Frankreich strebt nach Anschluß.
Wiederbesehung des BotschasterpostenS in 2Rom.
Paris, 19.April. (DNB.) Von zuständiger französischer Stelle bestätigt man am Ostermontag, daß der französische Geschäftsträger in Rom bei Außenminister Graf Ciano einen Besuch abgestattet hat. Dieser Besuch, der am Samstaa stattfand, habe die Aufnahme französisch-italienischer Verhandlungen bezweckt, um im Laufe des Monats Mai einen beim Quirinal akkreditierten Botschafter zu ernennen. Wie man weiter erklärt, habe die italienische Regierung ihre Antwort noch nicht bekanntgegeben, sie sei aber demnächst zu erwarten.
Der römische Berichterstatter des „In trän - s i g e a n t" schreibt in diesem Zusammenhang, es habe den Anschein, als ob die italienische Regierung sich damit einverstanden erkläre, daß der französische Botschafter er st nach der Genfer Sitzung ernannt werde. Sofort nach dieser Ernennung würden die französisch-italienischen Verhandlungen ausgenommen werden, um alle zwischen beiden Ländern bestehenden Streitfragen zu regeln.
Die Blätter begrüßen im allgemeinen die zu- standegekommene Einigung und wollen in ihr den Auftakt für eine weitergreifende Verständigung sehen. Man nennt zunächst Frankreich, dann aber auch Deutschland, in dem man den näch
sten Verhandlungspartner Englands erblicken will. Zn den entsprechenden Kreisen hat man allerdings auch die absurde Hoffnung einer Wiederherstellung der Stresafront, d. h. eines Gebildes, das ausschließlich gegen Deutschland gerichtet sein soll.
Der Außenpolitiker des „Jour" erklärt, die wichtigste Frage sei, ob der französische Botschafter vor oder nach der Tagung des Genfer Rates ernannt werde.
Der römische Berichterstatter des „ M a t i n " ist der Ansicht, daß es eigentlich zwischen Frank, reich und Italien gar keine sogenannten Probleme zu lösen gebe. Eine „an sich unbedeutende Streitigkeit" sei durch die Leidenschaften auf beiden Seiten langsam zu einem europäischen Problem geworden.
Zu dem begrenzten Kabinettsrat und dem Ministerrat, die heute und morgen in Paris zusammentreten, schreibt die „Epoque", an erster Stelle stehe neben der Reise Dal ad i er s und Bonnets nach London die Ernennung eines französischen Botschafters in Rom. Bei den wichtigen Besprechungen über den Botschafterposten werde es sich um den ehemaligen Marine-, Finanz- und Kolonialminister Francois P i 6 tr y handeln.
„Frieden in Ehren."
Oie Würdigung des Abkommens in der englischen presse.
London, 18. April. (DNB.) Die Unterzeichnung des englisch-italienischen Abkommens in Rom wird von der gesamten englischen Presse als ein Ereignis von größter Bedeutung angesehen und dementsprechend in spaltenlangen Berichten und Leitartikeln gewürdigt. Bezeichnend für die allgemeine Aufnahme ist die Aeußerung eines Kabinettsmitgliedes gegenüber dem politischen Korrespondenten der „S u n d a y Time s", das dieses Abkommen begrüßt, weil nunmehr die Aussicht bestehe, daß die g l e i ch e M e t h o d e, die bei diesem Abkommen angewandt worden sei, auch s o n st mit Aussicht auf Erfolg angewandt werden könne.
Die der Regierung nahestehende Presse weist einmütig auf das Umfassende des Abkommens und den einwandfrei großen Erfolg Chamberlains hin. Die „Time s" erklärt, daß das Abkommen die Grundlage für die Wiederherstellung und Erhaltung der epglisch-italienischen Freundschaft lege.
Ulan habe tatsächlich eine Entspannung geschaffen, die den mittleren Osten, den nahen Osten und das Mittelmeer umfasse.
In chrem Leitartikel schreibt die „Times", daß den Reibungen, Verärgerungen und dem Mißtrauen ein Ende gesetzt worden sei, und es sei Hoffnung dafür gegeben, daß diese Beseitigung der Spannung sich überall auswirken werde, wie das Halifax erwartet habe. Dieser sei in seinem Vertrauen nicht weniger gerechtfertigt worden als Chamberlain, dessen gesundem Urteil es zu verdanken sei, daß eine Chance, welche die italienische Regierung geboten habe, prompt ergriffen worden sei. Jetzt sei nichts mehr vorhanden, was irgend eine Spannung im Mittelmeer rechtfertige. Das Blatt hebt sodann besonders hervor, daß der Vertrag Möglichkeiten für eine Revision vorsehe.
