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Nr. 270 Zweiter Blatt
Britische Kolonialgreuel.
Die blutigen Grenzkämpfe an der Norüwestecke Indiens, in W a zi r i st a n , der Ausrottungsseld- zug gegen die P a l ä st i n a - Araber, die Greuel aus Jamaika, die im letzten Sommer englische Zeitungen zu dem Eingeständnis zwangen, die englische Kolonialpolitik sei erbarmungslos, blutig und verrucht, haben diese nicht davon abgehalten, sich heuchlerisch und moralisierend über das Schicksal der Juden in Deutschland zu erregen, die nicht von Deutschen erschossen, deren Wohnungen nicht in die Luft gesprengt, deren Eigentum nicht kon- slsziert, kurz, die nicht nach bekanntem englischen Rezept behandelt wurden, obgleich sie draußen in der Welt den Vernichtungskrieg gegen alles Deutsche predigen. Britische Heuchelei hat 1862 im amerikanischen Bürgerkrieg der General der Nordamerikaner, Benjamin Franklin Butler mit folgenden Worten zurückgewiesen: „Ich hätte euch mit den Annehmlichkeiten der britischen Zivilisation regulieren können, ohne dabei das allgemein geltende Völkerrecht zu verletzen. Eure Häuser hätten unterschiedslos geplündert werden können und eure Kunstschätze fortgeschafft, eure Söhne hätten als Rebellen gleich. den Sepoys von den Mündungen der britischen Kanonen sortgeblasen werden können. Und doch würde dies alles sich innerhalb der Regeln für zivilisierte Kriegsführung gehalten haben, wie sie von her geschliffensten und heuchlerischsten Nation Europas beobachtet werden ..."
Die ganze Welt ist voll der britischen Kolonialgreuel, aus der gewaltigen Blütenlese wollen wir nur einige Stimmen von — Engländern an- sühren, die diesen blutigen Imperialismus niedriger hängten.
Die Zustände in W e st a u st r a l i e n, die zur Ausrottung der Eingeborenen führten, sind am 9. Mai 1905 von Lord Landsgowne im englischen Oberhaus dahin gekennzeichnet worden: „Ich habe mit einem Gefühl tiefster Entrüstung und mit einem tiefen Gefühl von Scham diesen Bericht gelesen, weil wir immer geglaubt hatten, solche Mißbräuche seien im britischen Reich seltener ... Eine her beschämendsten Folgen der in Australien vorgekommenen Dinge ist, daß unsere Vorwürfe in Zukunft einen großen Teil der Autorität einbützen, die sie bisher besaßen." In einem Brief vom April 1904 an die „Times" heißt es: „In Vic- loria, in Südaustralien mit Ausnahme des nördlichsten Gebiets, und in Neusüdwales sind die Eingeborenen fast sämtlich durch die Zivilisation ausgerottet worden." Nach amtlichen englischen Quellen »estand in Queensland noch bis in die neueste Zeit Kinderhandel. Die eingeborenen Australier in Tasmanien wurden von 1823 bis 1876 vollständig aus- zerottet. Der französische Geograph Elisee Reclus berichtet darüber, wie z. B. am 28. Dezember 1828 die wie wilde Tiere gehetzten letzten Eingeborenen cm äußersten Punkt eines Vorgebirges eingefangen mtb dann niedergemacht wurden. Der englische Schriftsteller I. Highz beschreibt in seinem Werk /The English as a Colonising Nation“: „Es war i unter der Verwaltung des 1823 ernannten Gouverneurs Arthur, daß die Eingeborenen von der Ir Hasel verjagt wurden. Die Soldaten und Ansiedler Meten eine Treiberkette, die sich fast über die xanze Insel erstreckte. Nach zweimonatigem Marsch tegegneten sich die beiden Flügel und fanden keinen einzigen Eingeborenen mehr vor sich." 1876 hie letzte Tasmanierin, die Königin Jruganina, von । len Engländern Lallah Rookh genannt.
