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Hr.60 Zweites Statt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

ir./lZ.MärzlyZ8

Heldengedenkiag des deutschen Volkes.

Vrudertum des Rules.

So muß es wohl wahr sein, daß mehr als zwanzig Jahre vergangen sind, aber wir können es nicht glauben. Zwar wir sehen, daß Kinder groß geworden sind: wir sehen, daß Große zur Ruhe gegangen sind inzwischen, und auf ihren Grabmälern wächst schon das erste Moos: wir sehen, daß die Bäume Ring auf Ring um ihr Leben gelegt haben und daß Trieb auf Trieb hin­ausgewachsen ist in den Himmel, der so blau ist, wie er damals war. Aber wir können es nicht glauben. Und wenn wir uns erinnern möchten, so erkennen wir, daß es gar keine Erinnerung für uns gibt, sondern daß wir in dem Gewesenen ge­lebt haben als in einem immer Gegenwärtigen ... Nicht, daß es immer da war, jeden Herzschlag be­gleitend, aber so, daß kein Tag und keine Nacht verging, iri denen es uns nicht einmal wenigstens anrührte: ein Bild verwüsteter Erde etwa oder ein graues Gesicht unter grauem Helm oder ein Stern, zu dem wir -damals die Augen anfhoben, oder ein Rauschen im nächtlichen Wald ...

Wir wissen nicht, wer gerade uns übrig bleiben ließ aus jenen Jahren der Verzehrung, aber wir wissen wohl um das Brudertum des Blutes, das sich niemals tiefer erfüllte, als in jenen vier Jahren. Mit eurem Vermächtnis, liebe Brüder, sind wir heimgekehrt. Wir sind schweigend heim- äekehrt, weil wir das Leere, ja das Verächtliche leerer großer Worte tief erfahren hatten. Und auch heute verlangt uns nicht, von uns zu sprechen.

So spricht heute einer zu uns, der mit der grauen Schar der Gefallenen verbunden gewesen und ge­blieben ist durch das Brudertum des Blutes und der Gesinnung. Und wenn heute ein ganzes Volk seiner gefallenen Heldenbrüder gedenkt, dann weiß es, daß es nicht um Preisen und Feiern geht oder gar um Klagen und Weinen, sondern um Größeres. Sie haben mehr zu verlangen, denn sie haben unendlich viel für uns getan: sie haben doppelt für uns gekämpft! Damals gegen den äußeren Feind auf dem Felde der Schlachten, dann in den Seelen und Herzen ihres Volkes gegen den schlimmeren inneren Feind dumpfer Resignation und Verzweif­lung, des Kleinglaubens und Unglaubens, der Schande und des Schmerzes.

Das ist der ewig unvergeßliche Dienst, den unsere gefallenen Brüder unferm Volke geleistet haben und bis auf den heutigen Tag noch leisten: daß sie nicht gestorben sind,daß die Lebenden tot seien", sondern daß. die, die wie Tote dahin lebten ohne Hoffnung und Glauben, wieder lebendig würden! So waren unseretoten" Brüder im Grunde viel lebendiger als wir, denn sie waren ja gewogen worden, sie haben ihren Wert erwiesen, ihren Sinn erfüllt", was uns noch fehlte. Sie waren darum der stete Impuls, der immer wache innere Antrieb und Auftrieb in uns, aus dem wir immer wieder Kraft schöpften in jenen schweren Nachkriegszeiten. Hinter ihrem Sterben glühte eine Kraft, deren Stunde gekommen ist! Sie mußten erst sterben, damit wir ein Volk werden konnten in wahrhafter Volksgemeinschaft, im Brudertum des Blutes, das nur aus Opfer und Leiden, aus Not und Tod geboren wird. Darum ist es wahr: vor ihren Kreuzen soll ein Volk seine Knie beugen!

Ihr seid, ihr lebt, ihr ruht

in unferm Blute wie das Blut von Ahnen, in unferm Traum als nie verstummte Klage, in unferm Glauben wie der Wind in Fahnen. Ein grauer Himmel wölbt sich über dem Geschlecht, dem nichts gehört als eures Opfers Zeichen, doch ward aus eurem Tode ein Vermächtnis uns, das wir jetzt stumm den jungen Enkeln reichen!" Unsere Gefallenen haben uns die Freiheit und das Vaterland zum zweitenmal erkämpft, indem sie diejenigen begeisterten und mit ihrem Helden­

mut erfüllten, die durch die langen Jahre der Er­niedrigung hindurch den Glauben und die Hoff­nung hindurchgetragen haben. Und wir können dar­um der Kriegsgefallenen nicht gedenken, ohne zu­gleich auch die Gefallenen der Bewegung zu ehren, die ihr junges Leben eingesetzt und hingegeben und das neue, Dritte Reich erkämpft haben, als der Führer rief zur Erhebung unseres Volkes. Für manchen war's der letzte Gang, aber heute weiß ein ganzes Volk ihnen heißen Dank! So gehören auch sie in die Reihen der feldgrauen Kämpfer und

