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Donnerstag, N- HW959

Nr. W9 Zweites Blatt

Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Wer wird geheiratet?

Mit einem sowohl für den einzelnen wie für die Volksgesamtheit wichtigen Problem, der Gatten­wahl, beschäftigt sich Dr. Paul Danzer vom Reichsbund der Kinderreichen in dem StampfblattVölkischer Wille". Es sei eine leider natürliche" Folge der sittlichen Entwicklung im Zwischenreich, daß der Durchschnitts-Mann wobei der Ton auf demDurchschnitts" liegt diejeni­gen Mädchen bei der Gattenwahl bevorzugte, die es ihm am wenigsten schwer machten. Daß diese Erleichterung" sehr bedauerliche Folgen habe, da­von könne man sich überzeugen, wenn man sein Augenmerk auf diejenigen Mädchen lenke, die Wert darauf legen, daß sich die Männer um sie bemühen, statt umgekehrt. Diese achtbaren Mäd­chen von echt fraulichem Gepräge und einer stolzen Haltung seien es aber, die als deutsche Mütter be­sonders geignet sind, doch bei ihnen sei der Andrang ganz erheblich geringer und die Heiratsfähigkeit lei­der auch. Man brauche nur einmal in die Frauen­berufe hineinzusehen, in denen das mütterliche Wesen am augenfälligsten in Erscheinung tritt, um dies feftzustellen. Es sei kein Ruhmestitel für das männliche Geschlecht, daß es offensichtlich in der Werbung um die Lebensgefährtin immer bequemer geworden sei. Es komme darauf an, daß die wert­vollen Gaben, die gerade in nicht aufdringlichen, sondern stolzen Mädchen unserem Volke gegeben sind, diesem erhalten bleiben. Deshalb sei es an der Zeit, der heiratsfähigen männlichen Jugend allen Ernstes einmal zu sagen, daß sie bei der Gatten­wahl auch ihrem Volke verantwortlich ist. Der leider nicht geringe Bestand an unverheiratet gebliebenen wertvollen Frauen sei ein lebendiges Schuldkonto für die sogenanntenHerren der Schöpfung", em Schuldkonto, das unerbittlich getilgt werden müsse.

Stärkerer Iraueneinsatz fordert vollwertige Mädelausbildung.

Ndz. Auf einer Reichsschulung für die Betriebsjugend walter des Fachamts Banken und Versicherungen" der DAF., sprach die Mädelreferentin des Jugendamtes der DAF., Obergauführerin Erna P r a n z. Da im Zuge des allgemeinen Nachwuchsmangels die Zahl der zum Einsatz kommenden männlichen Arbeitskräfte ständig zurückgeht, würden auchindenBanken und Versicherungsbetrieben zwangsläu­fig wieder mehr Mädel beschäftigt. Für sie mühten aber hinsichtlich der Ausbil­dung die gleichen Grundsätze gelten wie für die männlichen Jugendlichen. Die restlose Durch­setzung dieser Forderung sei zwingende Voraus­setzung dafür, daß die Mädel vollwertige Ar­beit leisten zu können und damit als vollwertige Ar­beitskräfte zu werten sind. Diese keineswegs auf die Bank-Angestellten zu beschränkenden Grundsätze soll­ten insbesondere auch für die Stenotypi­stinnen Anwendung finden. Gerade auch diese Mädel dürften nicht lediglich einzelne Fertigkeiten vermittelt bekommen, wie etwa nur Stenographieren und Maschinenschreiben. Durch Erledigung auch der mit dem ganzen Schriftwechsel zusammenhängenden Ordnungsarbeiten solle der Stenotypistin ein Einblick in den Gesamtbetrieb verschafft werden.

»Sitzenbleiben" darf nicht durch Schul­wechsel umgangen werden.

Das Reichserziehungsministerium übermittelt den Ländern Richtlinien für die Aufnahme von Schü­lern in die höhere Schule. Danach ist bei der An­meldung auch ein Abgangszeugnis der bisherbesuchten Schule vorzulegen. Jedes Abgangszeugnis muß die Bemerkung enthalten, daß der Schüler versetzt worden ist oder das K l a s - senziel nicht erreicht hat. Der Schulwechsel darf keinesfalls zu einer Umgehung der Bestim­mung beitragen, daß ein sitzengebliebener Schüler während eines ganzen Schuljahres den Unterrichtsgang seiner bisherigen Klasse w i e r -

holen muß. Verläßt ein Schüler kurz vor dem Versetzungstermin die Schule und geht mit einem für die Versetzung nicht ausreichenden Zeugnis zu einer anderen höheren Schule über, so darf er nicht in die. nach st höhere Klasse aufsteigen oder übernommen werden. Jeder Schüler, der von einer anderen Schulart zur öffentlichen oder an­erkannten privaten höheren Schule übergehen will.

