Die Jagd im Juni
’lt;
(Nachdruck verboten!)
35. Fortsetzung.
Zeitalter Schütz' als besonders bedeutend und zu- kunftweisend angesehen werden können und die heute noch eine achtbare Stellung einnehmen. Die vereinigten Frauenchöre des Dekanats eröffneten mit dem Chor „Freut euch des Herrn", geleitet von Chormeister Sommer, die Reihe der Darbietungen. Der Chor wurde frisch und temperamentvoll vorgetragen. Es folgte ein Duett für Tenor- und Sopransolo „Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz". Ein tiefes Miterleben der Zuhörer zeugte von einer schönen Leistung der Solisten.
Als Höhepunkte der Abendmusik kann das Deutsche Konzert für vier Solostimmen, Chor, Instrumente und Orgel „Es ging ein Sämann aus zu säen seinen Samen", angesehen werden. Es ist dies ein Werk, das auf der Höhe der Wirksamkeit von Schütz entstanden ist.
Eine sehr dankbare Aufnahme fand auch die biblische Szene für Solostimmen, Chor, Instrumente und Orgel „Pharisäer und Zöllner". Recht dramatisch kamen in diesem Werk die Gegensätze der Hauptpersonen zur Geltung, so daß das Stück seine Wirkung nicht verfehlte.
Das Deutsche Konzert für 6 Solostimmen, Chor und Instrumente und Orgel ließ die Größe des Komponisten ganz erkennen.
Als Chöre für diese Sonderdarbietungen in der Nachfeier waren die Kirchenchöre der Gesamt- gemeinde Gießen, der Stadtkirche Gießen, der Luther gemeinde Gießen, ferner der Gemeinden Heuchelheim und Großen-Linden gewonnen worden. Alle Chöre waren den zum Teil recht schwierigen
jetzt mal mich reden und — fragen."
Monika hat die Augen gesenkt und preßt heftig die Lippen zusammen. Robert von Kahl betrachtet sie eine Weile. Um seinen großen, männlichen Mund liegt eine gerührte Zärtlichkeit.
„Haben Sie seit Sonntag öfters an mich denken müssen, Fräulein Monika? Ich meine, auch dann an mich denken müssen, wenn wir gerade nicht miteinander telephonierten?"
Monika nickt zögernd. „Oesters nicht, aber manchmal."
„So. Manchmal. Und ahnen Sie vielleicht, daß ich seit Sonntag viel mehr an Sie dachte, als es für meinen Freund Lenzsch gut ist?"
„Für Ihren Freund Lenzsch?"
Robert von Kahl lächelt ein ganz klein wenig.
Lenzsch hockt auf seinem Bett, starr vor Staunen.
Indessen steht Monika neben Robert von Kahl in dem großen neu und hell gestrichenen Speisesaal des Sanatoriums, bewundert den hübschen Blick durch die hohen Fenster und den prachtvollen Wintergarten, der ebenfalls neu hergerichtet und mit jungen Pflanzen versehen worden ist, und redet dabei in einer merkwürdigen nervösen Lebhaftigkeit unaufhörlich auf Kahl ein.
Kahl steht sehr dicht neben ihr, beantwortet getreulich ihre vielen sich überstürzenden Fragen und schaut dabei ihr hübsches, herbes Profil an. Wie aufgeregt sie ist! Wie unsicher!
Plötzlich faßt er sie bei der Hand und zwingt sie, sich ein wenig zu ihm herumzudrehen. Monika erschrickt zu Tode; sie wird rot bis in den klaren Ansatz ihrer blonden Haare hinein.
„Fräulein Monika", sagt Kahl leise, ohne ihre Hand loszulassen, „warum schütten Sie solche Kaskaden von konventionellen Reden über uns beide aus? Glauben Sie, ich weiß nicht, daß es Ihnen im Grunde ganz wurscht ist, wie hoch hier die Wände sind, und wie viele Tische hier hineingehen? Und glauben Sie, ich weiß nicht, daß Sie nur reden, weil Sie sich vor dem Schweigen — unserem Schweigen fürchten?"