Helden, für deren heiliges Vermächtnis sie kämpften und fielen, im heiligen Kampf um die Seele des eigenen Volkes, aus dem heiligen Brudertum des Blutes! In unseren Herzen stehen sie auf in dieser Stunde des Gedenkens und mahnen uns:

Wir liegen still, und dennoch spricht's und raunt's mit tausend Zungen aus unferm Grab: Du Volk im Licht! Vergiß uns nicht, tu deine Pflicht! Denn wären wir gestorben nicht, die Nacht hätt' dich verschlungen!"

Der Verg des Vlutes.

Der Gipfel des Col di Lana ist 2462 Meter hoch. Es ist nicht der höchste Berg dieser Dolomiten, längst nicht; kaum einer, den man beachtete im Frieden. Denn rings um ihn ragen, fast tausend Meter höher, die Felsmassive der Marmolata mit Kuppeln von ewigem Eis; auch hier hat sich der Weltkrieg festgebissen. Aber der Col di Lana steht wie ein Eckpfeiler. Er herrscht über die Dolomiten- straße vom Pordoijoch bis zum Falzaregopaß, über

das Cordevoletal und die Straße ins Gardertal.

Oesterreicher sind oben. Sie halten die beiden Kuppeln bis Col di Lana und den flachen Sattel, der sie verbindet, seit Kriegsbeginn. Es ist ihr Berg. Von hier aus haben sie weite Sicht hinter die ita­lienische Front; und wenn der Feind in das Puster­tal will, muß er erst den Col di Lana besitzen. Mit den Oesterreichern stehen bis zum Oktober 1915 zweite und zehnte Jäger des Deutschen Alpenkorps

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auf diesem Gipfel; Männer aus dem Bayern- und Frankenlande, Westfalen, Rheinländer, Oberschlesier bluten gemeinsam mit den Tirolern.

Langsam kommen die Italiener, gehen an den Berg heran. Aber der läßt sich nicht durch Hand- streich nehmen oder durch kleine Angriffe

Sechzigmal stürmen die Italiener, erst mit Kom­panien, Bataillonen, Regimentern, dann mit Bri- gaben, Divisionen. Vergeblich. Aber Ströme von Blut umfließen ihn. Soviel, daß Italien es nicht mehr ertragen kann. Col die Sangue nennen sie den Col di Lana Berg des Blutes und der Tränen...

*

Leutnant Don Gelasio Gaetani, Fürst von Ser« moneta, ist der leitende Pionieroffizier für den italienischen Stellungsbau am Col di Lana-Hang. Ein junger Aristokrat, der es nun nicht mehr mit ansehen kann, wie seine Landsleute zu Tausenden hier verbluten und immer noch kein Ende kommt.

Man kann diesen Gipfel nicht stürmen, man kann ihn nur in die Luft sprengen", sagt er am 13. Januar zum Generalstabschef der Kampfdivision.

Mit der 8. Sappeur- und 12. Minierkompanie beginnt Gaetani die Unterminierung der Berg­kuppe. In vier Schichten läßt er arbeiten, Tag und Nacht. Seinen Mineuren werden hohe Prämien ausgezahlt, wenn sie mehr leisten, als gefordert werden kann.

Die Oesterreicher ahnen, was unter ihrer Stel­lung vor sich geht, der Fels überträgt die Spreng- schliffe und Bohrgeräusche immer deutlicher. Der Tod frißt sich heran. Es gibt nur eine Frage, wo wird er kommen und wann wird er da fein? Aus­halten läßt sich nichts mehr.

Am Nachmittag des 14. April melden die Horch- posten der 5. Kompanie ihrem Kommandanten Hauptmann Homa, daß sie kein Arbeitsgeräufch mehr vom Feinde hören. Also ist der Stollen fertig! 48 Stunden mag der Italiener noch brauchen, unv die Sprengkammer zu laden ... dann ist das Schick­sal entschieden.

