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Oer Mensch schafft neue Pflanzen.

Aus der Arbeit des Kaiser-Wilhelm-Znstituts für Züchtungsforschung in Müncheberg.

Die Frage nach der Entstehung des orga­nischen Lebens hat die Menschen schon in grauer Vorzeit interessiert, und sie haben versucht, sie auf verschiedene Weise zu beantworten. Mögen diese Erklärungen teilweise auch noch so kühn sein und von noch so genialer Vorstellungskraft der alten Kulturnationen zeugen: Licht hat erst die moderne Naturwissenschaft in das Dunkel der Ent­stehung des organischen Lebens, der Arten und Rassen von Pflanze, Tier und Mensch gebracht. Ins­besondere die Vererbungsforschung lehrte, wie immer neue Arten und Rassen durch die Fä­higkeit der Erbmasse, sich den Lebensbedingungen der Umwelt anzupassen, entstanden und noch immer entstehen. Hervorragende Beispiele dafür bieten ge­rade das Pflanzenreich, dessen Studium immer neue und interessantere Einblicke in bisher unbe­kannte Lebensvorgänge in der Natur gewährt. Wie erklärt die moderne Naturwissenschaft heute die Frage nach der Entstehung der Arten und Rassen im Pflanzenreich und welche praktischen Folgerun­den zieht sie daraus*

Was find Kernschleifen?

Man weiß, daß die Erbanlagen jedes Lebewesens auf bestimmten Anlageträgern gelagert sind, die ein wesentlicher Bestandteil jeder tierischen und pflanzlichen Zelle sind. Diese Anlagenträger, die in Zahl und Form für jede Art verschieben sind, werden nach der Form, die sie häufig annehmen, als Kernschleifen bezeichnet. Verdoppelt sich durch irgendwelche Einwirkung die Zahl dieser Kern­schleifen, so wird damit auch die gesamte Erbmasse des betreffenden Lebewesens verdoppelt. Solche Ver­doppelungen oder sogar Vervielfachungen des Kern­schleifensatzes scheinen in der Natur vor allem bei Pflanzen nicht selten vorzukommen. Bei einer ganzen Reihe von Gattungen kennen wir eine Art oder eine Reihe von Artek!, die eine für die be­treffende Gattung eigentümliche Grundzahl von Kernschleifen besitzen, während die übrigen Arten die doppelte, dreifache, vierfache oder noch stärker vermehrte Kernschleifenzahl besitzen. So ist bei den Chrysanthemen die Grundzahl 9, man findet aber auch Arten mit 18, 27, 36 und 48 Kernschleifen. Bei Rosen, bei denen die Grundzahl 7 ist, kennen wir Arten mit 14, 21, 28, 35, 42 und 56 Kern­schleifen. Bei den Erdbeeren gibt es Arten mit 7, 14, 21 und 28 Kernschleifen. Bei Weizen besitzt die Einkornreihe 7, die Arten der Emmerreihe 14 und die der Dinkelreihe, zu der" auch unser in Mittel­europa angebaute Kulturweizen gehört, 21 Kern­schleifen. In gleicher Weise, wie es innerhalb der einzelnen Gattung Arten mit verschiedenen Kern-

schleisenzahlen gibt, kennen wir auch innerhalb der gleichen Art Rassen, die sich gleichfalls in der Kern­schleifenzahl unterscheiden. Solche Kernschleifenras­sen sind uns von verschiedenen Labkrautarten, von Veilchen-, Iris- und Hahnenfußarten, vom Schnitt­lauch, von der Brunnenkresse und vielen anderen Arten bekannt geworden. Man nimmt heute an, daß die Rassen mit vermehrter Kernschleifenzahl der Verdoppelung des Kernschleifensatzes einer reinen Art ihr Dasein verdanken, während die Arten mit erhöhter Kernschleifenzahl auf die Ver­mehrung des Kernschleifensatzes bei einem B a st a r d zwischen verschiedenen Arten zurückgehen. Die Vermehrung der Erbmasse besonders bei Art­bastarden wäre demnach also ein wichtiger Weg für die Entstehung neuer Arten in der Natur.

Die Ahnen unserer Hauspflaume.

