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Tonart, in ähnlichen Bahnen. Selbst ein Mann wie Daladier leistet dieser Verfälschung der ßage Vorschub. Als das einzig Positive innerhalb der Entwicklung der letzten Monate erscheinen ihm die französisch-englischen Abreden gelegentlich des" letzten französischen Besuchs in ßonbon. Das war Ende April, und man hat bis heute über diese Ministerbesprechung der beiden Westmächte den Schleier des Geheimnisses gelegt. Jetzt zog ihn Daladier fort und feierte als den größten Gewinn dieser Aussprachen jenen gemeinsamenpräventiven diplomatischen A kti 0 n s p l a n", der in dieser Form zum erstenmal in der Geschichte der englisch-französischen Beziehungen zustande gekom­men sei.

Ganz so einfach, wie Herr Daladier die Dinge darstellt, um dem Vorwurf Flandins zu begegnen, daß man den Faden nach ßonbon habe abreißen lassen, verhält es sich mit der englisch-französischen Entente freilich nicht. Wohl wurde sie in ßonbon gefestigt unb auch in militärischer Hinsicht präzisiert. Aber ebenso deutlich ist heute, daß diese Entente nicht mehr ein ausschließliches Instrument der fran­zösischen Politik ist und daß die Führung in dieser Kombination heute weitgehend in ßonbon liegt. Aber auch wenn man diese interne Gewichts­verlagerung in Rechnung stellt, bleibt noch des Un­erfreulichen genug. Es bleibt vor allem die Vor­stellung des ^Vestens, daß man mit Gewaltanwen­dung gegenüber dem Reich drohen müsse, um den Frieden zu erhalten undGewaltlösungen" zu ver­hindern.

Daß damit der Raum für eine produktive Politik, für die friedliche Konfliktlösung, der auch Dalcüüer das Wort redet, sehr eng werden muß, liegt ebenso auf der Hand wie die Tatsache, daß es der über­steigerte Macht- und Geltungswille der französischen Politik ist, der zu so unsinnigen Problemstellungen treibt. Warum hat sich denn F l a n d i n einen Sturm der Entrüstung in Frankreich zugezogen? Weil er auf die künstlicheAnwesenheit" Frankreichs in Mitteleuropa hinwies unb sich zu dem Gedanken bekannte, daß Frankreich nur marschieren sollte, wenn es selbst angegriffen werde. Das käme einer Abdankung der französischen Politik in Mittel­europa" gleich, so schallte es ihm entgegen, deut­liches Zeichen dafür, daß die französische Politik sich noch immer nicht zu einer Begrenzung ihrer Interessen auf das naturgegebene Maß verstehen will. Wie FrankreichsBelange und Lebensinter- effen", die es in der Tschechoslowakei zu verteidigen vorgibt, tatsächlich aussehen, das hat kürzlich Pierre Cot, der sattsam bekannte ehemalige französische Luftfahrtminister, mit aller Offenheit in einem Artikel über kommende Kriegsmöglich­keiten eingestanden. Hier wurde offen verkündet, daß man Prag den Rücken stärken müsse, weil die Tschechoslowakeider strategisch wich­tigste Punkt der demokratischen Länder sei". Die demokratischen ßänder könnten einen lange an­haltenden Krieg nicht verlieren, unter der Voraus­setzung,daß der tschechoslowakische Riegel vor den Kornkammern Mitteleuropas vorgeschoben bleibe". Sowjetrussische Luftangriffe, die von der Moldau­republik ausgehen würden, könnten dem Reich be­sonders empfindliche Wunden schlagen usw.

Was ergibt sich aus solchen Erwägungen, auf die man in der Presse der Westmächte immer wieder stößt? Daß dieBelange" Frankreichs in Zentraleuropa ausgesprochen imperialisttscher, d. h. aber unfriedlicher Natur sind, unb daß es sich bei einempräventiven Zusammenrücken zu Gunsten des Prager Systems nicht um die endliche Verwirklichung der kollektiven Sicherheit handelt, sondern um nackte Macht- und Kriegs- Politik. Ob berartige Dinge bie Tendenz zu einer immer ausgeprägteren Unabhängigkeits- unb Neu­tralitätspolitik aufhalten unb auf bie kleineren Staaten eine befonbere Anziehungskraft ausüben werben, die Beantwortung biefer Frage kann man wohl ruhig der weiteren Entwicklung Über­lassen. Der gesunde Sinn der Staatsmänner der jetzt wieder umworbenen kleineren Staaten wird sicher erkennen, in welch erschreckendem Maße bei dieser Art Politik der angebliche Schützling Tsche­choslowakei nur Objekt fremder Interessen unb nichts anderes ist. Darüber hinaus aber wird sich auf die Dauer auch die Erkenntnis nicht aufhalten lassen, daß es eben diese Politik dergroßen Demokratien" ist, die Europa nicht zur Ruhe kommen läßt, weil sie diesem Erdteil den gerechten Ausgleich der Kräfte und die Herstellung natürlicher Lebensverhältnisse nicht gönnt.

