lü./ll. 3unt 1939
M. 135 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Junge deutsche Nation
ihm:
SU
Jawohl,
H.
die weitgeöffnete Tür
„Frühsport im Regen
immer zu helfen wissen!"
wie er eben draußen auf den unzähligen Wiesen, auf denen er kampiert hatte, gelaufen war, leicht-
Jungvolks das HJ-
Ehe die anderen
verdattert da. Der fiel ihm jetzt ein, seine Jungenschaft
„Man muß sich nur lachte die Sportwartin.
berichten und fünf Fahnensprüche des nennen können.
Hanne fiel aus.
Eine Jungengeschichte.
üßig, behend und windschnell, ich versahen, war er am Ziel.
Der Jungzug stand ein wenig Jungzugführer staunte, und es wie sehr durch diesen Jungen
leichtes Spiel. Hanne torkelte hin und her und focht nicht so, daß man annehmen mußte, er habe jemals Unterricht genossen. Der Jungzugführer, ehrgeizig und fest entschlossen, jetzt diesen Schandfleck in seiner Jungenschaft zu unterwerfen und zu bekehren, schlug heftig zu. Aber während Hanne die Schläge spürte und der erste Schmerz ihn durchzuckte, wurde er wütend und begann ganz plötzlich anzugreifen, und dies so ungestüm und so wild, daß die kunstvollen, aber mühsamen Regeln des Jungzugführers nichts fruchteten. Ziemlich benommen fiel er schließlich ins Gras und mußte den Sieg an Hanne abtreten, der jedoch nicht wie ein Sieger aussah, sondern etwas atemlos und mitgenommen in der Mitte
tun? Da meldet sich jemand schüchtern: „Ra, hoffentlich alles wieder zurück in den Schlafsaal..." Doch daraus wurde nichts.
Schon ließ Lotte, die BDM.-Sportwartin bei? Schule, uns antreten. Erst ein paar Kniebeugen in der Halle. Unser Muskelkater vom vorigen Tag machte sich schon erheblich bemerkbar. Trotzdem waren wir neugierig, was nun kommen würde. Diel konnte man doch in der Diele wirklich nicht anfangen. Doch lange Zeit zum Nachdenken hatten wir nicht. Lotte erfand immer neue Hebungen, bie uns gelenkig machen sollten. Erst ein buntes Lämmerhüpfen den ganzen Flur entlang, dann stolzierte mit gravitätischen Schritten ein Freund Langbein über den Gang, ein Frosch mußte trotz des Regens lustig über den Boden hüpfen, und zum Schluß kroch langsam und schleppend ein Regenwurm über bie Dielenbretter.
Stöhnend rieben wir unsere Muskeln. Am liebsten hätten wir sie natürlich überhaupt nicht bewegt, denn jede Bewegung schmerzte. Aber Lotte' lachte dazu: „Gegen den Muskelkater helfen nur erneute Turnübungen!" Und schon ging es weiter. Wir marschierten über den Flur zur Treppe. Sollte vielleicht unser Frühsport doch schon beendet sein? Aber da kam ein neuer Befehl von Lotte: „Nun steigt mal alle ganz gemächlich die Treppe hinauf, aber bitte die Beine so hoch heben, daß euer Knie bei jedem Schritt an das- Kinn stößt!" Beim erstenmal verunglückten wir alle — wir lachten zu viel? Beim zweitenmal sahen wir bereits ein, daß bie Sache gar nicht so lächerlich war, sondern im Gegenteil eine feine Hebung abgab, die Konzentration erforderte. Darauf muhten wir locker und leicht und zierlich die Treppe hinaufsteigen, das war beinahe noch schwieriger, wir sahen jedenfalls bet unseren abgezirkelten, „zierlichen" Schritten noch recht ungeschickt aus. Das ging ein paarmal hinauf und hinunter, bis unsere Beine locker waren. Aber noch waren alle Hebungsmöglichkeiten auf unserer Treppe nicht ausgeschöpft. „Hopp, Mädel, spielt mal Osterhase, aber leicht und leise und nicht so schwerfällig hüpfen!" Zuerst wackelte das ganze Treppenhaus, aber zum Schluß konnten einige von uns schon fast lautlos hinaufhoppeln.
