Nr. 164 vierter Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)
16./l7.)uliM8
9 l iX * r I:
MM
,7: '
UW M
1"
<1
1
D
W
.1 >
Urlaubsstimmung lacht aus allen Fenstern. (Uns gehört die Welt!)
Rasch eine kleine Erfrischung, bevor der Zug weiterfährt.
liche Entdeckung!
Urlaubsreisende im Gießener Bahnhof in Erwartung chres Zuges.
aufgestauten dranges. —
punkt al) und für Zeit verloren. —
Die Minuten, da die Koffer gepackt find, da es „losgeht", gehören mit zu den schönsten des ganzen Jahres. Mit einer gewissen Andacht werden der Haupthahn der Gasleitung und sämtliche Wasserhähne zugedreht: mit Bewußtsein wird verschlossen, was verschlossen werden muß. Die Roll- oder Fensterläden werden geschlossen (was falsch und
So ist auch unser Gießener Bahnhof gegenwärtig und in dieser Reisezeit der Startplatz der Glücklichen, die in Urlaub fahren. Da bietet sich nun« immer das gleiche Bild: Zeitig genug finden sich die Urlauber ein, stehen mit Koffern am Bahnsteig und harren des Zuaes, der sie in die Ferne tragen soll? Mit epischer Breite und Ruhe werden von einem richtigen Urlauber die Koffer verstaut und,
V-Zug-Lokomotive — begeisternd und besonders schön, wenn sie uns zum Urlaub in die deutsche Landschaft trägt. — (Aufn. 16]: Neuner, Gieß. Anz.)
zuckt es, dy pumpt und saugt es, je nachdem der Lokomotivführer Hebel bewegt oder an Rädern dreht. Der Führerstand einer Lokomotive wird wohl allen, die nicht vom Fach sind, ein Mysterium bleiben.
Und dann fährt der Zug weiter, ves tauchen Berge auf, offnen sich Täler, rücken immer andere Dörfer oder Städte in den Rahmen des Fensters im O-Zugwagen, da ragen die Alpen empor, schneebedeckt noch, unter tiefblauem südlichem Himmel, oder es schimmert die weite Fläche des Sees. Und schließlich ist man am Ziel! Ein rechter Urlauber ist von diesem Zeitseiner sonstigen Umwelt
Mainz. 13.15: Mittagskonzert (Fortsetzung). 14: Für unsere Kinder. Gretel ist unzufrieden! Ein lustiges Kasperlspiel von Adolf Frey. 14.30: Uns gehört der Sonntag! Ein Reigen sorgloser Melodien. 15.15: Mädel dreh dich... Ein buntes Bild kurhessischer Volkstänze. 15.40: 1000 BDM.-Mädels aus Hessen- Nassau im Schongau. 16: Nachmittagskonzert. Aufführung der preisgekrönten Werke aus dem Musik- Wettbewerb 1938 in Bad Orb. Sportereignisse des Tages. 18; Fauler Zauber II. 60 heitere Minuten. 19: Abendständchen. 19.30: Sportspiegel des Sonntags. 20: Nachrichten. 20.15: Unterhaltungskonzert. 22: Nachrichten. 22.15: Sportbericht. 22.20: Berichte von der Internationalen Sportwoche. 22.40: Zu Tanz und Unterhaltung. 24 bis 3: Nachtkonzert.
Montag. 18. Juli.
5 Uhr: Frühmusik. 5.45: Ruf ins Land. 6: Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. In der Pause, 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Bäderkonzert. 9.40: Kleine Ratschläge für Küche und Haus. 9.50: Das Briefgeheimnis in der Ehe. 11.45: Volk und Wirtschaft. Die Grundlagen unserer Arbeitsbeschaffung. 12: Schloßkonzert. 13: Nachrichten. 13.15: Schloßkonzert. 14: Nachrichten. 14.15: Musikalische Kurzweil. 15: Für unsere Kinder. Jetzt basteln wir... 16: Nachmittagskonzert. — Das Mikrofon unterwegs —.18: Zeitgeschehen. 18.30: Der fröhliche Laut- sprechet. 19.10: Stammverwandte Freunde. Johannes Brahms und Klaus Groth. Eine Hörfolge. 20: Nachrichten. 20.15: Stuttgart spielt auf. Heitere Feierabendmusik. 22: Nachrichten. 22.15: Kamerad, wo bist du? 22.35: Nachtmusik und Tanz. 24 bis 3: Nachtmusik.
