lfr.176 Erstes Blatt
Samstag,3O./$onntag,3t.3uIt 1938
188. Jahrgang
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Lies deutete darauf hin, daß die Regierung ent- t'ggni ihres mehrfach wiederholten feierlichen Der- j orcijens das Nationalitätenstaat, ohne sich vorher Lanöer mit den nichttschechischen Volksgruppen zu
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Wir alle stehen unter den Gesetzen deutschen Volkstums
Konrad Henlein spricht.
„Deutsche Volksgenossen! Viele tausende deutscher Männer und Frauen, Jungen und Mädel aus dem Auslande sind hier in Breslau zu der bisher größten auslandsdeutschen Feier- tunde im Großdeutschen Reich angetreten. Deutsche aus der ganzen Welt, aus allen Ländern, wohin das Schicksal Menschen unseres Volkes verschlagen hat, sind hier zu einem echten deutschen Volksfest vereinigt. Das deutsche Volk im Reich hat seine Brüder und Schwestern oon. draußen auf das allerherzbichste empfangen: Deutsche afls Uebersee und den ehemaligen Kolonien, Volksgenossen aus allen deutschen Volksgruppen Europas und darunter b e - sonders viele Grenzland deutsche. Es ist für mich eine ehrende Pflicht, in dieser Stunde im Namen der Deutschen jenseits der Grenzen allen unseren aufrichtigen und tiefen Dank zu sagen. In diesen Tagen ist das Deutschtum des Mutterlandes mit dem Deutschtum außerhalb des Reiches in einer großen und herzlichen Festgemeinschaft vereinigt.
Vesser als Warle es könnten, beweist dies großartige Treffen deutscher Menschen aus aller Welt, daß es wieder ein einiges, ein großes und stolzes deutsches Volk
gibt, durchdrungen von einer Weltanschauung und erfüllt von einem starken Glauben. Das Streben, aus Staatsgrenzen auch geistige Grenzen zwischen Angehörigen des gleichen Volkes zu machen, ist an dem volkhaften llrgefühl des deutschen Menschen zusammengebrochen, wir Ausländsdeutsche geben dem Staate, was des Staates ist und dem Volke, was des Volkes ist. Als Deutsche sind wir gewohnt, übernommene Pflichten gewissenhaft zu erfüllen. So nehmen wir auch die Erfüllung unserer Pflicht gegenüber den Staaten, denen wir angehören, ernst und gewissenhaft. Aber auch als Staatsbürger der verschiedensten Länder und Mächte sind und bleiben wir deutsche Volksbürge r. die sich freiwillig unter die G e - sehe deutschen Volkstums stellen. Wir sind ein Volk geworden, die Gemeinschaft aller Deutschen In der Welt.
Ich habe die Deutschen Turnfeste von München 1923, Köln 1928 und Stuttgart 1933 miterlebt. Heute in Breslau ist der gewaltige Durchbruch volksdeutscher Erneuerung überall sichtbar. Das Stuttgarter Turnfest stand mit am Anfang dieser Neuwerdung des deutschen Volkes. Nur fünf Jahre liegen zwischen Stuttgart und Breslau. In dieser schicksalsvollen Zeitspanne ist ein neues
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Mengenabschlüsse Staffel B
deutsche Partei parierte den Anschlag mit der Veröffentlichung des vollen Wortlauts ihrer Denkschrift, worauf nun die tschechische Regierung glaubte, mit ihrem eigenen Entwurf des Nationalitätenstatuls nicht lange Hinterm Berg halten zu dürfen. Das der Regierung nahestehende „Prager Tageblatt brachte eine genaue Gliederung und ausführliche Inhaltsangabe des Entwurfs. Die Veröffentlichung, die wir im einzelnen hier schon unter die Lupe genommen haben, deckt sich durchaus mit dem, was den Vertretern der Sudetendeutschen Partei in ihren Besprechungen mit Hodza und seinen Ministerkollegen bekannt geworden ist. Um so überraschender kommt nun die Verlautbarung des amtlichen tschechischen Preßbüros, daß die Veröffentlichung des „Prager Tageblatts" unvollständig sei und