muß durch eine Prüfung nachweisen, daß sein Wis­sen und Können der Klassen stufe ent­spricht, in die er einzutreten wünscht. Die Prü­fung muß sich auch auf das Gebiet der Leibes­erziehung erstrecken. Die Aufnahme erfolgt nur probeweise auf mindestens ein halbes, längstens ein ganzes Schuljahr.

Der Hinweis - ein Vlilk in die Zeitschriften

Paradies für Lyriker.

Unter dem TitelLand der Lyrik" gibt uns G. H. Neuendorfs im Aprilheft der Zeitschrift.Die Li t e- r a l u r" einen Einblick in die spanisch-ameri­kanische Gegenwartsdichtung. Zu un­serer Ueberraschung entdeckten wir in Mittelame­rika, das wir bisher als Land des Kaffees, der Vul­kane, der Malaria und anderer Dinge kannten, ein Paradies der Lyrik:Die Kunst des Verses ist in Spastisch-Amerika nicht nur, wie es von Japan be­hauptet wird, ein Kennzeichen feiner gesellschaftlicher Bildung, sondern Besitz breiter Volks­schichten. Das beweisen die aus dem Stegreif entstehenden geselligen Lieder, Liebesgeschichte, schnadahüpfelartigen Neckverse und Tanztexte der Bauern, Hirten, Landarbeiter beweist auch eine Anzahl volkstümlicher oder literarisch anspruchs­vollerer Zeitschriften, die so gut wie ausschließlich der Aufnahme lyrischer Erzeugnisse dienen. In der mexikanischen Stadt Oaxaca, die etwa 25 000 Ein­wohner zählt, hat sich kürzlich jemand die Mühe gemacht, Lokalpoesien aus den letzten fünfzig Jah­ren in einem Band von rund 700 Seiten zu ver­einigen. Die stattliche Anzahl von über hundert Autoren in einer mittleren Provinzstadt ist ebenso bemerkenswert wie die Tatsache, daß diese Gedichte gar nicht schlecht sind, wiewohl natürlich öfters die gebildete spanische Sprachefür den Dichter gedichtet und gedacht" haben mag (Florilegio Oaxaqueno, Mexiko). Oder: Ein Mittelamerikaner veröffentlicht vermutlich auf eigene Kosten, was die Regel zu sein scheint eine Sayimlung von hundert Sonet­ten, die als Ehrung von ebenso vielen Freunden und Bekannten des Dichters gedacht ist. Strophen aus dem Handgelenk", die jedem etwas Angeneh­mes sagen, nicht besonders originell ... kein Wun­

der, wenn drei Dutzend anmutige Senjoritas aus San Jose und ein Schock Aerzte und Diplomaten, Kaufleute und Handwerker in gehobenem Stil an­gedichtet werden sollen! ... aber liebenswürdig, voll­tönend und beachtlich sicher in der Form."

Goethe und Schiller auf den deutschen Bühnen.

In der Viermonatsschrift der Goethe-Gesellschaft G o e t h e" veröffentlichte Hans Knudsen eineSta­tistik der Goethe- und Schiller-Aufführungen für die Spielzeit 1937/38", die über die Rolle der beiden großen Dichter im Spielplan aller deutschen Büh­nen einschließlich der österreichischen Aufschluß gibt und zusammenfassend einen Ueberblirf über die Auf­führungen von Werken der beiden Klassiker über­haupt gibt. Von Goethes Werken steht Faust I." mit 171 Aufführungen an der Spitze (im Vorjahr waren es allerdings 260), es folgen dannGötz von Berlichingen" mit 121 und Egmont" mit 99 Aufführungen. In weiterem Ab­stand reiht sich anClavigo" (44),Iphigenie" (43), Bürgergeneral" (36),Stella" (23) undGeschwi­ster" (22). DerTasso" wurde nur neunmal gespielt. Im ganzen war im Berichtsjahr eine starke" Zu­nahme der Goethe-Inszenierungen zu beobachten, nämlich 144 Aufführungen mehr als im Vorjahr. Schillers Dramen erscheinen 973mal im Spielplan. Das weitaus am häufigsten aufgeführte Stück istWilhelm Tel l" mit 240 Ausführun­gen. Es folgenKabale und Liebe" (122),Don Carlos" (112),Maria Stuart" (110),Wallen­stein", und zwar der ganze Wallenstein (93),Die Räuber" (85),Jungfrau von Orleans" (75),Tu- randot" (53),Fiesco" (21),Braut von Mes­sina" (5).

