Nr.ll! Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Zreitag, 13. Mi (938
Fausts Gang zu den Müttern.
Von Or. Johannes Günther.
Eckermann hat oft mit Goethe über die „Faust"-Dichtung sprechen können; Goethe hat ihm erzählt, was er plante, was er dachte, was ihn beschäftigte, bewegte — und Eckermann hat auch den einzigartigen Genuß gehabt, einige Szenen ays dem „Faust", gleich nachdem Goethe sie geformt hatte, vom Meister selbst vorgelesen zu hören. So erzählte Goethe seinem Schreiber und Freund aus dem immer noch werdenden zweiten „Faust"-Teil an eignem der letzten Tage des Jahres 1829:
„Der Kaiser wünscht Paris und Helena zu sehen, und zwar sollen sie durch Zauberkünste in Person erscheinen. Da aber Mephistopheles mit dem griechischen Altertum nichts zu tun und über solche Figuren keine Gewalt hat, so bleibt dieses Werk Fausten zugeschoben, dem es auch vollkommen gelingt. Was aber Faust unternehmen muß, um die Erscheinung möglich zu machen, ist noch nicht ganz vollendet, und ich lese es Ihnen das nächstemal."
Dazu kam es am 10. Januar des neuen Jahres. Eckermann berichtete: „Das Neue, Ungeahnte des Gegenstandes, sowie die Art und Weise, wie Goethe mir die Szene vortrug, ergriff mich wundersam, so daß ich mich ganz in die Lage von Faust versetzt fühlte, den bei der Mitteilung des Mephistopheles gleichfalls ein Schauer überläuft." Danach bat Eckermann Goethe um Erklärung dieser Szene, in der ja Faust zu „den Müttern" hinabsteigt, um die Urbilder des Paris und der Helena zu erhalten, die dann vor den Augen des Kaisers durch magische Kraft zu kurzem Scheinleben gestaltet werden. Aber Goethe? „Er hüllte sich, in seiner gewöhnlichen Art in Geheimnisse", wiederholte nur, indem er Eckermann „mit großen Augen anblickte", die Worte „Die Mütter! Mütter! 's klingt so wunderlich", und fügte hinzu: „Ich kann Ihnen weiter nichts verraten, als daß ich beim Plutarch gefunden, daß im griechischen Altertum von Müttern als Gottheiten die Rede gewesen. Dies ist alles, was ich der Ueberlieferung verdanke, das Uebrige ist meine eigene Erfindung. Ich gebe Ihnen das Manuskript mit nach Hause, studieren Sie alles wohl und sehen Sie zu, wie sie zurecht kommen." Das empfand Eckermann als eine verpflichtende Aufgabe. Und wenn wir auch jene Plutarchstelle kennen, an der außerdem die Rede ist „von dem Felde der Wahrheit, das in Mitten der in Dreiecksgestalt geordneten Welten liegt und die Gründe, Gestalten und Musterbilder all dessen, was da war und was da fein wird, in sich beschließt", wenn auch auf die „Essentien" Spinozas, auf die „Ideen" P l a t o s als Quellen Goethes hingewie- sen wird, und wenn auch endlich Hermann A m - m o n in seinem wissenschaftlich reichen Buche „Dämon Faust" nicht fälschlicher-, aber auch nicht wirklich fördernder- und erklärenderweise die gesamten Grundzüge Goethescher Naturwissenschaft heranzieht, so ist doch die verhältnismäßig sehr einfache Auslegung Eckermanns, die durch reines, fast möchte ich sagen kindliches Einfühlen gefunden worden ist, die beste, die schönste:
„In ewiger Dämmerung und Einsamkeit beharrend, sind die Mütter das schaffende und erhaltende Prinzip, von dem alles ausgeht, was auf der Erde Gestalt und Leben hat. Was zu atmen aufhört, geht als geistige Natur zu ihnen zurück, und sie bewahren es, bis es wieder Gelegenheit findet, in ein neues Dasein zu treten. Alle Seelen von dem, was einst war und künftig sein wird, schweifen in dem endlosen Raum ihres Aufenthaltes wolkenartig hin und her und umgeben die Mütter. Der Magier muß also in ihr Reich gehen, wenn er ein früheres Geschöpf Hervorrufen will. — Wie nun bei allem, was aus der Erde durch Fortsetzung ein neues Leben erhält, das Weibliche hauptsächlich wirksam ist, so mögen jene schaffenden Gottheiten mit Recht weiblich gedacht werden, und man mag ihnen den ehrwürdigen Nomen Mütter nicht ohne Grund beilegen. — Freilich ist dieses alles nur eine
poetische Schöpfung. Wir müssen anthropomorphi- sieren (in menschliche Erscheinung übersetzen), um unsere dunklen Ahnungen einigermaßen faßlich zu machen. So sind alle Mythen entstanden, die von Jahrhundert zu Jahrhundert in den Völkern fort« leben, und ebenso diese neue Mythe von Goethe." Der Dichter ist in seiner Art ein Schöpfer. Er schafft mit an dem, was ewig entsteht, vergeht und wieder wird. Er schafft mit an dem ewig sich wandelnden und ergänzenden Gewebe des Weltmythos. Ist er eingeweiht und berufen, dann darf er den Menschen Mythen schenken.
Goethe stimmt nach der Weise der Eingeweihten, Berufenen ein in den Mythos der mütterlichen Gottheiten, denen die Schicksale offenbar sind, in den Mythos der griechischen Gaia, der Urmutter, in den Mythos der Nomen und Parzen.
Wir könnten angesichts dieser fünften Szene im
ersten Akt des Zweiten Faustteils (überschrieben „Finstere Gallerte") fragen, ob denn die törichte Willkür eines übersättigten Kaisers (.. .„erst haben wir ihn reich gemacht, nun sollen wir ihn amüsieren" ...) es wert sei, daß Faust um seinetwillen zu den „Müttern" gehe. Nein, diese Willkür selber verdient den ernsten Gang zu den Urgründen des Seins nicht. Aber das allmächtige Walten nimmt oft Anfänge, die für menschliche Begriffe seltsam sind. Der zaubergierige Kaiser will Helena sehen. Aber ihm kommt sie nicht zu. Sie erscheint, hinsichtlich des ganzen Schicksalszusammenhanges, doch nur, damit Faust sie sieht, in ihr das Vollkommenste, was Menschenaugen erblicken können, gewahr wird und danach mit ihr den Euphorion zeugt, die Verkörperung der Poesie, dieser schönen aber gefährlichen Kraft, die von einem Bildner weise gezügelt werden muß, wenn sie nicht zerfallen soll.
WW
■g//.
Ferdinand Georg Waldmüller: Im Fenster. — (Galerie Brettauer, Wien).
Oer junge Goethe an seine Mutter.
Obgleich kein Gruß, obgleich kein Brief von mir So lang' dir kommt, laß keinen Zweifel doch Ins Herz, als mär’ die Zärtlichkeit des Sohns, Die ich dir schuldig bin, aus meiner Brust Entwichen. Nein, so wenig als der Fels, Der tief im Fluß vor ew'gern Anker liegt, Aus seiner Stätte weicht, obgleich die Flut Mit stürrn'schen Wellen bald, mit sanften bald Darüber fließt und ihn dem Äug' entreißt.
So wenig weicht die Zärtlichkeit für dich Aus meiner Brust, obgleich des Lebens Strom, Vom Schmerz gepeitscht, bald stürmend drüber fließt Und, von der Freude bald gestreichelt, still Sie deckt und sie verhindert, daß sie nicht, Ihr Haupt der Sonne zeigt und ringsherum Zurückgeworfne Strahlen trägt und dir Bei jedem Blicke zeigt, wie dich dein Sohn verehrt. Leipzig, im Mai 1767.
Stunde der Kindheit.
Von Werner Schumann.