Schleusst!er Film
mit Garantieschein gegen Fehlbelichtung
Verregneter Frühsport.
Merkwürdig dunkel war es noch draußen, als heute das grelle Pfeifen als allmorgendlicher Weckruf durch unsere BDM.-Führerrinnenschule gellte. Der Himmel war grau und goß förmliche Wolkenbrüche über unsere Sportwiese. Was nun? Der- schlafen fanden wir uns in der Treppenhalle ein, stellten uns auf und sahen immer wieder zum Fenster hinaus, gegen das unaufhörlich der Regen trommelte.
Heute war es nichts mit dem Dauerlauf rund um die Wiese, und zur Turnhalle konnten wir doch auch nicht laufen. Es wäre bestimmt kein trockener Faden mehr an uns gewesen. Also, was
Rußland)?"
Die Prüfung wird im allgemeinen durch den Formationsführer abgenommen. Das gibt die Gewähr, daß die Beurteilung der Antworten nicht zu scharf ausfällt und daß vor allem nicht das bloße Tatsachenwissen bewertet, sondern auch die Haltung des Jungen im Dienst seiner Formation berücksichtigt wird. Beim Nichtbestehen der Prüfung ist eine Wiederholung möglich.
Wenn Pimpf und Hitlerjunge bewiesen haben, daß sie neben den verlangten Leistungen in Sport und Geländesport auch in der Lage sind, über die Lebensfragen ihres Volkes Auskunft zu geben, dann erst tragen sie das Leistungsabzeichen mit vollem Recht „für Leistungen in der HI ".
Als Christoph Columbus Amerila betrat.
Eine fast wahre Iungengeschichie von F. Wildberger.
„Unti denkt euch nur: wie ich vor der Sphinx stehe, treffe ich dort meinen Freund, den Forscher Sven Hedin", meinte der alte Lehrer Gerling gemütlich und lauerte, ob einer etwas sagen würde.
Seine Schüler feixten offen. Gerling war berühmt für seine Weltreisen, seine berühmten Bekanntschaften und für seinen schlagfertigen Humor, den er schon an zahllosen Schülergenerationen erprobt hatte. Er liebte es, den Hnterricht durch kleine persönliche Bemerkungen zu würzen. „Dor den Toren Jerusalems stieß ich auf die Colin Roß", das waren die Hnterstreichungen, die so sehr fesselten und auch den Zweifel herausforderten. Es fand sich immer ein Frechling unter den Jungen, der Beweise sehen wollte, und Gerling konnte stets mit ihnen dienen. Bilder und Bücher mit persönlichen Widmungen seiner berühmten Freunde standen ihm in großer Auswahl zur Verfügung, und er hielt die Beweise für jede kühne Behauptung bereit. Darum hotten es sich seine Schüler abgewöhnt, allzu übermütig einen Zweifel zu äußern; denn er strafte das Mißtrauen einer Klasse dadurch, daß er nach der Abfuhr, die er immer erteilen konnte, im Chor den Satz sprechen ließ: „Wir haben wieder verloren."
So sah es mit dem alten Gerling aus. Die Anekdoten über ihn ließen sich nicht erzählen. Er stand im Begriff, als Triumphator von der Schule zu scheiden; denn er prahlte, um die Regsamkeit der Jungen anuifeuern, gern damit, daß jugendlicher Aberwitz noch nie die Weisheit seines Alters hätte überwinden können. , .,
Sein letzter Jahrgang erprobte sich an ihm wie alle anderen, ja, dieser letzte Jahrgang meinte, die Ehre aller Schüler retten zu müssen.
