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Nr. H2 Drittes Blatt

(Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

14./|5.maiI938

Wiederholungsübung für das SA.-Sportabzeichen.

Am morgigen Sonntag Gelegenheit zum Nachholen.

SA.-Sportabzeichen-Träger, die aus beruflichen Gründen, Krankheit oder dergleichen am 8. Mai an der Diederholungsübung nicht teilnehmen konn­ten, ist am Sonntag, 15. Mai, Gelegenheit zur Nachholung dieser Hebung gegeben.

Antreten am Sonntag, 15. Mai, 8 Uhr, im Hofe der Standarte 116, Gießen, Senckenberg- strahe 1. Meldung bei Sturmführer Schneider.

Mitzubringen find: Leistungsbuch, Vefihzeugnis und 0,50 Mk. für die Sportabzeichen-Urkunde.

nach monatelangen Bemühungen des Bürger­meisters der Gemeinde Heuchelheim, Pg. Rinn, sowie der Abtlg. Heimbeschaffung des Gebietes 13 Hessen-Nassau, an Hand einer auszuführenden Ge­samtplanung in die Wirklichkeit umgesetzt werden.

Das Heimprojekt gliedert sich in zwei zweigeschos­sige, senkrecht zueinanderstehende Baukörper, einen im Winkel liegenden großen Appellplatz, einen Heimgarten und eine große Ilebungswiese.

Der vom Sportplatz zugängliche Feierbau enthält im Erdgeschoß einen Dorraum, eine Fahnenhalle,

Jugend baut in die Zukunst!

Der Bann,-1-16 stellt HL-Heim-Entwürse und Bauprojekte im Gtudentenhaus aus.

Im Studentenhaus am Leihgesterner Weg ver­anstaltet der Bann 116 der HI. am morgigen Sonntag von 9 bis 19 Uhr unter dem MottoJugend baut in die Zukunft!" eine Aus­stellung von Entwürfen für HI. -Heim­bau t e n, wie sie den Forderungen der HI. ent­sprechen. In dieser Ausstellung, die anläßlich einer Tagung von HJ.-Architekten stattfindet, werden die bei dem Gießener Wettbewerb für einen HJ.-Heim- bau mit den drei ersten Preisen ausgezeichneten Entwürfe, ferner die zehn zum Ankauf erworbenen Arbeiten bei diesem Wettbewerb mit einer Anzahl von vorbildlichen Modellen und Plänen der Ge­bietsführung 13 Hessen-Nassau zu einer lehr­reichen Gesamtschau vereinigt.

Diese Ausstellung soll allen irgendwie im Dienste der Volksgemeinschaft stehenden Volksgenossen, ins­besondere den für die Partei und ihre Gliederungen tätigen Männern und Frauen, den Bürgermeistern, Vereinsführern usw., kurzum allen deutschen Männern und Frauen Gelegenheit geben, sich selbst ein Bild zu machen von dem Streben der HI. nach guten und zweckentsprechenden Hei­men mit der ganz im Geiste der HI. durchgeführ­ten Baugestaltung und der im gleichen Geiste vor­genommenen Inneneinrichtung mit schlichten und doch formschönen Möbeln. Nach allem, was wir am aestrigen Freitagnachmittag bei einer Vorschau auf dieser Ausstellung bemerken konnten, wird es für alle Volksgenossen sehr lohnend sein, dieser Schau einen Besuch abzustatten.

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Die Ausstellung im Studentenhaus bietet eine Gesamtschau über die Arbeiten der Abteilungh e i m b e s ch a f f u n g" in der Gebietsführung Hessen-Nassau. Die ausgestellten Modelle und Pläne stellen Heime dar, die jetzt in Angriff genommen wurden und gegenwärtig gebaut werden, ferner solche Arbeiten, für welche die Planungen noch im Gange sind. Die ausgestellten Einrichtungsgegenstände (Schränke, Stühle, Tische, Bildgerät und sonstiges Zubehör) veranschaulichen das Streben der HI. auf diesem Gebiete.

