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Kameraden und ihren Angehörigen bekannt KU machen.

Nach kurzen einleitenden Borträgen und Musik- stücken sprach der Standartenschulungsleiter, Untersturmführer Dr. Wilhelm«, über die Srp- pengemeinschaft der *ih in fesselnder Weise.

Im Laufe des Abends erschien noch, von allen Kameraden herzlich begrüßt, der Führer der 83. ff- Standarte, ff -Sturmbannführer Müller, und verweilte einige Zeit im Kreise seiner Männer.

Den zweiten Teil des Abends verbrachte man bei Gesang und Tanz in ungezwungener Geselligkeit. Kameraden des Musikzugs der Standarte hatten den musikalischen Teil übernommen und so zu dem fröh­lichen Ausklingen des Veranstaltung besonders bei­getragen.

Von der Universität Giehen.

Don der Pressestelle der Universität Gießen wird uns mitgetellt: Der ordentlicke Professor Dr. Elze ist zum Dekan der Medizinischen Fakultät der Uni­versität Gießen ernannt worden.

ReichsleistunqSschreiben der OAF.

NSG- Die Deutsche Arbeitsfront als Gemein­schaft aller schaffenden Deutschen ruft gemeinsam mit der Deutscyen Stenographenschaft für den 8. Mai alle Maschinenschreioer und -schreiberinnen Su einem im gesamten Reichsgebiet zur Durch- ührung gelangenden Reichsleistungsschreiben auf er Schreibmaschine auf. Tellnehmer mit der Note sehr aut, gut, genügend erhalten seitens der DAF. eine Leistungsbescheinigung. Außer dieser Bescheini­gung sind noch wertvolle Gau- und Reichspreise gestiftet, die an die tüchtigsten und leistungsfähigsten Schreiber und Schreiberinnen zur Verteilung ge­langen.

Trochtengruppen unserer Heimat in Hamburg und Nom.

Wie im vergangenen Jahre, so werden auch jetzt wieder hessen-nassauische Trachtenaruppen an der Reichstaaung der NS.-GemeinschaftKraft durch Freude^ in Hamburg teilnehmen, die in der Zeit vom 9. bis 12. Juni stattfindet. Anschließend wird von vielen deutschen Trachtengruppen ge­meinsam eine Seefahrt auf dem DampferWil- Helm Gustloft" unternommen, die nach Italien führt. Die Fahrt nach Italien findet aus Anlaß des WeltkongressesArbeit und Freizeit" statt. An der Fahrt nach Hamburg und noch Italien nehmen 8 Paare aus dem Huttenberg, 8 Paare aus dem Schlitzerland, 6 Paare aus dem Odenwald und 2 Paare aus Erksdorf teil. Die deutschen Trachten- gruppen werden in Rom, Neapel und Mailand deutsches Volkstum in Lied, Musik und Tanz zei­gen. An der großen Fahrt nimmt außer den hei­mischen Trachtengruvpen auch eine Musikkapelle aus der Wetterau teil.

Am vergangenen Sonntag hatte der Leiter der heimischen Trachtengruppen, Georg Heg in Leih­gestern, dort im Saale ,Lum Löwen" Mädchen und Burschen aus dem Hüttenberg zusammengerufen, um vor allem diejenigen althessischen Tänze ein- zustudieren, die in Hamburg und in Italien gezeigt werden sollen. Gerne unterzogen sich die Mädchen und die Burschen der Uebungsarbeit.

Polizeibericht.

Die Staalliche Kriminalpolizei in Gießen teilt heute folgendes mit:

Zeugen gesucht.

Am Samstag, 16. April, gegen 13 Uhr, ereignete sich in der Licher Straße in Gießen ein Verkehrs­unfall, wobei ein Motorradfahrer von einem Kraft­wagen angefahren und schwer verletzt wurde. Zeu­gen, die den Vorgang beobachtet haben und sach­dienliche Mitteilungen machen können, werden drin­gend gebeten, sich bei der Kriminalpolizei zu melden.

Wem gehören die Uhren?

