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Wandern und Reisen Bäder und Sommerfrischen

Armsen!

Mr reifen

Stadt und Land-

Geschichten aus aller Welt

AUSKUNFT DURCH DLEKllRVBRWAttüNQ

noch einmal die Schönheit von schäft zu genießen.

Flensungerhof

Christlich.Erholunssbeim Post und Station Mücke in Oberhessen. Werbeschrift auf Verlang.

FriedelhausenZalzbödelalReimershausen SauwasenWaldhausGleibachtalSeemühle.

Wir fahren nach der Station Friedelhausen, über­schreiten die Lahn sowie das am Berghang ange­lehnte Odenhausen und gelangen bald darauf in das anmutige, von bewaldeten Höhen umsäumte Salzbödetal mit dem gleichnamigen Orte. Nach einiger Zeit erreichen wir die reizvoll gelegene Schmelz (Sommerwirtschaft). Hier treffen wir schwarze Kreuze, denen wir am Ufer der Salzböde entlang bis zur Steinfurthsmühle folgen. Wir ver­lassen jetzt die Zeichen, gehen auf die andere Seite des Tales, halten uns links, steigen aufwärts nach dem hochliegenden Reimershausen, wo wir in das breite Derst'al kommen. Wir benutzen jetzt die Land­straße bis kurz vor Kirchvers, wo wir -tiet der Kreuzmühle in den Wald einbiegen, um bald darauf an das im Sauwasen idyllisch gelegene Kirchverser Schwimmbad zu gelaügen. Hier stoßen wir auf gelbe Punkte, die nunmehr unser Wegzeichen bilden. Wir steigen wieder aufwärts, genießen auf der Höhe vom Waldrand einen prächtigen Blick über das Berstal bis zu den Gladenbacher Bergen, gehen durch den sogenannten Buchenbühl, kommen am Forsthaus Waldhaus vorbei, gelangen später in das liebliche Gleibachtal und an den Hängen des Wetter­bergs her bis zur Seemühle, wo das Zeichen sein

müßten Spielleute um den Brunnen sich scharen, um ein Minnelied zu singen; als müßten sich laut­los die Fenster an den Erkern öffnen, durch die in Sang und Abend blondgezöpfte Mädchen lauschten." Man wandert auf schönen Waldwegen dahin. Wo gibt es schönere Wälder! Wo sind Stadt und Land so innig verschwistert! Es wird Abend. Wir kehren zur Stadt zurück und stehen unversehens vor Mil­tenbergs berühmtesten Haus, der mittelalterlichen Fürstenherberge, dem ältesten Gasthause Deutsch­lands, demRiesen". Barbarossa war hier zu Gast und Ludwig der Bayer, Martin Luther, Gustav Adolf und Kaiser Karl VI. Uns ist, als ob in mythischer Urzeit jene Riesen hier beim Franken­wein zu Gast gewesen wären, die aus den gewal­tigen Miltenberger Steinbrüchen die Heunensäulen gebrochen hätten. So ist uns dieser Gasthof nicht nur ein historisches, sondern auch ein mythisches Haus: ein Haus der Sage.

Der Main lockt. Wir besteigen ein Boot und rudern hinaus in die Fluten, um vom Wasser aus

Erholung

und gute

Verpflegung finden Sie nicht nur in der fterne, sondern auch in den Som­merfrischen u.Gaststätten der Heimat

Sommersahtt nach Miltenberg.

Von Emil Baader.

Unvergeßlich: diese Sommerfahrt von Buchen im Odenwald nach Miltenberg am Main. Wie schön: der Blick von der Landstraße durch den hohen Laub- wald in das malerische Tal der Morre.

Das erste Dorf taucht auf, das Dorf mit dem Götzenturm: Hettiaenbeuren. Ein Odenwaldbauer steht mähend in seiner Wiese. Berge stehen um mich, erhaben und groß. Kurze Rast in Amor- bach, der Residenz des Fürsten von Lemmgen, der alten Klosterstadt des Odenwaldes. In Wellbach wo die Ahnen der Odenwälder Komponisten Josef Martin Kraus GastwirteZum Goldenen Hirsch, waren Rast auf der Mudbrücke.