Wie notwendig das Streben der Gebietsführung Hessen-Nassau nach guten HJ.-Heimen für unser Gaugebiet ist, beweisen einige Zahlen, die man in der Ausstellung an großen Tafeln bemerken kann. Dort sieht man, daß im Gebiet des Gaues rund 500 000 Jugendliche in der HI. erfaßt sind. Diese gewaltige Zahl junger deutscher Menschen hat aber bis jetzt leider nur rund 700 Unterkunfts­räume zur Verfügung, die sämtlich unzu­länglich sind. Notwendig sind jedoch bei dieser großen Zahl von Jugendlichen rund 1 2 3 0 0 Heimräume (nicht etwa Heime) zur Unter­bringung. Bis jetzt sind in 15 Heimen erst rund 100 Heimräume vorhanden, die den berech­tigten Anforderungen der HI. entsprechen. Diese wenigen Zahlen dokumentieren die Dringlichkeit der HJ.-Heimbeschaffung so eindrucksvoll, daß sich wei­tere Ausführungen hierüber erübrigen.

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Im Bereich des HI. - Bannes 116 Gießen sind als baureife HJ.-Heim-Projekte die Entwürfe für Annerod, Heuchelheim und Gießen vorhanden. lieber die voraesehenen Heimbauten in Annerod und in Heuchelheim be­richten wir weiter unten

Planungen für HJ.-Heimbaut'en im Bereich des Bannes 116 find in Arbeit für die Orte Beuern, Butzbach, Friedberg, Gamdach, Grünberg, Hausen, Hungen, Lang-Göns, Lich, Lollar, Nieder-Weisel, Obbornhofen (zugleich für Wohnbach und Bellers­heim), Reichelsheim, Rüddingshaufen und Wieseck

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Wie die äußere Gestaltung der HJ.- heime heute schon ein besonderes Gesicht .besitzt, so wird auch deren Inneneinrichtung

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Das HJ.-Heim, das in Annerod gebaut wird. (Aufnahme: Bildstelle des Gebiets 13 Hessen-Nassau.)

Dem Auge das Beste!

Lassen Sie sich beraten von

Optiker Jlia&nus

ihren eignen Charakter haben. Ausgehend von dem großen Erziehungswerk des im Geiste der HI. gestalteten Raumes wird versucht, auch auf dem Wege der entsprechenden Inneneinrichtung die Erziehung der jungen deutschen Menschen hinsicht­lich des Raums und seiner Nutzung zu einer Einheit werden zu lassen, um dadurch bei der Jugend den Grundstein zu einer neuen deuts ch e n Wohn­kultur gu'legen. Diese Heranbildung einer neuen Wohnkultur wird natürlich ihre segensreichen Aus­wirkungen auf die Gestaltung der Wohnräume und der Arbeitsstätten der Heranwachsenden deutschen Generationen haben, so daß also die HI. auf diese Weise ein segensreiches Erziehungs­werk von größtem Ausmaß betreibt. Die für diese neue Wohnkultur verwandten und nach dem Wollen der HI. gestalteten Möbel werden aus den in der Landschaft bodenständigen Holzarten an­gefertigt. Auf diesem Wege wird auch das heimische Schreinerhandwerk zu einer neuen Geschmacks­bildung und zu neuen Konstruktionen veranlaßt, die ihm eine gute Zukunft verheißen.

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An Hand dieser kurzen Richtgedanken werden unsere Volksgenossen beim Besuch der morgigen Ausstellung im Studentenhaus sich den Ueberblick erleichtern können. Man kann nur hoffen und wün­schen, daß viele Männer und Frauen, Jünglinge und Mädchen die Gelegenheit wahrnehmen, sich diese lehrreiche Ausstellung anzusehen. B.

Das in Annerod.

