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Man scheint in London eine Entscheidung hier­über hinausgeschoben zu haben, bis der dritte Punkt des Problemkreises, die sogenannte Teilungs­frage, spruchreif geworden ist. Sie ist die weitaus heikelste, denn die Vereinigung ganz Irlands in einem einzigen Staatswesen, wie es de Valero wünscht, hängt nicht allein von dem guten Willen der englischen Regierung ab. Wie sahen weiter oben schon, daß die vorwiegend schottisch-protestantische Bevölkerung Nordirlands, das ein Teil Groß­britanniens geblieben ist, wenn auch mit eigener Regierung und eigenem Parlament in Belfast, einer Vereinigung mit dem überwiegend katholischen Irland auf das heftigste widerstrebt. Schon die bloße Ankündigung neuer irisch-britischer Verhandlungen hat in Nordirland die größte Besorgnis hervor- oe rufen und den nordirischen Ministerpräsidenten Viscount Craigavon veranlaßt, sofort Neu­wahlen zum nordirischen Parlament auszuschreiben, um durch Volksabstimmung den Wunsch Nord­irlands zum Verbleiben im großbritannischen Staats­verband zu demonstrieren. Im aufgelösten nord­irischen Parlament hatte die Regierung Craigavon von insgesamt 48 Abgeordneten 37 hinter sich, während 11 die allirische Idee verfochten. Hier wird wohl kaum so bald eine Aenderung der Volks­stimmung eintreten, wie de Valero es wünschen möchte, um den seinerzeit allerdings ganz willkür­lich gezogenen Trennungsstrich zwischen Südirland und Ulster auszulöschen und damit sein Ideal der Vereinigung aller Bewohner derGrünen Insel" in einem einzigen unabhängigen Staatswesen zu erreichen. Immerhin ist auf der Londoner Konfe­renz zweifellos eine Annäherung erreicht worden, die nicht ohne Folgen bleiben wird und ein bedeut­samer Schritt dazu sein kann auf dem Wege, die irische Frage, die so lange das heiße Eisen der inneren Politik des Britischen Reiches gewesen ist, durch verständnisvolle Aussprache und beider­seitigen guten Willen aus- der Welt zu schaffen. Freilich die Zukunft Ulsters wird noch auf lange Zeit für beide Teile eine harte Nuß bleiben.

Dr. Fr. W. Lange.

Wirtschaft und Werbung.

Der Bericht über das vierte Geschäftsjahr des Werberates der deutschen Wirtschaft gibt einen wichtigen Ausschnitt aus der Entwick­lung des wirtschaftlichen Lebens. Er weift darauf hin, daß das Volkseinkommen in den letz­ten Jahren eine ständig steigende Kurve eingenom­men hat: von 52,7 Milliarden 1934 auf 57,9 Mil­liarden im Jahre 1935, weiter von 62,6 Milliarden 1936 auf 68 Milliarden Reichsmark im Jahre 1937. Im Zuge dieses Aufstieges hat auch der Umsatz des Werbungswesens in Deutschland zu­genommen. Die Werbeumsätze steigerten sich: 1935 um 7,5 v. Sy, 1936 um 9,9 v. Sy, 1937 nach den vorläufigen Feststellungen um 9,4 v. Sy

Wenn von den verschiedenen Mitteln der Eigen­werbung in Schaufenstern usw. abgesehen wird, so steht die Anzeige ols die gebräuchlichste Form der Werbung im Vordergrund. Setzt man den Gesamtumsatz der vom Werberat der deutschen Wirtschaft kontrollierten privaten Wirtschaftswer­bung im Jahre 1934 gleich Hundert, so waren die einzelnen Werbemittel wie folgt daran beteiligt: Anzeigen in Tageszeitungen 55 ü. Sy, Anzei­gen in Zeitschriften 28 v. H., insgesamt 83 v. Sy, Eintragungen und Anzeigen in Anschriften, Büchern und Kalendern 3>9 v. Sy, Vorführung von Werbefilmen, Stehbildern usw. 1,1 v. H., Anschläge durch öffentliche Plakatinstitute 3,7 v. H., Werbung durch öffentliche Verkehrs­mittel 3,5 v. H., Messen und A u s st e l - Hungen 2,4 ü. Sy, sonstige Werbung, z. B. An­zeigen in einmalig erscheinenden Druckschriften, Miete für Außenwerbung usw. 2,4 v. H.