Dr. H. von Malottki.

Tag des Nordens.

5.Reichstagungd«rNordischenGesellschaft.

In der festlich geschmückten Stadthalle zu Lü­beck fand die Eröffnungskundgebung der alsTag des Nordens" durchgeführten 5. Reichstagung der Nordischen Gesellschaft statt. Man sah neben hervor­ragenden Wissenschaftlern aus dem Reich unb ben norbischen Staaten namhafte Vertreter der Partei, des Staates und der Wehrmacht, unter ihnen Reichsleiter Rosenberg, Reichsführer jf H i m m- l e r unb General ber Polizei D a l u e g e, ferner den bänifchen Gesandten Zahle, den finnischen Gesanbten W u 0 r i m a a und ben schwebischen Ge­sandten Richert.

Der Direktor bes Arbeitsnachweises ber Wirt­schaftsorganisationen, Nils Erik Wilhelmsen (Kopenhagen) sprach über bie Stellung ber bäni- schen Jugenb, sie erkenne burchaus die Bebeutung an, bie der Nationalsozialismus allein burch feinen Sieg über ben Kommunismus innerhalb ber beut fchen Nation für ben gesamten europäischen Kultur­kreis habe. Sie erkenne auch bie fortgesetzten Be- ftrebunaen an, bie von Deutschland Italien unb an« deren Länbern ausgingen, um ben Kommunismus unb seinen zerstörenben Einfluß unerbittlich zu be­kämpfen. Auch wir jungen Dänen, so erklärte er, finb auf dieser Linie zu finben, bie unversöhnlichen Kampf gegen ben Kommunismus bebeutet.

Dr. Eino Kaila, Professor an ber Universität Helsinki, erörterte bie Stellung des Bauerntums in den Ländern des Nordens. Der Bauernstand er­freue fick der besonderen Hochschätzung im ganzen Volke. Er sei gewohnt, sich auch als eine geistige Welt zu fühlen unb als geschlossene Körperschaft feine Stimme in ben Schickfalsstunben ber Nation entscheibend in die Waagschale zu werfen. Die so gekennzeichneten Besonberheiten bes sozialen unb geistigen Lebens fallen in wesentlichem Maße mit den Auffassungen und Aufgaben zusammen, die sich bas neue Deutschlanb bei seiner gewaltigen, für unseren ganzen Erbteil vielleicht entscheibenben Auf­bauarbeit gestellt hat. Gerade von dieser Stelle her ist ein engerer geistiger Kontakt zwi­schen dem neuen Deutschland unb ben Länbern bes Nordens erreichbar.

Am Montagabend gab Reichsminister Dr. Frick im Namen ber Reichsregierung im St.-Annen-Mu- feum einen Empfang, wobei man außer ben schon

oben Genannten Bürgermeister Krogmann (Ham­burg), ben Chef bes Protokolls, Vortragenben Lega­tionsrat Boitze, Reichsamtsleiter Daitz, weiter ben bänischen UnterrichtsMinister Hojberg-Chri- st e n s e n, bie Gattin bes Schriftstellers Knut Ham­sun, ben Schriftsteller Gunnar Gunnarsson- Frebsholm, bie finnische Schriftstellerin Sal- minen, den Bürgermeister von Reykjavik, Hall- b e r s s 0 n, den Schriftsteller Gunar Berg (Lunb) und Professor 0 0 n Euler (Stockholm) sah. An ben Empfang schloß sich ein Mitternachts-Konzert in ber St. Marienkirche an, bei bem Domtantor Dr. Walter Haaeke (Naumburg) an ber Orgel unb Staatsopernsängerin Lea Pil11i vom Deut­schen Nationaltheater Weimar mitwirkten.

Lm Dienst der Verständigung.