Immer stärker schwillt das Feuer der Artillerie an. Alle Zugangswege werden von ihrer Artillerie abgeriegelt, keine Trägerkolonne kann mehr hoch kommen, der Zuschub setzt aus. Die Telephonkabel sind zerfetzt. Mutige Männer, die es wagen, den Kameraden auf dem Gipfel Munition und Essen zu bringen, müssen unterwegs ihr Leben lassen.

Hauptmann Homa will nicht, daß die Sprengung mehr Opfer fordert als diese Todgeweihten. Er schickt einen Melder zum Kampfabschnittskommando herunter, will bitten, daß die 5. Kompanie nicht mehr ablöst. Was oben ist, hat sich abgefunden...

Es wird die Nacht zum 17. April. Schlagartig fetzt das feindliche Feuer aus. Nun wird es ge­schehen! Aber die Stille dehnt sich. Unheimliche Ruhe liegt auf den weißbeschneiten Bergen und Tälern unter dem flimmernden Firmament. Es ist die Stunde, für die die Kaiserjäger ihr Ende errech­net haben. Da meldet ein Posten einzelne Gestalten, die vom Sief her gegen den Gipfel herankrischen.

Die Kaiserjäger rücken an die Gewehre, um we­nigstens noch einen Schuß gegen den Feind ab­zugeben, bevor das Feuer aus dem Berge bricht. Sie ahnen ja nicht, daß ihr Melder nicht ange­kommen ist. Auf dem Gratweg hat ihn die Kugel getroffen und er ist in den Abgrund aeschmettsrt.

Was da hoch kommt, ist die Ablösung: Ober­leutnant von Tschurtschenthaler meldet sich mit feiner V. Kompanie in der Gipfelstellung. Er bringt den

RUHL Seltersweg Nr. 67

adiO Telephon Nr. 3170

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Der deutsche Frontsoldat.

Bon Franz Schauwecker

Da kommen sie anmarschiert: erst eine Kompanie, bann bas Bataillon, das Regiment,Brigaden und Divisionen, endlose, feldgraue Züge. Der weiße Kalkstaub der Champagne, die zähe Lehm­kruste Polens, der fette Humusboden Flanderns, gelber Staub der Sinaiwüsten und arabischer Ein­öden, der schwarze, fressende Moorschlamm der Rokitnosümpfe, der Schmutz, Staub, Schlamm und Dreck der ganzen Erde klebt und krustet an ihren Stiefeln und Tuchhosen. Staub und Schweiß überzieht grau die Hände und die Gesichter. Nur die Augen und Zähne blitzen weiß aus dem tiefen Braun der Haut. \

Sieh sie dir genau an! Da ist kaum eine Uni­form, die nicht geflickt, die nicht ausgeblichen wäre von Sonne, Luft, Regen und allen Mächten der Erde. Schön sieht das nicht aus, aber es sieht nach etwas aus, nach so viel sogar, daß dir das Lächeln vergeht. Du lachst auch nicht über die Stahlhelme, wenn sie auch bunt beklext sind wie ein Narren­gesicht im Zirkus, und wenn sie auch von drauf­geschmiertem Lehm und drumgebundenen Gras­halmen starrten wie eine tolle Niggerfrisur ober ein indianischer Kopfputz.

*

Sieh genau hin! Der Hemdärmel, der da und dort vorguckt, ist nicht sauber, und du würdest das Hemd vielleicht nur mit der Feuerzange anfassen. Du tust auch gut daran, denn du bekämest sonst wahrscheinlich Läuse.

Hebe das Gewehr einmal, nur für eine Se­kunde und nur zum Spaß Es wiegt nur neun Pfund. Nur? Ja, nur! Der Tornister wiegt zwanzig Pfund. Der Stahlhelm drückt mit zwei Pfund auf den Schädel, und bas ist recht viel für einen so empfindlichen Gegenstand, in dem alle Nerven sich treffen. Und dann vergiß das Koppel nicht! Es hängt voll von allerhand wie ein Baum von Blättern: Brotbeutel, Feldflasche, Spaten, Seitengewehr. Gas­maske und zwei Patronentaschen mit 120 Patronen. Das alles zusammen wiegt seine sechzehn Pfund. Die Stiefel sind auch nicht leicht und sitzen obendrein noch an den Beinen, die auf einen Kilometer Weges bei einem durchschnittsgvoßen Mann etwa 1160mal hochgehoben und vorgesetzt sein wollen. Bei vierzig Kilometer Marsch macht das 46 400mal, und das Gepäck will mit. Und der Schlamm lieat handhoch und zieht wie ein Stiefelknecht.

