Mittwoch, IZ. April 1938
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
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Aus dem Reiche der Frau
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PRAKTISCHE VORSCHLÄGE UNSERES MODEZEICHNERS
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Osterbackerei.
Gut und zeitgemäß.
Restaurants
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aus. Müssen mir fürchten, daß das Zeug abfärbt, spülen mir es vor dem Einrnickeln in dünnem Essig- rnasser. Nun legen mir auf den säubern Teppich ein Bettuch, darauf den Kleiderschnitt, nach dem mir das Kleid genäht haben, und stecken auf dem Tuch die Umrisse mit Stecknadeln fest. Das Papier nehmen mir ab. Auf dem Boden sind nur noch die Stecknadellinien. Darauf legen mir das beim Waschen zu einem Kinderkleid eingeschrumpelte große Kleid. Zuerst stecken mir Hals und Achseln fest, dann den unteren Rand. Dann kommt erst die eine, dann die andere Seite. Die Nadeln müssen sehr dicht stecken. Mit sanftem, geduldigem Ziehen — ja keine Gemalt — erreicht man, daß das Kleid rnieder die gernünschte Form und Größe hat. Das Kleid muß vollständig trocken sein, ehe man es losstecken darf. Aber dann rnird man sich freuen, mie schön neu es ist.
Wer keinen Gardinenspanner hat und das schrnere Plätten der Vorhänge scheut, kann seine Fensterbehänge auf dem sauberen Teppich spannen, rnenn der Sicherheit rnegen ein Bettuch untergelegt rnird. Die geraden Kanten und Linien im Muster helfen, daß die trockenen Gardinen nachher nicht „zippeln".
Auch die Anschaffung neuer Gardinen rnird uns diesmal nicht erspart bleiben. Es mürbe uns auch großen Spaß machen, rnenn sich unser Geldbeutel nicht auflehnen mürbe. Aber ba sinb ja noch eine Anzahl einzelner Vorhänge und Reste von früher. Nur passen nie zrnei unb zrnei zusammen, unb oft haben mir sie schon roieber aus ber Hand gelegt. Da ist ein Schal, gelblicher Grunb, blau unb braun gemustert. Dann ein alter Eßzimmervorhang, rot mit grau, auch ein Betthimmel in zartem Tüll mit grün-rosa Empirekränzchen. Eine Herrenzirnrner- garbine mit einer Griechenborte, auch Reste alter Tüllgardinen. Der Menge nach mürbe alles reichen, sie sinb auch noch gut erhalten. Wir rnaschen alles erst, dann stecken mir alles in eine hell resedafarbene Farbbrühe. Die rneitere Behandlung richtet sich nach der Vorschrift auf dem Färbepäckchen. Ist alles trocken und geplättet, schneidern mir davon die neuen Vorhänge. Die einzelnen Stücke merden auseinandergeschnitten und aus mehreren immer ein Vorhang gemacht. Obenhin kommen die leichteren Muster, in die Mitte klarere Spitzenteile, nicht so breit, unten hin die schmeren, kantigen Muster. Jeder Teil rnird oben und unten auf ber Maschine gesäumt. Dann setzt man sie mit Hexenstichen mit weichem Stickgarn in derselben Farbe zusammen.
fen aus einem branbenburgischen Dorf. Hier, dies ist brollig — ein meißes Zuckerei mit einem Glas- enster, bahinter ein Liebespaar; ein ostpreußischer Konbitor stellte solche Eier her, die reißenb gekauft mürben..."
„Diese Eier sinb viel schöner unb sagen viel mehr, Muhme Rehling, als unsere zu Tausenben hergestellten Schokolaben- ober Marzipaneier. Schabe, baß man so selten etmas berartiges sieht. Unb das soll ich nun haben?"
