnung wegen einer Zu­widerhandlung gegen eine Polizeiverordnung vor Verkündung der Gnadenerlasse vom 1. und 9. Sep­tember festgesetzt worden und noch nicht voll­streckt sind, unter die Gnadenerlasse fallen, aus­genommen Polizeistrafen, die zur Durchsetzung einer im Einzelfall erlassenen polizeilichen Verfügung fest­gesetzt worden sind.

Guper-Bersailles

Nach hundert Taaen Krieg wissen die Mächte, die uns den Fehdehandschuh hingeworfen haben, we­niger als je zuvor, wie sie diesen Krieg gewinnen sollen. Desto aufgeregter debattieren sie über das, was nach dem Kriege mit dem bösen Feind geschehen soll. Die zunehmende Lautstärke dieser Kriegsziel-Debatte in den plutokratischen Ländern macht uns nachdenklich. Denn wer seiner Sache sicher ist, pflegt im allgemeinen auch äußerlich feine Ruhe zu bewahren und zumindest seine intimften Gedanken und Wünsche nicht vorzeittg preiszu- geben. Macht man diese Lebenserfahrung für den. vorliegenden Fall geltend, so ergibt sich, daß die überlauten und weitschweifigen Erörterungen über das plutokratische Kriegsziel nicht gerade ein Zeichen der Stärke sind. In ihrer Wut über die erfolgreiche deutsche Gegenwehr verlieren die kapitalistischen Kriegshetzer zusehends ihre Selbst­beherrschung und schreien nun in die Welt hinaus, was sie solange unter der Tünche eines heuchle­rischen Pazifismus verborgen hielten.

Ileberblickt man die demokratischen Zeitungsstim­men der letzten Tage, so wird diese schnelle Demas­kierung ganz augenfällig. Neben der Sprache eines brutalen Vernichtungswillens/ die eine moralische Hülle nach der anderen abwirft, sind auch halbwegs vernünftige Erwägungen kaum /noch zu finden. Dem Versailler Vertrag ist es nicht gelungen, mit der Arroganz und der Bestialität der deutschen Na­tion Schluß zu machen", schreibt beispielsweise der Sunday Dispatch" und schlußfolgert:Daher muß Deutschland auch als Nation und nicht nur als Partei geschlagen und in unbe-

m x Brüssel, Dezember 1939.

Nach srel Monaten Krieg findet man in Paris Öafc man sich eigentlich gar nicht richtig 1 m Ä r 1 e g befinde. Das Schlagwortquelle droie U gU?-rr^ faün man immer häufiger hören. Das Ä-^Uk'llch alles sehr mit Vorsicht aufzunehmen. Die Soldaten und die zahlreichen Familienväter bis zu 50 Jahren (erst jetzt hat man die ältesten Jahres- klassen bis zu den 48jahrigen aus dem Heeresdienst entlassen) finben die Sache durchaus nicht

65 gibt andere Punkte, in denen öie Dorstellungswelt mit der Welt der Tatsachen in Ueberelnstlmmung gebracht werden muß. Und das betrirft vor allem das Schicksal der Stadt Paris. Man hatte sich für einenBlitz- frteg eingerichtet und alle möglichen Vor­kehrungen für deutsche Lutfangriffe getroffen. Denn es mar nun einmal die landläufige Vorstellung, daß einige tausend deutsche Flugzeuge über der fran­zösischen Hauptstadt erscheinen würden, um sie dem Erdboden gleichzumachen. Jetzt, da die Deutschen dieser Erwartung nicht entsprochen haben, wie sie die Chauvinisten genährt hatten, beginnt man mit Schrecken zu bemerken, daß man sich selbst die größten wirtschaftlichen Verwüstun­gen beigebradjt hat, ohne das der böse deutsche Feind irgend etwas dazu hätte zu tun brauchen.

So kommt es, daß jetzt in Paris Vorträge ge­halten werden, wie man Paris ,Has Leben wieder­geben" könne. In Zeitungsartikeln werden zahl­reiche ähnliche Vorschläge gemacht. Am meisten 23e=' ach tu na gefunden hat ein Vortrag, den der Pa­riser Abgeordnete Louis Roll in in einem be­kannten Debattierklub, dem Club du Faubourg, über dieses Thema gehalten hat. Abgesehen von der vielbeklagten Verdunkelung von Paris ein Schick­sal, das die französische Hauptstadt ja schließlich auch mit vielen anderen Städten in den kriegführenden Ländern teilt ist es besonders ein Punkt, an dem die allgemeine Kritik, auch die Kritik Rollins, vorzugsweise einsetzt: die überstürzte Entfernung wichtiger Amtssitze von Verwaltungen usw. aus Paris. Man hat das schamhaft die .Dezentra­lisation" genannt; die Zensur hat nicht gestattet, von diesen Maßnahmen im einzelnen zu sprechen. Aber jeder, der in Paris gelebt hat, weiß, daß schon anläßlich der Septemberkrise des Jahres 1938 von jeder Zentraloerwaltung, die etwas auf sich hielt, von den Direktionen der großen Banken, der Ver­sicherungsgesellschaften, der Eisenbahngesellschaften usw. fern von Paris, irgendwo im schönen Süd­frankreich oder am Meeresstrand, ein Schloß oder eine sonstige Besitzung gekauft oder gemietet wor­den mar, um im Ernstfall schleunigst dorthin über­siedeln zu können. Diele dieser Generaldirektionen usrn. haben, rnie man aus den jetzt geäußerten Kri­tiken ersehen kann, offenbar von dieser Möglich­keit Gebrauch gemacht. Es ist zmeierlei, was man beanstandet: erstens wird die gesamte Verwaltung höchst unübersichtlich, zweitens aber fehlt Pa r i s die Kaufkraft all dieser Beamten­stäbe, die man in so voreiliger Weiseevakuiert" hat. Es sind zwar viele Menschen seit dem Sep­tember wieder nach Paris zurückgekehrt, aber man kann immer noch schätzen, daß etwa die Hälfte der in Friedenszeiten rund drei Millionen zählen­den Bevölkerung von Groß-Paris ab­wesend ist.