Oberhalb des Dorfes Annerod auf derPlatte", im. Blickpunkt der Straße AnnerodGießen, ent­steht nunmehr nach endgültig abgeschlossener Pla­nung das HJ.-Heim. Dieses stellt ein1 von dem Ge­bietsarchitekten Hans Peter, Offenbach, selbst bearbeitetes vorbildliches Musterkleinheim im Bann 116 Wetterau dar. Sein mächtiger, massiyer Feier­bau aus einheimischen Bruchsteinen erhebt sich mit seiner Giebelseite rechtwinklig zum steil abfallenden hange dem Dorfe zu. Senkrecht darauf stößt ein eingeschossiger strenger Fachwerksbau mit ausge­bautem Dachgeschoß, der eigentliche Heimbau. Er enthält zwei je 50 qm große Scharräume, ein Füh­rerzimmer und Nebenräume. Darüberliegend be­finden sich unter dem Dach die Bastelräume. Dem

Heimbau vorgelagert tft der große, durch Baum- gruppen unterbrochene Appellplatz. Einen natür­lichen Abschluß nach dem steilabfallenden Gelände zu erhält derselbe durch eine in der Verlängerung des Feierraumes sich hinziehende Bruchsteinmauer. An ihrem Anfang bildet die geschickt angebrachte Fahne einen würdigen Auftakt zur Gesamtanlage. So bilden Feierraum, Heimbau, Appellplatz, Baum­gruppe, Mauer und Fahne eine harmonische bau­liche Lösung.

Das HJ.-Heim in Heuchelheim.

Die Forderung der Reichsjugendführung, das HJ.-Heim als Mittelpunkt des jeweils zu planenden Jugendgeländes erstehen zu lassen, konnte nunmehr.

Wer oft mit der Gießener Straßenbahn fährt, kann dabei mancherlei interessante Wahrnehmungen machen. Damit sind häufig auch Gedanken über Derkehrsverbesserungen eng verwandt. Diese Beobachtungen beschränken sich keineswegs nur auf den Straßenbahnverkehr. Sie umfassen oft auch Momentbilder des allgemeinen Verkehrs und aeradezu klassische Beispiele von Derkehrsdiszipün- losigkeit. Andeutungsweise, nur am Rande bemerkt, sei hier als Beispiel mitgeteilt, daß es immer noch Autofahrer gibt, die der Meinung sind, sie müßten an einem zum Ein- und Aussteigen der Fahrgäste haltenden Straßenbahnwagen unbedingt auf der Seite des Publikumsverkehrs vvrbeifahren. Nicht selten kommt es auch vor, daß Radfahrer zu zweit, ja zu dritt nebeneinander allen Verkehrsregeln zuwider vor dem Straßenbahnwagen im Bereich der Geleise einherfahren. Keineswegs selten ist fer­ner der Fall, daß ein Motorradler oder ein Auto­fahrer an einer Straßenkreuzung noch einen Meter vor dem heranrollenden Straßenbahnwagen über die Kreuzung jagt. Derartige Vorgänge führen nicht selten zu allerlei Unheil, wovon die Wagenführer der Straßenbahn oft genug ein Lied fingen kön­nen. Die Folgen sind Anzeigen, Prozesse und Stra­fen. Alles Dinge, die wenig erfreulich und vor allem vermeidbar sind, wenn jedermann im Verkehr die

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eine Halle mit Aufgang zum zweiten Geschoß, dem großen Feierraum. Der eigentliche Heimbau umfaßt tm Erdgeschoß für die Jungens vier Scharräume, zwei Fuhrerzimmer und einen Bastelraum, im zweiten Geschoß die gleiche Anzahl Räume für die Mädels, zwei große Appellflure, Geräte- und son­stige Nebenräume.

Die Gesamtanlage des Heimes wird in drei Bau­abschnitten errichtet werden. HJ.-Heim, sowie Sport­platz, Schwimmbad, Liegewiesen und Umkleide- kabinen fügen sich im Gesamtbild harmonisch in die Landschaft ein.

gebotene Vorsicht und Rücksichtnahme walten läßt. Jedoch wollen wir über dieses Kapitel heute nicht weiter sprechen. Es seien dagegen hier einige an­dere Derkehrsgedanken auf der Straßenbahn in den Vordergrund gestellt.

