deutsche Vergangenheit. Vergangene Zeiten lassen die Filme „Preußische Liebesgeschicht e " mit Lida Baarova und Willy Fritsch (die zarte, tragische Liebesgeschichte zwischen dem Prinzen Wilhelm und der Prinzessin von Radziwill), „Maria, Königin von Schottland", mit der in zwei weiteren Usasilmen gleichfalls tragende Rollen verkörpernden Zarah Leander als Maria Stuart, und „ N a n o n ", ein reizendes Liebesspiel vom Hofe Ludwigs XIV. mit der herrlichen Stimme und dem graziösen Spiel Erna Sacks in der Titelrolle, vor uns erstehen.
Das übrige Programm der Ufa zeigt Lustspiel, Abenteuer, Zeitstück, Operette in bunter Abwechslung, und das gleiche lebensprühende Bild bunter Fülle und reicher Abweslung lassen die Jahrespläne der Tobis, der Terra und der Bavaria erkennen. In „Hotel Sacher" läßt die Ufa das alte Wien lebendig werden. Lil D a g o v e r erscheint in einem zarten Kammerspiel „Die Dame mit den schönen Schultern", Zarah Leander noch in „Es war eine rauschende Ballnacht" und „Blaufuchs, in letzterem mit Willi Birgel, der auch zusammen mit Geraldine Katt in „Der Fall Deruga " nach dem Roman von Ricarda Huch zu sehen sein wird, und das altbeliebte Film - Liebespaar. Lilian Harvey - Willy Fritsch wird uns in einer Verfilmung des Scribeschen Lustspiels „Ein Glas Wasser" begegnen. Einen weiteren Lilian- Harvey-Film dreht die Ufa unter der Spielleitung des bedeutendsten italienischen Regisseurs, Augusto Genina. Neben dieser italienischen ist eine für zwei Filme vorgesehene französische Gemeinschaftsarbeit der Ufa zu nennen: „Adrienne Le- couvreur" mit Pvonne P r i n t e m p s und „ G e b r a n d m a r k t", beide unter der Regie von Marxel L' H e r b i e r. In weiteren Filmen werden wir beliebten Ufa-Künstlern wie Eugen Klöpfer, Marika Rökk, Georg Alexander, Jutta F r e y b e, um nur noch einige wenige herauszugreifen, .begegnen.
Bon gleicher Vielseitigkeit ist das Programm der Tobis. Hier erscheint Emil Jannings in einem Monumentalwerk „Der weite Weg", nach einer Idee von ihm selbst zusammen mit Hans Fallada geschrieben und unter der Regie von Hans Steinhoff gedreht, in zwei Teilen, „In
ferno" und „Auferstehung". Diesem WSrk wird man mit ganz besonderer Erwartung entgegensehen. Hans Albers spielt in zwei abenteuerlichen, in sich jedoch sehr unterschiedlichen Werken „Sergeant Berry" und „Casanova", außerdem in einem hochdramatischen Abenteurerfilm der Bavaria „Wasser für C a n i t o g a ", der im nördlichsten Alaska spielt. Gustaf Gründ ge ns wird uns die Tobis im „Tanz auf dem Vul- k a n" vorstellen, Eugen Klöpfer in „Der Spieler", Benjamino Gigli in „Drei Frauen um Verdi" und „Ein toller Spaß", Curt Goetz (wie stets als Darsteller, Spielleiter und Drehbuchschreiber) mit seiner Gemahlin Valerie von Martens in „Napoleon ist an allem schuld", in weiteren Filmen Paula Wessely, Dorothea Wieck, Gustav Fröhlich u. a. Auch die berühmte „Pfingstwrgel" von Lippl wird uns die Tobis repräsentieren. Das Bestreben, die Künstler nicht allzusehr in einem bestimmten Typ erstarren zu lassen, auch wenn sie für ihn besonders geeignet erscheinen, bringt die Tobis im Einsatz von Luise Ullrich zum Ausdruck, die diesmal in beschwingten Lustspielen zu sehen sein wird.
