Einzelbild herunterladen

Nr. 57 Erstes Matt

188. Jahrgang

Montag, 14-Abruar 1958

Lrlchetnr tügllch, außer Sonntags und Feiertags Beilagen. Die Illustrierte Gjetzener Familienblättei Heimat im Bild Die Scholle monat$=Bc5ugspreis:

Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte e 1.80 Zustellgebühr , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt

Hernsprechanschlüsse unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnach­richten: Anzeiger Gietzeu postschecltonto:

Zrontfurt am Main 11688

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Druck und Verlag: vrühlsche Univerfttättdruckerei R. Lange in Liehen. Schriftleitvng und Geschüstrftelle: Schulftrahe 7

Annahme oon Anzeigen für öie Mittagsnummer bis8 ,Ubr des Vormittags

Grundpreise für 1 mm höhe

für Anzeigen oon 22 mm Breite 7 Rps.. für Text- anzeigen oonTOmm Breite 50Npf.,Platzvorschrift nach oorh Vereinbg 25° 0 mehr.

Ermätzigte Grundpreise:

Stellen-. Vereins-, gemein­nützige Anzeigen sowie ein­spaltige Gelegenheitsanzei­gen 5 Npf., Familienanzei­gen, Bäder-, Unterrichts- u. behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B

Englische Blätter befürworten Verständigung mit Deutschland und Italien.

Gerüchte überMeinungsverschiedenheiten zwischen Chamberlain undEden werden dementiert

London, 13. Febr. (DNB.) Einige Blätter ver­breiteten in den letzten Tagen das Gerücht, daß i m englischen Kabinett ernste Meinungs­verschiedenheiten eingetreten seien. Mini­sterpräsident Chamberlain setze sich für eine sofortige Politik der Freundschaft mit den autori­tären Staaten ein, um die europäische SpännuNg zu beseitigen. Hierbei werde er von der Mehrheit der Minister unterstützt. Eden hingegen wünsche langsam und zusammen mit anderen Dölkerbundsmächten vorzugehen. Daily

Wehrpflicht?" meint Beverley Baxter imSun- day Graphic", man müsse der Angelegenheit einen anderen Namen geben, da das Volk in Groß­britannien das Wort Wehrpflicht Haffe. Die allge­meine Wehrpflicht diene ausschließlich der Ver­teidigung der Heimat, da Großbritannien niemals wieder eine Expeditions­armee über See entsenden werde. Die Expedi­tionsarmee der Zukunft werde nur aus Flie­gern und Seeleuten bestehen. Er weist so­dann darauf hin, welche Nachteile Großbritannien

1914 gehabt habe, weil es damals keine Wehrpflicht hatte, und meint, daß auch dieDemokratie zu­grunde gehen würde, wenn sie nicht bereit sei, von ihren jungen Leuten eine Art nationalen D i e n st zu verlangen". Er bemitleidet auch den jungen Mann, der niemals im Zelt geschlafen habe j und niemals feine 20 Meilen täglich im Gleich-1 schritt der Militärmusik marschiert sei. Er bedauerte schließlich den Mann, der immer nur Leute seiner Klasse getroffen habe, weil alle Klassen viel voneinander zu lernen hätten.

zivilen Luft-

Chamberlain

ernennen.

die Oberhand behalten werde.

Daily Mail schreibt, Chamberlain wünsche Freundschaft mit jeder Macht in Europa. Aus die­sem Grunde wolle er mit Italien und Deutschland in Eintracht leben, nicht nur um die wachsende politisch^ Spannung in (Europa zu beseitigen, sondern auch, um den Grund ft ein für einen neuen Viermächte pakt zwi­schen England, Frankreich, Deutschland und Ita­lien zu legen. Die Daily Mail setzt sich für diese realistische Politik Chamberlains ein. Die meisten britischen Minister, so schreibt das Blatt, wissen heute, daß der Augenblick gekom m e n fei, um zu einer freiwilligen Verständigung mit Deutschland und Italien zu kommen und daß neue Spannungen kommen müssen, wenn man diesen Augenblick ver st reichen lasse. Daily Mail kündigt die Möglichkeit einer Regie­rungsumbildung an. Das Blatte berichtet von einem Vorschlag, einen *: ; ~ °"u