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Zunächst wieder einmal wie schon wiederholt in diesen Spalten die Frage an das Publikum: Ist es richtig, an der Straßenbahn- Haltestelle minutenlang untätig auf den Straßen­bahnwagen zu warten, mtereffiert nach allen Seiten um sich zu blicken, aber nicht daran zu denken, den Groschen für d i e Straßen­bahnfahrt schon während des War­tens in die Hand zu nehmen, um ihn beim Einsteigen sofort auf den Tisch des Hauses zu legen? Erst beim Besteigen des Straßenbahn­wagens nimmt jedermann die Männer sind hier genau so Sünder, wie die Frauen gemächlich sein Geldtäschchen heraus (die Frauen öffnen mög­lichst umständlich ihre mehr oder minder großen Handtaschen und gucken dabei nicht selten auch noch in das Wageninnere hinein, um etwaige Bekannte rechtzeitigdingfest" zu machen), dann wird um­ständlich der Groschen hervorgeholt, oder noch besser ein großes Geldstück zum Wechseln gegeben, hierauf der Fahrschein in Empfang genommen und

Verkehrsgedanken auf der Straßenbahn

Oie erste Karte des Großdeurschen Reiches

Blick in eine kartographische Anstalt.

Der Anschluß Oesterreichs hat in einer bekannten Frankfurter kartographischen Anstalt fieberhafte Aktivität ausgelöst. Unmittelbar nach Bekannt­werden wurden die betreffenden Steine heraus­gesucht, in mühevoller Arbeit geändert und sofort neu gedruckt. Samstag wurde der Anschluß voll­zogen. Drei Tage spater lag bereits die e r ft e Karte Großdeutschlan d s vor und verließ die Frankfurter Druckerei. Fast über Nacht hatten sich die politischen Grenzen geändert. Wir halten die erste Uebersichtskarte von Großdeutschland, die gedruckt wurde, in der Hand Es ist eine Karte, bei der in erster Linie nur die politischen Ver­änderungen berücksichtigt sind. Spezialkarten von Großdeutschland sind in Arbeit. Das erfordert oft genug langwierige Vorbereitungen. Da sind in dem einen ober andern Fall die politischen Grenzen der einzelnen Gaue noch nicht bekannt, große Straßen­bau-Vorhaben werden entwickelt und geplant, liegen aber in Einzelheiten noch nicht fest. Das alles muß der Kartograph berücksichtigen, wenn er eine Karte machen «ill, die einige Zeit Geltung haben soll. Gerade Autokarten sind jetzt stark gefragt, weil zahlreiche Kraftfahrer nach Oesterreich reisen und natürlich eine neue Autokarte von Großdeutsch­land benötigen. Auf dieser Karte sind aber dann auch schon die in Oesterreich geplanten Autobahnen eingetragen, so daß diese Karte nach einem Jahr nicht wertlos ist, sondern weiter Geltung behält. Die Wirtschaftskarten von Deutschland sind natürlich auch veraltet und müssen ergänzt werden. Der Großkaufmann, der das Reich von seinen Ver­tretern bereisen läßt, hat nach der Organisations­karte das Reichsgebiet in Vertreterbezirke eingeteilt und organisiert danach seinen Absatz. Auch er braucht eine neue Karte und muß neu einteilen. Die neuen Ergänzungen zu den Organlsationskarten sind ebenfalls im Entstehen. Die politischen Karten mit den genauen Grenzen der politischen Gaue und Kreise sind in Vorbereitung, obwohl man hier natürlich die endgültige Regelung erst abwarten muß. Sehr gestiegen ist der Bedarf an Wander- karten der österreichischen Alpen und wird zur Reise- und Urlaubszeit wohl auch noch erheblich steigen. Hier lagen zu einem großen Teil gute unb brauchbare Karten schon vor. Natürlich wirb

auch hier einiges zu ändern sein, neue Straßen­bauten müssen eingetragen, alte Grenzen beseitigt werden.