Nun sind wir im weiten sommerlichen Mmntai. Stehen vor den Toren Miltenbergs, lieber die Mud­brücke schreiten wir zur Stadt. Die Stadt beginnt, die eine einzige Straße ist zwischen Wald und Wasser, zwischen Berg und Strom, zwischen roten Felsen und blauen Wogen. Als Ueberreft der alten Stadtwehr steht ein wehrhafter Stadtturm, der Spitze Turm im Westen der Stadt. Er wurde, rote das Würzburger Tor, am Ostende der Stadt, um 1400 erbaut, aus leuchtend rotem Sandstein.

Das Rot des Miltenberger Sandsteins gibt dem Bild von Stadt und Landschaft ein besonderes Gepräge. Rote zyklopische Felsen, darüber Buchen­wälder, von Raben überflogen: das ist Miltenberg. Nirgends begegnet man so phantastischen Jj^lien- weiten. Diese Felsen stehen da wie von Gottern und Riesen aufgetürmt. Aus solchen Felsen konnten Säulen von der Art geschaffen roerben, wie sie als Heunensäulen unweit Miltenbergs im Walde lagern. Niemand weiß, wer diese Säulen aus dem Felsen gehauen hat. Die Dolkssage spricht von Riesen.

Bevor wir die Stadt betreten, lasset uns atmen den Duft des Mains. Wir treten an den Strom, der gelassen vorbeiflutet an der Stadt. Schlepper stehen am jenseitigen Ufer. Die Türme der Stadt­kirche spiegeln sich am Ufer. Die Mainbrucke spannt

Staubfreie, sonnige Lage Laub­und Nadelwälder Höhenluft Zentralheizung Liegehalle.

Tagespreis RM. 3.00 bis RM. 3.50 und 10°/o Bediemmgsgeld. asosD

Wanderfahrten

also Mr. Dunne keinen Finger rührte, sei doch er der intellektuelle Anwender der Notbremse gewesen und müsse dafür die 20 Schilling blechen.

Ein Analphabet wird entschädigt.

Ndz. Oslo.

In Norwegen ist jetzt ein interessanter Rechts­treit zu Ende geführt worden, bei dem es sich um Schadenersatz für unverschuldetes Analphabetentum drehte. Der Kläger, der als Sieger aus dem Prozeß heroorging, ist ein junger Mann, der trotz der in Norwegen bestehenden Schulpflicht keinen Unterricht genossen hat. Als Waisenknabe wurde er von einem Landwirt in Hurum erzogen und beschäftigt. Der Pflegevater schickte den Jungen nicht zur Schule und die Gemeindeverwaltung der Stadt versäumte es, den Schulbesuch zu erzwingen. Das Gericht hat auf die Klage des jetzt mündig gewordenen Anal­phabeten den Pflegevater und die Gemeinde für ersatzpflichtig erklärt. Die Gemeindeverwaltung hat als ihren Anteil bereits 5000 Kronen an den Klä- ger gezahlt mit der Auflage, daß mit diesem Geld die fehlende Schulbildung wenigstens einigermaßen nachgeholt roirb.

Leider 40 Jahre zu spät.

Ndz. Stockholm.

Von Gerhard Schate.

Die Koffer stehen da, geöffnet, gereinigt, die halb- zerfetzten Etiketten und Hotelschilder haben wir mit < einem feuchten Lappen entfernt, die Nickelbeschläge - geputzt, das Leder blank gerieben. Ihre Bäuche 1 stehen weit offen und bereit, aufzunehmen, was wir ! an Nützlichem und Unnützem.hineintun wollen.

