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Nr. 45 Erstes Matt

188. Jahrgang

Montag, 2?. Hebruar 1938

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Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Partei und Staat. 741 Plätze zählt dieser untere Teil des Sitzungsraumes, genau der Zahl der Ab­geordneten entsprechend. Gedämpfte Unterhaltung erfüllt noch den Raum. Auch der Rang ist dicht be­setzt. Hier hat auch die Presse ihre Plätze, unter der allein die ausländischen Zeitungen mit über 100 Berichterstattern vertreten sind. In der Mittel­loge wohnt das Diplomatische Korps fast vollzählig der bedeutungsvollen Tagung bei. Der oberste Rang ist einer großen Zahl von Zuhö­rern vorbehalten , die in den glücklichen Besitz von Karten gelangten.

Um 13 Uhr betritt der Führer und Reichs­kanzler den Sitzungssaal, gefolgt von Reichs­tagspräsident Generalfeldmarschall Göring, dem Stellvertreter des Führers, Reichsminister Rudolf Heß, dem Führer der Reichstagsfraktion der NSDAP. Reichsminister Dr. Frick und seiner ständigen Begleitung. Die Männer des Deutschen Reichstages und die Volksgenossen auf den Rängen grüßen den Führer mit erhobener Rechten. Der Führer schreitet durch die Reihen und grüßt sodann von seinem Platz aus die Anwesenden. Neben dem Führer haben Platz genommen der Stellvertreter des Führers Rudolf Heß, sowie die Reichsminister von Ribbentrop, Dr. Frick, Dr. Goebbels, Freiherr von Neurath und Graf von Schwerin von Krosigk. Zu beiden Seiten des Rednerpodiums sitzen Reichs­minister Dr. Lammers, Reichspressechef Dr. Dietrich, sowie Obergruppenführer Brückner und Gruppen­führer Schaub.

Reichstagspräsident Generalfeldm-rschall G ö - ring erhebt sich von seinem Platz und erklärt die Sitzung für eröffnet. Unter atemloser Stille des ganzen Hauses, der man die ungeheure Spannung anmerkte, mit der die ganze Welt auf die Worte des Führers warten, begann darauf der Führer und Reichskanzler feine grüße Rede, deren Wortlaut wir im zweiten Blatt veröffentlichen.

Der Führer und feine Mitarbeiter im Reichstag. Don rechts in der ersten Reihe: der Führer und die Reichsminister Heß, von Ribbentrop, Frick, Goebbels, von Neurchh, von Schwerin-Krosigk; zweite Reihe: die Reichsminister Funk, Gürtner, Rust, Kerrl, Seldte, Frank, Dorpmüller; dritte Reihe: Oberbefehlshaber des Heeres General von Brauchitfch, Chef des Oberkommandos der Wehrmacht General Keitel, die Staatsminister Meißner, Popitz, Generalinspektor Dr. Todt, die Staatssekretäre von Mackensen und Psundtner. (Scherl-M.)

Der Führer spricht...

Lautlose Stille herrscht im Sitzungssaal, als der Führer das Wort nimmt. Zum erstenmal unterbricht ihn tosender Beifall, als er den 30 Januar 1933 als einen Wendepunkt für jetzt und für alle Zeiten be­zeichnet. Die Rede des Führers gibt zunächst ein gewaltiges Bild von dem Aufbauwerk des National­sozialismus, der ein Land der Ordnung und des all­gemeinen Aufblühens geschaffen hat. Stolze Freude erfüllte die Stimme des Führers, als er von den großen Leistungen auf sozialem, kulturellem Gebiet und vom Geburtenanstieg sprach. Laut und wuchtig bekennt sich dann der Führer und durch ihn ganz Deutschland zum Frieden. Bei seinen Erklärungen über Partei, Staat und Wehrmacht und bei der folgenden eindeutigen und endgültigen Absage an die Genfer Liga findet er ein starkes Echo, ebenso, als er mitteilt, daß Deutschland nunmehr Mandschukuo anerkennen werde Der Führer betonte dann noch einmal den Willen zur Zusammenarbeit mit allen Völkern, außer mit Sowjetrußland. Als der Führer auf O e st e r r e i ch zu sprechen kommt, spürt jeder den echten Ton der Freude und Genugtuung. Jeder spürt, wie gerade er über die Verständigung mit, Oesterreich glücklich ist Der Jubel überspringt alle Grenzen, als der Führer seine Rede mit einem starken Bekenntnis des Führers an das deutsche Volk endet.

