llr. 2S9 Zweites VIE
Tiestener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)
9,/ro. Dezember 1959
berufen waren, ein neues Reich zu zimmern, das
die Häuser der Gläu-
In Bosnien, das die
Türken erst 70 Jahre
unerwarteten Glück so überrascht war, daß sie sich
lrden und sich nur
Hermann Hering.
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Koketterie (Blondchen) und deutsche Empfindsamkeit (Belmonte) fließen hier zur Einheit zusammen.
Die innere Jugendfrische und ganz besonders die
behenden Osmin, gelöst in der Ausstimmung der Gebärde auf das Musikalische, ohne jede lieber» treibung gab Bernhard Schmitz mit reichlichen Nuancierungen in der stimmlichen Charakterisierung,
ihre Volkskraft ______ö._„. ________
erhielten, bis der Freihettskampf gegen die Türken begonnen werden konnte. Das ist mir wich, tiger als die Züge Mtt Weterz und Bleibarren auf dem Bahnhof in Kraljewo. In eine Volksseele führen doch noch tiefere Schächte als in ein Bergwerk.
größer und mächtiger werden sollte als seine Vorläufer!
Nicht das Beschenktwerden, nein, auch Schenken Leitet Freude, Genugtuung und Befriedigung, die ites andere Übertreffen. Kinder beschenken, ihren gM, ihre Seligkeit miterleben, ist ungetrübtes Süd, wie man es nirgends wiederfindet.
I 5s gibt Menschen, die wunderbar zu beschenken pö und sich Über alles freuen. Sie sind begeiste- Mgsfähig, haben ihre Schwächen, ihre _ßieb= freien, sie sammeln alte Gläser und sind glücklich psr jedes neue Stück, Schallplatten oder Halbedel- stne, sie bereiten keinerlei Schwierigkeiten. Oder 16 sind leidenschaftliche Hausfrauen und eine schöne fikesdose oder eine Neuheit auf dem Gebiete der Mswirtschaft versetzt sie in Helles Entzücken, sinnlich ist es bei Männern. Guter Tabak und F-r Kognak werden meist willkommen sein, wenn •>4t besondere Wünsche geäußert werden.
I wesentlich schwelliger ist es mit jenen, die keine Fchsche haben, keine äußeren. Man muß offen und von Wünschen sein, muß vieles besitzenswert Wen und damit nicht Hinterm Berge halten, dann Pn die Erfüllung kommen. Nichts ist schlimmer k!s wunschlos zu sein und keine Sehnsucht zu haben, r^ts peinlicher für den, der beschenken will.
L vin-e ganz besondere Kunst aber ist es, sich mit
den großen christlichen Uebertritt zum Islam ihren Besitz zu retten. Die Folge war, daß auch die untertänigen Bauern Muselmanen wurden. Noch heute bekennen etwa eine Million
Südslawische Reise-Skizzen
Von Or. Paul Rohrbach.
später eroberten, gelang es Grundherren, durch den
Revolution des ganzen deutschen Volkes gegen Fremdherrschaft und unnatürliche Bevormundung. Und wieder sehen wir die unheilvolle Hand Habs- vurgs, öie schon einmal durch den großen Friedrich zuruckgeschlagen wurde, gegen die Freiheit sich er- un$ $as Rad der Geschichte gegen Volksrecht und Vernunft zurückdrehen.
Ein merkwürdiges Ding ist es um den Aufstieg Des deutschen Volkes. Immer ist es die bren° nenöe Dlöt, die es dazu zwingt, sich auf seine Aufgabe zu besinnen. Der Druck von außen ß™t rhm den Antrieb, sich aus seiner stillen Be- schaulichkeit zu erheben und sich sein Haus mit dem Schwerte zu zimmern. Gestern wie heute. Die Teil- losung des Sieges im Kriege gegen Frankreich 1871 brachte nur ein scheinbares Glück. Die Wirtschafts- trog, denn sie vergiftete den Neid der anderen.
&er Weltkrieg den scheinbaren Zusammenbruch des ganzen Reichsgebäudes brachte, da erwuchs erst in Wahrheit die starke Widerstandskraft im Innern.
heran.
