Ausgabe 
14.6.1938
 
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Geschenke für meine Frau, von Beverley Nichols.

Kleine Phantasie

Darunter verstehe ich natürlich nichtgediegene und preiswerte Geschenke", auch nichtGlassachen, die große Mode" oderNeue Linoleummuster" und am allerwenigstenPerlen, die von echten nicht zu unterscheiden sind" denn wenn meine Frau o ist wie die meisten Frauen, die ich kenne, wird ie sie auf zehn Schritt im dichten Nebel unter­scheiden können.

Bisher half ich mir dadurch, daß ich Frauen Parfüm und Männern alten -Whisky schenkte (wie­wohl mir manchmal Zweifel aufstiegen, ob es um­gekehrt nicht passender wäre). Was ich aber meiner Frau kaufen würde, ist folgendes:

1. Bücher. Nicht viele. Eine Sammlung der schönsten Gedichte, damit ihre zauberhaften Worte, den weißen Blütenblättern eines wilden Kirschen- baumes gleich, sie durchs ganze Leben begleiten. Einen düsteren Eheroman, damit er sie vor den Schrecknissen der Liebe warne. Einen zweiten Ehe­roman, in dem der Gatte brutal und herzensroh ist, damit sie erkennt, was für ein guter Mensch ich im Vergleich zu ihm bin. Rankes Römische Ge­schichte: sie wird ihr Haltung und Ueberlegenheits- gefühl verleihen. Ein paar gute moderne Lustspiele; sie werden ihr Charme und Schick geben, wenn sie sich einmal auf eine kleine Untreue einlassen sollte. Und natürlich meine sämtlichen Werke mit allen Uebersetzungen in fremde Sprachen, damit ich bei gewissen Gelegenheiten sagen kann:Du willst also nicht auf meine Worte Horen? Da, sieh hin das Ausland hört auf mich!"

2. Einen Spiegel. Ich hängte ihn irgendwohin, wo das Licht mit unerbittlichem Finger auf die Krähenfüße um die Augen und die Fältchen um den Mund weisen kann. Ein herzloses Geschenk, um so mehr, als dieser Spiegel von strahlenden, lachenden Amoretten getragen wird, die durch Jahr­hunderte rosig und lebensfrisch blieben, indes jene, die in das Glas blickten, dahingewelkt sind. Man sollte sich selbst immer um ungünstigsten Licht sehep; es ist gut' so. Darum streite ich immer mit Klügeren, lade Reichere zu Gast und spiele nur m|t überlegenen Gegnern. Frauen haben das nicht gern. Sie lieben es nicht, vor dem Spiegel un­günstig zu wirken. Ich würde das meiner Frau beibringen zu ihrem Besten. Denn ein Tag wird kommen, an dem der Spiegel sich nicht länger be­lügen läßt und 'weder gedämpftes Licht noch teure Schönheitsmittel mehr verbergen können, daß sie alt geworden ist. Er wird wehtun, dieser Tag. Und ich will nicht, daß er ihr wehtue^ Lieber Schritt für Schritt sich daran gewöhnen.

3. Ein Spinett. Das wird man für einen sehr ausgefallenen Gedanken halten. Warum kein Gram­mophon, keinen Lautsprecher? Ein Spinett ist ja kaum zu hören. Eben deshalb. Nicht weil ich gegen lautes Klaviergeklimper bin, sondern weil ich für die verlörengegangen-e Kunst des Lauschens ein­trete. Die zarten, süßen Klänge eines Spinetts sind flüchtig wie ein Vogel in herbstlichem Wald. Eine Frau, die allabendlich ein wenig auf dem Spinett spielt, wird dem kann sie nicht entgehen etwas von dem inneren Frieden gewinnen, der über feinen alten, leisbewegten Saiten schlummert. Man hört den Klang kaum. Aber man hört auch kaum den Wind über Wiesen im Mai, kaum die Regentropfen auf der Fensterscheibe, das Summen des Teekessels, und npn hört -auch kaum die schön­sten Worte, die zwei einander in abendlicher Stille zuflüstern.

4. Eine Uhr. Natürlich keine schrille Weckuhr, sondern eine, die ich einmal in Venedig sah. Ge­triebenes Silber; eine Kugel gleich der Erde, von einem kleinen Liebesgott getragen, der ernsthaft nickte, wenn die Stunde schlug. In seinen Zügen lag Weisheit und Verzicht, sein Nicken war Er­gebenheit in das Schicksal. Möglich, daß meiner Frau das Sinnbildliche entgeht. Aber vielleicht er-

zählt es ihr von der Flüchtigkeit aller Dinge und der Unbeständigkeit des Menschenherzens und dem unaufhaltsamen Vormarsch der Zeit... bis es sieben schlägt und sie daran erinnert, daß es Zeit zum Umkleiden ist, damit wir nicht zu spät kommen.