schon deshalb kein wirklich erschöpfendes Bild des Regierungsentwurfs geben könne, weil dieser in seiner endgültigen Fassung noch nicht vorliege. Die allzu offensichtlichen Widerspruche losen sich schnell. Die tschechische Regierung hat mit der Veröffentlichung ihres Entwurfs in der gleichen Fassung, in der er auch der Sudetendeutschen Partei bekanntgegeben worden ist, einmal vorfühlen wollen, ob die darin gemachten „Zugeständnisse wohl hinreichen würden, um in der öffentlichen Meinung Englands und Frankreichs als ernste Ausgleichs- bemühung gewertet zu werden. Wir haben hier schon vor einigen Tagen ausführlich dargelegt, daß der Regierungsentwurf in der veröffentlichten Form nichts ist, als eitel Schaumschlägerei. Er sucht den Anschein zu erwecken, als ob ein neues Nationali- tätenstatut stipuliert werde. In Wahrheit aber sind alle wesentlichen Bestimmungen so dehnbar gesagt worden, daß den sattsam bekannten Auslegungskünsten der Tschechen Tür und Tor geöffnet bleiben An den Kern des Nationalitatenproblems, die Zuerkennung der Dolkspersönlichkeit an die nicht- tschechischen Volksgruppen, geht der Reglerungsent-
Feierstunde des Deutschtums im Ausland.
Dr. Goebbels und Konrad Henlein sprechen in Breslau zu den Deutschen aus aller Wett
krlchetttt täglich, außer 6>nntags und Feiertag» Siilagen: Die Illustrierte (Bießenei Familienblätter Häm al im Bild • Die Scholle Monatr-vezugrpreir:
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deutsches Volk und ein neuer deutscher Staat erstanden. Dieses neue vom Führer geschaffene Reich zu sehen, ist für uns Ausländsdeutsche ein freudiges und tiefes Erlebnis. Wir sind als Gäste des Reiches hierher nach Breslau gekommen und stehen ergriffen vor dem gewaltigen lebendigen Werk Adolf Hitlers, vor diesem Deutschland der Arbeit. Wir sehen das Reichsvolk Großdeutschlands am gewalttgen Aufbauwerk seiner Geschichte und schöpfen daraus auch für uns und unseren Kampf neuen Glauben und neue Zuversicht. Wir Ausländsdeutsche erleben das Werk der deutschen Revolution in einer Stärke und in einem Ausmaß, wie es sich der Binnendeutsche kaum vorzustellen vermag. Denn wir wissen, Größe und Glück des Groß» deutscher! Reiches ist Größe und Glück des ganzen deutschen Volkes, ist aber auch Größe und Glück ganz Europas und aller seiner Völker. Es ist unsere -tiefste Ueberzeugung, daß Deutschland von der Geschichte ausersehen ist, jenes neue Recht zwischen den Völkern zu finden, das einzig und allein unserem unruhigen Erdteil den echten und wahren Frieden bringen kann.
Daß wir Deutsche zu dieser großen inneren Einheit gefunden haben, danken wir einem einzigen Mann: Adolf Hilter! Wir werden dann wieder in unsere Heimatländer zurückkehren, stolz darauf, daß uns das Schicksal eine besondere und schwere Aufgabe zugewiesen hat: Die deutsche Scholle und das deutsche Blut treu zu hüten und mitzuhelfen, dem deutschen Volk den Frieden zu sichern. Als Sprecher der größten deutschen Volksgruppe in Europa bekenne idf zugleich für alle übrigen Deutschen außerhalb der Reichsgrenzen: Dir alle sind unlösbare Teile des grohdeutschen Volkes! Dem Manne,-der Europa und der Welt das gewaltigste Beispiel eines friedlichen Aufbauwerkes gibt, dem Manne, der das deutsche Volk vor dem sicher scheinenden Untergänge gerettet hat, diesem Manne schlagen die Herzen von Millionen deutscher Menschen auch außerhalb der Reichsgrenzen in tiefster Dankbarkeit entgegen. So grüßen wir ihn hier bei der Feierstunde der Ausländsdeutschen und bringen ihm unsere Liebe und unwandelbare Treue zum Geschenk. Dem Führer Adolf Hitler Sieg-Heil! Sieg-Heil! Sieg-Heil!
