Nr. 122 Zweites Blatt
5reitag,27.Mail9Z8
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)
Sie neue Palästina-Kommission.
Von unserem S. K.-Korrespondenten.
Kairo, Mai 1938.
Die neue Palästina-Kommission, die sich aus nur vier Mitgliedern zusammensetzt, ist in Jerusalem eingetroffen. Die Umstände, unter denen sie ihre Arbeit aufnehmen muß, sind denkbar ungünstig. Weit ungünstiger als die, unter denen seinerzeit die Peelkommission arbeitete. Das Land steht wieder einmal in Aufruhr, gegen den sich die englische Armee vergeblich abmüht, nachdem die arabischen Freischärler ein neues, sehr wirksames System des Kleinkriegs entwickelt haben. Die Wirtschaft in beiden Beoölkerungssektoren steht vor dem völligen Zusammenbruch, wenn nicht ein vollständiges Moratorium erklärt wird. Die an sich schon hohe Arbeitslosenzahl erhält durch das Ende der Orangensaison einen schockartigen Zuwachs, da etwa 20 000 arabische und 8000 jüdische Saisonarbeiter frei werden. Auf arabischer Seite dürfte das die Wirkung haben, daß die arabischen Freischaren wieder überraschenden -Zuwachs bekommen. In Palästina hat man die neue Kommission mit Pamphleten empfangen, die z« Boykott und Generalstreik auffordern und in der arabischen Umwelt, in Syrien, Irak und Aegypten, hat man feindliche Manifestationen gegen die neue Kommission und die englischen Teilungspläne inszeniert. Besonders eindrucksvoll waren diese Kundgebungen in Kairo, wo die Studenten der Al Azhar mit ihren Scheiks erstmalig für die Palästina-Araber demonstrierten. •
Die schwierige Lage der neuen Kommission wird durch nichts besser beleuchtet als durch die Tatsache, daß sie ihre ersten Jnformationsfahrten durch das Land unter starkem m i li t ä r i s che.m Schutz durchführen mußte, da man Anschläge auf das Leben der Kommissionsmitglieder fürchtete. Wo- immer man mit arabischen Kreisen in Verbindung zu kommen suchte, stieß man auf eisiges Schweigen und kühle Zurückhaltung, so man' nicht feindselig demonstrierte und die Freigabe der Gefangenen aus dem Konzentrationslager in Akkon forderte, die, nachdem alle Juden freigelassen, in Hungerstreik getreten sind und zum Teil in Krankenhäuser übergeführt werden mußten.
Die schwierige Situation der neuen Kommission ergibt sich aus der Natur der Sache. Aber durch schwere psychologische Fehler englischerseits ist die Lage unnötig kompliziert worden. Vor Abfahrt der Kommission aus London hat die englische Presse sich ausgiebig mit ihrer Aufgabe befaßt. Dabei hat es nicht an Stimmen gefehlt, die ankündigten, daß die Kommission die Grenzen des im Peelplan vorgeschlagenen jüdischen Staates erheblich erweitern würde, daß man also den Teilungsplan für die Araber noch verschlechtern wolle. Wiederum war Oel ins Feuer der Erregung gegossen, und die in letzter Minute erfolgte amtliche englische Erklärung, daß die neue Kommission in ihren Entscheidungen völlig frei sei, konnte nur ungenügend beruhigen. Die Atmosphäre war aufs neue vergiftet. 1
Die Voraussetzungen, unter denen die Kommission an die Arbeit geht, sind unklar. Niemand weiß, ob die Männer, die nun das Palästinaproblem zu meistern suchen, an die Teilungsvorschläge gebunden sind und diese lediglich abändern können, oder vollkommene Handlungsfreiheit haben, so weitgehend, daß sie das Teilungsprojekt fallen lassen können. So lange die Klarheit nicht besteht, ist mit einer Zusammenarbeit arabischer Kreise und der neuen Kommission nicht zu rechnen, um so weniger, als sich in der arabischen Bevölkerung eine steigende Erbitterung bemerkbar macht über die Polizeimaßnahmen der englischen Armee im Kampf gegen die Freischärler. „Das ist Terror, was sich die englische Armee in den arabischen Dörfern leistet" — erzählte mir jüngst einer der nach Aegypten geflüchteten Araberführer und wies Briefe aus Palästina vor, in denen über englische Strafmaßnahmen in arabischen Dörfern berichtet war. „Sie führen den Kampf gegen Frauen und Kinder und Greise, so sie die Wehrfähigen nicht erwischen können. Wenn sie unseren Freiheitskampf, von dem noch keine eng
lische oder jüdische Frau getroffen wurde, Terror nennen, dann ist ihr Abwehrkamps nicht weniger Terror." Solche Argumentation zu überprüfen ist für den tticht unmittelbar Beteiligten schwer. Sie mag übertrieben sein, mag Einzelfälle verallgemeinern — aber sie bleibt trotzdem charakteristisch für die Stimmung in der arabischen Bevölkerung, von der London erwartet, daß sie mit der neu entsandten Kommission verhandeln soll.