Als Grundlage benutzte man die Dichtung des Leipziger Kaufmannes Christoph F. R. Bretzner, die verschiedentliche Motive damaliger Dichtungen zu einer geschlossenen Handlung vereinte. Der Anteil Mozarts an der Textbuchgestaltung wurde bestimmend; „öa ist es besser, wenn ein guter Komponist, der das Theater versteht und selbst etwas anzugeben imstande ist, und ein gescheiter Poet als ein wahrer Pbönix zusammen kommen."
Nicht das Wort des Dichters wird für Mozarts musikdramatische Schöpferkraft Entscheidend, sondern
unendliche Vertiefung, die Mozart den Singspielelementen gab, wurden zum bestimmten Faktor der Aufführung. Die schmiegsame, fein eindringende Art, wie Paul Walter die Musik in ihrer mannigfachen Charakterisierung erschloß, wie die Empfindungswerte gefühlstief aufblühten, war von der märchenhaften Sphäre der Ouvertüre an durch den szenischen Ablauf zu verfolgen und in feingegliederter Geprägtheit und Situationssicherheit zu erleben. Der Lokalton wurde verstärkt durch die farbprächtigen Bilder (Karl Löffler), der Verlauf der Handlung in sich beschwingt und je nach der Gemütslage in bestimmte Gruppen geteilt. Das Quartett erstand ganz aus der episodischen Bedingtheit (Spielleitung Hans Geißler).
Das frauenhafte Erleben Konstanzens mit der inneren Qual des drohenden Liebeszwangs wurde von Anni A s s i o n mit starkem Seelischen erfüllt Es erschien bemerkenswert, wie sie ihre Stimmmittel auf Mozarts Gesangsstil einzustellen vermochte mit Leichtigkeit der Linie und Ausgleich in Klang und Phrasierung. Im Spiel mehr statuenhaft, paßte sich Heinrich D u r st als Belmonte den gesanglichen Forderungen durch den Einsatz seiner Halbstimme in den koloriert bewegten Teilen mit klarer Linie, wenn auch nicht immer tragend plastisch, an. Mit dramatischem Akzent entfaltete sich die Vollstimme. Ein schnippisches Kammerkätzchen, sprühend, temperamentvoll war Friedel F o r n a l l a z als Blondchen; resolut und zielbewußt, prickelnd und pointiert im gesanglichen Ausdruck. Ihr zur Seite Pedrillo (Christoph R e u l a n d) in der köstlichen Mischung von Mannhaftigkeit und Hasenfußdasem; gertig-elastisch, beweglich und akzentreich in der Darstellung, im Gesanglichen schmiegsam und ausgeglichen in der Arie und im Ständchen. Einen
Einheit des Reiches.
R-'chs>d-e ist in der Form, in der wir I heute sehen, wieder em neuer Begriff geworden 4r mittelalterlicher Manz war verblaßt, do- Abbild ihrer Macht schien mit dem Ende des wUhelminb schon Kaisertums zerbrachen. Nun war es das na- honS!?I,fh[$e Sel$' da- mit dem Anspruch au! die Erfüllung der naturgegebenen Rechte des deut- to?" Volkes eine neue Epoche der Geschichte des Reiches emleitete. 1 f
Das alte deutsche Kaiserreich fand mit seiner un- glücklichen Verbundenheit mit dem Hause Haüsbura ein unrühmliches Ende. Nachdem Rudolf I der erste Habsburger auf dem deutschen Thron mit starker Hand den Muren der kaiserlosen Zeit ein Ende gesetzt hatte, vergingen nur fünfzig Jahre bis unter seinen schwächlichen Nachfolgern die mühsam wiedererrungene Einheit durch innere Zwistigkeiten zerrissen wurde. Das Reich schien zu verfallen Das blendende Bild der Macht Karls V war ein trügerischer Schein. Denn was er als Macht unter harter Faust zu sammeln wußte, kam nicht dem deutschen Volk zugute. Es war ein internationales Gebäude.
