Arbeiten wurde dem Maurermeister Düringer übertragen.
* Londorf, 20. Juni. Anläßlich des 65. Geburtstages des Inhabers des Sägewerks und Zimmerergeschäfts Heinrich Wißner versammelte sich die Gefolgschaft um ihren Betriebsführer zu einer Betrieosfeier. Der Jubilar Heinrich W i ß - n e r konnte dabei als Vertreter der DAF., Kreis- waltung Gießen, Pg. Stein begrüßen. Anschließend gab er einen Rückblick auf die Entwicklung seines Betriebes, wobei er seiner Gefolgschaft für die bisherige treue Mitarbeit und für die Ehrung zu seinem 65. Geburtstage herzlichen Dank sagte. Pg. Stein überbrachte die Grüße des Kreisobmannes der DAF. und zollte bei dieser Gelegenheit dem Betrieb der Firma Wißner alle Anerkennung. Im Auftrage der Innung überreichte Obermeister Rohm (Wieseck) dem Jubilar ein Geschenk. Mit Dantesworten des Betriebsführers Wißner fand die Feier ihren Abschluß.
Kreis Schotten.
s. Schotten, 20.Juni. Die Vogelsberger Volksbanr hielt in der Turnhalle ihre Jahresversammlung ab. Aus dem von Direktor Stang vorgetragenen Jahresbericht und aus der aus den letzten Jahren gegebenen Uebersicht ist eine günstige Aufwärtsentwicklung festzustellen. Der Umsatz hat sich gehoben, die Mitgliederzahl ist etwa gleich- aeblieben. Der seitherige Direktor Stang und der Vorsitzende des Aufsichtsrats Karl L i n ck schieden infolge ihres Allers aus chren Aemtern; sie wurden zum Ehrendirektor bzw. Ehrenvorsitzenden ernannt. Der neue Vorstand besteht aus den Mitgliedern: August Rausch, Wilhelm Neumann, Christian Eißfeller, Karl Meisti zu Schotten und August Straub V., Rainrod. Dep Aufsichtsrat besteht aus: Dekan Widmann, Dr. Damb° mann, Karl Hofmann (Schotten), Ludwig Deubel (Götzen), Karl Hofmeister (Rudingshain) und Karl Rau (Eichelsachsen. Don dem Direktor der Landesbauernkasse, Eid mann, uyd dem Vertreter des ländlichen Genossenschaftswesens, Dr. D e i ch e r t (Alsfeld), wurden Berichte erstattet über Arbeit und Lage der Bank.
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Die Aacht zum Donnerstag!
Der Kampf Schmeling- Louis.
Links: In der Nacht zum Donnerstag werden Millionen mit Spannung an den Rundfunklautspre- chern Schmelings Kampf um die Boxweltmeister- schäft hören. Unser Bild zeigt hier die Größenver-
hältnisse der beiden Boxer, soweit diese überhauvt meßbar sind. Die Maße geben an: Größe, Hals, Brust (eingeatmet und ausgeatmet), Oberschenkel und Gewicht. — (Scherl-Bilderdienst-M.)
Unser Bild zeigt das Nankee-Stadion in Neuyork, in dem am Mittwochabend 10 Uhr amen» konischer Zeit (etwa 3 Uhr früh deutsche Zeit) das Treffen um die Schwergewichtsmeisterschaft entschieden wird. — (Scherl-Bilderdienst-M.)
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Kreis Wetzlar.