Und nun Afrika! Nach der Schlacht bei Orn- iurman gegen den Madhi 1898 ließ General il 5 itchener , wie Ernest E. Bennet in der „Con- V mporari) Review" Nr. 397 belichtet, Wehrlose, trauen und Kinder niederschießen. Mister Winston shurchill nannte die Behandlung des toten Madhi, tossen Grabmal zerstört und dessen Körper in den Ml geworfen wurde, „Vandalismus und Wahn- t-nn< Bekannt ist der englische Justizmord in Aegypten, wo am 25. Juni vier Fellachen in Ehyu- trnöa gehängt, andere zu öffentlicher Auspeitschung isrurteilt wurden. Die Urteile wurden vollstreckt und brachten die nationalistische Presse Aegyptens
Gießener Konzeriverein.
Erstes Orchesterkonzert.
Wann und wo auch immer Maria Neuß vor itie Hörer tritt, stets wird sie ihres Erfolges gewiß jein; denn die vergangenen Jahre haben bei ihr einer steil aufsteigenden Entwicklungslime geführt. । Wenn ein Geiger ein Mozart-Konzert erwählt, si kann dieses Werk einmal an der Stelle seiner ! Vvtwicklung stehen, wo seine instrumentalen rzahig- fiiten und geistigen Kräfte den Anforderungen be. Berkes zu entsprechen vermögen; andererseits aber sehen wir oft, daß Künstler auf der Höhe der Reife ebenfalls für Mozart eintreten, well sie nun nach : d:m erfolgreichen Studium der höchsten geigerischen Aufgaben jetzt für Mozart einen Blickpunkt errungen hrben, der ihnen ein Durchdringen des Werkes nach jeder Richtung hin und damit eine erschöpfende durchgeistigte Wiedergabe ermöglicht. Hier steht fetzt $:aria Neuß. Ws sie vor drei Jahren das äußerst l'Äwierige Violinkonzert von Brahms m so nef- ; giundiger Nachschafsung durchführte, da wußte ' Iran, daß die Künstlerin einen Hochstand erreicht hüte, von dem sie nyn das reiche Gebiet der Geigen- li-eratur mit Eigenem, Persönlichem erfüllen konnte.
Das bestätigte vollauf ihre diesmalige Wiedergabe von Mozarts ^-llur-Konzert. Schon, wie sie ; drs Adagio als etwas Besonderes herausgestaltete, gsprächhaft, menschlich verbunden mit dem Inst ument, ließ erkennen, daß hinter dem klanglichen $nlb die Persönlichkeit mitschwcmg. Wie sie dann des Hauptthema übernahm mit perlender, gestochen tnrer Technik und dennoch gerundetem Ton, der il E=inften Nuance nachgehend und immer wieder auf a d'N inneren Kern des Werkes vorstoßend, das war cm Sich-Entwickeln, ein Ausbreiten bis zum Gipfel Wä r Kadenz hin, die sie in höchster^geigerischer Ent- Wscktung erscheinen ließ, ein wechselseitiges Sicher Luf schließen zwischen Instrument und Künstlerin.
AM Innigkeit und mit der Schönheit einer vom Mufften Fühlen bewegten Stimme schwebte das | ioagio mit feiner Gliederung des Verzierungs- I bsrkes durch den Raum, die nur genießen ließ.
