her Leiter des Führers, der den Kameradschaftsgedanken in unserem Volke zu Ehren gebracht hat. Reichhaltig und abwechslungsreich waren die nun folgenden Darbietungen, die mit einem Wettlauf zum Gerätehaus — Gesamtlaufstrecke, 600 Meter in Zwei Minuten gelaufen — begannen. Die Kapelle Mank (Wieseck) spielte Konzertstücke. Mehrere Mitglieder der Wehr boten mancherlei heitere Aufführungen.
Kreis Friedberg.
00 Münzenberg, 2H. Ian. Im Saale von Metzger fand dieser Tage ein Schulungsabend der NSDAP, statt. Schulungsredner Arch hielt einen Vortrag über die Notwendigkeit des Kolonialbesitzes für Deutschland, sprach über die deutsche Kolonialpolitik vor dem Kriege, schilderte den Kampf der deutschen Schutztruppen in Afrika, die Auswirkungen des Versailler Diktats in kolonialpoliti
scher Hinsicht und umriß abschließend die wirtschaftliche Bedeutung der Kolonien für unser Volk. — Die hiesige Freiwillige Feuerwehr hielt im Saale des Gasthauses „Zum Löwen" einen Kameradschaftsabend ab. Wehrführer Ludwig D e - b u s hieß die Teilnehmer willkommen und begrüßte besonders den Bürgermeister. Die Kameraden der Wehr forderte er auf, in steter treuer Pflichterfüllung auf dem Posten zu sein. Der weitere Verlauf des Abends brachte mancherlei unterhaltsame Darbietungen. Ein Frankfurter Künstler wartete mit Prosavorträgen auf, Ehrenmitglied Richard Metzger bot Gesangsvorträge und Kamerad Cannawurf erfreute mit Flötensoli. Bürgermeister Wetz dankte zum Abschluß des Abends der Wehr für ihre stete Bereitschaft im Dienste der Gemeinde.
Aus den preußischen Nachbargebieten.
Kreis Wetzlar.
<£ Dutenhofen, 26.Ian. Die hiesige Kriege r k a m e r a d s ch a f t veranstaltete eine Reichsgründungsfeier. Die Veranstaltung im Saale des Gasthauses „Zum Adler" war sehr gut besucht. Nach dem Einbringen der Fahne hielt Kamerad- schaftsftihrer Weber die Begrüßungsansprache und hieß besonders den Ortsgruppenleiter der NSDAP., Lenz, sowie die Kameraden aus Wetzlar und Münchholzhausen willkommen. Das Musikkorps der Wetzlarer Garnison verschönte die Feier mit guter Musik. Zunächst gedachte man der gefallenen Helden des Weltkrieges und der Bewegung und der in der jüngsten Zeit verstorbenen Kameraden. Die Musik spielte das Lied vom guten Kameraden. Kameradschaftsführer Weber sprach sodann im Hinblick auf den Tag der Reichsgründung im Jahre 1871 über die Geschichte unseres Vaterlandes und erinnerte an verschiedene Höhepunkte in Vergangenheit und Gegenwart. Der Redner fand reichen Beifall. Nach einigen weiteren musikalischen Darbietungen sprach der Vertreter des Kyffhäuser-Kreisführers, Kamerad Münch, über die Arbeit und die Aufgaben des Reichskriegerbundes Kyffhäuser. Anschließend nahm er die Ehrung einiger verdienter Kameraden vor. Karl A g e l wurde für 25jährige Tätigkeit im Führerrat und Friedrich Weber für 40jährige treue Mitgliedschaft mit je einem Hindenburg-Bild bedacht. Kamerad Friedrich Hahn erhielt für ebenfalls 40jährige Mitgliedschaft^ ein Führerbildnis. Mit dem Kyfshäuser-Ehrenzeichen 2. Klasse wurde der langjährige Fahnenträger Fr. Weber bedacht. Kamerad Hahn dankte auch im Namen seiner Kameraden für die zuteil gewordenen Ehrungen und forderte zu steter Treue zur Sache des Kyff- häuserbundes und damit zur Sache des Führers auf. Kameradschaftsführer W i e n e n d (Münchholzhausen) gedachte zum Schluß des herzlichen Einvernehmens zwischen den Kameradschaften von Dutenhofen und Münchholzhausen.