„Ja, mein Herzchen. Wenn ich einmal tot bin, kommt die kleine Sammlung vielleicht in Hände, die unachtsam damit umgehen, nichts davon missen
ber Mitte mit bem angearbeiteten Bolerojäck - ch e n. Das Kleib ist in vier Bahnen geschnitten unb mirb vorn burch kleine, gelbe Stosfknöpfe geschlossen. Die vier Taschen sinb eingeschnitten unb mit Schrägstreifen eingefaßt. Der kleine Kragen ist aus meißem Pikee.
Das S ch o ß k l e i b rechts ist aus hellbrauner, feingegräteter Wolle. Der Schoß läuft in bie Seitennähte ein, ber Ausschnitt ber Jacke laßt als Welchen bie Bluse mit ber großen Schleife sehn. Die Taschen sinb eingeschlitzt, bie Knöpfe aus Büffelhorn. H.
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Frankfurt am Main, schreibt:
Zum Osterfest ist uns Hausfrauen eine will- fommene Gelegenheit gegeben, aus altem Brauch unb neuen Zei'tforberungen eine' harmonische 23 er- binbung zu schaffen. Es macht uns heute keine Freube mehr, ohne Rücksicht auf Gesunbheit bes Einzelnen unb auf unsere Beziehung zum heimischen Boben nur auf üppige Festgerichte auszugehen. Wir sehen vielmehr in ben oolkswirtschaft- lichen Notmenbigkeiten gute Anlässe zu Versuchen ober gar Erfinbungen, was sich alles mit unseren reichlich vorhanbenen Nahrungsmitteln Gutes machen läßt, unter gleichzeitiger Einsparung ber» jenigen, bie schwer zu beschaffen sinb — unb in sehr vielen Fällen mit Vorteil überhaupt weniger auf bem Plan stünden.
Jetzt zu Ostern stellen wir z. B. mit gar nicht viel Fett und Eiern, aber mit Marmelade, Kartoffeln und Kartoffelmehl schöne. Sachen her, die Anklang bei groß und klein finden werden.
O st e r b r o t: 500 Gramm Mehl, 30 Gramm Hefe, 1 Eßlöffel Zucker, gut Vx Liter Milch ober Buttermilch, 1 Teelöffel Salz, etwas abgeriebene Zitronenschale, Zitronensaft, 1 bis 2 Eier, 100 Gramm Fett, 3 bis 4 Eßlöffel Zucker, 100 Gramm Korinthen, 100 Gramm Sultaninen, 100 Gramm geriebene Haselnüsse. Etwas Mehl zum Formen, etwas Milch ober Butter zum Bestreichen. — Man fetzt ein Hefestück an; nach bem Gehen mischt man alle anberen Zutaten zu einem geschmeibigen Teig, ben man etwa eine Stunbe gehen läßt. Dann behält man Vx bes Teiges zurück unb formt aus bem übrigen ein runbes Brot, aus bem zurückbehaltenen Teig 2 Rollen unb legt sie kreuzweise auf bas Brot. Man bestreicht mit Milch ober Butter und verziert mit Nüssen unb Rosinen. Dann wirb es hellbraun gebacken.
Biskuit-Eier: 150 Gramm Mehl, 150 Gramm Kartoffelmehl, 100 Gramm Butter, 2 Eier, 6 bis 8 Eßlöffel Milch, 1 Zitrone, 1/2 Backpulver. — Butter schaumig rühren, Zucker unb Eigelb zufügen, nach unb nach bie Milch, geriebene Schale unb Saft der Zitrone abwechselnd mit dem Mehl, das mit Backpulver und Kartoffelmehl gemischt wurde, zugeben. Man verrührt alles zu glattem Teig und unterhebt zuletzt ben steifen Eierschnee, gibt ben Teig in gefettete Eierförmchen unb bäckt bei Mittelhitze 30 bis 40 Minuten. Nach bem Erkalten bestreicht man bie Eierhälften mit Marmelabe. klappt sie zusammen unb verschönert sie mit buntem Zuckerguß.