Dr. Goebbels spricht.
Nachdem der Reichssportführer sodann den deutschen Brüdern und Schwestern aus dem Auslands den Gruß der Heimat entboten -hat, nimmt, von einem erneuten Jubelsturm ohnegleichen empfangen, Reichsminister Dr. Goebbels das Wort.
Dr. Goebbels, sichtlich bewegt von dem Geist der Stunde und von dem zauberhaften Bild, der wie durch einen glühenden Ring durch die Fackelträger zusammengeschlossenen Gemeinschaft aller Deutschen, vermag bereits mit seinen ersten Worten die Herzen seiner Zuhörer zu packen. Er wies eingangs darauf hin, daß er vor dem gleichen Kreise deutscher Männer und Frauen von jenseits der Grenzen vor nunmehr fünf Jahren auf dem deutschen Turnerfest in Stuttgart gesprochen jhabe. Damals habe das Reich noch am Beginn
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wurf gar nicht heran. Er bleibt von den Forderungen der Sudetendeutschen soweit entfernt, daß selbst das nur mäßig interessierte und im allgemeinen auch schlecht interessierte Ausland die Kluft peinlich empfindet. Da also der erhoffte Beifall ausbleibt, rückt man in Prag schleunigst von dem Entwurf ab und behauptet, die Veröffentlichung könne kein vollständiges Bild der Absichten des Kabinetts geben.
Aber es ist gut, daß dies Täuschungsmanöver so schnell entlarvt ist, denn damit ist auch der Plan gescheitert, den englischen Vermittler vor vollendete Tatsachen zu stellen. Lord Run ci man, der als liberaler Abgeordneter einst zu dem Demagogen Lloyd George in schärfster Opposition stand und sich später als Handelsminister in den nationalen Regierungen Macdonalds und Baldwins einen Namen gemacht hat, ist ein bekannter Reeder, der Zwar außenpolitisch sich wenig betätigt hat, aber den Ruf eines geschickten Unterhändlers genießt. Die britische Regierung hat geflissentlich betont, daß. er als Berater nach Prag kommt, in voller Freiheit und Unabhängigkeit, ohne Auftrag und Instruktion, lediglich von dem Wunsch der Regierung begleitet, daß seine Vermittlung zwischen der tschechischen Regierung und der Sudetendeutschen Partei zu einem brauchbaren und dauerhaften Ergebnis führen möge. Wie sehr England daran gelegen ist, zu verhindern, daß die tschecho-slowakische Frage noch länger die internationale Atmosphäre trübt und den europäischen Frieden bedroht, hat Ministerpräsident Chamberlain in seiner letzten gro- ß)E. Unterhausrede mit größtem Nachdruck betont. Wenn Lord Runciman Erfolg haben will mit seiner Mission, wird er der tschecho-slowakischen Regierung zu verstehen geben müssen, daß sie sich mit einem so unverfrorenen Bluff, wie es ihr Nationalitätenstatut darstellt, nicht um klare Verpflichtungen Herumdrücken kann. „Die Atmosphäre hat sich gebessert"^ hat Chamberlain festgestellt. Die tschechische
6in zweideutiges Spiel
Hie Mission Lord Walter Runcimans, der ]ö6r nicht im amtlichen Auftrag der britischen Re- lierung, aber auf ihre Anregung hin und mit der aiüorität - seines Landes als „investigator and ndiator“ als Erforscher und Vermittler nach ßrcg geht, könnte für das Problem der Reorgani- \a m des tschecho-slowakischen Staates eine neue in vielleicht sogar entscheidende Phase bedeuten. Lmland und Frankreich, die durch ihre entschiede e Stellungnahme in aller Öffentlichkeit sowohl Di hinter den Kulissen immer und immer wieder ßrrg ermuntert Haden, sich auf alle Forderungen der Wetendeutschen und der and.eren nicht-tschechi- jchii Volksgruppen nach einer vernünftigen Re- aeting des Nationalitätenproblems taub zu stel- Itii, haben erst in dem Augenblick, als auch ihnen die Zuspitzung der Lage für den europäischen Frie- )en bedrohlich zu werden begann, sich entschlossen, nii fünften Mahnungen und Ratschlägen in Prag
