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Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)

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Für Breslau startbereit.

hatten naturgemäß ihrer­seits zu beraten, wieviel von den zugelassenen Kämpfern mitgeschickt werden konnten, d. h. wie vielen Aktiven ein Zu­schuß aus Vereinsmitteln gewährt werden konnte. Schließlich schälten sich in den Vereinen unserer Hei­mat nach allen den ge­nannten Präliminarien diejenigen Beteiligungs­ziffern heraus, die wir in den letzten Tagen aus der Stadt und aus den verschiedenen Orten des Kreises berichten konnten.

Es fällt nicht schwer, sich vorzustellen, wie sich in Breslau Hunderttau­sende einfinden werden, wenn sich allein aus un­serer engsten Heimat so viele Aktive bzw. Fest­gäste beteiligen. Wenn auch nicht aus allen Or-

Am kommenden Dienstag werden die Turner und (portier aus den Vereinen unserer Heimat zur jrofeen Fahrt nach Breslau starten. Sie werden sich «Ile am Gießener Bahnhof einfinden, um den Son- jrrzug zu besteigen, der sie nach der Feststadt im putschen Osten bringen wird. Breslau! Der Name j>r Stadt ist in den vergangenen Monaten zu einem Begriff geworden. Alle Arbeit stand im Zeichen von Ireslau! Da wurden Reifesparkassen eingerichtet, in die mit Regelmäßigkeit eingezahlt wurde, so daß jun inzwischen hübsche Summen aufgelaufen sind; h wurden die Teilnehmerzahlen gemeldet und von jm Vereinen aus die Organisation des großen 2urn- und Sportfestes unterstützt, soweit den Der- enen eine Möglichkeit dazu gegeben war. Schon i»r geraumer Zeit wurden allen Vereinen die Aus- jijreibungen zuaeleitet, stattliche Hefte, aus denen ran schon bei flüchtiger Heberschau erkennen konnte, reiche außerordentliche Ausmaße das Fest allein in te-n Wettkämpfen haben wird.

Und an Hand der Ausschreibungen wurde dann -raten, welche Wettbewerbe von dem oder jenem Mitglied des Vereins bestritten werden könnten.

Der Abgabe der Meldungen gingen allerdings yreits Ausscheidungswettkämpfe voraus, mn an jeglicher Konkurrenz kann aus dem ganzen -eichsgebiet nur eine ganz bestimmte Anzahl Wett- impfer teilnehmen, wenn die Durchführung rei­bungslos möglich werden soll. Die Ausscheidungs- limpfe galten also einer gründlichen Sichtung (wir b-richteten ja jeweils darüber), bestimmte Leistungen rußten erreicht werden, wenn man sichfür Bres- Eu" qualifizieren wollte. Die Vereinsvorstände

Eifrig studieren die Turner ihren Weg vom Quartier zu den Kampfstätten.

ten so starke Beteiligungen genannt werden können, wie aus den größeren Vereinen der Stadt und der größeren Landorte, so ist doch damit zu rechnen, daß mindestens aus allen Orten, in denen ein Turn- oder Sportverein besteht, mehrere Teil­nehmer gemeldet sind und dabei sein werden. So

Erika R ö h m i g (Männerturnverein Gießen), wohl die beste Turnerin in volkstümlichen Wett­bewerben, Siegerin in vielen Kämpfen, dürfte .unsere Heimatstadt gut vertreten.

Karl Müller (Vereinsführer, Mtv Gießen), 64 Jahr alt, nimmt als ältester Turner unserer Stadt und wohl auch des Gaues, an einem Neunkampf feiner Altersklasse teil.

wird man damit rechnen dürfen, daß sich am Diens tagabenb auf unserem Gießener Bahnhüf schon ein Abglanz dessen zeigen wird, was in Breslau in den Tagen vom 24. bis 30. Juli Straßen, Gassen und großartige Sportstätten mit jungfrischem Leben, Le­benskraft, Heiterkeit und Schönheit erfüllen wird.

Mit hochgespannten Erwartungen fahren auch un­sere heimischen Turnerinnen und Turner, Sporte lerinnen und Sportler nach Breslau. Zwar wird man keine allzu optimistischen Hoffnungen auf glanz­volle erste Siege setzen, vielmehr gilt die Erwartung ehrenvollen Plätzen, die bei der außerordentlichen Konkurrenz in allen Klassen und Disziplinen schwer genug wiegen werden. Wenn die Besten unserer Heimat Platze unter denersten Zehn" landen kön­nen, dann darf man mit Recht von großen Erfolgen sprechen. Die besten Wünsche aller derer, die mit einem leise bohrenden Gefühl des Neides Zurück­bleiben, wenn der Zug am Dienstag unseren Bahn­hof verläßt, begleiten unsere Aktiven in die bevor­stehenden schweren Kämpfe.