Daß die Münchner Bavaria Bergfilme mit Dr. F a n ck und Luis T r e n k e r plant, ist bei der Nähe der Alpen nicht verwunderlich. Auch sonst bringt sie viel Abenteuer- und Expeditionsfilme. Die Terra, die ein großes und vielversprechendes Programm herausgebracht hat, wird u. a. Gustaf Gründgens in „Gösta Berlin g" vorstellen, Paula Wessely in „Die Frau zwischen den Fronten", Luis Trenker in „Liebesbriefe aus dem Engadin", Heinz Rühmann in „13 S t ü h l e ", „ D e r Florentiner Hut", „Lauter Lügen" und „Nanu, Sie kennen Korff noch nicht!". Ferner ist ein Eggerth-Kiepura- Film geplant.
Wir haben in dieser Uebersicht vor allem die Künstler in ihren bevorstehenden Aufgaben darzustellen versucht, ohne auch nur im geringsten vollständig sein zu wollen. Wesentlich ist die unleugbare ideelle Vertiefung und Bereicherung des deutschen Films, die aus dem vorliegenden Drehplan der führenden Firmen erkennbar ist. Der Lichtspielhaus- be'sucher wird es nächstens dankbar bestätigen.
Max Ingolf.
Einst Nandherd - jetzt Friedenshort Man.
Das lebendige Werk eines toten Königs.
. vM. Belgrad, 8. August.
Die Zeiten, als man vom Balkan als den Brandherd, den Störenfried und Kriegsvulkan Europas sprechen konnte, liegen weit zurück. Heute kann der Balkan politisch eher mit den skandinavischen Staaten verglichen werden, als mit irgendeinem anderen Gebiet von Europa. Man könnte fast sagen, daß die Balkan st aaten ein Schulbeispiel gegeben haben, wie alte Feindschaften b e- graben und zwischenstaatliche Konflikte friedlich in Einvernehmen und Freundschaft geregelt werden können. Der am 31. Juli in Saloniki unterzeichnete Verständigungsvertrag zwischen den Mächten des Balkanbundes und Bulgarien zeigt am besten, wie weit der Balkan auf dem Wege der friedlichen Zusammenarbeit fortgeschritten ist, seit der noch nicht fernen Zeit, als die Redensart vom „Brandherd Balkan" noch volle Berechtigung hatte. Denn der Balkan war tatsächlich nicht nur bis zum Ende des Weltkrieges Schauplatz fast ununterbrochener blutiger Kämpfe der Balkanstaaten untereinander, sondern auch ein großes Schachbrett, an dem die europäischen Mächte ihre Fähigkeiten und Kräfte im internationalen diplomatischen Spiel ausprobierten. Auch im ersten Jahrzehnt nach Ende des Weltkrieges wurde dieses Spiel fortgesetzt, und es hatte den Anschein, als ob die schwergeprüften Völker Südosteuropas niemals zu wirklicher Ruhe und Frieden werden gelangen können.
Nun haben diese Völker aus eigener Kraft damit gründlich aufgeräumt und ihr Schicksal selbst in die Hände genommen. Denn allmählich haben alle Balkanvölker erkannt, daß die Ursache ihres Unglücks und der ein Jahrhundert lang andauernden Kämpfe nicht so sehr die zwischen ihnen bestehenden Differenzen waren, als die Rivalität einzel
ner Großmächte, die die Balkanstaaten als ihre Vorposten benützten. Sie kamen zur Erkenntnis, daß ihre Schwierigkeiten auch ahne bewaffnete Zusammenstöße beteiligt werden könnten, falls sich in ihre inneren Angelegenheiten nicht dritte, außerhalb des Balkans liegende Mächte einmischten. Das ist der Sinn des Wahlspruchs: „der Balkan den Balkanvölkern", zu dem sich in den letzten Jahren immer größere Kreise in Südost- europa bekennen. Die Staatsmänner des Balkans hatten daher zwei Aufgaben zu lösen: den Einfluß der Mächte außerhalb des Balkans auf politischem Gebiet vom Balkan fernzuhalten und dem Wunsch ihrer Völker nach Verständigung aller Nationen am Balkan einen praktischen Ausdruck zu sinden.