Ml dem Abkommen verwehe ein Nachhall des abessinischen Krieges. Nunmehr trennten Großbritannien und Italien keinerlei unversöhnliche materielle Frage mehr.
Der „Daily Telegraph" erklärt, daß einer
der wertvollsten Punkte des englisch-italienischen Abkommens die Tatsache sei, daß das ausschließliche Interesse Großbritanniens in Südarabien festgelegt wurde. Das Blatt meint dann, es sei zu erwarten, daß nunmehr Verhandlungen für ein französi - sich-italienisches Abkommen nachdem Muster des britisch-italienischen Vertrages folgen würden. Im Leitartikel erklärt das Blatt, daß mit Ausnahme der Gegner jeglicher Verständigung mit Italien das Abkommen mit tiefer Befriedigung und Erleichterung begrüßt werde. Es handele sich um einen ungewöhnlichen persönlichen Triumph für den Ministerpräsidenten und die Friedenspolitik direkter Verhandlungen, für die er sich trotz bitterer Opposition eingesetzt habe.
Das Abkommen bedeute eine umfassende Regelung aller Rieinungsverschiedenheiten zwischen den beiden Landern.
Als besonders befriedigend bezeichnet das Blatt sodann die Zusicherungen Italiens in bezug auf Spanien. Es fei im übrigen unmöglich zu behaupten, daß in Anerkennung der italienischen Oberhoheit in Aethiopien die Opferung irgendwelcher Grundsätze bedeute. Die Regelung verdiene daher die Bezeichnung eines „Fr ieöens in Ehre n". Es bestünde im übrigen nicht der geringste Grund, warum das Abkommen die guten Beziehungen ^zwischen Italien und Deutschland, oder zwischen Großbritannien und Frankreich trüben sollte.
Die „Daily Mail" erklärt, der Vertrag sei ein Triumph Chauberlains. Die große Aufgabe einer Befriedung Europas werde durch den Vertrag einen starken Anstoß erfahren. Die Zähigkeit des Premierministers und sein Realismus verdienten wärmstes Lob und den aufrichtigsten Dankseiner Landsleute.
Im Gegensatz zu diesen vositiven Pressestimmen ist die Opposition völlig ablehnend. Die Oppositionspresse bezeichnet ausnahmslos das Abkommen als einen „Verrat" Großbritanniens an seinen bisherigen Idealen, und bemüht sich, die Bedeutung der neuen Vereinbarungen herabzusetzen.
„Line neue Etappe des europäischen Ausbaues."
Kommentare der italienischen presse.
Rom, 18.April. (DNB.) Das englisch-italienische Abkommen steht am Sonntag im Mittelpunkt des Interesses der römischen Presse, die unter großen Überschriften den Wortlaut des Protokolls und der Zusatzbestimmungen sowie den Telegrammwechsel zwischen den beiden Regierungschefs veröffentlicht. Die Titelseiten der Blätter zeigen Bilder von Mussolini, Chamberlain, Graf Ciano und Lord Perth. In ihren ersten Kommentaren unterstreichen die Blätter übereinstimmend den grundlegenden Wert, der dem Abkommen nicht nur für Italien und England, sondern für ganz Europa und ^bamit für die ganze Welt als entscheidendem Friedenselement zukomme.
Der Direktor des halbamtlichen „Giornale d'Jtalia" erklärt in der Sonntagsau^gabe des Blattes, der 16. April 1938 werde zu den denk- würdigsten Tagen in der europäischen Geschichte zählen. „In Europa bildet sich klar neben der unanta ft baren Achse Rom — Berlin und den anderen Freundschaften Italiens, unter denen heute vor allem die mit Jugoslawien und Ja- pan erwähnt werden müsse, ein neues System der Interessen und geordneten Kräfte."
Die Beziehungen zwischen Italien und Großbritannien seien mit dem neuen Abkommen auf eine Basis völliger Gleichberechtigung ge- stellt worden, heute seien sich zwei Imperien im Geist und mit dem Willen zu einer gegenseitigen Zusammenarbeit begegnet. Alle Ursachen des Mißtrauens und des Gegensatzes seien ausgeschaltet und die Interessen der beiden Weltreiche auf neue Formen der Zusammenarbeit gerichtet worden.