Sa, sieh sie dir nur an: allesamt, wie sie gebacken sind, laufen sie jetzt schon am dreißigsten Kilometer

und kommen aus einem Gefecht und gehen in ein anderes.

Frage den ersten besten, wann er zuletzt gegessen hat. Gestern abend. Und wieviel? Einen Deckel voll. Und war's dick?Nee, dünne, spinnendünne!"

Aber dafür hat er gewiß gut geschlafen. Ja, das hat er, eine halbe Stunde in einer zerschossenen Scheune. Dann ist er alarmiert worden.

Wie geht's denn zu Hause? Wie soll er das wis­sen? Den letzten Brief hat er vor einer Woche be­kommen, und da war er schon vierzehn Tage alt. Er weiß ja nicht mal, ob das erwartete Kind schon da ist, ob's ein Junge oder ein Mädel ist, und was die Mutter macht...

Aber er wird wohl bald auf Urlaub fahren? Ach, du lieber Gott! In sechs bis sieben Monaten! Bis dahin kann jede Sekunde einDing" ange­pfiffen kommen und durch ihn durchhauen, als ob er Luft wäre. Sechs bis sieben Monate! Rechne aus, wieviel Sekunden die haben. So viele Ge­legenheiten zum Sterben sind da. Sechs bis sieben Monate, sechs bis sieben Jahrhunderte! Soweit denkt ja kein Frontsoldat.

*

Achte einmal auf ihre Unterhaltung. Die Worte sind so unbehauen und wahllos wie Felsen. In der guten Stube" jagst du damit alles zur Tür hinaus, so kräftig sind sie. Horch! Sie singen Lieder. Nicht wahr, das hättest du ihnen gar nicht zu­getraut, so zarte, sehnsuchtsvolle Verse, so traurige, entsagende Strophen? Die Vaterlands- und Kampf­lieder passen deiner Meinung nach schon besser zu ihnen. Deine Meinung! Was verstehst du als Frau oder Zivilist davon. Deine Meinung! Dann hör lieber gar nicht erst hin auf das, was sie jetzt fingen. Jeder Staatsanwalt würde dies Lied berufsfreubig beschlagnahmen, wenn er's gedruckt sähe, und Drucker und Verleger würden ganz scheußlich rein­fallen, so saftig und kerngesund ist es.

Da marschieren sie hin: Offiziere, Unteroffiziere und sie, die Gemeinen, die Soldaten. Und es wird gar nicht allzu lange dauern dann hörst du vor dir, weit hinter den blauen Hügeln und Wäldern dumpfe Schläge und helle Knalle.Es geht los!" Um deine kleine Geringfügigkeit und ihre Sicher­heit hinterm Ofen dreht sich's dabei auch. Vergiß das nicht, niemals! Und wenn du sie morgen weiter­marschieren siehst, dann sind es nicht mehr so viele, aber sonst ist alles beim alten

*

Wenn du mir recht gibst, dann jei nicht |o töricht und lobe und preise den Infanteristen als Helden und Retter und weiß Gott was sonst noch. Das sind

nur Worte. Gib ihm zwanzig gute Zigaretten, drück ihm die Hand und sprich mit ihm von seiner Frau und von seinem Kornfeld oder seiner Drehbank ober was es nun gerade sein mag. Willst du ein übriges tun, bann labe ihn dir zum Abendbrot ein und rede einfach über Einfaches. Ganz zum Schluß aber kannst du ihm so nebenbei und unauffällig zwischen zwei Zigarren sagen:

Ich bin zwar nicht im Felde und nicht Soldat gewesen, aber ich ahne ich ahne! Möge Gott uns vor einem zweiten Kriege fürs erste bewahren!"

Dann wird er nachdenklich vor sich Hinsehen, mit dem Kopf nicken und vielleicht nur sagen:Ja." Aber wie er diesJa" sagt, wie er es sagt, das wird dir ins Herz gehen.

Und wenn er fort ist, dann kannst du ruhig das Gefühl haben, den wahren Helden des größten Krieges aller Zeiten kennen gelernt zu haben, den deutschen Infanteristen von 1914 bis 1918. Dann nimm heimlich die edelsten Worte deutscher Sprache und umgib ihn mit dem Schimmer höchsten Ruhmes und dichterischer Verklärung. Du gibst es keinem Unwürdigen, und der Kranz senkt sich auf eine viel­leicht schweißtriefende und darum würdige Stirn.

Die Mtter der Toten.