Finäle wurde mit seinem Menuett-Thema zu kener schöngeistigen Konversation int Lichte der k? ^gestreuten Gegengedanken. Der Moll-Zwischen- | lc9 nn Finale war temperamentvoll durchglüht bet Ils2.etn ^insinnigen Eingehen auf die Uebergänge. , I Erfolg, der höchste Erwartungen nicht nur rest- erfüllte, ja, sie sogar noch übertraf. Maßgeblichen WMenden Anteil an diesem Gelingen trug das J Luchester mit seinem seinen Anpassungsvermögen
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheften)
Freitag, 1«. November (038
in Bewegung. Die zahlreichen Zerstörungen von Eingeborenenhütten und die Tötung von Eingeborenen in Mittel- und Zentralafrika bis in die neueste Seit, find allzu zahlreich, als daß wir sie- hier nach englischen Quellen einzeln aufführen könnten. Nach der Besetzung von Ostafrika durch die Engländer war, wie die englische Zeitung „West Aftica" berichtet, die Einfuhr „ungeheurer Mengen von vergiftetem Rum und Gin" geradezu eine englische Kolonisierungsmethode, durch die die Eingeborenen schnell verkamen. Das ist auch heute noch so.
■ Heber die Behandlung der Buren frauen und Kinder, die, 74 000 an der Zahl, in enalischen Camps verkamen und verhungerten, — bald stieg ihre Zahl auf 105 000 an! — und über die Ermordung der noch in Freiheit Befindlichen durch englische Soldaten und Eingeborene berichtet fein anderer als der bekannte General I. C. S m u t s in einem Bericht vom Januar 1902 an den Präsidenten Krüger. Er nennt darin die Truppen des Generals French „Mordbanden". Das Niederbrennen der Burenhäuser war eine schon damals angewandte Taktik der Briten. Das Buch der Engländerin E. Hobhouse, „The Brunt of War“, das 1902 erschien, ist eine einzige flammende Anklage gegen die englischen Greuel und bringt unzählige dokumentarische
Nachweise. Die Chinesen greüel in Südafrika, die massenhafte Ermordung der, wie der englische Bischof Hereford in den Times vom 5. September 1905 schrieb, „50 000 Sklaven auf dem Boden unserer schönen Kolonie Transvaal", führte schließlich dazu, daß die letzten chinesischen Kulis Anfang 1910 abtransportiert werden mußten. Als sich 1905 die Eingeborenen der Provinz Natal gegen die englische Kopfsteuer erhoben, wurden, wie ein dem Unterhaus vorgelegtes Blaubuch berichtet, die Kraale und Dörfer niedergebrannt: der Oberst Mackenzie berichtet: „Ich setzte den Hauptteil des Tales (in dem sich der Häuptting Nathioeli verschanzt hatte) unter leichtes Artilleriefeuer, und darauf ordnete ich die Jagd auf d i-e Eingeborenen an. Diese Jagd gelang auf das beste, denn 574 Rebellen blieb tot liegen. Unsererseits keine Verluste", und noch am 16. Mai 1906 sagte die „London Tribüne": „Der Sport der Einäscherung der Kraale in Natal wird fortgesetzt werden, ohne daß das Kolonialamt eingreift", während die „Daily Mall" sich darüber entrüstete, daß man bei Abbruch der englischen Läger „Gefangene einfach niederschoß".
Die englischen Greuel in Indien und bet den Aufständen auf Ceylon können bis in die neueste Zeit nicht einzeln angeführt werden. Es genüge das
Zitat aus William Jennings Bryans Buch „Die englische Herrschaft in Indien": ... „Am Ganges und Indus hat der Brite trotz feiner vielen guten Eigenschaften und seiner Beiträge zum Fortschritt der Welt menschliche Unfähiakeit erwiesen ... Während er sich gerühmt hat, den Lebenden den Frieden zu bringen, hat er Millionen zu Grabe geleitet; während er die Ordnung hervorhebt, die er geschaffen hat unter den streitenden Völkern, hat er das Land durch legalisierte Plünderung ausgesogen. Plünderung ist ein hartes Wort, aber kein Drehen und Deuteln kann das gegenwärtige System feiner Schändlichkeit entkleiden. Wie lange wird es dauern, bis das geschärfte Wissen des christlichen englischen Volkes das Flehen verstehen wird, das von dem gefesselten Indien aufsteigt." Von Lord Hastings, dessen Nieder- metzelung harmloser Hindus zu einer fulminanten, aber erfolglosen Unterhausanklage führte, bis zu den englischen Greueln von Amritsar ist die Herrschaft der Briten auch in Indien eine Kette von Untaten gewesen, über die Englands Öffentlichkeit sich aus- schweigt. Nur wenn in Deutschland sich die Oeffent- lichkeit durchaus legal gegen den jüdischen Weltfeind wendet, entdeckt man auf der britischen Insel fein mimosenzartes Gewissen ...