Daraus ergebe sich die Grundlage eines neuen italienisch-englischen Übereinkommens und eines neuen Beitrages zum europäischen Frieden. Hin- sichtlich des Roten Meeres bringe das Abkommen vollkommene Gleichberechtigung der Positionen und Rechte Italiens und Großbritanniens. Ebenso seien wichtige, das Gleichgewicht im Mittelmeer und die imperiale Position Italiens betreffende Fragen im Protokoll und den Zusatzbestimmungen niedergelegt.
„Giornale d'Jtalia" betont ausdrücklich, daß das neue englisch-italienische Abkommen ein rein zweiseitiges Abkommen darstelle und jeder Bezugnahme ftuf die Genfer Liga, oder den Interessen anderer Mächte ausweiche und nur die Interessen und die Beziehungen zwischen Italien und England regele. Seine Dauer fei unbegrenzt und werde solange währen, als nicht von einem der beiden Teile ein Revisionsantrag erfolge.
„Politisch werden die vertrage sofort in Kraft treten", rechtlich hänge das Inkrafttreten von
der Zurückziehung der itatlenifchen Waffen und Freiwilligen aus Spanien und der formellen Anerkennung des italienischen Imperiums von Seiten Englands ab. Die Erfüllung dieser beiden Vorbedingungen mache rasche Fortschritte. Der spanische Krieg nähere sich seinem Ende, und das führe natürlich zu einer Demobilisierung der Streitkräfte.
In bezug auf die Anerkennung des italienischen Imperiums habe die englische Regierung schon in der letzten Woche die ersten Schritte in Genf unternommen. Die Atmosphäre, die sich in Europa gebildet habe, banne die Einwände der rechtelnden Opposition und entlarve die Absichten der letzten Widerstrebenden sanktionistischen Typs.
„L a d o r o Fascista" erklärt, daß die europäische Sphäre eine entscheidende Klärung erfahren habe. Das Abkommen setze den Schlußpunkt unter die stürmische Periode der europäischen Nachkriegszeit und kündige eine Zeit des friedlichen Gleichgewichts an. „Italien und Deutschland hoben mit eigenen Mitteln die schreiendsten Ungerechtigkeiten wiedergutgemacht, die die wahren Ursachen der Gleichgewichtsstörung zwischen den Mächten Europas waren und damit ein aufrichtiges Ueberein- fommen verhindert haben."
„Italien und Deutschland", so fährt das Blatt fort, „haben, ohne an den Besitz Dritter zu rühren, eine Stellung erlangt, die besser ihrer Riacht und Tüchtigkeit entspricht. Die Welt wird einstmals dem liefen Verantwortungsbewußt- fein, das RI u s s o t l n i und Hitler bei dieser Revision bewiesen haben, dankbar sein, ebenso wie sie Mussolini und Ehamber- l a i n für ihr großes Friedenswerk danken wird." Europa könne nur auf der Zusammenarbeit seiner großen nationalen und traditionellen Kultur aufgebaut werden, wobei jeder Hegemonieversuch als unmöglich und verfehlt betrachtet werden müsse.
„M e s f a g g e ro" betont den ausschließlich zweise i t i g en Charakter des englisch-italienischen Abkommens. Mit dieser Methode, die der Duce stets gegenüber der zweideutigen Prozedur Genfs empfohlen habe, könnten die Staaten zu jenen lieber» einkommen gelangen, von denen das Gleichgewicht Europas und damit der Frieden abhängt.
Die Achse Rom—Berlin erhalle durch diese Millelmeerabkommen einen neuen Wert, da die Achse, wie der Duce sie definiert habe, keine Scheidewand, sondern vielmehr einen Grundpfeiler darftetle, nm den herum die Zusammen
arbeit aller jener möglich sei, denen der Frieden und die Interessen der Kultur wirklich am Herzen lägen.