Der alte Lehrer unterrichtete in Chemie und Erdkunde. Alle seine Versuche in dem einen Fach, seine Behauptungen aus dem anderen waren bekannt. In Chemie pflegte er ein Knallgas zu dräuen; das mit fürchterlichem Getöse die Schüler erschreckte, obwohl sie immer daraus vorbereitet waren, «einen letzten Knall produzierte er vier Wochen vor seiner Hen« sionierung. Als es bumste, fielen sechsundzwanzig Mann aufs Kreuz, fielen einfach steif hist^^uber und markierten „tot", sie freuten sich über diese Missetat und lauerten nun, was Gerling tun würde.
Sie hörten seinen knappen Monolog.
„Da liegen sic, die Lümmel und schlappen Hunde.
Hannes alte weißhaarige Tante sagte „Junge, man muß im Leben auffallen, man muß auffallen, und wenn nicht im guten, dann
„Mr Leistungen in der HI."
Nie weltanschauliche Prüfung des Leistungsabzeichens.
So wird's gemacht.
Rund um ein Pimpfengefecht.
Immer diese kindlichen Aufträge erteilten sie ihm! Er wallte auch mal ganz nahe am Feind vorbei und eine ganz wichtige Meldung befördern. Hannes schlendert wütend zum Wald rüber, während Erich mit der Meldung der Landstraße zustrebte. Als Hannes, wie es sein Auftrag vorschreibt, auf den Baum geklettert ist und das Gelände besichtigt, sieht er Erich unten am Wäldchen laufen. Plötzlich staunt Hannes: drei Mann stürzen sich auf Erich und ziehen ihn in den Forst rein. Als Hannes Spucke und Sprache wiedergefunden hat, zittern ihm vor lauter Aufregung die Hände.
Hannes rennt, stolpert, hastet zur Brücke hinunter, kommt atemlos beim „Chef" an und stammelt: „Sie haben ihn!" Der „Chef^ sieht ihn ziemlich erstaunt an und tippt sich an die Stirn. Der Pimpf muhte zu lange in der Sonne gelegen haben. Endlich hatte sich Hannes gefaßt und machte eine vorschriftsmäßige Meldung.
„So —", sagte der „Chef" nur und lachte. „Na — bann hol' ihn'mal wieder raus!"
„Für Leistungen in der HI." ist die Inschrift des Leistungsabzeichens der Hitler« Jugend, das bisher an 115500 Hitlerjungen und 42 900 Pimpfe verliehen wurde. Jede Leistung aber setzt Charakter und nationalsozialistische Haltung voraus; die Erziehungsarbeit in der HI. ist deshalb auf eine gleichmäßige Durchbildung von Körper, Geist und Seele ausgerichtet, mit dem Ziel, kämpferische Nationalsozialisten heranzubilden. Leistungen können nicht einseitig unter Gesichtspunkten wie Kraft, Ausdauer und Höchstleistung gefordert werden, sondern es müssen auch die Erfolge der geistigen Erziehung bewertet werden. Dadurch schon unterscheidet sich das HI.- und DJ.^Leistungs- abzeichen von anderen Sportabzeichen.
Natürlich ■ läßt sich durch eine weltanschauliche Prüfung, wie sie zum Leistungsabzeichen gehört, niemals die Gesinnung selbst erfassen. Gesinnung, innere Haltung sind in der Hitler-Jugend im Kreise der Kameraden auf Fahrt, im Lager und Heim und im privaten Leben ständigen Bewährungsproben unterworfen. Zu der Gesinnung aber, bie politisch eingesetzt und dadurch erst wirksam werden soll, gehört das Wissen um die Grundfragen des völkischen Lebens;' wer sie nicht kennt, ist zu keiner politischen Entscheidung fähig und hilflos gegen jeden Angriff.