Die Mitglieder der neuen Kommission sind ausnahmslos Männer mit langer Kolonialerfahrung; darin unterscheiden sie sich grundsätzlich von denen der Peelkommission. Der Vorsitzende, Sir John Woodhead, war während der letzten 5 Jahre Gouverneur in Bengalien, hatte also auch unter schwierigsten Verhältnissen zu arbeiten.
Um so tragischer ist es, daß das Palästinaproblem nicht, mit der größten Kolonialerfahrung zu lösen ist — worüber sich die Garde der englischen Kolonialbeamten in Palästina selbst seit langem klar ist — sondern nur durch einen politischen Entschluß der englischen Regierung, bei der sich bisher der jüdische Einfluß stets stärker erwies, als die Warnungen erfahrener Männer, die das Problem aus eigener Anschauung kannten. So ist zu befürchten, daß auch die neue Kommission scheitern wird, nicht etwa am Mangel an Erfahrung oder am Boykott des arabischen Bevölkerungsteils, sondern an der Haltung derer, von der sie entsandt ist. In deren Händen liegt Frieden oder Unfrieden für das Land am Jordan beschlossen.
Der Trauertag -es Egerlandes.
Tausen-e ehrten die Toten des 21. Mai.
Auf dem Marktplatz von Eger. — (Associated-Preß-M.)
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Eger, 25. Mai. (DNB.) Der Begräbnistag der beiden Opfer des 21. Mcri, der Egerländer Bauern Hoffmann aus Ponfau und Böhm aus Ober-Lohma, gestaltete sich 31^ einem Trauertag. für das ganze Egerland. Zu Zehntausenden waren di- Trauergäste,auch von ferner her, gekommen, um den beiden Toten die letzte Ehre zu erweisen. Besonders ehrend war die Anteilnahme des Führers und Reichskanzlers, der als letzten Gruß zwei mächtige Kränze entsandt hatte, die durch den Militärattache des Deutschen Reiches in Prag, Oberst Toussaint, und den Luftattache, Major M ö r i ck e , niedergelegt wurden. Die Einsegnung der beiden Toten erfolgte auf dem Egerer Friedhof. Von dort bewegte sich dann der Trauerzug zum Marktplatz. Die Bevölkerung grüßte mit erhobener Hand die beiden Toten. An der Spitze der offiziellen Vertreter gingen die beiden reichsdeutschen Offiziere, dann Konrad Henlein mit seinem Stellvertreter, Abgeordneten Frank. Unter dem Geläute der Kirchenglocken näherte sich der Trauerkondukt der Stadt.