Q Groß-Rechtenbach, 20. Juni. Hier tagte der Gemeindezweckoerbands-Kassenausschuß, um den Haushaltsplan der Gemeindezweck- Verbandskasse für das Rechnungsjahr 1938 zu oerabichieden. Der Haushaltsplan wurde von Dem Kassenvorsteher vorgetragen. Der Derbands- ausschuß stimmte dem Haushaltsplan zu. Der Haushaltsplan balanciert in Einnahme und Ausgabe: Titel 1 (Gemeindezweckverbandskasse) mit 31430 Mark; Titel 11 (Standesamt) mit 2360 Mark. Kassenleiter Loh berichtete über die finanzielle Lage in den einzelnen Gemeinden. Hierbei konnte festgestellt werden, daß sich die Gemeinden seit der Machtübernahme gut entwickelt und die finanziellen Verhältnisse in sämtlichen Gemeinden gebessert haben. In Anbettacht dessen, daß eine Reihe Gemeinden verschiedene Bauprojekte, wie Wasserleitungsbau, Dränageanlagen und Schulbauten, in den letzten Jahren durchgeführt haben, ist diese Entwicklung als sehr gut zu verzeichnen.
Aundfunkprogramm
Mittwoch, 22. Juni.
5 Uhr: Frühmustk. 5.45: Ruf ins Land. 6: Gymnastik. 6.30: Frühtonzert. 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Bäderkonzert. 9.30: Nur Frankfurt: Gaunachrichten. 9.40: Kleine Ratschläge für Küche und Haus. 10: Schulfunk: Deutsche Landschaft im Spiegel der Freiheitsdichtung. 11.45: Volk und Wirtschaft. Etwas von unserer Kunstbutter. 12: Werkpausenkonzert anläßlich der Arbeitstagung des Fachclmts Chemie. 13: Nachrichten. 13.15: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Das Stündchen nach Tisch... 15: Bilderbuch der Woche. 15.15: Kameradin an der Grenze. 16: Nachmittagskonzert. 18: Zeitgeschehen. 18.30: Der fröhliche Lautsprecher. 18.45: Fliegendes Deutschland. 19: Nachrichten. 19.10: Klang der Landschaft: Der Westerwald. 20: Französisch-Belgisches Konzert. In der Dause: Aus dem Leben von H. Berlioz. 22: Nachrichten. 22.20: Wie lebt der Deutsche in Brasilien? 22.30: Bunte Musik. 24 bis 3: Nachtmusik.
Gießener Studenten in Titetkämpfen.
Studentenschaft Gießen Handballbereichsmeister.
In der Entscheidung um die Meisterschaft des Bereiches Rhein der deutschen Studentenschaft standen die Gaumeister HfL. Trier, Universität Marburg und Universität Gießen.
Im ersten Spiel trennten sich Marburg und Trier ohne Entscheidung 8 :8. Das Spiel, das in Trier ausgetragen wurde, litt unter einer ungewöhnlichen Härte.
Gießen trat zum Entscheidungsspiel in Marburg mit einer ersatzgeschwächten Mannschaft und zwar mit: Mayer; Krausch, Haibach; Ringk, Bingel, Sturm; Weigel, Watz, Schmidt, Krämer und Witter an. Trotzdem erwiesen sie sich als die bessere Mannschaft, der der Sieg nur durch Entscheidungen des Schiedsrichters genommen wurde. Die erste Halbzett zeigte die Gießener dauernd im Angriff; jedoch verteidigte sich die Marburger Hintermannschaft sehr hart, ohne daß der Schiedsrichter eingriff. Dagegen ahndete der Schidsrichter jede Härte der Gießener mit Strafstößen und 13-Meter-Wür. fen, die aber abgewehrt wurden. Das Halbzeitergebnis war 4:4 und niemand zweifelte an dem Sieg der Gießener.
Der weitere Verlauf des Spieles gestattete sich nicht sonderlich schön. Die Gießener Stürmer wollten ihre Gesundheit nicht auf das Spiel setzen und gaben den Ball freiwillig an den Gegner ab. Die Hintermannschaft wehrte noch ab, ließ sich aber dann auch überrennen, so daß die Marburger in kurzer Zeit zu acht erfolgreichen Torwürfen kamen. Im Rest der Spielzeit und nachdem der Schiedsrichter beide Mannschaften ermahnt hatte, warfen die Gießener noch sechs Tore. Das Treffen endete mit 16:10 für Marburg. Das Spiel wurde aber, da Marburg einen Schiedsrichter stellte, der noch keine Schiedsrichterprüfunq abgelegt hatte, und nachdem die Marburger selbst die Gießener Elf als die Bes
sere anerkannten, für die Gießener als gewonnen erklärt. Damit ging an die Gießener Studenten die Berechtigung, um die deutsche Hochschul- meisterschaft zu kämpfen.
