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Fünf Jahre nationalsozialistischer Aushau in Hessen

VorbildlicheMelioralions-undSiedluWarbeilen

bereinigung mit einem Aufwand von rund 20 Millionen RM. durchgeführt. Eine besondere Stellung nimmt dabei die Erbauung des Gruppen- Wasserwerks für die Mittel- und Ostgruppe des Kreises Offenbach mit einem Kostenaufwand von 3 350 000 000 Reichsmark ein.

Insgesamt wurden im Land Hessen seit der Machtübernahme über 150 Reubauernhöfe an­gelegt. über 2000 Betriebe wurden im An­liegerverfahren auf Erbhofgröße gebracht, über 4000 kleinen Landwirten wurde zur Lxistenz- sicherung Land zugeleilt. über 3000 Landarbei­ter, Dorfhandwerker. Arbeiter und Gewerbe­treibende erhielten Heine Landzulagen. Bisher wurden etwa 50 000 Morgen öiedlungsfläche zugeteilt und für 1938/39 sieht noch ein Land­vorrat von 20 000 Morgen zur Verfügung. Die Namen Riedrode, Rosengarten. Allmendfeld, hesfenaue und der Erbhofweiler bei Heppen­heim a. d. V. werden für immer der sicht­barste Ausdruck dieser gewaltigen Arbeit, die in wenigen Jahren von der nationalsozialisii- - schen Regierung in Hessen mit so großem Er­folg durchgeführt wurde, sein.

Durch Saatbaustellen, Saatgutreinigungsanlagen, durch vermehrten Düngerverbrauch, durch den Bau von Düngerstätten und Gärfutterbehälter wurde die Erzeugungsschlacht vorangetrieben. Allein der Raum der Gärfutterbehälter wurde von 12 000 cbm in 1933 auf 75 000 cbm in 1937 erhöbt. Dadurch haben sich im Ackerbau die Erntemena.n je Flächeninhalt in den letzten beiden Jahren bis zu 20 v. H. gegenüber den Jahren 1932/33 erhöht.

Durch diese Maßnahmen kamen Zehntausende von Volksgenossen in Handwerk und Induskrie wieder in Arbeit, so daß die Steuerein­nahmen der Gemeinden im Jahre 1936 gegenüber 1932 eine Mehreinnahme von rund 10 Millionen RM. betra­gen. Die Gesamlverschuldung der hessischen Ge­meinden und Gemeindeverbände betrug am 31. März 1933 = 382 589 000 Reichsmark, am ZI. März 1937 --- 354 893 000 RM. Es war den Gemeinden also trotz der Aufnahme neuer Arbeitsbeschaffungs- und sonstiger Kredite in höhe von rund 30 Millionen RM. möglich, ihren Schuldenbesland gegenüber dem Jahre 1933 um 28 Millionen zu verringern.

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Trotz der gewaltigen Leistungen des Landes Hessen- konnte seit 1933 jedes Haushalts- jahr ohne Fehlbetrag abgeschlossen werden und die Schuldenlast des Landes wurde herab­gedrückt. Am 1. April 1933 betrug die öffentliche Staatsschuld gegen 85 Millionen RM., am 31. De­zember 1937 dagegen 72 692 000 RM. Das ist eine Schuldenverminderung um 12,25 Millionen in fünf Jahren! Das Staatsbad Bad-Rauheim nahm einen lebhaften Aufschwung. Die Zahl der Kur­gäste stieg von 25 000 im Jahre 1933 auf mehr als 35 000 im Jahre 1937. Dabei stiegen die Einnah­men im Badebetrieb um 26 v. h., und die im Kur-

Divisionsbefehl mit:Der Col di Lana ist bis auf den letzten Mann zu halten!"

Die 6. Kompanie muß herunter das Schicksal hat für die fünfte entschieden. Mit eiserner 23« r» bissenheit nehmen die beiden Kompanien vonein­ander Abschied. Morgen ist alles vorbei...

Da bricht es ist fünf Uhr morgens von neuem das Tormmelfeuer los. Der Col-di-Lana- Gipfel ist eine brodelnde, qualmverhüllte Masse. Schaudernd sieht man es von unten, hat sich das Schicksal schon erfüllt? Bange Fragen, über die nie­mand Auskunft geben kann ... bis plötzlich unten beim Bataillon ein Melder ankommt. Er blutet aus vielen Wunden. Und er bringt die Gewißheit, daß die Oesterreicher noch immer den Gipfel halten.

