Dienstag, 21. )um 1938
Rr. 142 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Ausklang des 116 er Otegimentefefleö.
Großer Betrieb auch am Gchlußtage.—Straßenbahn und Feldküchen hatten Massenbesuch.
Dank des Infanterie-Neaiments 116
an die Bevölkerung von Gießen!
Im Namen des Regiments danke ich all denen, die das Regiment in der Vorbereitung und Durchführung der Feierlichkeiten anläßlich der Wiederkehr des 125jährigen Gründungstages des Regimentes unterstützt haben.
Im besonderen gilt mein Dank der Kameradschaft ehem. 116er Gießen und deren Führer, Herrn Bill, sowie all denen, die in entgegenkommender Weise alten 116ern Freiquartiere zur Verfügung gestellt haben.
Wenn die ehem. 116er und die Angehörigen der Regimenter -der Kriegsaufstellungen sich hier in Gießen wohlgefühlt haben, so auch deshalb, weil die Bevölkerung an ihrem Empfang und durch reichliche Beflaggung der Häuser regsten Anteil genommen haben.
Dank gebührt aber auch vor allen Dingen der Stadt ynb dem Herrn Oberbürgermeister Ritter, der dem Regiment in hervorragender Weise bei der Durchführung der Feierlichkeiten geholfen hat.
H e r r l e i n.
Noch einmal Wehrsportfest.
Der gestrige Montag als Abschluß des 116er- Festes brachte nachmittags die Wiederholung der großen Wehrsportoeranstaltung, die noch einmal etwa 8000 Zuschauer in ihren Bann zog. Wieder war die große Kampfbahn auf dem Trieb von einer dichten Menschenmauer umlagert. Jedermann verfolgte die Vorführungen mit größter Aufmerksamkeit. Das Wetter war der großen Sache wieder sehr günstig; die Sonne schien während der ganzen Veranstaltung und machte alles doppelt bunt und festfreudig. Das umfangreiche Programm rollte so minutiös ab, wie am Tage vorher, und nichts wurde den Zuschauern vorenthalten, was am Vortage schon die Zwanzigtausend gesehen hatten. Wieder begeisterten die Boxschule, die Auffahrten der Jnfanterie-Geschützzüge, der MG.-Schützen und die -kombinierten Wettbewerbe der Reiter, Radfahrer und Kraftfahrer. Wieder gab man sich ganz dem sensationellen Reiz der Tieffliegerangriffe hin. Jedermann bewunderte die Exaktheit, die Kraft, Geschicklichkeit und die Einsatzfreudiakeit der Soldaten. Die Geschicklichkeitsfahrten der Kraftradfahrer, die Reiterkämpfe, das Kampfballspiel, die Körperschule und schließlich das große abschließende Schaugefecht — das alles vereinigte sich noch einmal zu einer großen Gesamtschau der vielfältigen Leistungen unserer 116er. Hoch befriedigt von allem, was es dort zu sehen und auch zu hören gegeben hatte, machte man sich abends auf den Heimweg.
A.
Die sensationellen Turnübungen am Reck während der Fahrt auf dem Kraftrad.
(Aufnahmen [3J: Neuner, Gießener Anzeiger.)
„Wallensteins Lager" wieder stark besucht.
Der Montagabend brachte als letzte Darbietung des Regiments noch einmal die Aufführung von „Wallensteins Lager". Wiederum hatte sich eine große Menschenmenge in dem weiten Zuschauer- raume auf dem Trieb eingefunden, die mit Spannung der interessanten Aufführung folgte. Der schöne Sommerabend begünstigte diesen letzten Teil der Darbietungen des Regiments ebenso wie die Tagesstunden am Montag und am Sonntag den Ablauf der Dinge durch gutes Wetter förderlich gewesen waren. Die Aufführung fand wiederum den dankbaren Beifall der Besucher.
16 Tageskassen in Betrieb.
Am Sonntag waren von 10 Uhr bis 22 Uhr, also 12 Stunden lang, 16 Tageskassen aus dem Trieb bei der Volkshalle ständig in Arbeit, um dem
Massenandrang der Besucher, der zum Teil stoßweise in großen Mengen kam, gerecht zu werden Das Personal dieser Kassen, bestehend aus den Rechnungsführern des Stabszahlmeisters des Regiments und den vom Regiment zugeteilten Hilfskräften, hatte während dieser Dienststunden ununterbrochen angestrengte Arbeit zu leisten, um allen Anforderungen gerecht zu werden.