0 Groß-Rechtenbach, 26. Ian. Dieser Tage fand im Gemeindesaal eine stark besuchte Gemeindeversammlung statt. Der Bürgermeister sprach über Tages- und Gemeindefragen; u. a. behandelte er Steuer- und Finanzfragen der Gemeinden, die Frage der Schafhaltung, die Verhütung der Maul- und Klauenseuche u. a. m. Auch über Luftsä)ptz und Feuerwehr wurde gesprochen. In reger Aussprache nahmen die Einwohner Stellung. Der gegenseitige Austausch wirkte anregend und wird auch der Gemeindearbeit für'die Zukunft förderlich sein.
<£ Wißmar, 25. Jan. Die Freiwillige Feuerwehr hielt im Saale von Wolf einen Kameradschaftsabend ob. Brandmeister Dern gab zunächst einen Rückblick auf die Arbeit des vergangenen Jahres. Er ermahnte die Kameraden zu weiterer Mitarbeit im Dienste der guten Sache. Der weitere Verlauf des Abends brachte eine Reihe unterhaltsamer Darbietungen, die von Kameraden
der Wehr bestritten wurden. Den musikalischen Teil hatte die Kapelle Nicolai (Großen-Buseck) übernommen. — Durch die Gaufilm st elle der NSDAP, wurde dieser Tage der Film „Vergißmeinnicht" aufgeführt. Im Beifilm sah man den Besuch des Duce in Deutschland im Bild festgehalten. — Die hiesige Filiale der Verbrauchergenossenschaft Gießen und Umgebung hielt bei Gastwirt Reeh ihre Jahreshauptversammlung ab. Am Nachmittag wurde für die Kinder der Mitglieder ein Film vorgeführt, der die Einrichtungen der Genossenschaften im Bilde zeigte. Der Abend brachte die Filmvorführung auch für die Erwachsenen.
<£ Frankenbach, 26. Januar. Dieser läge konnte die in weitem Umkreis bekannte Gastwirtin Helene Geller, Witwe, in körperlicher und geistiger Frische ihren 7-3. Geburtstag feiern.
Seltene Treue eine« Pferde«.
LPD. Biedenkopf, 26. Jan. Vor einigen Tagen verkaufte ein hiesiger Einwohner ein Pferd, das nach F i f ch e l b a ch kam. Groß war das Erstaunen des Verkäufers, als das Pferd am
Strafe muß fein!
Derlrelirsbeamter tzu Derkehrssüafter): »5o, ftas kostet eine Mark Strafe.”
Zuschauer: »Dafür hätte er fast ein Zahr lang »Kampf der Gefahr” lesen können. Urft ftann wäre ihm nichts geschehen.” Dar«»
nächsten Tage wieder vor seinem alten Stall stand. Für die Passanten war es ein seltsamer Anblick, als frühmorgens das Pferd in leichtem Trab durch die Straßen der Stadt eilte, um zu seinem früheren Standort zu gelangen. Das Pferd hatte sich in der Nacht aus seinem neuen Stall befreit und eine Strecke von über 20 Kilometer zurück- gelegt.
Bergrutsch am Iachinger Tunnel.
LPD. Diez, 26. Jan. Dor der Einfahrt zum Fachinger Tunnel gerieten in den angrenzenden Lahnbergen größere Erdmassen in Bewegung und stürzten auch auf den Bahndamm, wo sie ein Gleis sperrten. Der Maschinenführer eines Kalkwerkes jenseits der Lahn kfdtte zum Gluck den Bergrutsch bemerkt und setzte sofort die Reichsbahn in Kenntnis, so daß ein kurz darauf fälliger Person^nzug noch rechtzeitig an geh alten werden konnte. Die Gleissperre durch das Gestein war auch dadurch besonders gefährlich, weil die aus dem Tunnel kommenden Züge sie nicht rechtzeitig bemerken konnten.
sen musikalischen Teil Mitglieder des Musikkorps des Jnf.-Regts. 116 bestritten, brachte Lieddarbie- tunaen des Dereinschores unter Leitung von Chor- melster Harnisch. Die Darbietungen des Ehors ließen ausgezeichnete Schulung erkennen und wurden mit lebhaftem Beifall ausgenommen. Den Höhepunkt des Abends bildete die Aufführung des Werkes „An der schönen blauen Donau" mit Reigen, Chor- und Orchesterbegleitung. Frl. Weiß (Bad-Nauheim) erntete mit ihren Liedern viel An- .erkennung. Schließlich gelangte noch eine Operette zur Aufführung, die em aufmerksames Publikum fand. Der Vereinsführer der Bad-Nauheimer Sänger dankte für die gastfreundliche Aufnahme und übergab dem festgebenden Verein ein Erinnerungsbild aus Bad-Nauheim mit entsprechender Widmung. Zum Schluß forderte der Provinzführer Wendler (Bad-Nauheim) auf, in weiterer rastloser Arbeit der Sache des deutschen Männergesangs zu dienen. Dem Sangesbruder Brücke! übermittelte er eine Ehrennadel. Am Sonntag fanden sich die Sänger zu einem kameradschaftlichen Beisammensein im Vereinslokal der „Eintracht" ein.