Vom Messe- und Ausstellungswesen wird gesagt, daß es wieder seinem ursprünglichen -Zwecke zugeführt wurde, die Möglichkeit des Ueber- blicks und des Vergleichs, zu schaffen, gleichzeitig einer Fühlungnahme zwischen Erzeugung und 23er* brauch zu dienen. Dem Werberate ist es gelungen, das Ausstellungswesen vorausschauend so zu pla­nen, daß es der Wirtschaft nicht zur Plage werden soll, sondern dazu bestimmt bleibt, ihr zu dienen. Daher war eine Einschränkung solcher Ver­anstaltungen geboten, deren Zahl von 634 im Jahre 1934 auf 191 im Jahre 1937 zurückging. Dadurch kamen auch die Veranstalter auf ihre Kosten, deren Einnahmen an Standmieten und Eintrittsgeldern sich gegen 1934 mehr als verdoppelten.

Im Vordergrund der Arbeit des letzten Jahres stand die aktive Förderung der Wirtschaftswerbung, für die der Wirtschaftssektor des Reichsnährstandes besonders gute Beispiele bietet. Die Gemein­schaft s we r b u n g hat sich im Rahmen der land­wirtschaftlichen Werbung zu dem entscheidenden Faktor entwickelt, ob es sich dabei um die E r - Zeugungsschlacht, um den Werbefeldzug Kampf dem Verderb" oder um die Len­kung des N a h r u n g s rn i t te l v e r b ra u ch s handelt. Diese Aufgaben, die der Initiative des Reichsnährstandes entsprungen sind, haben das regste Interesse des Werberates der deutschen Wirt­schaft und seine Förderung gefunden. Der Geschäfts­bericht weist darauf hin, daß die Aufforderung, Brot sparsam zu verwenden und nicht zu ver­geuden, im Oktober vqrigen Jahres auf fruchtbaren Boden gefallen ist, daß der Ftschverbrauch, der 1934 noch 8,9 Kilogramm pro Kopf betrug, 1935 auf 10,1 Kilogramm und 1936 auf 12 Kilo­gramm gestiegen war. Die durchschnittliche M ar­me l a d e Herstellung hatte 1934 1,3 Mill. Zentner betragen. Durch die Reichsverbilligungsaktion im Zusammenhang mit der Gemeinslbaftswerbung konnte eine Gesamtsteigerung auf 3 Mill. Zentner erreicht werden. Der Ouargverbrauch wurde durch die Werbung im Wirtschaftsjahr 1936 um 40 v. Sy erhöht. Durch dasFest der deutschen. Traube und des Weines" wurden 1936 rund 20 Mill. Liter Wein zusätzlich verbraucht und dadurch der Win- zcrnot wirksam begegnet. Der Geschäftsbericht des Werberates zeigt, daß auch bei der nichtlandwirt- schaftlichen Gemeinschaftswerbung die Arbeiten des vergangenen Jahres in Zusammenarbeit mit dem Reichsausschuß für volkswirtschaftliche Aufklärung rüstig vorangegangen sind. Dabei spielten insbe­sondere die Werbemaßnahmen für die neuen deut­schen W e r k st o f f e eine wichtige Rolle, die durch viel begehrte Wanderschauen bekanntgemacht wur­den. Eine wertvolle Förderung erfuhr auch die Auslandswerbung. Auf landwirtschaftlichem Gebiete ist dabei insbesondere die Absatzförderung für deutschen Wein in den nordischen Staaten und im Baltikum zu erwähnen. B. R.

Gen^alfeldmarschall v. Blomberg sagt für die vielen Uweise herzlicher Teilnahme an dem Heim- g a n g eV in er Mutter im Namen der Familie auf dieses Wege aufrichtigen Dank.