Auf dem Marktplatz war ein schwarzer Katafalk errichtet, auf den die Särge gehoben wurden. Ein Chor der Egerer Gesangvereine sang den Choral „Ein Volk!". Dann sprach der Führer des sudeten
deutschen Bauernstandes, Senator P f r 0 g n e r : Erschüttert stehen wir, so sagte er, vor euren Särgen. Stumm trauert das ganze Sudetendeutschtum um euch. Heute weiß die ganze Welt, daß nicht ihr zwei Egerländer Bauerü es gewesen seid, die die Ruhe und die Ordnung unserer Heimat gestört haben. Mitten im Schaffen, im Kampf um die Lebensrechte unseres Volkes, seid ihr euren Familien entrissen worden. Bald wird die Jugend den Pflug und das Schwert in ihre Fäuste nehmen und es so führen, wie ihr es euer Leben lang getan habt. Und so werdet ihr in ihrem Blut, das euer Blut ist, unter uys bleiben und unsterblich sein. Euer Blutopfer wird uns eine bleibende Mahnung und eine ewige Verpflichtung sein, alles einzusetzen, wie ihr es getan habt.
Nach ihm nahm der Abgeordnete Frank das Wort: „Wiederum haben deutsche Männer für unsere nationalsozialistische Idee ihr Leben auf dem Opfertisch unserer Schicksalsgemeinschaft gelegt. Es ist Niemals eine große Idee dieser Weltgeschichte zur Tatsache geworden, wenn nicht Menschen bereit waren, für sie zu sterben." Frank schloß seine Rede: „Deutschland muß leben, auch wenn wir sterben."
Als Letzter trat Konrad Henlein, der Führer des Sudetendeutschtums, vor den Katafalk. Zu den
Toten gewandt, sagte er: „Ich komme zu euch, um im Namen aller Kameraden und Kameradinnen und im Namen des Sudetendeutschtums euch unsere letzten Grüße zu übermitteln. Euch traf das tödliche Blei. Erschüttert und zutiefst aufgerüttelt sind wir und sind alle Deutschen, wo immer sie leben. Euer Opfer soll uns. eine stete und stille Mahnung sein. So nehmen wir von euch Toten Abschied"
Zum Gruß senkten sich alle Fahnen der Partei. Sodann legten Oberst Toussaint und Major Möricke im Auftrage des Führers und Reichskanzlers die .Kränze an den Särgen der beiden Toten nieder. Mit dem Lied vom guten Kameraden fand die Trauerfeier auf dem Marktplatz in Eger ihr Ende. Durch ein dichtes Spalier von Volksgenossen erfolgte dann die Ueberführung der Leichen in ihre Heimatorte Ober-Lohma und Ponfau. Der Ordnungs- dienst in der Stadt wurde von den Ordnern der Sudetendeutschen Partei durchgeführt, so daß sich neue Zwischenfälle nicht ereignen konnten. Die Lage war in den ersten Morgenstunden allerdings noch zweifelhaft, weil plötzlich eine starke Abteilung tschechischer Gendarmerie durch die Stadt marschierte. Die Gendarmerie wurde aber dann, ebenso wie das Militär, in den Kasernen zurückgehalten, so daß die Trauerfeier ohne die geringste
ausgiebig — sparsam — bi II i g
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PUTZT ALLES
Störung zu verlaufen vermochte. Die Ordner der SDP. bewiesen auch in diesem Falle, daß sie ihrer Aufgabe vollständig gewachsen waren. Wie überall, wo sie bisher in Tätigkeit zu treten hatten, spielten sich die Ereignisse reibungslos und in vollster Disziplin ab. Zu der Feier waren 39 Berichterstatter "von auswärts — unter ihnen Ward Price von der Daily Mail — eingetroffen. Sie hatten Gelegenheit, die beherrschte Haltung der Sudetendeutschen zu beobachten
Keichsanleihe und Aprilbilanzen.