# Allendorf (Lah n), 25. Jan. Auf der Straße Gießen — Wetzlar ereignete sich dieser Tage ein schwerer Unfall. Die hiesige Einwohnerin Gretel Wallhäuser wurde, als sie von der Arbeit kam, unweit der Kleebachbrücke in der Kurve von einem Radfahrer so heftig angefahren, daß sie vom Rade stürzte und schwer zu Fall kam. Die Bedauernswerte erlitt eine Gehirnerschütterung und mußte in ärztliche Behandlung gebracht werden. Der schuldige Radfahrer kümmerte sich nicht um die Der- u n g l ü ck t e , sondern wurde flüchtig. Der Täter soll in der Richtung nach Atzbach gefahren sein. Sachdienliche Mitteilungen sind der nächsten Polizeistelle zu melden.
gfs. Li ch, 26. Jan. Die Verpflichtung der neuen Frauenwerksmitglieder fand hier statt. Die Leiterin Frau Schäfer begrüßte die Frauen mit Worten von Frau Scholz-Klink. Gemeinsamer Gesang leitete über zu einer Ansprache des Ortsgruppenleiters Kühn. Gedichte, von einem MÄ>el der Jugendgruppe gesprochen, umrahmten die Feier. Dann gab die Leiterin noch einen Bericht über die Tagung in Gießen. Gemeinsamer Gesang beendete den eindrucksvollen Abend.
T Birklar, 26. Januar. Die Ortsgruppe des Reichsluftschutzbundes brachte in unserem Orte im Saale von Düringer den Film „Kampf der Gefahr zur Aufführung, dessen Bilder von Rektor Samts (Lich) eingehend erläutert wurden. Lehrer Meckel (Lich) appellierte an alle noch abseits stehenden Volksgenossen und forderte sie auf, bem< Luftschutzbund beizutreten. — Die hiesige Vieh- v e r s i ch e r u ng hielt in der Gastwirtschaft von Düringer ihre Jahresschlußversammlung ab. Nach dem Jahresbericht des 1. Vorsitzenden Heinrich Wagner gab Rechner Appell den Kassenbericht bekannt. Im Verlaufe der Versammlung wurde beschlossen, der Diehoersicherung eine Schweineversicherung anzugliedern.
<XD Langsdorf, 26. Jan. Ein hiesiger Land- ro'.rt erlitt einen schweren Verlust: sein Gespannführer ritt ein dreijähriges wertvolles Pferd aus auf der Straße nach Bettenhausen. Das Tier scheute vor einem entgegenkommenden Lastwagen und sprang vor das Auto. Der Fahrer konnte nicht rasch genug bremsen, der Wagen faßte das Pfero, warf es um und schleifte Mann und Roß noch etwa 20 Meter weit mit. Während der Reiter mit Hautabschürfungen davonkam, wurde dem Pferd ein Bein zweimal gebrochen, so daß es geschlachtet werden mußte. — Die Maul- und Klauenseuche hat sich nunmehr auf vier neben- einanderliegende Gehöfte in der Brauhausgasse verbreitet. Es sind alle erdenklichen Maßregeln getroffen, um die Krankheit in ihren Schranken zu halten.
Q] Queckborn, 24.Jan. Der Gesangverein „Jugend treue" hielt im Vereinslokal Görnert seine Generalversammlung ab, zu deren Beginn zunächst der verstorbenen Kameraden ge°
Die Mädchen aus der Burgstraße.
iHoman von Hilde X Lest.