Gewickelter Kartoffelkuchen: 375 Gramm gekochte, geriebene Kartoffeln, 375 Gramm Mehl, 1 bis l1/2 Backpulver, 2 Eier, 75 Gramm Fett, 150 Gramm Zucker, abgeriebene Zitronenschale, etwas Zitronensaft, Prise Salz, verbilligte Marmelade oder Pflaumenmus. — Fett zu Sahne rühren, Eier, Zucker unb Geschmackszutaten bazu- geben, nach unb nach Kartoffeln, unb bas mit bem Backpulver vermischte Mehl baranrühren. Den Teig ausrollen, mit Marmelabe bestreichen, aufrollen und / in einer Kastenform ungefähr 1 Stunbe backen
Gefüllte Torte: Je 100 Gramm Mehl, Fett, Kartoffelmehls 150 Gramm Zucker, ab geriebene Zitronenschale, 2 Eier, 1I2 Backpulver, 4 Eßlöffel Wasser, 1 Eßlöffel Zitronensaft. Fett wirb schaumig gerührt, nach unb nach bie Zutaten und bas mit Backpulver gemischte Mehl, zuletzt ben Eierschnee unterziehen. Man bäckt bie Torte in gefetteter Springform etwa 30 Minuten, schneibet sie nach bem Erkalten in Platten unb füllt sie mit verbilligter Marmelade.
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und sie wegwerfen. Du aber weißt nun Bescheid, und ich sehe, wie du dich damit freust. Darum gebe ich sie dir jetzt schon. Und rnenn du etwas mehr tun willst, dann versuche, ob du wieder die Liebe zu solchen kleinen Kunstwerken wecken kannst, damit eine schöne Ueberüeferung weiterlebt und nicht verschüttet wird."
Als Illa eine Stunde später bie Treppe hinunterging, vorsichtig ihre Schachtel trägenb da wußte sie, daß sie von Muhme Rehlen mehr bekommen hatte, als nur ein hübsches Geschenk, daß sie eine kleine Aufgabe übernommen hatte, für die sie sich einzusetzen gewillt war.
Deutsche Frauenwerk, Abt. Volkswirtschaft = Hauswirtschaft, Gaustelle Hessen-Nassau,
morgen Denner* Ti.30üör.
Der österliche Tisch.
Von Gertrud Abel
Wenn man nicht gerade am Ostersonntag einen Ausflug macht, dann ist der Frühstückstisch das festliche Zentrum dieses Tages. In seiner Mitte prangt die Schüssel mit den gekochten und gefärbten Eiern — ein luftiger bunter Anblick, der aber noch einiges zur Ergänzung verlangt, um das Schöne unb Heitere dieses Festes zum Ausdruck zu bringen.
Silbergraue Weidenkätzchen unb Veilchen, bazu grünseibenes lose in Schleifen unb Schlingen über ben Tisch verteiltes Banb kann heute schon als Tradition des österlichen Tischschmuckes gelten, unb wir wollen biefe Trabition ehren. Damit aber in der lustigen Stimmung ber Tafelrunbe kein Unfall geschehe, verbannen wir wassergefüllte Vasen vom Tisch, bie leicht umfallen können, unb stecken bie Veilchen in Eierschalen, bie wir an grünen Seiben- fäben vor ber Lampe herabhängen lassen.
Besonberes Gebäck — Stollen, Kringel usw. —, das in ber Familie üblich ist, bekommt seinen Ehrenplatz neben ber Eierschüssel unb wirb ebenfalls mit ein paar Gästen aus dem Garten geschmückt. Wenn ein buntes Ei, bei dem ein helles Monogramm ausgespart ober ausgekratzt ist, ben Platz jebes Tischgastes schmückt, so ist bas eine be- sonbers erfreuliche Aufmerksamkeit.
Unb babei denken wir daran, daß in unserem Bekanntenkreise sich vielleicht mancher einsam lebende Mensch befindet, der bei solchen Festen diese Einsamkeit doppelt empfinden mag. Wie wäre es, wenn wir ihn zu unserer Frühstückstafel lüden? Er wird danach gern das Eiersuchen mitmachen und sich dankbar dem gemeinsamen Osterspaziergang anschließen, der bis zum Mittagessen dauert. Die Hausfrau kann diesen Spaziergang ruhig mitmachen, denn sie wird am Samstag vorgekocht haben und ihren verständnisvollen Familienmitgliedern klar zu machen verstehen, daß es fein österliches Gefühl ist, von neun bis eins in der Küche sich der Bereitung von Braten, Gemüsen, Pudding usw. hinzugeben.