Zweite deutsch-französische Tagung in Baden-Baden.

Baden-Baben, 20. Juni. .(DNB.) Die 2. deutsch-französische Tagung wurde von 5 rei­be r r n von Dusch eröffnet. Das in Paris Be­gonnene solle vertieft und aUsgebaut werden. G e - rabe nach den letzten schwierigen Wo­chen hätten die Freunbe jenseits bes Rheins ihren festen Willen bekunbet, dem Frieden und der Ver­ständigung ihre Mitarbeit zu leihen. In Deutschland wisse man diesen Beweis des guten Willens zu schätzen. Der Vorsitzende des Comitö France-Alle- magne, der Leiter der französischen Kriegsblinden, Georges Scapini, dankte für den sehr freund­lichen Empfang und legte die Ziele der deutsch-fran­zösischen Verständigungsarbeit dar unter Betonung ber Verantwortlichkeit des Schrifttums, befonbers ber Presse.

Dann sprach der Historiker Pierre Benoit, Mitglieb ber Academie Franeaise, über bas Zeitge­schehen im Spiegel des französischen Schrifttums. Die romantische Jbee von Deutschlanb müsse hinter bem ernsten Deutschlanb zurücktreten, gerabe so wie bie Deutschen bas ernste Frankreich erkennen müßten. Eine Verständigung der Völker sei nur auf ber Grundlage der wahren Erkenntnis ihrer Kultur und geistigen Arbeit möglich. Der Literatur falle hierbei eine besondere Aufgabe zu. Dem Zeit­geschehen im Spiegel des deutschen Schrifttums widmete Prof. Dr. Josef Nadler (Wien) seine Darlegungen, die er besonders auf die dichterische Gestaltung ber verflossenen 20 Jahre gründete. Der Vorsitzende der Deutsch-Französischen Gesellschaft, Prof, von A r n im , unterbrich die Darlegungen von Pierre Benoit, der mit Recyt betont habe, daß

nur ein ethisches Erkennen der Völker den Boden für eine Verständigung oorbereiten könne.

Die Rote-Kreuz-Konferenz in London.

London, 20. Juni. (Europapreß.) Am Mon­tag wurde im Sankt James-Palast in London die 16. Internationale Rote-Kreuz-Kon- ferenz von dem Vorsitzenden des englischen Ro­ten Kreuzes, dem Herzog von Gloucester, einem Bruder des Königs, eröffnet. Der Herzog erklärte, es habe in der Geschichte des Roten Kreu­zes keinen Augenblick gegeben, in bem die systema­tische Planung der Arbeiten des Internationalen Roten Kreuzes notwendiger gewesen sei als heute. Mit voller Zustimmung der Oesfentlichkeit be­schränke sich das Rote Kreuz heute nicht mehr auf bie Hilfe für kranke und verwunbete Solbaten auf bem Schlachtfeld, sonbern betätige sich überall, wo durch unerwartete Ereignisse das all­tägliche Leben ber Menschheit aus bem Gleichge­wicht gehoben unb in großem Maße Elend unb Leib die Menschen bebrüden.Unglücklicherweise", so fuhr ber Herzog fort,ist bie Welt heute dauernd solchen unerwarteten Ereignissen ausgesetzt. Wenn es biefer Konferenz gelingt, Mittel und Wege zu finden, um ihnen zu begegnen und bie sich baraus ergebenben Leiden systematisch unb ohne wesentliche Energieverluste zu lindern, bann wirb ein wesent­licher Schritt vorwärts getan sein." Der Herzog ver­las ein Telegramm ber Königin als Ehrenvor- sitzenbe des englischen- Roten Kreuzes, in bem dex Hoffnung Ausdruck gegeben wird,daß auch bieje Konferenz zur weiteren Stärkung der Bewegung beiträgt und den Tag näherbringt, an dem das Rote Kreuz der ganzen Welt die (Garantie dafür bietet, daß menschliche Leiden, bie nicht verhindert werden können, nirgendwo ungelindert bleiben.

An der Tagung nahmen Dertteter aus 38 Län­dern teil. Deutschland ist durch eine Abord­nung der Reichsregierung und eine Abordnung des Deutschen Roten Kreuzes, die beide unter ber Füh­rung bes Präsibenten bes beutschen Roten Kreuzes, NSKK.-Obergruppenführer Herzog von Co­burg, stehen, vertreten. Der Herzog von Coburg verlas eine Botschaft, in der u. a. darauf hingewie- sen wird, daß der Führer und Reichskanz- l e r selbst bei einem Ueberblitf über die friedliche Zusammencirbeit zwischen ben Völkern befonbers auf bie Genfer Rotkreuz-Konvention und ihr großartiges Werk verwiesen habe.