Das Programm her Regierung Chautemps.

Fortführung her Gozialreform, aber her Finanzlage angepaßt.

Das Vertrauensvotum her Kammer.

Nur eine Stimme gegen das neue Kabinett.

Paris, 21. Jan. (DNB.) In der Kammer ver­las Ministerpräsident Chautemps die Regie- rungserkläruna, in der es heißt: Die Volks­front, die spontan aus dem demokratischen In­stinkt hervorgegangen sei am Tage nach blutigen Zwischenfällen, die eine Gefahr für das Regime bedeuteten, habe die doppelte Bedeutung fnes ent­schlossenen Willens der republikanischen Verteidigung und eines tiefen Wunsches nach sozialem Frieden. Diese beiden Ziele be­hielten ihre volle Bedeutung. Die verbreche­rischen Unternehmen, die kürzlich aufge­deckt worden feien, bewiesen, daß der Geist des Hasses noch nicht abgerüstet habe. Die Regierung sei entschlossen, alle Schuldigen zu entlarven und sie rücksichtslos der Strenge des Gesetzes zu unter­werfen. Gegen alle Unordnung, gegen alle Um­stürzler und gegen die verdächtigen Handlungen gewisser Ausländer müsse die entschlossene Anwen­dung des republikanischen Gesetzes die öffentliche Ruhe, die Unabhängigkeit und die Sicherheit des Vaterlandes garantieren.

Es sei zu gleicher Zeit notwendig, die volle Gewähr dafür zu geben, daß die sozialen Vor­teile nicht angetastet würden. Die bereits ver­wirklichten Reformen müßten dem nationalen Leben angepaßt werden. Die Regierung werde einen Vorschlag über die Beziehungen zwi­schen Arbeitgebern und Arbeitnehmern unterbreiten. Wenn die Regierung entschlossen sei, von allen Bürgern die Achtung der Gesetze zu fordern, so wolle sie dies nur in einem Regime der sozialen Gerechtigkeit. Die Regierung werde ferner einen Vorschlag fertigstellen, der Arbeitsinvaliden eine wirksame Hilfe bringe. Andere Reformen, die sich auf die Presse, das politische Regime in Algerien, die Ausländer und die S ch u l- r e f o r m bezögen, würden dem Parlament zur Prüfung vorgelegt, je nach den finanziellen Möglichkeiten der Nation.

Ein fest begründetes finanzielles ®e- r ü ff fei eine Bürgschaft sowohl für die Unab­hängigkeit des Regimes als auch für die Sicherheit des Landes. Es müßte deshalb mit Unterstützung des Parlamentes die formelle Verpflichtung erneuert werden zur Beibehal­tung des haushaltsgleichgewichles und energischen Verteidigung der Währung im Rahmen der Währungsfrei­heiten und des Dreierabkommens. Eine der hauptsächlichsten Aufgaben der Regierung fei ferner, das Tempo der Erzeugung zu beschleunigen, den Widerstand gegen die Er­höhung der Lebenshaltungskosten zu verstärken, die Zunahme der Ar­beitslosen abzustoppen und den Unter­schuß der Handelsbilanz herabzu- fehen.

Die Außenpolitik sei begründet auf der Treue Frankreichs zur Genfer Liga. Die Regierung werde keine Anstrengung unterlassen, um das Ver­trauen der Völker wieder zu beseelen, die Genf treu bleiben wollten. Bis die Regierungen begriffen, daß sie die Pflicht hätten, ein Wettrüsten abzustoppen, das die Völker zum Ruin und zum Krieg führe, liege die erste Bürgschaft der französischen Sicher­heit in einer stark untermauerten Landesver­teidigung. Wir haben dafür gesorgt, sie durch eine methodischere Organisierung der Beziehungen zwischen dem Kriegsministerium, dem Kriegsmarine­ministerium und dem Luftfahrtministerium zu stei­gern, sowie auch durch eine Verstärkung der Be­fugnisse, die dem Ministerpräsidenten und dem Mi­nister für die Landesverteidigung übertragen wer­den, um ein vollkommenes Zusammen­arbeiten zu gewährleisten.

