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Nr. 221 Erstes Blatt

188. Jahrgang

Mittwoch, 21. September 1938

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Die Grenzstadt Seidenberg abermals schwer bedroht.

Tschechische Goldaieska und Note Wehr rüsten zu neuem Feuerüberfall.Mit Artillerie und Tanks gegen die deutsche Grenze.

3n höchster Alarmbereitschaft.

Seidenberg, 21. Sept. (DNS.) Das schle­sische Städtchen Seidenberg, das erst in der vergangenen Nacht einem feigen Feuerüberfall tschechischer Banden ausgetiefert war. steht er­neut. kaum 24 Stunden später, in höchster Alarmbereitschaft. Ein neuer Feuerüberfall wird erwartet, dessen Folgen für das Städtchen unabsehbar sein müssen. Auf tschechischer Seite sind nachmittags mehrere Tanks aufgefahren und wurden im Buschwerk in Deckung gebracht. Ebenso wurde mittlere Artillerie in

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Stellung gebracht. 1000 Menn Truppen­oerstärkungen wurden herangezogen und ge­genüber dem Städtchen, etwa 500 Meter entfernt, »erteilt. Außerdem befindet sich in Ebersbach auf Ischechischer Seite ein weiterer großer Verstärkungs- Irupp kommunistischer Horden.

Auf deutscher Seite hat man alle Maß­nahmen getroffen, um den zu erwartenden Angriff iu rück zuschlagen. Der gesamte Zollgrenz- !chuh wurde alarmiert, sämtliche Beamten. An- «estellte und HUfsgrenzangefl-llte wurden bewaff­net und an der Grenze verteilt. Die tschechische Sol­dateska und ihre roten Helfer haben es selbstver­

ständlich wieder auf das sudetendeutsche Flüchtlingslager abgesehen. Auch dieses Lager wurde von deutscher Seite gesichert. Die Stadt selbst bietet einen trostlosen Anblick. Die Straßen liegen wie tot da. Kein Hotel hat einen Gast. Durch die Straßen gehen lediglich die Doppel­posten der deutschen Grenzwache. Das Städtchen ist denkschechifchen Angriffen völlig aus - g e l i e f e r t, da es im Schußfeld der aufgefahrenen Artillerie und der aufmarschierten Truppen liegt. Die Grenze wird hier durch einen schmalen Bach gebildet, der sich zwischen dem deutschen Grenzhäus- chen und dem tschechischen an einer breiten Wiese entlangschlängelt.

Freche Lügen.

Dreiste Fälschungsmanöver in Prag.

Berlin, 20. Sept. (DNB.) Das Tschecho-Slo- wakische Prehbüro versucht am Dienstagabend in einer überaus gewundenen Erklärung wie üblich die brutalen tschechischen Feuerüberfälle auf deutsche Grenzorte und auf zahlreiche Frauen und Kinder abzu st reiten und macht sogar den frechen Versuch, die Angriffe der disziplinlosen hus­sitischen Horden zu deutschen Angriffen auf die Tschecho-Slowakei umzufälschen. Man hat in Prag dabei nicht damit gerechnet, daß die Um­stände an Ort und Stelle eine so deutliche Sprache sprechen, daß dagegen die Ableugnungsversuche Prags, wie schon in zahlreichen früheren Fällen, völlig zusammenbrechen. Wir brauchen nur an die tschechischen Grenzverletzungen im Sommer d. 3. zu erinnern, als man ebenfalls trotz taufen­der von Zeugen darunter zahlreiche Ausländer, die Grenzverletzungen zunächst absirill, sie später aber zugeben mußte; an die Vorfälle von Eger, wo eine amtliche Erklärung der anderen wider­sprach; an die Versuche, den Mussolini-Brief an Lord Runciman als eine deutsche Fälschung hinzu­stellen und anderes mehr. Beispiele, die der ganzen Welt deutlich und klar den Wert tschechischer Erklärungen gezeigt haben.

Auch bei Schmiedeberg foridauernde schwere Grenzverletzungen.

Tschechischer Aufmarsch zu neuen Vorstößen.

