Fäden hin und her.
Vornan von Hedda Westenberger.
Copyright by Carl Duncker Verlag, Berlin W 35
19 Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)
Mit einem Ruck reißt sich Monika los.
Und im selben Augenblick geht schräg gegenüber die Fremdenzimmertür auf, und Marga Montwill steht da. Sie trägt noch chren blau-beige gestreiften Dressing-gown aus Schlipsseide (so was kriegt man nur in Berlin, denkt Lenzsch flüchtig) und hat wohl nur ihre Schuhe hereinholen wollen. Aber es sieht aus, als habe sie nachsehen wollen, wer draußen so heftig miteinander flüstert und zischelt. Peinlich, denkt Lenzsch und hebt die Rechte zu jovialem Gruß: „Morgen, morgen, schönste Dame. Auch schon wach?"
„Jawohl, auch schon wach", murmelte Marga, nicht weniger verlegen als die beiden anderen, und reibt sich ein wenig die Augen und tut, als sähe sie erst jetzt Monika dastehen.
„Sie haben schon einen Waldlauf hinter sich, Fräulein Monika. War's schön?"
„Och ja. Haben Sie gut geschlafen?"
„Danke, wunderbar."
Sie sind aufeinander zugetreten, und ihre Hände legen sich eine Sekunde kühl ineinander.
Lenzsch steht dabei und spürt die scharfe Luft zwi- schen den beiden, und es freut ihn, er weiß selbst nicht, weshalb. Oder halt, er weiß es doch, und je länger er dem konventionellen Gerede der beiden zuhört, um jo klarer wird es ihm, warum ihn die scharfe Luft freut: well, wenn zwei sich nicht mögen, ein Dritter auf jeden Fall fein heraus ist.
Also warte, Monika, mein Herzchen, warte, mein Kind! Dir treibe ich den Hochmutsteufel und dis Bisiigkeit und die Anzüglichkeiten schon aus. Oder, wenn du mich denn durchaus nicht willst, es gibt ja auch andere, sogar sehr reizvolle andere, und alle Liebe rostet nicht. Diese Marga sieht wirklich be- zaubernd aus in dem gestreiften Mantel. In den nächsten Zwölf Stunden, Monika, mein schönes sprödes Kind, gibt's was, und es ist noch nicht gewiß, wer zuletzt lacht. Du aber in gar keinem Fall, so wahr ich Walter Lenzsch heiße und diese andere da mal geliebt habe.
Also!
Walter Lenzsch dreht sich also mit verschränkten Armen und sehr ostentativ zu Marga Montwill herum und schaut bedeutsam an ihr auf und ab.
„Großartig sehen Sie aus", sagt er dann, und
es tut ihm in der Seele leid, daß er kein Monokel besitzt, das er sich ins Auge klemmen könnte.
Marga Montwill lacht leise auf: „Ja, vor allem um den Kopf herum."
„Nichts ist köfllicher", stellt Lenzsch daraufhin fest, „als ein Frauenkopf mit verwühltem Haar. Es regt die Phantasie an, wissen Sie. Und überhaupt, Herr- gott, wenn ich noch daran denke, was für prächtiges Haar Sie früher hatten, als Sie noch keinen Bubikopf trugen. Manchmal ging es auf, und einer von uns durfte Ihnen die Kämme halten ... Manchmal war dieser eine auch ich!"
„So? Ich sagte Ihnen doch schon mal, daß ich mich an die Zeit gar nicht mehr erinnere."
„Aber ich! Aber ich! Seit ich Sie wiedergesehen habe, muß ich unaufhörlich daran denken. Fast ganz unaufhörlich. Und wenn Sie mich zum Beispiel vor Ihrer Abfahrt noch mal in meiner Bude im Sanatorium besuchten, dann könnte ich Ihnen mit entzückenden Photos alle hübschen Erinnerungen wachrufen."
Marga Montwills ablehnendes Gesicht ändert sich plötzlich: „So? Ist das wahr? Haben Sie noch alle die alten Photos?"
Walter Lenzsch löst seine Hände voneinander und stemmt sie zufrieden in die Seiten. „Aber freilich. Sogar eingeklebt habe ich sie!"