Der mühsame Aufstieg des deutschen Volkes zur Reichsemhelt wurde zweimal durch halbe Lösungen gehemmt. Das Elend der religiösen Spaltung zog einen scharfen Schnitt durch die deutsche Landkarte, und als es dann endlich der überlegenen Hand Bismarcks gelang, aus den Splittern der alten Kaisermacht ein neues Reichsgebäude zu zimmern, 3>a war das Haus nicht groß genug, um alle Stämme nun auch wirklich in seine Raume aufzunehmen. In beiden Fällen lag das Hauptmaß an historischer Schuld bei Habsburg. Seit die Habsburger die große Sorge um das Reich leicht nahmen und ihr ganzes Augenmerk auf das Zusammen- raffen einer eigenen Hausmacht richteten, wuchsen die Einzelfürsten zu immer selbständigerer Macht empor. So kam es schließlich, daß der Reichsdepu- kcülons-Hauptschluß, mit dem Napoleon 1803 dem alten Reich einen letzten Fußtritt gab, eine Entwicklung, die eigentlich längst schon zum Abschluß gekommen war, nur noch einmal bestätigte.
Hätte nicht die aufsteigende junge Großmacht Lreußen zu einem kräftigen staatlichen Eigenleben emporgeblüht, wenigstens im nördlichen Deutschland klare Verhältnisse geschaffen, so wäre Der ganze deutsche Volksboden staatspolitisch ein Bafuum geworden, ba5 dem Eingriff aller Nachbarmächte offengestanden hätte. Denn das Habsburgische Oesterreich war nicht mehr imstande, der niemals vergessenen kulturellen Einheit des Volkes auch ■ inen geschlossenen äußeren Rahmen zu geben. Aber das war ja gerade das Gewalttge, daß die imeren Säfte des deutschen Volkes gesund und uwersiegbar blieben. Mochte ein ungünstiges Ge- chick, wie es beispielsweise im dreißigjährigen Kriege geschah, mit der brutalen Gewalt der Zerreißung in He Struktur des Staatsgefüges eingreifen, mochten ich die Opfer auf dem Wege der Vernichtung zu Sergen häufen, unsterblich blieb eines — das Zolk.
Aus diesem ewigen Bewußtsein des Volkes heraus lat sich immer wieder die Einheit des Reiches erneuert. Denn im Volke selbst war sie ja lebendig :eblieben. Wenn ein Goethe im Kosmos seine triftige Heimat sah, so hob er doch niemals seine jsüße vorn deutschen Boden in einen internationalen Rebel. Sein gigantisches Werk gab der geisttgen : Richtung, die nach ihm kam, Antrieb und Nahrung. \ Njne ihn war die Romantik nicht denkbar, die i lern Kaisertum neuen Odem einhauchen wollte. 1 ün Sehnen, das alle Fesseln zu sprengen glaubte, i pg in die Seele des deutschen Volkes ein. Die 1 Freiheitskriege, die Preußen zur Führung | trachten, waren nichts anderes als eine gewalttge 1
Die Kunst zu schenken and sich beschenken zu lasten.
Von Lothar KonstanÜn.
Weihnachten kommt und zugleich die große Sorge, uns soll ich schenken. Es gibt Menschen, denen die Sunft des richtigen Scheinens angeboren ist, wie bm Künstler sein Talent. Das sind jene, die das ss-uze 3aJjr auf der Lauer liegen und Beobachtun- M sammeln, um bann, wenn die Zett der Geschenke Mt, gerüstet zu sein. Sie sind Virtuosen des schenkens, die es verstehen, mit unerhörtem Fein- Mhl und Menschenkenntnis gerade das zu.schen- sin. was dem anderen Freude bereitet
Ständig wissen sie hundert Dinge, die man sich p und heimlich gewünscht hat, erraten geheime Herzenswünsche, die irgend einmal geäußert, das Ilitbe lange Jahr in einem Winkel der Seele lauern p auf Erfüllung warten.