Expreß berichtet, daß Chamberlain mit der Mehrheit des Kabinetts eine möglichst rasche Wiederaufnahme der e n g l i f ch - i t a l i e- nischen Besprechungen wünsche. Chamber­lain sei bereit, das Kaiserreich Aethiopien anzuerkennen und die Möglichkeit einer fi- n a n zi e l l e n Hilfe für Italien ins Auge zu fassen. In politischen Kreisen sei man der Ansicht, das Chamberlain mit seiner Politik gegebenenfalls

f a h r t m i n i st e r zu

werde die Gelegenheit benutzen, um verschiedene Umbesetzungen bzw. Neuernennungen vorzunehmen. Es sei möglich, daß Luftfahrtminister Lord Swin­ton das' Marineministerium übernehmen werde und H o r e - B e l i s h a , der gegenwärtige Kriegs­minister, das Lutfahrtministerium. Gegebenenfalls könne auch Winston Churchill als Kriegsmini­

ster ins Kabinett kommen.

Die Gerüchte von Meinungsverschiedenheiten zwi­schen Chamberlain und Eden haben Regierungs­stellen, die dem Ministerpräsidenten nahestanden, zu folgender Mitteilung veranlaßt:Wie wir von höchst autoritativer Seite erfahren, werden alle Ge­rüchte über eine englische Kabinettskrise oder über Meinungsverschiedenheiten zwischen Neville Cham­berlain, dem Premierminister und dem Außenmini­ster Anthony Eden als unrichtig bezeichnet. Ins­besondere gilt dies auch für die Behauptungen, daß zwischen den beiden Ministern Meinungsverschieden­heiten wegen der Italien gegenüber emzu- nehmenden Haltung entstanden seien, die, falls nicht noch ein Kompromiß im Laufe der nächsten Woche erreicht werden konnte, zum Rücktritt. Edens führen müßte. Es wird nachdrücklich darauf hin- gewiefen, daß die Zusammenarbeit zwischen dem Premierminister und dem Außenminister äußerst eng ist." Auch Außenminister Eden ist in einer Rede in Birmingham auf diese Gerüchte eingegan­gen. Er erklärte, daß er in den letzten ^tonnten aufs engste mit dem e m i e r m i n i ft e r zusammengearbeitet habe. Er stelle das fest, obwohl er.wisse, daß er damit einige Zeitungen vielleicht enttäuschen würde. Zwischen den Demokra­tien und den autoritären Staaten dürfe die Freundschaft nicht unmöglich werden. England wünsche auf die Dauer kein Ausein­anderklaffen derart, daß die Demokratien.sich gegen die autoritären Staaten stellen. Er sei der Ansicht, daß man sich in der Zukunft nicht auf die Unterschiede zwischen beiden Formen, sondern viel­mehr auf das, was beiden gemeinsam sei konzentrieren solle. Englands Verhalten ei verschiedentlich mißdeutet worden So be­haupteten zu Zeiten Leute, daß England dekadent sei, daß seine Einrichtungen veraltet seien und nicht mehr funktionierten. Die Engländer wußten, daß das nicht der Fall sei.

Für eine nationale Dienstpflicht.

Deutsche Gedanken machen in England Schule.

London. 13. Febr. (DNB., In den Sonntag. »Wt-rn wird der Feldzug für itie

nationalen D i e n t p f 11 d) t tn öroBorttan nien womit offenbar ein Mittelding zw> chen d»m deuUch" Arbeitsdienst und der allgemeinen Wehrpflicht gemeint ist, fortgesetzt, ämOb- Urner" fordert Sir Edward G r i g g die Erweckung des Pflichtgefühls gegenüber dem Staat, die Stär­kung der nationalen" Kameradschaft, die } Stärkung der § Derteidigungsmaßnahmen gegen ^ngrij unb die Förderung der Rekrutierung der Armee und der Luftwaffe.Man solle die gesamt Iuaend Englands für eine bestimmte 3elt nationalen Dienst unterstellen, bevor fie bas Dahl-

her Überschrift ,Kommt die allgemeine

Leipzig feiert Richard Wagner.