Die Türken und die Griechen waren die ersten die aus dieser Erkenntnis praktische Folgerungen zogen. Zwei Jahre nach Unterzeichnung des Friedensvertrages von Lausanne, der dem blutigen griechisch-türkischen Krieg in Kleinasien ein Ende setzte, schlossen die Griechen und die Türken Freundschaft, fest entschlossen, nie wieder Krieg untereinander zu führen. Im Laufe der Jahre wurde diese Freundschaft immer mehr vertieft und die Politik der beiden Staaten immer mehr in Einklang gebracht. Doch bis zu einer Freundschaft aller Balkanstaaten war noch ein weiter Weg. Zwischen Jugoslawien und Bulgarien und zwischen Griechenland und Bulgarien, sowie zwischen Griechenland und Bulgarien einerseits und Albanien andererseits herrschen' Verhältnisse, die mehr einem Waffenstillstand als einem wirklichen Frieden ähnlich sahen. Da ergriff der verstorbene König Alexander von Jugoslawien, ein Staatsmann von großer Weitsicht und kühnen Konzeptionen, die Initiative zu einer Verständigung aller Balkanvölker.
Oer Kuder.
Von Karl Scherer.
Der alte Kohlenbrenner hat in diesem Jahr seinen Meiler hoch in den Bergen des Bayerischen Waldes schichten müssen; 800 Meter über dem Meer, sagt der Forstmeister, als er ihm den Platz zuweist. Der Wald ist dort an zweihundert Jahre alt. Bemooste Fichtenstämme mit langen farblosen Flechten und eisgrauen Bärten an Schaft und Aesten. Granitklippen und massige Felspyramiden, gewaltige Böcke und Schaukelsteine, wie von Riesenhand aufeinandergetürmt, uralte Zeugen einer vulkanischen Erdepoche. Die feuchten Nebel, die tagelang zwischen den Felsen stehen, lassen ihr Wasser über das Gestein rieseln und die glatten tropfnassen Klippen sind grün von Algen. Mächtige Bergahorne und Steineichen, die keine Menschenhand gesät hat, steigen die Lehnen herauf; der Sturm hat den Samen vor Zeiten aus den Tälern zur Höhe getragen und zwischen die Felsen gestreut; darunter wuchert Besenkraut und Rauschbeeren.
Der große Meiler brennt langsam durch; der Köhler, der bis in den Spätherbst hinein in dürftiger Pfahlhütte haust, streunt tagsüber stundenlang im Wald umher und hat in seiner Einsamkeit acht auf alles, was ihm vor Augen kommt. An einem Julimorgen, als die ersten roten Strahlen über die Waldberge zucken, während in den Tälern noch der Dämmer liegt, sieht er ein graues Tier auf Büchsenschußweite den Fußpfad unter den Bäumen heraufschleichen. Jetzt drückt es sich platt auf den Boden und verfolgt mit glühenden Augen eine Ringelnatter, die, von der Sonne geweckt, ihren Schlupfwinkel unter einer breiten Steinplatte verlassen hat und zwischen den Stauden über das Geröll abwärtsgleitet. Nun verhält sie sich kurz, ein leises Quietschen, und eine rote Waldmaus verschwindet in ihrem Rachen. Das graue Tier ist mit drei Sprüngen über der Natter und beißt sie tot. Doch dann muß das Rätselwesen Wind von dem Waldläufer bekommen haben, in langen Fluchten flüchtet es bergauf und taucht in dem grünen Wirr- sal zwischen den Blöcken unter — eine Katze. Aber wie kommt der große Kater in die Berg- einsamkeit, wo stundenweit weder Haus noch Hof steht?
Der Förster will es nicht wahr haben, was ihm der Einsiedler berichtet. Seit Jahren hat sich keine Wildkatze mehr gespürt, jetzt muß er es glauben, daß ein Kuder von Osten eingewandert ist und den
Bergwald unsicher macht. So selten wie der „Waldkönig" Uhu, der nur noch in den mächtigen Forsten Masurens und in wenigen deutschen Mittelgebirgen vereinzelt vorkommt, so selten ist die echte Wildkatze bei uns geworden. Von starkem, gedrungenem Bau, fast anderthalb Fuß hoch, mit stummeldicker geringelter Rute, gelblichweißem Kehlfleck — dem kennzeichnenden Merkmal — und wuchtigen Brauten, deren scharfe Waffen auch kräftigen Tieren rasch den Garaus machen, ist der Kuder ein gefährlicher Räuber. Mit den feinsten Raubtiersinnen begabt, klettert er wie der Baummarder, erwürgt die Wildtaube auf dem Gelege am Wipfelstamm hoher Fichten und die Auerhenne auf ihrem Schlafbaum. Das Rehkitz ist vor ihm so wenig sicher wie der Hase, den er beschleicht und mit dem er quälerisch spielt, bevor er ihn zerreißt. Mag der schöne Edelmarder unter Schutz stehen — der Kuder verdient keine Schonung!
