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HUGO Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)

30. April /l. Mai 1938

Rom zum Empfang des Führers gerüstet.

Rom, 29. April. (Europapreß.) Vier Tage vor, der Ankunft des Führers in Rom ist die italienische Hauptstadt bereits vollständig zu dem überwältigen­den Empfang gerüstet, den sie dem Schöpfer des dem Faschismus geistesverwandten Nationalsozialis­mus und dem Staatschef der befreundeten deutschen Nation zu bereiten gedenkt. Die prächtige Aus­schmückung der Stadt, die selbst die Siegesfeste der römischen Imperatoren in den Schatten stellen dürfte, ist nahezu fertig. An den wenigen Stellen, wo die Arbeiten in Rückstand geraten waren, wird mit Hochdruck geschafft, damit beim Einzug Adolf Hitlers das ewige Rom in glänzender und un­tadeliger Schönheit erstrahlt.

Die Beoölkerimg Roms ist von früh bis spät auf Len Beinen, um sich von den Fortschritten zu über­zeugen, die das Festkleid ihrer Stadt stündlich macht. Viele tausende Provinzler und Ausländer, die das bevorstehende große Er­eignis nach Rom gelockt hat, mischen sich unter die Menge. Die Soldaten und uniformierten Faschisten, die aus ganz Italien herangezogen worden sind, beleben das Straßenbild. Besonders fallen die Ko­lonialtruppen in ihren farbigen Uniformen, die nordafrikaniscben Reiter mit ihren weißen Män­teln und Burnussen und die aus Libyen gekomme­nen Jungfaschisten in Khakiuniformen und Tropen­helmen in dem Getriebe auf.

Am dichtesten sind die langsam dahinwandernden Menschenmassen naturgemäß inderUmgebung der Piazza Venezia, auf den Einzugsstraßen, der Via dei Trionfi, der Via dell'Jmpero und der Via Nazionale, dem Esreda-Platz mit seinem Na- faden-Brunnen, sowie in der Nähe des neuen Ostia- Bahnhofes und der,Sankt-Pauls-Pforte, wo fast allabendlich Beleuchtungsproben veranstal­tet werden, bei denen die herrlichen Ueberreste der alten römischen Bauten in zauberhaftem Lichte er­strahlen. Die italienischen Techniker, die mit der An­lage der Lichtkünste beauftragt waren, haben von allen Möglichkeiten Gebrauch gemacht, von der offe­nen Flamme bis zur Neonröhre, um, je nach, der Umgebung, die vorteilhaftesten Lichtwirkungen zu erzielen. Ihre Bemühungen werden heute schon bei den Proben durch die Bewunderungsausbrüche der Menge belohnt, die auch den sonstigen Festschmuck, in dem sich die Hoheitszeichen der beiden Staaten, der nationalsozialistische Aar und das Liktoren­bündel, die Hakenkreuze, die römischen Adler und Feldzeichen, die Savoia-Wappen tausendfältig mit­einander vermischen, gebührend bewundern.

Die, römischen Geschäfte stehen schon seit Wo­chen völlig im Zeichen des Führer-Besuches. Die Schaufenster und Auslagen der einschlägigen Läden bestehen fast nur noch aus Fahnen der beiden Län­der, Bildern Hitlers und Mussolinis, Andenken, die in irgendeiner Form die Freundschaft der beiden Volksführer und der beiden Nationen, mitunter auch das Dreieck BerlinRomTokio, versinnbildlichen. In fast allen Schaufenstern sind Bilder des Führers und des Duce zu sehen. Auch viele in Privatbesitz be­findliche Gebäude sind instandgesetzt und neu ange­strichen worden.

Die gewaltigen Versammlungs statten, die aus'Anlaß'des Führer-Besuches errichtet wor­den find, gehen ebenfalls ihrer Fertigstellung ent­gegen. Auf dem Flugplatz Centocello erhalten die in weitem Halbkreis aufgebauten Tribünen, die ge­legentlich der Parade der 52 OOO Junqfaschisten des Lagers Roma 100 000 Zuschauer aufnehmen wer­den, bereits ihren Anstrich. Am Eingang des aus 12 000 Zelten bestehenden Lagers, das Adolf «Hitler besuchen wird, ist ein 24 Meter hohes Eing a n g s- t o r errichtet worden, zu dessen Scheitel zwei huf­eisenförmige Treppen hinaufführen und dessen Stirn- und Seitenwände die WorteDuce" und Führer", mächtige Hakenkreuze und Liktorenbündel tragen.