„Aber wie kommen Sie darauf? Ich ..."
Noch immer hält Robert von Kahl Monikas Hand fest. „Und wenn wir schon durchaus reden müssen, Fräulein Monika, dann lassen Sie, bitte,
„Na ja, ich bin schließlich zwei Jahre lang Mitwisser seiner gewissen Bestrebungen gewesen, und man fällt doch nicht gern einem Freund in den Rücken. Ich muß also wissen, wie es um Sie steht, wie es um Sie und Lenzsch steht. Ich muß es gleich wissen, oder ich ... ich ..."
Er läßt ihre Hand los und tritt einen Schritt von ihr zurück. Wenn mir dos einer vor acht Tagen gesagt hätte, denkt er halb ärgerlich, halb verwundert über sich selbst, daß ich heute mit einer solchen Hast und Heftigkeit um eine junge Dame namens Monika werben würde.
„Ich habe fast gar nicht mehr an Lenzsch gedacht", sagt Monika leise und etwas schwerfällig. „Lenzsch ist für mich wie in einer Versenkung verschwunden. Das hat nicht einmal etwas mit Ihnen zu tun, Herr von Kahl. Und auch, als ich vorgestern merkte, daß ich mich über Marga Montwill getäuscht hatte und daß sie nichts für Lenzsch übrig
Fäden hin und her.
ZRoman von Hedda Westenberger.
Copyright by Carl Duncker Verlag, Berlin W 35.
Heinrich-Schütz-Gedenkfeier
der Kirchenchöre des Dekanats Gießen.
hatte, auch da kam Lenzsch für mich aus der Versenkung nicht mehr hoch. Das ist also aus. Schluß, aus! Statt dessen..."
Sie stockt ein wenig, betrachtet ihre Fußspitzen, streift mit dem Blick vorsichtig den vor ihr Stehenden, um dann gleich wieder mit ihren Augen zu ihren Fußspitzen zurückzukehren.
„Statt dessen?" mahnt Robert von Kahl und preßt die Kiefern zusammen.
Monika hebt den Kopf. „Statt dessen habe ich allerdings reichlich viel an Sie gedacht."
„Und was haben Sie gedacht?"
Achselzucken.
Kahl wartet ein Weilchen.
„Haben Sie gedacht, daß Sie mich sehr oft wiedersehen möchten?"
„Ja. Auch das."
„Und — haben Sie vielleicht auch gedacht, daß Sie mich für die unglaublich kurze Zeit unserer näheren Bekanntschaft recht — na, sagen wir — gern haben?"
Erneutes Kopfnicken.
Da tritt Kahl wieder heran und nimmt zum zweitenmal Monikas Hand. „Monika, habe ich also das Recht und die — Pflicht, Lenzsch über die Wandlung in unserer Einstellung zueinander etwas zu sagen? Darf ich ihm sagen, daß ich Sie sehr liebhabe, und daß auch Sie mich... und daß er also tatsächlich ausgespielt hat, ausgespielt durch eigene Schuld und zu meinem großen Glück?"
Monika atmet tief auf und wendet das Gesicht ab. „3a, das dürfen Sie ihm sagen. Und nun lassen Sie mich, bitte, los. Da kommt jemand."
Nebeneinander gehen sie dann den langen Gang , hinunter und über zwei Treppen hinaus zu Lenzsch.
Am Sonntag, berg bie biesji Sturmbanns I/& Hof Friedberg fü die Stabt die St Friedberg nach wo nach der \ lichen Wettkäm! Sport will Bre alb Manns schrieben. Es vierkampf, 4X. > und Pistolen- u
Sieger wurde kämpf (Laufe lenweitwurf) , in der 4X4lX berg;
im 1500-Mete
JWen. E Friedberg.
Die besten C I- lf-Anw. Kür mann Eisenreic Schneider, 2/83 ftSfbeften S. Acker, 4/83 F> E Friedberg.