Fahrpläne, Reiseführer und Broschüren lagen : wochenlang in der Wohnung herum, auf dem ! Büfett, im Nachtkasten, zwischen den Fugen der 1 Sessel, sogar im Schwammkorb der Badewanne. Wir haben berechnet, überlegt und ausgeklügelt, haben Programme und Reisezeiten feftgelegt und i noch einmal feftgelegt, verworfen und wieder ver- ] roorfen und von Zeit zu Zeit heimlich das Geld ! gezählt. ;

Die letzten Einkäufe haben wir hinter uns, tn den Papier- und Kartonhüllen häufen sich auf dem Boden und auf den Stühlen Seife, Zigaretten, Zahnpasta, der neue Badeanzug, Schnürsenkel, Kra­watten und Strümpfe.

Wir fieberrt. Unruhe hat uns gepackt, wir reisen, wir reisen!

Der Fahrplan wird durchblättert, noch einmal werden Abfahrts- und Umsteigezeiten geprüft. Auf den Karten und Bilderprospekten halten wir eine Vorschau ab haben mir genug Filmpacks, nehmen wir beide Photoapparate mit oder nur den kleinen?

Schön, so zu sitzen, bis in die tiefe Nacht, und zu träumen und zu phantasieren, was einen nun erwartet, was man machen könnte. Alles, was in den nächsten Tagen und Wochen kommt, ist wie ein lockendes Abenteuer. Erst in zwei lagen... nein, schon in einundvierzig Stunden geht der Zug, man möchte sich jetzt gleich in den Strudel der Sommer- Sehnsüchte stürzen.

Jetzt kann man das Glück haben, in Interlaken den berühmten Apfelstrudel oder in Karlsbad Palat­schinken zu essen, vielleicht findet man diesmal ein kleines Kaffeehaus, wie man sich's feit Jahren träumt: Kaffee, Kaffee, nichts als Kaffee, dazu viele Zeitschriften und Berge von Zeitungen! Und dies­mal muß es werden, daß man in einer Hafenstadt, dort, wo es am Finstersten und Unheimlichsten ist, herumsteigt, daß uns eine Gänsehaut angesichts der eigenen Tollkühnheit überläuft. Den herrlichen Chiemsee sehen, diesmal, diesmal muß es werden! Alles muß diesmal Erfüllung werden, jeder Traum, jede Hoffnung, jede Vorstellung. Von Landschaften und Meeresanblicken überwältigt werden, und dann Nächte voller Süße, lauen Winden, blaffen Stern- fchnuppen und weichem, gelben Mond...

Wir reifen, wir reifen, und mir find fo bereit, uns betören, uns verzaubern zu lassen. In Tirol einen Terlaner trinken tagelang einsam wandern, im Salzkammergut oder im Schwarzwald wie wird es sein, werden wir Unangenehmes erleben, werden sie nett zu uns sein? Wird man uns nicht enttäuschen? O, es wich alles fo schon fein, zwölf Stunden auf der Bahn, sechs auf dem Dampfer vielleicht ist es noch ein alter Dreimastschoner? Seligkeit, auf Unmögliches zu hoffen? Wie sieht es anderswo aus, was werden sie für komische Zettel auf die Koffer kleben, werden mir interessante Dinge photographieren können? Der Paß ist ganz neu, er riecht noch nach amtlicher Stempelfarbe; das Bild­chen darin hat Lisa voriges Jahr geknipst ach, Lisa was wird sie jetzt machen? Sie schrieb zuletzt vom Balkan, auf der Karte war eine grelle Briefmarke, richtig, Karten müssen wir unterwegs schreiben, vielleicht aus Amerika (nicht drüben, jen­seits des großen Teiches, sondern aus dem gleich­namigen Städtchen in Sachsen) oder aus Buxte­hude, damit Großvater endlich glaubt, daß es diesen Ort gibt. _ v

Man schmeckt und fühlt schon das Flmdum an­derer Menschen, die Atmosphäre uns neuer Land- striche. Es gibt da etwas Unfaßbares, das Grenzen­lose, das wir greifen und liebkosen möchten, es ist alles nur das Entzücktsein vom Gedanken, von der Lust des Gefühls: wir reifen, wir reifen!