Er ist noch immer ihr „großer Junge", dem man gute Ratschläge erteilen und vor allem Bösen in der Welt bewahren muß. Gegen Husten und Verschleimung empfiehlt sie warmen, aesüßten Zwiebelsaft. Zur Zeit der Herbst- und Fruhlings- stürme sind ihre Briefe voll von sorgenden Mahnungen. Freilich lacht ihr Junge solcher Bemutterung und schreibt scherzhaft abwehrend zurück, daß sie ihm wohl noch den rechten Weg weisen werde, wenn er weißes Haar trage und mit dem Kopfe wackele! Bis er sich in die Bahn fetzt und die Stätten seiner Kindheit aufsucht.
Und da geschieht eine merkwürdige Wandlung mit ihm: die Mutter nimmt langsam wieder ihren alten Platz ein als Betreuerin seiner Seele, feiner kleinen Bedürfnisse und Liebhabereien, sie wacht über ihm und mahnt ihn wie vor dreißig Jahren — und er nickte zu allem und meint: sie solle nur machen, es wird schon richtig sein.
Er ließ sich ausschelten, als er beim Geschirrspülen eines der wenigen heilen Stücke zerbrach — mein Gott, wie lange hatte er fein Gläsertuch mehr in der Hand gehabt! Wie in seiner Bubenzeit trug er ihr den Mülleimer auf den Hof, wischte sorgsam die Spritzer von Fußboden und Wand, die er bei der morgendlichen Reinigung hinterlassen hatte, und half ihr lächelnd beim Abwickeln der Wolle.
Und während das Knäuel in ihren abgearbeiteten Händen wuchs und wuchs, sah er ganz nahe ihr abgehärmtes Gesicht mit der Nickelbrille, die immer schief saß auf der Nase, sah die hell schimmernde Haut mit den zahllosen Fältchen und die kleine, kahle Stelle im einst üppig wuchernden, tiefschwarzen Haar. Da spürte sie feinen Blick, und aufsehend, ohne das Wickeln zu unterbrechen, sagte sie leise und freundlich: „Jungchen, ja, das ist lange her..."
So hatte sie also an früher gedacht, als hier noch drei, vier Trabanten lärmten und Vater donnernd wie Wotan dazwischenfuhr, daß zuweilen die Leute unten auf der Straße stehen geblieben waren. Beide lauschten, als hörten sie wieder feine aufbrausende Stimme. Was gäben sie darum, wenn sie wieder das Haus erfüllte und sie sich zitternd unsichtbar machen könnten!
Sie lauschten auch noch anderen Stimmen. Sie kamen wie aus Träumen zu ihnen, lachende und flüsternde, liebevolle und leidenschaftliche.
Des Sohnes Gedanken gingen wunderliche Wege. Das Klavier, dachte er erschrocken — wo ist es? Und er fürchtete sich, hinzusehen, wo es einst gestanden hatte. „Verkauft", hörte er ihre Stimme, „wir mußten, es war kein Geld da, aber Elisabeth brach es das Herz."
Er fühlte, wie feine Augen inwendig sich mit Bildern füllten. Eine Hand traf klatschend seines Bruders Backe, der schrie und himmelhoch beteuerte, daß er's wahrhaftig nicht gewesen sei, daß er niemals den Klavierdeckel gehoben und mit Zange und Bohrer den Saiten zu Leibe gegangen sei! Niemand, Vater nicht und Mutter erst recht nicht, ließ durchblicken, daß es auch der „Große" gewesen sein könnte. Es muß einmal ausgesprochen werden, dachte er in plötzlicher innerer Not, das Gewissen hielt ihn in der Zange, er stand unvermittelt auf, beugte sich über den grauen Scheitel der alten Frau und sagte so leichthin, wie es ihm möglich war: „Mutter, hör mal, die Sache mit dem Klavier damals, als Hans Prügel bezog — er war ja unschuldig!"