Nach den We $£* SÄ
Wbem der Sturmbann n®
ilnidie
Großen
Linden, 1 der
1°°»Es 6Piel 2* *" *»5$
T-Mb g-r jj
ker M°°-b »er * L wieder tann M Pause anders Großen-Linden r ^gemeinten Sch Wankel im St Läufer, der den Nun ist die Nied, die sich m't dem kamen noch zu periode kamen verdienten
Amgsolms-
Zum entscheid Bezirksliga trat« Besetzung an. E gewonnen werd! hergibt. Und dl gehalten. Nach d aufstieg feststehe die in Gießen si
Die Grünwei nicht ihre sonsti in bester Spielll her. In bester schönsten Spiele Leistung.
Aus dem Sp Mannschaften e zwei Minuten I etwas voraus h und gibt gute T der 5. Mimte b der Sturm buri
Der To. ® eiBerin
um die Erledig
kl vU scheit f du sehen ben nickt mVUnic Die M emx Qusein5tnun spie g
batte»? "erb ollenDin^pl n9en Q
man Qs alb Hiebest vaim , Denn Tckeifel <•ble ■ ..Schon ^'ll ^ide ^rbm
eingeliefert.
Bei einer nochmaligen Besichtigung seines „Wow- lagers" am Sonntag und bei der Durchsuchung des umliegenden Geländes, wobei ein SA.-Sturm der Gendarmerie wertvolle Hilfe leistete, sand man außer dem gestohlenen Auto noch meh * rere Pistolen und einen Drilling, die geladen waren, ferner einen Feldstech e r und eine Kanne mit Sauermilch. Die Waffen und der Feldstecher rühren zweifellos von Diebstählen her. Die Milch hatte Schneider in der Nähe bei einem Bauern gestohlen, wie er es überhaupt auch auf Diebstähle bei Bauern abgesehen hatte. Den Kraftwagen hatte er, wie am Samstag schon gemeldet, in Rostock gestohlen. Diesen Diebstahl hat er vor etwa zwei Monaten ausgeführt, und feitbem befand er sich mit dem Auto kreuz und quer auf der Fahrt durch Deutschland, bis ihn hier nun das Geschick ereilte.
Dem vortrefflichen Zusammenarbeiten der beiden Förster und der Gendarmerie, wie auch dem tatkräftigen und unerschrockenen Einsatz der drei Beamten gebührt alle Anerkennung.
Ein Rehbock sprang ins Motorrad.
* S ch o t t e n, 29. Mai. Auf der abendlichen Heimfahrt mit dem Motorrad sprang einem jungen Mann aus Ulfa ein durch den Lichtschein der Motorradlampe geblendeter R e h b o ck in die Maschine. Während der Rehbock tot auf der Unglücksstätte blieb, mußte der Motorradler mit allerlei Knochen- und Rippenbrüchen sowie einer Gehirnerschütterung schwer verletzt dem Schottener Krankenhaus zuge- sührt werden.
Landkreis Gletzen.
§ Beuern, 30. Mai. Dem Vorsitzenden der Kriegerkameradschaft Beuern, Ludwig Stein II., der seit 20 Jahren die Geschäfte der Kriegerkameradschaft geleitet hat, wurde das Kyff- häuser-Ehrenzeichen 2. Klasse verliehen. Da Herr Stein noch weitere öffentliche Aemter verwaltet, bat er um Entbindung von dem Amt des Kameradschaftsführers. Als sein Nachfolger wurde Lehrer Ernst Müller bestimmt.
herb und hart war, und der eine Lichtgestalt tn ber dunkelsten Zeit des deutschen Volkes war.
Die Vorbereitungen zu dem großen künsllerischen Erleben hatten der Vertrauensmann der Kirchenchöre des Dekanats Gießen, Pfarrer Weisel (Heuchelheim) und die Kirchengemeinde Lich übernommen. Sämtliche auswärtigen Festteilnehmer waren in den Familien der Sicher Gemeindeglieder zu Gaste geladen.
Das Ende einer Derbrecherfahrt.