In rasender Eile sucht man nun die Telephon­verbindung wieder herzustellen. Und das gelingt! Wie durch ein Wunder findet man die schadhaften Stellen des Panzerkabels, 14 insgesamt, und flickt sie zusammen. Um 21 Uhr ist die Verbindung da. Der Gipfelkommandant glaubt an einen Spuk, als er plötzlich das Quäken seines Fernsprechers hört. Das Kommando fordert eine Schilderung der Lage. Ruhig und sachlich gibt sie Oberleutnant, v. Tschur- tschenthaler aus seiner vom Eisenhagel überschütte, ten Telephonkaverne. Er schildert die heroische Hal­tung seiner Leute, die Leiden der Verwundeten, denen niemand Hilfe bringen kann...

Um 22.30 Uhr kommt noch einmal ein letzter An­ruf von oben. Oberleutnant von Tschurtschenthaler meldet:Es wird Ernst ... es bereitet sich etwas vor..."

Dann ist das Kabel durchschlagen. Eine halbe Stunde vor dieser Meldung hat der Leutnant Gae- tani den Minenstollen betreten, um die letzten Zündschnüre mit den Zündkapseln zu verbinden. Hinter den Verdämmungen liegen 5000 Kilogramm Sprengmunition.

Grabesstille liegt in den Stollen.Das einzige Geräusch", so schreibt Gaetani in seinen Kriegs- briefen,war das regelmäßige, nur wenige Meter von der Verdämmung entfernte hämmern eines Oefterreichers. Nachdem ich alle Leitungen verbun­den hatte, verharrte ich noch, um nach jenem Un- bekannten zu hören, der da gehorchend seiner heiligen Pflicht bei seiner Arbeit war. Ich sah in der Richtung nach ihm, und es war mir, als sähe ich ihn durch die Felswand. Er stand gebückt über seinem Gerät, hinter ihm schweigend der Tod mit erhobener Hand, die seine Schulter fast schon .berührte. Ein Gefühl der Achtung beschlich mich.

Eine halbe Stunde vor Mitternacht bringt die Ordonnanz dem Leutnant Gaetani den schriftlichen Befehl des Kommandanten der italienischen Col-di- Lana-Stellung:

Euer Wohlgeboren haben die Mine um 23.35 Uhr zu zünden." ' "

Genau auf die Sekunde bricht der Gipfel des Eol di Lana auf und stößt eine grelle Feuerlache in den Himmel. Ein Hagelwetter von Felsbrocken, Material, Steinen, Lawinen und Menschenleibern prasselt mit donnerndem Getöse aus dem Vulkan. Der Vollmond verdunkelt sich hinter Qualm und Staub: dann bricht das Schnellfeuer aller Bat­terien auf dem Gipfel des Col di Lana zusammen die Fahne Italiens steigt über den Berg des Blutes.

*

Aber der Kampf im Col-di-Lana-Gebiet war mit der Sprengung des Gipfels längst nicht zu Ende. Dann durchstießen die Deutschen und Oester- reicher die Jsonzosront, und die Italiener mußten jetzt auch aus diesem Gebiet weichen.

Nun lag der Blutberg Col di Lana weit hinter dem Krieg«, auf ihm wehte wieder' die Fahne Oesterreich-Ungarns. Friede war um ihn, und über Tausende von Grabern österreichischer und italie­nischer Helden legte sich die ewige Ruhe.

heute steht auf der Sprengstätte eine Gedächt­niskapelle, die 1934 von den italienischen Krieger­verbänden errichtet wurde, den Gipfel des Col di Lana krönt ein Kreuz mit Erinnerungsstücken aus dem furchtbaren Ringen, dem 20 000 von hüben und drüben zum Opfer fielen. Otto Riebicke.

das Deterinärwesen ein« Vergrößerung seiner Auf­gaben erfahren.