Bei der Kriminalpolizei sind eine goldene Darnen- ormbanduhr (Ankerwerk) mit goldenem Ziehband und eine Tula-Herrentaschenuhr (Ankerwerk) mit Doppeldeckel sichergestellt. Die Damenarmbanduhr wurde vermutlich anläßlich einer Reise verloren. Die Eigentümer wollen bei der Kriminalabteilung, Zim­mer 65, vorstellig werden.

Neuordnungen im Friseurgewerbe.

Mit der Innungsoerjammlung des Friseur-Hand­werks für den Landkreis und die Stadt Gießen, die am Montag im Innungsheim, demUC.", abgehal- ten wurde, beginnt nun auch hier die Neuordnung im Friseur-Handwerk. Nachdem am Nachmittag für die Jnnungsmitglieder des Landkreises der einfüh­rende Dortrag abgehalten worden war, wurde am Abend den Mitgliedern aus Heuchelheim, Wieseck, Klein-Linden und Gießen die Erläuterung zu der neuen Polizeioerordnung gegeben, die jetzt im gan­zen Reich durchgeführt wird.

Obermeister Hans Götz zeigte die Aufgaben auf, die dem Handwerk durch den Dierjahresplan und den in Verbindung damit erforderlichen Leistungs­kampf aufgetragen sind. Im Rahmen dieser Auf- aaben ist das Friseurhandwerk einen von der Kund­schaft und dem Friseurhandwerk selbst erwünschten Schritt vorwärts gegangen. Es ist dies eine wesent­liche Stärkung des Vertrauens des Kunden zu sei­nem Friseur unter gleichzeitiger Anpassung an die Erfordernisie des Dierjahresplanes. Den Rahmen hierzu bietet dis neue Polizeiverordnung, die jetzt auch im Gebiet der Gießener Friseur-Innung ein- geführt wird. Ihr hervorstechendes Merkmal ist die Förderung der Hygiene und der Sauberkeit, die sich bis in die kleinste Lebensbezirke durchzusetzen -be­ginnt. Die Erfüllung dieser Forderungen legt dem Handwerksmeister ernste Verpflichtungen hinsichtlich der hygienischen Vorsichtsmaßnahmen und peinlich­ster Sauberkeit für die Beschaffenheit seiner Ge­schäftsräume, der Sauberhaltung seiner Geräte und der pflichtbewußten Ausübung seines Berufes auf, aber sie sichern dadurch auch feine Existenz und steigern das Vertrauen der Kundschaft.

Dazu wird in erster Linie die Beseitigung des allgemein angewandten Rasierpinsels beitragen. An Stelle des Rasierpinsels wird der Gebrauch einer Rasiercreme empfohlen, die nicht nur ein besseres Rasieren ermöglicht, sondern auch die Haut elasti­scher macht, so daß das Brennen und Wundscheuern der Haut nicht mehr auftritt. Das Gesicht wird mit einem Wattebausch angefeuchtet und bann mit der Creme belegt, die bis zum Ansatz des Rasiermessers

ohne zu schäumen die Haut derart elastisch gemacht hat, daß das Rasieren, wie gesagt, nicht nur ange» nehmer, sondern auch schneller und gründlicher als bisher a -geführt werden kann. Nur wer sich sei­nen Pinsel und seine Geräte selbst anschafft oder unterhält, kann noch mit dem Pinsel auf die bis­herige Art eingeseifl werden. Diese sehr alle Ge­brauchsanweisung wird aber der zeitgemäßen Art sehr schnell das Feld räumen. Ebenso tritt an Stelle des Alaunsteins für evtl. Blutstillung der Alaun­stein in Streichhölzerform, der nach einmaligem Ge­brauch sofort fortgeworfen werden kann.

Die praktische Erfahrung hat erwiesen, daß das Verbot der Anwendung des Pinsels von.- der Kundschaft begrüßt wird und daß sich die Anwendung der Rasiercreme schnell eingebürgert bat Der Obermeister empfahl seinen Fachkameraoen die strikte Befolgung dieser Polizei­oerordnung im eigenen Interesse und machte besonders auf die Vorschriften hinsichtlich der regelmäßigen Säuberung vor jeder Arbeit, den ab­waschbaren Wandanstrich und die Abweisung mit ansteckenden Krankheiten behafteter Kunden auf­merksam. Die praktische Vorführung der Handhabung der Rasiercreme fand lebhaftes Inter- esie.