* Lich, 31. Mai. Zu der am Samstag bereits gemeldeten Fest nähme eines „schweren Jungen" im Walde bei Nieder-Bessingen wird jetzt weiter bekannt, daß die um die Festnahme dieses Ver- brechers verdienten Förster und der herbeigerufene Gendarmeriemeister hier einen Menschen dingfest gemacht haben, der in erheblichem Maße eine öffentliche Gefahr darstellte.
Bei dem Verhafteten handelt es sich um den 24 Jahre alten Heinz Schneider aus Gemünden (Hunsrück). Er hatte sich, wie bereits gemeldet, im Walde bei Nieder-Bessingen mit einem Personenauto zu verstecken gesucht, sich dabei aber festgefahren, so daß er nicht werter konnte. Er wurde am Samstag früh von einem Förster beobachtet, der angesichts der ganzen Sachlage weitere Hilfe in der Person des Nachbarförsters und des Gendarmeriemeisters aus Lich herbeiholte. Mittlerweile hatte Schneider „Lunte gerochen" und versucht, sich auf und davon zu machen. Das hatte er allerdings nicht rechtzeitig getan, denn inzwischen hatten ihn die drei Beamten umstellt. Er brachte es aber immer wieder fertig, zu entwischen, wobei er sogar mehrmals die In der Nähe vorbeifließende Wetter durchwatete. Die Beamten ließen jedoch nicht locker, der Gendarmeriemeister verfolgte den Flüchtenden auch durch die Wetter. So ging das Treiben eine ganze Zeitlang hin und her, bis es schließlich den Beamten doch gelang, den Ausreißer zu fassen. In seinen Taschen fand man zwei geladene Pistolen vor. Der Festgenommene wurde nach Gießen in das Landgerichtsgefängnis
den Drückfinger nicht zu lähmen braucht, wenn der Jäger nur einigermaßen sein Wild kennt und es anzusprechen versteht.
Wenn der Weidmann nun vor Tau und Tag pirscht oder ansitzt, wenn die Sonne sinkt, bietet sich seinem Auge eines der lieblichsten Bilher aus unserer einheimischen Tierwelt, der Ricke mit i^rem Kitz. Und so wie das Altteh nun feine Kitze fuhrt und das Alttier sein Kalb, sorgt sich die Häsin um ihre Jungen, umhegt die Mutterente ihre Klemen, betreut die Henne ihr Gelege aber ihr ®efperr. 21U diese Kinder bedürfen nicht nur des mütterlichen Schutzes, sondern auch des wachsamen Auges des Hegers, der im rechten Augenblick mit Kraut und Lot und mit dem scharfen GebrauchshuAe zur Stelle ist, wenn zwei- und vierbeiniges, geflügeltes und unaeflügeltes Raubzeua fein Jungwild bedroht.
Es ist eine merkwürdige Tatsache, daß wir klugen Menschen über eine ganze Menge von Fragen aus dem Leben unserer einheimischen Tiere recht unklare und unsichere Vorstellungen haben. Ein wich- tiges Mittel, sie zu klären, ist die W i l d m a r k t e = run g. Ganz wesentliche Fragen der Jagdwirtschaft werden erst dann einwandfrei beantwortet werden können, wenn eine absolut ungefälschte, von Vorurteilen freie Unterlage gegeben ist. Dies zu er-
schen Sprech- und Wartezimmer hin und her und verflucht die gesamte „Vielweiberei" in seinem Hause, die es fertigbringe, nicht nur harmloses Kristall zu Boden zu schmettern, sondern auch Magenschläuche aus verschlossenen Jnstrumentenschränken spurlos verschwinden zu lassen. Welche Bemerkung wieder die Putzfrau in tiefster Seele trifft, so daß sie Eimer und Schrubber auf der Diele stehen läßt und eine gute halbe Stunde früher ihr Frühstück fordert. Grund genug natürlich für Tante Martha, mit aufgeregt zitterndem Haarknötchen und blitzenden Spitzmausäuglein über die Hausgehilfen von heute herzuziehen, die man offenbar nur noch mit Samthandschuhen anfassen dürfe.
Kurzum, es ist dicke Lust im Haus. Sehr dicke.