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rtjk betomtm zu lassen. E- ist ein barbarischer > ihn fesselt die Entwicklung der Emzelcharakte^ im mit ur,prunglichem chumor in der Trinkszene Der •'glaube anrunebmen mit chinnehmen und Danke! Lichte der Situation und >m gegenseitigen Wider- Sprechrolle be5 Se(lm Bassa verlieh Friedrich g5i sei alles abaetan Der Schenkende hat das spiel: zumal im Ensemble vermag er das Innen- G r o n d a h l inneres Durchleben und Durchkämpfen einige getan nun^ift der Beschenkte an der Reihe, leben der einzelnen Gestalten individuell zu beleuch-, unerfüllter Liebessehnsucht bis in die einzelne Gelder wieder wird nur rum Künstler, wenn er ten und in der Zusammenfassung zu einem treffen- barde hmem: voll hoheitlichem Grostmut dann aber l> leinen^Kindersstin bewahrt^ird die Kraft hat, in den Gesamtausdruck zu bringen der .m Orchester m der Schlußszene^ Die Chöre (Richard B ° e ck)
-'m Augenblick alle Würde und Schamhaftigkeit, szenenbedingte Untermalung erhalt: so in dem Ouar- und bte übrigen Mitrmrkenden repräsentierten für
In Stolz und alle Belegenheit sählings zu über- tett des zweiten Aktes Mit seinen «einen Em-el-ugen. ihren Herrn D,e aus Mozarts Geist geborene 2Iuf=
Äen u. d sich nur zu freuen Man soll die Güte Wenn auch Mozart, der Tradition solge^ d,e fuhrung zündete: nicht endenwollender Beifall brach
ii Freude vergelten da- wiegt alle Dankbarkeit, Buhnenchpen als solche bechehalten muß, so latzt er nach dem zweiten Bilde (Quartett) aus.
ij. ö | die einzelnen Charaktere sich über den Typenrahmen1 Dr. Hermann Hering.
Verkannte Tiere.
„Tapfer wie ein Löwe" ist eine stehende Redens» art, aber im Verhältnis zu feiner Größe, Kraft und Kampfausrüftuna ist der Löwe lange nicht so tapfer wie z. B. der Fuchs, ein Schwein ober jo-gar bas demütige Schaf. Zu dieser überraschenden Feststellung kommt ein Zoologe, der die menschlichen Vorurteile in der Beurteilung der Tiere untersucht Er spricht dem Widder eine ganz besondere Tapferkeit zu und behauptet, daß dieses Tier jedem lebenden Wesen Trotz bietet Er scheut sich nicht, einen großen Bullen anzugreifen, wenn er die Herde bedroht, und vermag ihn auch zu überwinden. Er verteidigt seine Schafe gegen den größten und wildesten Hund und sogar gegen den Menschen. Der Kampf zwischen zwei träftigen Widdern ist eines der stolzesten und zugleich grausigsten Schauspiele und endet fast stets mit dem Tode eines der beiden Kämpfenden. Auch das Wildschwein ist außerordentlich tapfer, man sagt von ihm, es sei bas einzige Tier, das mit dem Tiger aus einer Quelle zu trinken wage. Schweine sind überhaupt arg verleumdete Tiere, sie sind z. B. viel meniger gefräßig als ein Kanarienvogel. Auch sind sie nicht so humrn wie man annimmt, sondern haben schon „Jntelli- genzproben" gegeben, die denen des Affen und des Hundes wenig nachgeben. Die sprichwörtliche Faulheit der Schweine ist ebenfalls eine Verleumdung, denn es gibt manche Gegenden Europas, wo die Schweine hart und eifrig arbeiten. Richtiger wäre es zu sagen, „so faul wie eine Katze , Denn die Katzen sind wirklich sehr träge. Sehr verkannt wird auch der Esel. Wenn man ihn zum Sinnbild der Dummheit macht, so tut man ihm Unrecht. Er ist gewöhnlich schlauer als bas Pferd. Wenn man den Esel in einen eingezäunten Raum einsperrt, bann mutz man sehr darauf achten, daß das Gitter ver- riegelt ist, denn er wird es sofort aufstoßen, um herauszukommen, während bas Pferd an bem Zaun entlang läuft und selten das Tor findet. Wenn das Pferd von wilden Tieren angegriffen wird, dann rennt es aus Leibeskräften davon. Der Esel aber sucht sich einen günstig gelegenen Platz zur Deckung und leistet dann dem Angriff mit seinen mächtigen Hufen Widerstand. Der Bär gilt als besonders „brummig"; er ist aber mit Ausnahme des Polar» bären eines der lustigsten und gutmütigsten Tiere, das sich leicht zähmen läßt, wenn es freundlich behandelt wird. Die „Blindheit" der Fledermaus ist ebenfalls sprichwörtlich, man verkennt aber habet durchaus die sogar besonders scharfe Sehfähigkett des Tieres, von dem man sagen kann, daß es mit der ganzen Haut sieht, sich im tiefsten Dunkel zurechtfindet und die winzigsten Insekten erkennt.