Oie Feldküchen
wurden ihren gesamten Vorrat an Erbsen mit Speck, der sich auf etliche tausend Portionen Essen belief, in kurzer Zeit glatt los, so daß schließlich noch die feststehenden Küchen in den Kasernen zur Essenlieferung mit herangezogen werden mußten und ebenfalls bald ihren Vorrat ausgegeben hatten.
Oer Sanitätsdienst klappte vortrefflich
Bei dem Mafsenhetrieb am Samstagabend, sowie am Sonntag und Montag stellte die Sanitätsbereitschaft Gießen (früher Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz) wiederum in vorbildlicher Weise den Sanitätsdienst. Die Sanitätsmänner und die Helferinnen hatten namentlich am Sonntag reichlich zu tun, glücklicherweise handelte es sich durchweg aber nur um leichtere Fälle, meist Ohnmächten usw. In der Liebigshöhe hatte die Sanitätsbereitschaft eine Station mit zahlreichen Betten eingerichtet, in der ständig reger Betrieb herrschte. Auch der Wagenpark der Sanitätsbereitschaft hatte allerlei Arbeit zu leisten Insgesamt wurde die Sanitätsbereitschaft in etwa 60 Fällen in Anspruch genommen. Den Sanitätsmännern und den Helferinnen gebührt für ihre eifrige und selbstlose Arbeit im Dienste der hilfsbedürftigen Menschen alle Anerkennung.
Hiesiger Betrieb auf der Straßenbahn.
Von Samstagabend bis tief in die Nacht zum Sonntag hinein, ferner ganz besonders am Sonntag bis' spät nachts und schließlich in geringerem Ausmaße am gestrigen Montagnachmittag und -abend hafte auch die Straßenbahn gewaltige Aufgaben im Dienste des Verkehrs zu erfüllen. Dabei war besonderer Einsatz aller Straßenbahner und des Materials in der Zeit des sog. Stoßverkehrs mit riesigem Massenandrang zu leisten. Erstmalig war bei einer Großveranstaltung die Einrichtung getroffen worden, daß die Inhaber von Plaketten und Dauerfahrkarten der Straßenbahn zum Gesamtfahrpreis von 50 Pf. die Straßenbahn beliebig benutzen konnten. Diese Einrichtung scheint sich nach unseren Beobachtungen bewährt zu haben, denn sie trug wohl nicht zuletzt mit dazu bei, daß der Ver
kehr stets sehr flüssig war. Natürlich haben auch alle Männer unserer Straßenbahn in gewohnter Weise alle ihre Kraft bis zum Aeußersten in den Dienst der großen Derkehrsaufgabe gestellt und dadurch in hohem Maße beigetragen zu der hervorragenden Gesamtleistung unseres Straßenbahnbetriebs; allen Männern unserer Straßenbahn gebührt denn auch für ihren vorbildlichen Arbeitseinsatz vollste Anerkennung. Insgesamt dürften nach einer vorläufigen Schätzung am Samstag am Sonntag und am gestrigen Montag insgesamt rund 40 000 Personen die Straßenbahn benutzt haben.
Aus der Stadl Gießen.
Sommersonnenwende.
Die Sonnwendfeiern haben im Laufe der Jahrhunderte manche Wandlung erfahren. Aber im Herzen des Volkes blieben sie lebendig, wenn auch durch die Einführung des Christentums die alten, den Göttern geweihten, Bäume gefällt und die Opfersteine gestürzt wurden. Die Sonnwendfeuer, die zu Ehren des Lichtgottes Baldur abgebrannt wurden, galten nun Johannes dem Täufer. Sie wurden zu Johannisfeuern. In der Vergangenheit nahmen alle Stände des deutschen Volkes daran teil.
Heute sammeln wir uns wieder um den brennenden Holzstoß Wir fühlen uns verbunden mit den Geschicken unseres Volkes und unseres Vaterlandes. Es sind Stunden der Erhebung, der inneren Einkehr. Wir fühlen die Verpflichtung, die wir der Vergangenheit gegenüber haben
Der brennende Holzstoß, die zum Himmel schlagenden Flammen, Rauch und knisternde Funken, die hell beleuchteten Gesichter der Teilnehmer, schweigend in sommerlicher Ruhe der dunkle Wald, und über dem ganzen Bild in wunderbarer Schönheit der strahlende Sternenhimmel! In solchen Augenblicken werden unsere Gedanken emporgehoben, gleich der Flamme schlägt die Begeisterung in uns hoch, heilige Erinnerung an vergangene Tage durchzieht unser Herz: So standen auch einst unsere Vorfahren um den lodernden Feuerbrand. Für sie war der Tag der Sonnenwende eine heilige Zeit.
