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Hr.69 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Mittwoch, 25. Mrz 1958

Wehr und Waffen.

Vom Rekruten zum Alten Bann.

Die Rekrutenbesichtigung ist vorüber. Der Oberst war zufrieden. Der Hauptmann, der Leutnant strahlten. Der Rekrut wirst sich stolz in die Brust: Jetzt bin ich wirklich Soldat! Jetzt fülle ich jeden mir angewiesenen Platz in der Kom­panie aus!" Der Alte Mann lächelt:Roch 'st es nicht so wett! Noch hast du manchen Schliss nötig, bis du mir das Wasser reichen kannst!" Wir können ihm nicht so ganz unrecht geben. Schon König Wilhelm, der feinfühlige, praktisch^ Soldat, meinte, als vor bald hundert Jahren der Kampf um eine Herabsetzung der Dienstzeit ging:Einen Re­kruten kann man wohl in drei Monaten dres­sieren, einen Soldaten aber nur in jahre­langer . Erziehungsarbeit heranbilden", und der Führer und seine Berater haben gewußt, was sie taten, als sie die aktive Dienstzeit in der Wehrmacht von einem auf zwei Jahre hinaufsetzten

Gewiß, der Rekrut kommt heute durch die Hitler^ Jugend, die SA. und fj, das NSKK., das NSFK. und den Arbeitsdienst äußerlich und innerlich sol­datisch geformt, vertraut mit dem Pferde, dem Motor, der Luft, in die Kaserne. Der Rekruten­offizier kann vom ersten Tage ab ihm die Waffe in die Hand drücken, kann das Tempo der Aus­bildung so beschleunigen, daß in den 16 Wochen, die für sie vorgesehen werden, vor allem in der Gelände- und Gefechtsausbildung erheblich mehr erreicht wird als in der Vorkriegszeit. Aber es ist klar, daß vieles nur an der Oberfläche haftet und erst durch längere Uebung in Fleisch und Blut über­gehen kann. Darin aber besteht ja gerade der Sinn der militärischen Ausbildung, des militärischen Drills, daß jeder Griff an Waffe und Gerät so fest sitzt, daß er im Augenblick höchster Nerven­anspannung, im Krachen der Granaten, im Brodem der Gasschwaden zur rechten Zeit unbewußt aus­gelöst wird, daß der Reservist, selbst wenn er nach Jahren die Waffe erst wieder in die Hand bekommt, nicht fehlgreift.

Wiederholung, Vertiefung des in der Rekruten­zeit Gelernten wird also Punkt 1 des Ausbildungs-

Seit September 1917 lag das Regiment nun schon in Flandern. Namen wie Gheluoelt, Paschendaele und Becelaere gingen in seine Geschichte ein. War es erst der Großkampf der Flandernschlacht, so zehrte dann der Kampf mit Nässe, Schlamm und Kälte in trostlosen Trichtern an seiner Kraft. Kein Wunder, daß alles sich freute, als es endlich im Februar 1918 hieß:Wir kommen in Ruhe!" Am 14. Februar kam das Regiment in der Gegend von Maubeuge an, wo zwar keine wohnlichen Unter­künfte, dafür aber ein großes Uebungswerk feiner harrten. Hinzu kam ein ganz ungewohnter Ausbil­dungsplan, de? im Angriff hinter einer Feuerwalze und in der Abwehr von Gegenstößen gipfelte. Nach ö<n Jahren der Abwehr schien sich etwas Neues, Ungewohntes oorzubereiten. Deralte Krieger" wit­tertedicke Luft"Gerade so hat es damals vor Verdun auch angefangen", erzählte er Öen Jungen. Brief- und Urlaubssperre ließen auch picht lange auf sich warten, und nach der letzten großen Hebung hörten wir es aus dem Munde unseres Brigadekom­mandeurs, was jeder längst fühlte:Wir grei­fen an!"