Mit Staunen vernahm er ihre Antwort: „Warum sagst du mir das? Ich habe es immer gewußt." Da küßte er, zum ersten Male, ihre Hände. Am Abend saßen sie am Tisch mit der alten, grünen Plüschdecke, die Uhr tickte wie ehedem, und er langte sich den „Lederstrumpf" vom Wandbrett, den „Letzten der Mohikaner" und las feiner Mutter vor — wie ehedem. Ein reifer Mann mit vier kleinen Kindern daheim war wieder in die eigene Kindheit zurückgekehrt; der Glockenton dieser Stunde hallte durch sein ganzes Leben.
Gießener Stadttheater.
Gastspiel des Rairnonda-Battetts.
Das Raimonda-Ballett vom Empire Theatre und vom Prince of Wales Theatre in ßonbon gab gestern ein Gastspiel bei uns. Die Gäste brachten, auf der Rundreise durch Deutschland begriffen, em großes Programm mit 22 Nummern. Der erste Tei der Folge ist überschrieben „Tournee-Impressionen und läßt die technischen Voraussetzungen und Aus- qanqspunkte erkennen: die Grundlage bildet die Schule des alten klassischen Balletts, obwohl der Spitzentanz so gut wie keine Rolle spielt. Das tänzerische Bild ist im wesentlichen auf dem Zusammenwirken der Gruppe aufgebaut; die Einzeltanzer wirken weniger solistisch, eher als Vor-Tänzer und Gruppenführer. In den unterschiedlichen Nummern ist die Tendenz zum geschlossenen, farbig-dekorativ betonten Schaubild, ferner zu pantomimischer Wirkung, darüber hinaus zum Scherzo und zur Groteske unverkennbar.
Außerdem erwies im besonderen der erste Teil der Folge die stilistische Einfühlungsgabe und Wandlungsfähigkeit des Balletts. Die Ouvertüre bildete eine etwas matte Komposition im antiken Gewände, doch zeigte gleich der folgende spanische Bolero was die Gruppe zu leisten vermag: dies war em farbiger, straft rhythmisierter Tanz, voll Ursprünglicher Bewegung und mit origineller Kastumwm- kung, eine der besten Schöpfungen derFoHe Es folgte ein ganzes Potpourri charaktenstrscher Mo °e ein indischer Tempeltanz, ein orientalischer Bauchtanz, oon Tambourin und Handglockchen akzentuiert, ein lapanischer Tanz mit Masken Schwertern und Fachern, chinesische Szenen — teitoei|e, wie in der „Liebe in China", schon ins Groteske aufgelöst , eine bäuerliche Mazurka zu Zweit und em fern- östlicher Laternentanz, in dessen einfacher Linienführung die Tänzerinnen merkwürdig lemuren haft wirken. *
Vom zweiten Teil des Programms lagen noch etwa das „Aste Spielmannslied" und der sehr rassig vorgettagene Rak6czy-Marsch auf der anfangs em- geschlagenen Linie, während die von Dvoraks Hu- moreske ausgehende „Melodie" für unser Gefühl einigermaßen aus dem Rahmen fiel: derzwei e Teil der Vortragsfolge ging überwiegend auf hei tere, pantomimisch-szenische Wirkungen aus wofür etwa das turbulente Tanz-Drama .'Ausverkauf oder das drollige zweistöckige Tingettangel . (mit akrobatischem Einschlag) besonders charakteristisch schienen. *
Die tänzerisch ausgeprägtesten und auch vielseitigsten Begabungen innerhalb der Gruppe sind Kaat Lenz, (toa Marks („Bolero"; „Lausbuben") und Willi M o m m b e ck, dessen lockere und disziplinierte Körperbeherrschung im „Bolero", im „Herrenwalzer" und im „Springsolo" glücklich^ zur Geltung kam. „Avec grand chic“, im Cancan-Stil von 1900, mit Schwung und Laune getanzt, bildete den effektvollen Abschluß und mußte prompt wiederholt werden.