Das Zeichen zur Abfahrt des Zuges.
regierung —, die Geschäftsstelle des Kreises 4/XIII Darmstadt-Groß-Gerau des DRL. sowie die Geschäftsstelle der Ortsgruppe Darmstadt des DRL.
Gegenteil sehr scharf darauf geachtet werden, daß wirklich nur Teilnahmeberechtigte die Vorzüge der KdF.-Fahrten gemeßen. Bei dieser Gelegenheit wird eindeutig festgestellt, daß die Reisebüros durch die KdF.-Reisen keine Einbußen erlitten haben. Im Gegenteil, die Fahrten in die von KdF. neu erschlossenen Gebiete lenken auch den Strom der übrigen Reisenden nach dort und beleben so die Tätigkeit der Reisebüros.
Jeder KdF.-Urlauber, der jetzt frohe Wochen der Entspannung und Erholung an den schönsten Plätzen der deutschen Gaue verlebt, sollte aber auch einen Augenblick an die ungeheuere Kleinarbeit der Organisation denken, die von den Männern von KdF. geleistet wird. Das Zusammenstellen der Sonderzüge, die Quartierbeschaffung in den Aufnahmeorten, die Regelung der Verpflegungsfrage, sind Ergebnisse wochenlanger Vorarbeiten.
Hochbetrieb bei KdF.
NSG. Während der Sommermonate herrscht bei den KdF.-Dienststellen des Gaues Hessen-Nassau Hochbetrieb. Täglich gehen zwei Sonderzüge mit ungefähr 1500 bis ,2000 Urlauber aus unserem Gau ab. Die doppelte Zahl Volksgenossen verbringt in unserem Gau ihre Ferien. Gegenüber dem Vorjahr nehmen 1938 = 40 v. H. mehr Arbeitskameraden an den Fahrten der NS-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" teil, die somit von Jahr zu Jahr emen immer größeren Kreis des deutschen Volkes erfaßt.
Letzten Samstag-Sonntag erreichte der Urlaubsbetrieb in unserem Gau einen bislang noch nicht dagewesenen Höhepunkt. 22 Sonderzüge mit rund 22 000 Urlaubern wurden innerhalb von zwei Stunden am Frankfurter Hauptbahnhof neben dem normalen fahrplanmäßigen Verkehr abgefertigt. Eine organisatorische Höchstleistung der KdF.-Dienststellen und der Reichsbahn. Der durchschnittliche Samstag- Sonntag-Zugverkehr beläuft sich auf 15 bis 20 ankommende und abgehende KdF.-Sonderzüge. Auch der Schiffsverkehr auf Rhein und Main wird stark in Anspruch genommen. Letzten Sonntag waren z. P. sämtliche verfügbaren Personendampfer der Rheinschiffahrt von der KdF. belegt. Nicht ein Motorboot mehr war zu bekommen.
Das starke Ansteigen des KdF.-Reiseverkehrs gegen Wochenende hängt hauptsächlich mit den ein- bis zweitägigen Betriebsausflügen zusammen. Allerdings will man jetzt von diesen kurzen Betriebs- fahrten zugunsten längerer Reisen abgehen. Em großes Automobilwerk unseres Gaues hat den Anfang gemacht. Es wird etwa ein Fünftel seiner Belegschaft auf Werkskosten acht Tage in Urlaub schicken. Eine begrüßenswerte Einrichtung.
Der Gau Hessen-Nassau spielt innerhalb des KdF.- Reiseverkehrs als Aufnahmegau eine bedeutende Rolle. Doppelt so groß ist die Zahl derer, die in unserem Gau Aufnahme finden, als die Zahl derer, die aus Hessen-Nassau in andere Gaue fahren. Zur Zeit sind die 32 Aufnahmegebiete des Gaues restlos voll belegt. Etwa 35—40 000 Urlauber suchen in diesen Monaten in Hessen-Nassau Erholung. Erstmalig wurden auch Urlaubsfahrten nach dem Odenwald und den Kreisen Büdingen-Schotten organisiert. Düsseldorfer Arbeitskameraden werden es fein, die erstmalig im Rahmen der KdF. - Reisen die landschaftlichen Schönheiten des Odenwaldes erleben werden. Der Unterwesterwaldkreis wird nächstes
lachen, scherzen — weiterfahren!