Aus aller Well.

Ehrenmal für den Sanitätsdienst im Weltkrieg.

Arn 21. Mai wird im Reichsehrenmal Tannenberg das Ehrenmal für den Sanitätsdienst im Weltkriege eingeweiht: es wird an den heldenmütigen Einsatz des Sanitätspersonals, der Acrzte und Schwestern erinnern, die unter dem Zeichen des Roten Kreuzes ihr Leben ließen. Von den im Heeres-Sanitätsdienst und in der Kranken­pflege unter diesem Zeichen tätig gewesenen Aerz- ten, Sanitätsdienstgraden, Krankenträgern und -Schwestern blieben viele Tausende auf dem Felde der Ehre. Träger der Veranstaltung ist das Deutsche Rote Kreuz. Die Weiherede hält der geschäftsfüh­rende Präsident des Deutschen Roten Kreuzes, W- Briaadeführer Dr. Grawi tz. Die Kriegsschwestern, DRK.-Schwestern und Schwestern anderer Organi­sationen, die im Weltkriege unter dem Roten Kreuz eingesetzt waren, Sanitätssoldaten und Kranken­träger werden der Feier beiwohnen. Anmeldungen bis zum 14. Mai an das Deutsche-Rote-Kreuz-Prä- si'dium, Berlin W 35, Hansemannstraße 10.

Bremen bereitet den Ersten Internationalen Tabak­kongreh vor.

Die Vorarbeiten zum Ersten Internationalen Tabakkongreß, der auf Grund gemeinsamer Be­schlüsse der Centre International du Tabac zu Rom und der Internationalen Tabakwissenschaftlichen Ge­sellschaft zu Bremen vom 25. bis 30. September 1939 im Deutschen Reiche durchgeführt werden soll, sind nun zum Abschluß gekommen. Die beiden Or-

ganisationen haben die Hansestadt Bremen zum Kongreßort gewählt. Entsprech"nd der bisherigen organisatorischen Aufteilung der Arbeitsgebiete wer­den auch auf dem Ersten Internationalen Tabak- kongreß alle landwirtschaftliche nFragen des Tabaks in Sektionen behandelt, die von der Zentralstelle für Tabak in Rom bereits einberufen find. Die sich aus dem Tabakhandel, seiner Industrie und seiner Finanzwirtschaft ergebenden Fragen wurden der Internationalen Tabakwissenschaftlichen Gesellschaft zu Bremen zur Vorbereitung und Durchführung zugewiesen.. Daher umfaßt der Kongreß sechs Sektionen, die sich mit dem Tabakanbau, der Tabakzüchtung, der Botanik, den Krankheiten und Schädlingen des Tabaks, der Aufbereitung und der Agrarchemie des Tabaks und den landwirtschaftlichen Problemen beschäftigen wer­den, sowie weitere fünf permanente Sektionen für Tabakhistorie, für Chemie und Hygiene, für die Technik der Tabakaufbereitung, für Wirtschafts­wissenschaft und für Finanzwissenschaft.

Der Giftmordskandal von Philadelphia.

Die Mordaffäre von Philadelphia wird im­mer ungeheuerlicher. Die Untersuchung hat jetzt ergeben, daß man es mit zwei Mordbanden zu tun hat, die wenigstens 200 V ersi ch erun gs» morde in den letzten 10 Jahren verübt haben. Die Zahl der Opfer ist also doppelt so groß, als man bisher annahm. Die eine Bande vergiftete ihre 'Opfer mit Arsenik und hat auch einige ertränkt.

AlsHonorar" erhielten die meist jüdischen Ban­diten einen gewissen Prozentsatz der Versicherungs­summe. Die zweite Bande benutzte andere Giftmit­tel und verlangte eine bestimmteMordgebühr". Die Banditen mordeten auch oft noch die Verwand­ten des versicherten Opfers, um in den Besitz der gesamten Versicherungssumme zu gelangen oder das Geheimnis zu wahren. Die Zahl der Verhafteten ist auf 24 gestiegen, darunter befinden sich 12 Wit­wen, die mit Hilfe dieser Banden ihre versicherten Ehemänner durch Gift beseitigen ließen. Die Behör­den verhörten jetzt eine Anzahl Leichenbestatter. Zahlreiche Ausgrabungen mutmaßlicher Opfer wur­den auf den Friedhöfen von Philadelphia angeord­net. Auch auf Friedhöfen in New Jersey und ande­ren Oststaaten werden entsprechende Nachforschun­gen eingeleitet, da man auch hier ähnliche Mord­fälle vermutet.