Göring dankt dem Führer.

Das Gelöbnis neuer Tat der Dank des deutschen Volkes.

Die Männer des Deutschen Reichstages bereiten dem Führer nach seiner dreistündigen Rede minu­tenlange tosende Kundgebungen. Die Abgeordneten sind von ihren Plätzen aufgesprungen und jubeln dem Führer begeistert zu. Reichstagspräsident Gene­ralfeldmarschall Göring gibt sodann dem Emp­finden aller Anwesenden, den Gefühlen des deut­schen Volkes in diesem denkwürdigen Augenblick Ausdruck. Er führte aus: Mein Führer! In diesem

Augenblick, in diesen Stunden, da Sie uns in er­greifenden Worten den grandiosesten Rechenschafts­bericht ablegten, der wohl je von einem Führer oder Staatsmann eines Volkes abgelegt wurde, ergreift es nicht nur die Männer des Reichstages, sondern draußen im ganzen Reich die Millionen deutscher Männer und Frauen, über die engeren Grenzen hinaus das deutsche Volk, dem Sie jetzt zum Schluß diese herrlichen Worte gewidmet haben.

Sie haben aber nicht nur eine gewaltige Schau unerhörter Lei st ungen auf­gezeigt, die woht vom deutschen Volk in seiner Gesamtheit vollbracht wurden, aber nur mög­lich waren unter Ihrer einzigartigen, genialen, starken und zielbewuhten Führung. Sie haben auch weiter eine klare Zielsetzung dem deutschen Volke gegeben. Fünf Jahre der Vergangenheit haben Sie uns aufgezeigt, eine weitere Zukunft uns gewiesen. Unsere Antwort darauf, die Antwort des gan­zen Volkes, mein Führer, kann nur fein eine weitere Hingabe äußerster Leidenschaft, weiteres vertrauen in Sie und Ihr Derk. Stolz auf die gewaltigen Leistungen, die wir vollbringen durften unter Ihrer einzigartigen Führung, verpflichten Sie uns auch für die Zukunft. Und unser Dank, mein Führer, kann und darf nicht in Worten bestehen; er muh bestehen im weiteren handeln, in der weiteren Tat. Diesen Dank aber des gan­zen deutschen Volkes darf ich Ihnen, mein Führer, noch einmal in dieser für uns feier­lichen und heiligen Stunde, da Sie uns die Gröhe unseres Volkes und seinen Ewigkeits­wert noch einmal vor Augen gestellt haben, be­kunden, indem ich die Wanner des Deutschen Reichstages auffordere, unserem Führer ihre

Alle Well Hörle die Worte des Führers.

Auch das Ausland zoltt der großen Rede des Führers stärkste Beachtung.

Der Führer während seiner Rede. Hinter ihm aus dem Präsidentenstuhl Reichstagspräsident Generalfeldmarschall Göring. (Scherl-Bilderdienst-M.)

Llnser gerader Weg.

Der umfassende Rechenschaftsbericht, den Adolf Hitler am ^Sonntag seinem Volke vorlegte, hat uns nicht nur während dieser drei Stunden ganx in sei­nen Bann geschlagen, sondern er wird unser Tun und Handeln, unser Denken und Wollen noch für lange Zeit beherrschen. Die Fülle der Ideen und Probleme, die in ihm aufgeworfen wurden, war so gewaltig, daß es schwer fällt, in einem ein­zigen nachträglichen Ueberblick eine Anschau- u n g d e s G a n z en zu gewinnen und sie auf eine kurze Formel zu bringen. Diese Rede war bestimmt keine Sensation in dem landläufigen Sinne, den gewisse internationale Dunkelmänner im Auge haben, wenn sie die bedauernswerte Menschheit mit den Ausgeburten ihrer kranken Phantasie, mit den zunächst verblüffenden Schlagern einer abgefeim­ten Pressehetze belästigen Aber der Bericht Hitlers war insofern eine Sensation, als er das Geraune und Gewispere nörgelnder Besserwisser endgül­tig zum Schweigen brachte durch den un­widerlegbaren Beweis der nationalsozialistischen Lei­stung, indem er ferner alle komplizierten und ver­wirrenden Fragen zurückführte auf jene Aus­gangsstellung, die klar und eindeutig gegeben ist durch den Cyarakter des deutschen Volkes.