Daß dies-tatsächlich der Fall ist, konnte in letz­ter Zeit wiederholt im Dererbungsversuch nachge­wiesen werden. So waren zwei Lippenblütlerarten, der weiße Hohlzahn und der bunte Hohlzahn, mit­einander gekreuzt worden. Durch Verdoppelung der Kernschleisenzahl dieses zunächst stark unfruchtbaren Mischlings entstand eine neue fruchtbare Pflanze, von der sich bei genauerer Unter­suchung herausstellte, daß sie nichts anderes war als eine bereits bekannte, in der Natur weit ver­breitete Art, der gemeine Hohlzahn. Aehn- lich gelang es, bei Rüben aus der Kreuzung zweier Arten, der eine Verdoppelung des Kernschleifensatzes bei dem Mischling folgte, eine dritte, in der Natur weit verbreitete Art zu erhalten. Es ist dem experi- mentierenden Forscher in diesen Fällen also ge­lungen, den Vorgang der Artbildung sozusagen im Laboratorium zu wiederholen.

Ein weiterer schöner experimenteller Beweis da­für, daß viele natürliche Arten durch Kreuzung zweier Arten und nachfolgende Verdoppelung des Kernfchleifensatzes entstanden sind, konnte bei einer Laubmoosart erbracht werden. Hier gelang es näm­lich, aus einer Aufspaltung zwei voneinander und von der Ausgangsform verschiedene Pflänz­chen zu erhalten, die jeweils nur den halben Kern­schleifensatz dieser Art besaßen. Durch Kreuzung dieser Pflänzchen miteinander und durch nachfol­gende künstlich herbeigeführte Verdoppelung der Kernschleifenzahl konnte wieder die normale Aus- gangspflanze erhalten werden. Auch unsere H aus­pflaume ist aus der Kreuzung zweier Arten ent­standen, der eine Verdoppelung des Kernschleifen­satzes gefolgt ist. Die Eltern sind die in Anatolien heimische Kirschpflaume und die Schlehe. Die gleiche

Entstehungsart haben der gewöhnliche Tatort tirtb zahlreiche andere Pflanzen.

Erbmasse und Lebenskraft.

Die Rassen und Arten mit vermehrter Kernschlei- fenzahl verdienen die größte Beachtung dadurch, daß bei ihnen durch die Vermehrung der Erbmasse sehr wesentliche Veränderungen der Le­benskraft und der Anpaffungsfähig- feit hervorgerufen werden. Im allgemeinen find die Raffen und Arten mit erhöhter Kernschleifenzahl wesentlich lebenstüchtiger und anpassungsfähiger als die Arten und Rässen mit der Grundzahl von Kern­schleifen. Dies äußert sich bei den erwähnten Kultur­pflanzen, dem Weizen, der Pflaume und dem Tabak darin, daß diese Formen ertragreicher und hoch­wertiger sind als ihre Ausgangsarten. Die erhöhte Lebenskraft der Pflanzen mit vermehrter Erbmasse äußert sich vor allem aber auch darin, daß sie in der Regel an extreme Außenbedingungen sehr gut an­gepaßt sind, daß sie aus Orten fortzukommen ver­mögen, an denen die Formen mit einfacher Kern- schleifenzahl sich nicht mehr halten können. Ein klas­sisches Beispiel hierfür geben drei verschiedene Arten der Gräsergattung Eragrostis, die in der Nähe von Timbuctu (Westafrika) auf ganz verschiedenen Stand­orten gefunden würben. Eine Art, die 10 Kern­schleifen besitzt, kommt im feuchten Schlamm der Seeufer vor, eine andere Art mit 20 Kernschleifen gedeiht am Fuße der Dünen, und eine weitere Art, die 40 Kernschleifen hat, vermag der extremen Trockenheit und der starken Erhitzung des Bodens auf der Düne selbst zu trotzen. In gleicher Weise scheinen die Pslanzen mit vermehrter Erbmasse be­sonders geeignet zu sein, hohen Kältegraden und hohem Kalkgehalt des Bodens zu trotzen. Sie haben ferner häufig eine sehr starke Verbreitung, was gleichfalls auf Erhöhung der Lebenskraft und der Anpassungsfähigkeit hindeutet.

Möglichkeiten

für die Praxis des Landbaues.