Es ist Winter geworden, der Wildkater von der Arberkuppe ist dem Förster keinen Tag aus dem Gedächtnis gekommen; und jetzt will er der Sache auf den Grund gehen. In der Frühe eines Oktobertages ist im Gebirge eine glitzernde Neue gefallen, die Berge glänzen in schimmerndem Weiß, und auf Brombeerhorsten und Jungfichten liegt funkelnder Silberstaub. Dann hat starker Rauhreif eingesetzt und den Wald in seinen blitzenden Märchenmantel gehüllt, Fährten und Spuren und sogar die Vogeltritte im Schnee stehen wie in Wachs gegossen. Ein Flug Kreuzschnäbel zieht lockend über die Lichtung, und die Schwarzamseln huschen durch die überzuckerten Büsche; feierliche Stille herrscht unter den Bäumen. Mit den beiden scharfen Dackeln am Riemen steigt der Förster zu Berg, zwei Stunden geht es ohne Hast, aber auch ohne Rast in die Höhe, dann tauchen die massigen Felskegel unter den Bäumen auf.
An einem verschneiten Föhrenboschen fallen die Krummbeine eine noch ganz frische, warme, aber stark flüchtige Fährte wütend an, die quer über den Pfad läuft. Mit großen Augen schaut der Grünrock auf die klare Spur, dann wird er lebendig — das i ft der Kuder! Die Wildkatze mutz bei seiner Annäherung Wind von ihm und den Hunden bekommen erst vor Augenblicken den Weg gekreuzt und die hohen Fichten angenommen haben. Kläffend und jaulend zerren die Dächsel am auf« gedockten Riemen. Hundert Schritt hängt der Förster nach, dann schnallt er die Hunde. Die fegen wie die Teufel durch den stäubenden Schnee und verschwinden nach der Höhe zu, dann geben sie Standlaut — die Katze ist aufgebaumt’
Im Herbst 1933 unternahm er eine Rundfahrt durch alle Balkanländer und verhandelte mit den maßgebenden Faktoren aller Balkanstaaten. Kaum drei Monate nachher stattete der bulgarische König Boris einen amtlichen Besuch in Belgrad ab. Ein Ereignis, das noch kurz zuvor niemand für möglich gehalten hätte. Und nach weiteren zwei Monaten wurde der Balkanbund gebildet, ein Staatenbund, dem Jugoslawien, Rumänien, Griechenland und die Türkei beitraten. Dieser Bund umfaßte nicht alle Balkanstaaten. Bulgarien und Albanien blieben abseits. Doch König Alexander setzte feine Tätigkeit weiter fort, um auch Bulgarien an den Balkanbund zu binden. Im Herbst 1934, einen Monat vor seinem gewaltsamen Tod in Marseille, besuchte er Sosia, und nur sein jäher Tod verursachte eine Verzögerung im Abschluß des Vertrages ewiger Freundschaft zwischen Bulgarien und Jugoslawien, der deshalb erst im Sommer 1937 unterzeichnet wurde unter der Regierung der Ministerpräsidenten Stoja - dino witsch in Jugoslawien, der außenpolitisch getreu die Richtlinien König Alexanders verfolgt. Damit wurde ein großer Schritt vorwärts getan in der Aktton * zur endgültigen Kofolidierung des Balkans, und der in Saloniki unterzeichnete Vertrag ist nur eine logische Folge der Politik König Alexanders und des Belgrader Vertrages.
Doch auch der Vertrag von Saloniki stellt nicht das letzte Wort dar in der Entwicklung der politischen Verhältnisse auf dem Balkan. Auch er ist nur eine Etappe am Weg der endgültigen Konsolidierung und Selbständigmachung des Balkans. Nach
den Plänen der Urheber des Balkanbundes soll dieser Bund allmählich zu einer politischen und wirtschaftlichen Einheit ausgebaut werden, einer Art Vereinigten Staaten des Balkans. Auf diese Weise könnte der Balkan, der noch vor kurzem eine Art Kind erschreck für Europa gewesen ist, eine Festung des Friedens und der Ordnung für Europa werden, und die Balkanoölker, die jahrhundertelang in blutigen Kämpfen ihre nackte Existenz verteidigen mußten, würden die Möglichkeit bekommen, ihre na« tionalen Fähigkeiten zu entwickeln und ihre natürlichen Reichtümer auszunützen.