Um die deutschen Hochschul- meisterschasten.
Die deutschen Hochschulmeisterschaften finden in diesem Jahre von Mittwoch, 22. Juni, bis Samstag, 25.\ Juni, in Mannheim in Verbindung mit dem deutschen Hochschultag der deutschen Studentenschaft, der in Heidelberg sein wird, statt.
Die Studentenschaft Gießen, die im vorigen Semester durch Rupprecht Krausch zum erstenmal den Titel eines Deutschen Studentenmeisters erringen konnte, geht auch in diesem Semester mit guten Aussichten in den Kampf.
Ausgetragen werden die Meisterschaften der Junioren 11. bis 3. Semester), der Kameradschaften im Sechskamvs am Mittwoch und Donnerstag und die Meisterschaften der deutschen Studentenschaft am Freitag und Samstag. Die Zahl der Teilnehmer an den Juniorenmeisterschaften, die jede Uni» versttät enftendet, wurden vom Reich bestimmt. Gießen schickt danach zwei männliche und einen weiblichen Wettkämpfer zu den Entscheidungen. Dafür qualifizierten sich, nachdem Moll, Der an den Studentenmeisterschaften teilnimmt, ausfiel, Gebhardt, Strerath und Frl. G r o ch e l.
Im Kameradschafts-Sechskampf treffen sich die Bereichsmeister zur Entscheidung. Die Gießener Kameradschaft 2 (Fischer), die die Bereichsmeisterschaft des Bereiches Rhein sicher gewann, wird in dieser Entscheidung mitsprechen. Es kämpfen für sie: Pitzen, Weigel, Oehle- mann, Bergemann, Volk und U n s i ck e r. P o n t a n i, der bei Dem Kampf um die Bereichsmeisterschaft mit dabei war, schied leider durch eine
ernste Verletzung, die er sich beim Fußballspiel zu» zog, aus.
Im Handball treffen sich die Bereichsmeister der deutschen Studentenschaft im Kampf um die Deutsche Meisterschaft. Gießen, das zunächst auf die Mannschaft Der Studentenschaft Heidelberg trifft, entsendet dazu: Mayer, Bork, Seipp, Krausch, Bingel, Sturm, Ringk, Haibach, Winter, Schmidt, Watz, Gotzelt und Krämer.
Sehr gute Aussichten hat noch die Gießener 4X100-Meter-Staffel, in Der Pitzen, Mayer, Luh und Möll laufen, und Luh, Der an den Einzelmeisterschaften in Kugelstoßen und Diskuswerfen teilnimmt.
Oie Deutschland-Rundfahrt entschieden?
Bombenleistung von Schild.
Auf Der 11. Etappe der Deutschland-Radrundfahrt von Köln nach Bielefeld über 300,4 Kilometer — zugleich die längste Der ganzen Reise — scheint bereits die Entscheidung über das gesamte Rennen gefallen zu sein. Der Träger des gelben Trikots, Hermann Schild, vollbrachte eine glänzende Leistung, die ihn zum wirklich besten Mann im Rennen stempelte. Der Chemnitzer fuhr lange Zett allein an Der Spitze unD gewann gegen Das gesamte Feld — mit Ausnahme von Siebelhoff — nicht weniger als 36 Minuten! Damit liegt Schild jetzt rund vierzig Minuten vor seinen schärfsten Gegnern. Nur ernste Zwischenfälle können dem Chemnitzer nun noch den Endsieg entreißen. In 7:55:30 Stunden gewann er die Etappe und erzielte dabei das fabelhafte Mittel von 37,8 st/km.
Auftakt in Wimbledon.