„Donnerwetter! Ja, das muß ich mir dann allerdings ansehen. Denn wissen Sie, mein alles Album ist mir bei irgendeinem Umzug verlorengegangen. Und ich hing doch soooo daran. Schon wegen der ulkigen Moden. Und wegen der Widmungen ..."
Sie sehen einander in die Augen und lächeln beide.
„Manche Leute schrieben dabei auch ganze Gedichte, wissen Sie noch?"
„O ja. Und Herr Goethe persönlich stand Pate."
„Warum auch nicht? Wenn's um die Siebe geht, ist auch ein Goethe nicht zu gut zum Pate-Stehen."
„Fragt sich eben nur", sagt Marga Montwill mit einem Schimmer von Spott, „ob das damals wirklich Liebe war."
Waller Lenzsch macht nur eine kurze Bewegung mit den Schultern. Man kann sie deuten, wie man will. Aber sein Gesicht hat einen ganz merkwürdigen Ausdruck, und seine Augen sind unaufhörlich und glänzend auf Marga gerichtet.
Eine Weile schweigen sie. Maraa schaut an ihrem Mantel hinunter. Unten in der Küche klappert jemand mit Tellern und Töpfen. Das Brausen im Badezimmer hat aufgehört. Dann klappt unten an der Tür der Deckel vom Briefkasten, und irgend etwas vlumpst klatschend zu Boden.
„Wissen Sie, was ich möchte? Und was ich auch bestimmt tue?" fragt Lenzsch auf einmal leise und
Heist mit am Aufbau desLugenöherbergwerkes!
NSG. Am nächsten Samstag und Sonntag sammell die Hiller-Jugend für den Reichsverband für Deutsche Jugendherbergen zum Reichswerbe- und Opfertag. An die Bevölkerung des Gaues Hessen-Nassau ergeht der Ruf, auch in diesem Jähr den Jungen und Mädeln eine Spende zu geben. Jeher Pfennig ist ein Baustein für neue und schöne Jugendherbergen, die in den schönsten Landschaften und Wandergebieten zur Stärkung und Gesundung der Jugend erstellt werden sollen.
In der umfassenden Erziehungsarbeit an der nachwachsenden Generation des neuen Deutschland
NSDAP.
(Sau Hessen-Nassau.
Der Gauleiter.
Die unter nationalsozialistischer Führung stehenden Jugendherbergen sind Erziehungsschuten des nationalsozialistischen Staates und Pftegestatteu deutschen Brauchtums. (Eine hohe und verantwortungsvolle Aufgabe wird ihnen im neuen Deutschland zuteil.
Sprenger.
nimmt das Jugendherbergswerk einen wesenllichen Platz ein. Ursprünglich war das Juaendherbergs- wert errichtet worben, um der deutschen Jugend Unterkunft auf chren Wanderfahrten zu gewähren.
Kleinere und größere Herbergen — häufig in Kellern oder Schulen behelfsmäßig eingerichtet — sorgten für die Unterbringung der Jugendlichen auf ihren Ausflügen. Zweifelsohne war das Jugend- Herbergswerk schon damals von gesundheitlichem und erzieherischem Wert, jedoch die Doraussetzun- aen, die Fahrten zu einem wertvollen polillschen Erziehungsmittel zu machen, fehlten.
Bor fünf Jahren rburde deshalb das Jugendherbergswerk in die Erziehungsarbeit der Httler- Jugend eingegliedert. Waren bis dahin die Jugendherbergen zumeist behelfsmäßig unteraebrachte Uebernachtungsgelegenheiten, so war es selbstverständlich, daß das Jugendherbergswerk, um seinen Aufgaben gerecht zu werden, grundsätzlich neue Wege gehen mutzte. Süffige, in freundlichen Farben gehaltene zweckenttprechercke Räume sichern ausreichende, hygienisch einwandfteie Unterbringung. Außer den Schlafräumen müssen auch geeignete Räume für Tagesaufenthalt und Schulung vorhanden sein. Um eine einwandfreie Verpflegung zu gewährleisten, sind zweckentsprechende Herbergsküchen gleichfalls eine selbstverständliche Pottoendig- keit.