Die Patienten im Wartezimmer spüren es und ducken, wann nebenan die donnernde Stimme des Doktors laut, wird, geängstigt die Köpfe.
Marga spürt es und flüchtet mit Tapsy in den Garten, im Inneren kindlich erstaunt darüber, daß also auch in Eigelstein nicht alles rosig ist, und baß offenbar heutzutage die Menschen auch im weltabgeschiedenen Idyll Nerven haben.
Die einzige, die mit einer gewissen Befriedigung zwischen den dräuenden Wolken im Hause urnher- ftreift, ist sonderbarerweise Monika. Je mehr sich im Laufe des Vormittags die Stimmung zuspitzt — teils dadurch, daß der Doktor den verschwunden-^ Magenschlauch auch dann nicht finden kann, als er ihn ernsthaft benötigt; teils dadurch, daß zu guter Letzt sich auch Mädchen und Putzfrau nach keifend in die Haare kriegen — je mehr also jeder Ursache hätte, den Kopf einzuziehen, um so ironischer und amüsanter lächelt Monika.
„Du f-tehst wahrhastia dabei, als mache dir das alles einen Heidenf-paß , zischt Tante Martha einmal im Vorbeigehen.
Auch Marga kann eine kleine Bemerkung in dieser Richtung nicht unterdrücken. Obgleich sie in keiner Beziehung an ben stürmischen Vorgängen beteiligt ist, bedrückt es sie doch irgendwie, und zum erstenmal unter Hammerbacherschem Dach befällt sie ein kleiner Hunger nach etwas großzügiger Atmosphäre. Aus Margas Bemerkung hin zuckt Monika nur die Achseln. „Gott, verlohnt es sich vielleicht, sich wegen der heruntergefallenen Wäsche einen ganzen Tag zu verderben? Und Papas verschwundener Magenschlauch? Soll er einen neuen in Betrieb nehmen, und auch dieser Fall wäre erledigt. Aber so ist das eben hier bei uns: Wenn nicht alles wie am Schnürchen läuft, erhitzen sich die Geister, als ginge die Welt aus den Fugen. Sogar Papa setzt sich über solche kleine Zwischenfälle nie hinweg. Und da soll ich nicht lachen?" (Fortsetzung svlgttz
Im Kalender des deutschen Weidmannes nimmt der 1. Juni eine besondere Stellung ein, zumal in solchen Gauen, wo — wie in Oberhessen — das Reywild, jagdlich gesehen, die Hauptwiwart ist. Denn nun ist die Jagd auf den roten Wald frei- • Herrn, den Rehbock, wieder offen. Die voraus- I gegangenen Wochen der Wildzählung Hut der ge- wissenhafte Jäger dazu benutzt, sich ein Bill) von . der Zusammensetzung und der Güte seines Bestandes an Rehböcken zu machen, darauf hat er seinen Abschußvarschlag gegründet, und durch den Kreis- jägermeister ist der diesjährige Abschuß, getrennt nach starken und abschußnotwendigen Bocken, festgesetzt worden. Die Jagd auf den roten Bock ausüben, heißt diesen Plan in die Wirklichkeit übertragen. r t _
Die Gehörnschauen, die im Laufe der letzten Wochen stattfanden, haben gezeigt, daß es noch starker Eingriffe des Jägers bedarf, bis einmal das Bild des Vorherrschens schlecht veranlagter Böcke in sein Gegenteil verkehrt sein wird. Es ist demjenigen, der sich mit den Fragen der Hebung unserer Wildbestande schon länger und eingehender befaßt, schon längst klar, daß die Hebung der Rehwildbestände sich in viel langsamerem Tempo vollziehen wird, als die des Rotwildes, wo die Erfolge überall schon offensichtlich zutage treten. Neben der Schwierigkeit, die Vererbung der Gehörnanlage über die Ricke zu beurteilen, mag vor allem der gerade in weidman- . nisch besagten Revieren jahrzehntelang gemachte Fehler dabei die Hauptrolle spielen, nach, dem Grundsatz: „Es werden nur Sechser geschossen , eine vollkommen falsche Auslese getroffen zu haben. Der ganze Abschuß war von den guten Bewerbern zu tragen, während die schlechten, die ewig Mittelmäßigen, die alten Knopfböcke, und wie sie alle heißen mögen, keine Beachtung fanden und Jahr um Jahr ihr Erbteil weitergaben. Es wäre unverständig, zu erwarten, daß das Ergebnis von Fehlern aus Jahrzehnten in 2 bis 3 Jahren beseitigt werden könnte. Nur Geduld, Ausdauer und Gründlichkeit führen hier, zum Ziel.