Die Rückführung all dieser Menschen nach Paris glaubt man mit dem bisherigen Unterbleiben deutscher Luftangriffe rechtfertigen zu können; nach außen hin muß man sich natürlich den Anschein geben, daß es die Vervollkommnung der Luftab­wehr sei, aus der man die Berechtigung zu dieser Forderung schöpfe. Besonders der Pariser nationali- sttsche Abgeordnete Fernand- Laurent, der sich in der Zeitung ,/Zour" vorzugsweise mit diesen Fragen beschäftigt, vertritt diesen Standpunkt.

Liegt aber nicht noch etwas ganz anderes, :

treitbarer Form auf die Knie gezwungen werden." Etwas fanftmütiger ist derMaster Balliol" im Spectator", aber auch er will den Deutschen die Wahl einer eigenen Regierungsform nur so lange gestatten, wie diese Regierung keine Bedrohung für ihre Nachbarn bedeutet. Im übrigen läßt er die alte Platte von der Niederlegung der Handelsschran­ken und von der Senkung des deuftchen Rüstungs­standes und von der friedlichen Regelung möglicher Streitfälle auf der Basis der Gleichberechtigung kreisen.

Wie gnädig von dem Herrn! Da loben wir uns doch die offenere Sprache desNineteenth Cen­tury", dessen Herausgeber schlicht und bescheiden er­klärt:Wir kämpfen, damit wir gewisse wesentliche Friedensbedingungendiktieren" können." Die- es Diktat soll, so meint der hochherzige Mann, der tändigen Sicherheit gegen einen deutschen Angriff dienen. Auch die Frage, an welche Bedingun­gen eine solche Sicherheit gebunden sei, wird reundlicherweise gleich beantwortet:Erstens sollen >ie Westmächte ein ständiges bewaffnetes Uebergewicht in Europa haben, zweitens soll der Rhein ihre ständige strategische Grenze fein, und drittens müssen die Alliierten das ständige und dauernde Uebergewicht im Mittelmeer haben." Mussolini braucht aber noch keine Angst zu haben, denn die dritte Be­dingung will der Mann vomNineteenth Century" erst bei späterer Gelegenheit verwirklichen gemäß der alten englischen Devise, daß man feine Feinde hübsch nacheinander umbringen soll.

Es ist also eine Art Super-Versailles, was dieser Brite nicht nur über Deutschland und Italien, son­dern gleich auch über Rußland errichten möchte. Denn außer Oesterreich und der Tschecho- S l 0 w a k ei soll auch das alte Polen wieder erstehen, das, wie unser Zünftiger Diktator ganz richtia sagt,immer unvereinbar mit einem starken Deutschland und einem starken Rußland gewesen ist und bleiben wird". Ader die Sicherheit seiner Er­kenntnisseRußland ist nur stark, weil Deutsch­land stark ist" bewahrt den Engländer doch nicht vor einem fundamentalen Irrtum. Er glaubt näm­lich, daß der gegenwärtige KriegEnglands letzte Chance" sei. Welch eine Verhöhnung der Wahrheit! Seine letzte Chance hat England bereits verspielt, als es das Angebot der deuftchen Freundschaft mit gehässigen Worten abwies. Heute handelt es sich nur noch darum, daß die Engländer überlegen, wie U mit dem Schicksal fertig werden sollen, das w i r

tickt. Weitere feindliche Angriffe sanden auf der Karelischen Landenge statt. Sie hatten den Charakter von Spähtruppuntemehmen und rou*en zurückgeschlagen.

An der übrigen Ostfront weiterhin heftige Kämpfe. Die finnischen Truppen räumten Pitkäranta an der Nordküste des Ladoga-Sees^ Feindliche Artilleriekräfte beschossen L 0 i m 0 l a. Feindlicher Angriff bei T 0 lvajärvi wurde mit tarfen Verlusten für den Feind zurückgeschlagen. Im Gebiet von I l 0 m a n wurden durch über­raschende Angriffe an verschiedenen Stellen drei eindliche Kompanien aufgerieben. Ebenso wurde bei Sumossanmi eine feindliche Kompanie aufgerieben«