Viele kleine Gemeinden wurden zur Derem- fachung der Verwaltung und zur Erzielung von Ersparnissen zu gemeinschaftlichen Bürgermeiste- r«ien zusammengeschlossen. Wo es die Entwicklung erforderte, wurden benachbarte Gemeinden zu­sammengelegt (Einhausen, Stadt Steinheim), klei­nere Gemeinden wurden in größere eingegliedert oder Vororte eingemeindet (Arheilgen, Eberstadt, Bieber, Rosengarten). Die neuen Erbhöfesiedlungen Riedrode und Allmendfeld wurden zu selbständigen Gemeinden, wie auch Zeppelinheim, die großzügige Siedlung bei dem Flug- und Luftschiffhafen Rhein- Main. Durch diese Vereinfachungen, die sparsame Rechnungsführung und die Arbeitsbeschaffungs­maßnahmen konnte auch die Schuldenlast der Gemeinden gesenkt werden. Der wirtschaft­liche Zusammenbruch vor der nationalsozialistischen Revolution hatte bei den hessischen Gemeinde­finanzen in der Hauptsache wegen der untragbaren Wohlfahrtslasten im Jahre 1932 Fehlbeträge von rund 25 Millionen verursacht. Bis zum 31. März 1933 erreichten die rückständigen Zahlungsver­pflichtungen der hessischen Städte und Gemeinden den gewaltigen Betrag von 32 841 000 RM. Nach fünf Jahren nationalsozialistischer Staatsführung waren diese Zustände durch großzügige Arbeits­beschaffungsmaßnahmen, Umschuldung und Zins­senkung grundlegend geändert, hatten die Gemein­den im Januar 1933 61 735 Wohlfahrtserwerbslose

Eine der größten Aufgaben aber, die sich Gauleiter Sprenger gestellt hat, ist das national­sozialistische Meliorations-Arbeits- und Siedlungsprogramm. Am 3. Juli 1933 wurden die ersten Gesetze geschaffen und schon 1935 war Riedro<de, das erste Erbhöfedorf, fertig­gestellt. Das Meliorations- und Siedlungsprogramm ist für 17 Arbeitsgebiete in 289 ganzen Gemar­kungen und 33 Teilgemarkungen mit rund 163 000 Hektar Kulturland angeordnet. Das gesamte Pro­gramm erstreckt sich bis 1944. Bis 1937 wurden 85 Gemarkungen mit 66 800 Hektar Kulturland be­reinigt und melioriert. Dazu kam die Fertigstellung der Feldbereinigung in 33 Gemarkungen, in denen vor 1933 begonnen worden war, mit 20 300 Hektar. In 13 Jahren des alten Systems von 1920 bis 1932, waren in Hessen 69 000 Hektar Land melioriert worden. Unter der nationalsozialistischen Regie­rung wurden dagegen in vier Jahren, vom Som­mer 1933 bis Herbst 1937, 87 000 Hektar umgelegt. Der Nationalsozialismus vollbrachte hier die vier­fache Leistung! Dazu kommt, daß die Kosten der Umlegung um 60 v. h. niedriger wurden. Don 1933 bis 1. März 1938 wurden im Rahmen des Melio­rations-, Arbeits- und Siedlungsprogramms ins­gesamt in 132 Gemarkungen 85 000 Hektar Land verbessert. Der Wert dieser Arbeiten beträgt rund 7 800 000 RM. An Einzelleistungen wurden dabei ausgeführt: 1060 km Gräben und Bäche, 4 Mil­lionen cbm Erdbewegungen, 28 km Wegdurch­lässe, 673 km Wegebauarbeiten und Drainagen auf rund 400 Hektar Flächen mit insgesamt 1240 000 Lohnarbeitertagewerken: bei der Durchführung der Feldbereinigung kamen noch weitere 210 000 Lohn­arbeitertagewerke hinzu. Allein im Anliegerverfah­ren wurden von 1933 bis heute 12 000 Hektar in einem Werte von 25 Millionen RM. versiedelt.