Wenn der Weidmann sich solche Gedankengange zu eigen macht und mit ihnen an den Abschuß herangeht, wird es chm nicht schwer werden, den Hinweisen gerecht zu werden, die der Landesjägermeister seinen Jägern gegeben hat. Wie rm Vorjahre, liegen auch in diesem Jahre wieder „Richtlinien für den Abschuß des männlichen Rehwlldes im Jagdjahre 1938" für den Jagdgau Land Hessen vor, die jeder Jäger kennen muß, ehe er an den Abschuß herangeht. Sie sind inhaltlich fast gleich den vorjährigen, in manchen Punkten aber noch klarer und deutlicher gefaßt, offenbar z. T. nach Erfahrungen, die man bei den Gehörnschauen gemacht hat. ,
Die Richtlinien unterscheiden wieder zwischen „Starken" und „Abschußnotwendigen Böckön". Dabei ist das Bestreben klar zu erkennen, den gut veranlagten normalen Bock der Wildbahn zu erhalten. Nur wenn dieser Bock den Durchschnittssechserbock eines Reviers an Stangenstärke, Perlung, Vcr- eckung und Stangenstellung erheblich übertrifft, ist er als „stark" zu bezeichnen. Wenn der Abschußplan einen kleinen Teil solcher Böcke dem Weidmann freigibt, so soll er von der Abschußmöglichkeit nur Gebrauch machen, wenn die Trophäe ihn wirklich befriedigen und etwas Besonderes darstellen wird. Ganz besonders dankbar werden viele Revierinhaber dafür sein, daß der Abschuß dieser starken Böcke erst vom 1. August ab erfolgen darf, also erst, wenn erst die Brunst schon zur Hälfte vorüber ist.
Daraus ergibt sich, daß der Jäger sich im Juni und Juli um so mehr seinen „Abschußböcken" widmen kann, damit diese nach Möglichkeit vor der Brunft zur Strecke kommen. Daß dies nicht leicht ist — weil jeder erfahrene Weidmann weiß, daß zu Beginn des Juni ein Teil feiner Böcke in den Ge- ireibefetbern verschwindet, um erst im August zurückzukehren — ist unbestritten. Um so wichtiger ist es, die Bejagung in den ersten Junitagen zu verstärken. Da die Vegetation auf den Wiesen und Feldern gegenüber dem Vorjahre wesentlich zurück'ist, wirb es leichter sein, als damals.
Die „Richtlinien" sind im übrigen so gehalten, daß bie berüchtigte „Angst vor dem roten Punkt"
reichen, wurde die Wildmarke geschaffen, auf deren Bedeutung hinzuweisen den Kreisjägermeistern durch den Reichsjägermerster zur dauernden Pflicht gemacht worden ist. Der Juni ist gerade der beste Monat zur Markierung. Denn da kommt Jungwild am leichtesten in die Hand des Jägers. Drum sollte die Wildmarke jetzt nie fehlen, wenn es hinausgeht in den grünen Dom. Mit dem Markieren allem ist es allerdings nicht getan, vielmehr muß die Markennummer mit Angaben über Wildart und Ort und Zeit der Zeichnung der Zentralstelle beim Reichsjagdamt gemeldet werden. Wer dies unterläßt, wird vergeblich auf Rückmeldungen warten können.