Um zu erreichen, daß alle diese _ Einrichtungen nicht nur einer kleinen Schar aus begüterten Kreisen 3ur Verfügung stehen, sondern jedem Jugendlichen die Benutzung der Jugendherbergen auf Fahrt ermöglicht ist, wurden die Uebernachtungssätze für geführte HJ.-Gruppen und Schulklassen auf 20 Pf. je Nacht herabgesetzt. Das eingehende Uebernach- tungsgeld ist aber gerade ausreichend, um den lausenden Verpflichtungen, die sich aus Sicht-, Heizungs- und Waffergeld sowie einer Entschädigung
für den das Haus in Ordnung hallenden Herberas- wart zvsammensetzen, gerecht zu werden. Darüber hinaus müssen zur Bauerhaltung und zur Erwecke- rung des Herbergsnetzes Ausgaben von beträchtlicher Höhe aufgebracht werden. All dies erfordert die Berettftelluna von Geldmitteln, die in chrer vollen Höhe der Reichsverband für Deutsche Jugendherbergen aus eigener Kraft nicht aufbringen kann, der deshalb um Unterstützung bei den Volksgenossen bittet.
Die Richtigkeit des Iugendherbergsgedantens beweist das Ansteigen der Uebernachtungszahl von 4,6 Millionen in 1933 auf 8,2 Millionen in 1937. So erfreulich die Stellgkeit im Anwachsen dieser Zahlen ist, so gibt sie dem Jugendherbergswerk die ernste Verpflichtung, das bestehende Herbergsnetz noch weiter auszubauen. Bei 2000 Herbergen im Reich werden im Rhein-Main-Gebiet zur Zett 70 Herbergen mit 350 000 Uebernachtungen durch den Landesverband Rhein-Main im Reichsverband für DIH. betreut. Der vollständige Ausbau des Jugendherbergswerkes erfordert bei 3000 Herbergen im Reich das Vorhandensein von 10 0 Herbergen im Rhein-Main-Gebiet.
Auch in Zukunft kann das Jugendherbergswerk den hohen verantwortungsvollen Aufgaben, die chm im neuen Deutschland gestellt sind, nur dann gerecht werden, wenn sich jeder für die Unterhaltung und den Ausbau des Jugendherbergswerkes nach Maßgabe feiner Kräfte und Stellung einsetzt. Seine Mthilfe kann er an den Reichswerbe- unb Opfer- tagen unter Beweis stellen. An jeden ergeht der Ruf:
Gebt für das Deutsche Jugendherbergswerk!
Förderung dererbgesundenkindeneichenZaminen
DNB. Der Reichs- und Preußische Arbetts- minifter Seldte hat die Dersicherungsoehörden und die Träger der Krankenversicherung schon bei früheren Gelegenheiten darauf hingewiesen, daß fie die Förderung der erbgefunben deutschblütigen kinderreichen Familien als chre vornehmste bevölkerungspolitische Aufgabe zu betrachten haben.
In einem neuen Erlaß, der in der nächsten Nummer des Reichsarbeitsblattes veröffentlicht wird, bestimmt der Reichs- und Preußische Arbettsntinister nunmehr, daß deutsche kinderreiche Versicherte, deren Familien als geordnet anHusehen sind, von der Verpflichtung, für den Krankenschein und das Arznei- Verordnungsblatt eine Gebühr zu-entrichten, voll- kommen befreit werden. Die Befreiung von der Krankenschemgebühr gilt auch für die Familienhilfe. Für das Arzneiverordnungsblatt ist bei der Inanspruchnahme von Famllienyllfe schon nach gellendem Recht keine Gebühr zu zahlen.
Als kinderreich im Sinne der neuen Bestimmung gelten Versicherte, die mindestens vier, Witwen, die
mindestens drei leibllche ehellche oder für ehelich erklärte Kinder haben oder gehabt haben. Hiernach sind Versicherte auch dann noch als kinderreich an- zusehen, wenn einzelne Kinder bereits erwachsen oder gestorben sind. Voraussetzung für die Ge- bührenfreihett ist jedoch, daß zu dem Haushall des Versicherten mehr als zwei unterhallsberechtigte Kinder gehören, für die nach den Vorschriften der Reichsversicherungsordnung Famttienhttfe gewährt wird.