Dreister Raubüberfall in Brüssel. 750 000 Franken erbeutet.

Ein Raubüberfall von seltener Frechheit wurde im Zentrum Brüssels, vor dem Portal der Nationalbank, ausgeführt. Ein Kassierer der Ant­werpener Kreditanstalt wurde dort von einem Un­bekannten durch einen Schlag auf den Kopf nieder- gestreckt. Der Räuber entriß dem Kassierer eine Aktentasche mit einem Inhalt von 7 75 000 ganten und raste in einem in der Nähe par­kenden eleganten Kraftwagen davon. Der Ueberfall wickelte sich so schnell ab, daß die Passanten nicht eingreifen konnten. Die Polizei hat die Ermitt­lungen sofort aufgenommen.

Ein kostspieliger Blitzschlag.

In Triest schlug ein Blitz in eine elektrische Um­formerstation. Dadurch geriet ein großer Trans­formator in Brand und explodierte. Der Schaden beläuft sich auf rund 750 000 Lire.

Das Hindenburg-Denkmal auf dem Kyffhäuser.

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Auf dem Kyffhäuser wurde wie wir schon be­richteten ein Denkmal des Generalfeldmarschalls von Hindenburg durch den NS.-Reichskriegerbund eingeweiht. Hier legt General der Infanterie Rein­hard einen Kranz des NS.-Reichskriegerbundes nieder. Im Vordergrund der Kranz des Führers. Das Standbild aus grünem bayerischen Porphyr ist ein Werk des Bildhauers Professor Hermann H o - s a e u s. (Scherl-Bilderdienst-M.)

^Ib-Biber.

Von Karl Scherer.

Der Prozeß des Werdens und Vergehens, dem die gesamte Schöpfung unterliegt, kommt auch im Tier­reich nicht zum Stillstand, vollzieht sich aber in Zeiträumen, die der Mensch nicht übersieht. Um die Mite des letzten Jahrhunderts kannte man etwa 74 000 Tierarten, um die Jahrhundertwende hatte ihre Zahl die 300 000 bereits überschritten. Diesem gewaltigen Zuwachs stehen mehr als 100 000 Arten aller Klassen gegenüber, die entweder völlig aus- gestorben oder nur in geringer Zahl noch vorhanden sind. Zu diesen Todgeweihten rechnet der Biber der Alten Welt.

lieber den Auwäldern der Elbe südlich der alten Bischofsstadt Magdeburg blaut wolkenlos ein frischer Herbsttag. Diese Forsten, noch heute ein von starken Rot- und Damwildrudeln bevölkertes Wildparadies seltener Art, haben in - Deutschland nicht ihresglei­chen. Herrliche Laubwälder, deren alte Elchen und Ahorne ihre breitästigen Kronen über kräftig trei­bende Eschen und Rüstern recken, wechseln mit wei­ten frischgrünen Wiesenflächen. Dazwischen dehnen sich jumpfige Strecken; denn der mächtige Strom, heute durch Dämme und Deiche zu geregeltem Lauf gebändigt, verließ, wie der Rhein, noch in geschicht­licher Zeit wiederholt sein ursprüngliches Bett, teilte sich in Arme und Rinnen, die sich zwar wieder ver­einigten, aber Sümpfe und wasserreiche Niederun­gen hinterließen, aus denen eine üppige Pflanzen­welt aufschoß: Teichrosen bedecken den Wasserspiegel, Erlen und Weiden. Moobirken und Schilfrohr säu­men die Ufer, und dazwischen wuchern Nachtschatten und Korallenkirsche mit gelben Blüten und scharlach­roten Früchten. Diese Baum- und Pflanzendickungen sind das Dorado und Vorbehaltsgebiet der letzten Nachkommen des deutschen Bibergeschlechts.

Der Herbst hat nach wochenlangen Regengüssen schwere Ueberschwemmungen gebracht. Von Rlesen- qebirqe und Böhmerwald drängen Wassermassen das Elbtal entlang und überfluten die Niederungen des mittleren Stromlaufs. Das Hochwild hat stch vor den wachsenden Fluten in die angrenzenden Heide­wälder gezogen, Rehe stehen auf den künstlich ange­legten Rettungshügeln umher, wo die bet der ersten Meldung über das drohende Hochwasser gefüllten Raufen chnen das Leben fristen. Soweit der Blick reicht, breitet sich die Ueberflutung aus, in den tie­feren Lagen umspült das Wasser meterhoch die Bäume, das Strombett der Elbe ist nicht mehr er­kennbar.