Mit dem 16. Juni hört die Schonzeit für führende weibliche Stücke von Schwarzwild, Fuchs und Iltis auf. Es hatte sich einmal, als die Fuchsbälge in den unseligen Zeiten der Jnflationswirt- schäft schwindelnde Preishöhe erreichten, der Brauch entwickelt, jedes Fuchsgeheck auslaufen zu lassen. Der Jäger nyiß sich darüber im klaren fein, daß er überall dort, wo die Geflügelhaltung unter zu großem Fuchsbestand leidet, durch Graben der Jungfüchse oder Abschuß eingreifen muß, wenn er sich nicht in Widerspruch mit den Anordnungen des Reichsjägermeisters setzen will. Daß Füchse mit Räudezeichen jederzeit abgeschossen werden, um diesem liebel Abbruch zu tun, ist selbstverständlich.
Hubertus.
Unterwegs bleibt Monika noch einmal stehen, 1 chaut die Treppe hinauf, in die Richtung, in der Lenzschs Zimmer liegt, und sagt nachdenklich: „Aber eigentlich sollten Sie noch ein bißchen warten, ehe Sie Lenzsch etwas sagen. Er ist sowieso schon o nervös durch den Fuß. Und womöglich kommt er in diesen Tagen auch dahinter, daß er sich über Marga Montwills Gefühle etwas komische Illusionen gemacht hat."
Kahl lächell kopfschüttelnd. „Ja, es ist wahr. Aber ehrlich gesagt: Verstehen Sie, daß er sich in dieser Hinsicht Illusionen gemacht hat? Ich bitte Sie — eine Frau wie diese Marga Montwill! Und dann, wer Augen im Kopf gehabt hat, mußte doch sofort ehen, daß er da einen ganz gewaltigen Konkurrenten hatte und einen ziemlich erfolgreichen oben» drein."
„©inen Konkurrenten? Es war doch sonst gar niemand da. Außer — Ihnen noch."
Kahl fährt sich lächelnd durch das Haar. „Erlauben Sie mal — Sie vergessen Ihren Papa!"
Monika starrt ihn an, als verstünde sie nicht recht: „Papa? Papa?"
Dann werdet sie sich empört ab. „Aber das ist ja zum Lachen! Papa mit seinen grauen Haaren! Nein, solchen Unsinn dürfen Sie mir nicht erzählen.
Und ein wenig in ihrem Glück gestört, wendet sie sich von Kahl ab und steigt, von ihm gefolgt, weiter die Treppe hinauf. Papa? Marga Montwill und Papa? Unmöglich! — Unmöglich?
23. E s i st dicke Luft im Haus, undwas für merkwürdige Folgen das zeitigt.
Mittwoch ftüh scheinen alle im Hammerbacher, scheu Haus mit dem linken Bein aus dem Bett gestiegen zu sein.
Von der Wäsche, die schon um sechs Uhr früh lustig im Garten auf der Leine flatterte, liegt um acht Uhr ein guter Teil beschmutzt und sogar angerissen drüben am Gartenzaun — ein plötzlich auf. springender Märzsturm ist der Missetäter. Das Mädchen läuft daraufhin mit dickverquollenen Augen und tief beleidigtem Gesicht umher, und seine Nervosität macht sich schließlich beim Spülen des Frühstücksgeschirrs dadurch Luft, daß zwei gute Kristall- gläser, statt auf dem Tisch, neben dem Tisch landen.
Monika behauptet zwar ironisch, Scherben brächten Glück, aber im Augenblick ist keiner geneigt, es ihr zu glauben. Im Gegenteil, Tante Martha hält dem Mädchen eine lange und laute Predigt über dessen allgemeine und besondere Fahrigkeit, die ; allein an dem „Unglück" schuld sei, und Vater Ham- , merbachec tobt inzwischen wie ein wilder Löwe zwi-
* Lich, 29. Mai. Am.Sonntagnachmittag fanden sich 20 Kirchenchöre mit nahezu 800 Sängern und Sängerinnen in Lich ein, um gemeinsam eines der größten unserer deutschen Musiker, des Komponisten Heinrich Schütz, zu gedenken.