5. Ein gutes Kochbuch. Die Unwissenheit vieler Frauen in Küchenfragen ist unglaubhaft. Nicht eine unter zehn versteht einen Salat richtig anzumachen. (Für etwaigen Bedarf: das Gelbe von zwei hart­gesottenen Eiern mit Olivenöl angerührt, ein Dessertlöffel Zitronensaft keinen Essig!, zwei Eßlöffel Worcestersauce, ein Teelöffel Senf, noch etwas Oel, dann Zucker' nach Geschmack. Vorher sämtliche Vorräte an Meerrettich und Gurken zum Fenster hinauswerfen, selbst auf die Gefahr, jeman­den zu treffen!)

Also ein Kochbuch, mit angehesteten leeren Blät­tern, auf die sie Gerichte eintragen kann, mit denen sie besondere Erfolge erzielt hat. Zum Nachschlagen für Tage, an denen ihr nichts einfällt. Es ist un­erträglich, wenn Frauen mit abgespanntem Gesicht wie Heilige, die mit dem Satan gerungen haben aus der Küche kommen und fragen:Wie wär's mit einer Eierspeise für den Abend?"

6. Einen großen Mülleimer. Nicht wörtlich zu verstehen. Aber irgend etwas muß im Hause fein, wohin alles unnütze Zeug geworfen werden kann. Es ist eine alberne Legende, daß Männer sich von nichts trennen können. Die Witzblattbilder, dar­stellend eine Frau, die zur Zeit des Großreine­machens schaudernd auf der Schwelle zum vollge­räumten Zimmer ihres Mannes steht, sind lebens­unwahr. Frauen können sich viel weniger von etwas Unnützem trennen. Jede Frau hat irgend eine Lade voll Zierkram, alten Lichtbildern, ver­einzelten Löffeln, einem verbeulten kupfernen Elefanten, vertrockneten Gummibändern, Seiden- restchen, zerbrochenen Schallplatten, zwei Woll­jumpern, in die Motten gekommen sind, und Seal­reste von einem alten Wintermantel, die manviel­leicht wieder brauchen kann".

Nichts davon kann man mehr brauchen! Den Zierkram nicht, weil er zu den anderen Stücken nicht paßt. Aber wegwerfen? Niemals! Erpaßt" vielleicht als Hochzeitsgeschenk für eine Kusine. Er­klärt man ihr, daß die Kusine mit den Zähnen knirschen würde, wenn sie als Hochzeitsgeschenk zwei Vasen, geschmückt mit den Bildern einer alten Waldmühle und einer Ritterburg, erhielte, dann heißt man ein schlechter Mensch. Den alten Seal­besatz wird jede Frau hitzig verteidigen, und fragt man, was ein pcrar Stückchen Seal wert seien, die seit Jahren in einer Lade liegen, wodurch nur noch mehr Motten ins Haus kommen, dann heißt man abermals ein schlechter Mensch.

7. Eine Perle. Eine Perle an einem Kettchen, an die ich bei jedem Geburtstag eine neue reihen könnte. Witz schön, schon Tage vorher zum Juwelier zu gehen, um zu prüfen unb Größen und Farben zu vergleichen. Mit den Jahren wird mir die wach­sende Halskette so sehr am Herzen liegen, daß ich alles vermeiden würde, was meine Ehe gefährden könnte und damit auch das Halsband. Jede neue Perle wäre Trägerin eigener Bedeutung: die hier kauften wir nach dem großen Krach, als wir dach­ten, nun sei alles aus. Die andere da erinnerst du dich?, als du mir ein süßes Geheimnis ins Ohr flüstertest. Und diese, die fehlerhafte, als ich vor dem Ruin stand. Um es dir zu verheimlichen, um dich zu täuschen, verlangte ich die teuerste Perle im Laden. Aber im stillen wußtest du, wie es um mich stand, und du wolltest unbedingt die Perle mit dem Fehler, die nur ein Zehntel kostete. Monate später, als das Unheil vorbeigegangen war, gestandest du mir die Wahrheit, pnd ich stürmte davon, um dir die Perle zu bringen, die ich mir zuvor nicht leisten konnte. Sie ist schön. Aber für mich nicht so schön wie die fehlerhafte. Denn der

Fehler an dieser Perle beweist, daß an dir kein Fehler ist.