C.K.
Balten als Diplomaten.
Von Hans von (Ächroeder.
Vorn Eisernen Kanzler stammt eine nicht ungünstige Attestation der Balten, welche er verlautbaren ließ, als die gewaltsame Russifizierung des Baltikums um 1892 unter dem Einfluß der Van» slawisten durchgeführt wurde. Bismarck warnte, es märe für Rußland selbst bedauerlich, wenn es em so prachtvolles Gestüt von tapferen Militärs, geschickten Diplomaten und loyalen Staatsdienem liquidieren würde.
Nun stellte Bismarck recht bedeutende Anforderungen an „geschickte" Diplomaten, anderseits hat er viel mit baltischen Diplomaten zu tun gehabt, wie der Personenindex zu seinen „Gedanken und Erinnerungen" aufweift. All' die Budberg, Lambs- dorf, Brunnow, Meyendorff, Osten-Sacken, Stacke!» berg, Adlerberg, Benkendorff, Heyking, Rosen, Kll- chenpauer, Kirchdorf, Bock, Eckardt, Maartens haben ihr Teil dazu beigetragen, daß dieser günstige Eindruck bei Bismarck sich festigen konnte. Nicht aufgezählt ist in diesem Zusammenhänge der Name Keyserling, wenngleich ein Graf Keyserling es gewesen ist, mit dem er von seiner Berliner Studienzeit her aufs engste befreundet gewesen ist, und durch den er zuerst einen starken Eindruck von der spezifischen persönlichen Souveränität dieses deutschen Kolonialstammes erhallen hatte. Als preußischer Ministerpräsident hat er es Alexander Keyserling mehrfach nahegelegt, in preußische Dienste zu treten, doch scheint dieser vor dem preußischen Arbeitstempo eine gewisse Abneigung gehabt zu haben. Der Name Keyserling ist schon 1700 im Diplomatenkorps der preußischen Könige verzeichnet gewesen. Gleich nach der ersten Krönung wird Georg Johann von Keyserling als Gesandter an den „in der Europäisierung" begriffenen Hof Peters I. nach Moskau delegiert. Das Verhältnis Keyserlings zum gewalttätigen Reformator wurde leider bald und gründlich getrübt. Peter verzehrte
Bosniaken sich zum Islam, und obwohl sie vom feiben Stamm sind und dieselbe Sprache sprechen wie die christlichen Serben, halten gerade sie im ganzen vorderen Orient noch am ftrengften an mohammedanischer Art und Sitte fest. Auf dem Amsel seid aber fand die Bl'üte der dort kämpfenden serbischen Ritterschaft mit ihrem greifen Zaren Lazar bis auf den letzten Mann den Tod. Danach wurde das Land an türkische Lehns träger auf geteilt, denen der Bauer frohnden mußte. Der Bauer aber blieb christlich, und dadurch erhielt sich die Scheidewand zwischen ihm und den mohammedanischen Herren. Die Kirche hat den Serben ihr Volkstum gerettet.
Es ist merkwürdig, wie zäh, fast könnte man sagen wie ausschließlich, die serbische Volks- d i d) t u n g seit Jahrhunderten an dem tragischen Stoff vom Untergang des Serbenreichs fefchäll. Was die Volkssänger zur einsamen Fiedel, der Gusla, vortragen, handelt stets von den Helden jenes unglücklich ausgegangenen Kampfes: so von Milosch Obilitsch, der am Abend des ersten Schlachttages auf dem Amselfeld, unter dem Vorgeben, er wolle Verrat an seinem Volke üben, sich in das Zelte des Sultans Murad führen ließ und ihn „aufschlitzte", wie das Lied zu melden weiß. Noch von vielen andern wird gesungen, auch von Wuk Bran- kowitsch, dem Befehlshaber der schweren seMschen Panzerreiter, der zu spät in die Schlacht kam und den das Volk für einen wirklichen Verräter hielt.