1. Fortsetzung. / (Nachdruck verboten.)
„Ja, ja, das weiß alle Welt", sagte die alte Frau, „und doch weiß es feiner. Und Sie, Herr Assessor, wissen das natürlich auch nur auf so eine akademische Art. Sie wissen: es gibt Not; Sie wissen: Not ist keine Schande; Sie wißen: mit der Ncst kommt der Gerichtsvollzieher, und ist also auch keine Schande. Aber kvie das wirklich alles ist, das wissen Sie nicht. Denn Sie kommen aus einer anderen Sphäre, wo es das alles nicht gibt, wo man das alles mir vom Hörensagen kennt, wie die Witwenoerbrennung in Indien. Na, nischt für ungut, ich bin ja durch das Dickste durch, und es muß mir ja ganz gut gehen, wenn ich ein Mädel studieren lassen kann. Wenn ich aber so höre, daß es den Machers mit ihren vier kleinen Jöhren schlecht geht, versetzt es mich in die Zeiten zurück, da mein Seliger gefallen war und ich mit meinen drei Heinen Kröten da saß ..."
„Aber Mutti", sagte Lisbeth ermahnend und reichte ihr ein Taschentuch. Die tapfere kleine Frau trocknete sich wahrhaft die Tränen damit. „Na ja", sagte sie, „es ist ja nur, weil man daran erinnert wirb."
„Dann wirst du dich also nach einer anderen Stellung umsehen müssen", sagte Carla, um dem Gespräch eine andere Wendung zu geben.
Lisbeth erwiderte nichts, sie stocherte, mit ihrer Gabel imMssen herum. „Das verstehst du nicht", sagte sie nach einer Weile. Die Mutter winkte Carla, zu schweigen.
In diese Sttlle tönte der fräftige Ton einer Autohupe. Als er sich wiederholte, rannte Ursel zum Fenster, schob die Gardine beiseite und spähte hinaus. Dann begann sie heftig Grimassen zu schneiden, um Carlas Aufmerksamkeit 3u erregen. Sie hatte Pech, denn abermals faßte sie der Blick des Assessors. „Ist jemand draußen?" wollte er wissen. Ursel wehrte ab. „Nicht neugierig sein, Doktorchen. Ich seh mal nach." Sie rannte wie der Wind zur Tür hinaus und polternd die Treppen hinunter.
An der Haustür fiel sie dem Fahrer Viereck beinahe in die Arme. Der bemühte sich, sie aufzu- fängen. „Hui!" sagte er, „bas geht aber schnell. Dabei sind Sie gar nicht gemeint, Fräulein Lenz.
Ursel trat einen Schritt zurück, ihre hellen blauen Augen funkelten ihn kampflustig an. „Woher kennen Sie meinen Namen, wer sind Sie, und was wollen Sie eigentlich?"
„Sachte, sachte, Fräulein Ursula", sagte Viereck lachend, „alles der Reihe nach. Was also den Namen betrifft, so kennt doch die ganze Gegend
dacht wurde. Vereinsführer Bück erstattete sodann den Jahresbericht, dem zu entnehmen war, daß der Chor im vergangenen Jahre unter Leitung von Dirigent Nicolai (Großen-Buseck) gute Fortschritte zu verzeichnen hatte. Der Verein beteiligte sich an den nationalen örtlichen Veranstaltungen und nahm außerdem am Wertungssingen in Geilshausen teil. Der Singstundenbesuch konnte mit 90 v. H. der aktiven Sänger als gut bezeichnet werden. Der Kassenbericht, von Rechner Köhler oorgetragen, wurde in Ordnung befunden. Das Vorstandsmitglied Ludwig Görnert XIII., der 40 Jahre lang als aktiver Sänger und 28 Jahre lang als Vereinsführer tätig mar, wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Als zweiter Vereinsführer wurde Heinrich Schmidt in den Vorstand berufen.
ch Lauter, 26. Jan. Am Samstagabend hielt der Gesangverein „Germania" in der Wirtschaft Tröller seine Generalversammlung ab. Der Verein besteht zur Zeit aus 40 aktiven Sängern, 5 Ehrenmitgliedern und 25 passiven Mitgliedern. Im abgelaufenen Vereinsjahr fanden 39 Singstunden statt, an denen sich 88 v. H. der Sänger beteiligten. Außerdem nahm der Verein im abgelaufenen Vereinsjahr an dem Wertungssingen in Nieder-Ohmen teil. Die Rechnungsablage wurde für richtig befunden und dem Rechner Entlastung erteilt. Die Vereinsführung blieb wie seither. Im kommenden Jahr will der Verein einen Familienausflug nach Bad-Nauheim machen. Außerdem nimmt er an dem Wertungssingen in Flensungen und am Gausängerfest in Gießen teil.