Wohl werden die Gesichter der Männer ernst. Die langen Abwehrkämpfe haben sie wissend ge­macht. Wie oft hatten sie doch selbst mit Gewehr und Maschinengewehr oder im Nahkampf mit der Handgranate die einer kaum vorstellbaren Artil­lerievorbereitung von tagelanger Dauer, die alles Leben ertöten sollte, folgenden Massenangriffe der Franzosen oder Engländer unter ungeheuren Ver­lusten des Feindes zum Erliegen gebracht! Und nun sollte dieses in Gräben und Trichterfeldern ge­bannte feldgraue Heere im vierten Kriegsjahre selbst herausbrechen aus seinen Stellungen, den Feind überrennen und seine Front durchbrechen! Wie ein schwerer Druck fiel es von den^zum Angriff gebore­nen und erzogenen deutschen Soldäten, daß die Zeit der Abwehr vorüber sein sollte, und ein Geist der Zuversicht und des Selbstvertrauens, unentbehrlich zum Siege, erfüllte Führer und Mann in gleicher Weise.

Am 13. März begann der Marsch zur Front. Irgend etwas ahnte der Feind. Er fühlte die Un­ruhe hinter den deutschen Linien und suchte Klar­heit. Immer wieder versuchten seine Aufklärungs­staffeln vorzustoßen und sich den Einblick in das Hintergelände der deutschen Front zu erzwingen. Doch die roten Jagdflieger des Richthofen-Geschwa­ders, die wir in Flandern so oft über uns hatten kämpfen sehen, ließen alle diese Versuche scheitern. Da kam am 18. März, als das Regiment schon in Dörfern und im Gelände versteckten Zelten dicht hinter der Front lag, ein einzelner Engländer tief und neugierig heran. Schon rattern die Maschinen­gewehre der 2. MGK. des Regiments, und der Tommi muß zu Boden. Ein guter Anfang!

Die Angriffsbefehle bringen Klarheit über Auf­

programms der Wochen und Monate nach der Re­krutenbesichtigung, ja der ganzen weiteren aktiven Dienstzeit sein. Gleichzeitig weitet sich der Blick. Der junge Soldat tritt aus dem immerhin begrenzten Kreis der Rekruten hinein in die große Gemein­schaft der Kompanie, erhält in ihr einen Platz, eine Verantwortung. Die Gruppenausbildung der Rekrutenzeit wird zur Zug- und Kompanie­ausbildung. Die Einzelausbildung an der eige­nen Waffe, dem Gewehr, dem Maschinengewehr, dem Geschütz wird überschattet durch das Zusam­menwirken aller Waffen im Gelände, auf dem Truppenübungsplatz, im Manöver. Dabei wird immer wieder der Mick auf die eigene Waffe und das eigene Gerät zurückgelenkt. Die Technisierung der Kriegführung mit ihren so mannigfachen Waf­fen und Geräten erfordert die Heranbildung von Spezialisten, die in der kurzen aktiven Dienstzeit, ohne das Gefühl für das Allgemeine zu verlieren, Meister in ihrem Fache werden.

Als Letztes und vielleicht Wichtigstes tritt die Her­anbildung des Führernachwuchses in den Vordergrund. Die Wehrmacht braucht im Mobil­machungsfalle eine große Zahl von Führern und Unterführern. Ein großer Teil der Rekruten wird den Ehrgeiz haben und befähigt fein, vor dem Feinde an die Spitze einer kleineren oder größeren Einheit zu treten. Im beiderseitigen Interesse muß die Führerauswahl und die Führerausbildung so früh einfetzen, daß der Soldat schon während seiner aktiven Dien st zeit Gelegenheit fin­det, als Führer aufzutreten und sich zu bewähren. Man weiß, daß in der neuen Wehrmacht jedem der Weg zur Unteroffizier- und Offizierlaufbahn offen­steht, daß geeignete Leute schon während der zwei­jährigen Dienstzeit zu höheren Dienstgraden auf­rücken können. Gleichzeitig sollen diese Leute wie es ja auch in der Vorkriegszeit der Fall war im zweiten Dienstjahr als Rekrutenlehrer verwendet werden. Sv braucht der Rekrut keine Sorge zu tragen, daß Langeweile sich über den Rest seiner Dienstzeit legt. Er wird im Gegenteil alle Kräfte an­spannen müssen, daß er zu einem wahren Soldaten, einem Alten Mann wird. B.