Englische Hoffnungen im Gpanienkonfliki

London, 21.Juni. (DNB. Funkspruch.) Das Interesse ber Londoner Presse konzentriert sich auf bie heutige Sitzung bes Hauptunterausschusses bes Nichteinmischungsausschusses. Obschon bie Aussich­ten für einen. Waffenstillstand in Spanien nicht sehr günstig beurteilt werden, ist man doch ber Ansicht, baß eine Einstellung ber Feindseligkeiten nicht nur von England, sondern auch von Italien und schließ­lich auch von beiden Parteien yi Spanien als wün­schenswert angesehen wird. Jedoch verkennt man keineswegs die Schwierigkeiten, die sich aus der Haltung der beiden letzten ergeben. Times schreibt, bie britische Formel sei wiederum geän­dert worden, es sei jetzt Hoffnung vorhanden, daß der f 0 w j e t r u f f i s ch e Vertreter ihr zustim­men könne. Der Plan sieht jetzt folgendermaßen aus: Ständige Beobachter in 20 ober 25 Haupthäfen Spaniens, weiter Beobachter in ben übrigen Häfen, falls ihre Anwesenheit not- wenbig wirb, ein Nichteinmischungsbeam­ter wie bisher auf allen Schiffen innerhalb ber spanischen Gewässer, Anborbnahme eines Nicht­einmischungsbeamten burch Schiffe, die, obgleich nicht für einen spanischen Hafen bestimmt, vermut­lich einen solchen anlaufen wollen. Das Blatt meint weiter, ein Übereinkommen zwischen beiden Par­teien könnte nur im Geiste eines Kompromisses Zu­standekommen. Spanien werde dann wederRepu- blikcmisch" nach dem Muster Barcelonas, noch na­tionalistisch nach dem Muster Francos fein. Die größte Hoffnung auf eine Bereinigung scheine bei weitem in der Förderung des Pttines zu liegen, der jetzt dem Nichteinmischungsausschuß vorliege. Jedes Land, das jetzt einen Fortschritt im Nichtein­mischungsausschuß verhindere, werde schwerlich dem Schicksal entgehen, als ein Feind Europas angesehen zu werden. Die Annahme bes Nichteinmischungs­planes sei der sicherste Weg für bas balbige Inkraft­treten bes englisch-italienischen A b - kommens, bie Beenbiguna bes Bürgerkrieges in Spanien und die umfassende Befriedung Euro­pas. Daily Expreß nimmt an, baß bie End­lösung vielleicht vorsehe, daß Katalonien ein un­abhängiger Staat werde und baß bas übrige Spa­nien eine Überparteiliche Regierung erhalte.

Schließt Daladier die Pyrenäengrenze?

Paris, 21. Juni. (Europapreß.) Die Nachricht von der Schließung der Pyrenäen­grenze wirb in maßgebenden französischen Kreisen bestätigt. Dieser Beschluß werde der Oeffent- lichkeit jedoch nicht bekanntgegeben, da offiziell ja auch eine Deffnung der Pyrenäengrenze nicht vor­genommen worden sei, obgleich ' jedermann in Frankreich Kenntnis von entsprechenden Dienstan­weisungen des ehemaligen Ministerpräsidenten Blum an die französischen Grenzbehörden habe. Diese sind durch Daladier nun rückgängig g e - macht worden, das heißt die Grenzschließung ist nun praktisch Wirklichkeit geworden. Schon um die frühere Regierung des sozialistischen Parteivor- sitzenden Blum, auf dessen parlamentarische Unter­stützung Ministerpräsident Daladier angewiesen ist, nicht zu desavouieren, konnte Daladier die Oefsent- lichkeit über bie neuen Instruktionen an bie franzö­sischen Grenzbehörben nicht in Kenntnis setzen.