Schmiedeberg, 20. Sept. (DNB.) Nach dem schon gemeldeten Feuerüberfall auf fudelendeutsche Flüchtlinge, bei dem ein tschechisches Zollhaus an der Grenze bei der Ortschaft Ober-Klein- llupa - Grenzbauden abgebrannt ist. hat sich die Spannung an dieser Stelle der Grenze immer nehr verstärkt. Da ständig von tschechischer Seite ler auf Deutsche, sowie sie in den Schußbereich der Maschinengewehre kommen, geschossen wurde, muß-

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lln aus taktischen Gründen die deutschen Grenz- Kbäude geräumt werden und der Grenzschutz Uter den Gebäuden in Stellung gebracht werden. Hoch rauchen die Trümmer des abgebrannten Zoll­hauses. Rechts und links von diesen haben sich lshechische Gendarmen und in tschechische Uniformen > "«gekleideteRote Wehr" mit Maschinen- Gewehren eingenistet. Man rechnet mit neuen Ische- Irschen lleberfällen. Flüchtlinge, die unweit dieser ffkrenzsielle über die grüne Grenze gekommen sind, I dichten, daß tschechisches reguläres Militär, nndesiens 2000 Mann, mit Panzerwagen U b I a n f 5 , schwereuMaschinengeweh- ' (n und Artillerie, etwa 400 Meter hinter V Grenzstelle am Waldesrand in Stellung I l b r a ch t worden sind.

.Mit welcher Skrupellosigkeit die tschechischen Grenzbeamten, insbesondere aber die ihnen zu ihrer Unterstützung beigegebeneRote Wehr" von ihrer Waffe Gebrauch machen, davon sprechen Vorkomm­nisse am Dienstagoormittag. Der Inhaber der Grenzbaude, der seine Baude sowohl auf sudetendcut- schem als auch auf reichsdeutschem Gebiet zu stehen hat, wollte in den Morgenstunden seinViehver- so r g e n , das sich auf sudetendeutscher Seite be­findet. Er kam auch ungehindert auf sudetendeutsches Gebiet und konnte sein Vieh versorgen. Als er aber wieder auf reichsdeutsches Gebiet zurückkehren wollte, wurde er, obwohl er den tschechischen Grenzbeamten sehr gut bekannt ist, da er seit Jahrzehnten die Grenzbaude bewohnt, und täglich mehrere Male zwischen seinen Gebäuden hin- und hergeht, unter scharfes Maschinengewehrfeuer genom­men. Bei der Essensausgabe an sudetendeutsche Flüchtlinge hinter der Grenzbaude auf deutschem Ge­biet machten die Tschechen einen neuen Feuer­überfall, bei dem es nur durch einen glücklichen Zufall keine Toten, sondern nur einige Leichtverletzte gab. Das Grenzgebiet macht völlig den Eindruck einer Frontstellung. Es ist unmöglich, sich frei zu bewegen. Man kann nur in Sprüngen von einem Baum zum anderen an der Grenze entlang kommen, da ständig die Tschechen mit an­geschlagenem Gewehr jede Bewegung auf deutscher Seite verfolgen und, sowie sie die Möglichkeit haben zu schießen, Schüsse auf deutsches Gebiet abgeben.

Tschechische Grausamkeit schreit zum Himmel.

Die Eltern verhaftet, ihre fünf Kinder mit Fußtritten über die Grenze gejagt.

R o h r l a ch , 20. Sept. (DNB.) 3m Durchgangs­lager für fudetendeutsche Flüchtlinge in Rohrlach wurden fünfellernlosekinder eingeliefert, die von einer geflüchteten Frau über die Grenze gebracht wurden. Der Vater dieser Kinder ist schon vor Wochen von den Tsche­chen als Sudetendeutscher verhaftet worden 3eht drohte der kommunistisch-tschechische Mob der Mutter der fünf Kinder ständig, so daß die Mutter sich entschloß, mit den Kindern zu fliehen, obwohl sie über das Schicksal ihres Mannes

nichts wußte. 3n den frühen Morgenstunden brach die Frau mit ihren fünf Kindern auf und kam auch bis an die Grenze. Ein einjähriger Säugling schrie, so daß ein tschechischer Grenzer auf die Fliehenden aufmerksam wurde. Die Mutter der Kinder wurde sofort verhaftet und die fünf Kin­der mit Fußtritten über die Grenze gejagt Nun irrten die Kinder in dem waldigen Gebiet des Grenzbezirkes herum und weinend schrien sie nach ihrer Mutter, die von den tschechischen Gendarmen abtransportiert worden war. Ein Flüchtling nahm sich bann der Kinder an und führte sie zu dem Durchgangslager Rohrlach,

wo die fünf Kinder jetzt nntergebracht sind, lieber das Schicksal der Eltern ist nichts bekannt. , Schärfster deutscher Protest gegen die

tschechischen Grenzverletzungen.