Kreis Alsfeld.
* Flensungen, 25. Januar. Die hiesige Kriegerkamera d schäft hatte ihre Mit- glieder und deren Angehörige zur Jahreshauptversammlung und zu einer anschließenden Familienfeier eingeladen. Kameradschaftsführer W. Schumann begrüßte die vollzählig erschienenen Kameraden,-insbesondere den 88jährigen ältesten Kameraden und Veteranen K. Pepp 1 er sowie den Mitbegründer des früheren .Kriegervereins, Wilhelm Da übel, der 49 Jahre lang ununterbrochen dem Verein die Treue hielt. Wilhelm Däubel wurde für seine großen Verdienste um die Kameradschaft zum Ehrenmitglied ernannt. Der Kassenbericht, der anschließend vom Rechner erstattet wurde, wies einen erfreulichen Ueberschuß aus. Im Schießen wurden günstige Ergebnisse erzielt. Sechs Kameraden konnten mit der bronzenen, und sechs weitere Kameraden mit der silbernen Ehrennadel bedacht werden. Der Kameradschaftsführer bankte alle Mitarbeitern. Der Ortsgruppenleiter ber NSDAP, dankte in kurzen herzlichen Worten ber Kameradschaft dafür, daß sie der politischen Leitung den Schießstand zur Verfügung stellte. Im weiteren Verlaufe des Abends fand ein Ehrenscheiben- und Rosenschießen statt, an dem sich die Kameraden rege beteiligten.
—.— Homberg, 26. Jan. Im „Frankfurter Hof" hielt die Ortsgruppe ber NSDAP, einen Mitglieder-Appell ab, an dem die Angehörigen der Partei und deren Orgairisationen von Homberg und Umgebung zahlreich teilnahmen. Ortsgruppenleiter Damm gab zunächst einige geschäftliche Mitteilungen bekannt. Anschließend sprach ber Kreis- I e i t e r über die deutsche Geschichte, die jahrhundertelang im Dienste fremder Mächte gestanden habe, und stellte der Vergangenheit unsere Gegenwart gegenüber, in ber alles Geschehen einzig und allein unserer deutschen Volksgemeinschaft dient. Die Zuhörer folgten mit großer Aufmerksamkeit.
00 Deckenbach, 25. Jan. Unser Einwohner Heinrich Dietz III. und seine Ehefrau Margarethe, geb. Dörr, konnten in diesen Tagen bas Fest der silbernen Hochzeit feiern.
Kreis Schotten.
)—( Ruppertsburg, 25. Jan. Unter Leitung ihres Wehrführers August Stein hielt unsere Freiwillige Feuerwehr am Samstag im Schlörbschen Saale ihren diesjährigen Kamerad- schaftsabend ab, der sehr gut besucht war. Auch Kameraden aus Laubach und Gonterskirchen waren erschienen. In seiner Begrüßungsansprache gedachte
hier die Schwestern Lenz, und da sie alle drei so hübsch sind, blieben die Namen auch in meinem Gedächtnis hängen — mit Ihrer gütigen Erlaubnis. Was Nummer zwei betrifft, so heiße ich Karl Viereck und fahre augenblicklich die Droschke IA 13 422, aber bas ist alles nicht so wichtig. Wichtig ist Nummer drei: ich habe nämlich dringend mit Ihrer Schwester, Fräulein Carla Lenz, zu sprechen."
Ursel zog einen Flunsch. „Da kann ja jeder kommen", sagte sie, „oder haben Sie schon wieder etwas in Ihrem Wagen gefunden — he?"
„Das nicht — das heißt — doch." Er suchte in seinen Taschen und zog plötzlich ein Medaillon hervor, das das Bild eines jungen Mannes umschloß. „Das war aber schon vor drei Tagen, und ich weiß nicht, wem es gehört. Kann fein, einem jurtgen Pärchen, das ich abends im Regen von der Konditorei in der Neustädtischen Kirchstraße nach Hause
Kirsel war mit einem Male über und über rot, sie griff schnell nach dem Fundgegenstand, so kräftig, daß sie es dem Finder schnell entwunden hatte. „Nanu?" rief er mit geheucheltem Erstaunen, „gehört es etwa Ihnen?"
