Nr. 57 Erstes Matt
188. Jahrgang
Montag, 14-Abruar 1958
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Englische Blätter befürworten Verständigung mit Deutschland und Italien.
Gerüchte überMeinungsverschiedenheiten zwischen Chamberlain undEden werden dementiert
London, 13. Febr. (DNB.) Einige Blätter verbreiteten in den letzten Tagen das Gerücht, daß i m englischen Kabinett ernste Meinungsverschiedenheiten eingetreten seien. Ministerpräsident Chamberlain setze sich für eine sofortige Politik der Freundschaft mit den autoritären Staaten ein, um die europäische SpännuNg zu beseitigen. Hierbei werde er von der Mehrheit der Minister unterstützt. Eden hingegen wünsche langsam und zusammen mit anderen Dölkerbundsmächten vorzugehen. Daily
Wehrpflicht?" meint Beverley Baxter im „Sun- day Graphic", man müsse der Angelegenheit einen anderen Namen geben, da das Volk in Großbritannien das Wort Wehrpflicht Haffe. Die allgemeine Wehrpflicht diene ausschließlich der Verteidigung der Heimat, da Großbritannien niemals wieder eine Expeditionsarmee über See entsenden werde. Die Expeditionsarmee der Zukunft werde nur aus Fliegern und Seeleuten bestehen. Er weist sodann darauf hin, welche Nachteile Großbritannien
1914 gehabt habe, weil es damals keine Wehrpflicht hatte, und meint, daß auch die „Demokratie zugrunde gehen würde, wenn sie nicht bereit sei, von ihren jungen Leuten eine Art nationalen D i e n st zu verlangen". Er bemitleidet auch den jungen Mann, der niemals im Zelt geschlafen habe j und niemals feine 20 Meilen täglich im Gleich-1 schritt der Militärmusik marschiert sei. Er bedauerte schließlich den Mann, der immer nur Leute seiner Klasse getroffen habe, weil alle Klassen viel voneinander zu lernen hätten.
zivilen Luft-
Chamberlain
ernennen.
die Oberhand behalten werde.
Daily Mail schreibt, Chamberlain wünsche Freundschaft mit jeder Macht in Europa. Aus diesem Grunde wolle er mit Italien und Deutschland in Eintracht leben, nicht nur um die wachsende politisch^ Spannung in (Europa zu beseitigen, sondern auch, um den Grund ft ein für einen neuen Viermächte pakt zwischen England, Frankreich, Deutschland und Italien zu legen. Die Daily Mail setzt sich für diese realistische Politik Chamberlains ein. Die meisten britischen Minister, so schreibt das Blatt, wissen heute, daß der Augenblick gekom m e n fei, um zu einer freiwilligen Verständigung mit Deutschland und Italien zu kommen und daß neue Spannungen kommen müssen, wenn man diesen Augenblick ver st reichen lasse. Daily Mail kündigt die Möglichkeit einer Regierungsumbildung an. Das Blatte berichtet von einem Vorschlag, einen *: ; ~ °"u‘
Expreß berichtet, daß Chamberlain mit der Mehrheit des Kabinetts eine möglichst rasche Wiederaufnahme der e n g l i f ch - i t a l i e- nischen Besprechungen wünsche. Chamberlain sei bereit, das Kaiserreich Aethiopien anzuerkennen und die Möglichkeit einer fi- n a n zi e l l e n Hilfe für Italien ins Auge zu fassen. In politischen Kreisen sei man der Ansicht, das Chamberlain mit seiner Politik gegebenenfalls
f a h r t m i n i st e r zu
werde die Gelegenheit benutzen, um verschiedene Umbesetzungen bzw. Neuernennungen vorzunehmen. Es sei möglich, daß Luftfahrtminister Lord Swinton das' Marineministerium übernehmen werde und H o r e - B e l i s h a , der gegenwärtige Kriegsminister, das Lutfahrtministerium. Gegebenenfalls könne auch Winston Churchill als Kriegsmini
ster ins Kabinett kommen.