Guter Start der deutschen Teilnehmer.
Die internationalen Tennis - Meisterschaften von England nahmen am Montag auf Den Grasplätzen von WimbleDon ihren Anfang. Der erste Tag
Sie Wogt mm wie
Vornan von Hans von Hülsen.
Copyright by Prometheus-Derlaa, Dr. Eichacker, München-Gröbenzell.
7. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)
„Paß mal auf, Fritz. Ich hätte nicht gedacht, daß Du noch so wenig trocken hinter Deinen Prokuristen- obren bist. Stände ich nicht ganz zufällig hier unten, Du hättest mich in Teufels Küche gebracht Was sollen Die Eltern Denkern, Daß mir hier plötzlich ein JemanD nachgereist kommt, Dbn sie gar nicht kennen, von Dem sie nicht Die leiseste Ahnung haben?"
„So sag's ihnen Doch!" rief Fritz Armbruster. „Sag's ihnen Doch! ODer ich sag's ihnen selbst, daß ich dich liebhabe, daß ich nicht ohne Dich sein kann, daß ich Dich hier nicht DulDen kann, wo Dieser Operettenfatzke wilDert, Daß ich Dich zur Frau haben will —"
„Nun sei gescheit — ja?" sagte Renata streng, unD eine Wolke Des Unmuts verfinsterte ihr Gesicht. „Nimm Vernunft an, Fritz. Daß Du mich liebst, schön, Das weiß ich, obgleich ich es nie geglaubt hätte, Daß es sich einmal so hirnverbrannt äußern würde. Aber das übrige sind alles Einbildungen, das mit Ottenrieth — und Das mit Dem Heiraten ebenso. Ich habe Ottenrieth, wenn Du es wissen willst, in Der ganzen Zeit zweimal flüchtig gespro- chen — übrigens ftanD er hier neben mir, unD du hättest dir leicht etwas Schönes an den Hals geredet —
„Siehst du — siehst Du!" ereiferte er sich. „Wie recht mein Argwohn hatte. Er stand hier neben dir —"
„Jawohl, das tat er. Ich bin doch wohl keine Köchin, die abends mit ihrem Schatz im Hausflur steht? Das ist ja beleidigend. Du!"
„Rehlein, sei gut", bat er unD gab seine ©adje schon verloren.
ovc schüttelte Den Kopf, inDem die Augen zürnten.
„Ich werde gut sein, Fritz. Aber nur unter Der einen Bedingung, daß du genau so schnell wieder verschwindest, lU'tz Du gekommen bist. Das muß ich von Dir verlanM ODer wir sind geschiedene Leute. Es ist ganz ausgeschlossen, daß wir hier zusammen gesehen werden Ich jedenfalls komme nicht mehr herunter, ehe ich nicht ganz sicher bin, daß du ab» gereist bist Suche Dir irgendein Hotelzimmer, und fahre morgen mit Dem ersten Zug. Jetzt muß ich hinauf. Auf Wiedersehen, Fritz — in Wien!"
Sie reichte ihm Die Hand, unD Da er sie, trotzig, nicht nahm, roanDte sie sich um unD ging Davon.
Armbruster blieb unter Der Torwölbung stehen. Er war wie vor Den Kopf geschlagen. Er hatte sich Das WieDersehen so ganz anDers vorgestellt. Niemals hatte sie so mit ihm gesprochen, niemals, solange er sie kannte!
Endlich nahm er fein Köfferchen auf, stellte Den Mantelkragen hoch unD verfügte sich ins „Benaco" nebenan.
Um zehn Uhr ließ Der Regen nach — Ottenrieth stellte es mit Genugtuung fest. Durch Das offene Fenster sah er, Daß am Himmel schon Sterne flimmerten. Morgen roürDe es schön fein.
Er ging hinüber ins Kaffeehaus Jdl zum Schwarzen
Der kleine Raum war leer. Die Kellnerin saß mit einer Handarbeit am Rundfunk.