Für den Urlaubsreisenden ist der Mann mit der roten Mütze, der mit Stab und Scheibe dem Lokomotivführer das Zeichen zur Abfahrt gibt, fast ein Symbol. Jedenfalls sieht er ihn mit anderen. Augen an, als jenen Beamten, der ihm (in Gott sei Dank noch weit entfernter Zeit) an der Sperre die abgefahrene Rundreise- oder Urlaubskarte abnimmt. Heroisch wird man sich dann aber damit abfinden, daß Urlaub nur Freiheit zwischen Pflichten, Zeitraum für Erholung und Selbstbesinnung ist, zweckmäßig so verbracht, wie es jeder nach eigener Natur und " ' dH Temperament für not- . A wendig hält. Entweder in gottgesegneter Faulenzest - 7 M *v;i rei oder *m Austoben
Erlebnis- N.
Rundfunkprogramm
Sonntag, 17. Juli.
6 Uhr: Hafenkonzert. 8.10: Römisch-katholische Morgenfeier. 8.50: Walzerseligkeit. 9.30: Aus Limburg: Chorgesang. 10: Ewiges Deutschland. Dies ist mein Morgen, mein Tag hebt an... 10.45: Sonntagmorgen — ohne Sorgen. 11.50: Unser Kalenderbild: Juli. 12: Mittagskonzert. 13: Ruderregatta in
Jahr erfaßt werden. Ueberhaupt hat sich die KdF. um die Erschließung neuer Urlaubsgebiete sehr verdient gemacht. Das im vorigen Jahre erstmal belegte Gebiet der, Eifel konnte dieses Jahr nicht alle Urlauber fassen, die dort ihre Ferien verbringen wollten. Verschiedene Züge nach der Eifel mußten deshalb gesperrt werden.
Neu sind natürlich auch die Fahrten nach der befreiten Ostmark. Vier Sonderzüge werden Arbeitskameraden aus Hessen-Nassau nach Oesterreich bringen. Kärnten, Steiermark, Wiener Weinland, Tirol und Salzburg sind die Reiseziele. Zum erstenmal wird mit der Fahrt zur Rundfunkausstellung nach Berlin der Versuch gemacht. KdF.- Reisende längere Zeit — es handelt sich um acht Tage — in einer Großstadt unterzubringen. Der erste Zug ist schon vollkommen ausverkauft, drei weitere sind noch vorgesehen. '
Das Reisen mit „KdF." hat einen gewaltigen Aufschwung genommen. Die Zahlen beweisen es. 40 v. H. KdF. - Urlauber sind in unserem Gau dieses Jahr gegen das Vorjahr mehr gezählt worden. Die etwa noch vorhanden gewesenen Vorurteile gegen eine Reise mit KdF. sind vollkommen geschwunden. Es muß im
Darmstadt erhält ein
„Haus der Deutschen Leibesübungen"
Lpd. Darmstadt, 15. Juli. Dank der Initiative des Führers der deutschen Leibesübungen m Darmstadt DRL.-Kreisführer Ministerialrat Löwer, ist es gelungen, für die Leibeserziehung in Darmstadt ein Zentrum aller beteiligten Organisationen zu schaffen, die in kameradschaftlicher Zusammenarbeit dem gleichen Ziele dienen, das der Führer gesetzt hat, „das deutsche Volk muß em Volk in Leibesübungen werden" Das frühere Heylsche Anwesen in Darmstadt, Weyprechtstraße 6, beherbergt vom 15. Juli ab das Referat Leibesübungen des Reichsstatthalters in Hessen — Landes-
Jm Banne der deutschen Landschaft.
sofern er Familienvater ist, Frau und Kinder untergebracht. Wer vom Glück begünstigt ist, findet ein leeres Abteil, in dem für die Kinder -und für die ganze Reise die Fensterplätze eisern gegen jeden fremden Ansturm verteidigt werden.