NSG. Unter dem Jubel der nationalsozialistischen 1 Bevölkerung verkündete am Nachmittag des denk­würdigen 13. März 1933 Gauleiter Sprenger die nationalsozialistische Regierung in Hessen, heute, nach fünf Jahren legen nun die Nationalsozialisten den ersten Rechenschaftsbericht über ihre Aufbau­arbeit vor. heute ist Hessen ein sauberes, straff geführtes und sparsam verwaltetes Land, das voll Stolz auf die fünf Jahre blicken kann, die den Stempel nationalsozialistischen Aufbaues tragen. 1933 gab es in Hessen nicht weniger als fünf Mini­sterien, drei Minister und einen Staatspräsidenten. Nichts blieb hiervon! An die Stelle der Weimarer Koalition trat zunächst ein Minister und em Staatspräsident. In organischer Weiterentwicklung führte der Gauleiter nach seiner Ernennung zum Reichsstatthalter das Ein-Minister-System ein. Die Folge davon war, daß von dem ebenso aufgeblähten Beamtenapparat eine große Zahl ent­behrlicher Beamtenstellen aufgehoben werden konn­ten. Eingespart bzw umgewandelt wurden: Ein Staatspräsident, zwei Minister, fünf Ministerial­direktoren, drei Staatsräte und 25 Ministerialräte. Als der Führer am 1. März 1935 den Reichsstatt­halter auch zum Regierungschef in Hessen berief, wurde Hessen zum ersten und bisher ein­zigen Land Deutschlands ohne Minister. Zu einer klaren und einfachen Ausgestaltung der Regierung und zu einer einheitlichen Personalpolitik wurden das Personalamt und die Abteilung I (Allgemeine Verwaltung) geschaffen. Durch die Aufhebung der drei Provinzen Starkenburg, Rhein- Hessen und Oberhessen wurde ein weiterer Schritt zur Reichsreform getan. Die Pravinzialverwattun- gen hatten im nationalsozialistischen Staat ihre Aufgaben verloren, also verschwanden sie! Die Vorarbeiten für eine Preisreform, die die Zusammenlegung von drei Kreisen vorsieht, sind im Gange.

Die hessische Bevölkerung gewann endlich wieder das Vertrauen zu ihrer Regierung. Bis um 31. Dezember 1932 waren die Spar­einlagen bei den hessischen Sparkassen auf 221 Millionen Reichsmark zurückgegangen. Am 31. Dezember 1937 verwalteten die Sparkassen schon wieder rund 331 Millionen Reichsmark. Die Einlagen stiegen also vom 1. Januar 1933 bis 31. Dezember 1937 um 50 v. H.

Diesem gewaltigen Anstieg der Sparfreudigkeit waren viele Kassen nicht gewachsen, so daß um­fangreiche Erweiterungsbauten vorgenom­men roerbeh mußten. In Heppenheim, Fried­berg, Butzbach und L a u b a ch wurden Neu­bauten errichtet und in Erbach, Groß-Umstadt, Reinheim, Bencheim, Worms, Mainz, Alzey, Dil- bei und Gießen wurden die Bezirkssparkassen umgebaut und erweitert. Die Zinssenkung im Hypo­thekengeschäft von 6,50 v. h. auf 4,50 v. h. bzw. 4,75 v. h. brachte dem Hausbesitz und der klein- und mittelständigen gewerblichen Wirtschaft, eine Lastenerleichterung von jährlich zwei Millionen Reichsmark.

Aus der Notwendigkeit einer verstärkten staat­lichen Gesundheitspflege wurde in Hessen das ge­tarnte Gesundheitswesen neu geordnet. An die Stelle von früher 18 Kreisärzten traten 18 mit Röntgenapparat und Laboratorien gut eingerichtete Gesundheitsämter. Das Schulgesundheits­wesen wurde unter die Leitung der staatlichen Ge­sundheitsämter gestellt. Den Gesundheitsämtern sind auch die Beratungsstellen für Erb- und Rassen­pflege angegliedert. 37 hauptamtliche Aerzte, 128 nicht vollbeschäftigte Hilfsärzte, 165 nebenamtliche Schulzahnärzte, 80 Gesundheitspflegerinnen, 15 tech­nische Assistentinnen und 40 Bürokräfte stehen im Dienste dieser für die Gesunderhaltung unseres Volkes vorbildlichen Einrichtungen. Ebenso hat auch

mit einem Wochenaufwand von 652 295 RM. zu betreuen, so waren es am 31. Dezember 1937 nur noch 5556 Wohlfahrtserwerbslose mit einem Wochen­aufwand von 68 087 RM. Von 1933 bis 1937 wurden rund 400 verschiedene Arbeitsbeschaffungs­maßnahmen nicht eingerechnet das große Melio-1 rations- und Siedlungsprogramm und die Feld-> betrieb um 30 v. h.