Aber noch vor Kampf und möglichen Erfolg haben auch hier die Götter den Schweiß gesetzt. Sorg­fältiger denn je galt es sich vorzubereiten und gerade in der vergangenen Woche wurde in den Vereinen

noch mit besonderer Konzentration gearbeitet trainiert. Wir waren bei einigen solcher Uebungs« abenöe mit dabei und konnten uns von, dem Ernste überzeugen, mit dem geübt wurde. Da brachten die Geräteturner an ihre Hebungen jenen letzten Schnick, und es geschah immer vor den kritischen und ge­schulten Augen von Uebungsleitern und Kameraden. In den Kürübungen wurde von den einzelnen nicht etwa ausgesucht Neues erarbeitet, nichts geturnt, was etwa nur blenden sollte, sondern vielmehr Wert auf Sicherheit und exakte Ausführung, wie auch auf harmonischen Ablauf der gesamten Hebung gelegt Auch die Teilnehmer an denvolkstümlichen" Wett­kämpfen, wie die Leichtathleten überhaupt, standen in intensivem Training, um die Technik und damit die Leistungen zu verbessern.

Zu einer schönen Gemeinschaftsarbeit wurden die Hebungen zu den großen Freiübungen und die Vor­bereitungen der Turnerinnen für die Vorführungen im Keulenschwingen. Die größeren Vereine wurden mit Schallplatten versehen, die in vorzüglicher Wie-

Karl Stahlhut (Turnverein Heuchelheim), Hoherodskopsi- u. Weidigbergfest-Sieger, 4 bzw. 5. bei den Deutschen Mehrkampfmeisterschaften usw., trägt die besonderen Hoffnungen unserer Heimat.

Karl Reuter, Turnfestsieger von Köln 1928, zeigt feinen Kameraden im Turnverein 1846 eine tadellose Hebung am Barren.

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Wiesecker Turner bei der Hebung einer Sondervorführung (Bodenturnen) für Breslau. (Aufnahmen [6]: Neuner, Gießener Anzeiger.)

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dergabe die Klänge der Musik festhielten, nach denen die Hebungen in Breslau geturnt werden. Diese festlichen Klänge prägten sich wohl allen tief ein, zu­dem sich in allen den Aktiven diese Klänge in har­monische Bewegung umsetzen mußten. Wie ein­drucksvoll und schön diese Freiübungen sind, davon konnte man sich bei den jüngst abgehaltenen Judi- läumsfeiern des Turnvereins Heuchelheim und der Turn- und Sportgemeinde Rodheim überzeugen.

Erfreulich stark ist der Einsatz der größeren Land­vereine der Umgebung, die den Stadtvereinen so­wohl zahlenmäßig, wie auch leistungsmäßig, voll­kommen gleichwertig zur Seite stehen. Wir denken hier besonders an die Vereine in Wieseck, Lollar und Heuchelheim. Es ist verständlich, daß Turner und Leichtathleten zahlenmäßig für Breslau an erster Stelle stehen. Aber auch die anderen Fachämter sind mit einzelnen Wettkampfteilnehmern vertreten.

Sie alle und mit ihnen noch mancher Gast, der als Zuschauer mitfährt, werden diese einzigartige Kundgebung der deutschen geeinten Leibesübung mit­erleben und überreich an Eindrücken zurückkehren. Hoffentlich kehren sie auch zurück, geschmückt mit dem Kranz des Sieges oder mit dem schönen schlichten Eichenblatt des Reichsbundes für Leibesübungen.

Zwei hinter Gisela.

Roman von Hans Hirihammer.

Trheberrechtschutz Verlag Oskar Meister, Werdau/Sa.

B. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)

Lore Jasper hatte unterdessen langsam den Geh­steig überquert und stand nun vor einem nicht über­mäßig großen, aber recht schnittigen Wagen, dessen teügrauer Lackanstrich einer gewissen Vornehmheit richt entbehrte.

Sie weidete sich mit offensichtlicher Freude an (falls Heberraschung.Da staunst du, was? Wir Huben es zu etwas gebracht!"