Uns treibt heute kein Götterdienst und auch kein Aberglaube zum Abbrennen des Holzstoßes. Wir wollen die Sonnenwende feiern zum Zeichen der engen Verbundenheit mit der Geschichte und dem Schicksal unseres Volkes.
Heute ist das Feuer auf dem Berge Allgemeingut der ganzen deutschen Jugend. Ihr ist das lodernde Feuer das Symbol der wiedererstandenen Volksgemeinschaft, das auch zu denen hinübergrüßt, die jenseits der Grenzen mit der gleichen innerlichen Einstellung an diesem Tage ihr Bekenntnis zum Deutschtum ausdrücken. Noch im letzten Jahr war es, daß die Jugend Deutsch-Oesterreichs auf den Gipfeln der Alpen in Tirol, in Kärnten, im Arlberg und in der Steiermark die Holzstöße entzündete, in tiefer Sehnsucht schaute sie herüber ins Reich, wo die Jugend des gleichen Blutes das gleiche Sonnen- wendfest feierte. Nun ist ihnen der heiße Wunsch erfüllt worden, der Ring der Feuer ist in diesem Jahre größer, er umschließt Menschen, die dankbar und freudig einer Zukunft entgegensetzen, die nicht mehr Not und Entsagung ist, sondern Zuversicht und Hoffnung. H.
Ttornofuen.
Tageskalender für Dienstag.
ff und HI.: Sommersonnenwendfeier auf dem Schiffenberg. — NSD.-Dozentenbund zusammen mit dem Volksbildungswerk in der NSG „Kraft durch Freude" 20.30 Ühr in der Aula der Universität Vortragsabend Professor Dr. Günther Franz „Das Judentum in der deutschen Geistesgeschichte." — Gloria-Palast (Seltersweg): „Unter vier Augen."
Agnes Straub im Stadttheater.
Am Mittwoch, 22. Juni, findet das einmalige Gastspiel der Bühnen- und Filmdarstellerin Agnes Straub mit ihrem Berliner Ensemble in Roland Schachts Komödie „Schauspielerin" statt. Titelrolle Agnes Straub. Die Vorstellung ist außer Miete und beginnt um 20 Uhr, Ende 22.30 Uhr.
im
MD
Links: Die Vorführungen der Boxschule. Rechts: Essenausgabe an den „Gulaschkanonen".
Die ersten „Meistersinger".
Bor siebzig Jahren: am 21. Juni 1868.
Daß das herrlichste und machtvollste aller deutschen Musiklustspiele schon siebzig Jahre alt sein soll, will sich bei seiner ewigen Jugend und nie aufhörenden „Modernität" schwer einprägen. Was das Haydnsche und Hoffmann von Fallerslebensche Deutschlandlied unter den andern deutschen Liedern darstellt, das ist in fast noch erhöhtem Maße die Oper „Die Meistersinger von Nürnberg" unter aller deutschen Musikdramatik geworden: Repräsentant unseres nationalen Seins als Volk und Roich; und das nicht nur wegen der vaterländisch beschwingten und vertieften Schsuß- ansprache des Hans Sachs „Habt Acht, uns öräuen schlimme Streich", sondern von der ersten bis zur letzten Note durch die schwerschreitende Derbheit wahrhaft Dürerscher Zunftmeistergestalten und Hans Sächsischer Treuherzigkeit, durch besonnt-nachdenklichen Humor von echt deutscher Verhaltenheit und Schelmerei, durch Wagnersche Lebens- und Kunstweisheit in unerschöpflicher Fülle und von nie veraltender Gültigkeit. Der große Appell von der Zunftbeschränktheit und Kritikasterbosheit des Mer- kertums weg an Volkes Einsicht und Gottesfttmme, der wehmütige Verzicht Hans Sachsens auf Eva Pognerin, weil Jugend zu Jugend gehöre — all das find von unserem deutschen Gefühl her Ewigkeitsmotive und Dauerwerte, die uns auf den Besitz dieses Kunstwerks stolz machen dürfen.