Als Ausweis gill z. B. das vom Reichsbund der Kinderreichen ausgestellte Ehrenbuch für die deutsche kinderreiche Famllie. Da es jedoch noch geraume Zeit dauern wird, bis jeder Kinderreiche im Besitz des Ehrenbuches ist, genügt vorläufig die Bescheinigung über die Mitgliedschaft des Versicherten beim Reichsbund der Kiickerreichen zusammen mit der polizeilichen Bescheinigung zur (Erlangung der Fahrpreisermäßigung bei der Deutschen Reichsbahn für kinderreiche Familien.
Tagung dekÄgendgruppensührennnenmGießen
Am Sonntag versammellen sich die Jugendgruppenführerinnen des Kreises Wetterau zu einer Arbeitstagung im Hotel Hoxfeld.
Die Kreisjugendgruppenführerin Pgn. Anni Schwengber eröffnete die Tagung mit eingm Wort des Führers und sprach nach gemeinsamem Gesang über die Aufgaben der Iugendgruppen. Sie betonte, daß es an der einzelnen Führerin liegt, wenn die Gruppe etwas leisten soll. Die Jugendgruppe umfaßt den Nachwuchs der Frauenschaft, sie muß hineinwachsen in die Frauenschaft, und sie steht unter dem Geleitwort: Bereit fein und helfen! Aus der Organisation „Glaube und Schönheit" im BDM. treten die Mädchen mit 21 Jahren in die Iugenv»>7Uppen des Deutschen Frauenwerks über. Sie arL*iten in engster Fühlung mit der Frauen- schaft und reihen sich ein in die verschiedenen Arbeitsgebiete.
Die Führerinnen gaben bann einen Ueberblick darüber, was in den Orten von den Gruppen be
reits erreicht wurde. Da wird in fröhlicher Karne- radschaft gewandert und geturnt, musiziert und gesungen, und der Volkstanz wird gepflegt. Andere Gruppen haben Bastel- und Nähabende eingeführt. In gemeinsamer Ardett entstehen unter geschickten Händen Spielsachen aller Art, Kleidchen und Schürz- chen werden aus allen Sachen hergestellt, und aus gespendeten Stoffresten werden Hemdchen und Schürzchen gefertigt für die Abteilung Grenzland- Ausland, für die NSV. und das Winterhilfswerk.
Anschließend sprach bann die Kreisführerin über den Erwerb des Leistungsbuches. Drei Lehrgänge des Mütterdienstes und ein Samariterkursus müssen besucht werden, außerdem ist ein sechswöchiger Hilfsdienst im- Krankenhaus oder in einer Familie zu leisten. Hier mit aller Kraft sich einzusetzen im sozialen Dienst in der Volksgemeinschaft, das ist die Aufgabe jeder einzelnen.
Nach gemeinsamen Mittagessen wurde über die große Pfingst-Tagung beraten. Am Pfingstsamstag
wird das Lager, an dem alle Jugendgruppenführe- rinnen des Gaues Hessen-Nassau teilnehmen, von der Gaufrauenschaftsleiterin Pgn. (Erna Wester - nacher eröffnet, am Sonntag wird Gauleiter Sprenger zu den Teilnehmerinnen sprechen.
Zum Schluß sand eine rege Aussprache über alle organisatorischen Fragen statt. Gemeinsamer Gesang beendete die Tagung, die bewies, wie diese jüngste Organisation im Deutschen Frauenwerk voller Leben und Bewegung ist und vorbildliches Wollen zur Leistung zeigt. F. K.
Tagung der Kindergruppenleiterinnen.