Berlin, 20. Sept. (DBB.) Die deulsche ®e- sandischaft in Prag ist angewiesen worden, wegen des tschechischen Feuerüber­falls auf das Grenzstädtchen Seidenberg und die tschechische Grenzverletzung bei Grenzbau­de n in der Nähe von Schmiedeberg bei der dortigen Regierung schärfsten Protest zu erheben.

Morgen Zusammenkunft in Godesberg.

Fortsetzung des Gesprächs zwischen dem Führer und Chamberlain.

Berlin, 20. Sept. (DNB.) Der Führer und der britische Premierminister sind über­eingekommen, ihre auf dem Obersalzberg begonnene Aussprache am Donnerstag, dem 22. Sep­tember, um 15 Uhr in Godesberg wieder aufzunehmen. ,

*

In der von Moskau und Prag verschuldeten schweren europäischen Krise, die nun schon volle vier Monate anbauert, hat es zahlreiche Situationen ge­geben, deren Spannung und Schärfe nicht mehr überbietbar erschienen. Noch niemals aber in diesen vier Monaten hat die ganzs Welt mit einer so sorgenvollen und zugleich so hoffnungsvollen Hoch­spannung den nächsten Stunden und Tagen ent­gegengesehen wie jetzt, da die zweite Unterredung zwischen dem deutschen Staatsoberhaupt und dem englischen Regierungschef bevorsteht. Daß die Sor­gen der beteiligten Völker sich dabei auf die letzten Verzweiflungsakte der tschechisch-bolschewistischen Zu­sammenarbeit konzentrieren, ist ebenso klar wie die Tatsache, daß die Hoffnung der Welt um eine fried­liche, aber auch würdige Lösung der Krise in erster Linie um die Person unseres Führers und Reichs­kanzlers kreisen. Im Kampf um die Wiedererringung des ihm gebührenden Platzes unter den Weltmäch» ten hat Deutschland manche ernste Stunde erlebt. Niemals aber haben wir Deutschen dabei auch nur den leisesten Zweifel daran gehabt, daß selbst in schwierigsten Lagen der staatsmännische Weitblick Adolf Hitlers nicht unter allen Umständen die einzig richtige Entscheidung zu finden wissen werde. Der

englische Gesprächspartner Adolf Hitlers hat schon mit seinem Entschluß zu der Reise nach Berchtes­gaden ein anerkennenswertes Maß von Verant­wortungsbewußtsein bewiesen. Das englische und das französische Kabinett haben, jedes auf seine Art, versucht, es dem britischen Premier gleichzutun. Stunde um Stunde steigt unterdessen die Zahl der blutigen Opfer im Sudetengebiet. Es gilt nun für die westeuropäischen Staatsmänner, die einzig mög­liche Lösung der Tschechenfraae selbst gegen die in Kreisen der Linken noch vorhandenen Widerstände in ihren Ländern durchzusetzei^, wenn sie sich nicht selbst desavouieren und mit ihrem Namen unüber­sehbares Unglück für Europa verbinden wollen.

Größtes 3nterejfe in London.

London, 21. Sept. (DNB. Funkspruch.) Sämt­liche Zeitungen bringen bereits Meldungen aus Godesberg über die Vorbereitungen, die deutscherseits zum Empfang Chamberlains getroffen werden. So berichtet dieTimes", in Godesberg sei d i e R h e i n- promenade mit englischen und deut- schenFlmggengeschmückt. Auch das Hotel, in dem Chamberlain absteige, trage Blumen- und Flaggenschmuck. Ward Price, der sich für dieDaily Mail" ebenfalls in Godesberg auflMt, schreibt u. a., der Ort des Zusammentreffens der beiden großen Staatsmänner fei f o schön, wie man ihn kaum andersinEuropa finden könne. Hietler selbst habe ihn ausgesucht. Die Zimmer des Hotels, in denen der englische Ministerpräsident wohnen werde, lägen an einer Terrasse, von der aus man einen der schönsten Ausblicke Europas habe.

Erneute Demarche bei Benesch.

Nach der ersten ausweichenden Antwort Prags.

Eindeutige Annahme verlangt.