Im Forum Mussolini wird die letzte Hand an die hölzernen Sitzreihen gelegt, durch die das in Marmor erbaute Pinien-Stadion erweitert worden ist, um die Zahl der Plätze von 10 000 auf 70 000 zu erhöhen. Jenseits des Stadions nähert sich der Bau der gewaltigen Freilichtbühne von 120 Meter Breite und 50 Meter Tiefe, auf der zu Ehren des Führers derzweiteAktdesLohengrin aufgeführt werden wird, seinem Ende. In der Via dei Trionfi steht die große Ehrentribüne in Form einer langgestreckten, mit Adlern, Schiffs­schnäbeln und Reliefs geschmückten Säulenhalle fertig, um den Führer, den Duce und ihr Gefolge bei der Riesenparade des italienischen Heeres auf­zunehmen. Noch wenige Tage, dann werden die hei­teren grün-weiß-roten Trikoloren Italiens und die Fahnen des Dritten Reiches mit ihrem leuchtenden Rot und dem schwarzen Hakenkreuz im weißen Son­nenfeld zu Tausenden fröhlich im Winde flattern, um die Führer der beiden Nationen -zu grüßen, aus deren Einvernehmen die herzliche Völkerfreundschaft geboren worden ist, der jetzt die Bevölkerung des faschistischen Italiens mit der gleichen stürmischen Begeisterung Ausdruck geben wird, wie das deutsche Volk beim Besuche Mussolinis in Deutschland im vergangenen Herbst.

Der 3. M nationaler Feiertag in Mien.

Eine Ehrung für den Führer und Reichs­kanzler.

R o m, 29. April. (DRB.) Die ilälienische Regie­rung hat anläßlich des Besuches des Führers und Reichskanzlers folgendes Gesetz erlassen:

Der 3. Mai 1938 (Jahr XVI der Faschistischen Zeitrechnung) ist zum Rationalen Feiertag erklärt worden. Feiertage im Sinne des Gesetzes werden außerdem der 5. M a i 1 938 für die Provinzen Avellino, Benevento, Lilloria, Neapel und Salerno und der 9. M a i 1 938 für die Provinzen Frosinone, Rieti, Rom, Viterbo, Arezzo, Florenz, Grosseto, Livorno, Lucca, Maria Carrara, Pisa, Pistoria und Siena. Die Präfekten werden ermächtigt, für die Tage des 3., 5. und 9. Mai 1938 die teilweise oder vollständige Schließung aller Betriebe anzuordnen. 3m Falle der Schließung werden den Arbeitern die Löhne ausgezahlt, doch ist es den Arbeitgebern freigestellt, die verlorenge­gangenen Arbeitsstunden nachholen zu lassen. 3n Rom können für den 8. Mai die Bestlmmun - gen über die Sonntagsruhe aufge­hoben werden.

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Blick aus das Nationaldenkmal sowie das Capitol. (Scherl-Bilderdienst-M.)

Die Generalprobe für die große Wrer-parade.

30000 Mann aller Waffengattungen vor dem Duce.

Rom, 29. April. (DNB.) Einen ersten Eindruck von der Großartigkeit der zu Ehxen des Führers auf der Via dei Trionfi vorgesehenen großen mili­tärischen Parade vermittelte am Freitag der Vor­beimarsch aller daran teilnehmenden Truppenformationen in Stärke von 30000 Mann mit 2500 Pferden, 600, Kraftfahrzeugen. 320 Raupenschleppern, 400 Panzerwagen, 200 Mörsern und 400 Kanonen vor dem Duce. Zum erstenmal war Mussolini in der Uniform eines Er st en Marschalls des Imperiums er­schienen und nahm in Anwesenheit von Parteisekre­tär Starace sowie der drei Staatssekretäre im