Die weltanschauliche Prüfung fordert daher ein Mindestmaß an politischem Tatsachenwissen, das durch die schriftliche Beantwortung einer Reihe von Fragen bewiesen werden muß. Die Fragen sind auf das Alter der Jungen und ihr Auffassungsvermögen zugeschnitten. Dem Pimpfen werden z.B. fast nur reine Wissensfragen vorgelegt, die er nach der gründlichen und planmäßigen Heimabendschulung ohne Schwierigkeiten beantworten kann. Er wird kurz den Lebensweg des Führers schildern können, er kennt die wichtigsten nationalen Feiertage des deutschen Volkes und der Bewegung sowie ihre Bedeutung, er muß über das Deutschtum im Ausland und die Gebietsverluste durch Versailles
Ich sollte den Luftschutz alarmieren und die Sirenen heulen lassen, wie diese törichten Knaben meinen. Aeh finden wir uns ab mit ihrem Ende. Immer hielt ich die Geldschnäbel in Zucht, ließ sie futtern aus meiner Hand, einige Brosamen picken an Witz und Bereitschaft, aber kläglich ist dieser letzte Jahrgang. Der ganze Jahrgang ist maul-tot, fürwahr, ein bedeutendes Werk an diesen Toren. Nimm sie hin in Frieden, Herr, und verzeihe ihnen die maßlose Dummheit, aber glaube deinem geringen Diener: ich bin schuldlos daran!"
Damit verschwand er, und die Jungen rappelten sich verdutzt hoch. Am nächsten Tage genoß er seinen Sieg ganz schandbar vor der Klasse; er zwang sie zum Chor der Schmach: „Wir haben wieder ver- loren." _
Erbittert mußten sie sich ducken, aber Gerling wußte, daß sein letzter Kampf, der Endkampf, eingesetzt hatte.
Er behandelte geruhsam, als bemerke er die Wut ber Klasse nicht, die Entbeckung des neuen Erdteils. Zuerst erwähnte er die Wikingerfahrten, dann fuhr er fort: „
„Tja, als nun Columbus Amerika betrat ...
„ ... traf er dort feinen Neffen Gerling beim Tennisspiel mit einer Indianerin um die Meisterschaft von Nordamerika", vollendete ber Kühnste frech und gelassen; denn Strafe drohte nie dafür bei dem alten Lehrer, nur schwerste Abfuhr war immer jedem sicher.
„Ich erinnere mich", meinte Gerling ohne Wim- perzucken, „ich erinnere mich wieder an dich, Schelm. Du triebst dich dort herum und sammeltest für bie indianische Prinzessin und mich die Bälle auf. Dein Gesicht, du Galgenstrick, kam mir schon seit langem bekannt vor. Du wirst es auch gewesen sein, der meiner Tante das berüchtigte Ei des Columbus aus ber Handtasche stahl. Dafür, mein Sohn, wirst du mir heute büßen. Du machst einen kleinen Bericht über ..., nun sagen wir, über bie afrikanische Wüste. Laß dir helfen von denen, die um dich herum sitzen und dich ermutigten zur vorlauten Rede."
Die Klasse knirschte und arbeitete gemeinsam am Bericht über die afrikanische Wüste. Am nächsten Tage kam die große Stunde, in der es sich zeigen mußte, was noch an dem alten Gerling wäre. Er schien um seinen Ruhm nicht zu fürchten; denn er nahm ungerührt das Heft entgegen.
Dann las er laut vor:
„Als ich etliche Jährchen vor unserer Zeitrechnung durch die afrikanische Wüste wanderte und mir bie Füße in den Nilquellen ab gewaschen hatte, kam ich an den Wüstenrand und formte mein Ebenbild, wie es wir bie Quellen des mächtigen Stromes entgegen*
im ungewöhnlichen Sinn." Hanne hörte diese Worte : der Tante und dachte, sie spielt sich wieder einmal ! weise auf. Unb bamit hatte Hanne nicht ganz unrecht; beim ber Ort biefer Unterhaltung war der 1 Wohnwagen des kleinen Zirkus, und die alte Tante 1 sah dazu so alt, dürr und mumienhaft aus, daß man schon in ihren einfachsten tagtäglichen Worten verborgenen, tiefen Sinn zu sehen glaubte. Hanne glaubte zwar der Tante nicht, aber doch fiel er auf. Er fiel auf, da er nicht wie die üblichen Jungen seines Alters anständig gekleidet ging und nur verschmutzte und zerriß, was eben nach Art und Alter gerechtfertigt war, sondern darüber hinaus fast in ■ Lumpen ging, diese Lumpen aber mit einer gött
lichen Selbstverständlichkeit trug.