scheint, begleitet vom Gauleiter und Oberpräsidenten, dem Reichssportführer, dem Gauleiter und Staatssekretär Bohle, dem Kommandierenden General des VIII. Armeekorps, Konrad Henlein und dem Führerkorps. Die Arme fliegen hoch. Im rhythmischen Takt ertönen die Heilrufe der Massen. Dann ertönen Kommandoworte, und in feierlichem Zug marschieren die Fahnen, an der Spitze das neue Bundesbanner des Reichsbundes für Leibesübungen, flankiert von zwei Hakenkreuzfahnen und begleitet von den ältesten Traditionsfahnen der deutschen Turn- und Sportvereine im Auslande, in die in der Mitte freigelassene Gasse, gefolgt von der stattlichen Abordnung der schwarzweißen Fahnen des sudetendeutschen Turnoerbandes und den Bannern der deutschen Turn- und Sportvereine in aller Welt. Man erkennt im matten Licht des Abends und der Scheinwerfer die Fahnen der deutschen Turner Nordamerikas, Chiles, Australiens und all der anderen Länder, aus denen Abordnungen zum Deutschen Turn- und Sportfest nach Breslau gekommen sind. Mit der Fahnengruppe marschieren auch die auslandsdeutschen Turnerinnen in schönen Trachten oder auch in schlichter Sportkleidung ein.
Dann intoniert die Musik unter atemloser Stille eine feierliche Weise, und die Wiener Singgruppe fällt mrf dem Liede „Heiliges Vaterland" ein. Bald stimmen alle ein. Ergriffen lauschen die Deutschen aus dem Altreich diesem Bekenntnis zum deutschen Blut und zur deutschen Art. Der Reichssportführer, Staatssekretär von Tschammer und Osten-, eröffnet die nächtliche Feierstunde und gibt dem Vorsitzenden des Sudetendeutschen Turnverbandes, Konrad Henlein, das Wort.
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Iiq die Sudetendeutschen, Slowaken, Polen, irn und Ruthenen einfach kaltzustellen. Das malitätenstatut sollte in einer Form, die an grundsätzlichen Stellung der Tschechen als ern- und allein herrschendes Staatsvolk in der iblik nicht das geringste ändern würde, unter rung des demokratischen Scheins dekretiert l£n. Vermutlich hielten die Tschechen diesen für besonders schlau. Man konnte den auf \ Beitrag zur Sicherung des Friedens hm- bäugenben Franzosen und Engländern etwas vor- r-usn, was dem Nichteingeweihten roie eine Losung r-s Nationalitätenproblems erscheinen mußte, in Lchrheit blieb aber alles beim alten, die tschechische Lsmachtstellung wäre wieder einmal gerettet ge- v?j n. Aber der Trick war zu schlau. Den Eng- Ciiiern ahnte von einer rein parlamentarischen Er- Oi: ung der Nationalitätenfrage nichts Gutes, sie ithm eine vorherige Einigung zwischen Regierung i Sudetendeutschen, also ein ähren wie es ir Hodza ursprünglich in Aussicht gestellt hatte fr lieber gesehen. Das britische Kabinett schlug >hr die sofortige Entsendung eines unpartei- Ijtrt Vermittlers vor, die man anfangs nur für bin Fall des Scheiterns dieser Verhandlungen pichen tschechischer Regierung und Sudetendeut- str: vorgesehen hatte. Mit süß-saurer Miene mußte N die'sem Vorschlag zustimmen. Aber so schnell p man die Partie nicht verloren. Die Takttk luie gewechselt. Hatten die Tschechen bislang sich st-h weislich gehütet, auch uur em Wort darüber Ikuten zu lassen, was in Ministerkonfer^nzen M parlamentarischen Ausschüssen über dasMatto «2t-n.st-.ut ausgebrätet Worten »«***»«*