Vergleicht man das jetzige Bilanzbild der Kreditinstitute, in dem sich die Anleiheeinzählung der bisher größten Reichsanleihe in Höhe von 1,6 Milliarden widerspiegelt, mit dem Bilanzbild Ende Januar, in dem auch die erste Milliardenanleihe zum Ausdruck kam, so ergibt sich ein bemerkenswerter Unterschied. Während die Januaranleihe einen starken Rückgang der Kundschaftseinlagen ausgelöst hatte, sind diese diesmal nicht zurückgegangen, sie haben sich sogar bei den Großbanken um 42, bei den Haus-, Spezial- und Branchebanken um 77 und bei den sonstigen Kreditbanken um 5 Millionen erhöht. Auch die Spareinlagen zeigen weiterhin eine Zunahme von insgesamt 22 Millionen. Den Beweis, daß die Finanzierung der Anleihe zunächst durch die Kreditinstitute selbst erfolgt, liefern die Bilanzposten „Nostroverpflichtungen" und „Einlagen deutscher Kreditinstitute". Diese haben sich insgesamt um 232 Millionen verringert. Auf der Aktivseite dagegen haben sich die Anleihebestände um insgesamt 303 Millionen vermehrt. Hiervon entfallen auf die Berliner Großbanken, die Spezial-, Haus- und Branchebanken und sonstigen Kreditbanken rund Zweidrittel des Betrages. Zugenommen haben ferner die Bestände der unverzinslichen Schatzanweisungen um 148 Millionen. Ferner haben sich die Wechselbestände stark verringert, insgesamt um 375 Millionen.
Die in den vergangenen. Monaten festgestellte Ausweitung des Bankkredits, die sich in einer Zunahme der Bilanzposten „Vorschüsse auf verfrachtete
Gießener Gtadttheater.
„Die acht Entfesselten": „Gute Besserung!"
Wir kennen sie schon von ihrem Gastspiel vor zwei Jahren. Inzwischen hat sich einiges geändert. Das kleine Ensemble hat seinen Gründer verloren, Walter Scholz; Rudi G 0 d d e n ist zum Film abgeschwenkt und kürzlich in dest „Leuchtenden Sternen" wieder aufgetaucht. Dafür erscheinen einige neue Namen und Gesichter. Vom alten Stamm: die begabten Grotesktänzer G a r g a und K r 0 ck , die sympathische Käthe Scholz, der riesengroße B r e n mit dem abgründigen Baß. Marit B a r - 'n e k hat die Nachfolge der Gerty von Reichenau angetreten: ein sehr brauchbarer Ersatz; dazu Hermann N 0 a ck und der muntere jugendliche Komiker Peter W. Staub. Am Flügel: Willi Norman.
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Die stilistischen Grundlagen und die Wirkungsabsichten der „Entfesseltem sind die gleichen geblieben; neu ist das Programm, das alle zwanzig Nummern der Folge unter einem gemeinsamen Leitmotiv zusammenfaßt: sie verkleiden sich als Aerzte und Schwestern, halten Sprechstunde ab von 8Vi bis IOV2, verarzten während dieser Zeit mit freundlichem Spott die an großen und kleinen Schwächen leidende Menschheit und wünschen ihr und uns, die wir dabei zusehen dürfen, gute Besserung. Sie befolgen die alte, weise Lehre: Lachen ist gesund und heilkräftig. Sie machen es, wie früher, mit Gesang und Tanz und parodistischem Sketsch. Nicht überall mit der gleichen Wirkung: manches ist unwiderstehlich, manches kommt ein wenig umständlich zum Ziel, einige Pointen sind ein bißchen matt und verschleppt.
Hübsch ist die Wartezimmerszene mit den „Patienten unter sich" (Staub, Krock, Barnek), hübsch auch die kleine Szene „Vater und Sohn" (Bren und Staub), mit der sie Goddens „bürgerlichem Trauerspiel" aus dem ersten Programm eine verständnisvoll aufgenommene neue Nuance geben. Ein drolliges Terzett bilden die drei Meckerer Bren, Staub und Noack im „Spießer-Spuk", mit sanft politischem Einschlag. Die'große Szene des ersten Teils heißt „Die Geschichte von einem, der auszog. das Gruseln zu lernen": gegen das allmächtige Gespenst des Profitgeistes gerichtet, mit netten Einfällen, aber man könnte sich den Sketsch konzentrierter denken; das Beste zuletzt: Mgrit Barnek in der kleinen Liebesszene, die auch musikalisch liebenswürdig ausgemalt ist.