Nach einer Weile kam auch das Mondgesicht herein, setzte sich in eine Ecke, bestellte eine Me- lange, paffte eine Zigarette nach der anderen, starrte stumpfsinnig vor sich hin. Einmal hob er Den Kopf unD bemerkte Den Blick Ottenrieths. Aber er kannte ihn nicht.
*
Am nächsten Tage, nach ziemlich unruhig verbrachter Nacht, faßte Ottenrieth, um auf anDere Gebauten zu kommen. Den Entschluß zu einer Fahrt nach Saut Ambrogio.
Er sah, während er sich rasierte, Den jungen Mann im GabarDinemantel, Dessen Gegenwart sich so unvermutet in seine Träume geDrängt hatte, aufgeregt Den Uferkai entlanglaufend und immer wieder nach der „Casa Rossa" hmüberblickend.
Was mochten Die beiDen gestern noch miteinander besprochen haben, nachdem er selber gegangen war? Er hätte etwas darum gegeben, wenn er es gewußt hätte. Dieser „Fritz", dessen Namen er nicht kannte, war ihm unheimlich, obgleich er immer noch den Gedanken wegscheuchte, zwischen ihm und Renata könnte irgendeine ernste, seine heimliche Liebe bedrohende Verbindung bestehen.
War es klug, sich zu entfernen, während der andere hier saß? Es war vielleicht Dumm. Aber unerträglich wäre es gewesen, mit anzusehen wenn Die beiDen zusammen spazierengingen oDer wenn Der Junge etwa gar mit Renata unD ihren Eltern an einem Tisch säße. Sie hatte zwar gesagt, das hatte er noch aufgefangen, daß die Estern keine Ahnung von dem Jüngling hätten — aber konnte der nicht doch Mittel und Wege finden, sich >hnen vorzustellen? Er selber Ottenrieth. hätte in der gleichen Situation sicher Mittel und Wege gefunden.
Auf alle Fälle wollte er erst am Nachmittag nach Sani Ambrogio fahren.
Doch es ereignete sich nichts. Weder konnte er, immer wieder vom Fenster aus den Lungolago mit den Blicken absuchend, feststellen, daß sie sich trafen, noch erschien der junge Mann in Der „Casa Rossa". Zum Frühstück erschien er nicht, aber auch Renata unD ihre Eltern speisten roieDerum auf Dem Zimmer. Eine Frage an Das Zimmermädchen ergab, Daß gestern überhaupt keine neuen Gäste angekommen waren. Also wohnte das Mondgesicht nicht in Der „Casa Rossa".
Stundenlang faß Ottenrieth nach Dem Mittagessen im Vorgarten Des Kaffeehauses, Die Straße unablässig im Auge. Endlich sah er Den FremDen mit seinem Köfferchen vor Dem Hotel „Benaco" in ein Auto steigen, Das Den Weg nach Der neuen Autostraße entlangrollte. Also reifte er ab. Aber wurde Die Angelegenheit durch diese rasche Abreise nicht nur noch verworrener und undurchsichtiger?
Ottenrieth holte seinen Wagen aus der Garage, rief Dem Baron, Daß man ihn zum AbenDbrot nicht erwarten möge, unD fuhr in Der Richtung nach Mal- cejine Davon, zur Linken immer Die trümmerreidjen, mit Olivenpflanzungen beftanDenen Hänge Des Monte BalDo, zur Rechten Den gläsernen Spiegel Des Sees, auf Dem heute roieDer die weißen Segel wie Möwen trieben.
Die Sonne stand schon tief, als er in dem kleinen Dorf ankam. Lang und schmal lag Der Schatten Der hohen Zypressen über Der Straße. Am Ufer mürben mit Gepolter Steine in ein großes, Dickbäuchiges Boot verlaDen. Der Schiffer winkte ihm vertraulich zu, er kannte ihn Dem Ansehen nach von Torbole her. Auch Der grauhaarige Albergo-Wirt erkannte ihn sogleich roieDer. Es kam nicht oft vor, Daß hier ein großer Wagen hielt, Die meisten jagten Durch Den Ort, nach Torri unD Garda zu.