„Pst! Mund halten!" Er fühlte ihren bittenden Händedruck. „Ich hole also meine Schwester. Ich muß nur aufpassen, weil ihr Verlobter gerade oben ist!" Damit huschte sie ins Haus. Viereck hörte verdutzt ihr Lachen und glaubte, Hohn daraus zu vernehmen. Er setzte sich in seinen Wagen und fuhr ein paar Häuser weiter. Nach einigen Minuten klangen Carlas Schritte auf dem Bürgersteig.
„Sie, Herr Viereck?" sagte sie.erstaunt.
„Viereck mein Name, Karl Viereck", er machte eine förmliche Verbeugung auf seinem Sitz. „Im allgemeinen ist's ja nicht Brauch, daß Droschken- fahrer sich vorstellen, deshalb hab ich's bisher auch unterlassen. Ansonsten kann das, was ich JH5en sagen wollte, auch Ihr Herr Bräutigam ruhig anhören; es war gar nicht nötig, daß Fräulein Ursula so heimlich tat." . .
„Ich verstehe nicht: mein Bräutigam? Damit kann ich nicht dienen, und deshalb kann er auch nichts anhören. Vermutlich hat Ursel wieder Quatsch gemacht. Sie ist ja noch ein halbes Kind."
„Ja, ja, natürlich, ein halbes Kind", beftätigte. Viereck. „Ist also nichts mit dem Bräutigam; um so besser, dann können Sie sich gleich entscheiden. Ich mach's kurz: Irgendein schwedischer Gelehrter, Palmström oder so ähnlich, hat vor einer Woche bei meinem Bruder einen Mietwagen bestellt, um damit Kloster, Kirchen, Burgen, Gott weiß, was sonst noch, in Süddeutschland abzuklappern. Ich werde ihn fahren. Heute ruft nun der Mann händeringend an, seine Assistentin, die ihm beim Photographieren, Maschineschreiben und was so einer sonst noch macht, behil'Iich sein soll, hat plötzlich eine Blindarmentzündun gekriegt. Nicht schlimm, aber für ein paar Wochen Krankenhaus reicht es. So lange kann er nicht warten. Nun wollte ich die
schöne Reise auch nicht verlieren, die ja angenehmer ist als das ewige Umherzotteln in Berlin, und da hab ich ihm einfach versprochen, daß er Ersatz bekommt. Prima Ersatz, sagte ich, besser als die alte. Studentin der Kunstgeschichte, klug, tüchtig, perfekt im Photographieren und Maschineschreiben, auch sehr hübsch, aber danach hat er nicht gefragt, geht ihn ja auch nichts an. Ich bringe sie gleich hin, sagte ich. Und dann bin ich eben hierher gefahren, um Sie abzuholen. Er wohnt an der Heerstraße."
Karl Viereck hatte seinen Wortschwall unter dem festen Blick Carlas beendet, bann horte er sie sagen: „Sie sind verrückt!"
Er hielt dem Mick stand. „Wenn man einem jungen Mädel, das sich schwer genug mit Stundengeben und solchem Kram durchbeißt, um was zu lernen, einen Verdienst verschafft, der sich sehen lassen kann, eine schöne Autoreise und eine Menge schöner Dinge zu sehen — dann ist man nicht verrückt. Dann ist man nur — ein guter Kamerad."
„Woher wissen Sie, verehrter Kamerad", sagte das .Mädchen, ,Haß ich photographieren und maschineschreiben kann, Kunstgeschichte studiere und auf Stundengeben angewiesen bin?"
„Das erzähle ich Ihnen morgen in Augsburg ober wo Sie wollen. Jetzt ist keine Zeit dazu. Jetzt heißt es — rin in den Wagen! Sie haben Ihre Do ftor arbeit abgeliefert, '<5ie haben jetzt Ferien, Bräutigam haben Sie auch keinen — nischt wie rin! Wenn Sie da nicht zupacken, sind Sie... aber was rede ich da! Sie und nicht zupacken, wär ja noch schöner!" Er riß die Wagentür auf.
Carla saß schon im Wagen, da fing sie noch einmal an. Mt einem wildfremden Mann wochenlang verreisen — das sei doch ganz und gar unmöglich!
Viereck wandte ihr das lachende Gesicht zu. „Wenn Sie den alten Knochen sehn, ist's möglich. Der hat nichts wie Madonnen im Kopf, gemalte, nicht lebende. Im übrigen wollen das gnädige Fräulein zur Kenntnis nehmen, daß ich schließlich auch noch da bin." Dann gab er Gas.