Orr erste dentschbewlißte Kuliurpolitiker größten Stils/

Leipzig, 13. Febr. (DNB.) Die festlichen Ver­anstaltungen, mit denen die ©eburtsjtaibt Richard Wagners ihres größten Sohnes aus Anlaß feines 125. Geburtstages gedenkt, wurden am Sonntag, dem 5 5. Todestag des Meisters, mit einer Feier in dem Neuen Theater eingeleitet. Die Fest­rede hielt der Generalintendant des Deutschen Na­tionaltheaters Weimar, Reichskultursenator Staats­rat Dr. Hans Severus Ziegler. Wir wissen, so führte Dr. Ziegler aus, daß Richard Wagners Wir­ken der denkbar wertvollste Beitrag zur Bewußt- roerbung bes beutschen Menschen schlechthin und zur Kristallisation seines völkischen Lebens gewesen ist. Im 19. Jahrhundert hat kaum eine Geniepersönlich- keit d i e IdeeV o l k" in ihrem Umfang und In­halt so klar erkannt und kaum eine an ihrer Reali­sierung so hart kämpfend gearbeitet wie Richard Wagner. In seiner AbhanblungWas ist beutsch?" hat Richard Wagner die vier phänomenalen Ereig­nisse: Bach, GoethesGötz", die Entdeckung Shake­speares für Deutschland und die Entdeckung der An­tike als Taten bezeichnet, die der deutsche Geist aus seinem innersten Verlangen, sich seiner selbst bewußt zu werden, vollbrachte. Und heute bekennt das deutsche Volk Adolf Hitlers, daß es den. der dies einst ausgesprochen hat, selbst eingereiht sieht in den kostbaren Ring der großen Führer zum Deutschbe­wußtsein. Sein Gesamtkunstwerk eines deutschen Dramas aus Wertbichtung, Tongewalt und Bild­kraft ist eine Realität des germanisch-deutschen KuNstgeistes.

Den besonderen Widerhall Wagners in der Gegenwart erklärte Dr. Ziegler vor allem da­mit, daß die unheilvollen Schranken zwischen Kunstgenie und Volk niedergerisfen seien. Der Gewalt seiner TonGrache könne sich der urtüm­liche romantische Mensch im Volke nicht ent­ziehen. Wie Goethe für seine Zeit, fei Wagner für die feine der unerbittlichste Durchdenker aller völkischen Fragen, und da er in eine Epoche hineinwachse, in der die großen Aus­einanderfehungen zwischen den Völkern und zwischen den Lebensformen des eigenen Volkes beginnen und der kamvfreiche Läuterungspro­zeh im raffenmäßig bestimmten Volkstum ein- fehe, fo werde er der erste deutfchbe - wußte K u l t u r p o li t i k e r größten Stils. Das staatsmännische Genie Adolf

h i t t e rs ebenso wie fein künstlerischer Denker­geist erlebten bei Wagner die denkbar aktivsten Kräfte. Neben Wagner habe es überhaupt nie­manden gegeben, der sich auch nur das Thema Kunst und Politik" gestellt hätte, und erst der Nationalsozialismus habe die Zusammenhänge zwischen diesen beiden Lebensmüchten aufgezeigt. 3n dem bekannten Sah Richard Wagners Deutsch fein heißt, die Sache, die man treibt, um ihrer selbst und der Freude an ihr willen treiben" liege nichts anderes beschlossen als die Anschauung des deutschen Idealismus, die der Führer feinem Volke zurückgefchenkt habe.