Das ist bei der Münchener Uraufführung vermöge ihrer vom Meister selbst überwachten Vorzüglichkeit weitgehend erkannt und erst zwei Jahre später bei dem zum Theaterskandal aufgeputschten Mißerfolg der Berliner Aufführung vorübergehend wieder zugedeckt worden, um sich bald immer allgemeiner dennoch durchzusetzen. Drei Jahre war es her, daß das weit problemreichere Werk des „Tristan" in der Jsarresidenz auf Befehl Ludwigs des Zweiten zur ersten Einstudierung gelangt war. Dann hatte Wagner aus dem „Hexenkessel" der erregten Bayernhauptstadt nach Triebschen bei Luzern weichen müssen, aber der König hielt ihm dennoch die Treue. Das Jahr 1867 hatte eine hervorragende Lotzengrin-Jnszenierung gebracht, und der Telramund dieser Aufführung, , Franz Betz, sollte nun (nachdem sich andere Der- - handlungen'zerschlagen hatten) der erste Hans Sachs,
die junge „Elsa", Machilde Mailing er, zur ersten Pognerin werden. Die Rolle des Junkers Stolzing übernahm — ebenfalls erst nach anderweitig fehlgeschlagenen Engagementsplänen — der jugendliche Darmstädter, dann Münchner Tenor Franz Nachbauer in vorzüglicher Weise, als David holte man den Buffotenör Schlosser aus Augsburg, der später ein berühmter Bayreuther „Mime" werden sollte, der Wiener Hölze! widmete sich mit steigender Begeisterung der Rolle des Beckmesser, und den neugegründeten Opernchor schulte in nicht weniger als 66 Proben der getreue Partitur-Assistent und nunmehrige Dirigent der Aufführung Hans Richter, der nachmals bei der dritten Aufführung für den erkrankten Kothner selbst singend und spielend emsprang (ähnlich wie später in Straßburg einmal der Intendant Hans P f i tz - ner als Beckmesser kurzerhand in die Lücke getreten ist). Hans von Bülow, noch kürzlich der erste Tristandirigent, ließ es sich trotz schwerer seelischer Hemmungen nicht nehmen, m begeisterter Sachlichkeit das Partienstudium der Solisten zu überwachen.
Es fehlte auch nicht an kleinen Hindernissen: Obwohl der neue Intendant des Hoftheaters, Baron P e r f a l l, feine Stellung hauptsächlich der Befürwortung Wagners verdankte, ließ er sich anscheinend von der antiwagnerschen Kamarilla weitgehend gegen den Meister einnehmen. Und das z. T. noch dem pensionierten Generalmusikdirektor Franz L a ch n e r anhangende Orchester ließ anfangs einige Opposition erkennen, indem z. B. Franz Strauß, nachmals der Vater des „Rofen- kavalier"-Meisters, mit feinem Meisterhorn wegen Ueberanstrengung streikte. Aber all diese Schwierigkeiten schwanden teils unter der Zauberwirkung des immer strahlender hervortretenden Kunstwerks, teils infolge der faszinierenden Persönlichkeit des Dichterkomponisten, der (von dem trefflichen Regisseur Dr. Reinhard Hall wachs unterstützt) die lebendigsten Bühnenanweisungen gab. So berichtet der damals anwesende Ludwig No hl, am Schluß des Beckmesser-Ständchens habe der 55jährige Wagner als wütender Stadtschreiber einen solchen „Tigersprung" vor den hämmernden Schuster hingemacht, daß der routinierte Sänger-Schauspieler ihm darin trotz heißen Bemühens schließlich nur mühsam und schattenhaft nachgekommen sei.
Zahlreiche Einladungen waren an Kunstverwandte im In- und Ausland ergangen, auch mehrere persönliche Einladungsschreiben Wagners an Freunde,
wie Otto Wesendonck, haben sich erhalten und wurden befolgt. So war schon bei der Generalprobe ein Parkett von Kennern und Enthusiasten zugegen, aus dem etwa der Pariser Dirigent Pasdeloupe und Meister Anton Bruckner genannt seien, welch letzterer durch Wagners Entgegenkommen bereits einige Wochen vorher die „Uraufführung" des Huldigungschors an Hans Sachs mit feinem Linzer Gesangverein hatte vorwegnehmen dürfen. München stand in der schönsten Frühsommerblüte (es fehlten ja nur drei Tage an „Johannisnacht"!), als die Aufführung vor sich ging, die genau vier Stunden und drei Minuten Musik brachte, während dank der Geschicklichkeit des Darmstädter Maschinenmeisters Brandt die Umbauten je in weniger als einer Viertelstunde vor sich gingen — bei der damals ganz neuartigen Verwendung nicht bloß gemalter, sondern „praktikabler" Dekorationen eine mit Recht bestaunte technische Leistung.