Weihnachtswunschzettel — geschriebene und unge- hinaus doch als persönlich erlebte Menschen in Blut- schriebene sind eine wunderbare Einrichtung. Sonst wärme entfalten, und selbst unter dem fremd- kann es einem gehen, wie jener Fischerin im Mär- ländischen Kostüm schwingt deutsches Empfinden, chen vom Fischer und seiner Frau, der ein guter deutsche Art. Die verschiedenen Sttlelemente, den Geist drei Wünsche erfüllen wollte und die von dem Witz der italienischen Buffa (Osmin), franmsische
Die Feinde versuchen heute, uns Kriegsziele oor- zuspiegeln, die einen Unterschied machen sollen zwischen Volk und Führung. Aber man kann den Führer, der das Großdeutsche Reich geschaffen hat, und seine Bewegung, die wie ein Magnet das nationale Empfinden auch der außerhalb des Reiches Wohnenden anzieht, nicht von her Gesamtheit der deutschen Menschen trennen. Wir wissen es heute, daß der Kampf unserer Feinde dem ganzen de utschen Volke gilt, dem Heimat und Reich ein einziger selbstverständlicher Begriff geworden sind. Ihm soll, wie die englischen Staatsmänner mehr als einmal verkündet haben, das mit so viel Blut und Tränen deutscher Menschen errichtete Reichsgebäude an allen vier Ecken in Brand gesetzt werden. In Trümmer soll zerfallen, woran Generationen gearbeüet haben, was in siegreichen Kämpfen errungen wurde. Und mit der Berufung eines unreifen Jünglings, Ottos von Habsburg, soll das Werk der Zerstörung gekrönt werden.
Ebenso viel Irrtümer wie Lügen zeichnen den Weg der feindlichen Propaganda. In keinem Punkt aber haben sich unsere Gegner mehr geirrt als in der Hoffnung auf einen Zerfall der deutschen Einheit. Dieses Reich steht fest und unerschütterlich.
II.
Amselfeld.
Kraljewo, Ende November 1939.
Ich bin über das Amselseid gefahren, serbisch: Kosowo Polje, und das ist für den Historiker ebenso nachdenklich, wie für den Politiker, der es mit Dingen und Völkern am Balkan zu tun hat. Zwar der moderne Serbe, mit dem ich zusammensaß, erzählte mir viel vom Lignit, einer Art Braunkohle, die das ganze Feld 50 oder 60 Kilometer weit umlagern soll, und von dem großen englischen Blei- hüttenwerk — plumbem! plumbem! — am Rande. Auf dem Amselfeld wurde aber im Jahr 1389 die zweitägige Schlacht geschlagen, in der das alte serbische Reich den Türken erlag. Die Schlacht auf dem Am sei seid gründete die Macht der Türken auf der Balkanhalbinsel und bereitete den Fall Konstantinopels vor.
Ich fragte mich während der Fahrt: Wie war das möglich, daß ein Volk, wie die Serben, das mehr als 400 Jahre unter einem harten Joch leben mußte, ohne Schrifttum, von der Well vergessen, festgeschmiedet in Fron für die Bekenner einer Religion, die nur ihren eignen Gläubigen. Menschenrechte zusprach, nach alledem noch eine nationale Erhebung zu Stande brachte, auf der sich hundert Jahre später der heuttge jugoslawische Staat auf bauen konnte?