Nach diesem gläubigen Bekenntnis zu Richard Wagner und seinem Werk kam der Meister selbst mit seinem OratoriumDas Liebesmahl der Apostel" zu Gehör. Zum ersten Male wurde die­ses Werk bühnenmäßig und szenisch gestaltet auf­geführt. Die musikalische Leitung hatte der Chor- meister des Leipziger Männerchors und Dramaturg der Leipziger Oper Hans S t i e b e r, die szenische Leitung Intendant Dr. Hans Schüler, die Zwölf Apostel wurden von Mitgliedern des Leipziger Opernchors, dieStimmen aus der Höhe" von einem Kammerchor erster Solomitglieder der Oper gelungen, während der Cho-rfatz von über 300 Sän­gern der Leipziger Gesangvereine ausgeführt wurde.

Im Anschluß an die Feier wurde durch Ober­bürgermeister Dänicke im Museum der Bildenden Künste die AusstellungLeipzig öie Musikstad t" eröffnet, in deren Rahmen vom 22. bis 26. April das 2 5. Deutsche Bach- Fest stattfinden wird. Gleichzeitig wurde eine von der Deutschen Bücherei und der Leipziger Stadt­bibliothek durchgeführte AusstellungLeivzig die Musikstadt im neueren deutschen Schrifttum" der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Nachdem bereits am Morgen die Gräber, Denkmäler und Gedenk­tafeln von Meistern der Tonkunst mit frischem Grün geschmückt worden waren, endeten die Veranstaltun­gen des Vormittags mit einer Kranzniederlegung an der Ruhestätte Johann Sebastian Bachs. Der Abend brachte zwei Jugendwerke Richard Wag­ners, das FragmentDie Hochzeit" und die romantische Oper in drei AktenDie Fee n". Mit diesem 2lbenb wird eine zyklische Aufführung bes bramatischen Gesamtwerkes des Meisters ein- I geleitet.

Richtfest des Auslandshauses der HZ.

Berlin, 12. Febr. (DNB.) Am Samstagmittag versammelten sich zwischen Gatow unb Klabow, an bem reizvollen Ufer der Hasel, Füh­rer bes jungen Deutschlands unb Männer aus Partei unb Staat zu bem Richtfest bes Auslanbs- baufes ber HI. Der Jugenbführer bes Deutschen Reiches betonte, das Haus solle einmal ber Treffpunkt aller an der Auslanbsarbeit ber Hitler-Jugenb beledigten Führer unb Führe­rinnen ber HI., bes BDM. und ber anderen Par­teiorganisationen sein. Dann sollen hier die Füh­rer und Führerinnen ber deutschen Jugend mit denen ber Jugenb anderer Länder zusammenkom­men.Die Jugendbewegung von einst predigte bas schwärmerische Ideal einer allgemeinen Verbrübe- rung ber Jugend der Völker. Wir setzen diesem falschen Ideal das höhere, klarere und ehrlichere Ideal der Verständigung der jungen Generationen entgegen. Die, ganze Jugend unseres Volkes wird auf diese Aufgabe ausgerich­tet. Möge die Jugend, die in diesen Räumen weilen wird, sich stets würdig des Geistes unb des Glau­bens erweisen, der die Männer beseelte, die aus der Kraft ber Gemeinschaft heraus den Bau er­richteten." Das Lieb der Hitler-JugenbUnsere Fahne flattert uns voran" erklang in ber weiten märkischen Landschaft.