Die neuernannten Leiterinnen der Kindergruppen, die jetzt im Kreise Wetterau aufgestellt werden, versammelten sich am Sonntag im Gasthaus Hindenburg" unter ihrer Leiterin Ubt Roth. Nach kurzer Begrüßung sprach die Leiterin über den Zweck dieser neuen Organisation, die eine Vorstufe für die HI. .bedeutet. Sie führte aus, daß die Kindergruppe an einem Nachmittag in der Woche alle Kinder im Alter von 6 bis 10 Jahren zufammen- faßt unter der Aufsicht einer Leiterin, die gemeinsam mit zwei Helferinnen mit den Kindern spielt und singt. Im Sommer geht es hinaus in die freie Natur. Dort lernen die Kinder spielend die Pflanzen und Tiere unterscheiden; sie beobachten, wie alles wächst und reift, und sie lernen, mit offenen Augen um sich schauen.
Schon in dieser Woche wird mit der Werbung zu den Kindergruppen begonnen. An alle Eltern wird die Frage gerichtet werden, ob sie ihr Kind einreihen wollen in die fröhliche Gemeinschaft dieser Jugend, die hineinwachsen soll in die national* sozialistische Weltanschauung, in eine Kameradschaft, in der die Begriffe Ehre, Treue und Gemeinschaftssinn gepflegt werden.
Die Kindergruppen werden nicht schulmäßig oder militärisch aufgezogen, sondern in fröhlichem Sviel erzieht eins das andere. Durch die Pflege von Sitten und Gebräuchen wird das Deutschbewußtsein geweckt und gefördert und Stolz und Pflichtgefühl gestärkt werden. Aus kleinen Wanderungen sehen die Kinder die Schönheit ihrer Heimat, und in festlichen Stunden werden sie bin Eltern zeigen, was sie an Spielen und Singen gelernt haben. Im Winter wird gebastelt und geklebt, damit die Geschicklichkeit der Hand geübt wird.
So tut sich für die Leiterinnen ein reiches Tätig-
unnötig ernst. „Ich möchte mal wieder nach Berlin fahren und einen Bummel durch alle die alten netten Lokale machen, in denen man sich als Student herumgetrieben hat. Und mit Ihnen möchte ich in den Krollgarten gehen und Sonntags früh in den Zoo, und auf der Brücke vom Schöneberger Stadtpark möchte ich noch mal mit Ihnen stehen. Wissen Sie noch?"
Ja, Marga weiß noch. Gott, wie jung man damals war! ,
„Und wie anders die Zukunft aussehen sollte ..." fügt Lenzsch hinzu.
Ja, auch das. Aber schön, Lenzsch kann ja mal nach Berlin kommen. Oder will er vielleicht gleich mitfahren, wenn Marga zurückiährt?
Lenzsch strahlt: „Ist das Ihr Ernst?"
„Warum nicht?"
'„Wirklich?"
„Wollen Sie vielleicht die Hand darauf? Oder das ganz große Ehrenwort, so wie damals — wissen Sie noch?"
Ja, Lenzsch weiß noch. Und den Blick lächelnd ineinander, geben sie sich die Hände: Abgemacht, es lebe das schone Berlin!
Wie sich die Hande voneinander lösen, wendet Lenzsch sich erschreckt um: „Aber wo ist denn Monika? Haben Sie sie weggehen sehen?"
Monika? Ja, sie hat irgend etwas gemurmelt, was Marga nicht verstanden hat. Dann ist sie gegangen.
Merkwürdig, Lenzsch hat das gar nicht gehört.
Na ja, so leichte Trainingsschuhe hört man ja auch wirklich nicht.
Sie stehen noch einen Augenblick unschlüssig und ein bißchen unangenehm berührt: daß man über einem dummen Gespräch Monika so vergeßen hat.
Dann dreht sich Lenzsch entschlossen auf dem Absatz herum. Tja, da werben wir uns also mal schleunigst anziehen. Also bis nachher! Und er geht Wenn es schicklich wäre, reckte er im Vollgefühl seines Sieges beide Arme. Aber was würde bann Marga denken!
Und außerdem: Vielleicht liegt ihm nun gar nicht mehr so viel an diesem Sieg? Denn wer weiß, was geschieht, wenn man mit Marga Montwill nach Berlin fährt! Wer weiß!
Dann klappen zwei Türen, und Tapsy, der die Treppe heraufkommt, weil er Frauchens Stimme, gehört hat, findet einen leeren Korridor und einen Hauch von Frauchens Parfüm um den Pfosten des Treppengeländers herum.