Der Ernst^des Lebens begann für Hanne mit dem Augenblick, da der Vater sich entschloß, dem Treiben seines selbstherrlichen Sohnes nicht länger zuzusehen und ihn kurzerhand in eine ber nächsten kleinen Städte in die Obhut eines fernen, aber guten Bekannten gab, der aus Hanne einen soliden, anständigen Menschen machen sollte. Jener ferne, aber gute Bekannte hätte es sicher abgelehnt, wenn er sich ber Schwierigkeit dieser Aufgabe bewußt gewesen wäre. Jetzt jedoch stand er nur ein wenig hilflos vor diesem schwarzhaarigen, gesunden und abgerissenen Jungen, ber langsam zu begreifen schien, welch eine umfassende Wanblung sein Schicksal erlebte. .
Nun mar ber ferne Bekannte aber ein Mann, den auftretenbe Schwierigkeiten nicht zu vergrößerter Anstrengung zwingen. Er machte sich die Sache leicht und sagte zu Hanne: „Am besten ist es, du gehst hier ins Jungvolk. Du bist dann unter Gleichaltrigen und hast genug Gelegenheit zu vergnüglichem Spiel." Bei sich dachte der ferne Bekannte: Die Jungen werden es ihm schon zeigen. Er wird sich ihnen angleichen müssen, das ist ganz klar.
So kam Hanne ins Jungvolk. Sein Erscheinen erregte in den Reihen ber sauber uniformierten Pimpfe nicht geringes Aufsehen. Hanne trat mit an. Aber in Reih und Glied gestellt wirkte seine Erscheinung nur um so auffälliger. Ja, dem Jung- zugführer, der mit seiner rührenden Jugend einen außerordentlichen Sinn für Autorität und Ordnung verband, versuchte stirnrunzelnd, diesem Jungen beizubringen, daß er sich gerade hinstellen und dies und das machen müsse, was ber Dienst nun einmal verlangt.
Man nahm sich vor, Hanne zu bessern. Aber es war, als wolle man Wasser den Berg hinauffließen lassen. Hinzu kam ferner, daß Hanne in seiner instinktsicheren, angeborenen Schläue wußte, wie er ihren Nachstellungen entgehen könnt?, er tat, was man von ihm verlangte, unb btes nicht nur gut, sondern besser als alle anderen. So war Hanne der Pünktlichste im Dienst, ber Eifrigste in ber Ausführung von Befehlen, wenngleich in seinem ganzen Eifer etwas aufreizend Nachlässiges lag.
So kam die Zeit, da ber Jungzug auf den Sportplatz marschierte, um Bedingungen zu erfüllen. Hanne lümmelte sich im Grase herum. Wenn man ihm doch nur abgewöhnen könnte, Gras zu kauen und in den Himmel zu starren, dachte ber Jung- masichrer, ber willens war, heute eine Bresche zu schlagen in diese hinterhältige Widersätzlichkeit. Der Jungzugführer sagte: „So, Hanne, komm her und lauf mit ein paar anderen hundert Meter. Ach, der Jungzugführer hatte seinen Plan, er stellte m die Startlöcher seine schnellsten Leute. Sie wurden Hanne sicher schlagen. Dann wollte man sehen, ob dieser schwarzhaarige Zirkusjunge auch den Spott so gut ertragen konnte. Aber Hanne lies, er lief,
verändert worden war. Er konnte sich nicht bekla- । gen über ein Einreißen von Nachlässigkeit im Dienst, i nein, im Gegenteil, sie sahen alle ein wenig ver- i bitfert auf diesen diensteifrigen und trotzdem unglaublich schlampigen Jungen unb strengten sich um o mehr an, weil sie glaubten, dann erst die Berechtigung zu haben, über ihn schimpfen zu können, i
Die Jungen saßen im Grase. Es sollte geboxt werden. Der Jungzugführer, der'beste Boxer des Jungzuges, wappnete sich die Hände mit dem harten Leder unb war entschlossen, jetzt alles zu tun, um ben Wiberskanb biefes Jungen zu brechen. Hanne aß im Grase. Er war nicht etwa siegestrunken. Nein, er empfanb es jetzt selbst, wie einsam er eigentlich war. Ach, es war eine schlechte Rolle, die er sich ausgesucht hatte, alles zu tun, was man von ihm verlangte und insgeheim alle zu verhöhnen.