gäbe und Einsatz. Westlich von Bellicourt verläuft dieS i e g f r i e ö ft e 11 u n g". Wer sie näher tennenlernen will, nehme ZöberleinsGlaube an Deutschland" zur Hand. Denn sein baye­risches 3. Ersatz-Regiment war Stellungstruppe in diesem Abschnitt, und die Hessen, die' im Kanal­tunnel Unterkunft fanden, und die er erwähnt, waren die 116er. Aus dieser Stellung heraus aber sollte d i e 2 5. (Großh. Hess.) I 'n s. - D i v. als Sturmbock der 2. Armee die englischen Linien zwi­schen Hargicourt und Villeret überrennen, durch­stoßen und den geschlagenen Feind verfolgen. Er­stes Angriffsziel waren die Höhen nördlich Mar- quaix, die etwa 12 Kilometer hinter der vordersten englischen Stellung lagen.

Das Zusammenwirken der Infanterie mit der Artillerie war zeitlich durch eingehende Befehlsrege­lung genau aufeinander abgestimmt, so daß ein über eine Tiefenzone von drei Kilometer langsam vorrückender Feuervorhang entstehen mußte, hinter dem die Infanterie folgte. Ihr Angriff begann zur Nullzeit", die später zu befehlen war, und war durch em gewaltiges Feuer einer Artillerie vorzuberei­ten, wie es bis jetzt noch keinem deutschen Angriff vorausgegangen war.

Die 25. J.-D. gliederte zum Angriff ihre Infan­terie in zwei Wellen, in deren erste sie rechts das Regiment 117, links das Regiment 115 einsetzte, während das Regiment 116 in zweiter Welle folgte. Da felbstuerständlich auch alle Regimenter und Bataillone in sich noch einmal tief gegliedert waren und Welle auf Welle mit 300 Meter Ab­stand folgen sollten, ergab sich eine Tiefengliederung von mehreren Kilometer.

Jedes Regiment aber bekam für diesen Angriff noch besondere Waffen zugeteilt. Vor allem war bei JR. 116 alsB e g l e i t b a t t e r i e" die 5/FA. 25, die ähnliche Kampfaufträge zu lösen hatte wie heute etwa die Infanteriegeschütz-Kompanie und in unmittelbarer Zusammenarbeit mit der Infanterie gegen MG.-Nester und Tanks wirken sollte. Dazu gesellten sich als alte Kampfgenossen schon von 1915 her die Pioniere von R.-Pi. 89, Flammen­werfer vom Garde-Pionier-Bataillon, Scharf­schützen der MG.-Scharfschützen-Abteilung 49 und schließlich Meldereiter vom Dragonerregi­ment 6.

DieSiegfried-Stellung" war ausgebaut und be­setzt worden, als im Frühjahr 1917 die Somme- Front zurückverlegt wurde. Damals wurde alles Gelände, das zwischen der ehemaligen deutschen Stellung im Somme-Gebiet und der Siegfried- Stellung lag, unwegsam gemacht', in seinen Dörfern blieb fein Stein auf dem anderen, kein Straßen­kreuz, keine Brücke blieb ungesprengt, kein Brunnen benutzbar. Es war daher zu erwarten, daß der Nachschub an Verpflegung, Munition und Mate­rial auf besondere Schwierigkeiten stoßen würde.

Sie zu meistern war die Aufgabe besonderer Nach­schubstaffeln. Mit ihnen wurde in Erwartung kom­mender Verluste eine Offizier - und Mann­schaftsreserve ausgeschieden. Die Kampfstärke der Bataillone betrug im Durchschnitt 15 Offiziere, 80 Unteroffiziere und 550 Mann, ausgestattet mit 16 leichten und 12 schweren Maschinengewehren und zwei leichten Minenwerfern.