Frankreich bleibt dem gemeinsamen Ideal treu, das es mit den großen Demokratien ver­bindet, vor allem der fo vollständigen Entente, die es herzlich mit Großbritannien ver­eint. Es ist entschlossen, alle Pakte mit befreun­deten Rationen aufrecht zu erhalten; Frankreich hat zugleich den aufrichtigen Willen, mit allen Staaten normale und friedliche Beziehungen zu erhalten und zu fördern und dabei mit diesen durch eine gegenseitige Anstrengung des Ver­ständnisses loyal ein Verständigungs- gebiet zu suchen. Frankreich ist entschlos­sen, nicht auf die wesentlichen Grundsätze zu verzichten, die seit langem seine außenpolitische Tätigkeit begründen. Es will überall und stets im Dien st e des Friedens stehen.

Die Hoffnung, die kürzlich leitende Persönlichkei­ten unserer Demokratie zum Ausdruck gebracht haben, daß die Nation in einer umfassenden Sam­melbewegung zugleich nationalen und volks­tümlichen Charakters geeint roejbe, konnte nicht in die Tat umgesetzt werden. Hoffen wir wenigstens, daß sich im Lande unter der Autorität des Parla­ments um ein beherztes Programm sozialer und wirtschaftlicher Erneuerung eine Atmosphäre der Ar­beit, der freiwilligen Disziplin und der bürgerlichen Eintracht entwickelt.

Die Abstimmung.

Die A b st i rn rn u n g in der Kammer für die vom Ministerpräsidenten Chautemps gestellte Vertrauens­frage über die von den Volksfrontfraktionen einge- brachte Entschließung ergab eine Mehrheit von 501 zu 1 Stimme. Wie man zu dem Abstim­mungsergebnis erfährt, haben nicht nur die fünf Parteigruppen der üblichen Dolksfron t m ehr - beit für die Regierung gestimmt, also die Kom­munisten, Sozialdemokraten, Radikalsozialen, un­abhängige Linke und die Republikanisch-sozialistische Vereinigung, sondern auch die Gruppen der Mitte, und zwar die Demokratische Linke, die Linksrepublikanische Alliance uyd Unabhängigen Radikalen, ferner die Katholischen Dolksdemokraten und eine Gruppe, die sich Unabhängige der Dolks- aftion nennt. Außerdem hat noch ein Teil derUn­abhängigen Republikaner der sozialen Aktion" ebenfalls für die Regierung gestimmt, während sich ein Teil dieser Gruppe der Stimme enthielt. Gleichfalls enthielten sich der Stimme die Unab­hängige Agrargruppe, die Republikanische Vereinig

gung (Marin) und einige Unabhängige Republika-I ner und Fraktionslose. Die einzige Gegenstimme^ dürfte wohl vom Abgeordneten B e r g e r y abge­geben worden sein.

Die neue Mehrheit.

Paris, 22. Jan. (DNB. Fünksprych.) Wenn man die Schwierigkeiten bedenkt, mit denen das Kabinett Chautemps gebildet worden ist, jo muß das Vertrauensvotum» das ihm die Kam­mer erteilte, doppelt auffallen. 501 Abgeordnete haben für die Regierung gestimmt, obwohl in ihr. parteipolitisch nur 162 Abgeordnete vertreten sind. | Auf den beiden Flügeln dieser gewaltigen Stim­menmehrheit war das Abstimmen zugunsten der Regierung insofern eine symbolische Geste, als so­wohl die Flandin-Gruppe wie auch die Kommu­nisten auf diese Weise die Regierung festzule­gen versuchten. DasJournal" schreibt, die Volks­frontmehrheit, die uneinig geworden ist, ist durch