Nun trat ber Jungzugführer in ben Kreis feinet Jungen unb forderte Hanne düster auf, mit ihm zu boxen. Hanne starrte etwas langweilig in den Himmel und dachte: Was haben sie nur immer mit mir, sollen sie mich doch in Ruhe lassen. Aber er konnte nicht anders, er mußte sich erheben, er zog sich die Boxhandschuhe über und begann zu kämp-1 fen. Es sah so aus, als habe der Jungzugführer ein |
geworfen hatten. Kaum stand bas Monument, sagte hinter mir eine Stimme: ,Nanu, da komme ich zur rechten Zeit; die Sphinx ist gerade fertig geworden.' — Ich drehte mich um, unb wer ftanb vor mir: Gerling. Er erzählte mir vier alte Anekdoten, die schon ben Mumien bekannt gewesen waren und machte dann eine Ausnahme von uns beiden vor der Sphinx. Das Bild müßte noch in seiner Sammlung sein. Er hat aber einmal behauptet, er habe dem Marathonläufer seine Botschaft auf die Rückseite geschrieben: Wir haben gesiegt!"
Gerling tippte sich an die Stirn unb faßte seinen Feberhalter. Dann schrieb er mit roter Tinte, während er jedes Wort laut buchstabierte, unter den letzten Versuch, der seiner Schlagfertigkeit drohte:
„Das Bild hat mir die Mutter des Marathonläufers vor einigen Wochen zurückgegeben. Ihr Sohn war seinerzeit so schnell gerannt, daß ber Lümmel auf dem Bilde nicht mehr mitkam unb auf ber Strecke liegenblieb. Nun steht Dr. Gerling nur noch allein vor der Sphinx. Die Ausnahme liegt zur Einsicht vor."
Die Klasse bebte und stand erschüttert vor dem ungeschlagenen Meister auf. Er schmunzelte und ersparte ihr den Chor der Schande. Dann fuhr er in kalter Ruhe dort fort, wo er am Tage zuvor ab« brechen mußte:
„Als Christoph Columbus Amerika betrat ..."
Sicher hatte es der „Chef" nicht ernst gemeint. Wie könnte auch ein einzelner Mann einen (Befangenen mitten aus dem feindlichen Lager befreien. Aber Hannes versuchte es doch. Er schlich zum Wald hinüber, aber ganz vorsichtig und immer im Graben entlang. Jede Deckung nutzte er aus. Die Knie waren bald wüst von dem' Brombeergerank' zerschrammt. Jetzt hörte er jemanden pfeifen. Wohl ein feindlicher Dosten mit Humor, der sich hier vor Langeweile ein Liedchen pfiff. Den wollte Hannes dann wenigstens mal von Angesicht zu Angesicht sehen. Neben einem Eichenbaum lag er und schnitzte an einem Stock herum. Hannes sprang ihn von hinten an, preßte ihm die Hand auf den Mund. „Wo ist euer Lager?" zischte ihn Hannes an. „Beim Försterhaus — laß mich doch los!" stöhnte ber Ueberfallene.
Hannes banb ihn in aller Eile mit dem Koppel an einen Baum mittlerer Stärke. Beim Forsthaus war großes Gerenne. Hannes fiel gar nicht weiter auf, als er im hohen Farn angerobbt kam und ab und zu den Kopf hochreckte, um die Richtung zu halten. Irgendwo mußte Erich hier ja zu sehen sein. Ganz dicht lag Hannes gegenüber dem Platz, und dort drüben hatten sie Erich an einen Wagen gebunden!