Das Auslanbshaus der HI. gehört zu jenen neuen Bauten der Jugend, die imBaujahr der Hitler-Jugenb" begonnen worben finb. Der Ent­wurf flammt von bem jungen Architekten ber HI., Diplomingenieur F. G. Winter. Das Material bes in Front und Tiefe je 70 Meter langen Ge­bäudes bestehl aus Zehdenicker Backsteinen mit Werksteinleilen aus Granit; bas Dach ist mit roten Falzpfannen gedeckt. Diese Sparsamkeit der äuße­

ren Mittel kennzeichnet schon deutlich die in bem Bau zum Ausdruck gebrachte architektonische, Hal­tung, die ohne die liebevolle Durchbildung aller Einzelheiten zu vernachlässigen bewußt das strenge Maß preußisch-märkischer Bauten, der- nigsbauten des benachbarten Potsdam, wahrt. Das gleiche gilt für die Innengestaltung. Das Erdgeschoß, dessen Front einen Säulengang bildet, enthält die Garlenhalle, den Tagesraum, ein Spiel­zimmer, den Speiseraum, das Musikzimmer, einen Lesesaal mit anschließenden Stubienräumen unb einen großen Dorlragssaal. Das Obergeschoß beher­bergt außer verschiedenen Arbeits- unb Bürozim­mern bie Schlaf- unb Nebenräume. Die Terrasse gibt einen weilen Blick in bie märkische Landschaft frei; ber mit Wesersandsteinplalten belegte Appell­hof ist zum Schauplatz ber Feierstunden bestimmt. Ein Sporlplak, Wassersvorl- unb Schwimmgelegen­heiten vervollständigen bie Anlagen.

Füh eriagung der HI.

in Frankfurt.

Lpb. Frankfurt a. M., 13. Febr. Der SlanborlFrankfurta. M. ber Hitler-Jugenb veranstaltete seine biesjährige Führerlagung, die bazu biente, ben Marschweg für bas Jahr 1938 auf- zuzeigen. Gebietsführer D r a n b t stellte als die Hauptsache ben bebingungslofen Kampf fürbieBewegung hin. Die Erfolge bes Vorjah­res seien gewiß anzuerkennen, aber in diesem Jahre müßten sie um ein Vielfaches gesteigert werden. Heule stehe ben Aufgaben ber HI. kein politischer Gegner mehr gegenüber, aber bafür gebe es einen anderen Gegner, der noch viel gefährlicher

sei, den Gegner in den eigenen Reihen in Gestalt der Trägheit u n d A b g e st u m p s t h e f 1. Es sei nicht zu bestreiten, daß die intensive Arbeit in der HI. manchmal blanke Nachteile bringe, aber man müsse in den Reihen der HI. bas Vertrauen dazu haben, daß der Führer nie und nimmer den Menschen vergessen werde, der sich für die Bewe­gung eingesetzt und seine Pflicht bis zum Letzten erfüllte. Dann warnte der Gebielsführer die jungen Führer, sich mit den großen Theorien und Problemen zu befassen unb sie auslegen zu wollen; ihnen käme eine anbere Aufgabe zu, nämlich die, in ihren Einheiten für unbebingle Disziplin unb Drbnung zu sorgen, damit ber beulsche Mensch herangezogen werben könne, ber für bie Zukunft bes Volkes gebraucht werde. Die HI. müsse stolz darauf fdin, dieses Zeitalter milgeslallen zu dürfen.Laßt uns auf die Männer blicken", so schloß der Gebielsführer,die in den ersten Zeiten der Bewegung die Fahne trugen. Sie sollen uns ein Vorbild sein. Sie hätten mit Zähig­keit und Verbissenheit weiter zum Führer gestanden, wenn auch die Machtübernahme statt 1933 erst 1943 gekommen wäre".

Deutsch-österreichische Aussprache.

Der Führer und Reichskanzler empfing Bundeskanzler Dr. Schuschnigg auf dem Dbersalzberg.

Berchtesgaden, 12. Febr. (DNB.) Der öster­reichische Bundeskanzler Dr. Schuschnigg slatlete heute in Begleitung des österreichischen Staatssekre­tärs für die auswärtigen Angelegenheiten Dr. Guido Schmidt und des deutschen Botschafters von P a p e n in Gegenwart des Reichsministers des Auswärtigen von Ribbentrop dem Führer und Reichskanzler auf dessen Einladung einen Besuch auf dem Obersalzberg ab. Diese inoffizielle Begegnung entsprang dem beiderseitigen Wunsche, sich über alle Fragen, die das Verhältnis zwischen dem Deutschen Reich und Oesterreich betref­fen, auszusprechen.