„Friede zwischen zwei Imperien", erklärt der Mailänder „Popolo d'Jtali a".Ein großes Abkommen der Zusammenarbeit und des Friedens sei zwischen zwei Imperien abgeschlossen worden. Während drei Jahren der Hochspannung hätte der schicksalsschwere Funke eines Konflikts zünden können, wenn sich nicht ein großer Staatsmann über alle Irrungen und Wirrnisse hinweg den klaren Blick bewahrt hätte. Heute bestätige man das koloniale Recht der europäischen Zivilisation. Die abessinische Frage werde auf den lokalen Rahmen zurückgeführt, so wie sie Italien seit dem Januar 1935 gemeinsam mit der britischen Regierung zu regeln gewünscht habe.'
Das italienische Imperium habe sich mit den Waffen durchgeseht, wie sich die anderen Imperien durch Eroberungen gebildet hätten.
Man müsse ritterlich das hohe Verdienst Chamberlains anerkennen, der mit Entschlossenheit die Verhandlungen eingeleitet habe. Die Tragweite des Abkommens reiche vomKantabrischenMeer bis zum Indischen Ozean. Die Bedeutung der Vereinbarungen gehe über die Kontinente hinweg, sei aber in erster Linie europäisch. Die Politik Italiens werde in ihren Grundlagen und in ihren Freundschaften dadurch n i ch t g e ä n d e r t.
„C o r r i e r e della Ser a" schreibt, mit dem neuen Uebereinfommen habe die englische Politik nichts anderes getan, als sich den mehr als einmal von Mussolini ausgesprochenen Standpunkt zu eigen zu machen. Nachdem man Italien als eine an drei Meeren liegende imperiale Macht anerkannt habe, leite sie daraus auch das Recht ab, jene so weit ausgedehnten Gebiete zu schützen. An Stelle einer Rivalität mit Großbritannien müsse eine gute Nachbarschaft und ein klares Verständnis für die gemeinsamen Interessen treten.
Mit aller Energie müsse darauf hingewiesen werden, daß die Achse Rom—Berlin intakt bleibe und sogar durch die neuen Vereinbarungen eine Verstärkung erhalte. Die italienisch-
deutsche Freundschaft habe nicht das geringste von den römischen Abmachungen zu fürchten.
Die TurineL»„S t a m p a" erklärt, wenn man jetzt zu einer so vollständigen und organischen Verständigung gekommen sei, so sei dies der geänderten Haltung des Foreign Office zu verdanken, das die Fragen hinsichtlich Aethiopiens und Spaniens als gelöst betrachte.
Arger in Mskau.
Moskau, 18. April. (DNB.) Der Abschluß des englisch-italienischenAbk o m mens wird von der sowjetrussischen Presse — wie nicht anders zu erwarten war — mit unverhohlenem 21 er g er verzeichnet. Die „Prawd a" macht sich in beleidigenden Ausfällen gegen England Luft, das eine „unrühmliche Rolle" gespielt habe. Die Tatsache, daß das neue Abkommen eine rein zweiseitige Angelegenheit ist, paßt den Sowjets absolut nicht in ihr außenpolitisches Ränkespiel, und die „Prawda" zieht denn auch verzweifelt alle Register ihrer Demagogie, um die Genfer Liga und die Fiktionen einer kollektiven Sicherheit in empfehlende Erinnerung zu bringen.
Die italienisch-japanische Freundschaft.
T o k i o , 18. April. (Oftasiendienst des DNB.) Das Flaggschiff der italienischen Asien flotte, der Kreuzer „M ontecuccolo", ist in Poko - Hama zu einem zehntägigen Besuch eingetroffen. Das italienische Schiff ist von der Bevölkerung Herz- lich empfangen worden.
Zur gleichen Zeit ist eine italienische Misst o n, die in den letzten vier Wochen in Japan em umfangreiches Besichtigungsprogramm durchgeführt hatte, nach Mandschukuo und N o r d ch i n a abgereist. Der Leiter der Mission, P a u l u c c i, kündigte bei der Abreise an, daß demnächst eine italienische Wirtschaftsmission zum Besuche Japans, Mandschukuos und Nordchinas eintreffen werde.
Amnestie in der Tschechoslowakei.
Sudetendeutsche Stellungnahme: Erforschung der Ursachen dringend erforderlich.