Das neue Deutschland hat die Bestrebungen der Balkanoölker nach einer Verständigung untereinander und einer Selbständigmachung des Balkans stets b e g ü n st i g t. Es juchte keine politische Vormachtstellung am Balkan, war aber bestrebt, die natürlichen und geographisch begründeten wirt- schaftlichen Beziehungen zwischen dem Deutfdjen Reich und den Balkanstaaien auszubauen. In den schwersten Stunden der Krise der Balkanstaaten war Deutschland der beste und oft auch einzige Abneh- mer der Agrarprodukte dieser Staaten. Die Haltung Deutschlands fand denn auch volles Verständnis bei den Balkanoölkern. Die Zusammenarbeit, die zwischen Großdeutschland und den einzelnen Balkan st aaten besteht, wird daher nach Ansicht führender Staatsmänner aller Balkanstaaten mit dem fortschreitenden Ausbau vom Großbalkan nicht nur weiter bestehen bleiben, sondern auch vertieft werden können.
Aus den Gießener Gerichtssälen.
SezirlsschöffeWericht Gießen.
Der H. F. aus Gießen beendete in den schweren Jahren vor dem Umbruch seine Lehrzeit und wurde dann, wie so viele andere, erwerbslos. Er bezog in der Folgezeit Erwerbslosenunterftützung, die aber nur sehr gering war. Als der Angeklagte heiratete, kam er in eine bedrängte Lage. Um seine finanziellen Verhältnisse etwas aufzubessern, war er aushilfsweise bei verschiedenen Geschäftsleuten tätig. Eine solche Beschäftigung hatte er auch im Sommer und Herbst letzten Jahres gefunden. Das Entgelt, das er dort erhielt, gab er nicht in feiner vollen Höhe an, sondern er nannte dem Arbeitsamt wiederholt geringere Beträge, um im vollen Genüsse seiner Unterstützung zu bleiben. Durch diese betrügerische Handlungsweise schädigte er die Reichsanstalt. Als er nach der polizeilichen Schließung des Geschäftes feines Arbeitgebers von dessen Verwandten 25 RM. erhielt, trug er einen geringeren Betrag auf einer Arbeitskarte ein. Diese Eintragübg versah er außerdem mit dem Geschäftsstempel und einer falschen Unterschrift. Das Gericht verurteilte den F. zu einer Gefängnis st rafe von vier Wochen.
Wegen Betrugs hatten sich der E. R. Sch. und seine Ehefrau zu verantworten. Die Angeklagten lebten jahrelang in schlechten Vermögensverhältnissen. 1936 leistete der Angeklagte den Offenbarungseid. Auf seinen Anttag erhielt der Angeklagte 300 Reichsmark in Bedarfdeckungsscheinen, die dazu dienen sollten, den Haushalt zu verbessern und Neuanschaffungen zu ermöglichen. Bevor er die Bedarfdeckungsscheine erhalten hatte, kaufte er bei einem Gießener Geschäftsmann Waren, dem er die Bedarfdeckungsscheine ab trat. Als er diese erhielt, gab er sie nicht dem Geschäftsmanns, sondern verwandte sie zu weiteren Wareneinkäufen. Durch diese Mani- pulattonen schädigte er den gutgläubigen Geschäftsmann um 234 RM. In mehreren Fällen ließ der Angeklagte sich von Tankstellen Gutscheinhefte für Benzin geben. Er tankte wohl das Benzin, verschwand aber dann, ohne zu bezahlen. Die Ehefrau Sch. kaufte Wäsche, die sie gleichfalls nicht bezahlte. Der Ehemann Sch. kaufte sich weiterhin u. a. eine Kühlerhaube für seinen Wagen, den er außerdem in Reparatur gab. Er leistete für den Wagen nur eine kleine Anzahlung, den Rest blieb er schuldig.
Das Gericht verurteilte den Ehemann wegen Betrugs in acht und die Ehefrau Sch. wegen Betrugs in fünf Fällen zu einer Gefamtgejängnis- strafe von acht bzw. fünf Monaten. Strafmildernd berücksichtigte das Gericht, daß die
beiden Angeklagten in jahrelangen, schlechten Ver. mögensverhältnissen lebten. Als strafverschärfend erachtete das Gericht einerseits, daß der Ehemann Sch. bereits einschlägig vorbestraft ist, für die Ehefrau anderseits, daß sie oft die Triebfeder zu'den strafbaren Handlungen war.