Im zweiten Teil werden die bewährten Zielscheiben des parodistischen Scharfschießens von damals errichtet:^ Mode und Tanz, Film und Funk. Die witzige Miniatur-Modenschäu (Barnek, Staub) machte den Leuten sichtlich Spaß. Kröcks mimischtänzerische Persiflage auf die „Kraniche des Jbykus" ist ein grotesker Ulk, stellenweise von verblüffender Komik, außerdem ein Paradestück rein körperlicher Ausdrucksmöglichkeiten. „Flachs tönende Wochenschau" wurde mit neuen, dankbar begrüßten Motiven bereichert, und auch die. kleinen Scherze aus dem „Werbefilm" waren seit langem für ein parodistisches Kabarett fällig. „Der Funk" mit Seebericht und Weltwetterlage wurde natürlich ebenfalls mit Vergnügen zur Kenntnis genommen. Zuletzt setzen sich die Acht selber ein. Denkmal: — auf Wiedersehen und nochmals gute Besserung!
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Den Patienten vor dem Vorhang schien die Behandlung zu bekommen; sie bedankten sich mit freundlichem Beifall. Hans Thyriot.
Heitere Bärenjagd.
Von Robert Michel.
Bei meinen zahlreichen Wanderungen durch Bosnien und die Herzegowina hielt ich häufig vor den ländlichen Kaffeehäusern Rast, wo ich jedesmal Gesellschaft genug fand, denn der Bosniak liebt wie jeder Orientale guten schwarzen Kaffee, und die Dorfkafana ist sein Lieblingsaufenthalt. In ejner solchen Runde, in der jeder einzelne sein kupfernes Kännchen mit köstlich duftendem Kaffee vor sich hatte und seine selbstgedrehte Zigarette rauchte, hörte ich eine Jagdgeschichte, die wohl in der Sprache des Landes erzählt wurde, aus der aber auch ein deutliches Latein klang, das in aller Welt wohlbekannte Jägerlatein. Der Erzählende war ein gewaltiger Nimrod, der graubärtige Dzafobeg aus der Gegend des Jvanfattels:
„Ihr wißt alle", so begann er, „daß es bei uns im Lande noch Bären gibt, wenn sie auch selten geworden sind. Nun war da oben in einem unerhört kalten Winter, der sehr ftüh eingesetzt hatte, in der Treskavica-Planina so ein Untier aufgetauchf und machte einen gewaltigen Schaden unter dem Vieh der Gegend. Alle Versuche, ihn einzukreisen und vor den Hunden oder Treibern zur Strecke zu bringen, schlugen fehl — der Bursche war zu schlau. Da beschlossen die beiden besten Jäger des Dorfes, Pero und Jovo, in einer mondhellen Nacht gemeinsam draußen am Waldrande den Bären zu
erwarten, um endlich seinem Treiben ein Ende zu machen. Gesagt, getan. Sie luden ihre alten Gewehre und begaben sich bei Anbruch der Nacht auf den Anstand, unter einem starken Baum in nächster Nähe des Wechsels, den der Bär bei seinen Raubzügen einzuhalten pflegte. Es war eine bitterkalte Nacht, £er Schnee lag hoch und die beiden Jäger froren trotz ihrer dicken Pelzröcke und doppelten Wollstrümpfe ganz erbärmlich, da sie sich nicht rühren durften, um den Bären nicht zu verscheuchen. Inzwischen saßen ihre Freunde in der Kafana und warteten mit Spannung auf den Ausgang des Abenteuers.