Donnerwetter!" murmelte Peter. In seiner Er­innerung erstanden die Bilder der Kinderzeit, jener &eit, da Lore Jasper noch mit einem dicken Zopf inb meistenteils zerrissenen Strümpfen die Gassen inb Winkel des Heimatstädtchens unsicher machte. 2 er alte Jasper tauchte auf, Lores Vater, ein fgrulliger Kauz, in dessen Kramladen man für einen röschen ganze Berge von Lakritze und Johannis- frot kaufen konnte, sofern man es nicht vorzog, i efe Kostbarkeiten von Lore im Tauschhandel gegen bgenbem Geschichtenbuch zu beziehen.

Peter blickte mit steigender Verwirrung auf die : ji:nge Dame, die mit ihrem sportlichen, perlgrauen (eibenmantel, mit ber ganzen sorgfältigen Gepflegt- feit ihres Äußeren nicht im geringsten mehr an Mes etwas verwahrloste kleine Mädchen erinnerte.

Sag.mal, hast bu bas große Los gewonnen, Oer--"

Weber, noch!" lächelte Lore und öffnete den E chlag.Im übrigen könntest du mir die Freude r.adyen und mir Gesellschaft leisten sofern es feine Zeit erlaubt."

Peter Stoll wurde plötzlich steif.Ich hoffe, daß iu es nicht als zudringliche Neugierde auffaßt, Imre, wenn ich dich frage, wie du zu dem Auto mb überhaupt zu bieser ganzen Vornehmheit kommst. Daß bein Vater bir heimliche Reichtümer fenterlassen hat, bürste unwahrscheinlich sein"

Lore blinzelte belustigt mit ben Augen.Wenn M beine Frage boch als zudringliche Neugierde auf- Me?"

Dann möchte ich von deiner freundlichen und wie ich gestehe, durchaus verlockenden Einladung boch lieber keinen Gebrauch machen."

Ooh!" staunte Lore.So viel Charakter?" Ader bu kannst ruhig Platz nehcken! Du läufst keine Gefahr, einem reichen Freund zu begegnen, der seine Besitzerrechte an mir und dem Wagen geltend machen könnte. Darauf ging es boch hinaus, nicht wahr?"

Peter konnte eine leichte Verlegenheit nicht ver­bergen.Allerbings!" gestand er > freimütig ein, leistete aber keinen Widerstand mehr, als Lore Jasper ihn mit sanfter Gewalt in den Wagen drängte.

Sie setzte sich neben ihn an bas Steuerrad und brachte ben Wagen in Gang. Wenig später hatten sie bas Brandenburger Tor ourchfahren und glitten auf ber Charlottenburger Chaussee bahin.

Ich habe mir das alles sehr hart erkämpfen müssen!" begann Lore Jasper, ohne ben Blick von ber Straße abzuwenben.Wenn bu mein letztes Buch .Das Opfer' gelesen hättest, würbest bu bas wesentliche meines Werdeganges wissen."

Peter Stoll riß die Augen auf.Ach!" rief er in höchster Heberraschung.Du schreibst Romane? Unb babei oerbient man so viel?"

Ja, babei oerbient man so viel!" lächelte Lore. Sofern man bie große Probe besteht, bas weise unb sehr nützliche Durchhunaernmüssen burch bie Jahre bes Werbens unb Reifens."

Peter schwieg. Sein Blick prüfte von der Seite ihr Gesicht, und jetzt erst erkannte er. wie schön dieses Gesicht war, schön in einem guten unb tiefen Sinn, geformt vom Leben unb vom Wissen um bie Dinge.

Ich habe mir bas Häuschen, bas mir mein Dater hinterließ, ein wenig Herrichten lassen, unb dort lebe ich nun. Der Kramlaben hat freilich ver- schwinben müssen. Manchmal sehne ich mich nach bem Hellen Gebimmel ber Labenglocke."

Die Lore Jasper!" sagte Peter, mehr zu sich selbst als zu ihr.Sie war immer schon ein selt­sames Mädchen, ganz anders als die übrigen Kim der. Wie geht es eigentlich in Hengersborf? Ich bin nie mehr hingekommen."

Es wird wohl so ziemlich alles beim alten geblieben sein. Es ist bas gleiche, kleine, weltver­lorene Nest, das es immer war. Werden und Ster­

ben unb dazwischen ein Leben voll Mühe und Arbeit!"

Daß du es dort aushalten kannst?"

Lore Jasper drehte den Kopf zu chm, für einen Augenblick nur, aber Peter hatte gesehen, daß chr Blick voll Mitleid war.

Daß du es hier aushalten kannst", gab sie zurück.Daß man hier leben kann in dieser Heimat­losigkeit."

Heimatlosigkeit?"