Große Strafkammer Gießen.
Gestern hatte sich der W. St. aus Wickstadt wegen Sittlichkeitsverbrechens zu verantworten. Der Angeklagte hat an einem schulpflichtigen Mädchen unsittliche Handlungen vorgenommen. In der Hauptverhandlung war der Angeklagte im wesentlichen geständig. Mit Rücksicht hierauf billigte ihm die Kammer mildernde Umstände zu und erkannte auf sieben Monate Gefängnis.
Unter derselbe Anklage hatte sich der O. P. aus Heusenstamm zu verantworten. Der Angeklagte hatte an diesem Mädchen ebenfalls unsittliche Handlungen vorgenommen. Da der Angeklagte zur Zelt der Tat noch jugendlich war, hatte sich das Gericht mit der Frage zu befassen, ob er damals die nötige Reife hatte, um die Strafbarkeit seines Tuns einzusehen. In Uebereinftimmung mit der Auffassung des Sachverständigen bejahte das Gericht diese Frage, billigte ihm aber den Schutz des § 51 Zisf. 2 StGB, (verminderte Zurechnungsfähigkeit) zu und verurteilte ihn unter Zubilligung mildernder Umstände zu einer Gefängnisstrafe von sechs Monaten. Wegen zweier weiterer Fälle sprach ihn das Gericht trotz seines Geständnijses frei, da er bei Begehung dieser Handlungen, die weiter zurückliegen, offensichtlich noch nicht das 14. Lebensjahr vollendet hatte. Mit Rücksicht auf fein Geständnis wurde die Untersuchungshaft in voller Höhe mit IV2 Monaten angerechnet. Der Haftbefehl wurde aufrechterhalten.
Amtsgericht Gießen.
Der K. D. aus Grüningen hatte wegen lieber« tretung des Milchgesetzes einen Strafbefehl über 3 RM. erhalten. Auf seinen Einspruch kam die Sache gestern vor dem Amtsgericht zur Hauptoer- handlung. Der Angeklagte hatt? vor einiger Zeit eine Reihe von Milchkannen in Grüningen zum Abholen für die Molkerei bereitgestellt, ohne den Verschluß genügend gegen Unbefugte zu sichern, wie es das Gesetz vorschreibt. Der Angeklagte begründete seinen Einspruch damit, ihm sei diese gesetzliche Be- ftimmung nicht bekannt gewesen, mußte sich jedoch davon überzeugen, daß Unkenntnis nicht vor Strafe schützt, und würde daher mit seinem Einspruch ab« gewiesen, so daß es bei der Strafe von 3 RM. verbleibt.
In langen Sprüngen — den ganzen Sommer hat er auf diesen Augenblick gewartet — stürmt der Weidmann nach. Schon bricht der Kuder oben los und prasselt durch die Wipfel eines dichten Fichtenhorstes hin, daß der Schnee in Wolken herabwirbelt. Dann Stille, nur die aufgeregten Rüden blaffen wie toll nach der Krone einer alten Wetterfichte hinauf. Der Förster nimmt sie kurz an den Riemen, damit der Herabstürzende ihnen nicht die Lichter ausschläat. Lange muß er suchen, bis er den Räuber zwischen den schwarzen Nadelästen der Spitze entdeckt. Der hat sich dicht an den Stamm gedrückt und äugt aus dem Dunkel mit grünfunkeln- den Sehern nach den Hunden. Da bricht der Schuß durch den stäubenden Wipfel...
Dock die Katze hat sieben Leben; der schwer getroffene Kuder klammert sich im Geäst ah, und erst der Fangschuß aus dem Kugellauf holt ihn herunter.
Man ertrinkt nicht infolge Herzschlags.