In ber Pariser Presse kommt bie Ueberzeugung zum Ausbruck, baß bie Wiederaufnahme ber 23 e r = hanblungen zwischen Rom unb Paris nun nicht mehr aussichtslos erscheine. Auf marxi­stischer Seite hat bie Rückkehr Frankreichs zur prak­tischen Nichteinmischung die größte Entrüstung her- oorgerufen. Besonders die kommunistischeHuma- nite" ergeht sich in den wüstesten Ausfällen gegen bie Regierung.Jour" glaubt zu wissen, baß Paris und London dahin übereingekommen seien, ihre Haltung in der Spanienfrage nicht durch Machen­schaften Sowjetrußlands beeinflussen zu lassen.

Italienischer Ilottenbesuch in Malta.

Mailand, 20. Juni. (Europapreß.) Das erste italienische Flottengeschwader, mit dem Panzer­kreuzerCavour" an der Spitze, verläßt am

Montag unter dem Kommando von Vizeadmiral Riccardi Italien zu einem viertägigen Flotten- besuch in Malta. Dort werden zu Ehren der italienischen Gäste große Sportkämpfe zwischen den Mannschaften italienischer und englischer Kriegs­schiffe stattfinden. Dieser Flottenbesuch gilt als ein wichtiges Ereignis in der Geschichte der neuen italienisch-britischen Beziehungen und wird daher besonders von englischer Seite entsprechend beachtet. Die britische Admiralität hat in Malta ein umfang­reiches Festprogramm für die Dauer des Aufent­haltes der italienischen Kriegsschiffe ausgearbeitet.

Die englische Flotte / übt im Kanal.

Der König in Weymouth eingetroffen.

London, 20. Juni. (Europapreß.) Zur Be­teiligung an einer kurzen Hebung bes englischen Heimatgeschwabers begab sich König Georg nach Weymouth. Der größte Teil des Geschwaders ankert in der Bucht vop Weymouth. Das Flagg­schiff wird während den Hebungen die Standarte des Königs hissen, der der jüngste Admiral der englischen Marine ist. Die Uebunaen werden am Dienstagmorgen im Kanal ihren Anfang nehmen und unter kriegsmäßigen Bedingungen durchgeführt werden, um dem König Gelegenheit zu geben, die ängstlich gehüteten Geheimnisse der englischen Flotte kennenzulernen. Im Mittelpunkt der Hebungen wird das ferngelenkte Kriegsschiff C e n t u r i a n" stehen, das mit scharfer Munition beschossen werden soll. Auch ferngelenkte Flugzeuge werden an den Manövern in gro­ßem Umfange teilnehmen. Dem König soll die Wirksamkeit der englischen Flugabwehr vor Augen geführt werden. Dabei sollen auch bie neuen Flak-Batterien, deren Geschütze 500 Schuß in der Minute abzufeuern vermögen, in einem bem Ernstfall angepaßten Angriff vorgeführt werben. Ferner sind Tor peboana riff e auf bie Großkampfschiffe vorgesehen. Am Mitt­woch wird der König die Unterfeeboot = 2l6- wehrschule in P 0 rtland besichtigen.

Bei seiner Ankunft in Weymouth wurde König Georg unter den Salutschüssen der Kriegsschiffe be­geistert begrüßt. Der König verbrachte die Nacht an Bord der königlichen JachtVictoria and Albert", auf der er am Abend den Geschwaderchef und hohe Offnere empfing. In Begleitung des Königs befinbet sich fein Bruder, der Herzog von Kent.

Englands Treibsioffversorgnng.

Ein Vorschlag der Arbeiterpartei.

London, 21. Juni. (Europapreß.) Zur Sicher­stellung der Treibstoffversorgung für die englische Kriegsmarine, die Luftwaffe unb bas Heer im Falle eines Krieges forbert bie Arbeiterpartei Maßnah­men, bie die Oelerzeugung aus Kohle für alle Fälle unb in großem Umfange sicherstellen sollen, um bie englischen Wehrmachtoperationen fähig zu halten. Das fei zur Zeit nicht garantiert, ba Englanb O e l einführen müsse, was im Kriegsfall nur noch von Zufälligkeiten abhängen werde. Aus diesem Grunde wird die Anlage von zwölf neuen Werken mit einem Kostenaufwand von 18 Mil­lionen Pfund u. a. in den Elendsgebieten von Schottland unb Wales, gefordert. Diese Werke konnten jährlich etwa 500 Millionen Liter Treibstoff Herstellen. (Das sind ungefähr 7 v. H. der augen­blicklichen englischen Einfuhr.) Bei einem Verbrauch von 7 710 000 Tonnen Kohle konnten dadurch rund 11 000 Arbeiter beschäftigt werden. Damit würde nicht nur der 23erteibigungsftanb bes Laubes gehoben, sondern auch bie Arbeitslosigkeit öerminbert und der Bergwerksindustrie geholfen. Der Vorschlag der Ar­beiterpartei wird von berTimes" als beachtens­wert unb vernünftig hingeftellt.