Regierung hat nichts dazu getan. Nur die beispiellose Disziplin der sudetendeutschen Bevölkerung und die immer wieder auf die härteste Probe gestellte Ge- duld Deutschlands haben den Frieden erhalten. Chamberlain hat dies anerkannt und der lieber» zeugung Ausdruck gegeben, daß mit der Lösung der Nationalitätenfrage in der Tschecho-Slowakei ein weiterer Schritt zu einer allgemeinen Befriedung getan werde. Er hat den deutsch-englischen Flotten- vertraa als ein Beispiel dafür angeführt, daß im Gegensatz zu der Meinung englischer und franzö» sischer Volksfrontkreise ein vollständiges lieberem» (ammen . zwischen demokratischen und autoritären Staaten durchaus möglich sei. Er hat das Flottenabkommen als einen praktischen Friedensbeitrag des Führers bezeichnet, der in seiner Bedeutung noch nicht genügend gewürdigt worden fei. Aehnlich hat sich auch der ehemalige französische Ministerpräsident Flandin, der Wortführer der Opposition gegen das Vottsfrontexperiment in Frankreich, geäußert. Auch er setzte sich lebhaft für eine Verständigung mit Deutschland ein. Diese Stimmen der Vernunft verdienen um so größere Beachtung, als Presse und Parlamentarier der Linken, die Zwar theoretisch auf die Ideologie eines radikalen Pazifismus ein- gefchworen find, sich geradezu überschlagen in einer skrupellosen Kriegshetze und sich befleißigen, in unverantwortlicher Weise eine Stimmung zu schaffen, die, wie Chamberlain und Daladier nachdrücklich betont haben, der konkreten politischen Lage in keiner Weise entspricht. Um so notwendiger ist es, mit allem Ernst und größter Aufrichtigkeit die als den Frieden bedrohende Krisenherde erkannten „neuralgischen Punkte" Europas in sorgfältige Behandlung zu nehmen und mit ihrer Ausheilung den haßerfüllten und verblendeten Kriegshetzern den Wind aus den Segeln zu nehmen.
Dr. Fr. W. Lange.
Breslau, 29. Juli. (DNB.) Zu einem unvergeßlichen Erlebnis wurde am Abend des Freitag die Feierstunde des Deutschtums im Ausland auf dem nächtlichen Schloßplatz, bei der Reichsminister Dr. Goebbels eine hinreißende Ansprache an ' die deutschen Brüder und Schwestern aus aller Welt hielt, die zum großen Fest der Leibesübungen nach Breslau gekommen sind. Den Dank der Ausländsdeutschen sprach der Führer der Sudetendeutschen, Konrad Henlein, aus.
Der ganze, von hohen Tribünen eingefaßte Schloßplatz, in dem girlandengeschmückte Fahnentürme das gewaltige Viereck andeuteten, bietet mit der Silhouette der Stadttürme über dem Grün der Bäume ein imposantes Bild. Hachaus steigen die von Fahnenmasten eingefaßten Tribünen, die seit Stunden Kopf an Kops von einer erwartungsfreudigen Menge besetzt sind. Unmittelbar vor dem Rednerpodium stehen die Blocks der deut-, schen Brüder aus aller Welt, im dullk- len Graugrün das stattliche Aufgebot der fudeten- deutschen Turner, im hellen Grau die sudetendeutsche Jugend, dazu die verschiedenen Abordnungen des schaffenden Südetendeutschtums, unter ihnen auch ein Bergmannsmusikzug in Knappentracht mit roten Federbüschen an den Kappen. Hinter den Sudetendeutschen folgen die Abordnungen aus dem übrigen Europa und aus Uebersee, alle mit ihren Fahnen, viele in ihren Trachten oder in sportlichem Gewände.