Es ist ein Rausch, ein leiser, süßer Kitzel, man glaubt endlich, sich leben zu fühlen. Reisen... zu­rückdenken, wie es früher manchmal war, vor sieben Jahren, als man in Rom, angesichts der Peters- kirche, feststellen mußte, daß man die Brieftasche verloren hatte. Aber vor drei Jahren, in Ostpreußen, in den uralten Märchenwäldern und dem Gewimmel der zahllosen kleinen Seen war das schön, war das herrlich! Ganz erwartungsvoll sind mir, hingebungsvoll, bereit zu allem, wirklich zu allem bereit, denn wir sind so glücklich... wir reisen... wir reisen!

sich über den Strom. Durch die Stadt wandernd, schaut man durch schmale Gäßchen immer wieder den Strom, der das Tal geformt. Und das Grün der Buchenwälder liegt von der anderen Seite in der Stadt.

O, diese köstliche Miltenberger Hauptstraße! Die WirtshausschilderZum Schiff",Zur Rose" hängen in die Gasse hinein; Marienbilder, mit Blumen geschmückt, stehen an den Häusern; Nelken hängen von Blumenbrettern, Fachwerkhaus steht neben Fachwerkhaus, eines schöner als das andere, erker- aeschmückt, an Schnitzereien so reich. Alte Adelshöfe stehen zwischen den Bürgerhäusern; so der alte Rüdtsche Hof, seit 1720 kurmainzisches Oberamt vor dieser Zeit hatten die kurmainzischen Burg­grafen in der alten Mildenburg hoch über der Stadt ihren Sitz, seit 1849 bayerisches Bezirksamt. Auch der Pfarrhof am Schnatterloch, in welchem zuvor die Mainzer Amtskeller wohnten, war vor 1625 ein Adelshof.

Nun stehen wir im Herzen Miltenbergs: an einem der schönsten Plätze Deutschlands, am Miltenberger Marktplatz, mit dem Schnatterloch. Es fallen mir Sätze eines fränkischen Dichters ein. ,Hst's nicht, als

Ende findet. Don hier benutzen wir das Postauto zur Heimfahrt. Wanderzeit 5 Stunden.

GießenMeseck hangelsleinDaubringer Pah StaufenbergCoUar.

Auf bekannten Wegen wandern wir nach unserem Vorort Wieseck, das wir durchschreiten, um vom Friedhof ab roten Keilen zu folgen. Diese führen uns ein großes Stück über freies Gelände zum bewaldeten Hangelstein. Wo das Zeichen nach links abbiegt, verlassen wir dieses, gehen geradeaus und kommen nach einiger Zeit zum Daubringer Paß, wo sich uns schöne Ausblicke, nach rechts in das Busecker Tal, nach links in das Lumdatal mit dem Toten­berg, erschließen. Der Straße, die über den Paß führt, nach links folgend, kommen wir durch das sich an den Wald anschmiegende Daubringen hinauf nach dem auf hohem Basaltkegel gelegenen, von zwei Burgen bekrönten Städtchen Staufenberg. In einem Saale der unteren Burg, die bewirtschaftet ist, hängen an den Wänden noch allerlei Waffen aus früheren Zeiten. Von dem Turm der oberen Ruine, die mit schönen Gartenanlagen umgeben ist, bietet sich eine ungemein reizvolle Rundsicht. Nach genügender Erholung steigen wir auf aussichtsreicher Straße hinab nach Lollar, von wo wir heirnfahren. Marschzeit 4 Stunden.

durchlöchert war; augenscheinlich hatten ihn die an­deren beiden Verbrecher ermordet, um die Deute nur in zwei Teile teilen zu müssen.