Und so weiter. .

Ich bin Junggeselle und habe meine Theorien nie prakttsch erproben müssen. Man kann sie für töricht und weltfremd halten <und entgegnen, daß es viel nützlicher sei, Bettdecken, einen Rasenmäher, Mottenkugeln und Seife zu schenken. Ich hin kein Krämer und kein Tapezierer. Ich halte Bedarfs­gegenstände und Haushaltzubehör nicht für Ge­schenke. Was ich aufzählte, sind Geschenke, von denen ich träume, für die Frau, von der ich träume. Viel­leicht werde ich ihr nie begegnen. Die Geschenke aber bleiben und warten. Vielleicht entschließt sich die Erträumte... K

(Deutsch von Ernst E. Stein.)

Amtsgericht Gießen.

Der H. O. aus Gießen hatte wegen Unterschla­gung einen Strafbefehl über drei Monate Gefäng­nis erhalten. Auf feinen Einspruch hin kam die Sache gestern zur .Hauptverhandlung. Der Ange­klagte hatte im uJni v. I. von einem auswärtigen Pferdehändler einen Wallach gegen zwei Russen­pferde getauscht und sich gleichzeitig verpflichtet, einen Aufpreis von 100 Mark zu zahlen. Der Ver­käufer behielt sich allerdings das Eigentum an dem Wallach bis zur restlosen Zahlung des Kaufpreises vor. Dies hinderte den Angeklagten jedoch nicht, das Pferd weiterzuverkaufen, ohne seinerseits die 100 Mark zu bezahlen Der Angeklagte wandte zu

seiner Verteidigung ein, das Pferd sei mangelhaft gewesen, so daß er es dem Veräußerer aufgesagt habe. Da dieser den Wallach jedoch nicht zuruckge- nommen, habe er sich für berechtigt gehalten, das Tier weiterzuverkaufen. Die Beweisaufnahme er­gab die Unwahrheit feiner Einlassung. Das Gericht sah den Angeklagten daraufhin als überführt an und wies den Einspruch zurück, so daß es bei der Gefängnisstrafe von drei Monaten verblieb.

Rundfunkprogramm

Mittwoch, 15. Juni.

5 Uhr: Frühmusik. 5.45: Ruf ins Land. 6: Gym­nastik. 6.30: Frühkonzert. In der Pause: 7: Nach­richten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Bäderkonzert. 9.30: Gaunachrichten. 9.40: Kleine Ratschläge für Küche und Haus. 10: Schulfunk. Klang deutscher Städte. 11.45: Volk und Wirtschaft. Diehohe Kante". 12: Aus Lich (Oberhesfen): Aus dem Betrieb der Firma Georg Schieferstein gemeinsam mit der Brauerei Jhring-Melchior: Werkskonzert. 13: Nachrichten. 13.15: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Step. peNsöhne besingen ihre verlorene Heimat. 15: Bilder­buch der Woche. 15.15: Vom Jpa (aus Neuyork):'Al Roth und sein Orchester. 16: Nachmittagskonzert. 18: Zeitgeschehen. 18.30: Der fröhliche Lautsprecher. 18.45: Fliegendes Deutschland. 19.10: Unser singen­des klingendes Frankfurt. 21: Stunde der jungen Nation. Lieder der Nationen... 21.30: Variete zu Haufe! 22: Nachrichten. 22.20: Unsere Kolonien. Weiß und Schwarz in Süd-Afrika. 22.30: Unterhalt tüng und Tanz. 24 bis 3: Nachtkonzert.

Grundsteinlegung zum Hl.-Heim in Annerod.

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Nach der Grundsteinlegung in Gie­ßen begaben sich der Gebietsführer und der Kreisleiter nach Annerod. Dort zeigte eine Ausstellung unter den Bäumen auf derPlatte" Ent­wurf, Modell und Aufnahmen der mit den Vorarbeiten zum Neubau des HJ.-Heimes beschäftigten Dorf- einwohner.

Stützpunktleiter Beigeordneter Schäfer ging in seiner Ansprache auf die Vorarbeiten ein und dankte allen Volksgenossen, die durch schöne Gemeinschaftsarbeit den Bau soweit förderten, und dem Bürgermeister, daß er die Mittel dafür zur Verfü­gung gestellt hat. In eine handgear­beitete Truhe wurde die Urkunde nach einem Vorspruch des Maurers in den Stein eingelassen.