Wie siehtes in derWittschastans?

In biesen Tagen haben b r e i große Ri^hr - zechen, bie Vergwerksgesellschaft Hibernia, bie Bergbau- Ewald - König - Lubwig unb bie Con­corbia - Pergbau - AG. ihre Abschlüsse für 1 9 3 7 veröffentlicht. Alle brei lassen deutlich die günstigen Auswirkungen der Erzeugungs- und Ab­satzsteigerung auf die Ertragsentwicklung erkennen, gleichzeitig aber auch die finanzielle Belastung durch den Ausbau ber Anlagen, wie er zur Erfüllung ber bem Ruhrbergbau im Vierjahresplan gestellten Auf­gaben notroenbig ist. Die Hibernia, bie bie lautlichen Ruhrzechen einschl. bedeutsamer Schiff- ahrts-Handels-Stickstoff- unb Treibstoffbetriebe um­aßt, konnte 1937 ihre Kohlenförderung um 16,3 v. H. auf 10,23 Millionen Tonnen, bie Kokserzeu­gung um 22,5. v. H. auf 2,13 Millionen Tonnen erhöhen. Der Kohlenabsatz nahm um 11,2 v. H. auf 9,41 Millionen Tonnen zu, während bie Stickstoff­herstellung einen neuen Höchststand erreichte. Die Ewald - König - Ludwig - Gesellschaft konnte die Kohlenförderung über den Durchschnitt des Ruhrbergbaus von 19,9 v. H. um 21,1 v. H. auf 5,9 Millionen Tonnen, die Kokserzeugung sogar um 74,7 v. H. auf 1,30 Millionen Tonnen steigern. Bei der C 0 n c 0 r d i a - Bergbaugesellschaft wurde die Förderung ebenfalls über ben Durchschnitt, nämlich um 25,8 v. H., auf 1,57 Millionen Tonnen, bie Kokserzeugung um 20,9 v. H. auf 0,31 Millionen Tonnen erhöht. _ . |

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Aus den Jahresberichten der Kaligefell« schäften, insbesondere - des größten Erzeugers, der Wintershall-AG., erfährt man, daß- der Kali- absgtz 1937 gegen 1936 um 13 v. H. gestiegen ist. Die Abrufe nahmen gegenüber der Vergleichszeit von 1937 um 12 v. H. zu, rein rechnerisch ergibt sich also, daß ber Absatz nur verhältnismäßig lang­sam gestiegen'ist, und die weitere Frage liegt nahe, wie sich bas für die Erträgnisse ber Industrie aus- wirkt. Der Wintershall - Abschluß zeigt nun, daß bei diesem Konzern, obwohl in feinem Rahmen die Bedeutung der anderen Sparten ge­wachsen ist (Del, Benzin, Chemikalien, Leichtmetalle und vieles andere), seine Bruttoüberschüsse merklich« gesunken sind. Im Falle Wintershall ist das aller­dings nicht tragisch zu nehmen, weil die Gruppe seit Jahren in ihrer Abschreckungspolitik sehr weit gegangen war.

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Der Preußische Staat verfügt nicht nur im Ruhr« gebiet Xiber wertvollen Besitz an Steinkohlenzechen, die in der Hibernia zusammengefaßt sind, sondern auch in Oberschlesien und in der Gegend von Han­nover und Minden fordert der Staat Steinkohle. Am Kalibergbau Mitteldeutschlands ist er ziemlich stark beteiligt, vor allem aber auch am Erzbergbau und an der Metallgewinnung. Alle diese Erzeu­gungszweige sind in derPreußag", der preu» ßisehen Bergwerks- und Hütten-AG., zusammen-' gefaßt, die mit einem Aktienkapital von 80 Millio­nen Mark arbeitet und nach ihrem kürzlich ver- offenttichten Jahresbericht für 1937 einen Hmsatz von 165 Millionen Mark erzielt hat. Die Preußag gehört zu den größten deutschen Industrie-Kon­zernen: Gibt sie doch einer Gefolgschaft Arbeit, deren Ziffer sich 1937 noch von 30 000 auf 32 000 Mann erhöht hat. Auch Die Steinkohlenförderung des Konzerns, 6,2 Millionen Tonnen gegen 5,6 Mil­lionen Tonnen im Vorjahre bietet zusammen mit ber Kalierzeugung von 1,73 Millionen RM. Roh­salzen einen Anhaltspunkt für bie Bedeutung dieser Gruppe. Erwähnt man noch, baß bie Zinkerzeugung 1937 immerhin schon 8500 Tonnen betragen hat, neben einer Produktion von Zinkoxyd in Hohe von 23 000 Tonnen, so vermitteln diese Ziffern ein Bild von der Rolle, die die Preußag im Bergbau spielt, zumal erfreulicherweise neuerdings auch die Blei­erzeugung erheblich zugenommen hat: Mit 15 400 Tonnen hat sie nunmehr das doppelte der im Jahre 1932 erzielten Leistung erreicht.