In diesen Tagen hat nun eine geologische Expe­dition, die Forschungen in den Bergen von Colo­rado anstellt, das Rätsel gelöst. Die Gelehrten ver­folgten den Lauf eines unterirdischen Flusses, und hab ei gelangten sie an eine Höhle, in der sie in ge­ringer Entfernung voneinander zwei Skelette san­den. Es war möglich festzustellen, daß es sich um die beiden Banditen handelte, die vor 38 Jahren den Ueberfall ausgeführt hatten; denn man fand bei ihnen noch die Uhren, in die die Namen der Besitzer eingraviert waren. Die Umstände ließen erkennen, daß der eine der beiben Räuber von dem anderen durch einen Revolverschuß getötet war, aber auch der letzte Ueberlebende hatte die Frucht seiner Verbrechen nicht genießen können, sondern war der Kälte und dem Hunger erlegen. Dis jetzt ist es noch nicht möglich gewesen, die große Menge Goldes wie- derzufinden, die von den drei Barchiten erbeutet worden war, aber man glaubt, daß das Gold in der Höhle versteckt worden fit, und die Nachforschungen werden fortgesetzt.

Die Notbremse und die Schweiegrmutter.

Ndz. London.

Es gibt im Strafrecht den Tatbestand derintel­lektuellen" Urkundenfälschung, die dadurch entsteht, daß der Schuldige falsche Angaben machte, die dann von einem Beamten gutgläubig in eine Urkunde eingetragen wurden. Der Tatbestand desint eilet- tueUen" Notbremsezeichens ist aber eine neue Er­findung, die jetzt ein Londoner Richter gemacht hat. Er verurteilte oeswegen den Mr. L. R. Dunne aus Wales zur Zahlung von 20 Schilling. Der Verur­teilte hatte auf der Heimfahrt von einem Besuch bei seiner Schwiegermutter seine schlechten Erfah­rungen bei diesem Besuch den Fahrtgenossen im Eisenbahnabteil mitgeteilt und im Anschluß daran schlimme Worte über Schwiegermütter im allge­meinen gesagt. Die Fahrtgenossen protestierten er­regt, denn es waren zum größten Teil selbst Schwie­germütter. Mr. Dunne aber ließ sich nicht beschwich­tigen und verschärste seine Verwünschungen der Schwiegermütter so sehr, daß eine der gekränkten Damen erklärte, sie halte es nicht mehr aus und werde das Abteil verlassen. Das war während der Fahrt nicht möglich. Kurz entschlossen zog nun die Verteidigerin der Schroiegermutter-Ehre die Not­bremse. Das kostet 20 Schilling, wenn es nicht zur Abwendung von Gefahr für Leib und Leben ge­schieht. Die Dame zahlte nicht, sondern verlangte gerichtliche Entscheidung. Diese ist nun im Sinne ihrer Rechtsauffassung ergangen. Der Richter war mit ihr der Meinung, daß man einer Schwieger­mutter nicht zumuten könne, wehrlos fortgesetzte Kränkungen der Schwiegermütter anzuhören. Wenn trotz chres Protestes Mr. Dunne damit nicht auf­hörte, so habe sie sich in einem durch ihn verschul­deten Notstand befunden, aus dem sie sich nur durch das Ziehen der Notbremse befreien konnte. Obgleich

Die Lache mit den falschen Zähnen.

Ndz. Sydney.

In Sydney wird augenblicklich viel über das Abenteuer eines alten Soldaten gelacht, der bei einer Wiedersehensfeier feines Bataillons beträchtlich zu tief ins Glas geguckt hatte. Als er in später Stunde mit der Taxe an seinem Haus ankam, teilte er fest, daß er keinen Pfennig Geld mehr bei ich hatte. Unter dem Eindruck des dumpfen Emp- indens, daß es besser wäre, seine Frau nicht im Schlaf zu stören, kam er auf die Kateridee, dem Chauffeur sein falsches Gebiß, das er am nächsten Tage gegen das Fahrgeld einlösen wollte, als Sicherheit zu hinterlegen. Der Chauffeur mag sich nicht schlecht geärgert haben, daß sein Fährgast nicht zahlen konnte. Er nahm das Gebiß, fuhr davon und ward nicht mehr gesehen. Vergeblich harrte der Zahnlose den ganzen folgenden Tag auf die Ablieferung seines Gebisses. Schließlich blieb ihm nichts übrig, als durch ein Zeitungsinserat den ungalanten Chauffeur zu bitten, ihn gegen Er­satz aller Spesen von der Qual zu erlösen, sich aus­schließlich von Brei, gewürzt durch Kernsprüche seiner Gattin, ernähren zu müssen.