Gebietsführer Brandt betonte, daß es Annerod zur Ehre gereiche, dieses HJ.-Heim zu schaffen. Er dankte Stützpunktleiter Schäfer und Bürgermeister Groß, sowie allen Volksgenossen, die mit Hand an das Werk gelegt oder es ander­weitig gefördert haben, für ihre Mühen und Opfer und versicherte ihnen für die Jugend, daß sie sich der Mühen und Arbeiten dankbar durch die Tat erweisen werde. Der Gebietsführer sagte u. a., Annerod könne stolz auf dieses vorbildliche Ge­meinschaftswerk sein.

Kreisleiter Backhaus würdigte diese vorbild­liche Tat einer. kleinen Gemeinde als einen guten Ausdruck nationalsozialistischen Wollens, das heute das Volk erfüllt. Er füate hinzu, daß alle unsere großen Arbeiten nicht begonnen werden könnten, wenn nicht in zäher Kleinarbeit in den Zellen, Stützpunkten und Ortsgruppen die Voraussetzungen geschaffen worden wären. Er dankte Stützpunkt­leiter Schäfer und Bürgermeister Groß für die Unterstützung und Förderung dieses Bauvor­habens und legte der Weihe des Grundsteins ein

Wort des Führers zugrunde mit dem Wunsche, daß dieser Neubau durch Generationen hindurch von dem Gemeinschaftssinn der Gemeinde künden möge.

Das Schlußwort sprach Bannführer 116, R o h r b a dj), der mit seinen Dankesworten die Glück­wünsche verband und u. a. betonte, daß auch dieses Heim der Erziehung der Jugend dienen werde, die mit heißem Herzen und starken Glauben einst das Erbe der Väter antreten werde, damit Deutschland ewig lebe.

in Packungen

Mittwoch, 15. Juni 1938, 14 Uhr, versteinere ich dahier, Neuenwea lb.Harttnetü, bezw. a.Ort u.Stelle (Bekanntgabe imBerstcigcrnngs- lokal) zwangsweise gegen bar: Haus-,Laden- u. Büromöbel,Näh- u. Schreibmasch., Radios, Kassen- fchränke, Klaviere, Staubsnuaer, ein.Post.Mäntelu.Kleider, Bücher, Schreibutensil,, Ausvutzmaschine, Bürsten,Pinsel, Körbe, Bettfedern, Gasherde, Kordel, Füllfederhalter, Biegavvarat, Grammophone, Jn- strumentenschrank, Kaffeeröster, Möbel- u. Gardinenstoff, Matratzen­drell, Rechen- u. Adress.ermaschin., 1 Silberschale, 1 Klebepresse, Korb­möbel, 1 Eßservice, Heißwasser­speicher. 4067D

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Bittovs, Gerichtsvollzieher.

Mui 0011 MenuiHHItien nach der Naturschutzverordnung vom 18. Mürz 1936 (RGBl. I Seite 181) und den ergänzenden Bestimmungen, aus- sührlich erläutert von Professor Dr. W. Weber, o. ö. Prof, der Rechte und Referent im Reichs- und Preußischen Ministerium füi Wissenscha't, Erziehung und Volksbildung und Prof. Dr. Walther Schoenlchen, Leiter der Reichsstelle für Naturschutz.

Gebunden RM. 3,60.

Die beiden Verfasser des vor kurzem er- schienenen Kommentars zum Reichsnatur- s-huhgeseh haben hier auf Grund ihrer lang­jährigen Erfahrungen und ihres weitgehen den Einblicks in das Werden der neuen Na- ursckuhverordnung, die nun für das ganze Reich gilt, die Verordnung und alle dazu- gehörigen bisher erschienenen Ergänzungs- beltimmungen nach juristischen, verwaltungs- lechntschen, wissenschaftlichen und praktischen Gesicktspunktcn ausführlich erläutert und geben damit jedem eine gründliche Aufklärung, der mit dem Natur­schutz, mit der Natur überhaupt, sei es beruflich oder als Liebhaber und Naturfreund, in Berührung steht. Nicht nur die amtlichen Stellen, nicht nur Wissenschaftler, Lehrende und Lernende, Tier- und Pflanzenfreunde, nichj nux Erzieher, Richter und Rechtsanwälte mässen über die Fragen des Naturschutzes unterrichtet sein, sondern auch botanische Vereine, Na­turalien- u. Herbarien-Handlungen und Lehrmittelgefchäfte, Präpara­toren, Ausstopfer, Pflanzensamm- ler, Schmuckreisig-Verkäufer, Kranz­binderelen und die mit der Über­wachung der Märkte beauftragten Beamten, Feldhüter, Polizeistellen ufro. - Bestellungen durch alle Buchhandlungen. Hugo Bermühler Verlag

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