Eine Dreiviertelstunde später läutete im Hause Lenz ber Fernsprecher. Mutter Lenz nahm den Hörer ab. Man hörte nur ihre kurzen Schreie. „Wie — wirklich — unmöglich — aber Kind! — morgen schon — bedenke doch!" — äus. Der Teilnehmer hatte abgehängt.
„Was ist los, sprich doch, Mutti!" drängte Ursel.
Mutter Lenz war in ihren Sessel gesunken und sah ihre beiden Töchter noch etwas fassungslos an. „Ist nur' gut", sagte sie nach einer Weile, „daß der Assessor schon fort ist, den tat bas ja überraschen. Denkt euch, Carla will morgen mit einem schwedischen Professor nach Süddeutschland verreisen, Forschungen in Klöstern anzustellen. Ist ja schön und gut ftir bas Kind, aber was soll man dazu sagen — mit einem fremden Mann!"
„Wenn er Professor ist, ist er steinalt", sagte Ursel. „Aber Herr Viereck, ber den Wagen jährt, ist nicht steinalt."____________ ,
„Was weißt bu — bu naseweißes Ding!" fuhr die Mutter sie an.
„Geschäftsgeheimnis", sagte bas naseweise Ding.
Lisbeth sandte der jüngeren Schwester einen strafenden Blick zu. „Man wird sie nicht halten können", sagte sie, „und weshalb sollte man sie auch zurückhalten. Wenn das Mädel nun einmal Kunstgeschichte studieren mußte — obwohl niemand weiß, wie man damit sein Brot verdienen kann — dann hat sie alles zu tun, was ihre Kenntnisse vermehren kann. Dazu gehört auch so eine Reise. Und was Alleinreisen mit zwei Männern anbelangt — bei Carla braucht man keine Bedenken zu haben. Ich kenne diese neue Große, Herrn Viereck, nicht. Aber ich finde es lächerlich, einen Droschkenfahrer, den man heute zufällig kennenlernte, nun gleich für einen gefährlichen Mann zu halten."
„Davon fabelt ja auch nur unsere Ursel, die so was im Kientopp gesehen hat", sagte die Mutter. „Aber bet Assessor ..."
„Der Assessor!" rief Lisbeth geringschätzig, „ber Assessor kennt Carla mjn seit einem Jahr. Seit fünf Monaten besucht er täglich deinen Mittagstisch. Man kann es ihm von der Nase ablesen, daß er in Carla verliebt ist. Aber ich wette, baß er ihr noch nicht ein Wort davon gesagt hat. Was schlimmer ist: ich wette, daß er auch zu Hause noch keinen Ton darüber verloren hat, aus Angst, die hochwohlgeborenen justizrätlichen Eltern könnten ihm diese standesungemäße Wahl übel ankreiden. Das ist kein Mann für Carla. Das ist ein Waschlappen."
„Lisbeth!" sagte die Mutter entrüftet, „er ist ein so feiner und herzensguter Mensch, er betreut Carla wie seinen Augapfel, er ist um ihr Studium, um ihre Gesundheit, um unser aller Wohlergehen so besorgt, er gehört doch beinahe schon zu unserer Familie..."
„Gerade deshalb", erwiderte Lisbeth in steigender Entrüstung, „er ist ein Schwärmer und ein großes Kind, aber fein Mann. Du weißt, baß ich von Männern überhaupt nicht viel halte unb recht gut ohne sie auskomme. Aber wenn schon einer in Frage kommt, dann soll es ein Kerl sein. Für Carla erst recht. Der hat man bei ihrem Studium schon so viele Rosinen in den Kopf gesetzt, sie ist so eigenwillig unb schwer zu behandeln, daß sie erst recht einen Mann braucht, ber sie fest in Zucht nimmt. Vorausgesetzt, daß sie überhaupt einen Mann braucht."
„Du lieber Himmel!" seufzte die Mutter, „was habt'ihr's leicht! Zu meiner Zeit hat man nicht soviel Theorie getrieben, sondern geheiratet und dann gesehen, wie man zurecht tarn. Ihr wißt alles schon im voraus. Ihr holt euch die Männer nach bem Katalog, und wenn sie nicht passen, tauscht ihr sie wieder um. Wie kommt es nur, daß die Leute dabei nicht glücklicher sind?"
„Vermutlich ist das Material schlechter geworden", sagte Ursel, gleichfalls mit einem schweren Seufzer.
(Fortsetzung folgt) .....