Ideen, Gestaltung und Kostümentwürfe stammen oon Ballettmeister Hans R a i m o n d a. Regie führt Hansjosef Paul. Bühnenbilder: Wolf'Leder, Berlin; die Dekorationen beschränken sich auf einen jeweils stilistisch andeutenden, großlinigen Prospekt.
Die Zuschauer bedankten sich mit lebhaftem Applaus und erklatschten, obwohl das Programm gewiß reichhaltig war, verschiedene Zugaben.
Hans Thyriot.
„Es leuchten die Sterne."
Lichtspielhaus.
Die großen Revuen finb seit einiger Zeit aus der Mode gekommen; sie sind aus Mangel an Ideen und in bloßer Ausstattung erstickt. Das spricht nicht gegen die Revue an sich, sondern gegen die Leute, die sie gemacht haben. Wenn man diesen Zilm auf sich wirken läßt, hat man etwa folgenden Eindruck. Der Regisseur Hans H. Zerlett, der auch selber das Drehbuch schrieb, dachte bei sich: die Revue ist gar nicht tot, man braucht sie bloß zum Leben zu erwecken, und jetzt wollen wir's den Leuten mal zeigen — „Es leuchten die Sterne", und die Stars der Tobis marschieren auf, so viele Filmsterne hat noch kein Mensch auf einem Hausen oder jedenfalls in einem einzigen Film gesehen. Forst, Trenker, Alexander, Diehl, Fröhlich, George, Hartmann, Hörbiger, Kemp, Liebeneiner, Lingen, Moser, Paulsen, Roberts, die Dagover, die Dorsch, die Hildebrand, die Jugo, die Tschechowa, die Ullrich, die Weiser, die Wüst, und das sind noch nicht einmal alle. Natürlich tauchen sie, jeder und jede von diesen, nur einen Augenblick auf, leuchten em wenig und versinken.
Das ist originell, aber noch keine Revue. Zer- lett besann sich auf das Eigentliche, den Ursprung, auf die Anfänge des Theaters im Mittelalter (das Menschen und Stände Revue passieren ließ) und marschiert mit Musik und Siebenmeilensttefeln durch die Weltgeschichte ... von Adam und Eva über Altertum und Mittelalter in die Gegenwart hmem;
in ein paar Minuten, mit ein paar markanten Melodien und Marschrhythmen ist alles vorüber. Römische Legionäre, alte Landsknechte, Wilhelm Teil, Falstaff, Don Juan, Friedrich der Große, Napoleon — das sind nur ein paar flüchtige Sekunden in der großen Revue.
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Zerlett verfolgt diese (an sich fruchtbare) Idee nicht weiter und bricht ab, er entdeckt ein neues, nicht ganz neues Leitmotiv: Blick hinter die Kulissen und in die rauhe Alltagsrealität des Films. Man sieht „Schicksale, die nicht Dichtung, sondern Wahrheit sind. Die Ereignisse haben sich so abgespielt, wie sie hier gezeigt werden, auch wenn manche der handelnden Personen einen andern Namen tragen." Das gibt, flüchtig und zwanglos eingebettet in den lockeren Stil der Revue, die mehr aus Bildern als aus Szenen zu bestehen hat, und immer wieder aufgelöst in Melodie und Tanz, dem Film seinen Inhalt, seinen Hintergrund, seinen Zusammenhalt und seinen Reiz. Die alternde Diva, die eine jugendliche Rolle nicht mehr spielen kann Und das Fach wechseln muß; die große Chance und die große Enttäuschung; der märchenhafte Aufstieg des jungen Talentes aus der anonymen Masse der Komparserie; es ist nicht alles Gold, was glänzt... aber es leuchten die Sterne; die Geburt eines Schlagers; das Drum und Dran im Atelier, die Kantine, die Mittagspause, das persönliche Leben, der ewige Aerger, das traute Heim und die „Panne im Beruf" —: das sind etwa die Hauptmotive, und deshalb ist dieser Film nicht langweilig und nicht ermüdend wie die meisten Revuen.