Die Gerüchte von Meinungsverschiedenheiten zwischen Chamberlain und Eden haben Regierungsstellen, die dem Ministerpräsidenten nahestanden, zu folgender Mitteilung veranlaßt: „Wie wir von höchst autoritativer Seite erfahren, werden alle Gerüchte über eine englische Kabinettskrise oder über Meinungsverschiedenheiten zwischen Neville Chamberlain, dem Premierminister und dem Außenminister Anthony Eden als unrichtig bezeichnet. Insbesondere gilt dies auch für die Behauptungen, daß zwischen den beiden Ministern Meinungsverschiedenheiten wegen der Italien gegenüber emzu- nehmenden Haltung entstanden seien, die, falls nicht noch ein Kompromiß im Laufe der nächsten Woche erreicht werden konnte, zum Rücktritt. Edens führen müßte. Es wird nachdrücklich darauf hin- gewiefen, daß die Zusammenarbeit zwischen dem Premierminister und dem Außenminister äußerst eng ist." Auch Außenminister Eden ist in einer Rede in Birmingham auf diese Gerüchte eingegangen. Er erklärte, daß er in den letzten ^tonnten aufs engste mit dem e m i e r m i n i ft e r zusammengearbeitet habe. Er stelle das fest, obwohl er.wisse, daß er damit einige Zeitungen vielleicht enttäuschen würde. Zwischen den Demokratien und den autoritären Staaten dürfe die Freundschaft nicht unmöglich werden. England wünsche auf die Dauer kein Auseinanderklaffen derart, daß die Demokratien.sich gegen die autoritären Staaten stellen. Er sei der Ansicht, daß man sich in der Zukunft nicht auf die Unterschiede zwischen beiden Formen, sondern vielmehr auf das, was beiden gemeinsam sei konzentrieren solle. Englands Verhalten ei verschiedentlich mißdeutet worden So behaupteten zu Zeiten Leute, daß England dekadent sei, daß seine Einrichtungen veraltet seien und nicht mehr funktionierten. Die Engländer wußten, daß das nicht der Fall sei.
Für eine nationale Dienstpflicht.
Deutsche Gedanken machen in England Schule.
London. 13. Febr. (DNB., In den Sonntag. »Wt-rn wird der Feldzug für itie
nationalen D i e n t p f 11 d) t tn öroBorttan nien womit offenbar ein Mittelding zw> chen d»m deuUch" Arbeitsdienst und der allgemeinen Wehrpflicht gemeint ist, fortgesetzt, äm „Ob- Urner" fordert Sir Edward G r i g g die Erweckung des Pflichtgefühls gegenüber dem Staat, die Stärkung der nationalen" Kameradschaft, die } Stärkung der § Derteidigungsmaßnahmen gegen ^ngrij unb die Förderung der Rekrutierung der Armee und der Luftwaffe.Man solle die gesamt Iuaend Englands für eine bestimmte 3elt nationalen Dienst unterstellen, bevor fie bas Dahl-
her ’ Überschrift ,Kommt die allgemeine
Leipzig feiert Richard Wagner.
„Orr erste dentschbewlißte Kuliurpolitiker größten Stils/
Leipzig, 13. Febr. (DNB.) Die festlichen Veranstaltungen, mit denen die ©eburtsjtaibt Richard Wagners ihres größten Sohnes aus Anlaß feines 125. Geburtstages gedenkt, wurden am Sonntag, dem 5 5. Todestag des Meisters, mit einer Feier in dem Neuen Theater eingeleitet. Die Festrede hielt der Generalintendant des Deutschen Nationaltheaters Weimar, Reichskultursenator Staatsrat Dr. Hans Severus Ziegler. Wir wissen, so führte Dr. Ziegler aus, daß Richard Wagners Wirken der denkbar wertvollste Beitrag zur Bewußt- roerbung bes beutschen Menschen schlechthin und zur Kristallisation seines völkischen Lebens gewesen ist. Im 19. Jahrhundert hat kaum eine Geniepersönlich- keit d i e Idee „V o l k" in ihrem Umfang und Inhalt so klar erkannt und kaum eine an ihrer Realisierung so hart kämpfend gearbeitet wie Richard Wagner. In seiner Abhanblung „Was ist beutsch?" hat Richard Wagner die vier phänomenalen Ereignisse: Bach, Goethes „Götz", die Entdeckung Shakespeares für Deutschland und die Entdeckung der Antike als Taten bezeichnet, die der deutsche Geist aus seinem innersten Verlangen, sich seiner selbst bewußt zu werden, vollbrachte. Und heute bekennt das deutsche Volk Adolf Hitlers, daß es den. der dies einst ausgesprochen hat, selbst eingereiht sieht in den kostbaren Ring der großen Führer zum Deutschbewußtsein. Sein Gesamtkunstwerk eines deutschen Dramas aus Wertbichtung, Tongewalt und Bildkraft ist eine Realität des germanisch-deutschen KuNstgeistes.