Im weiteren Teil des Abends wurden organisa­torische Aufgaben besprochen. Das Kreis mei­st erschaftsfrifieren muß dies Jahr Ausfal­len, dafür wird das Bezirksmeisterschafts- frisieren, das am 22. Mai in Bingen abgebal­ten wird, in größerem Rahmen durchgeführt. Auch die Gießener Innung wird dabei vertreten fein. Weiterhin wurde auf die Ablegung der Mei­sterprüfung für alle nach dem 31. Dezember 1937 in die Handwerkerrolle eingetragenen In- nusigsmllglieder hingewiefen. Für die Lehrlinge im 1. und 3. Lehrjahr im Herren- und Damenfach wird in den nächsten Wochen die Zwischenprüfung durchgeführt. Außerdem befaßte sich der Obermeister mit der angeordneten Sammlung der Haare, wofür er in jedem Orte Vertrauensleute beauftragte.

Fön? Ähre Schulungslager Burg Gleiberg.

Um die Jahreswende von 1933 bedrückte den Glei- bergverein, dem Besitzer der stolzen Heimatburg Gleiberg, die Sorge um die Instandsetzung des Al« bertusbaues, jenes großen Schloßteiles, der sich un­mittelbar an die Ruine der Oberburg anlehnt. Da brauste der völkische Frühling über das deutsche Land, und er berührte auch den Gleiberg und seine Betreuer. Der Vorstand des Gleibergoereins und die Gießener Studentenschaft faßten begeisterten Herzens den einmütigen Beschluß, die tausendjährige historische Ställe in den Dienst der nationalsozia­listischen Bewegung zu stellen. In einstimmiger Auf­fassung genehmigte die Generalversammlung Anfang Mai 1933 den Ausbau des vom Verfall bedrohten Albertusbaues zu einem Schulungslager.

Noch war nicht die Finanzierung des Bauobjektes geklärt. Trotzdem ging man vertrauensvoll mit Eifer und Mut an die Arbeit. Oberbauinspektor Mohr (Gießen), der langjährige erfahrene Burgbaumeister, entwarf den großzügigen Plan und führte ihn auch bis zur letzten Verwirklichung durch. Einheimische Unternehmer tätigten die Rohbauarbeiten. Dann werkten im Iugendnotwerk 20 junge Weißbinder und Schreiner der engeren Gegend mit viel Fleiß und Freude ob ihrer endlichen beruflichen Beschäf­tigung.

So entstanden der freundlich ausseheude große Tagesraum, das auheimelnd-gemälliche Jaijrcr- 1 immer, der zweiteilige Schlafsaat und der Daschraum mit aller entsprechenden Einrichtung.

Mehr den je war der Gleiberg in den Blickpunkt des öffentlichen Interesses gerückt. Nicht nur die Mitglieder des Vereins gaben ihren Kostenbeitrag, nein, zahlreiche andere Gleibergfreunde brachten Spenden, Gemeinden und Körperschaften schlossen sich an. So wurde das Werk vollendet, das in der Geschichte der Burg als eine Glanzleistung bezeich­net werden darf.

Am 13. März 1934 staDete Reicksstatthalter Sprenger der Burg seinen ersten Besuch ab, be­sichtigte unter Führung von Lehrer Praß (Krof­dorf) die gesamte Burganlage, wobei er auch den Bergfried bestieg und den Blick auf die herrliche Heimatlandschaft genoß. Das eben fertig gewordene Lchulungslager, über das der derzeitige Studenten­führer Edler o. Graeve berichtete, fand die Anerken­nung des hohen Gastes.

Symbochaft für die Tradition, die den Gleiberg von altersher mit der Universität Gießen verbindet und zugleich die Tatsache würdigend, daß die Gie­ßener Studentenschaft einen Hauptanteil an dem Zustandekommen des Lagerausbaues trägt, war die Art der Lagereinweihung Ende April 1934: lieber 60 Studenten nahmen an dem ersten Schulungslager teil, zu dessen Zell die Ein- weihungsfeierlichkeit stattfand.