Es gibt kein Geheimnis zwischen ihm und uns, zwischen Adolf Hitler und seinen 68 Millionen Volksgenossen. Es gibt aber auch keine deutsche Rätselhaftigkeit gegenüber den Angehörigen ande­rer Nationen, die sich die Fähigkeit bewahrt haben, durch Phrasennebel und Lügendunst der alljüdischen Giftmischer hindurch die Realitäten der politischen Weltlage und insbesondere die Wirklichkeit des Dritten Reiches zu erkennen. Diese tn-

ne re Wahrhaftigkeit, diese offene und ob­jektive Behandlung aller politischen Probleme ist es vor allem, welche der Reichstagsrede des Führers ihren Stempel aufdrückte. Wohl kein anständiger Mensch, sei es im Reich ober sei es im Ausland, der am Sonntag durch den Lautsprecher die Sitzung des Reichstages miterlebte, ist im Innern unberührt geblieben von der leidenschaftlichen Aufrichtig­keit, die immerfort in der Stimme des Führers mitschwang und die jeden einzelnen packen mußte, dessen Seele von der bolschewistischen Seuche noch nicht angefressen ist.

Unser deutsches Wesen zeichnet den geraden Weg vor, den wir bisher auf allen Gebieten des poli­tischen Lebens gegangen sind und von dem der Führer sagte, daß wir ihm auch weiterhin folgen werden. Aus diesem Bekenntnis zur völkischen Eigengesetzlichkeit lassen sich leicht alle Maßnahmen erklären und deuten, welche die deutsche Staatsfüh­rung seit fünf Jahren ergriffen hat und künftig ergreifen wird, um das Dgsein unseres Volkes nicht nur zu sichern, sondern auch auf eine immer höhere Stufe menschlicher Vollkommenheit zu heben. Hier­aus entspringt zugleich das st arte Rechtsbe- w u ß t s e i n , von dem alle Taten der natigUal- sozialistischen Regierung im innerpolitischen wie im außenpolitischen Bereich getragen sind. Ohne recht­liche Grundlagen wäre jene nationalsozialistische Realpolitik gar nicht denkbar, die sich etwa in der Anerkennung des Kaiserreichs M a n d s ch u k u 0 ,' in unserer kolonialen Forderung, in unserer Haltung zur Genfer Entente, in unserer Ab­wehr gegen internationale Brunnen- Vergiftung und bolschewistisches Räubertum, in unserem Kampf für das Deutschtum jen-

Der Deutsche Reichstag jubelt dem Führer nach Schluß seiner Rede zu. (Scherl-M.)

feite der Grenze, in der Stärkung unserer Lan­desverteidigung und in all den anderen Maßnahmen kundtut, die insgesamt die ungestörte Entfaltung der deutschen Nation in einem friedlich geordneten Europa zum Ziele haben. H. Evers. Die denkwürdige Reichstagssitzung.

Berlin, 20. Febr. (DNB.) Die ganze Welt hatte am Sonntag ihren Blick und ihr Ohr auf Deutsch­land gerichtet. Auf einer denkwürdigen Tagung des Deutschen Reichstages gab der Führer und Reichskanzler die mit höchster Spannung er­wartete weltpolitisch bedeutsame Erklärung der Reichsregierung ab, die durch die Aetherwellen in viele Länder der Erde getragen wurde. Das ganze deutsche Volk erlebte diese Stunde am Rundfunk mit. Von der Krolloper wehen die Banner, des Dritten Reiches, lieber dem mit frischem Tamien- grün umkleideten Eingang erhebt sich ein leuchten­des Fahnen^und. Ein mächtiges Goldgewinde um­säumt das Tordach, von dessen Höhe herab die Hoheitszeichen des neuen Deutschlands grüßen. Die Vorhalle und die Umgänge sind mit Blumen ge­schmückt. An kleinen Pulten tragen sich die Ab­geordneten in die Anwesenheitsliste für diese zweite Tagung des am 29. März 1936 gewählten Reichs­tages ein. (Die erste Tagung wurde am 30. Januar 1937 abgehalten.)

Der Sitzungsraum ist fast voll besetzt. Die Mehr­zahl der Abgeordneten trägt die Uniform der Be­wegung; es find zu einem großen Teil Männer von