die neue Mehrheit ersetzt worden. Diese neue Mehrheit stellt, abgesehen von etwa 100/ Stimm» enthaltungen, dienationale Einigung" her. DerMatin" spricht von einem beispiellosen - Erfolg. Der Gedanke der nationalen Aus­söhnung sei nunmehr in die Welt gesetzt und die Politiker müssen sich vor ihm beugen. ImPetit Journal" begründet Oberst d e lo Roque die Stimmenthaltung der französischen Sozialpartei da. mit, daß er unter den gegenwärtigen UmftgnOen Neuwahlen für erforderlich halte. Der sozial­demokratischePopulaire" erklärt, die radikalsozi- ale Regierung Chautemps wolle eine Volks­frontregierung sein und habe das deutlich zum Ausdruck gebracht. DiesesJa" zugunsten der Volksfront fei einNein" an die Adresse der Volks­frontgegner. Die kommunistischeHumanits" will Chautemps ebenfalls festlegen und schreibt, die Volksfront setze sich durch und der Chef der neuen Regierung habe dem Volksfrontprogramm Treue "geschworen.

. Die Konzentration der französischen Landesverteidigung.

Im neuen Kabinett Chautemps zeigt sich deut­licher als jemals ein leiser Zug zur Stärkung der Autorität. Neben Chautemps tritt der Staatsminister Frossard, dem die Wah­rung der speziellen Rechte und Pflichten obliegt, die mit der Ministerpräsidentschaft überhaupt verbunden find. Er ist also eine rein politische Erscheinung. Daneben wurden dem Kriegsminister Dalad ier die drei Ministerien der nationalen Verteidigung unterstellt. Er hat also nicht nur das Heer, sondern auch die Luftwaffe und die Versorgung der Kriegs­marine in seiner Hand vereinigt. Dieser Drei-Män­ner-Bund Chautemps Frossard Daladier könnte den Ansatz zu einem neuen und nach fran­zösischer Mentalität durchaus mit der republikani­schen Ideologie zu vereinbarendenComikk du sa- lut public", zu einem neuen Wohlfahrtsaus­schuß sein, denn selbstverständlich werden alle ent­scheidenden Gesetze diese drei Männer zunächst be­schäftigen, ehe sie dem weiteren Ministerrat unter­breitet werden. Es ist ein ähnlicher Vorgang wie in England, wo gewissermaßen der Premier, der Schatzkanzler und der Außenminister einen engeren Kreis bilden und je nach Bedarf der eine oder andere Minister hinzugezogen wird.

Kriegsminister Daladier aber hat jetzt eine wei­tere Reform durchgesetzt. Er hat eine Gesetzesvor­lage eingebracht, die den Generalstabschef, General G a m e l i n , zum Generalstabschef der gesamten Landesverteidigung ernennt. Damit wäre die Ver­bindung zwischen dem Kriegsminister als dem poli­tischen Teil der Landesverteidigung, und der mili­tärischen Leitung enger geknüpft. Diese Vorlage des Kriegsministers wäre undenkbar, wenn nicht Dala­dier und Gamelin sich bewußt wären, daß sie am gleichen Strange zögen. Bis jetzt war der General­stabschef Vizepräsident des Obersten Kriegsrates. Präsident ist der Kriegsminister. Der Oberste Kriegs­rat ist nur beratendes Organ des Kiegsministers, seine Mitglieder sind die Marschälle von Frankreich, die im Kriegsfälle die Kommandos der Heeres­gruppen übernehmen. Wie weit die Idee eines Ein- heitsministeriums der nationalen Verteidigung schon durchgedrungen ist, läßt sich noch nicht sagen, jeden­falls ist mit der Ernennung Gamelins zum Gene­ralstabschef der drei Wehrmachtsteile ein entschei­dender Schritt zu einem einheitlichen Ober­befehl getan worden.