Der 20. März, an dem die Angriffstruppen laut­los in ihre Bereitstellungsräume einrückten, war ein trüber, regnerischer Tag. Nach Einbruch der Dunkelheit setzte überall vor und hinter den Gräben ein gespenstisches' Leben ein. Hier wurden Minen­werfer eingebaut, dort Munition geschleppt. Die Pioniere schnitten Sturmgassen in die Drahtverhaue, die Infanterie schlug Stufen in die Grabenwände, um rasch oordrechen zu können. Kurz nach Mitter­nacht eilen Befehlsempfänger zu ihren Kompanien: Nullzeit 21. März 9.40 Uhr!" Wie einfach und sachlich sich das anhört! Und was liegt doch darin! Ganz verschieden wirkte es auf die Menschen, die es anging.Dann will ich noch einmal gut schlafen. Weckt mich!" sagt der eine, fern in der Heimat wei­len die Gedanken des anderen. Die Kompaniefüh­rer geben ihre letzten Befehle. Dann tritt Ruhe ein. Tiefe Stille liegt über Freund und Feind.

Da brüllt es auf mit einem Schlage, als die Uhr 4.40 zeigt. Von Cambrai im Norden bis La Fere im Süden zuckt es heraus aus 6000 Schlünden, wie ein Orkan rauscht und heult und zischt es hinweg über die Köpfe der Infanterie. Und drüben folgt Einschlag auf Einschlag! Die feindlichen Batterien antworten, doch sie werden als erste mit Gas- und Brisanzgranaten eingedeckt. Immer schwächer wird ihre Antwort. Nur von ganz hinten aus der Etappe rollen noch schwere englische Granaten heran. Und dann springt das Feuer auf die Gräben. Um -Uh? mischen die Minenwerfer der Divisionen sich ein. längst steht alles bereit. Die Zugführer haben die aber rückt der Zeiger weiter. 9 Uhr 30 ... 35 ... lägst steht alles bereit. Die Zugführer haben die Uhr in der Hand, die Trillerpfeife am Munde ... 9 Uhr 40! Nullzeit! Da gellen die Pfeifen, und heraus bricht es aus den Gräben wie ein Mann.

Doch, wo ist Hargicourt, wo Villeret, wo der Signalwald, den wir uns am Vortage noch als Richtungspunkt eingeprägt hatten? Nichts ist zu sehen als Nebel, Dampf, Rauch und Staub. Ein Glück, daß jeder Gruppenführer seinen Kompaß hat und jeder Mann weiß, wohin es gehen soll. Im Nu ist jeder Ueberblitf verloren, die Einheiten lösen sich in kleine Kampfgruppen auf, alle getragen von dem einen Gedanken:Vor­wärts!" Da macht sich ein leichter West auf und treibt den Stürmern Gas entgegen! Gasmasken heraus und hinein in die englischen Gräben, die nur noch ein Gewirr von Trichtern, von Balken und Drähten sind. ^Bleich und schreckerfüllt kommen mit erhobenen Händen b i e ersten Gefange­nen uns entgegen. Nur vorwärts, keine Zeit ver­lieren, es gilt. Da und dort reißt einer die Maske herunter, j^ner hat nur den Einsatz im Munde. Husten und Erbrechen setzen ein. Durch! Heraus aus diesem Gas!