Den besonderen Widerhall Wagners in der Gegenwart erklärte Dr. Ziegler vor allem damit, daß die unheilvollen Schranken zwischen Kunstgenie und Volk niedergerisfen seien. Der Gewalt seiner TonGrache könne sich der urtümliche romantische Mensch im Volke nicht entziehen. Wie Goethe für seine Zeit, fei Wagner für die feine der unerbittlichste Durchdenker aller völkischen Fragen, und da er in eine Epoche hineinwachse, in der die großen Auseinanderfehungen zwischen den Völkern und zwischen den Lebensformen des eigenen Volkes beginnen und der kamvfreiche Läuterungsprozeh im raffenmäßig bestimmten Volkstum ein- fehe, fo werde er der erste deutfchbe - wußte K u l t u r p o li t i k e r größten Stils. Das staatsmännische Genie Adolf
h i t t e rs ebenso wie fein künstlerischer Denkergeist erlebten bei Wagner die denkbar aktivsten Kräfte. Neben Wagner habe es überhaupt niemanden gegeben, der sich auch nur das Thema „Kunst und Politik" gestellt hätte, und erst der Nationalsozialismus habe die Zusammenhänge zwischen diesen beiden Lebensmüchten aufgezeigt. 3n dem bekannten Sah Richard Wagners „Deutsch fein heißt, die Sache, die man treibt, um ihrer selbst und der Freude an ihr willen treiben" liege nichts anderes beschlossen als die Anschauung des deutschen Idealismus, die der Führer feinem Volke zurückgefchenkt habe.
Nach diesem gläubigen Bekenntnis zu Richard Wagner und seinem Werk kam der Meister selbst mit seinem Oratorium „Das Liebesmahl der Apostel" zu Gehör. Zum ersten Male wurde dieses Werk bühnenmäßig und szenisch gestaltet aufgeführt. Die musikalische Leitung hatte der Chor- meister des Leipziger Männerchors und Dramaturg der Leipziger Oper Hans S t i e b e r, die szenische Leitung Intendant Dr. Hans Schüler, die Zwölf Apostel wurden von Mitgliedern des Leipziger Opernchors, die „Stimmen aus der Höhe" von einem Kammerchor erster Solomitglieder der Oper gelungen, während der Cho-rfatz von über 300 Sängern der Leipziger Gesangvereine ausgeführt wurde.
Im Anschluß an die Feier wurde durch Oberbürgermeister Dänicke im Museum der Bildenden Künste die Ausstellung „Leipzig — öie Musikstad t" eröffnet, in deren Rahmen vom 22. bis 26. April das 2 5. Deutsche Bach- Fest stattfinden wird. Gleichzeitig wurde eine von der Deutschen Bücherei und der Leipziger Stadtbibliothek durchgeführte Ausstellung „Leivzig — die Musikstadt im neueren deutschen Schrifttum" der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Nachdem bereits am Morgen die Gräber, Denkmäler und Gedenktafeln von Meistern der Tonkunst mit frischem Grün geschmückt worden waren, endeten die Veranstaltungen des Vormittags mit einer Kranzniederlegung an der Ruhestätte Johann Sebastian Bachs. Der Abend brachte zwei Jugendwerke Richard Wagners, das Fragment „Die Hochzeit" und die romantische Oper in drei Akten „Die Fee n". Mit diesem 2lbenb wird eine zyklische Aufführung bes bramatischen Gesamtwerkes des Meisters ein- I geleitet.
Richtfest des Auslandshauses der HZ.
Berlin, 12. Febr. (DNB.) Am Samstagmittag versammelten sich zwischen Gatow unb Klabow, an bem reizvollen Ufer der Hasel, Führer bes jungen Deutschlands unb Männer aus Partei unb Staat zu bem Richtfest bes Auslanbs- baufes ber HI. Der Jugenbführer bes Deutschen Reiches betonte, das Haus solle einmal ber Treffpunkt aller an der Auslanbsarbeit ber Hitler-Jugenb beledigten Führer unb Führerinnen ber HI., bes BDM. und ber anderen Parteiorganisationen sein. Dann sollen hier die Führer und Führerinnen ber deutschen Jugend mit denen ber Jugenb anderer Länder zusammenkommen. „Die Jugendbewegung von einst predigte bas schwärmerische Ideal einer allgemeinen Verbrübe- rung ber Jugend der Völker. Wir setzen diesem falschen Ideal das höhere, klarere und ehrlichere Ideal der Verständigung der jungen Generationen entgegen. Die, ganze Jugend unseres Volkes wird auf diese Aufgabe ausgerichtet. Möge die Jugend, die in diesen Räumen weilen wird, sich stets würdig des Geistes unb des Glaubens erweisen, der die Männer beseelte, die aus der Kraft ber Gemeinschaft heraus den Bau errichteten." Das Lieb der Hitler-Jugenb „Unsere Fahne flattert uns voran" erklang in ber weiten märkischen Landschaft.