So nimmt fast jeder Zug, der in der Reisezeit unseren Bahnhof verläßt, Ferienreisende mit, die gerne einmal der Stadt den Rücken kehren. Darüber hinaus passieren auch viele „KdF."-Sonderf züge unseren Bahnhof. Da ist es ein besonderes Vergnügen, am Bahnsteig zu stehen und zu sehen, wie die Menschen jeglichen Alters und Geschlechts den Wagen verlassen, sich einmal die Beine vertreten, den Erfrischungsstand bestürmen, rufen.
„Ja! Wer ist dort?---Hier ist die Lokal
schristleitung! Wir möchten gerne Ihren Herrn Müller sprechen!--Nicht da?!--So—0—0!
In Urlaub! Und wann kommt er wieder?---
In drei Wochen erst?!" (Der Glückliche!)
Im Geiste wünschen wir Herrn Müller gutes Wetter, legen aber trotzdem etwas resigniert den Hörer ab. Andere Leute sind in Urlaub! Nun allerdings besteht für den „Schreiber dieses" kein Anlaß zur Unzufriedenheit, denn e r war bereits in Urlaub! Daß ihm davon die Hälfte der glückseligen Tage, fern dem Bannkreis des Fernsprechers, verregnet wurden, war sein ganz persönliches Pech.
Aber nun scheint die Sonne! Und jetzt ist hohe Reisezeit, Urlaubszeit, und man muß notgedrungen einige Gespräche mit negatioefri Ausgang (siehe oben!) hinnehmen!
Wer genießt nicht die Tage der Urlaubserwartung in aller Tiefe und Breite aus? Mit welcher Innigkeit versenkt man sich schon Wochen vorher in die Landkarte! Wie groß wird da Deutschland unter unseren Händen und wie vielfältig die Ostmark, die in tiefem Jahre so vielen das Reiseziel geworden ist! Zu solcher Zeit vor dem Urlaub ist man immer wieder erstaunt, was sich aus einer Landkarte alles herauslesen läßt. Und jede deutsche Landschaft ist heute erreichbar, erreichbar für viele und fast für alle. Wer die berühmte Bewegung zwischen Daumen und Zeigefinger nicht nachhaltig genug ausüben kann, wer seine Wünsche vom Geldbeutel abhängig machen muß (und wer, von wenigen Ausnahmen abgesehen, muß das nicht?), nimmt den großen Fahrtenplan der NSG. „Kraft durch Freude" zur Hand, und es müßte mit dem Leibhaftigen zugehen, wenn für ihn nichts darinstünde.
Es gibt Heute, die behaupten, die Vorfreude auf den Urlaub fei das Schönste am ganzen Urlaub. Man glaube ihnen nicht! Entweder belügen sie- damit andere, meist aber sich selbst! Jeder Tag Urlaub muß wie eine Wiedergeburt, wie ein Heim- finben zu sich selbst sein. So mancher, der sonst mit Leid und Seele seiner Arbeit, seinem Beruf gehört, merkt auf einmal und erst jetzt, daß sein Hirn noch private Gedanken zu denken vermag. Eine erstaun-
Ferien!-Wir reifen mit der Eisenbahn.
richtig fein kann), und dann geht es zur Bahn! Der Schlag der Räder auf den Schienenanschlüssen löst dann jenes unbeschreibliche Gefühl der vollkommenen Freiheit aus, in dem der Begriff der „Pflichten im Beruf" zur Schemenhaftigkeit verblaßt. Wenn es dann während der Fahrt irgendwo, auf irgendeinem fremden Bahnhof eine Pause gibt, dann steigt man wohl einmal aus, geht den Zug entlang zur Lokomotive, deren unbändiger Kraft man sich anvertraut hat. Wem da das „Kind im Manne" erhalten geblieben ist, der begeistert sich an ihren Formen und an dem geheimnisvollen, nie Jo. ganz verstandenen Leben, das den stählernen Riesen erfüllt. Da zischt es aus Ventilen, da ruckt und