Tatsachen gegen „Informationen"
Oie staatlichen Führungsmittel in der Geptemberkrisis.
presse und Rundfunk in Front.
Berlin, 17.Nov. (DNB.) Der „Deutsche Dienst" macht die Ereignisse des Monats September mit all seinen Spannungen und historischen Entwicklungen zum Gegenstand einer Betrachtung und weist erneut auf die grundsätzlichen Unterschiede zwischen der verantwortungsbewußten, sicheren Nachrichtenpolitik des Reiches und dem ost recht vagen, lediglich aus Gerüchten aufgebauten deutschfein d- lichen Zweckmeldungen gewisser Kreise des Auslandes hin. In dem Artikel heißt es:
Die Ereignisse des Monats September d.J. stellten der deutschen Presse und dem deutschen Rundfunk Aufgaben von einer Bedeutung und einem Umfang wie nie zuvor. Beide hatten in einer besonders spannenden, teilweise sehr kritischen Situation Europas einen Aufklürungssteldzug zu führen, wie er noch niemals zuvor geführt wurde. Die Bedingungen, unter denen Presse und Rundfunk in Deutschland in diesen Wochen zu arbeiten Ratten, waren besonders schwierig und gänzlich verschieden von denen, unter denen Presse und Rundfunk anderer Länder zu arbeiten pflegen.
Auf der einen Seite stand die Aufgabe, gegenüber der Presse und dem Rundfunk der anderen Länder konkurrenzfähig zu bleiben, die Schnelligkeit und Sch lagkraft der Nachrichtenübermittlung also nicht leiden zu lassen, auf der anderen aber mußten sie taktische Rücksichten und Notwendigkeiten der Staatsführung während der einzelnen Verhandlungsabschnitte zwischen Deutschland -und den Westmächten berücksichtigen und durften nicht durch unzeitgemäße Veröffentlichungen oder durch leichtsinnige Formulierungen die Außenpolitik des Reiches gefährden oder beeinträchtigen.
Deutschland war in den Wochen der Krise von einem ganzen Netz von Rundfunksendern umringt, die es daraus anlegten, das deutsche Volk zu verwirren und eine Gerüchtebildung größten Ausmaßes hervorzurufen, um dadurch Einigkeit, Zuversicht und Zukunftsglauben des deutschen Volkes zu lähmen. Zu den deutschsprachigen Sendern Straßburg, Luxemburg, Beromünster, Prag II und Mährisch-Ostrau trat in diesen Wochen eine ganze Reihe von englischen und französischen Sendern, die plötzlich ebenfalls Nachrichtensendungen in
deutscher Sprache veranstalteten, deren Zweck und Ziel nicht gerade die objektive Unterrichtung der deutschen Oeffentlichkeit war. Deutschfeind- lichen Auslandszeitungen kann man notfalls die Einfuhr über die Reichsgrenzen verweigern, wenn sie Deutschland beleidigen und gegen Deutschland schüren und Hetzen, damit sie nicht noch obendrein aus dem Zeitungsverkaüf in Deutschland
Nutzen ziehen. Den Aecherwellen kann man den deutschen Luftraum nicht verschließen. Hier hilft nur eine geschickte und der rechtlichen Denkweise des deutschen Volkes Rechnung tragende Gegenwehr. Der deutsche Rundfunk beschränkte sich aber nicht nur auf die Abwehr, sondern ging zum Gegenangriff über, und zwar mit großem Erfolg.