Graf Fernand de Brinon, der angesehene französische Publizist, ein guter Kenner der Wirk­samkeit Daladiers und Gamelins, hat am Donners­tag in Berlin über die Möglichkeit einer deutsch- französischen Verständigung gesprochen. Eine solche

Verständigungsmöglichkeit dreht sich vor allem auch um die beiden Männer, die über Frankreichs Heer, Flotte und Flugzeug bestimmen, um Daladier und um Gamelin. Beide sind natürlich durch ihr Milieu gebannt. Daladier, ein Südfranzose und Freund des verstorbenen provenzalischen Dichters Fredsric Mi-' stral, hat als Linksradikaler die -übliche politische Karriere eingeschlagen, wurde Ministerpräsident und zum ersten Male im Jahre 1933 Kriegsmmister. Er hatte in seiner ZeitungLa Republique" bereits am 4. November 1930 sich für eine deutsch franzö­sische Verständigung eingesetzt. Oberst de la Roque berichtete, im Jahre 1933 habe Daladier sich über die Möglichkeit einer deutsch-französischen Verständi­gung günstig geäußert.-Er habe die Taten der na­tionalsozialistischen Regierungedel und realistisch" beurteilt und immer den Wunsch gehabt, Leutsch- land näher kennen zu lernen. Die parlamentarischen Arbeiten zogen ihn ab. Sein Zusammenstoß mit den Kommunisten am 13. November 1936 zeigte bereits, daß er seiner Linie treugeblieben ist. Da­mals drohte er mit seinem Rücktritt, wenn die Kommunisten und Marxisten die Absicht nicht auf* gäben, ihn, den Kriegsminister, ihren Wünschen ge­fügig zu machen. Daraufhin fielen die Linksparteien um.

General Gamelin ist nur Soldat. Er ist Schü­ler der berühmten Militärschule von St. Cyr, wurde Generalstabsoffizier, war dann Kompaniechef eines Jägerbataillons, darauf in sämtlichen Stäben Joffres, nahm an der Marnefchlacht teil und wurde nach Joffres Sturz im Februar 1916 Kommandeur einer Jäger-Halbbrigade. Im Jahre 1925 wurde er als Divifionsgeneral nach Syrien geschickt, beendete den Kolonialkrieg mit den Drusen, wurde als Erster Quartiermeister des Generalstabes nach Paris zu­rückberufen und wurde am 21. Januar 1935 bei dem Rücktritt General Weygands Vizepräsident des Obersten Kriegsrates. General Gamelin tritt in der Öffentlichkeit nicht hervor, aber er hat anläßlich des deutschen Reiterbesuches in Paris im Jabre 1934 keinen Hehl daraus gemacht, daß er die deutsche Wehrmacht außerordentlich schätzt. Er hatte auch bei dem Pariser Besuch des deutschen Gene- ralstabschefs, General der Artillerie B" ck, am 17. Juni eine Unterredung mit diesem.

Gamelin und Daladier, diese beiden hervorragen, den Männer der nationalen Verteidigung Frank­reichs sind keine verbissenen Gegner einer deutsch­französischen Verständigung, die wie Fernand de Bri­non mit Recht sagte, dem Willen der beiden Sta­tionen entspricht. D. S.

Etojadinowüsch in her Hauptstadt der Bewegung.

München, 21. Jan. (DNB.) Aus Düsseldorf traf am Freitagvormittag her jugoslawische Minister­präsident Dr. Sto j ach i n o wi t scr mit seiner Gattin in der Hauptstadt der Bewegung ein. Zu seinem Empfang hatten sich Reichsstatthalter Gene­ral Ritter von Epp, Ministerpräsident Sie­bert, Gauleiter Staatsminister Adolf Wagner und Oberbürgermeister Reichsleiter Fiehler ein­gefunden.

Seinen ersten Besuch stattete Stojadinowitsch den Ehrentempeln am Königlichen Platz ab, nach­dem zwei Ehrenkompanien der ^-Derfügungstruppe der StandarteDeutschland" mit Front zu den Ehrentempeln angetreten waren. Unter den Klän­gen des Musikzuges legte Dr. Stojadinowitsch einen Lorbeerkranz mit den jugoslawischen Landesfarben nieder. Darauf schritt der Ministerpräsident die Front der Ehrenkompanien ab und besichtigte un­ter der Führung von Reichsschatzmeister Schwarz das Braune Haus, den Führer- und den Verwal­tungsbau der NSDAP, sowie einen Unterzug des Reichsautozuges Deutschland. Im Laufe der Besich­tigung, bei der Frau Professor Tro ost und Pro­fessor Gall vorgestellt worden waren, sprach sich der Gast bewundernd über die monumentalen Bauten und ihre Inneneinrichtung aus.