Klug handelt sie darum, wenn sie schon den Frühstückstisch etwas sättigend einrichtet. Außer geröstetem Brot, Müsli ober Haferflocken wirb sie für einen Salat gesorgt haben — nicht mit schwerer Mayon- näfel — ber von einer Aufschnittschüssel begleitet sein darf.
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Saubere Fenster.
Beim Großreinemachen, bei bem alljährlich zweimal, sicher aber einmal, unb zwar im Frühjahr, bie ganze Wohnung von unterst zu oberft gekehrt wirb, kommen zum Abschluß bie Fenster an bie Reihe. Die Männer, bie Gott sei Dank vorher geflohen sinb unb wenigstens nicht im Wege stehen, sehen ja meistens gar nicht, wie schmutzig sie sind.
Beim Großreinemachen werden auch die sonst nur trocken behandelten Fenster und Fensterrahmen naßgemacht. Die Hausfrauen, die neben der täglichen Reinigung jeden Monat etwas gründlicher säubern, weil entweder die Räumlichkeiten stark bewohnt sind oder nach der Wetterseite liegen, können die Naßreinigung schließlich auch einmal vermeiden. Es gibt ja bewährte Reinigungsmittel, die Fenstern und Rahmen den alten Glanz verleihen, ohne daß Farbanstrich und Fensterglas durch schädliche Seifenlauge gefährdet werden. Kleinste Mengen dieser Reimgungsmittel, mit einem Lappen kräftig verrieben, haben besten Erfolg. Neben dem altbewährten Fensterleder erweist sich neuerdings zur Reinigung der Glasscheiben auch der sogenannte Viskoseschwamm. Einmal tropft er nicht, außerdem läßt er sich, rnenn er sehr schmutzig geworden ist, gut auskochen Dem klaren Wasser soll man einen tüchtigen Schuß Spiritus beigeben. Mit einem fufHfreien Leinentuch ober auch mit zusammengeknülltem — neuen— Zeitungspapiere nachpoliert, wirb bas Glas einen klaren» Glanz bekommen.
Leitern müssen nicht nur stabil, sonbern auch mit Gummigleitschutz versehen sein. Ein Eimerhalter erspart bas ermübenbe Auf- unb Absteigen. Wer nicht sicher auf ber Leiter stehen kann, sollte einen langstieligen „Fensterputzer" verwenden, der eine verstellbare Putzfläche hat.
Wenn das Arbeiten bei Sonnenschein auch sicher mehr Spaß macht, so sollten doch Fenster niemals bei Sonnenbestrahlung geputzt werden. Ist es doch geschehen, und bie Scheiben sinb blinb und streifig, so müssen sie mit pulverisiertem Bimsstein ab« gerieben, mit lauwarmer Kernseifenlauge nachgewaschen und mit klarem Wasser gründlich nachgespült werden. Niemals darf ätzendes Sodawasser auf das Fensterglas kommen, da sich bie babei bilbenben Streifen kaum roieber völlig entfernen lassen. Scheiben, bie burch nachlässiges Putzen blind geworden sind, können wieder einigermaßen blank werden, wenn man einen Brei aus Schlämmkreide und Spiritus aufträgt, der nach völligem Antrocknen mit einem Leinentuch wieder abzureiben ist. Oel- sarbenspritzer können mit einer alten Rasierklinge — aber ganz vorsichtig — abgekratzt werden.
Käthe Mielenz, j
erhalten ist bester ms erwerben.