Das Land der Hoffnung.

Von Selma La^erlös.

Da waren gar viele: Lars aus London und Sven aus Paris und Magnus aus Wien und Johann aus Prag und Per aus Berlin und Ole aus Mag- gebyfäter, und der Stallknecht und der Stallbub.

Und Lars aus London und Sven aus Paris und Magnus aus Wien und Johann aus Prag und Per aus Berlin waren gar keine Ausländer, son­dern Taglöhner in Marbacka. Das' verhielt sich nämlich so: Leutnant Lagerlöf hatte sich den Spaß gemacht, seine Katen nach den Hauptstädten Euro­pas zu benennen.

Lars aus London und Magnus aus Wien hatten den ganzen Tag draußen auf den Feldern gepflügt. Sven aus Paris hatte das Vieh gefüttert und da­neben auf dem Kartoffelacker geholfen. Johann von Prag hatte auch fleißig gearbeitet, aber Per von Berlin hatte gar nichts getan. Er hatte Rückenweh gehabt und deshalb nicht arbeiten können, und er war nur nach dem Herrenhose gegangen, um sich ein wenig zu zerstreuen.

Es war draußen Regenwetter: aber jetzt zwischen halb fünf und fünf war Vesperpause, und so waren alle miteinander samt ihren lehmigen Stiefeln, ihren feuchten Kleidern und ihrer schlechten Laune in der Gesindestube versammelt. Sie zündeten sich ein Feuer aus dürrem Holz im Herd an und setz­ten sich rings herum. Lars aus London, der die größte Kate hatte und der tüchtigste von allen den Arbeitern war, nahm auf dem Hackblock gerade vor dem Feuer Platz, und Magnus von Wien, ein fast ebenso guter Arbeiter wie Lars von London, setzte sich neben ihn auf den dreibeinigen Schusterschemel. Sven von Paris, der sich für ebenso gut hielt wie jeden anderen, obgleich er auf dem Hose nur das Vieh besorgte, setzte sich sogar auf die Herdplatte mit dem Rücken gegen das Feuer und fragte nichts danach, ob er den andern die Wärme wegnahm. Johann von Prag saß auf dem anderen Schuster­dreifuß, und Per aus Berlin hatte sich auf dem Sägebock ein wenig hinter den anderen niedergelas­sen. Der Stallknecht saß auf dem Bettrand' und baumelte mit den Beinen, der Stallbub hatte sich auf die Hobelbank verstiegen, und Ole von Mag- gebysäter thronte neben der Tür auf einem Faß mit roter Farbe.

Lars von London und Magnus von Wien und Johann von Prag machten ihren Proviantbeutel auf, und jeder holte seine Scheide Roggenbrot mit einem Dutterklecks in der Mitte heraus. Dann zog jeder sein Messer hervor, das an einem Lederrie- inen unter dem Schurzfell hing: sie strichen es an der Hose ab und schmierten bann die Butter über das Brot, schnitten sich Bissen für Bissen herunter und kauten und schmausten in aller Behaglichkeit.

Aber Per von Berlin, der heut nicht auf dem Hofe tätig gewesen war, hatte keinen Brotbeutel bei sich und ebenso wenig Ole von Maggebysäter, der nur gekommen war, um Roggen zu kaufen. Die beiden saßen müßig da und guckten den andern beim Es­sen zu.

Das Feuer flackerte und knisterte und verbreitete eine behagliche Wärme, in der die feuchten Kleider trockneten und der Lehm von den groben Stiefeln abfiel.

Nach beendeter Mahlzeit zogen Lars von London, Magnus von Wien und Sven von Paris und Johann von Prag und der Knecht und der Stall- büb kleine Tabakrollen aus der Hosentasche. Dies­mal brauchte der Alte von Berlin nicht hintanzu­stehen. Wie die anderen zog auch er eine Rolle her­aus. Aber der Alte von Maggebysäter hatte nicht einmal ein Röllchen Tabak in der Tasche.