Es war ein unvergeßlicher Augenblick, als sich ralf der jungen Schar die zahlreichen Ehrengäste auf der roeifen Plattform des Bergfrieds oer- fammellen und unter dem Gesang des horst- Wessel-Liedes die erste Lagerfahne gehißt wurde.

Paul Seipp, der Führer des Gießener studenti­schen Kameradschaftshauses, stellte die nun begin­nende Arbeit unter das Motto:Manneszucht, Dienstbereitschaft und Kameradschaft", und der Ver­treter des hessischen Staates, Regierungsrat Köh­ler, kennzeichnete die Stellung des Studenten im Volksstaat Adolf Hitlers.

Sell diesem Zeitpunkt sah die Burg manches La­ger. Aus allen deutschen Gauen, aus den verschie­densten Formationen und Berufskreisen empfingen deutsche Menschen beiderlei Geschlechts national­sozialistische Schulung und damit das Rüstzeug für den rechten Volksgenossen unserer großen Gegen­wart. Ein jeder, der hier oben im Umbruch unserer geistigen und seelischen Haltung die llefgehende Ver­

bundenheit mit den Ideen, die eine neue Zukunft zu bahnen am Werk sind, erkannte und vertiefte, wird mit dankbarem Herzen des Gleibergs geb.n- ken. Die Namen der im Lager vertretenen Verbände und die Anzahl der Teilnehmer im einzelnen auf- zählen, .würde zu weit führen. Gesagt sei nur,

in den drei letzten Jahren weit über fünftausend Uebernachtungen verbucht

wurden. Oft brachte die Presse, selbst über den Gau hinaus, eingehende Berichte und Photos von dem Leben und Treiben ernster und ftoher Lager­stunden. Besondere Höhepunkte bildeten Besuche hoher Persönlichkeiten der Partei und des Staates auf der Burg. Es fei erinnert an das Gleibergfest 1934, an dem Reichsminister Rust in Begleitung von Reichsstatthalter Sprenger hier weilte und einen Appell an die deutsche Jugend richtete, den nicht nur die im Lager anwesenden Gaureferenten der Studentenschaft, sondern all die vielen Festteil-

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nehmer von fern und nah anzuhören die Ehre hat­ten. Bei einem Iuristenlager nahm Reichsminister Dr. Frank Gelegenheit, den Lagerbetrieb ein­gehend zu besichtigen.

Stellte sich so der alte Gleiberg unmittelbar in den Dienst des Dritten Reiches, so schloß das wie anfangs vielfach geglaubt wurde keineswegs aus, daß er nun in feiner Eigenschaft als beliebter Aus­flugsort Einbuße erleiden würde. Ohne jegliche Un­terbrechung stand und steht auch weiterhin die Burg dem Ausflugsverkehr offen. Nach wie vor bemüht sich der Gleibergverein, alle Bauten und Räume, der übernommenen Verpflichtung getreu, in ordent­lichem Zustand zu erhallen. Beispielsweise wurden im Vorjahre die oberen Räume des Nassauerbaues, darunter der große Kaisersaal, vollständig neu für den Publikumsverkehr hergerichtet, mit neuen Oefen und besserer Beleuchtung versehen. Eine Notscheune für die Heu-, Stroh- und Holzvorräte des Burg-- wirts entstand, damit im Interesse der Feuersicher­hell die Hauptgebäude entlastet würden. Auch die unumgänglichen Mauerausbesserungen an der Ruine liefen weiter.

Und was das Erfreuliche ist, daß alles, was in den letzten fünf Jahren an Bau- und Instand- fehnngsarbeiten auch geschah, restlos finanziert werden konnte, so daß der Gleibergverein heule ohne Schulden daskeht, wahrlich ein stolzes Bewußtsein für die verant­wortlichen Männer und den Kreis der Mitglieder.

Mitten in den Aufbau siel der hundertjährige Gründungstag des Gleibergoereins, dessen fei-r- liche Begehung in noch so frischer Erinnerung ist, daß hierüber ein Bericht sich erübrigt. Möge in jeg­licher Hinsicht der Gleiberg auch fernerhin das blei­ben, was er immer war: Das liebwerte Wahrzei­chen unserer Heimatlandschaft! E. Prass.