Ja, was mich an der Großstadt am tiefsten er­schüttert, ist die Heimatlosigkeit ihrer Menschen. Denke doch, all diese Kinder, all diese Jugend hier weiß nichts vom Vaterhaus. Sie haben kein Vater­haus, keine Heimat, kein noch so kleines Stückchen Erde, das ihnen gehörte unb bas sie für ihre Kinder bewahren könnten. Sie wissen nicht, wo sie geboren sind, ist bas nicht furchtbar? Vielleicht finb sie in irgendeiner Klinik zur Welt gekommen, vielleicht in irgendeiner Mietwohnung sie wissen es nicht. Ich habe viele Kinder gefragt, feines wußte eine Antwort zu 'geben."

Darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht, aber ich muß gestehen, daß du recht hast!"

Nimm dir den ärmsten Lausejungen von Hen- gersdorf und frage ihn, wo er geboren ist, dann wird er dich hinführen und wird dir sein Vater­haus zeigen."

Peter nickte, und es war, als hätten Lores Worte etwas längst Versunkenes in ihm aufgeweckt.Steht unser Haus noch?"

Natürlich!" erwiderte Lore. Sie merkte, daß sie etwas Schmerzliches angerührt hatte und lenkte das Gespräch auf einen anderen Gegenstand.Was ist eigentlich aus Heli geworden. Wir haben uns als Kinder immer recht gut verstanden."

Peters Gesicht wurde hell.Wir wohnen zusam­men. Du, ich glaube, es würde sie riesig freuen, wenn du sie besuchtest?"

Aber natürlich tue ich das! Wollen wir gleich hinfahren? Wo wohnt ihr denn?"

In Tempelhof!" sagte Peter mit einem Blick auf die Hhr.3a, das können wir machen. Bis wir hinkommen, wird sie zu Hause sein

Hell Stoll war nach nicht da, und nun erst Hel es Peter ein, daß sie versprochen hatte, nach der Schule bei der Zeitung nachzufragen, ob schon ein Angebot auf seine Anzeige eingelaufen sei.

Lore war an die Fensterwand getreten und ließ ihren Blick weithin über das Häusermeer schweifen. Ganz hübsch habt ihr es hier, jedenfalls gefällt es mir besser als in meinem Hotelzimmer. Wenn ich es gewußt hätte, wäre ich zu euch gekommen. Hättet ihr eine Liegestatt für mich gehabt?"

Klar!" rief Peter.Heli hat eine Couch in ihrer Stube. Unb da du vermutlich noch öfter nach Berlin kommen wirst, so sei schon jetzt für diese Fälle eine herzliche Einladung ausgesprochen."

Wird dankend angenommen!" sagte Lore und drückte seine Hand. Ihre nußbraunen Augen lachten ihn an.Daß du mir aber nicht zudringlich wirst, mein Lieber!"

Würdest du es mir sehr übel nehmen?" Natürlich!" gab Lore zurück, indes ihre Lippen . sich spöttisch verzogen.Außerdem vermute ich wohl mit Recht, daß dein Herz sich schon irgendeiner kleinen Berlinerin zugewandt hat. Alt genug bist du ja eigentlich!"

Du wirst dich wundern, Lore: es ist noch frei und es steht zu deiner Verfügung."

Im Augenblick habe ich keine Verwendung da­für." Sie trat vom Fenster zurück und auf Peters Arbeitstisch zu.Chemiker bist du also? Ich glaube, das ist ein sehr schöner Beruf."

Der schönste, den ich mir denken kann!" Es war dem jungen Mann nicht entgangen, daß sie mit einer auffallenden Hast den Gesprächsstoff gewechselt hatte.

Lore Jasper war zwar keine ausgesprochene Schönheit, aber auch keineswegs unansehnlich oder gar häßlich. Uni). er wußte von früher, daß sie ein paar Monate jünger war als er. Aber während ihm in diesem Zusammenhang noch allerlei Möglich­keiten durch den Kopf gingen, fiel ihm plötzlich ein, daß sie vermutlich über ein ansehnliches Einkommen verfügte, während er selbst noch ein armer Teufel mar. Das war entscheidend.

Er wollte gerade anfangen, ihr von seiner Arbeit zu erzählen, da erschien Heli.

Wir haben einen ebenso seltenen wie lieben Gast!" sagte Peter, indem er auf Lore wies.Kennst du sie noch?"

Heli stutzte einen Augenblick, bann streckte sie ber Besucherin beibe Hänbe entgegen.Lore Jasper! Bist bu es wirklich?"

(Fortsetzung folgt!)