Es ist verständlich, daß unter diesen Umständen die Möglichkeit der Vermehrung der Erbmasse auch für den Züchter von Bedeutung sein muß. Die Ent­stehung von Weizen, Pflaume und Tabak durch Artkreuzung und Vermehrung der Erbmasse wurde bereits erwähnt. Es steht durchaus im Bereiche der Möglichkeit, auf die gleiche Art heute völlig neue Arten von Kulturpflanzen zu schaffen, da uns heute bereits eine Reihe von Mitteln zur Verfügung steht, die es erlauben, bei reinen Arten oder Artbastarden die Erbmasse beliebig zu verdoppeln. Dieses Ver­fahren kann aber auch bei reinen Arten von Be­deutung fein, denn man hat bei verschiedenen Bäu­men Rassen mit vermehrter Erbmasse gefunden, die im Holzertrag die normalen Pflanzen der betref­fenden Art weit überragen. Auch bei Aepfeln hat es sich gezeigt, daß die Sorten, bei denen die Erb­masse vermehrt ist, hochwertiger sind und eine we­

sentlich längere Haltbarkeit besitzen als die Sorten mit dem Grundkernschleifensatz. Alle diese Beobach­tungen und Feststellungen lassen deutlich erkennen, daß wir in der Vermehrung der Erbmasse wahr­scheinlich ein Mittel besitzen, mit dessen Hilfe wir den Wert unserer Kulturpflanzen wesentlich steigern können. Dr. Schwanitz.

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Wetterbericht

Die lebhafte, vom Ostatlantik ausgehende Wirbel­tätigkeit setzt sich fort, hat aber bisher außer merk­licher Abkühlung bei uns feine nachhaltige Aende- rung mit sich gebracht. Mit der Verstärkung der Wirbeltätigkeit wird die Unbeständigkeit auch für unser Gebiet noch zunehmen, die sich auf einige Niederschläge, auch vereinzelt teilweise gewittrige Schauer, beschränken wird.

Vorhersage für Samstag: Veränderlich mit Aufheiterung, doch auch Neigung zu einzelnen, teilweise gewittrigen Schauern; bei lebhaften Win- den um West nur mäßig warm.

Vorhersage für Sonntag: Bei Zufuhr aus West häufig aufgeheitertes, aber kein nieder­schlagsfreies Wetter.

Lufttemperaturen am 6. Juli: mittags 21,7 Grad Celsius, abends 17,6 Grad; am 7. Juli: morgens 12,8 Grad. Maximum 22,5 Grad, Minimum heute nacht 8,7 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 6. Juli: abends 24 Grad; am 7. Juli: morgens 17,7 Grad. Sonnenscheindauer 13,2 Stunden.

Hauptschriftleiter Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blum­schein. Verantwortlich für Politik und die Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot (beurlaubt), i. D.: Dr. Fr. W. Lange; für Stadt Gießen, Provinz und Wirtschaft: Ernst Blumschein; für Sport: Heinrich Ludwig Neuner. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der An­zeigen: Theodor Kümmel. 2). 21. VI. 1939: über 9000. Druck und Verlag: Brühlsche Universitätsdruckerei, R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugs- preis 2,05 RM. einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Emzeloerkaufs- preis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illu­strierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 4 vom 1. September 1937 gültig.

Gießen (Am Riegelpfad 6), den 7. Juli 1939.

Die Beerdigung fand in aller Stille statt.

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4756V

Am Montag, dem 3. Juli, verschied meine liebe Frau

Luise Mehl

im Alter von 73 Jahren.

In tiefer Trauer: Ludwig Mehl.

Für die herzlichen Beweise liebevoller Anteilnahme, die tröstenden Worte des Herrn Pfarrers Heil und all die letzten Blumengrüße anläßlich des Ablebens meiner lieben, herzensguten Frau, Schwägerin, Schwester und Tante herzlichen Dank.

In treuem Gedenken:

Daniel Kusch

Luise Schlaudraff, geb. Caspari und Angehörige.

Gießen, den 7. Juli 1939.

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Abschnitt I: NSDAP., Sehörben, Schulen, Kliniken, Verbände, Vereine usw.

Abschnitt II: Alphabetisches Einwohner- und Firmenverzeichnis des Stadtkreises Gießen

Abschnitt 111: Sttaßen und Häuser von Gießen

Oie zuständige Einwohnerschaft und die beteiligten Behörden und öffentlichen Körperschaften usw. werden um Prüfung der Einttäge auf Richtigkeit und Vollständigkeit hiermit gebeten. Für Fehler und Unrichtigkeiten kann keine Haftung übernommen werden

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