240 Mk. für 3teikn nach Danz a.

DNB. Amtlich wird mitgeteilt, daß der Höchst- betrag, bis zu dem Reifezahlungsmittel nach Danzig ohne Genehmigung erworben werden können, mit sofortiger Wirkung von 180 Reichsmark auf 240 Reichsmark heraufgesetzt worden ist. Neben dem Betrag von 240 Reichsmark kann die Freigrenze von 10 Reichsmark in Anspruch genommen werden.

*

** Keine Post Zustellung am 1. Mai. Am 1. Mai, dem nationalen Feiertag des deutschen Sol-

6. Fortsetzung.

(Nachdruck verboten!)

Fäden hin und her.

ZRonfan von Hedda Westenberger.

Copyright by Carl Duncker Verlag, Berlin W 35.

Diesmal winken die beiden jeder mit seinem eigenen Arm zurück.

Und die Nummer?

Eine Berliner Nummer.

Natürlich", sagt Robert von Kahl.

6. Im Doktorhaus zu Eigelstein.

Das Hammerdachsche Haus in der Sachgasse gleich hinter dem Markt haben ftüher einmal die Pfar­rer von Eigelstein bewohnt. Wie das Haus dann 'n Hammerbachschen Besitz gekommen ist, das ist eine lange und verworrene Geschichte; sie ist in der Chronik der Stadt als eins der wicytigften Ereig­nisse des letzten Jahrhunderts haarklein erzählt. Und es geht daraus hervor, daß die Hammer- bachers von jeher äußerst energische und ziel- bewußte Leute gewesen sind, die durchsetzten, was sie sich vornahmen, und die von jeher in der Stadt ein gewaltiges Wort mitzureden hatten.

Seit drei Generationen sitzen sie nun in dem ehemaligen Pfarrhaus. Aus der stillen pfarrherr­lichen Studierstube ist ein schneeweißes, blitzblankes ärztliches Sprechzimmer geworden; in der großen, holzgetäfelten Diele hängen statt der Marienbilder mächtige Geweihe und große Iagdbilder, und die nach wie vor gleich köstlichen Düfte der Küche be­gegnen nun nicht mehr zartschwebenden Weihrauch- wölken, sondern -handfesten Karbol- und Aecher- gerüchen ober dem herben Knaster aus Doktor Hammerbachers ewig brennender Pfeife.

Aber gemütlich iffs mehr denn je. Wer über die brei niedrigen, ausgebeulten Stufen ins Haus tritt und die breite, geschnitzte Haustür hinter sich zu- fallen läßt, der tut unwillkürlich einen tiefbehag- llchen Schnaufer: Ah, hier ist's gut sein. Die dunkle Täfelung der Wand leuchtet warm im nur ge­dämpft einfallenden Tageslicht, eine Uhr tickt dunkel im Winkel, hohe Stühle umstehen sittsam einen runden eingelegten Tisch, und das Geländer die Treppe hinauf ist so wunderschön geschnitzt, als gingen hier nur Menschen umher, die immer Zell und Muße hätten, seine zärlliche Gewundenhell zu würdigen.

In Doktor Hammerbachers Sprechzimmer fteillch darf man bann nicht eintreten. Denn ba geht's meber behaglich noch traulich, fonbern äußerst rauh zu, und so manches liebe Mal heben die Hammer-

Aber nicht richtig", murmelt die Nichte.

Da blinkert Tante Martha noch mehr als sonst mit den kurzsichtigen Augen, und die spitze kleine Nase zeigt tausend winzige Fältchen:

So ein Abs-taubeifer!"

Aber dann kommt ihr die Sache doch komisch vor: Vater Hammerbacher soll auf diesen Lenzsch eifer­süchtig sein? Und Monikas wegen?

Sag mal, mein liebes Kind, bu hast boch nicht etwa ine Absicht, dich mit diesem jungen Doktor Lenzsch zu verloben? Ich meine er hat doch nichts, und was ist schon ein Assistenzarzt? Er treibt sich zwar ers-taunlich viel herum, aber ich habe trootzdem nie bemerkt, baß ihr . . . ich meine: Des-teht bei euch die Ambition zu einer Verlobung?"