Wchrmachtsministerium und des Generalstabschefs der faschistischen Miliz diese über vier Stunden dauernde Parade aller Waffengattungen ab. An­schließend begab sich Mussolini in die große Zelt­stadt des dritten Campo Romano, wo er von den dort aus allen 94 Provinzen sowie den Kolonien zusammengezogenen 52 000 Jugendlichen begeistert empfangen wurde. Nach eingehender Besichtigung des großen Lagers sprach der Duce dem Parteisekre­tär Starace seine vollste Anerkennung für die hervorragende Haltung und Disziplin der im Liktorenbündel zusammengeschlossenen faschisti­schen Jugend aus.

Straße mit einem Male auffallend bessert und re­gelmäßig Meilenpfähle gesetzt sind. Später wurde seitwärts ein Grenzposten mit roten Gebäuden sicht­bar, aber weder kümmerte sich Addax um den Po­sten, noch der Posten um Addax. Gegen 10 Uhr abends fuhren wir in Kano ein und landeten im French Campement. Als ich hier die phantastisch umfangreiche französische Wirtin fragte, ob sie nicht am Ende auch Deutsch könne, ihre Kollegin in Zinder war in Wien zur Schule gegangen! sagte sie ganz eifrig, sie hätte einen -deutschen Mieter, dort gleich nebenbei wohnte er. Als ich die Tür öffne, sehe ich drei junge Deutsche, wie sie vor ihrem Radio sitzen und hören, wie gerade von Berlin Vie Meldung von der großen Tat des Füh­rers kommt: die Vereinigung Oesterreichs mit dem Deutschen Reich! Die Freude dar­über, dies Stück Weltgeschehen hier in Kano gerade mitzuerleben, überdeckte zunächst die andere,' im Augenblick für uns auch wertvolle Kunde, wir soll­ten für unfern Aufenthalt in Kano die Gastfreund­schaft eines großen deutschen Hauses genießen. We­nige Minuten später saßen wir bei gekühltem deut­schen Bier (!) unferm prächtigen Gastfreund gegen­über, einem der Männer, von dem das Wort gilt: Deutschland kann stolz auf sie sein!

Die Europäer wohnen in Kano abseits von der gewaltig großen Eingeborenen st adt, deren schwarze Bevölkerung, je nach der Jahreszeit und der Geschäftssaison, zwischen 70 000 und 120 000 schwankt. Kano ist noch ein Eingeborenen-Emirat. Dem Emir, einem Haussaneger, sind bedeutende Einkünfte und Rechte verblieben, aber er wird, durch einen englischen Residentenberaten", d. h. kon­trolliert. Der Emir hat, wie die indischen Fürsten, den Titel Hoheit (Bis Highness). Sein Palast in­mitten der Eingeborenen ist von einer hohen Mauer umgeben. Sie hat nur ein prunkvolles Tor. Innen liegen Teiche, Gärten und die mancherlei Gebäude eines islamisch-afrikanischen Hofhalts. Besuche beim Emir können nur in Begleitung des Residenten ge­schehen. Dem Palast gegenüber liegt, gleichfalls hin­ter einer hohen Lehmmauer, der Harem, in dem aber, wie es heißt, nur die älteren,abservierten" Frauen des Emir wohnen. Die jüngeren, bevorzug­ten hat er im Palastviertel bei sich. Als er kürzlich feine Wallfahrt nach Mekka mochte, sollen ihn von den insgesamt angegebenen 450 Haremsinsassinnen nur" achtzehn begleitet haben.