Mit dem Präludium c-moll von Johann Sebastian Bach (1685 bis 1750) wurde die Feierstunde in der Marienstiftskirche eingeleitet. Dem Organisten, Lehrer i. R. Karl Stein, gelang es vortrefflich, auf dem großen Werk die Komposition mit der wunderbaren Führung der einzelnen Stimmen, deren jede ihre eigne Melodie singt, die sich aber zu einem herrlichen Gewebe künstlich verschlingen, wiederzugeben. Die Frauenchöre traten in zwei Gruppen, geleitet von Chormeister Kröll (Gießen) und Chormeister Schäfer (Garbenteich) auf, von denen die eine die Komposition „Mit Freuden zart..." aus dem 16. Jahrhundert darbot. Die Gemischten Chöre sanaen ebenfalls gruppenweise unter Leitung der Chormeister Theiß (Klein- Linden), Römer (Großen-Linden), Becker (Treis a. d. Lda.) und Stein (Lich). Sie warteten mit Kompositionen von Joh. Seb. Bach und Mich. Praetorius auf. Im „Gloria sei dir gesungen..." von Bach vereinigten sich sämtliche Gemischten Chöre zu einem Gesamtchor. Dieser konnte sich in dem weiten, hohen Raum voll entfalten. Mit der Fuge f-moll von Georg Friedrich Händel (1685 bis 1759), einem der Meisterwerke des Komponisten, klang der Festgottesdienst aus.
In dem Festgottesdienst hatten folgende Chöre mitgewirkt: Gesamt gemeinde Gießen, Stadtkirchenchor Gießen, Luthergemeinde Gießen, Heuchelheim, Leihgestern, Watzenborn-Steinberg, Oppenrod, Treis a. d. Lda., Allendorf (Lahn), Großen-Linden, Klein- Linden und Lich. An Frauenchören waren beteiligt die Chöre von der Petrusgemeinde Gießen, Großen- Buseck, Alten-Buseck, Reiskirchen, Steinbach, Hausen, Garbenteich und Klein-Linden.
In der Predigt sprach Studienrat Lic. Schor- lemm er (Mainz), der langjährige frühere Pfarrer von Lich, darüber, wie wahre Freude eine ernste Sache sei und wie die Kirchenchöre Freude in die Gemeinden tragen sollten.
In der Nachfeier, die ebenfalls in der Kirche stattfand, mar auf Veranlassung des Chorleiters und Organisten der Johanneskirche Gießen, Musiklehrer Nebeling, die Feier in Gestalt einer „Geistlichen Abendmusik" ausgebaut worden. Diese war ganz dem Gedenken des Altmeisters Heinrich Schütz (1585 bis 1672) gewidmet.
Die Vortragsfolge brachte in der „Geistlichen Abendmusik" einige Werke von Schütz, die für das
Partien völlig gewachsen.
An Solisten waren beteiligt: Sopran: M. Nebeling, M. Wagner; Alt: I. Adam; Tenor: Pfarrer Lic. Laun; Baß: G. Bley, H. Undeutsch; Violine: A. Rein, R^Mürrle, I. Müller, W. Hinkel; Violin- cello: K. Appenheimer, I. Weyl; Bratsche: H. Römer und Orgel: Karl Stein. Sämtliche Mitwirkenden bemühten sich mit viel Erfolg, den ihnen auf getragenen Partien völlig gerecht zu werden.
Die Gesamtleitung lag in den Händen von Musiklehrer Johannes Nebeling (Gießen), dem das Hauptverdienst an dem guten Gelingen der sehr schön verlaufenen Veranstaltung gebührt. Herr Nebeling hatte auf Auswahl und Einübung der Musikwerke größten Wert gelegt und den Chören zum ersten Male mit diesen neuen Aufgaben neue Wege und Ziele vorgezeichnet.
Propst Knodt (Gießen) begrüßte die Kirchenchöre und die vielen sonstigen Festgäste. In seiner Ansprache schilderte er Heinrich Schütz als gottbegnadeten Musiker, der in seinen Werken wahr,