Und dann spitzt er die Ohren und hort dreierlei:
(Ein lustiges, nicht sehr melodisches Pfeifen. Das ist das fremde Herrchen, der fast so riecht wie der Tierdirektor in Berlin.
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3m Herbst und in 6 u b o r f in be Heunerbande un
UHL Seltersweg Nr. 67
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Durch einen Stra' rveaen Diebstahls
Monaten ver Strafbefehl legte er Montag geführte H zusammen nutJL Meter lang geMt stelle der Firma Ä E. zusammen mit November vorigen 'Laustelle oorbeikam eine Reparatur an nehmen, und nerai Eisenstangen wegzv aufzuladen. Der A habe angenommen, (fangen um Abfall, Erlaubnis der Fli Zeugenaussage ero weder die Erlaubnr noch daß die Art i die Annahme rech um Abfall Hande! Grund des 1 Ü das Verfahren er Gegensatz zu den hatte, daß durch
Ein leises sehr melodisches Summen. Das ist Frauchen. '
Und ein kaum vernehmbares Schluchzen. Das ist Seppis Frauchen. Aber man muß die Ohren schon gewaltig spitzen, um es zu hören.
14. (Ein Vater fragt seine Tochter, wie alt sie ist, und ein Sonntags« spaziergang endet mit Zähneknirschen.
Beim Kaffeetisch gibt es eine kleine Sensation: Vater Hammerbacher will auf seinen Frühschoppen verzichten und statt dessen seine Damen ein Stündchen ins Freie führen.
Die Damen, soweit sie sich als die seinigen betrachten, lächeln nicht eben entzückt. O Gott, diese Sorte Spaziergänge kennt man zur Genüge. Vater Hammerbacher rennt mit Riesenschritten immer zehn Schritt voraus, Tante Marthchen bekommt nach der ersten halben Stunde Ballenschmerzen, und Monika * langweilt sich zu Tode, weil sie schon auswendig weiß, was der Vater über Tank? Marthas Ballenschmerzen und was, umgekehrt, Tante Martha über Vaters sinnloses Rennen zu sagen hat.
„Und der Herr Kapellmeister Bitterlich?" wirft Tante Marcha vorsichtig fragend hin. „Was soll ihm denn gesagt werden, wenn er dich abholen kommt, und du bist einfach nicht da?"
Dann solle ihm eben gesagt werden, gibt der Doktor wohlgelaunt zur Antwort, daß eine nette junge Dame aus Berlin zu Gaste sei, und daß Infolgedessen für Frühschoppen uick ähnliche Männerangelegenheiten keine Zeit sei, und fertig.
Und jetzt nicht mehr lange' gefackelt, fährt der Doktor fort, indes seine Augen so ein bißchen drohend zwischen Tante Martha und Monika hin und her gehen, nicht mehr lange herumgehockt und Bedenken aufgetischt, sondern raus an die Frühlinqs- luft!
„Frühlingsluft", wiederhott Monika bedeutsam.
Jawohl, Frühlingsluft, und in zehn Minuten steht er, der Doktor, angezogen vor der Tür.
So stürmt denn alles davon, sich herzurichten. Tante Martha sucht händeringend ihr Lorgnon; Marga muß unbedingt noch Tapsy schön machen, desien Barthaare teils von der Frühstücksmilch, teils von der feuchten Gartenerde vollkommen verklebt • sind, und der junge Doktor stellt verbittert fest, daß 'n seinem Strumpf ein Loch ist, und daß ausgerechnet jetzt bestimmt keine der Damen Zeit hat, es ihm ein bißchen zuzuziehen, weshalb er sich entschließen muß, die Hosen so tief herunterzulassen, daß er beim Laufen beinahe mit dem Absatz darauf tritt. Nur Monika, gelassen und still, steht rechtzeitig neben dem Vater an der Haustür.
(Fortsetzung folgt)
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keitsfeld auf, das viel Hingabe und Treue verlang?, aber auch durch Freude und durch die Anhänglich- kett der Kinder belohnt wird.