Wenn beim Baden im Freien, wie es öfter vorkommt, rüstige und geübte Schwimmer plötzlich untergehen und ertrinken, so wird meist berichtet, daß ein plötzlicher „Herzschlag" ihr Ende herbeigeführt habe. In Wirklichkeit handelt es fick) bei diesen Tc^essällen aber, wie in der Wochenschrift „Die Umschau" auf Grund einer Veröffentlichung des Schiffsarttes Dr. Löber ausgeführt wird, um einen anderen Vorgang. Bei heißem Wetter befindet sich, besonders nach einem Sonnenbade, ein großer Teil des umlaufenden Blutes in den Haargefäßen der Haut; der starke Kältereiz, der im Master plötzlich auf die Haut einwirkt, führt dann dazu, daß sich die überfüllten Haargefäße unvermittelt zusammenziehen und das Blut aus der Haut herausdrängen. Diese Blutmenge sammelt sich vor allem in den großen Blutgefäßen des Bauchraumes, die so überdehnt werden, daß nun auch das Blut aus anderen Körperteilen, besonders aus dem Gehirn, absackt. Durch die Blutleere des Gehirns kommt es zur Ohnmacht, und in dieser Bewußtlosigkeit versinkt und ertrinkt der Schwimmer, während das Herz noch weiterschlägt. Es handelt sich also nicht um einen Herztod, sondern um ein Versagen des Blutkreislaufes, bei dem das' Herz nur eine untergeordnete Rolle spielt. Manche Todesfälle sind auch auf eine Ueberempfindlichkeitsreaktion der Haut nirückzuführen, bei der es auch leicht zu plötzlicher Kraftlosigkeit und Bewußtseinstrübung kommen kann, in der die Menschen dann ertrinken. Wer also zu derartigen Störungen im kalten Wasser
neigt, sollte unbedingt von Kalt- oder ftreibaben absehen. Bei Trommelfellverletzten besteht die Gefahr, daß durch Eindringen von kaltem Wasser in das Mittelohr der Gleichgewichtsapparat gereizt und dadurch die Orientierung im Wasser völlig verloren wird, so daß der Schwimmer beim Tauchen, obwohl er bei vollem Bewußtsein ist, nicht wieder an die Wasseroberfläche zurückkehrt, sondern sich durch seine Anstrengungen immer weiter von ihr entfernt.
„©er einsamste Mensch der Welt."
Vor zwei Jahren haben der englische Archäologe Graham R 0 w l e y und der Ornithologe Reynold Bray die Heimat zu einer wissenschaftlichen Expedition in die arktischen Gebiete von Nordamerika verlassen. In der letzten Mitteilung, die sie aus den einsamen Gebieten längs der Hudjonbai, in denen sie sich jetzt aufhalten, nach Hause gelangen lassen konnten, berichten sie von einer überraschenden Begegnung, die sie in den eisbedeckten Feldern hatten. An einem Ort, der 600 Kilometer von der nächsten Niederlassung entfernt ist, sahen sie plötzlich vor sich einen Weißen, der hier, völlig abgeschieden von aller Kultur, mit Eskimostämmen zusammen haust. „Ich bin Pater Bazin", sagte er einfach zu den beiden Engländern, „und Sie?" Etienne Bazin ist ein französischer Priester, der seit fünf Jahren hier lebt und keinerlei Verbindung, auch nicht durch Rundfunk, mit der Welt hat. Die Engländer nennen ihn den einsamsten weißen Menschen der Welt, und sie erzählen, wie er sie gelehrt habe, die ihm anoertrauten Eskimos, Nomaden in den unendlich weiten Gebieten, besser kennenzulernen. „Ihre ölige und abstoßende Hülle", erklärte er ihnen, „verbirgt eine Seele von zartester Großmut." „Der Pater", schreiben die englischen Forscher, „hatte Recht, wie unsere Erfahrungen es bald zeigen sollten. Wir hatten keine Nahrungsmittel für unsere Hunde mehr und fragten uns, welches dieser braven Tiere wir für die anderen opfern sollten, als plötzlich, wie ein Eiskobold, ein kleiner Eskimo erschien. Er nahm uns bei der Hand und führte uns zu den Seinen. Dort konnte sich unser Hundegespann an gutem Robbenfleisch sättigen. Erst mehrere Wochen später erfuhren wir, daß diese Eskimos uns ihre letzten Vorräte gegeben hatten... Als wir weiterreisten, kehrten wir uns. lange noch wieder um, um die Silhouette des Pater Bazin noch einmal zu sehen, die gegen die weiße Wüste stand. Dann ließ ein plötzlich einsetzender Schneesturm sie vor unseren Augen verschwinden ..."
läge:
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