Na tliche Borsprache der Gesandten Englands und Frankreichs.

London, 21. Sept (DNB.) Die tschecho­slowakische Regierung hat gestern abend eine Note überreicht, in der sie ihren Standpunkt zu dem Vorschlag darlegt, der ihr von der britischen und französischen Regierung übermittelt wurde. Dieser Standpunkt ermögliche nach einem in Prag ausgegebenen amtlichen Kommunique weitere diplomatische Verhandlungen im Geiste der Versöhnlichkeit, den die tschecho-slowakische Re­gierung stets bekundet habe. Es heißt, Prag werde versuchen, eine Kompromißlösung vorza- schlagen und sich dabei vor allem darauf berufen, daß die Abtretung eines Teils des Staatsgebietes dcm vom Staatspräsidenten geleisteten Eid wider­spreche. Reuter meldet aus Prag, Benesch habe heute früh um 2.15 Uhr d i e Gesandten Frankreichs und Englands empfangen. Beide hätten ihm geraten, den Londoner Friedensplan, so wie er sei, anzuneh­men. Nach der Unterredung mit den beiden Ge­sandten sei eine Sitzung des 3nneren Ka­binetts einberufen worden.

Sämtliche Londoner Blätter heben hervor, daß sich die Regierungen in London und Paris mit der ersten ausweichenden Antwort Prags nichtzufriedengegeven haben und nun einen neuen Druck auf Prag ausüben, um eine klare Antwort und wenn möglich, eine eindeutige Annahme der französisch- englischen Vorschläge durchzudrücken. Dabei heben die meisten Blätter hervor, daß eine klare Antwort Prags schon allein im Hinblick auf die neue Z u - sammenkunft Chamberlains mit dem Führer notwendig sei. Times berichtet, daß die tschechische Antwort den ganzen Tag über in Lon­don geprüft worden sei, und daß man sich dann ent­schlossen habe, eine neue Demarche in Prag zu unternehmen, um auf eine Regierungsentschei­

dung zu drängen. Es sei im Interesse von ganz Europa, daß die Mission Chamberlains nicht sabo­tiert werde. Das Vorgehen Chamberlains sei die Politik Frankreichs und Englands geworden, um den Weg der Vereinbarung zu finden, anstatt, den Weg des blinden und schadhaften Widerstandes zu gehen. Zur nächtlichen Demarche des französischen und englischen Gesandten in Prag meldetDaily Expreß, die gemeinsamen englisch-französischen Vorstellungen seien in London und Paris kurz nach Mitternacht in Anbetracht des Ern ft es der Lage beschlossen worden. Man habe den Eindruck, daß neue Verzögerungen eine gefährliche Lage entstehen lassen würden.

Für Winkelzüge keine Zeit mehr.

Auch Paris drängt auf Annahme.

Paris, 21. Sept. (DNB. Funkspruch.) Außen­minister Bonnet hatte heute bis gegen 1 Uhr früh mit feinen Mitarbeitern am Quai. d'Orsay Besprechungen, die der Prüfung der durch die Ant­wort der tschechv-slvwakischen Regierung geschaffe­nen Lage galten. Die Prager Antwort wurde ein­gehend geprüft. Durch die erneute Demarche des französischen und englischen Gesandten in Prag bet der tschechischen Regierung wurde Prag auf die Gefahren einer negativen oder aus­weichenden Haltung hingewiesen und ihm geraten, im eigenen Interesse die in Lon­don vorbereitete Regelung anzunehmen.

Die Presse betont, obwohl sie Mitgefühl mit den Tschechen zeigt, daß Prag schon lange genug gezaudert habe, eine alle in den Grenzen der Tschecho-Slowakei lebenden völkischen Minderheiten zufriedenstellende und gerechte Regelung zu finden. Die Zeit dränge. Die Spannung an der Grenze zwischen dem Reiche und tschecho-flowakischen Staat und die Zwischenfälle erlaubten keine weiteren Winkelzüge der Prager Regie­rung. Das entschiedene Eintreten des Führers für die Sudetendeutschen, die energische Haltung der deutschen Presse, die bereits fordere, daß die bolsche­wistisch verseuchte Tschecho-Slowakei von der euro­päischen Landkarte verschwinden müsse und schließ­lich auch die Forderungen Polens und Ungarns auf Loslösung ihrer völkischen Minderheiten von dem