Aus den flutenden Gewässern ragt ein hoher, von den fleißigen Bibern in guter Zeit zusammengetra­gener Reisighaufen heraus, dessen festes Gefüge dem Andrang der Wellen widersteht. Auf der Oberfläche hockt ein alter Biber und schält mit den zollangen messerscharfen Schneidezähnen die Rinde eines Wei­denzweiges ab ein kräftiger, plumper Geselle. Der fast meterlange, in einen abgeplatteten schuppi­gen Schweif, dieKelle", endende Rumpf, tragt einen breiten dicken Kopf mit stumpfer Schnauze und starken Kiefern. Schwimmhäute zwischen den fünf Zehen der Hinterläufe machen ihn zum ge­wandten, sicheren Schwimmer. Zarte Rinde ist neben den Wurzelstöcken und Schläuchen der Wasserpflan­zen seine bevorzugte Aesung, und da jene nur an den Zweigenden und Reisigspitzen zu finden ist, schneidet er dicke Laubbäume an, bringt sie durch wochenlanges Nagen in kreisrundem Schnitt die Schnittstelle gleicht schließlich den Trichtern einer Sanduhr zu Fall, und die Krone des m müh­seliger Arbeitgefällten" Stammes liefert ihm Nah­rung auf Monate hinaus. Dadurch wird er der Forstwirtschaft schädlich, doch in seinem Reservat­gebiet der Eibauenwälder ist ihm alles erlaubt.

Jetzt läßt sichBlockert" klatschend ins Wasser fallen, schwimmt dem buschigen Weidengestrüpp des Ufers zu und verschwindet in seinem Bau. Diese Bauten der Biber liebt die Gesellschaft anderer Artgenossen und lebt mit ihnen in volkreichen An­siedlungen sind oft von gewaltigem Umfang und jahrhundertelanger Dauer, sogenannteBiberstädte . Ein Zugang der mit Reisig und abgenagten Zwei­gen überdecktenHütte" unter der natürlichen Ra­sendecke mündet nicht selten über dem Wasserspiegel; immer aber findet sich dann eine zweite Röhre, die unter der Wasserfläche ausläuft und so tief hegt, daß sie auch bei sinkendem Wasserstand unsichtbar bleibt. Doch nach langer Dürre im Hochsommer fällt der Strom bisweilen so stark, daß auch der Not- ausgang bloßgelegt wird; dann zeigt sich der Biber in seiner ganzen Klugheit: er baut ein Stauwehr in Gestalt eines Dammes, um den Wasserstand |o zu regeln, daß die Notröhre wieder überspült wird. Bei breiten Stromläufen ist ein solcher Dammbau nicht möglich, darum siedelt der Biber gern an den bewaldeten Mündungen der Nebenflüsse und m Seitenarmen. Zunächst werden unterhalb der Hütte hohe Bäume so angeschnitten, daß sie beim Fall in das Wasser stürzen, sie bilden die Grundmauer. Nun schleppt die ganze Sippe nächtlicherweile Reisig und Rohrftengel, Rasenstücke und Steine, Schling­pflanzen und Wurzelstöcke schwimmend herzu und verdichtet damit das Wehr so wirksam, daß die Strömung gestaut und gegen die Ansiedlung abge­

drängt wird. Bald liegt die Röhre von neuem unter Wasser der Zweck des mühseligen Werks ist erreicht...

Sternklare Winternächte. Am Buschwerk des Ufers hängen Eiszapfen, wachsen über Nacht und greifen mit langen Armen nach der Strommitte; bald treiben die ersten Schollen zu Tal, die ein klirrender Frosttag zum Stehen bringt. Dann leidet der Biber Not. Die als Wintervorräte aufgestapelten Weidenruten und Espenbüsche vereisen, den Zu­gang zum Wasser sperrt die fußdicke Eisdecke, die Röhre friert zu. In der Hütte liegt die Sippe dicht­gedrängt zusammen, aber mit dem Winterschlaf ist es bei leerem Magen auch nichts. Dann bohrt der Biber nicht selten durch die Kuppel des Baus ein Loch und wandert, Nahrung suchend, weit umher.