Ls folgte den Ausführungen der Krsiskinder- gruppenleiterin eine sehr lebhafte Aussprache, bet der alle Fragen geklärt wurden. Gemeinsamer Gesang beendete die interessante Tagung. F. K.
Aus der engeren Heimat.
Tragischer Tod auf dem Bahnkörper.
Am gestrigen Dienstag gegen 10.45 Uhr ereignete sich auf der Bahnstrecke zwrschen Garbenteich uni) Li ch ein tragischer Unglücksfall, dem leider ein Menschenleben zum Opfer fiel. An einem Wegübergang zwischen dem Pfahl- graben und Lich in der Nähe der Reichsautobahn- brücke, dessen Schranken von dem nächstgelegenen Bahnwärterhaus bedient werden und die wogen des Herankommens eines Zuges bereits geschlossen waren, wollte der im 80. Lebensjahr stehende Arbeitsinvalide Konrad Briegel aus Garben- teich noch den Bahnkörper überqueren. Dabei hat der alte Mann offenbar die geschlossene Schranke umgangen und sich auf das Gleis begeben, während im gleichen Augenblick der von Gießen herankommende Zug sich dem Wegübergang näherte und von dem etwas schwerhörigen Manne nicht rechte zeittg wahrgenommen wurde. Der Bedauernswerte wurde von dem Zuge erfaßt und noch eine Strecke wett mttgeschleift. Leider fand der alle Mann dabei den Tod auf der Stelle.
Ehrung für Hans Baustian.
j. Schotten, 7. Mai. Zu Ehren ihres aus dem Reichsberufswettkampf hervorgegangenen Reichssiegers Hans Baustian hielt die hiesige Molkerei-Genossenschaft Hoherods- köpf einen würdig verlaufenen Betriebsappell m ihrem schön ausgeschmückten Betrieb ab. Es waren hierzu viele Vertreter der Partei, der DAF., dos Treuhänders der Arbeit, des Verbandes usw. erschienen. (Eine Fahnenabordnung der HI. und des
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Jungvolks war aufmarschiert. Betriebsführer Carl Linck begrüßte die Erschienenen und betonte, die Molkerei sei stolz auf ihren Sieger. Kreisobmann Schneck der DAF. feierte den Sieger und übev- brachte die Glückwünsche der DAF., ebenso der Vertreter D u t t i n g von der Gau Verwaltung, Abteilung Nahrung und Genuß. Kreisleiter G ö r n e r überreichte dem Sieger die von Dr. Ley und Baldur v. S ch i r a ch unterzeichnete Ehrenurkunde mit ehrenden Worten. Bürgermeister Menge! überbrachte Hans B a u st i a n mit einem Geschenk (silbernen Becker) die Glückwünsche der Stadt. Auf den Führer brachte Kreisleiter G ö r n e r das Sieg-Hell aus. Im Kurhaus Vogelsberg schloß sich eine Nachfeier an, bei der die HJ.-Kapelle frohe Weisen spielte.
Gemeinderat in Schotten.
CD Schotten, 9. Mai. Der Gemeinderat beschäftigte sich in feiner jüngsten Sitzung mit Steuerfragen. Die staatliche Grundsteuer w'rd in Zukunft von der Gemeinde miterhoben, dafür muß die Gemeinde andere Lasten, die der Staat seither trug, künftig übernehmen. Für die Grundsteuer im Rechnungsjahr 1938 berechnen sich die Hebesätze der Gemeinde entsprechend den Steuermeßbeträgen auf 125 v. H. für die land- und forstwirtschaftlichen Betriebe, auf 108 v. H. für die Grundstücke. Die Hundesteuer wird künftig ebenfalls in der seitherigen Höhe ganz von der Gemeinde erhoben.
Landkreis Gießen
gfs. Wieseck, 10. Mai. Unsere Frauen- schäft veranstaltete am Sonntag eine Mütter- ehrung, indem sie die über Siebzigjährigen einlud. Im festlich geschmückten Saale wurden die Gäste von der Frauenschaftsleiterin FrauM ö b u s be- grüßt. Musik und Gedichtoorträge erfreuten die