Vom Hotel Monopol her, wo eine dichte Menschenmauer Spalier bildete, tönt das Brausen der Heilrufe, als Reichsminister Dr. Goebbels er-
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberheffen
Druck und Verlag: Vrühlsche Univerfitatsdruckerei R. Lange in Gießen. Zchristlettung und GeschSstsftelle: 5chulftratze 7
n U)re der Regierung übergebenen Vorschläge ! Mchtet, so ließ man jetzt plötzlich, wo Lord | irriman sich auf den Weg nach Prag macht, 11 i Bombe platzen. Eine dreiste Indiskretion mvcht
i Anfang. Don Prag aus wurde m einen fransigen Nachrichtendienst ein sinnentstellend ver- trrmelter und zurechtfrisierter Auszug der sudeten- ill.chen Denkschrift lanciert zu dem durchsichtigen Dti, die sudetendeutschen Forderungen in iMnr- ‘<1 als. überspannt und völlig unvereinbar mi bc in Paris so oft betonten „Integrität öer H^cho-slowakischen Republik erscheinen zu lassen.
Öiife nur ein Dertrauensbruch diesen hinterhältig Schachzug hatte möglich machen können, lag Ur iauf der Hand, denn allein der tschechischen Re- Rnmg waren die Vorschläge der Sudetendeutschen Inei zur Kenntnis gebracht worden. Die Sudeten-
in-uwirken. Daß sie damit bis heute so wenig ir >lg gehabt haben, hat eben seinen Grund darin, ' die Tschechen, gestützt auf ihre Militärverträge Frankreich und der Sowjetunion, glauben, die Zeftißheit haben zu dürfen, es fei in Paris und .Lodon nicht fo ernst gemeint und man werde sie, :t)em sie es zum Aeußerften kommen ließen, schon ritf: fallen lassen. Unterstützt wurden sie in dieser ’IiFajfung durch die seltsam einseitige Unterrich- : iiitn, die Frankreich und England sich ausschließlich Fühlungnahme mit der tschechischen Regie- itlg auf dem üblichen diplomatischen Wege ueifchafft haben. Aus diese Weise konnte man mit ■ rQ.. m liiiiim so zähen, verschlagenen und skrupellosen Der- 015 015} JtatMungspartner wie den Tschechen, denen jedes
Wittel recht ist, das sie vor dem Zwang zu einer lci?n Entscheidung bewahrt, niemals zum Ziel liprtimen. Die tschechische Verschleppungstaktik feierte ixrlre Orgien. Man erörterte wochenlang im Gre- xium der sogenannten politischen Minister, welche Ziixeständnisse man den Volksgruppen wohl machen He, die wohl im schlecht unterrichteten Ausland UN Anschein von Entgegenkommen erwecken sollten, M aber in dem zu verblendeten Chauvinismus msishetzten tschechischen Volk die Stellung der Re- »enmg zu gefährden. Man nahm zwar eine Denkest der Sudetendeutschen zur Kenntnis, zögerte abr seinerseits von Woche zu Woche den Augen- blit hinaus, wo man selbst Farbe bekennen mußte. In) als das schließlich nicht mehr versing, und &i:Ianös Neugier auf den Inhalt des schon sagen- tzchn Nationalitätenstatuts immer unbequemer vll'de, verschob man in Prag die ganze Diskussion ms dar parlamentarische Gleis. Ein in keiner Weise bfoetenter Ausschuß der Regierungsparteien mliDe mit dem DtcAonalitätenftatut befaßt. Ja, d lärerunq nahm, da sie im Parlament für ein ,:esissungsänderndes Gesetz über keine hinreichende M rheit verfügt, bereits mit den tschechischen Par- re ie? der Opposition Fühlung auf.