In allen Werkräumen der alten Frankfurter kartographischen Anstalt (1831 gegründet) wird eifrigst gearbeitet, und wir haben Gelegenheit, die Entstehung der neuen Karten von Großdeutschland 3u sehen. Da es unmöglich ist, die Kugelgestalt der Erde auf eine Ebene zu projizieren, muß der Kartograph für eine neue Karte zunächst eine Grad­netzkonstruktion anfertigen. In dieses Gradnetz, das gewissermaßen das Gerippe der Karte bildet, wird die geographische Situation eingetragen, das Fluß­netz, die Bahnen, die Straßen, Ortschaften, Gebirge, Wald, politische Grenzen und Beschriftung. Die Ein­tragungen richten sich natürlich nach der Zweck­bestimmung der Karte. Eine Wander- oder Auto­karte verlangt andere Eintragungen als eine Wirt­schaftskarte oder Uebersichtskarte. Auch der Druck der Karte richtet sich nach ihrer Bestimmung. Für jede Farbe ist ein besonderer Druckgang erforderlich. Da nur von Steinen gedruckt wird, muß also für jeden Druckgang, das heißt für jede Farbe, ein besonderer Stein angefertigt werden. Die Anstalt druckt Karten bis zu dreizehn Farben Die Grund­lage des Druckers ist in allen Fällen die Original­zeichnung. Sie wird auf den Stein übertragen. Bei wertvollen Karten, von denen eine Neuauflage zu erwarten ist, wird die Zeichnung in den Stein eingraviert. Muß nun wie in diesem Fall eine Aenderung vorgenommen werden, dann wird der Stein an der betreffenden Stelle vorsichtig ab­geschliffen, oder es werden neue Eintragungen auf den Stein graviert. Die Aenderung wird natürlich zunächst auf der Zeichnung vorgenommen und dann erst auf den Stein übertragen.. Die Lithographie- fteine sind schwere dicke Kalksteine, die in Soln­hofen gesunden werden. Das Archiv des Karto­graphen nimmt nicht nur sehr viel Raum in An­spruch, sondern hat auch ein gewaltiges Gewicht. Wir wandern im Keller durch lange Gänge, vorbei an zahllosen großen schweren Steinplatten mit ein- geritzten Karten. So mag die Bibliothek unserer ältesten Vorfahren ausgesehen haben, die in grauer Vorzeit ihre Runenschrift auf Steinquadern ein­geritzt haben. Dieses Archiv des Kartographen hat mir dann Wert, wenn es dauernd auf dem laufen­den gehalten wird, wenn also laufend alle Aende- rungen auf den Steinen eingetragen werden, so daß jederzeit von dem Stern gedruckt werden kann. DieseAktualität" ist für den Kartographen die schwierigste und langwierigste Arbeit. R.

Duell über den Wolken.

Von Ernst UM*).

Vom Westen her nähert sich rasch ein Punkt. Zuerst klein und schwarz, wächst rasch im Näher­kommen. Ein Spad, ein feindlicher Jagdflieger. Einsamer Einzelgänger wie ich, der hier oben auf Raub ausgeht. Ich rücke mich auf dem Sitz zurecht, es wird Kampf geben.

In gleicher Höhe stoßen wir aufeinander zu, sausen haarscharf aneinander vorbei.

Wir legen uns links in die Kurve. Der Apparat des andern glänzt hellbraun in der Sonne. Dann beginnt das Kreisen umeinander. Don unten mag das aussehen, als ob zwei große Raubvögel sich im Liebesspiel drehten, aber hier oben ist's ein Spiel mit dem Tode. Wer den Gegner zuerst im Rücken hat, ist verloren. Denn der Einsitzer kann mit seinen fest eingebauten MG s nur nach vorn hinausschießen, hinten ist er wehrlos.

Manchmal brausen wir so dicht aneinander vor­bei, daß ich ein schmales, blasses Gesicht unter der Lederhaube deutlich erkennen kann. Am Rumpf zwischen den Flächen leudjtet in weißen Buchstaben ein Wort. Als er zum fünften Male an mir vor- beistreicht, so dicht, daß die Böen seines Propeller­winds mich hin- und herschütteln, kann ich's er­kennen:Vieux" steht da, vieux, der Alte. Das ist Guynemers Zeichen.