Doch wo sind wir eigentlich? JR. 116 war doch Zweite Welle der Division, und schon in der ersten Stunde treffen wir es in der vorder st en Linie. In Hargicourt haben sich englische Widerstandsnester gebildet. Im Verein mit 115ern und 117ern kämpfen die Kompanien des 1/116 sie nieder. 2. und 3. Kompanie verlieren da­bei ihre Führer. Rascher vorwärts kommt das III/116 am Nordwestrande von Hargicourt, während das Bataillon der letzten Welle, das 11/116, südlich von Hargicourt in eine Lücke in der Angriffsfront gerät und, trotz heftigen MG.-Feuers rasch vor­stoßend, um 11 Uhr bereits in der vordersten Linie der Division kämpft. Doch da kommt endlich auch die Sonne durch. Um diese Stunde setzt der Stel­lungswechsel der Feldbatterien ein, hie Begleitbatterie ist schon mitten in Hargicourt. Südwestlich des Dorfes liegen große Steinbrüche, wie Bastionen ausgebaut. Hier hält der Feind noch, doch schon packt ihn das III/116 in der Flanke, der Steinbruch wird genommen. Weiter! Von Templeux le Guerard zieht eine Höhe nach Süden gegen Hesbecourt. Sie trägt die Höhenzahl 140,3. Als die Kompanien des III. Bataillons sie erreichen, schlägt ihnen schwerstes MG.-Feuer entgegen. Ein langer Ost-West-Riegel ist stark verdrahtet und mit MG.-Nestern gespickt. Der Angriff st v ck t, die Verluste mehren sich, das III/116 bleibt liegen, weil der starke Stützpunkt erst niedergekämpft werden muß. Dafür werden das I. und II. Bataillon nörd­lich umfassend gegen Templeux und die Höhe an­gesetzt. Um 8 Uhr abends hat das II. Bataillon den Westrand von Templeux erreicht, stößt hier auf lebhaften Widerstand aus MG.-Nestern, die in der inzwischen herabgesunkenen Dunkelheit nicht wirksam bekämpft werden können und richtet sich zur Verteidigung ein.

Westlich von Templeux verlief von Nord nach Süd die zweite e n gl i s ch e Stellung. Sie zu nehmen, war die erste Ausgabe des 22. März. Das hinter JR. 117 vvrgehende II. Bataillon sollte die Stellung von Norden her aufrollen, das I. ihm folgen, während 115 und 117 frontal angriffen. Um 6 Uhr fetzt die Artillerie ein, um 7 Uhr beginnt der Angriff. Der dichte Morgennebel begünstigt wieder

das Vermischen der Verbände. Der Georgswnld wird genommen, einige MG.-Nester auf Höhe 134 fallen in hervorragender Zusammenarbeit von 1. MGK. mit den angreifenden Schützen des I. Ba­taillons. Die Kompanien des 11/116 aber stoßen durch, immer westwärts, und stehen um 12 Uhr über dem Bahnhof von Roifel, auf dem der Engländer 21 Geschütze verschiedenster Kaliber stehengelassen hatte. Während der Bahnhof durch­schritten wird, den Höhen von Marquaix, dem An­griffsziel des 21. März, entgegen, entwickelt sich aus Roifel heraus ein von einzelnen Tanks unter­stützter Gegenstoß des Engländers in Richtung seiner verlorenen zweiten Stellung. Im Abwehr­feuer der Maschinengewehre und der Begleitbatterie bricht er zusammen. Ueberall sieht man zurück- gehenden Feind, Tanks decken den Rückzug der Artillerie und opfern sich dabei selbst. Weiter! Keine Zeit verlieren!

Da schlagen die Granaten der eigenen schweren Artillerie auf den Höhen von Marquaix ein, weil die Batterien nicht genügend über den Stand des Angriffes unterrichtet waren. Später gesellt sich englisches Feuer dazu und, während der Feind sich leider in seiner dritten Stellung nördlich Tincvurt einnisten kann, müssen die Bataillone liegen bleiben. Kostbare Zeit geht verloren, die Nacht sinkt herab. Deshalb richtet sich das Regiment mit dem II. Ba­taillon in vorderer Linie auf der gewonnenen Höhe zur Verteidigung ein. Während an diesem Tage das I. und II. Bataillon verhältnismäßig wenig Widerstand gefunden hatten, zählt das III/116 diesen Tag zu den ruhmvollsten seiner Geschichte. Noch saß der Gegner auf jenem Höhenzuge südwestlich der Steinbrüche von Hargicourt in seinen MG.- Nestern fest und verhinderte auch ein Vorwärts- kommen von JR. 115. Alle Versuche, gegen die Stützpunkte heranzukommen, scheitern unter schwe­ren Verlusten. Da setzt der Bataillonskommandeur Hauptmann Freiherr zu Putlitz die Minen­werfer und Scharfschützen ein. Im Schutze ihres Feuers schieben sich die Kompanien auf Sturm­entfernung heran. Sturm! Im Nahkampf werden die ersten Nester genommen. Jetzt gibt der Gegner seinen Widerstand auf. Die Leibgardisten greifen auch ein, und über 400 Gefangene fallen mit Ma­schinengewehren und Grabengeschützen in die Hand der Stürmer. Eine mit Munition und Verpflegung für mehrere Tage versorgte MG.-Truppe, die als Elite-Truppe galt, war der Verteidiger gewesen, der zugleich sehr hohe Verluste erlitten hatte.