Prag, 16. April. (DNB.) Staatspräsident Dr. B e n e s ch hat eine A rn n e st i e erlassen, die durch eine Entscheidung der Regierung ergänzt wird, wonach auch alle Polizeistrafen wegen politischer Delikte erlassen werden. Die Amnestie bezieht sich nahezu auf alle Schutzgesetzdelikte, mit Ausnahme der schwersten, die „Anschläge gegen die Republik", „Militärverrat" usw. Die Amnestie bezieht sich ferner auch auf Vorbereitung von Anschlägen gegen die Republik, mit Ausnahme jener Fälle, in denen zu Anschlägen gegen die Republik „bewaffnete oder Hilfskräfte gesammelt wurden". Sie bezieht sich weiter auf „fahrlässigen Militärverrat", auf „Gewalt gegen verfassungsmäßige Faktoren", „Beleidigung des Präsidenten der Republik", „Störung des allgemeinen Friedens", „Aufforderung zur Nichterfüllung. gesetzlicher Verpflichtungen", „Geheimbünde, lei", „Verbreitung unwahrer Nachrichten", „grobe Ungehörigkeit, unerlaubte Berichterstattung und Be- droyung der Verteidigung der Republik", sowie Nichtanzeige von Hochverrat und Spionage. Zum erstenmal erfolgte auch eine Amnestie nach § 176 des Staatsver- teidigungsaesetzes (unerlaubte Anwerbung von Militär). Die Amnestie erstreckt sich weiter auf Übertretungen nach dem Vereins- und Verfammlunvs- aesetz, dem Terror- und dem Pressegesetz. Die. Amnestie bezieht sich nicht auf Personen, die „aus feindseliger Gesinnung gegen die Tschechoslowakei" das Staatsgebiet verlassen haben.
-Die „Sudetendeutschen Pressebriefe" veröffentlichen dazu ein Gespräch mit dem Leiter des Amtes
für rechtspolitische Kontrolle der Sudetendeutschen Partei, Neuwirth, in dem dieser u. a. erklärt: „Wenn wir es heute vermeiden, durch Erörterungen grundsätzlicher Art einen Mißklang in die Öfter« ftimmung zu bringen, so dürfen aus diesem unserem Verhalten keine falschen Schlüsse gezogen werden. Es darf vielmehr angedeutet werden, oaß jedes Mittel durch allzuhäufige Anwendung sich a b ft u m p f t, oder anders gesprochen, daß mit Symptom- kuren noch kein Kranker dauernd geheilt worden ist. Es wird also notwendig sein, nach den Oster- tagen im verstärkten Maße nach den Ursachen eines solchen Zustandes zu suchen, der jene Häufung von Urteilen und damit eine Belastung der Justiz, aber auch der öffentlichen Meinung im Staate und der innerpolitischen Verhältnisse gebracht hat. Es ist einfach Tatsache, daß die Lage so unerträglich geworden war, daß wieder die Gnade des Präsidenten als letzter verfassungsmäßiger Ausweg gewählt werden muhte. Wem an einer ehrlichen Befriedung der Volksgruppen im Staate gelegen ist, wird sich der notwendigen Erforschung der Ursachen und darüber hinaus der notwendigen Maßnahmen nicht verschließen können, die nur darauf hinauslaufen können, ein faktisches System z u ändern, das in seinen Auswirkungen von der deutschen Bevölkerung im Staate unendlich schwer getragen wurde und das sich vor allem als fruchtlos und zwecklos erwiesen hat."
Oer neue Kurs m Rumänien, f
Regierung gegen Eiserne Garde.
Bukarest, 18.April. (DNB.) Das Innenministerium übergab der rumänischen Presse zahlreiche beschlagnahmte, die Eiserne Garde Codreanus belastende Dokumente zur Veröffentlichung. Darunter befindet sich ein Rundschreiben Codreanus an die Befehlshaber der Eisernen Garde. Codreanu erklärt darin, die Absicht gehabt zu haben, jede Tätigkeit der Eisernen Garde für eine gewisse Zeit einzustellen und unterdes im Auslande am zweiten Teil seines Buches „Für die Legionäre" zu arbeiten. Seine Anhänger hätten üon ihm jedoch die Fortsetzung des Kampfes verlangt. Sie hätten ihn ersucht, jene, die den Kops Codreanus forderten, $u beseitigen und unter Einsatz selbst des Lebens die Bildung einer liberalen Regierung im Rahmen der gegenwärtigen Verfassung zu verhindern. Codreanu habe daraufhin entschieden, daß die Partei „Alles für das Land", unter der die Bewegung in letzter Zeit nach außen hin aufgetreten sei, zwar aufgelöst bleibe, daß aber die Legionen der Eisernen Garde bestehen bleiben. Codreanu selbst habe nicht mehr ins Ausland fahren, sondern den Kamps fortsetzen wollen.