Ja, so fliegt drüben nur einer an dieser Front. Guynemer, der dreißig Deutsche abgeschossen hat, Guynemer, der immer allein jagt wie alle gefähr­lichen Raubtiere, der von oben aus der Sonne her­aus auf die andern hinunterstößt, sekundenschnell die Gegner abschießt und verschwindet. Sv hat er mir auch den Puz abgeschossen. Ich weiß, daß es einen Kampf auf Leben und Tod gibt.

Ich drehe einen halben Looping, um von oben auf ihn hinabstoßen zu können. Er hat sofort be­griffen und setzt gleichfalls zum Looping an. Ich versuche einen Turn, Guynemer folgt mir.

Einmal, aus der Kurve heraus, kriegt er mich für Sekunden zu fassen. Metallene Hagelkörner prasseln durchs rechte Tragdeck, schlagen hellklingend gegen die Streben.

Ich versuche, was ich kann, engste Kurven, Turns, seitliches Abrutschen. Aber blitzschnell reagiert er auf jede. Allmählich merke ich, er ist mir über»

* Aus dem BucheMein Fliegerleben", Deutscher Verlag, Berlin.

legen. Nicht nur die Maschine da drüben ist besser. Auch der Mann, der drin sitzt, kann mehr als ich. Aber ich kämpfe weiter.

Wieder eine Kurve. Einen Augenblick rutscht er in mein Visier hinein. Ich drücke den Kopf am Knüppel---das Maschinengewehr schweigt..

Ladehemmung!

Mit der Linken halte ich den Knüppel weiter um­klammert, mit der Rechten versuche ich durchzu­laden. Umsonst, die Hemmung bleibt.

Einen Augenblick denke ich daran, im Sturzflug nach unten wegzudrücken. Doch es wäre aussichts­los bei einem solchen Gegner, er würde mir sofort im Nacken sitzen und mich zusammenschießen.

Wir kurven weiter umeinander herum. Ein wundervolles Fliegen wenn der Einsatz nicht so hoch wäre. Noch nie habe ich einen so taktisch klugen Gegner gehabt. Für Sekunden vergesse ich ganz, daß der da drüben Guynemer ist, mein Feind. Es kommt mir vor, als übte ich mit einem älteren Kameraden über unserem Flugplatz. Aber das ist nur für Sekunden so.

Acht Minuten kurven wir umeinander herum, es sind die längsten acht Minuten meines Lebens.

Jetzt saust er auf dem Rücken liegend gerade über mich hinweg. Ich habe einen Augenblick den Knüppel losgelassen und trommele mit beiden Fäusten auf das MG. ein. Ein primitives Mittel, aber manchmal hilft das.

Guynemer hat diese Bewegung von oben beob­achtet, er muß sie beobachtet haben, und jetzt weiß er, was mit mir los ist. Er weiß, daß ich seine wehrlose Beute bin.

Wieder streicht er, fast auf dem Rücken liegend, ganz dicht über mich hinweg. Da geschieht's:

Er streckt die Hand aus und winkt mir, winkt ganz leicht und taucht im Sturzflug hinab nach Westen in Richtung auf seine Front.

Ich fliege nach Hause, ich bin wie benommen.

Es gibt Leute, die sagen, Guynemer habe da­mals selbst eine Ladehemmung gehabt. Andere, die behaupten, er habe gefürchtet, ich würde ihn aus Verzweiflung in der Luft rammen. Aber ich glaube ihnen nicht. Ich glaube, daß auch heute noch ein Stück vom ritterlichen Heldentum alter Zeiten lebendig geblieben ist. Und deshalb lege ich diesen späten Kranz auf Guynemers unbekanntes Grab.

Hockschulnochnchten.

Dem Dr. phil. habil. Gerhard Hesse von der Universität Marburg wurde die Dozentur für das Fach der organischen Chemie verliehen.