Da konnte man gar nicht ungesehen hinüberkommen. Eine Weile überlegte Hannes, dann schob tt sich langsam hoch und ging auf den Platz hinaus« Kein Mensch kümmerte sich bei dem Betrieb um ihn.
Erich hatte ihn beinahe noch verraten, als er ihn sah. Hannes ging dreimal unauffällig hinter dem Baum vorbei, unb dann war Erich frei. „Du — komm mal her!" rief da ein Fähnleinführer den Hannes an. Erst dachte der, daß nun alles aus wäre. Frechheit siegt — Hannes ging zu dem Fühn« leinführer, klappte vorschriftsmäßig die Hacken zu- jammen. „Du nimmst ein Fahrrad und fegst zuf Landstraße vor, holst sofort sämtliche Posten bis auf die Wegkreuzung zurück. Angriff steht bevor." Hannes wiederholte den Befehl und sucht sich daH beste Rad aus. Als er auf der Landstraße war und bie Posten traf, sagte er ihnen: „Befehl vom Fähnleinführer! Sofort zwei Kilometer vorrücken!
Aber bei dem letzten Posten flog Hannes reim Das war ein Klassenkamerad, der wußte, daß er* zur anderen Partei gehörte. Da mußte sich Hannes dalli aus dem Staub machen.
Als er wieder beim „Chef" ankam und das er* mogelte Rad vorzeigte und nach einiger Zett auch Erich ankam, war er natürlich obenauf! Er schwebte in höheren Regionen und dachte, daß das Geländespiel ganz allein durch ihn gewonnen würde. Sck stürzte er sich auch äußerst tapfer ins Getümmel«
Hau,
der Kameraden stand und sich die Handschuhe von den Fäusten nestelte. Er sah ein wenig ängstlich auf den Jungzugführer. Hatte er sich nicht vor wenigen Augenblicken vorgenommen, freundlich zu allen zu sein? Unb nun schlug er ihren Führer zu Boben. Aber der Jungzugführer sagte: „Ganz gut gekämpft. Zwar ein bißchen gegen bie Regel, aber sehr ordentlich."
Keiner wußte in diesem Augenblick, wie sehr der Jungzugführer, dieser kleine Bursche, seine Autorität und seine Persönlichkeit bewies. Er hatte es nicht darauf angelegt, und sie hatten es nicht erwartet, es war eben alles selbstverständlich. Unb vor biefer selbstverstänblichen, sicheren unb kameradschaftlichen Art schmalzen die Eisschranken zwischen Hanne und den anderen. Ja, Hanne lächelte ein wenig und versprach, sich die Regeln zu merken.
Zum Schluß ging es noch einmal auf allen Vieren die Treppe hinauf und hinunter, bann an ____unb tief würbe bie kühle Regenluft eingeatmet, ©lieber lockern — unser mQr beendet.
Der weltanschaulichen Prüfung für Leistungsabzeichen liegen die Themen der jahrgangsweisen Schulung der Hitler-Jugend zugrunde. Auch hier ist das Alter und Auffassungsvermögen des Jungen berücksichtigt. In drei den Altersklassen entsprechenden Stufen sind die jeweils zu beantwortenden fünf Fragen zusammengefaßt.
Die ^Fragen der Stufe A sind dem gesamten Plan der Jungvolkschulung entnommen, unterscheiden sich aber von den Fragen für die Pimpfe dadurch, daß sie ein gewisses Maß an Urteilsvermögen und einen Blick für geschichtliche und politische Zusammenhänge voraussetzen. Noch deutlicher wird dies bei den Altersstufen B und C. Hier werden, um einige Beispiele zu geben, Fragen folgender Art gestellt: „Nenne einen großen Kaiser des deutschen Mittelalters. Wie, war das Verhältnis zwischen ihm und dem Papst in Rom?" — Oder: „In welchen fremden Staaten leben Deutsche unb unter welchen Verhältnissen?" — Oder: „Was weißt du über das politische Verhältnis des Deutschen Reiches zu anderen Staaten (Italien, Japan, Polen, England, Frankreich und Sowjet-