Der Ueberfall auf den Colorado-ExPretz.

C. K. Washington.

Erst heute, nach 38 Jahren, ist es möglich ge­wesen, das Geheimnis völlig aufzuklären, das bis dahin über einem Verbrechen schwebe, das als der Ueberfall auf den Colorado-Expreß in der ameri­kanischen Kriminalgeschichte bekannt war. Im Jahre 1901 sollte eine Goldlädung von der Colorado-Eisen­bahn von Denver nach Trinidad gebracht werden; aber der Zug, der sie mit sich nahm, kam nicht an seinem Bestimmungsort an. Als man nachforschte, fand man, daß die Schienen in berJRäfye von Pan- tano ausgerissen waren, und der einzige Mann, der bei dem Ereignis mit dem Leben davongekommen war, der Heizer, berichtete, daß drei maskierte Ban­diten mit Revolverschufsen die fünf Polizisten, die den Zug begleiteten, und den Lokomotivführer ge­tötet hatten und dann mit ihrer Beute davongeritten waren. Der Heizer selbst war verwundet und von den Räubern für tot gehalten worden; er war nicht imstande, eine genauere Beschreibung der Ver­brecher zu geben. Der Ueberfall erregte damals das größte Aufsehen, und die gesamte Polizei von Co­lorado wurde aufgeboten, die Mörder festzustellen und zu ergreifen.

Bei der Verfolgung der Spuren der Banditen fand der Sheriff von Trinidad drei Pferde, von denen ermittelt wurde, daß sie einem Farmer in Denver gehörten. Dieser benachrichtigte sogleich die Polizei, daß seine drei Cowboys seit einigen Tagen verschwunden waren, und so war es möglich, die Banditen festzustellen, aber es gelang trotzdem nicht, eine Spur von ihnen zu finden. Allem Anschein nach waren sie in das Bergland von Colorado geflüchtet. Ein Hirte entdeckte später in diesem Bergland auch die Leiche eines der Räuber, die von Geschossen

Das Postamt des schwedischen Städtchens Gagn, bro ist seit einigen Wochen mit Arbeit, und zwar mit nutzloser Arbeit überhäuft. Täglich laufen große Mengen Briefe und Karten mit Bestellungen an eine Wein- und Spirituosenhandlung ein. Sie müs- en als unbestellbar zurück gesandt werden, da diese Firma schon seit 1904 nicht mehr existiert. Das Rätsel dieser Hochflut von Bestellbriefen für eine nicht mehr existierende Firma ist jetzt durch einen Postschaffner gelost worden. Er fand in einer Wo­chenschrift eine Notiz mit der Überschrift:So gut hatten es die trinkfrohen Schweden im Jahre 1899". Und dann folgte der Abdruck eines Inserats, das vor vierzig Jahren die fetzt verschwundene Firma in Gagnbro veröffentlicht hatte. Die in dem Inserat angegebenen Kognak-Preise sind im Vergleich zu den heutigen so niedrig, daß viele Leser in ihrer reudigen Ueberräschung die Ueberschrift übersehen und sich nur an das veraltete Inserat gehalten ha- ben. Sie sind aber mit ihren Bestellungen vierzig Jahre zu spät gekommen.

Das bösartige Pferd.

Ndz. Kopenhagen.