Von Frida Aisch
Cs ist gar nichts Besonderes, was das alte Sprichwort sagt. Es ist nichts weiter als unsere Hausfrauenarbeit alle Tage. Trotzdem kommt man manchmal babei in Verlegenheit. Kommt einmal meine Nachbarin mit einer Einlabung. Nicht etwa zum Kaffee ober Mittagessen — sonbern zum Teppichwaschen! Ich soll auch einen Schrubber mitbringen, morgen früh um 10 Uhr. -t- Als ich hinkomme, liegt ber große Wollteppich auf bem Zementboben im Hof. Frau Schulz unb Frau Kurfis sind auch da. Ein Eimer mit Seifenbrühe steht da. Jede hat einen Schrubber. Der Teppich ist gut geklopft und gebürstet, sieht aber bei dem hellen Tageslicht erschreckend schmutzig aus. Kein Wunder, im Erdgeschoß und in einem Landhaushalt! Die Hausfrau trägt mit einer weichen Bürste nun dünn die warme Seifenbrühe auf. Wir andern stehen jede an einer Ecke und schrubben tüchtig jeder ein Viertel. Eine allein hätte das nicht geschafft. Dann hängten wir gemeinschaftlich den Teppich auf zwei in einem Abstand von etwa einem halben Meter nebeneinander gezogene Waschleinen. Mil der Gießkanne wurde die Seifenbrühe abgespült, ber Teppich noch tüchtig geschüttelt, bamit bie Nässe roieber entfernt würbe, unb als es Nacht würbe, war ber Teppich trocken unb sauber.
Ich habe mir jetzt bie Sache einfacher gemacht. Der vom Staub befreite Teppich würbe auf den sauberen Stubenboden gelegt. Dann trug ich vorsichtig bie Seifenbrühe auf, baß bie Nässe nicht auf bie Rückseite burchbrang. Dann scheuerte ich alles mit einer weichen Kleiberbürste unb wusch bie Seifenbrühe mit einem weichen, in lauwarmem Wasser getauchten Lappen ab, bis biefer sauber blieb. Als ber Teppich trocken war, hatten sich bie Haare roieber aufgerichtet, unb er war ganz sauber. Aber alt unb bünn blieb er. Eine biefe Lage Zeitungspapier barunter gelegt, half bem Uebel ab. Wenn es schmutzig ist, kann es immer noch in bie Papiersammlung. —
Da hängt auch noch bas hübsche bunte C l o q u e- tleib vom vorigen Jahr. Es ist viel getragen, unb jeber fanb es reizend. Aber es hat seine Form eingebüßt unb sitzt nicht mehr. Es ist auch nicht mehr sauber. Wir waschen es burch Ausdrücken in leichtem Fewa-Wasser aus, bann wickeln wir es in ein altes Babetuch unb drücken bie Hauptnässe her-
Mieder-, Bolero- unb Schoßkleiber sinb typisch für bie Form bes praktischen Laufkleibes im Frühjahr 1938.
Das Mieberkleib links ist aus blau-grauer, mittelschwerer Wolle, sein schmaler Gürtel ist aus bunkelblauem Kalbleber. Der enge, gerabe Rock besteht nur aus zwei Bahnen, oas schmale Hals- bünbchen ist angeschnitten. — Der breioiertellange Aermel hat in ber Kugel (ebenso wie bas Blusenteil vorn unb im Rücken) kleine Abnäher, bie brei Knöpfe sinb aus blau-grauem stumpfem Galalith.
Aus blaßgelber, bünner Wolle ist bas Kleib in
M besucht Mhme Rehlen.
Osterplauderei von Eva Leiser.
Illa war nicht entzückt, als ihr von ber Mutter nahegelegt würbe, am Ostermontagvormittag ber alten Muhme Rehlen einen Besuch zu machen. Muhme Rehlen ist achtzig, Illa achtzehn. Muhme Rehlens Stübchen ist Stifter burch bie altmobischen Pltischvorhänge an ben Fenstern, unb braußen scheint bie Helle Sonne. Aber Illa sieht ein, baß biefer Besuch fällig ist, unb so nimmt sie benn ein paar Blumen aus bem Garten unb begibt sich zu der engen Gasse, in der — vier Treppen hoch — Muhme Rehlen lebt.