Das Auslanbshaus der HI. gehört zu jenen neuen Bauten der Jugend, die im „Baujahr der Hitler-Jugenb" begonnen worben finb. Der Entwurf flammt von bem jungen Architekten ber HI., Diplomingenieur F. G. Winter. Das Material bes in Front und Tiefe je 70 Meter langen Gebäudes bestehl aus Zehdenicker Backsteinen mit Werksteinleilen aus Granit; bas Dach ist mit roten Falzpfannen gedeckt. Diese Sparsamkeit der äuße
ren Mittel kennzeichnet schon deutlich die in bem Bau zum Ausdruck gebrachte architektonische, Haltung, die — ohne die liebevolle Durchbildung aller Einzelheiten zu vernachlässigen — bewußt das strenge Maß preußisch-märkischer Bauten, der Kö- nigsbauten des benachbarten Potsdam, wahrt. Das gleiche gilt für die Innengestaltung. Das Erdgeschoß, dessen Front einen Säulengang bildet, enthält die Garlenhalle, den Tagesraum, ein Spielzimmer, den Speiseraum, das Musikzimmer, einen Lesesaal mit anschließenden Stubienräumen unb einen großen Dorlragssaal. Das Obergeschoß beherbergt außer verschiedenen Arbeits- unb Bürozimmern bie Schlaf- unb Nebenräume. Die Terrasse gibt einen weilen Blick in bie märkische Landschaft frei; ber mit Wesersandsteinplalten belegte Appellhof ist zum Schauplatz ber Feierstunden bestimmt. Ein Sporlplak, Wassersvorl- unb Schwimmgelegenheiten vervollständigen bie Anlagen.
Füh eriagung der HI.
in Frankfurt.
Lpb. Frankfurt a. M., 13. Febr. Der SlanborlFrankfurta. M. ber Hitler-Jugenb veranstaltete seine biesjährige Führerlagung, die bazu biente, ben Marschweg für bas Jahr 1938 auf- zuzeigen. Gebietsführer D r a n b t stellte als die Hauptsache ben bebingungslofen Kampf fürbieBewegung hin. Die Erfolge bes Vorjahres seien gewiß anzuerkennen, aber in diesem Jahre müßten sie um ein Vielfaches gesteigert werden. Heule stehe ben Aufgaben ber HI. kein politischer Gegner mehr gegenüber, aber bafür gebe es einen anderen Gegner, der noch viel gefährlicher
sei, den Gegner in den eigenen Reihen in Gestalt der Trägheit u n d A b g e st u m p s t h e f 1. Es sei nicht zu bestreiten, daß die intensive Arbeit in der HI. manchmal blanke Nachteile bringe, aber man müsse in den Reihen der HI. bas Vertrauen dazu haben, daß der Führer nie und nimmer den Menschen vergessen werde, der sich für die Bewegung eingesetzt und seine Pflicht bis zum Letzten erfüllte. Dann warnte der Gebielsführer die jungen Führer, sich mit den großen Theorien und Problemen zu befassen unb sie auslegen zu wollen; ihnen käme eine anbere Aufgabe zu, nämlich die, in ihren Einheiten für unbebingle Disziplin unb Drbnung zu sorgen, damit ber beulsche Mensch herangezogen werben könne, ber für bie Zukunft bes Volkes gebraucht werde. Die HI. müsse stolz darauf fdin, dieses Zeitalter milgeslallen zu dürfen. „Laßt uns auf die Männer blicken", so schloß der Gebielsführer, „die in den ersten Zeiten der Bewegung die Fahne trugen. Sie sollen uns ein Vorbild sein. Sie hätten mit Zähigkeit und Verbissenheit weiter zum Führer gestanden, wenn auch die Machtübernahme statt 1933 erst 1943 gekommen wäre".
Deutsch-österreichische Aussprache.
Der Führer und Reichskanzler empfing Bundeskanzler Dr. Schuschnigg auf dem Dbersalzberg.