Erfolgreiche Gegenaktion des deutschen Rundfunks.
Zunächst wurden über den Reichssen - der Dien tschechische und slowakische, später auch ukrainische Sendungen veranstaltet, die an besonders kritischen Tagen auch von den Sendern Leipzig und Breslau Übernommen wurden. 3n den Tagen, als die doktrinäreu Demokratien in der Welt darangingen, eine k r i e g s f ch u l d l ü g e zu konstruieren, und mit der erlogenen Behauptung, Deutschland habe in Godesberg ganz neue Forderungen aufgestellt, die weit über die Berchtesgadener Vereinbarungen hinausgingen, die ganze Welt gegen Deutschland aufzubringen versuchten, da war für den Rundfunk die Aufgabe von selbst gegeben, dieser Stimmungsmache mit allen Mitteln in der well entgegen- zutrelen und insbesondere der Bevölkerung in England und Frankreich Gelegenheit zu geben, sich anhand der wah- ren Vorgänge selbst ein Bild zu machen. So wurden über Hamburg und Köln englische, über Stuttgart, Frankfurt, Saarbrücken und Köln französische Nachrichtensendungen veranstaltet, deren Erfolg sich sehr schnell durch das Einlenken des Nachrichtendienstes gewisser französischer Sender zeigte. Der deutsche Kurzwellensender hatte wie immer die Aufgabe, in den großen Weltsprachen die anderen Erdteile mit Nachrichten zu bedienen.
Während in- den ersten Tagen die fteriotypen Prager Meldungen, daß in der Tschecho-Slowakei
alles ruhig sei, geglaubt und gebracht wurden, hörte das auf, als ihnen zwei Tatsachen gegenübergestellt werden konnten: Einmal die B e r i ch te von Ausländskorrespondenten in Deutschland, die Flüchtlingslager besucht hatten und aus den Schicksalen dieser Flüchtlinge erfuhren, wie es um diese Ruhe in Wirklichkeit aussah. Zum anderen aber die Tatsache, daß in Präg die Ausländskorrespondenten im Zeichen der demokratischen Pressefreiheit u n t e r staatliche Zensur gestellt worden waren, man ihnen das Telephon ab» geschni11en und ihnen Reisen in die sudetendeutschen Gebiete unmöglich gemacht hatte, während das autoritäre Deutschland den Auslands- journaliften jede freie Bewegungsfreiheit im Grenzgebiet anbot und es sogar Prager Ausländskorrespondenten ermöglichte, durch Bereitstellung besonderer Telephonleitungen von deutschen Grenzstellen aus ihre Berichte unzensiert und unkontrolliert an ihre Zeitungen zu geben.
Es ist selbstverständlich, daß die deutsche Presse ebenso wie der deutsche Rundfunk sich während der
Heute beginnen wir in den Familienblättern mit dem Abdruck unseres neuen Romans Der kerzelmacher von Sankt Stephan von Alfons von Czibulka. Der mit dem Münchener Dichterpreis ausgezeichnete österreichische Erzähler hat mit dieser heiteren, anmutig und abenteuerlich bewegten Wiener Liebesgeschichte aus der Zeit Maria Theresias ein Meisterstück geschaffen, das der herzlichen Zustimmung des Lesers gewiß fein darf.
und dem organischen Zusammengehen, mit der
Solistin.
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Hans Pfitznevs „Scherzo" wurde der Veranstaltung ein bedeutungsvolles Vorzeichen. Dieses eingängige Werk war von starkem Musizierwillen getragen, in seiner Thematik äußerst klar herausgearbeitet, reizvoll im Wechsellicht der einzelnen Jnstrumentengruppen, mit tonschönen Bindungen der Holzbläser im Trio und dem zu stärkster dynamischer Abstufung fähigen Streicherchor (Trillev- crescendo) und der akzentbereiten Pauke.