Aufgabe des 23. März war es, die dritte Stellung zu nehmen und bis zum Kanal bei Allaines durch­zustoßen. Die Division nahm das JR. 116 in die vorderste Welle, zusammen mit JR. 117, das rechts focht. Das II. Bataillon war das Angriffsbataillon des Tages. Um 9.30 Uhr sollte die Artillerievorbe­reitung gegen den Höhenzug nördlich Tincourt, der eine stark verdrahtete Stellung trug, beginnen. Da befahl die Division, daß JR. 116 vorher Auf­klärung gegen die Stellung vorzutreiben hätte, um Art und Ausdehnung der Besetzung festzustellen. Das II. Bataillon übertrug diese Aufgabe der 5. Kompanie, die um 8 Uhr vormittags im Schutze dichten Nebels vorstieß und trotz lebhaften feind­lichen Streufeuers, das meist zu hoch lag, bis an das englische Drahtverhau gelangte. Rasch waren die Drahtscheren heraus, und ehe der Engländer wußte, wie ihm geschah, saß der Deutsche in feinem Graben, der von den Engländern im Schutze des Nebels fluchtartig geräumt wurde, offenbar völlig im unklaren über die Stärke des Feindes. Und als ob es so sein müßte, kam die Sonne durch und enthüllte das Bild des eiligst gegen die Somme hin fliehenden Engländers, dessen Flucht durch das Feuer der Maschinengewehre der Kompanie noch beschleunigt wurde.

Da pfeift es von links heran, gleichzeittg kommt ein Melder vom 3. Zug. Der kommt nicht weiter, liegt vor einem Nest. Die Maschinengewehre her­um. Und schon liegt ihr Feuer auf dem Feind und zwingt ihn in Deckung. Den Augenblick benutzt der Zugführer des 3. Zuges, Handgranaten krachen. Arme gehen hoch, 2 Offiziere, an 60 Mann und 4 Maschinengewehre fallen in die Hände der 5. Kompanie. Nun aber heißt es: Meldung zurück! Denn um 9.30 Uhr soll die Artillerievorbereitung beginnen auf die Stellung, die inzwischen schon ge­nommen worden ist. Der beste Meldegänger jagt nach hinten. Es geht um das Leben seiner Kom­panie. Gerade im letzten Augenblick noch gelingt es dem Regiment, unter Einsatz aller Nachrichtenmittel Division und Artillerie zu verständigen. Nur eine Batterie ist nicht mehr rechtzeitig erreicht worden. Und schon kommen dieDicken" an und zwingen zeitweilig zum Räumen des Grabens. Doch auch dies geht bald vorüber, da ruft es:Tank! Tank!" Richtig, da setzt der Tommie Tanks zum Gegenstoß ein.Melder zur Begleitbatterie!" Der Mann eilt davon, alle MG. aber sind in Stellung, wenn sie auch wenig wirken können.Schießt auf die Schlitze." Das muß den Kolossen wirklich un­angenehm sein, denn da biegt einer ab und dort noch einer... und nun sprengt auch schon der Führer der Begleitbatterie heran Damit ist der Gegenstoß völlig zum Scheitern gebracht. Ueberall aber geht es vorwärts, der Angriff ist durch ent­schlossenes und überraschendes Zupacken der Pa­trouillenkompanie ins Rollen gekommen, ein Erfolg,

Die 116er in der Mhjahrsschlachi 1918.

Von Ernst Holzel

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