Wagner hatte vor der Aufführung selbst München verlassen wollen, um nicht mit seiner damals heiß umstrittenen Person zwischen Publikum und Kunstwerk zu treten und um sich etwa zu erwartenden Feindseligkeiten zu entziehen. Aber nichts von dem ereignete sich, nachdem der enthusiasttsche König ihn neben sich in die Loge befohlen hatte und als der Meister sich nach dem zweiten und dem letzten Aufzug ergriffen den jubelnden Zuhörern stellen mußte. Der beglückte König selbst zeigte ihn der Oeffent- lichkeit, und Bülows Prägung „Horaz mit Augustus" durcheilte die Welt. Wagner hat später gerühmt, so schön wie mit dieser Künstlerschar habe er es wohl nie wieder getroffen, und so darf man dankbar feststellen, daß hier endlich einmal ein musikalisch - dichterisches Kunstwerk ersten Ranges nicht, wie sonst so manchesmal, unter wunderlich beschränkten, sondern unter seiner wahrhaft würdigen Umständen in die Welt getreten ist. Später haben auch die „Meistersinger , wie schon angedeutet, „ihre Schicksale" gehabt, aber das waren nur flüchtige Durchgangsstationen zu dem endgültigen Ruhm, den das Werk verdiente und un- entrücfbar sich erworben hat. Sein Schlußwort „Ehrt eure deutsche Meister, dann bannt ihr gute Geister" hat gerade dem Urheber dieses Wundergebildes reichste Erfüllung Angebracht; ja, man darf dieserhalb auch für weit größere künftige Zeiträume als die nunmehr durchmessenen ersten sieben Jahrzehnte der Weltgeltung die ruhigste Zuversicht hegen.
Hans Joachim Moser.
Gloria-palast: „Unter vier Augen."
Ein amerikanischer Film der Fox in deutscher Sprache: er behandelt einen Kriminalfall und weicht von der drüben und auch bei uns im all* gemeinen üblichen Darstellung solcher Singe insofern ab, als er die Geschichte um die Jahrhundertwende im historischen Kostüm spielen läßt. Es wird dabei für das amerikanische Publikum wahrscheinlich interessanter sein als für das deutsche, wenn die Präsidenten McKinley und Theodore Roosevelt im Verlaufe der Ereignisse au[ der Leinwand erscheinen, besonders Roosevelt in einer sehr gelungenen Maske. (Sidney B l a ck m e r spielt ihn.) Es handelt sich um die Aufklärung umfangreicher Bankräubereien, die in ihrer Häufung ein mehr als vorübergehendes Interesse beanspruchen und all- mählich eine ernsthafte Beunruhigung des gesamten wirtschaftlichen Lebens verursachen, zumal es den Behörden nicht gelingt, die Anführer der Bande ausfindig und unschädlich zu machen. Da greift der Präsident McKinley zu einem außergewöhnlichen Mittel: ein junger Marineoffizier wird mit einer geheimen Mission beauftragt. Wie er sich seines Auftrages entledigt, zum Ziele gelangt und in letzter Stunde gerettet wird, macht den Inhalt des Films aus, der unter der Spielleitung von William A. Leiter ein wenig schwerfällig in Gang kommt, aber gegen Ende recht spannend und überdies durch eine in den Kriminalfall verwickelte Liebesaffäre angenehm aufgelockert wird. Barbara S t a n w y ck, ein zartes, zierliches Persönchen, spielt diese Lil Duryea, auf die es hier ankommt; ihre Szenen mit Robert Taylor gehören zu den ersteulichsten Eindrücken des Films, der durch die Einkleidung in die verschollenen Trachten um 1900, besonders in den Kabarett-Auftritten, einen Anflug von nicht gänz freiwilliger Komik erhält. Taylor, den wir zuletzt als Partner der Garbo in der „Kameliendame" sahen, spielt den jungen Offizier mit dem geheimen Auftrag. Die Rolle ist nicht übermäßig aktiv und entwicklungsfähig, aber er holt, knapp und freundlich-sympathisch, das Möglichste heraus. Victor M c L a g l e n , als eine massive Unterwelt- gestalt, und Frank C o n r o y als Präsident Mc Kinley, wären vom Ensemble noch hervorzuheben. — Im Beiprogramm läuft die neue Ufa-Wochenschau mit teilweise ganz aktuellen Aufnahmen.
Hans Tbyriot.