Muhme Rehlen weiß, baß Illa kommen wirb. Unb so hat sie benn bie feinen alten Kelchgläser poliert, ben Rosenlikör bereitgestellt unb ein Päckchen hübsch mit seibenem Banb verziert. Muhme Rehlen freut sich über alles, wenn ein junger Mensch zu ihr kommt, ihr bas Bewußtsein gibt, daß sie nicht völlig vergessen ist. Unb so trippelt sie, strahlenb über ihr kleines, runbes, apfelronngiges Gesichtchen — runzlig wie eine Reinette um Ostern — zur Tür, als bie Glocke schrillt. Illa wirb bewundert — der schöne bebänderte Florentiner Hut, das reizende Kleid, die entzückenden Schuhe. Ach, und die lieben Blümchen! Und bann sitzt Illa, schon nicht mehr so trostlos über ben versäumten Spaziergang, im Plüschsessel, nippt am Rosenlikör unb bindet die seidene Schleife auf, die das weiße Paket -umhüllt, das Muhme Rehlen nun vor sie hinlegt.
Eine Schachtel steht vor ihr. Illa hebt ben Deckel unb schreit vor Entzücken auf. In weißer Watte liegen ba nebeneinanber bezaubernbe Ostereier aller Art — bunt, einfarbig, aus natürlicher Eischale, aus Metall, aus Porzellan... Fragenb sieht Illa zu Muhme Rehlen auf. Die nickt dem jungen Mädchen freundlich zu.
„Es sind Erinnerungen an viele Jahre, kleine Illa, die du ba vor bir siehst Ich gebe sie bir, weil ich benfe, baß du Sinn für sie haben wirst unb vielleicht biefe kleine (Sammlung erweiterst unb vervollstänbigst..."
Illa sprang auf, stellte vorsichtig bie Schachtel auf ben Tifch, fiel ber alten Muhme um ben Hals unb bat ihr — währenb sie sie zärtlich auf die Wange küßte — allen Unmut ab, den sie noch vor einer Stunde gegen das alte Dämchen gehegt hatte.
„Ich will bir bie einzelnen Stücke erklären Illa", lächelte Muhme Rehlen, unb hob bie Schachtel auf ihren Schoß. „Siehst bu, bies Filigranei aus Silber, das überreichte mir vor mehr als sechzig Jahren ein junger Mann, dessen Heiratsantrag ich am Ostersonntag angenommen hatte. Der Verlobungsring war darin; ich steckte ihn voller Glück an meinen Finger und hob bas schöne Ei sorgsam auf. Ein Jahr barauf heirateten wir unb machten bie Hochzeitsreise nach Thüringen. Daher stammt bies schöne eingelegte Holzei. Siehst bu, man kann es auseinanberschrauben unb bann ist ein kleineres Ei barin, in biesem roieber ein kleineres — es sinb sechs Eier so ineinanber geschachtelt. Einige Zeit banach — meine beiben Zwillinge waren schon da und fingen an, beim Umhertollen ihre Kleidchen zu zerreißen, reiften wir alle zu den Eltern meines Mannes. Es war in der Osterzeit, und meine Schwiegermutter schenkte mir dies Porzellanei hier, das ebenfalls zu öffnen ist — siehst du, ein kleines Nähzeug ist darin — weil ich nun mit meinen wilden Hummeln beim Ausgehen immer Nadel und Faden mitnehmen müsse, um die Löcher der zwei zusammenzuheften. Da, hier diese anderen Eier stammen aus allen deutschen Gauen: bas große aufgeblasene Gänseei mit ben bunten Figuren unb bem Spruch kam aus Bayern. Nicht anbers als auf Lebkuchen zu Weihnachten spricht man hier auf Eiern in Bildern und Derschen allerlei Wünsche aus. Dies schwarze Ei mit ausgeschabtem Muster stammt aus Schlesien, jenes mit den glatten Strei-