Ein in der Bukowina aufgefundenes Rundschreiben fordere die Legionäre auf, sich Uniformen zu beschaffen und auf den Befehl zu einem Marsch auf Bukarest zu warten, da die Stunde des Sieges nahe. In Siebenbürgen sei ein Befehl der Leitung der Eisernen Garde beschlagnahmt worden, demzufolge alle Legionäre aufzufordern seien, sich für den Beginn des bevorstehenden Kampfes eidlich zu verpflichten, Codreanu unter Hintansetzung von Out und Leben Gefolgschaft zu leisten. Berichte von Verwaltungsbehörden an die Regierung besagten, daß Codreanu an feine Anhänger Rundschreiben versandte, in denen er schwere Anschuldigungen gegen den Ministerpräsidenten Christea und den gewesenen Ministerpräsidenten und Staatsminister Professor I o r g a erhebt. Andere be» schlagnahmte Rundschreiben befehlen den fiegio» nären, sich Waffen zu beschaffen und fordern zum A u f ft a n b auf.
Der Innenminister hat die große Bukarester nationale Zeitung „Curentul" und die ebenfalls in Bukarest erscheinende Zeitung „Buna Vestire" für unbestimmte Zeit und ohne Angabe von Gründen verboten. „Buna Vestire" galt noch mehr als der „Curentul" als Sprachrohr der Eisernen Garde Codreanus, was aber bei der strengen Pressezenfur
seit Inkrafttreten der neuen Verfassung kaum noch zum Ausdruck kommen konnte.
In Verbindung mit den Maßnahmen gegen dis Eiserne Garde teilt die Regierung in einer amtlichen Verlautbarung mit, daß bei verschiedenen Anhängern der ehemaligen Partei „Alles für das Land", in welcher Form die Eiserne Garde in letzter Zeit nach außen hin tätig gewesen sei, Maschinengewehre, M i l i t ä rg e w e h ra und Papierböller gefunden worden seien. Die Art der Waffen zeige, daß es sich nicht um Waffen zum Zwecke des persönlichen Schuhes ihrer Besitzer handele. Auf Grund dieser Funde habe das Innenministerium Haussuchungen bei allen führenden Mitgliedern der Eisernen Garde angeordnet. Diese Haussuchungen seien am Samstag ohne Zwischenfall durchgeführt worden. Sie hätten den Verdacht der Regierung gegen die Absichten dieser Bewegung bestätigt. Sämtliche Personen, bei denen Waffen und umstürzlerische Werbeschriften gefunden worden seien, seien verhaftet worden. Die Regierung erwäge gegenwärtig Maßnahmen gegen die Urheber dieser Bewegung.
Die Verlautbarung unterstreicht am Schluß, daß die Bewegung über einen Kreis berufsmäßiger Aufwiegler nicht hinausgegangen fei und die Massen der Bevölkerung ihr völlig ferngestanden hätten.
Dem ehemaligen Heeresminister General A n • t o n e f c u , dem man gewisse Beziehungen zu einigen Mitgliedern der Eisernen Garde nachsagt, wurde vorn gegenwärtigen Heeresminister ein Urlaub von 30 Tagen gewährt, um sich ins Ausland begeben zu können.
Mehrere Beamte und Angestellte der Bukarester Straßenbahngesellschaft wurden wegen ungesetzlicher Tätigkeit für die Eiserne Garde entlassen.
Deutsches Lustrecht in Oesterreich.
Berlin, 16. April. (DNB.) Der Reichsminister der Luftfahrt und Oberbefehlshaber der Luftwaffe hat im Einvernehmen mit dem Reichsminister des Inneren eine Verordnung über die Einführung d e s deutschen Lustrechtes in Oesterreich vollzogen, die am 1. April 1938 im Reichsgesetzblatt verkündet worden ist. Danach sind das Luftverkehrsgesetz und die Verordnung über Luftverkehr sowie die Verordnungen über den Reichswetterdienst in Oesterreich als geltendes Recht eingeführt. Gleichzeitig wurde das L u f t a m t Wien errichtet, dessen Zuständigkeitsbereich das ganze Land Oesterreich umfaßt.