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Mit einer schwebenden Schuld von nicht weniger als 12 Milliarden Tschechenkronen, die nur auf dem Papier durch Staatskassenscheine und durch Staatsbonds gedeckt waren, die aber seit siebzehn Jahren von Vierteljahr zu Vierteljahr ver­längert werden müssen, hat sich ber Tschechen­staat in bas Abenteuer ber Mobilisierung vom 21. D)ai gestürzt. Der Finanzminister hatte für 1938 eine Kreditermächtigung von 3,5 Milliarden Tschechenkronen erhalten, von denen 2,4 Milliarden für Rüstungszwecke und 1,1 für Investitionen in den Staatsbetrieben, bie notwendigerweise mit ber tschechischen Aufrüstung zusammenfallen, verwendet werben sollten, aber diese Summe langt nicht zu unb bie Note des Tages zwingen zu kleinlichen Aushilfsmitteln, bie nur bem berühmten Tropfen auf den heißen Stein gleichen. Man hat die An­lagepflicht der Geld- und Versicherungsanstalten für Staatspapiere erweitert, man will beim Klein- geldgesetz ungefähr 550 Millionen Tschechenkronen verdienen und hofft, daß die Sammlung für die Landesverteidigung, die mit bombastischen Redens­arten inszeniert wurde, ungefähr eine halbe Mil­liarde erbringen wird. Das aber sind die einzigen einigermaßen sicheren Posten. Alle anderen schwan- ken. Man hat daher in Prag über eine*E r h 0 - hung der an und für sich schon sehr hohen Ver­brauchssteuern beraten, aber nach der letzten Erhöhung vom Dezember 1937 würde eine solche Maßnahme den Konsum noch mehr zurückgehen lassen, als es bereits feit Jahresbeginn geschehen ist. Die Aussichten für eine Ausländsanleihe sind geradezu miserabel. Der französische Finanz­minister Rist ist aus Prag wieder heimgekehrt, ohne daß eine langfristige Anleihe in Aussicht steht. Eng­land hat abgewinkt. Unb der tschechische Finanz­minister weiß nicht, woher er das Geld für poli­tische Ausgaben nehmen soll, die mit dem mosko- witischen Bündnis sehr eng Zusammenhängen.

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Dabei ist die einst blühende sudetendeutsche Ausfuhrindustrie ein Opfer ber tschechischen Außenhanbelspolitik geworben, aber diese kurz­sichtige unb selbstmorberische Methobe hat den Staat selbst in die schwersten Bedrängnisse gebracht. Im Braunkohlenbergbau sind etwa 66, in ber Stein­kohlengewinnung 80 v. H. noch in beutschen Händen, in ber Möbelindustrie unb in ber Textilindustrie sind 90 v. H. der betriebe deutsch, in der Elektroindustrie 70 v. H. Sehr wichtige Gewerbe wie die Glaswaren- und Biiouteriebranche sind seit jeher ausschließlich in deutschen Händen. Da ber Anteil ber Jnbustrie- roaren, bie im tschechischen Jnlande nicht unterzu­bringen finb, immerhin auf 60 v. H. berechnet würbe, blieb nichts anberes als bie Ausfuhr übrig, aber die Ausfuhr unb damit die fudetendeutscA Erzeugung an Jndustriewaren ist geradezu kata­strophal gesunken. Die Ausfuhr von Baumwoll­waren, Wollwaren, Lederwaren, Schuhen, Glas und Keramik ist feit 1929 um mindestens die Hälfte, teilweise sogar um zwei Drittel gesunken. So wurden