Wieder holten sie ihre Messer hemm, schnitten eis Stück Tabak ab, legten es auf ihr Schurzfell und zerhackten es. Dann zogen sie ihre kurzen Na- fennmrmzr hervor und stopften den Tabak hinein. Lars von London hob einen Span vom Boden auf und entzündete ihn an der Heedglut. Damit steckte er seine Pfeife an und ließ den Span an Magnus von Wien weitergehen, Magnus von Wien gab ihn Sven von Paris, Sven von Paris über­ließ ihn Johann von Prag, und Johann von Prag reichte ihn Per von Berlin, Per von Berlin reckte und streckte sich, damit der Stallknecht zu dem Feuer gelangen konnte, der Stallknecht steckte seine Pfeife an und hielt den Span brennend in der Hand, dis der Bub durch die Stube gelaufen kam und ihn holte. Ole von Maggebysäter brauchte.natürlich kein Feuer, da er ja weder Pfeife noch Tabak hatte. Die andern aber waren nun warm und satt, und die Welt bekam für sie wieder ein anderes Aus­sehen.

Ole von Maggebysäter besaß eine Kate weit dro­ben im Walde, aber er war nie ein brauchbarer Arbeiter gewesen und hatte die Armut nicht von seiner Hütte fernzuhalten vermocht. Dabei war er von jeher ein mürischer, verdrossener Kauz gewesen und hatte auch nie einen Freund gehabt. Während der Tabaksrauch der andern die Lust erfüllte, sagte er gleichsam zu sich selbst: ,^Jch hab's mein Leben lang schwer und schlecht gehabt, aber nun hab ich gehört, es gebe ein Land, das Amerika heißt, und dorthin will ich jetzt ziehen."

Die andern saßen in angenehme Gedanken ver­sunken da und gaben dem Alten gar keine Ant­wort. Aber Ole von Maggebysäter fuhr fort:Ja, seht, mit Amerika ist es nämlich so: man braucht nur mit einem Stock an einen Felsen zu schlagen, und sofort fließt Branntwein heraus. Das will ich sehen, ehe ich sterbe."

Die andern sagten noch immer nichts. Sie saßen stille da, schauten vor sich hin und lächelten. Aber Ole von Maggebysäter gab sich noch nicht zufrie­den:Mich soll keiner dazu bringen, hier weiter

in Armut und Elend zu leben, wenn ich weiß, daß es ein Land gibt, wo die Berge voll Branntwein sind."

Die andern sagten immer noch nichts, aber sie verloren kein Wort von dem, was Ole von Magge­bysäter sagte.Und das Laub dortzulande besteht aus reinem Golde", fuhr der armie'iige alte Mann fort.Da braucht niemand Tagelöhner auf einem Herrenhofe zu fein. Man geht einfach in den Wald und holt sich einen Arm voll Laub, bann kann man sich kaufen, was einem gefällt, und das werd' ich mir nicht entgehen lassen, so alt ich auch bin."

In der Geflndestube roars jetzt schön warm, und allen war es höchst behaglich zumute. Sie glaubten das Land vor Augen zu sehen, wo man Brannt­wein aus den Bergen zapfen und Gold von den Bäumen pflücken kann.

Doch nun erklang die Desperglocke, und die Ruhe­pause war zu Ende.

Sie mußten wieder hinaus in Wind und Wet­ter. Lars von London ging zu feinem Pflug, und Magnus von Wien schloß sich ihm an. Sven von Paris und Johann von Prag und der Stallbub mußten gleichfalls an die Arbeit. Per von Berlin begab sich heim in seine Hütte und der Stallknecht ans Holzspalten. Ole von Maggebysäter wanderte den Wald hinauf mit seinem Roggensack auf dem Rücken. Aber keiner von allen sah mehr so miß­mutig aus wie vor einer halben Stunde; im Ge­genteil, ihre Augen glänzten.

Denn alle dachten, wie gut es fei, zu wissen jawohl, ob es auch noch so weit entfernt lag und man niemals hinkommen würde, so sei es doch gut, zu wissen, daß es ein Land gab, wo Brannt­weinberge standen und goldene Wälder wuchsen.

Von Böttchern,

Küfern und Kellermeistern.