Bundeskanzler Dr. Schuschnigg ist nach seiner Unterredung mit dem Führer und Reichskanzler auf dem Obersalzberg im Sonderzug> in den frühen Morgenstunden des Sonntags wieder in Wien eingetroffen.

Was ist Nichteinmischung?

Wie wir hier bereits hervorgehoben haben, ließen schon erste Pariser unb ßonboner Presseäußerungen nach bem Sturz bes Kabinetts Goga in Rumänien keinerlei Zweifel barüber, mit welchen Druck­mitteln gewisse Mächte in Bukarest gegen Goga gearbeitet hatten. Schon jene auslänbischen Stim­men waren aufklärend genug. Zum Ueberfluß fin­den sich jetzt in bem französischen Kommunisten- blalteHumanite" Ausführungen bes Sinnes, baß mit bem Sturz Gogas noch lange nicht genug ge­schehen sei unb baß Frankreich noch ganz anbere Druckmittel hätte anroenben müssen. Unb ber Pa­riserJour" bestätigt ausbrücklich, baß bie Ver­treter Frankreichs unb Englanbs in Bukarestenergische Schritte zur Ent- sernung Gogas" unternommen hätten. Ener­gische Schrille? Zur Entfernung einer rumänischen Regierung? Sind der französische unb ber englische Gesanble etwa rumänische Parteiführer, baß sie sich so einfach bas,Recht nehmen, gegen eine rechtmäßige Regierung Sturm zu laufen? Ober betrachtet man in Paris und London Rumänien immer noch als einen Trabanten im Gefolge der großen westeuro­päischen Staaten?

Von den so traurig berühmt gewordenen 14 Wil- sonschen Punkten bis zu dem nicht wenigerbe­rühmten" Londoner Ausschuß wandelte sich der Ge­danke der inneren Freiheit eines Vol­kes vom Begriff der sog. Selbstbestimmung bis zur Theorie von ber grunbsätzlichen Nichtein­mischung. Beibe, sowohl jener Wilsgnsche Ge­danke der Selbstbestimmung der Völker über ihre Staats-, Regierungs- und Zugehörigkeilsform als auch der Gedanke ber Nichteinmischung, sinb burch bie gleichen westeuropäischen Staaten zu wertlosen Papierfetzen geworden. Es gibt, wenn man von Fällen wie Spanien oder Nicaragua absiehl, kaum einen Fall in der Geschichte, ber eine ber-art krasse Einmischung aus eigennützigen, machlpolili- schen Motiven barslellt wie bie vereinigten Druck­versuche aus Paris, London unb Prag in Bukarest, eine beispiellose Verhöhnung bes Nichleinmischungs- gebanfens. Man stelle sich einmal vor, wie sich ber Verkehr ber Völker untereinanber gestalten müßte, wenn jeber Staat ganz nach Belieben einem andern in seine Regierungsform, seine Kabinettsbildung unb begleichen innere Angelegenheiten mit biretten Drohungen Hineinreben wollte! B. R.

Rumäniens neues Rea nie.

Bukarest, 12. Febr. (DNB.) Ein Ministerrat beschloß, einen Ausschuß einzusetzen, der eine neue Verfassung vorbereiten soll. Ein Institut für Derwaltungswissenschaften soll eine Neuorbnung ber Gemeindeverwaltung vorbereiten. Ministerpräsident Christen wurde betraut, die Gläu­bigen von anderen als den gesetzlichen Eiben zu entbinden. Das Statut ber öffentlichen Beamten und die Unabsetzbarkeit ber Richter sowie die Auto­nomie ber Hochschulen werde vorübergehend auf- gehoben. O essen Iliche Beamte dürfen an poli­tischen Kundgebungen nicht teilnehmen. Schließlich wirb bas Pressewesen neu geregelt durch Einstel - lungunnöJiger ober schädlicher Presse-