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Mit der B-m oll-Symphonie von Johannes Brahms erwies sich das Orchester als ein Klangkörper, der dem Willen des Dirigenten Prof. Dr. Stefan Temesvary bis zum Letzten zu folgen vermochte und so ein ideales Klangwerden gewährleistete. Prof. Temesvary ließ den ersten Satz zügig erwachsen; dem Grundthema gab er die ihm eigentümliche innere Erfülltheit und ließ die umspielenden Gegenstimmen in ihrem Eigenwert heraustreten. Die Momente der Versonnenheit ließ er in ihrem leisen Erschauern durchbeben, meißelte aber wiederum mit Energie den Rhythmus mit scharfem Profil heraus und verlieh ebenso der melodischen Linie weites Ausschwingen. Der Uebergäng zur Wiederkehr der Themen ließ den Pulsschlag des Werkes erfühlen. Bei allem Eingehen auf die Einzelsituationen war dennoch dem Ganzen der einheitliche Zug zu eigen, der mit gerichteter Bestimmtheit zum Höhepunkt der Coda hinzielte.
Das Andante, verheißungsvoll erschlossen durch das Eingangstor der Bläser, war ein Nachleben im lyrischen Sich-Entfalten bei besonderer Klangschön- Iieit der Streichergruppe (die Celli bei der ersten Einführung des Gegenthemas, die gesamten Streicher bei seiner Wiederkehr in klanglichem Ausgleich unb intensivster Ausdruckskraft); Holzbläser und Hörner, besonders aber die Klarinette als Thementräger zeigten sich in hohen Eigenwerten. Das Scherzo gab sich mit Urwüchsigkeit und rnayiv knorriger Gegenständlichkeit. Den besinnlichen Episoden folgte das Orchester mit Einsatz modulations- sähiger Klanggebung und inneren Dabeiseins.
^ür den Dirigenten ist die Variationenabfolge im Finale ein besonderes Problem, denn über dem Einehen und dem Nachspüren der einzelnen Durchbildungen des Themas kann leicht die Ueberfchau über den Gesamtaufbau in den Hintergrund treten. Prof Temesväry belebte das Ganze mit emem zwingenden Ang, ja es schien, als wäre das ständig wicderkestrende Thema,für 'h^das bcwnderc Bindeglied, das mit lebem Erscheinen auss Neue den
ganzen Aufbau festigte und verknüpfte. Die ständig neuen Einzelentwicklungen wurden so zur sinngemäßen Entwicklungsbasis für die folgenden. Jede Einzelgruppe erschien nicht nur allein thematisches Gebilde für sich, sondern wurde in als im Stimmungsgehalt und in ihrer Tiefgründigkeit auf das Ganze hin ausgerichtet und dennoch in ihrem eigenen Wert zu stark packender, ja erschütternder Auswirkung geführt. Stellenweise erhob sich der Satz zu stärkster dramatischer Kraft, dann aber wieder in tiefster Verinnerlichung der letzten Weite der seelischen Regung nachspürend und in der Coda mit ihren ausladenden Klangballungen machtvoll, ja gigantisch aushallend. Ein äußerst herzlicher BeifM dankte den Ausführenden. Dr. Hermann Hering.