Man kann den Balkan nicht verstehen, solange man ihn nach europäischen Maßstäben und Erfahrungen messen will. In Skoplje, dem cknsti- gen türkischen Uesfüb, in Süd-Serbien, besuchte ich eine altserbische Kirche, die berühmt ist durch ihren wunderbaren holzgeschnitzten Ikonostas, die den Allarraum abschließende Heiligenbildermanh. Erst ging es einige Stufen zur niedrigen (Eingangs tür hinab, und dann mußte man noch einmal ein Stück ins Kircheninnere hinuntersteigen. Die Kirche steckt also halb in der Erde, und so mußte sie gebaut werden, nachdem der Sultan, der an derfel-
Wtt kennen diese ttagische, scheinbar resignierte, in Wirklichkeit leidenschaftliche serbische Volksdichtung erst feit etwas über hundert Jahren, seit der junge Serbe Wuk Karadschitsch nach Wien kam, selbst erst Deutsch lernte und dann mit seinen Uebersetzungen den alten Goethe, den jungen Ranke und Jakob Grimm so interessierte, daß von chnen die erste Bekanntschaft der seMschen Poesie und der serbischen Geschichte m Europa ausging.
Wir können weder Historiker noch Politiker fein, wenn wir uns nicht bemühen, hie seelische Art und Kraft der Völker kennen zu lernen. Ein Volk Mill verstanden sein, wenn es als politischer Faktor bewertet werden soll, und dazu sind die Quadratkilometer, die es bewohnt, und die Ziffern feiner Handelsstattsttk, so wichtig sie auch sind, nichts Ent- schelidendes. Was in den Serben steckt, das ahnt man, wenn man über das Amselfeld fährt und daran denkt, daß sie Jahchunderte lang als verachtete Rafah in solche kleinen, halb in die Erde gesenkten Kirchen gegangen sind, wie die in Skoplje, baß sie nie aufgehört haben, von Milosch Obilltsch und feinen Genossen zu fingen, und daß sie damit ihre Volkskraft im Verborgenen unzerstövt
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3n den verdüsterten Jahren nach 1918 flammte um so Heller das Licht der deutschen Dolkskraft und zog mit seinem Schein alles an, was deutschen Geistes war. Daß die Oesterreicher in einer Zett des schwersten Unglücks mit einmütiger Stimme den Anschluß an das Reich verlangt haben, ist ihnen vw. u.w
unoerges en geblieben. Und war es nicht gerade da- Denn es gründet sich auf das Vertrauen des Volkes mals, als auch tm verkleinerten Reich trotz des zum Geist, der in ihm lebt. Wie Max von Schenken- Mechten Vorbildes einer schwächlichen Führung Dorf einst fang: „Nimmer wird das Reich zerstöret, jene _ Kräfte machtvoll empordrängten, die dazu wenn ihr einig seid und treu!"
den Stelle eine königliche und bischöfliche Kathedrale zerstört hatte, so gnädig gewesen war, den llchristen die Erlaubnis zu geben, daß sie sich wieder gottes- dienfllich sammeln durften. Keine chriMche Kttche durfte aber höher sein, als " ' *
bigen!
fürs Erste recht törichte Dinge wünschte. So blieb ihr der dritte Wunsch nur, um die zwei ersten ungeschehen zu machen. Es heißt also auch beim Wünschen: „Bereit fein ist alles." Denn man weiß noch nie, mann' bas große Glück am Wege ist.
Weihnachten ist nun einmal das Fest der Zuneigung und Zufriedenheit. Und menn man gerade kein Talent zur Dankbarkeit hat, dann soll man sie roenigftens durch Freude ersetzen, die für den Schenkenden der schönste Lohn ist.
Gießener Giadttheater.
Mozart: „Die Entführung aus dem Serail"
Der Gründung des Hof- und Nattonallheaters in Wien 1776 ließ Kaiser Joseph II. die Einrichtung eines Nattonalstngspieles folgen, das bereits im Februar 1778 seine Aufführungen begann. Dafür verzichtete der Kaiser auf die italienische Oper und das Ballett. Es mußte den jungen Mozart, der endgüllia nach Wien übergesiedelt mar und sich aus den Fesseln des Salzburger Dienstes befreit hatte, verlocken, für dieses Kunstinstitut ein Bühnenwerk zu schaffen. Er hatte. schon, der damaligen Mode folgend, ein Türkensingspiel „Zaide", geschrieben, fand es aber für die Wiener Verhältnisse nicht geeignet und in Verbindung mit dem damaligen Inspizienten der Oper, Stephanie d. I., wuchs das Opernbuch für „Die Entführung aus dem Serail"
Wenn Augen versagen Magnus-Brillen tragen!