Berchtesgaden, 12. Febr. (DNB.) Der österreichische Bundeskanzler Dr. Schuschnigg slatlete heute in Begleitung des österreichischen Staatssekretärs für die auswärtigen Angelegenheiten Dr. Guido Schmidt und des deutschen Botschafters von P a p e n in Gegenwart des Reichsministers des Auswärtigen von Ribbentrop dem Führer und Reichskanzler auf dessen Einladung einen Besuch auf dem Obersalzberg ab. Diese inoffizielle Begegnung entsprang dem beiderseitigen Wunsche, sich über alle Fragen, die das Verhältnis zwischen dem Deutschen Reich und Oesterreich betreffen, auszusprechen.
Bundeskanzler Dr. Schuschnigg ist nach seiner Unterredung mit dem Führer und Reichskanzler auf dem Obersalzberg im Sonderzug> in den frühen Morgenstunden des Sonntags wieder in Wien eingetroffen.
Was ist Nichteinmischung?
Wie wir hier bereits hervorgehoben haben, ließen schon erste Pariser unb ßonboner Presseäußerungen nach bem Sturz bes Kabinetts Goga in Rumänien keinerlei Zweifel barüber, mit welchen Druckmitteln gewisse Mächte in Bukarest gegen Goga gearbeitet hatten. Schon jene auslänbischen Stimmen waren aufklärend genug. Zum Ueberfluß finden sich jetzt in bem französischen Kommunisten- blalte „Humanite" Ausführungen bes Sinnes, baß mit bem Sturz Gogas noch lange nicht genug geschehen sei unb baß Frankreich noch ganz anbere Druckmittel hätte anroenben müssen. Unb ber Pariser „Jour" bestätigt ausbrücklich, baß bie Vertreter Frankreichs unb Englanbs in Bukarest „energische Schritte zur Ent- sernung Gogas" unternommen hätten. Energische Schrille? Zur Entfernung einer rumänischen Regierung? Sind der französische unb ber englische Gesanble etwa rumänische Parteiführer, baß sie sich so einfach bas,Recht nehmen, gegen eine rechtmäßige Regierung Sturm zu laufen? Ober betrachtet man in Paris und London Rumänien immer noch als einen Trabanten im Gefolge der großen westeuropäischen Staaten?
Von den so traurig berühmt gewordenen 14 Wil- sonschen Punkten bis zu dem nicht weniger „berühmten" Londoner Ausschuß wandelte sich der Gedanke der inneren Freiheit eines Volkes vom Begriff der sog. Selbstbestimmung bis zur Theorie von ber grunbsätzlichen Nichteinmischung. Beibe, sowohl jener Wilsgnsche Gedanke der Selbstbestimmung der Völker über ihre Staats-, Regierungs- und Zugehörigkeilsform als auch der Gedanke ber Nichteinmischung, sinb burch bie gleichen westeuropäischen Staaten zu wertlosen Papierfetzen geworden. Es gibt, wenn man von Fällen wie Spanien oder Nicaragua absiehl, kaum einen Fall in der Geschichte, ber eine ber-art krasse Einmischung aus eigennützigen, machlpolili- schen Motiven barslellt wie bie vereinigten Druckversuche aus Paris, London unb Prag in Bukarest, eine beispiellose Verhöhnung bes Nichleinmischungs- gebanfens. Man stelle sich einmal vor, wie sich ber Verkehr ber Völker untereinanber gestalten müßte, wenn jeber Staat ganz nach Belieben einem andern in seine Regierungsform, seine Kabinettsbildung unb begleichen innere Angelegenheiten mit biretten Drohungen Hineinreben wollte! B. R.
Rumäniens neues Rea nie.
Bukarest, 12. Febr. (DNB.) Ein Ministerrat beschloß, einen Ausschuß einzusetzen, der eine neue Verfassung vorbereiten soll. Ein Institut für Derwaltungswissenschaften soll eine Neuorbnung ber Gemeindeverwaltung vorbereiten. Ministerpräsident Christen wurde betraut, die Gläubigen von anderen als den gesetzlichen Eiben zu entbinden. Das Statut ber öffentlichen Beamten und die Unabsetzbarkeit ber Richter sowie die Autonomie ber Hochschulen werde vorübergehend auf- gehoben. O essen Iliche Beamte dürfen an politischen Kundgebungen nicht teilnehmen. Schließlich wirb bas Pressewesen neu geregelt durch Einstel - lungunnöJiger ober schädlicher Presse-