Der Pächter vom Moskovgaard bei Skorping hat mit seinem Reitpferd recht üble Erfahrungen machen müssen. Der Mann hatte auf dem Felde das Pferd angebunden, hatte seine Jacke ins Gras geworfen und sich dann ins Gebüsch begeben, um eine dringende Angelegenheit zu erledigen. Bei der Rückkehr sah er mit Schrecken, daß sein Roß die Brieftasche aus der Jacke genommen und zum größten Teile verspeist hatte. Es kaute gerade an einem Scheck und hatte einen Fünfzigkronenschein bereits verdaut. Der boshafte Charakter des Tie­res offenbarte sich darin, daß der Gaul zwar das Geld gefressen, zwei unbezahlte Rechnungen aber unversehrt gelassen hat.

Eine Erinnerung an das Jahr 1816.

AS. Paris.

Auf dem Landungssteg des Seine-Quais am Pont Alexander III. spielte sich dieser Tage ein merk­würdiges Schauspiel ab. König Ludwig XVIII. hatte auf dem Landungssteg mit seinem ganze Hofe Platz genommen und wartete gespannt auf das Erschei­nen derElise". Als sie erschien, begrüßten der König und sein Hof mit allen Zeichen größter Freude dieElise".

DieElise", die an einem schönen Frühlingstage 1939 am Seine-Quai anlegte, war die getreue Nach­bildung jenes Schiffes, das am 29. März 1816 an der gleichen Stelle anlegte nach einer abenteuer­liche Fahrt, die gleichzeitig eine historische Tat war. JeneElise" hatte nämlich 1816 als erstes Dampf­schiff, von London kommend, den Kanal überquert und war die Seine hinauf bis nach Paris gefah­ren. Das Abenteuer wäre beinahe, schlecht ausge­gangen. Mitten im Kanal erhob sich ein für die damaligen Verhältnisse starker Sturm, den die kleine Elise" nur durch den Mut und die Kaltblütigkeit ihres Kapitäns, des Franzosen Andriel, Überstand. Als die Wellen am höchsten gingen und die Rad­schaufeln unter dem Druck der Wassermassen abge­rissen zu werden drohten, da meuterte die aus Fran­zosen zusammengesetzte Besatzung und wollte das zwanzig Meter lange Schiff feinem Schicksal über­lassen. Der Kapitän zog seine Riesenpistole, aber auch diese hätte auf die Dauer wohl nichts genützt, wenn der Sturm sich nicht gelegt hätte und so nicht nur die Wellen, sondern auch die Gemüter der Mattosen beruhigt wurden. Die Fahrt endete bann ohne weiteren Zwischenfall. Zur Erinnerung an diese erste Kanalfahrt eines Dampfers wurde den Parisern aus Anlaß der Außenhandelswoche bas oben beschriebene Schauspiel geboten.

Derzahme" Tintenfisch.

Ndz. Neuyork.

Von einem eigenartigen Abenteuer in dem be­rühmten Aquarium der Bermudas-Inseln berichtet dasNational Geographie Magazine. Das Ber­mudas-Aquarium ist ein kleiner Meeresarm, in dessen kristallklares Wasser die Besucher gegen eine bestimmte Gebühr in Taucher-Ausrüstung hinab- gelassen werden. Als eine Dame gerade unter Wasser war, machte der sie beobachtende Mann an der Luftpumpe eine beängstigende Entdeckung. Gantz gegen die sonstige Gewohnheit dieser Tiere hatte ein mächtiger Krake das Aquarium aufgesucht und sich der Dame genähert. Diese zeigte jedoch nicht die mindeste Anast, und gab auch nicht das Signal zum Aufziehen. Als sie nach der üblichen Frist aus dem Wasser und aus der Taucherausrüstung gestiegen war, beglückwünschte sie der Beamte zu der Furcht­losigkeit, die sie dem gefährlichen Meerestter gegen­über bewiesen habe. Erstaunt erwiderte das junge Mädchen:Ich habe natürlich geglaubt, es wäre ein zahmer Tintenfisch, der dem Aquarium gehört". Nachttäglich bekam sie doch einen kleinen Schüttel- frost.

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