Iwo!"

Da fällt mir ein S-tein vom Herzen. Aber warum hast du ihn bann eingelaben?"

Monika preßt empört bas Staubtuch gegen den blauweiß gestreiften Schürzenlatz:3d)? Papa hat ihn eingelaben!"

So? Papa. Und wcirum?"

Jetzt endlich ist Monika mit der Uhr fertig. Das Staubtuch zwischen zwei Fingern, steht sie auf und dreht sich mehrere Male langsam im Kreise.

Es ist wirklich jetzt alles abgef-taubt", versichert Tante Martha und fährt dann ungeduldig fort: Aber warum hat er ihn denn wohl eingelaben?"

Ach, das kam so gesprächsweise: Neulich, als wir chn bei Amtsrats trafen. Papa ist die Ein­ladung so herausgerutscht. Er hat sie vielleicht auch gar nicht so ernst gemeint, und Lenzsch hat auch nur gesagt: vielleicht komme er. Und ich bin audj nicht sicher, ob er kommt."

Na, airf jeden Fall wäre es ein Glück, wenn er nicht käme", sagt Tante Mariha überzeugt und kraftvoll.Aber trotzdem mußt du einkaufen, als wenn er boch tarne, liebes Kind Man kann ia nicht wissen, und ick erinnere mich genau, er ißt ers-taunlich viel, dieser Mann. Du mußt glatt ein Pfund Rosenkohl mehr nehmen und auch ein halbes Pfund Kastanien mehr, hörst du? Wann gehst du beim zum Markt, Monika? Jetzt? Gleich? Dann vergiß nur nicht, Frau Knüpf die zwei schlechten Eier mitzubringen. Minna hat sie in eine Tasse getan. Sie f-tinten schon; so schlecht sind sie. Und nm besten gehst du zuerst bei Frau Knüpf vorbei, sonst s-tinkst bu dir die ganze Markttasche aus. Ders-tehst bu das übrigens, baß Frau Knüpf aus­gerechnet uns so s-Unkend schlechte Eier anbietet? Ich, wenn ich Frau Knüpf wäre, ich würde mich das nie unters-tehen. Aber die Leute haben eben heutzutage kein Vers-tändnis mehr für..."

\ (Fortjetzung folgt.)

Frau mal den Arm gebrochen hatte, ist sie zu uns nach Hannover gekommen! Ach, der S-paß! Ich höre heute noch, wie der gute Doktor Krause, unser Hausarzt, sie damit aufgezogen hat. Aber 'deine Mama hat ihren Mann s-türmisch verteidigt: er bringe es nicht übers Herz, an den geliebten Glie­dern seiner Frau so grausam zu zerren, wie es nötig sei bei so einem Armbruch. Und ich glaube, sie hat ein bißchen recht gehabt. Aber nun hör nur, wie er sich jetzt wieder ans-tellt. Wen mag er nur zwischen den Fingern haben? Die arme Person!"

Monika, hinter dem Stuhl kniend, stöhnt leise auf:Er hat überhaupt heute wieder seinen schlim­men Tacf. Sogar Seppi hat was abgekriegt."

Und ausgerechnet heute kommt der Doktor Lenzsch zu 'Besuch, den er sowieso nicht leiden tannr

Eine lange Stille entsteht. Tante Martha, immer noch sitzend, fuhrwerkt mit dem Staubtuch zwischen Tischplatte und Spitzendecke nicht eben gründlich herum; von Monika ist überhaupt nichts mehr zu sehen. Sie ist offenbar mit besonderer Hingabe um Die Sauberkeit der vier Tischbeine bemüht.

Wieso kann Papa den Lenzsch nicht leiden?" fragt es dann vorsichtig von unten herauf.

9la, eben so", gibt Tante Martha zurück und läßt endlich von der Tischplatte ab.

Wieder schweigen sie beide eine Weile. Monika muß wirklich schrecttiche Schmutz- und Staubwüsten dort unten entdeckt haben, sie hockt immer noch auf der Erde. Dom Sprechzimmer her hört man des Doktors laute Stimme und die weinerliche einer Frau. Dazu rauscht die Wasierleitung, und irgend­ein Apparat mll bläulichem Licht summt sanft da­zwischen.