Zu Ehren des Ministerpräsidenten und feiner Gattin gab dann der Reichsstatthalter in Bayern, General Ritter von Epp, ein Frühstück, bei dem der Reichsstatthalter die Gäste herzlich will­kommen hieß. München, die Wiege des National­sozialismus, zeige markante Proben des deutschen Aufbauwillens, von denen sich der Gast habe über­zeugen können. Zwischen Jugoslawien und dem Süden des Deutschen Reiches bestünden enge, gleich­sam von der Natur gegebene Zusammenhänge. Diese von altersher bestehenden wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Wechselbeziehungen gelte es zu erhalten und auszubauen. Ministerpräsident Dr. Stojadinowitsch gab seiner Freude dar­über Ausdruck, wieder in München zu sein, wo er als Student in froher Jugend Zeiten ern st er Arbeit verlebt habe. Besondere An­erkennung müsse er dem Wunder zollen, das sich auch in München nach dem großen Wandel der deutschen Dinge vollzogen habe. Neben dem ihm so vertrauten und liebgewordenen Alt-München fei

ein neues mon um e nta le s München entstanden, das Bewunderung abnötige.

Freitag nachmittag fand ein Tee-Empfang im Deutschen Museum statt. Dabei wies Ge­heimrat Professor Zenneck auf namhafte jugosla­wische Erfinder auf dem Gebiete der Elektrotechnik und Physik hin. Mit großer Herzlichkeit gab Ge­heimrat Zenneck auch seine Eindrücke aus Jugosla­wien wieder, die er bei der Gründung des Inter­nationalen Tesla-Institutes vor zwei Jahren emp­fangen habe. Nach dem Empfang besichtigte der jugoslawische Staatsmann die Einrichtungen des Deutschen Museums. Sein besonderes Interesse fan­den die Abteilungen Verkehr, Elektrotechnik und Physik. In letzteren sind auch zwei namhafte jugo­slawische Erfinder, Michael Pup in (1858 bis 1935) und der heute noch in Neuyork lebende 82jäh- rige Ingenieur Nicola Tesla verewigt. Minister­präsident Dr. Stojadinowitsch ließ sich auch ein­gehend die wissenschaftlichen Versuche Teslas oor- führen, deren Bedeutung Geheimrat Prof. Zenneck kürzlich in einem Aufsatz gewürdigt hat.

Die Stadt der deutschen Kunst legte am Freitag­abend vor den jugoslawischen Gästen ein glanzvolles Zeugnis von dem Hohen Stand der deutschen Büh­nenkunst mit einer festlichen Aufführung der Oper Aida" im Nationaltheater ab. Der jugoslawische Ministerpräsident Dr. Stojadinowitsch mit seiner Gattin wurde von dem voll besetzten Haus herzlich begrüßt. Die jugoslawischen und die deutschen Na° tionallieder leiteten den Festabend ein. Dann be­gann die Aufführung unter Leitung von General­musikdirektor Clemens Krauß in der Inszenierung von Rudolf Hartmann, zu der Ludwig Sie­vert die Bühnenbilder und Kostüme entworfen hatte. Die Rollen waren mit den ersten Kräften der bayerischen Staatsoper besetzt. Ministerpräsident Dr. Stojadinowitsch und alle anderen Ehrengäste spendeten den Mitwirkenden lebhaften Beifall.

Eine im Weltkrieg gefundene Ikone wurde Stojadinowitsch zurückgegeben.

Düffeldorf, 21. Jan. (DNB.) Beim Besuch des jugoslawischen Ministerpräsidenten Dr. Stoja« dmowitsch in Düsseldorf überreichte der jugo- slawische Generalkonsul Pantitsch diesem eine auS