Die Eingeborenenstadt von Kano war früher von einer formidablen, viele Kilometer langen, noch durch einen tiefen Graben geschützten Lehmmauer umgeben. Für die alte afrikanische Kriegführung war Kano also eine starke Festung. Jetzt ist die Mauer an vielen Stellen zusammengesunken, die Grabenböschungen sind abgeflacht, aber die Tore werden noch allabendlich geschloffen. Das einzige Baumaterial in der Stadt ist Lehm. Wenn man über die Drähte der elektrischen Leitungen, einige zementierte Kanäle und die von einer Druckleitung gespeisten öffentlichen Brunnen hinwegsieht, die Zeu­gen des englischen Regiments sind, fo sieht Kano heute wohl'noch ebenso aus wie vor Jahrhunder­ten, zur Zeit der Haufsa-Herrschaft und der großen Sklavenjagden. Noch am Anfang des 20. Jahrhun­derts, als'die Engländer zuerst hier einrückten, war Kano der größte Sklavenmarkt von Jnnerafrika. Unser Gastfreund zeigte uns einen eingeborenen Millionär, einen Haussa-Großhändler, mit dem Be­merken: Der Mann ist noch als Sohn eines Skla­ven geboren; man kann ihm einen Scheck über 16 000 Pfund einhändigen, und er bleibt gut dafür ohne Quittung.

Der Markt von Kano ist etwas ganz Phantasti­sches. Der Marktkönig, ein imposanter Haussa, von dem uns gesagt wurde, er habe viele Medaillen vom Krieg in Ostafrika her, wo nigerische (Eingeborenem Regimenter gegen Lettow-Vorbeck jochten, begleitete uns mit seinem langen Amtsstab durch die endlosen

VII. Zur Statt der hunderttausend Schwarzen.

Kano, April 1938.

Der Uebergang aus der menschenleeren Sahara in den dicht bevölkerten Sudan geschieht ganz all­mählich auf einer Strecke von 700 bis 800 Kilo­meter. In Agades, wo wir am 9. März anlang­ten, nachdem wir zwei Nächte nicht aus den Klei­dern gekommen waren, ist das Bild noch sehr wü­stenhaft. Der Platz hat 3500 Einwohner, darunter nur wenige Europäer, einige französische Beamte und Militärs, und das.Wasser ist noch so knapp, daß Bäder im Hotel nicht vorgesehen und und auch der bescheidene Dusch-Eimer uns erst auf Bestellung am andern Tage gefüllt werden konnte. Alles ist aus Lehm gebaut, auch das berühmte Minarett, das man im Innern auf einem Schneckenumgang er­steigt. Von oben gewahrt man erst die Menge der' Häuser. Es gab aber, seit langem zum ersten Mal wieder, Rindfleisch und frisches Gemüse. In dieser Gegend finden die Herden des sudanesischen Buckelrinds ihre erste Weide.

In Agades gibt es noch viele T u a r e g s, die sich durch ihren höhen Wuchs, ihr fast ganz verhülltes Gesicht und ihre dem Berberischen verwandte Sprache auszeichnen.Die Verschleierten kommen!" war vor der französischen Herrschaft der Schreckens­ruf in den Oasen, wenn eine räuberische Tuareg- banbe auf ihren Rennkamelen, den Mehari, aus der Wüste hereinbrach. Heute sind die Meharisten, meist Tuaregs, die französische Wüstenpolizei unter.schneil- digen weißen Offizieren. Die Tuaregschmiede ferti­gen aus Silber ein eigentümliches, wahrscheinlich uraltes Schmuckstück oder Amulett, das sogenannte Kreuz von Agades, das als eine stilisierte mensch­liche Figur gedeutet wird.

Von Agades ging es mit einer Zwischenetappe fast 600 Kilometer nach Zinder, dem französischen Grenzplatz gegen Britisch Nigeria, das hier im Nor­den reinen Sudancharakter trägt. Die trockene Jah­reszeit ist viel schärfer ausgeprägt als die Zeit der Niederschläge. Gegenwärtig ist hohe Trockenzeit. In Agades wechselten wir vomMouflon" auf den Addax" (eine Antilopenart) hinüber, einen kleine­ren und leichteren Wagen, aber dieser Addax zeigte sich gleich als ein alter Klapperkasten. Die Sitze waren eng und unbequem, die Fensterscheiben lie­ßen sich nicht schließen, Schnelligkeitsmesser und was sonst noch aufs Armaturenbrett gehört, waren ver­flossene Dinge. Am Motor und an den Scheinwer­fern wurde ständig gebastelt.