Wenn er chn wirklich nicht leiden kann", sagt Rtonika dann auf einmal nachdenklich,so ist das meiner Meinung nach bloß wieder Vaters komische Eifersucht."

Eifersucht?" Tante Martha horcht auf.

Natürlich. Was sonst? Eifersucht. Er hat doch immer Angst, ich könnte mich mal ... ich könnte mal ..."

Jetzt endlich taucht Monika wieder auf. Ihr glatt nach hinten gekämmtes Haar ist ein wenig in Un­ordnung geraten, ihr feines, hellhäutiges Gesicht ist hochrot kein Wunder, wenn man so lange unter Tischen und Stühlen herumkriecht.

Tante Martha forscht gespannt in ihrem Gesicht. Aber dazu ist leider nicht viel Gelegenheit, denn Monika wendet sich sofort der großen Standuhr im Winkel zu.

Die hab' ich doch schon abgef-taubt", sagt Tante Martha.

bachschen Damen draußen in der Diele im Dobei- gehen ängstlich lauschend den Kopf: Was hat er denn nun wieder? Parum brüllt er denn wieder so?

Auch an diesem Samstagmorgen stehen sie ne­beneinander vor dem runden Tisch in der Diele, Staubtücher in den Händen, brave blauweiß ge­streifte Hausschürzen umgebunden, und lauschen hinüber ins Sprechzimmer.

Wenn er mich so anbrüllen würde..." sagt die blonde Monika Hammerbacher, und chr junges Ge­sicht sieht beinahe hochmütig aus. Muß denn aus­gerechnet sio, die noch nie ein au lautes und bru­tale^. Wort über ihre hübschen Lippen gebracht hat, so einen ungebärdigen, ewig polternden, rustikalen Vater haben? Und wenn er schon von Natur aus so ist, kann er sich nicht um der erwachsenen Toch­ter willen ein bißchen zusammennehmen? Muß das sein, daß man sich in der Stadt immerzu tolle Ge- schichten von dem groben Doktor Hammerbacher er­zählt?

,Lch werd' es ihm wieder mal eindringlich sagen müssen", fügt sie nach einer Weile hinzu und macht sich daran, einen der hohen, geflochtenen Worps- weder Stühle abzustauben.

Aber Tante Martha Hammerbacher, klein und zierlich, ein Spitzmausgesicht mit zwei kurzsichtigen bilnfernben Augen, lacht nur leise auf: Ach der und eindringlich mit ihm reden!

Liebes Kind, ich s-taune, wie unbelehrbar du bist. Hat nicht schon deine Mutter sich den Mund fusselig geredet, um ihm das Brüllen abzugewöh­nen? Weißt du. was er chr bann immer gesagt hat? Hysterische Weiber muh man anbrüllen und alle Weiber sind hysterisch. Ja, das hat er ge- sagt, und davon bringt ihn nun keiner mehr ab. Und du am wenigstem Jawohl, mach nur nicht solche S-ttelaugen. Als er dir neulich den Hals ausgepinselt hat, hast du dich ja wirklich sehr hyste­risch benommen."

Monikas blaue Augen tauchen sprühend hinter der Stuhllehne hervor.Das war aber wahrhaftig auch das letzte Mal, daß ich mich von meinem Va­ter behandeln laste! Der packt ja zu, als ob man ein S'ück Holz wäre. Und alle Schmerzen, die man hat, sind nur Quatsch und Getue. Ich wenn ich mal richtig krank würde, ich führe einfach in irgend­eine Nackbarstadt und ließe mich dort behandeln."

Tante Martha läßt sich belustigt auf den Stuhl faßen, den sie soeben abgestaubt hat, und ver­schränkt behaglich die Arme über der Brust.Siehst du, siehst du und dein Vater bat erHärt, eher phrbt er, als daß er dich noch mal behandelt? Deine Tlutter hat sich übrigens auch nie von ihm behan­deln lassen. S-tell dir vor, als sie sich als junge