Doch die Eisdecke des Stromes bricht. Die früh treibenden Weiden ergrünen, schon schwellen an Busch und Baum die Blattknospen, und der junge Schuß des Uferröhrichts liefert Nahrung. Bald nimmt der Holzfäller feine Arbeit wieder auf...

Das Wunder

der altchinesischen Apotheke.

Die Heilmittelkunst Chinas blickt auf eine viel- tausendjährige Geschichte zurück, die für den For­scher noch viele Überraschungen bietet. Besonders sind die alten chinesischen Apotheken eine wahre Fundgrube für den Kenner. Sie enthüllen eine Welt, die um viele Jahrhunderte zurückliegt und uns in die Zeit versetzt, da auch bei uns die Apo­theken noch geheimnisvolle Wunder bargen. Der Besucher einer solchen alten Apotheke kommt durch das prächtig eingerichtete Empfangs- und Bera­tungszimmer nach dem Laboratorium, in dem unter anderem auch der Friseur seines Amtes waltet. In den verschlossenen Hinterzimmern befinden sich die Kostbarkeiten an Arzneimitteln, die nur für die oberen Zehntausend in Betracht kommen, so das Spitzhorn einer Büffelart aus Siam, das gegen Fie­ber wirksam sein soll, ein Kasten mit Moschusbeu­teln, ein anderer mit Ambra, Sandelholz, eßbare Schwalbennester und Ginsengwurzeln, denen man Menschengestalt gegeben hat, und die mit Gold auf- aewogen werden. Außerdem finden sich hier Pulver aus den Knochen von Tigern und Löwen sowie aus diesen Knochen bereitete Gelatine, die großen Ab­satz findet. Ganze Hirsche und Rehe werden zu Pillen verarbeitet. In einem neben der Apotheke liegenden Hoftaum werden mehrere prachtvolle große Hirsche gehalten, jeder in einem besonderen

Verschlage. Diese schönen und stolzen Tiere werden mit Maulbeerlaub gefüttert und später zu einem Arzneimittel verarbeitet, bas noch einige vegetabi­lische Zusätze enthält und als kräftiges Tonikum in Ansehen steht. Bis auf die Haare werden die gan­zen Tiere hierzu verwendet. Sie dürfen nicht ge­schlachtet werden, damit kein Blut verloren geht, sondern werden durch Aufhängen getötet. Die Fleischteile und die inneren Organe werden gekocht, getrocknet, zerstückelt und endlich nach völligem Aus­trocknen zu Pulver verarbeitet. Diesem gibt man die vegetabilischen Pulver und Honig hinzu und formt Pillen daraus. Alle Arbeiten werden in ganz pri­mitiver Form ausgeführt.

Hochschulnachrichten.

Es sind berufen worden: der ordentliche Pro­fessor Dr. Erwin Aichinger in Freiburg i. Br. (Forstschutz und Forstbenutzung) an die Hoch­schule für Bodenkultur in Wien, der ordentliche Professor Dr. Hans Barion in München (Kir­chenrecht; Kath.-Theol.) an die Universität Bonn, der ordentliche Professor Dr. Kleophas P l e y e r in Königsberg (mittlere und neuere Geschichte), an die Universität Innsbruck, der ordentliche Professor Dr. Werner Schmeidler in Breslau (Mathematik) an die Technische Hochschule in Ber­lin.

Es ist übertragen worden: dem an. Professor Dr. Martin Lohmann in Kiel unter Ernen­nung 3um ordentlichen Professor an der Universität Freiburg i. Br. der Lehrstuhl für Betriebswirt- schaftslehre, dem ao.Professor Dr.Rudolf (Strei­te r in Leipzig an der Universität Halle der Lehrstuhl für wirtschaftliche Staatswissenschaften, dem nb. ao. Professor Wilhelm Tiedje an der Technischen Hochschule Stuttgart der Lehrstuhl für Entwerfen (Werklehre und technische Dar­stellung).

Von den amtlichen Verpflichtungen sind entbunden worden: der ordentlich- Professor an der Technischen Hochschule Wien Dr. techn. Emil 21 r t m a n n (Hochbau), der ordentliche Professor an der Tech­nischen Hochschule Berlin Dr. Christian von Hofe (Technische Optik), der ordentliche Professor an der Technischen Hochschule Wien Dr. Franz Jung (Mechanik) und der ordentliche Professor an der Technischen Hochschule G r a z Dr. e. h. Robert T h o . mann (Maschinenbau) wegen Erreichens der Al­tersgrenze.