Zinders Charakter als Grenzplatz ist an seinen militärischen Unterkunftsbauten und am ersten Auf­treten der Haussahändler mit ihren Geweben, ihren Leder- und Metallwaren zu erkennen. Kaum, war derAddax" eingetroffen, fo erschien schon ein hal­bes Dutzend Haussas in ihren flatternden Toben und weißen Mützchen in der Vorhalle des kleinen, netten Hotels und kramten aus, was sie feilzubieten hatten. In Zinder gab es zum Essen herrlichen Salat aus frischen Tomaten und den letzten Rot­wein. Einer der Reisegefährten ließ, da unsere Ziele nun bald auseinandergingen, zum Abschied Cham­pagner bringen, die beste Marke, Veuve Cliquot, der hier nicht einen Centime mehr kostet als in Frankreich. Das Getränk war (auroarpi, da es kein Eis gab, schmeckte aber doch vorzüglich und gab Stimmung. r , ,

Die Nacht war wieder kurz, um 6 Uhr Abfahrt n a ch K a n o ! Auf Kilometer 54 streikte der Motor, ließ sich aber auf Zureden bewegen, uns wenigstens nach Zinder zurückzubringen. Nach dreistündiges Re­paratur meinte der Fahrer, die 285 Kilometer bis Kano von neuem wagen zu können. Und wirklich, er schaffte es. Etwa halbwegs liegt die Grenze zwischen Französisch Westafrika und Britisch Nige­ria, die nur dadurch bemerkbar wird, daß sich die

Kreuz und quer durch den Schwarzen Erdteil.

Briefe von einer Afrika Reise.

Don Or. Paul Rohrbach.

Reihen der Derkaufsstände und über die von Men­schen wimmelnden offenen Plätze, wo alles Erdenk­liche, vom groben Wüstensalz bis zum Amulett­täschchen mit einem Koranspruch als Schutz gegen den bösen Blick, und bis zum silbernen Zweimark­stück mit dem Bilde Wilhelms II. und dem Münz­zeichen Berlin zum Verkauf auslag. Es mochten, schlecht gerechnet, 10 000 Menschen auf dem Markt sein, und wir dankten, als wir uns glücklich hin­durchgewunden hatten, dem Marktkönig und seinen zwei schwarzen Polizisten, die uns vorwärts und rückwärts gedeckt hatten, für ihr Geleit.

Amnestie für die Parieigerichtsbarkeit. Berlin, 29. April. Aus Anlaß der Schaf­fung Großdeutschlands hat der Führer für die Parteigerichtsbarkeit eine Amnestie erlassen. Die Verfügung des Führers hat folgenden Wort­laut

1. Parteigerichtliche Verfahren werden wegen Handlungen, di'e vor dem 10. April 19 3 8 begangen worden sind, nicht eingeleitet, wenn es sich um Verfehlungen handelt, für die eine geringere Strafe als der Ausschluß aus der Partei zu erwarten ist.

2. Im selben Umfang werden anhängige Verfahren eingestellt und erkannte Stra­fen erlassen, deren Frist noch nicht abge­laufen ist.

3. Die Beschränkung ehemaliger Lo­genangehöriger in der Partei wird, so­weit es sich nicht um Hochgrade handelt, ohne Rücksicht auf den Zeitpunkt des Austrittes aus der Loge aufgehoben.

4. Die Bestimmungen zur Durchführung dieser Verfügung erläßt der Oberste Richter der Partei.

München, 27. April 1938.

(Gez.) Adolf Hitler,

(Gez.) Walter Buch, Oberster Richter der Partei.

Fünf Fahre Reichsluftschutz­bund.

Die größte Organisation mit über zwölf Millionen Mitgliedern.