Ottenrieth setzte sich in Den Garten am See, bestellte ein Viertel Roten und versuchte, Den Wirt ein wenig auszuholen. Aber Das erwies sich als schwierig, Denn der Gute verstand nicht Deutsch. Man mußte seine Zuflucht zur Zeichensprache nehmen, die Finger auf Der rohen Tischplatte spielen lassen wie auf einer Klaviatur, auf das Kirchlein beuten, bas weiß durch bas Gezweig ber Delbäume schimmerte, unb „musica“ sagen unb „tedesco“.
„Ah! Ah!" rief der Wirt mit lebhaften Gebärden, stolz, daß er verstanden hatte. „II maestro tedesco! Si si, signore capisco bene, Sor Francesco — grande artista tedesco — va beng, va bene —.“ Unb sobalb Ottenrieth seinen Wein getrunken, begleitete er ihn persönlich, hembärmelig, wie er war, zum
Pfarrhaus unb ging voran. Hochwürben bas Begehren bei Fremben zu melben.
Der alte Pfarrer, ber im ©arten seine Weinreben hochband, stutzte. Noch nie in all Den Jahren hatte ein Mensch aus DeutschlanD nach Dem FreunD gefragt. Was beDeutete es? Er stieg in Bartolds Stube hinauf unb erzählte ihm, unten sei jemanb, ber ihn besuchen wolle — ein ßanbsmann, ein Deutscher.
Bartold hob den grauen Kopf vom Harmonium, über dem er einer Klangverbindung nachgeträumt hatte.
„Landsmann, sagst du? Wie sonderbar! Wie lang ist es her, daß ich von der Heimat hörte! Laß mich ihn im Garten sprechen."
Majelli ging wieder hinab und suchte Den Fremden auf, Der unter Den kühlen, steingewölbten Ar- toben wartete. Er hatte im Lauf Der langen Jahre so viel an deutschen Brocken gelernt, daß er ihn begrüßen unD durch das Speisezimmer geleiten unb ein wenig unterhalten konnte, bis Bartold käme.
Zwischen Den Bäumen und Büschen des mauer- umhegten Gärtleins hing noch die Wärme des Tages, der langsam mit tiefblauen Schatten über den See zur Ruhe ging.
Auf feinen Stock gestützt, kam ber Blinde mit sicheren Schritten vom Hause her — er brauchte sich nicht vorwärts zu tasten, jeder Stein auf dem Weg war ihm in diesen siebzehn Jahren vertraut geworden.
Ottenriech nannte seinen Namen, sagte, wie er neulich ganz durch Zufall in die Dorfkirche von Sant Ambrogio gekommen sei unb in ber Dunkelheit, im Gestühl verborgen, bem Spiel der Orgel gelauscht habe, und wie es seitdem ihm keine Ruhe lasse, bis er dem Meister, ber bas Instrument so herrlich spielte, bie Hand habe brücken können.
Mit einer erschrocken abwehrenden Gebärbe hob Bartolb ben Arm.
„Um Gottes willen, nennen Sie mich nicht Meister", sagte er langsam, unb fast erschrak er, wie ungewohnt ihm bas Sprechen in seiner Muttersprache war. „Ich fühle mich weit wie die Sterne von aller Meisterschaft entfernt."
„Aber", fuhr Ottenrieth fort: „allzuviel Bescheidenheit ist vorn Uebel! Ich bin ja neulich leider erst spät gekommen, ich habe nicht das Ganze hören können. Aber was ich gehört habe — nein, wirklich, mein Kompliment! Dessen braucht sich ein Meister nicht zu schämen. Das war wohl ber Schlußsatz einer Fuge, wenn ich recht verstanden habe?"
Die Antwort lautete: Ja, das sei eine Fuge gewesen.
(Fortsetzung folgt!)