V. A. Die Böttcherarbeit ist eine Eigenart des Holzkultur pflegenden Nordens, und erst von Ger­manien verbreitete sie sich ins Mittelmeergebiet. Während der Süden noch keine Kenntnis von der kunstvollen Arbeit besaß, Eimer und Zuber aus Dauben und Reifen zu fertigen, hatten unsere Ur­eltern bereits Melkkübel, Wannen, Kufen und Fässer für Küche, Brauhaus und Garten in Be­nutzung, Waschbottiche und Kübel aller Art, die sich längst von dem Urbilde des ausgehöhlten Baum­stammes zu daubengefügten, harzverdichteten hohl- gefäßen umgewandelt hatten. Zünfte entstanden erst im Mittelalter: die Baseler Chronik spricht anno 1271 von den Handwerkern derWanner" und Faßbinder". Spätere Geschichtsschreiber heben die Unterschiede der einzelnen Gewerksgruppen ge­wissenhaft hervor.

Die Wein- und Faßpflege zugleich brachte es mit sich, daß die eigentlich unterschiedlichen .Begriffe

Küfer" undKellermeister" zusammenfielen. Der Wein erfordert eben eine sorgsame Auswahl und Behandlung der Fässer. DieBüttner" machten u. a. Maischbottiche und Brauereifässer. Für den Fall einer Feuersbrunst hatten die Böttcher und Kübler, Faßbinder und Büttner ihre fertigen Ge­räte zum Löschen zur Verfügung zu stellen. Als derRauch, und Schmauchtoback" aufgekommen war, erließen die Stadtväter Rauchverbote für die Böttchergilde. Dieses ehrsame Gewerke gehört auch zu denlärmmachenden Handwerkern", so daß Böttcher und Faßbinder sich znur auf Grund be­hördlicher Genehmigung dort ansiedeln durften, wo sie nicht allzu arg störten. So durfte ein Böttcher seine Werkstatt nicht dort einrichten, wo ein Ge­lehrter wohnte. Zog allerdings der Herr Doktor oder Magister zu, so hatte der Handwerker den Vorrang, und jener mußte die betriebszugehörigen Störungen in Kauf nehmen.

Das Meisterstück deutscher Böttcherkunst liegt im Schlosse zu Heidelberg. Es ist dasgroße Faß". Pfalzgraf Johann Kasimir stiftete ein Riesenfaß alswürdiges Denkmal für den Freudengeber Wein", Meister Michael Warner aus Landau in der Pfalz fertigte das Faß in den Jahren 1590/92 an. Im Dreißigjährigen Kriege wurde das Faß zerstört. Karl Ludwig ließ es durch den hofkeller- meister Johann Maier anno 1664 erneuern und als Denkmal des wiederkehrenden Frohsinns" um­bauen. Wie durch ein Wunder überdauerte dies Faß die Zerstörung Heidelbergs im Jahre 1689. Aber in der Schloßruine verkam es und zerfiel. Vierzig Jahre später bat der hoszwerg Clemens Perkeo seinen Herrn, Pfalzgraf Karl Philipp, um Restaurierung des Riesenfasses. Der Landesherr ließ es durch denHofkeller" (Hofkellner) Johann Anton Engler instandfetzen und zum 1. Mai 1728 unter Volksjubel auffüllen. Perkeo wurde feierlich zumKammerherrn des Faßkönigs" ernannt und durfte für Lebenszeit sich Freitrunk holen; der drollige Zwerg rühmt sichbescheiden", er habe niemals mehr als täglichhöchstens" 18 bis 20 Flaschen geleert. Das heutige Faß stiftete Karl Theodor 1761; es kostete 80 000 Gulden und faßt 236 Fuder, das sind 236 000 Flaschen. Es ist bis heute ein Wahrzeichen deutscher Böttcherarbeit. Riesenfässer entstanden in Nachahmung auch in Tübingen und Gröningen. Berühmt sind die Keller­räume des Bremer Ratskellers mit den Fässern der 12 Apostel, des Bacchus und der Rose.

Hochschulnachrichten.

Der Reichsminister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung hat Ministerialdirektor Dr. Wil­helm Saure zum Ordinarius in der rechts- und staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Göttingen berufen und ihm die Leitung des neuerrichteten Instituts für Agrar-Recht übertragen.