Berlin, 30. April. (DNB.) Im Zoo fand ein feierliches Gedenken an die vor fünf Jahren durch den Reichsminister der Luftfahrt und Oberbefehls­haber der Luftwaffe, Generalfeldmarschall Gö­ring, erfolgte Gründung des Reichsluftschutzbun­des statt. Der Präsident des Reichsluftschutzbundes, Generalleutnant von Roques, erklärte: Als heute vor fünf Jahren auf Veranlassung des dama­ligen Reichskommissars für Luftfahrt Hermann Gö­ring der Reichsluftschutzbund gegründet wurde, da war ein entscheidender Schritt getan zum Aufbau der Landessicherheit und zur Sicherheit der Bevöl­kerung. Immer wieder muß man betonen, daß der Luftschutz eine L e b en s f r a g e für das deutsche Volk bedeutet. Neben der fundamentalen Organi­sation des Bundes der zwölf Millionen ist auch die Ausbildung der Bevölkerung gewaltig vorwärtsgekommen. Millionen Volksgenossen sind ausgebildet worden. Als eine machtvolle und geach­tete Organisation steht heute der Luftschutzbund im nationalsozialistischen Deutschland da. Von 5 bis 6 Deutschen ist wenigstens einer Mitglied des Bun­des, und 600 000 sind als Amtsträger die würdigen Vertreter der Bewegung. Der Präsident erinnerte dann an die ersten Durchführungsbestimmungen zum Luftschutzgesetz, an die Gründung der Luft- schutzschule, deren Neubau in Wannsee zum Herbst bezogen werden soll, an die große Entrümpelung im vergangenen Jahr, und an die Stiftung des Luftschutzehrenzeichens für diejenigen, die sich be­sonders um den Luftschutz verdient gemacht haben.

Oer Werklustschutz.

Berlin, 29. April. (DNB.) Die Reichs­gruppe I n b u ft r i e, der die Leitung der Durch­führung des Werkluftschutzes übertragen ist, hatte eine Tagung für Betriebsführer. Staatssekretär der Luftfahrt, General der Flieger Milch, schilderte die Zusammenhänge zwischen Luftverteidigung und Werkluftschutz, dessen einwandfreie Vorbereitung ständige persönliche Einflußnahme der verantwort­lichen Persönlichkeiten der Werkluftschutzbetriebe be­dinge. Als Beweis der Würdigung für die bisher auf dem Gebiet des Selbstschutzes und des Werk­luftschutzes erzielten Leistungen sind durch den Füh­rer und Reichskanzler die ersten Luftschutz- Ehrenzeichen verliehen worden. Der Reichs­minister der Luftfahrt und Oberbefehlshaber der Luftwaffe, Generalfeldmarschall Göring, der Reichs- und preußische Minister des Innern, Dr. Frick, und der Staatssekretär der Flieger, Milch, wurden mit den ersten Stufen des Ehrenzeichens ausgezeichnet, ebenso der Präsident des Reichsluft­schutzbundes, Generalleutnant von Roques, und der Leiter der Reichsqruppe Industrie, Dierig- ßangenbielau. Anschließend wurden den Ta­gungsteilnehmern umfassende Einblicke in wesentliche Gebiete des Luftschutzes und der Luftverteidigung durch Wort und Bild übermittelt. Der Nachmittag brachte Gefechtsvorführungen der Flakartillerie im Gelände unter Einsatz von Flugzeugen der Luft­waffe. Am Schluß der Tagung bot ein kamerad­schaftliches Beisammensein im Haus der Flieger Ge­legenheit zu eingehender Aussprache.

Wetterbericht

Mit dem gestrigen Einbruch der Kaltluftmassen sind zunächst gewittrige Schauer verbunden. Wäh­rend der Nacht zog dann von Südosten ein aus­gedehntes Regengebiet über uns hinweg, das sehr ergiebige Niederschläge brachte. So wurden teil­weise Regenmengen von 20 Liter auf den Quadrat­meter erreicht. In höheren Lagen gingen die Nieder­schläge als Schnee nieder. Die Wetterlage bleibt weiterhin unbeständig, und es ist., mit weiteren Niederschlägen zu rechnen.

Aussichten für Sonntag: Weiter stark bewölkt, immer noch einzelne Niederschläge, weiter­hin kühl.

Aussichten für Montag: Unbeständiges und wechselhaftes Wetter.

Lufttemperaturen am 29. April: mittags 7,5 Grad Celsius, abends 3,6 Grad: am 30. April: morgens 2,8 Grad. Maximum 11,7 Grad, Minimum heute nacht 1,9 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 29. April: abends 8,6 Grad; am 30. April: mor­gens 6,6 Grad. Niederschläge 19,6 mm. Son­nenscheindauer 3,8 Stunden.