Gloria-palast: „Stärker als die Liebe"
Der Film ist nach Skowronneks Roman „Die beiden Wildtauben" gedreht — das Buch schrieben O. E. Hesse, Josef Dal mann, C. und T. Echtermeier — und spielt in einem der weiten Wasser- und Waldreviere Ostpreußens: eine Förster-, Wilderer- und Liebesgeschichte, die nach Art eines Volksstückes mit der Schilderung eines ländlichen Schützenfestes breit und bedächtig einsetzt, um sich allmählich zu handfesten Konflikten und dramatischer Spannung zu steigern. Im Revier des Oberförsters Mierau treibt seit langem ein Wilderer sein Unwesen, ohne daß es gelingt, dem Kerl, der auch vor einem Angriff auf den Förster nicht zurückfchreckt, auf die >Spur zu kommen, — bis die älteste Försterstochter eines Tages beim Gutsinspektor, den sie liebt und mit dem sie sich heimlicherweise trifft, ein zusammenlegbares Gewehr findet. Eine schreckliche Entdeckung; aber die Erkenntnis, daß sie ihre Liebe einem Schütten geschenkt hat, der auf ihren Vater geschossen und sie überdies schmählich betrogen hat, besiegelt das Schicksal des Wilderers, der, von den Forstleuten eingekreist, im Moor ein gräßliches Ende findet. Unter der Regie von Joe Stöckel sind eine Reihe tüchtiger Darsteller am Werk, vor allem Wegener, der im herzhaften, heimatlichen Ostpreußisch einen, prächtigen, kernigen Oberförster spielt, dann Leny M a - renbach und Karin Har dt, die beiden „Wildtauben", und als Gegentypen Joan P e t r o v i ch , der romantisch-schuftige Wilderer, und Paul Rich- t e r. Eduard Wesener (früher in Gießen), Friedl Haerlin, Friedrich Ulmer und Eugen Rex wirken in kleineren Aufgaben mit. — (Märkische- Panorama-Schneider.)
Das Beiprogramm brinat einen Kulturfilm, die Wochenschau, einen Vorspann zum „Konzert in Tirol" und auf der Bühne ein akrobcüisches Tanz» paar, dessen Leistungen großen Beifall fanden.
Hans Thyriot.
Zeitschriften.
— „Das Innexe R e i ch." (Herausgeber Paul Alverdes. Verlag Albert Langen / Georg Müller, München.) — Das November-Heft beginnt mit dem Leitaufsatz „Tage der Heimkehr" von Bruno Brehm, den ersten Oktobertagen dieses Jahres gewidmet. Lebendige Kraft der Vergangenheit spüren wir aus den hervorragend wiedergegebenen antiken Spiegeln mit dem Begleittext Fritz Endells, aus dem Traumgespräch Martin Raschkes, der Neuübertragung L. Woldes aus Aischylos' „Persern", dem Asklepios- Gedicht Fritz Diettrichs. Germanische Vergangenheit wird lebendig in der Theoderich-Darstellung Wilhelm Schäfers. Nehmen mir dazu die ahnenbewußte Erzählung „Gedenken" von Agnes Miegel und die Deutung ihres Lebenswerkes durch Conrad Wandrey, die Jugenderinnerungen Leopold Webers, die kleine Anthologie rumänischer Volkslieder und die Umschau mit Bücherbesprechungen, so haben wir ein Heft von einer bunten Fülle und Vielfalt.
— Hans Memling, der Meister von Brügge, wird in der neuen ,^Jllustrirten Zeitung Leipzig" in Bild und Wort gewürdigt. — Ein anderer Beitrag zeigt die wiederhergestellte Feste Marienberg in Würzburg. — „Ran an den Feind!" betitelt sich ein Bildbericht über die deutschen Torpedoboote. Eine farbige Kunstbeilage „Westafrikanische Landschaft" leitet über zu dem Beitrag „Mit Zopf und Metallringen", der vom Leben der Massai in Deutsch-Ostafrika berichtet. Nach den deutschen Kolonien führt auch der Beitrag „Die Reichspost in den deutschen Kolonien".
Hochschulnachrichten.
Der o. Professor Dr. Friedrich Wilhelm Schmidt von der Universität M ü n st e r wurde in gleicher Dienfteigenschaft an die Universität Berlin berufen. 1922 erhielt er in Halle einen Lehrauftrag für Geschichte der Theologie und Religionsphilosophie. Vier Jahre später erfolgte seine Ernennung zum nb. ao. Professor und 1927 seine Berufung nach Münster i. W. auf den Lehrstuhl der systematischen Theologie, als Nachfolger von Professor Mehrung.