Wir sind jung. Wir stürmen durch Zeiten und Grenzen. Unsere Augen leuchten vom Sieg und unsere Herzen tragen die Gewißheit des Zieles. Die unbezwingbare Kraft, mit der wir durch die Siege schreiten, wächst uns aus der deutschen Erde und aus dem männlichen Wunder der Kameradschaft, das wir täglich neu erleben. Ein neuer Rhythmus trägt uns vorwärts, in neuen Formen schwingt das Le­ben. Weil wir sterben lernten, vermögen wir wie­der zu leben. Ein Strom durchbricht von innen her alle Schranken und trägt uns zu neuen Ufern. Und wenn wir zurückschauen, dann geschieht es nicht, um Verlorenes zu suchen, sondern um aus Opfern Kraft zu schöpfen zu neuem Tun.

Der Deutsche braucht die Frage der Rückschau. Er braucht die Stunde, da er nach Tagen des Kampfes sich an einem Kornfeld niederläßt und in den Himmel schauend, den Kameraden neben sich, leise die Lieder träumt vom roten Mohn, von der Liebe und der Heimat. Er braucht die Stunde, da er an Gräbern gefallener Kameraden steht und seine Seele von Zentnerlasten befreit. Er braucht in der Hast der Tage und dem Brausen der Geschehnisse die Stunde, da er ein ungereimt Gebet spricht, einen I Händedruck tauscht. Auch die Nation braucht diese Stunden der Einkehr. Und der millionenfache Gleich.

klang dieser Tage ist die Quelle der Erneuerung, die Wurzel ihrer Kraft.

Am Tage der toten Helden erneuern wir den Schwur, ihr Opfer zu sühnen und ihr Vermächtnis zu erfüllen. Einen Tag im Jahre aber weihen wir dem Leben und grüßen die, die das Wunder unfe- res Lebens schuf, und es in Schmerzen gebar. D i e Mutter soll nicht vergessen bleiben, wenn wir der Toten gedenken. Einen Tag im Jahre beugt sich ein ganzes Geschlecht vor dem Wunder der Ge­burt und segnet in der Mutter das göttlichste Wunder.

Wir aber, wir Deutschen, mir wissen Höheres als das Leben. Wir wissen vom Sinn des Lebens, von der Größe des Opfers, von der Hingabe an die Idee. Und wir feiern nicht allein das göttliche Wer­den, das Dasein an^sich. Wir ehren die Bewahrerin des Lebens, die Hüterin der Ahnenreihe und wir beugen in Ehrfurcht die Knie vor der Mutter, die das, was sie in Schmerzen gebar, dem Größeren weihte, und in Tränen der Nation hingab.

Die Herzen, die nun freier schlagen, die Augen, die nun heller leuchten, sie danken's ihr. Denn ihre Söhne waren es, die das Reich erkämpften, ihre Söhne waren es, die das Banner vor- rodrtstrugen, die man in dunklen Städten schlug und in durchwachten Nächten auf Bahren und Ka- meradschaftshänden in stille Häuser trug. Lange schrie man über das Opfer, spie über die Toten und verwüstete die Gräber der Helden. Und Mütter wachten einsam und haderten mit ihrem Gott über das Opfer.

Da brach die Sonne durch die Schleier. Aus den Graben wuchs der Trotz, Schwur und harter Wille. Und je größer der Sturm der Toten wurde, um so siegreicher schritt das Heer der Lebenden über die deutsche Erde, genährt von der Größe ihrer Opfer Die Mütter sahen die Stunde der Erfül«' lung und wußten die Söhne gerächt. Aus gemor-

Löhnen wurden Wurzeln der Kraft, Schöpfer und Künder des Neuen. Aus ihrem Tod erwuchs das L eb e n , aus ihrem Opfer stieg sieghaft d a S jx e t a).

Da versiegten die Tränen der Mütter, verhärtetes r^eid ward zu befreiendem Schmerz und die Ein­samen worden die Mütter der Jugend. Und wenn Kameraden an den Gräbern ihrer Söhne stehen, gedenken sie der Mütter der Nation.

Einen Tag, da wir Kraft uns holen aus den Lei« ?ernc£e.F, Toten, beugen wir uns in Ehrfurcht vor den Muttern, die das größte Opfer brachten: das teben, Das sie geboren, hinzugeben dem Tode. Unser Schwur, ihr Vermächtnis zu wahren, lindere ihren Schmerz und achte ihr Opfer. Ehret btt Mutter der Toten! O.