Stunde um Stunde verging; der Mond kam herauf — aber der Bär wollte nicht kommen. Da sagte Jovo: ,Pero, mir wird es zu kalt; meine Finger und Füße sind schon ganz steif — ich muß mich ein wenig erwärmen. Paß nur gut auf; ich gehe nur auf einen Sprung in die Kafana einen heißen Kaffee trinken und bin gleich wieder ba!‘ Jovo geht also in die Kafana, und Pero bleibt allein zurück. Kaum aber ist Jovo verschwunden, da kommt der Bär. Pero sieht ihn, schießt und fehlt in seiner Aufregung, oder weil seine Finger zu steif waren. Der Bär aber hat den Schützen schon erblickt, richtet sich auf und geht auf ihn los. Nun hatte Pero nur ein einläufiges Gewehr, einen Vorderlader, den er nicht so rasch wieder schußfertig machen konnte. Er wirft das nutzlose Gewehr weg und springt hinter den Baum, denn der Bär ist bereits ganz nah. Dieser nun greift mit seinen Vorderpranken zu beiden Seiten um den Stamm, damit ihm sein Feind nicht entwische. Pero aber packt in feiner Todesangst die Tatzen des Bären, und nun tanzen die beiden einen regelrechten Kolo um den Baum, sich an seiner Rinde herumwetzend. Dem Pero wird so heiß, wie es ihm früher kalt gewesen war; der Schweiß bringt ihm aus allen Poren, doch muß er festhalten und weitertanzen — sonst hat ihn der Bär. Gott sei Lob — beißen konnte ihn der Bär nicht, weil der Baumstamm zwischen ihnen war, so daß ihn das Gebiß nicht erreichen konnte. Da, im letzten Moment kommt endlich Jovo aus der Kafana zurück; er hat den Schuß gehört und sieht nun seinen Freund in größter Gefahr. Schon hebt er sein Gewehr und will schießen, da ruft Pero- ,Um Gottes willen, schieß nicht — du konntest auch mich treffen; komm lieber her und hilf mir ihn halten — ich- kann schon nicht mehr!* Jovo also wirft seine Flinte fort und springt hinzu. ,5)ier‘, sagt Pero, .faß die rechte Pranke und halte recht fest! Hast du sie? Gut; jetzt rasch auch hie linke! So, und jetzt laß nur nicht los — jetzt gehe ich auf einen schwarzen Kaffee!"'
Hier endete Dzafobegs Erzählung. Er machte einen Schluß aus feiner Kaffeeschale, einen tiefen Zug aus seinem Tschibuk und schmunzelte in feinen Graubart.
„Und was geschah bann mit bem Bären?" fragte ein junger Zuhörer.
„Oh", meinte Dzafobeg, „ich glaube, sie tanzen noch immer um ben Baum, vielleicht kannst bu hin- gehen und ben Jovo ablösen!"
Zeitschriften.
— Ein Mahner an bie nahen Ferien ist bas Mai- Heft ber Zeitschrift „Der Bergsteiger" (Verlag Bruckmann, München, 1,20 Mk.). Herrliche Silber zeigen den lachenben Frühling in ber Bergwelt. Wir wanbern in bas Kaisertal unb lassen uns von ben Tälern Tirols erzählen, bie uns roieber erschlossen finb. Ein Bericht mit prächtigen Silbern über eine Fahrt nach Patagonien unb Feuerlanb, eine Pfingstfahrt zum Sietschhorn, Schifahrten in ber Mont Slanc-Gruppe unb im Kaukasus werben uns interessieren. Unb wer in diesem Sommer nach Norwegen fahren will, finbet auch hierüber einen aufschlußreichen, reich bebilberten Aufsatz.
Hochschulnachrichten.
Der Reichs- unb Preußische Minister für Wissenschaft, Erziehung unb Solfsbtlbung hat ben 0. Professor an ber Universität Sonn Dr. Karl R ö ß l e zum 1. Oktober 1938 :n gleicher Diensteigenschaft an bie Technische Hochschule München berufen und ihm die 0. Professur für Setriebswirtschaftslehre verliehen.
Professor Dr. A. S ch i 11 e n h e l m . Ordinarius für innere Medizin an der Universität München, wurde von der Bulgarischen Gesellschaft für Innere Medizin zum Ehrenmitglied ernannt und von ber Königlichen Gesellschaft ber Aerzte in Pest zum Korresponbierenben Mitglieb gewählt. Ferner hat ihm ber Reichsoerweser des Königreichs Ungarn das Komturkreuz bes Ungarischen Serbienftorbens verliehen.
Die Preußische Akademie der Wissenschaften hat den Professor Sir Arthur Stanley Eddington, Direktor der Unioersitätssternwarte in Cambridge, zum korrespondierenden Mitglied der physikalisch - mathematischen Klasse gewählt. Die philosophisch - historische Klasse wählte Professor Clemente M e r 1 0 von der Universität Pisa zum korrespondierenden Mitglied.