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Von den „eigentlichen" Darstellern zeigen vor allem Ernst Fritz F ü r b r i n g e r als der Regisseur, der drollige Rudi G o d d e n mit seinem abgebrühten Mundwerk als Aufnahmeleiter, Elisabeth Wendt als der Star, der passe ist, und Vera B e r g m a n als die jäh entdeckte Komparsin lebendige Gestalten mit persönlichem Umriß. Professor Benno von A r e n t schuf die großartige Gesamtausstattung. Leo L e u x schrieb die Musik; besonders das mehrfach wiederholte -Lied der Diva ist sehr melodisch gesetzt. Die Tanzgruppen exerzieren mit bewunderungswürdiger Präzision. Die Tänzerinnen Ursula D e i n e r t, Geschwister Höpsner , 2a Jana. Paul ßinrfe dirigiert persönlich. Die drei Rennfahrer Caracciola, Brauchitsch und Lang verkörpern das unheimliche Tempo des 20. Jahrhunderts. Und sogar Max S ch m e I i n g sieht man mit seiner Frau Anny Kaffee trinken... Es leuchten die Sterne. — (Tobis.)
Aus dem Beiprogramm sind neben einem Kulturfilm vor allem die neuen Aufnahmen vom Führer-
besuch in Italien hervorzuheben: blendende Bilder oon den Vorführungen der Wehrmacht.
Hans Thyriot.
Zeitschriften.
— Die Frage der Uebereinstimmung zwischen körperlichem und seelischem Erscheinungsbild beim Einzelmenschen ist einer der Hauptpunkte in der modernen Rassenforschung. Darüber bringt Wilh. Schneider einen Aufsatz im Maiheft der Zeitschrift „So l k und R a f f (I. F. Lehmanns Verlag, München 15) und weist darauf hin, daß die Körperlichkeit des Menschen in ihren Einzelheiten und Besonderheiten das Ausdrucksmittel der Seele ist. — Das aktuelle Problem „Die biologischen Gefahren der Abwanderung" ist von Walter Groß interessant dargestellt. — Dr. Walter Rauchenberger bringt einen reichillustrierten Aufsatz über die Dichterin Gerda von Below — eine Urenkelin Herders. Der Verfasser gibt hier einen Hinweis auf die Tatsache, daß bei fast allen geistig hochstehenden Menschen eine stärkere Blutmjschung in den zunächst liegenden Ahnenreihen zu finden ist.
Hochschulnachrichten.
An Stelle des verstorbenen Vorsitzenden des Marburger Universitätsbundes, Geheimrat H a e u f e r, wurde von dem Verwaltunasrat das seitherige Vorstandsmitglied Professor Ör. phil.,/ Dr.-Jng. e. h., Dr. phil. nat. h. c. Paul Duden in Frankfurt a. M., Ehrensenator der Universität Marburg, gewählt
Professor Dr. Karl Deichgräber, Extraordinarius für klassische Philologie an der Universität Marburg, wurde zum Ordinarius an der Uni» oerfität Göttingen ernannt. Er tritt dort die Nachfolge des emeritierten Professors Dr. Max P o h l e n z an.
Dem Dozenten Dr.-Jng. habil. Helmut Pfann- müller aus Wimpfen am Neckar wurde unter Ernennung zum o. Prof, in der Fakultät für Bau- wesen an der Technischen Hochschule Hannover der durch das Ausscheiden von Prof. Schleicher freigewordene Lehrstuhl für Statik und Stahlbau übertragen.
Der nb. ao. Professor Dr. A. Nitschke in Berlin- Dahlem wurde beauftragt, an der Universität Halle die freigewordene Professur für Kinderheilkunde sowie die Leitung der Kinderklinik und Poliklinik vertretungsweise zu übernehmen. Einen gleichen Auftrag erhielt der nb ao. Professor Dr. Johann F ü ck an der Universität Frankfurt für die in Halle freigewordene Professur für semitische Philologie.


