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Kt.107 Zweites Blatt Steßener Anzeiger Mneral-Anzelger für Gbechepen)Montag, 4. Mai M8

Florenz im Fesigewand für den Führer.

Don unserem nach Italien entsandten Sonderberichterstatter Gerhard Dohlmann.

die mächtigen hiüteren Höfe, die kurzen, stämmigen Säulen mit den Fackelhaltern, die dunkeln Bogen­gänge das alles erinnert wiederum an Bürger­krieg, Wirrnisse und Kämpfe: das Innere des Pa­lazzo verbirgt Höhlen und Gänge, in denen sich Be­lagerte sammeln konnten, um plötzlich zu einem Aus-

Florenz, Mai 1938.

lieber Nacht ist das Tempo dieser schönen italie­nischen Stadt beschleunigt worden. Gewiß, wie über­all in Italien, bereitete man auch hier sich auf den Besuch Adolf Hitlers vor, seit Monaten. In einigen Straßen sah es aus wie in einer Stein­metzwerkstatt; Leitern und Gerüste an den Häu­sern, überall wurde der Putz erneuert, Wände ge­waschen und gebürstet, überall zogen die Häuser ein neues Farbenkleid an. Erstaunlich, was dabei zu Tage trat. Hier erhob sich ein alter Giebel, der solange unter dem Staub der Jahr­hunderte ruhte, in seiner ursprünglichen Gestalt. Dort erschienen die Farben einer bunten Marmor­inkrustation, hier traten die Säulen eines Palazzo, die bisher mit der Fassade verschwommen, in frü­herer Schönheit wieder hervor.

Der Ponte Vecchio, die über den Arno den Arno führt, ist eine der schönsten Brücken Italiens, die sich wohl nur noch mit dem berühmten Ponte Rialto in Venedig vergleichen läßt. Hier in Florenz ist diese Brücke zu einer Gasse geworden, an deren Seiten sich die Bazare der Gold- und Zierrat­händler drängen, und das Gewirr dieser kleinen Läden und Häuschen, die, auf so engem Raume dicht nebeneinandergeschachtelt sich ün Wasser des Flusses spiegeln, gibt dem Bauwerk einen male­risch-pittoresken Charakter. Auch an dieser^ Brücke wurde gewaschen und gebürstet, und was bisher verschwommen erschien, gliedert sich jetzt sinnvoll zu einer bewußten und planvollen Architektur.

Mit einfachsten Mitteln wurde Unglaubliches ge­schaffen. Es ist, als ob man ein altes Gemälde von seiner Staubschicht befreite. An einem Palazzo etwa wurden die Vergitterungen der Fenster wie­der deutlicher. Alte Simse und Erker erwachten zu ihrem eigentümlichen Leben, aus.einer Nische lächelt ein farbiges Madonnenbild wieder in leuchtendem Glanz, und Wappenschilder, die man bisher kaum beachtete, künden wieder von der Pracht alter Pa­triziergeschlechter. Alle diese Einzelheiten fügen sich zuletzt zu einem sinnvollen Ganzen. Die Stadt er­hielt wider einen Glanz und ein Leuchten.

Schon ist die große massive Tribüne vor dem neuen Bahnhof, den Florenz aus Anlaß des Be­suches des Führers erhalten hat, vollendet. Auf der Piazza della Signoria, vor dem Palazzo Vecchio, wurden Schaugerüste errichtet. Am südlichen Arno- Ufer wehen die Fahnen des faschistischen Italien und des nationalsozialistischen Reiches. Am Pa­lazzo Tempi, der den Ufficien-Kvlonaden gegen­überliegt, hängen aus den Fenstern Teppiche in den satten Farben Altrot, Dunkelgelb und Hell­blau. Sie heben sich sehr schön von der braunen Mauer ab. Auch an anderen Häusern sind Fahnen aufgezogen in den Farben und Zeichen der alten Patriziergeschlechter. Dazwischen sieht man die ita­lienischen Farben und die Hakenkreuzfahnen flat­tern. Die Fahnen sind so sparsam angebracht, daß sie das ursprüngliche Bild dieser schönen Stadt nicht zudecken, sondern es beleben und festlich und heiter machen. Gegenwart und Vergangenheit haben hier eine schöne Vermählung gefeiert. Sind nicht auch vor einigen Jahrhunderten die Florentiner Herzöge und Feldherren, wenn sie nach siegreichem Unternehmen in die Heimat zurückkehrten, in so freudigem Glanz eingezogen?

Florenz liegt in der Provinz Toscana, deren Blumenzüchter Weltruf haben. Daher hat sich denn auch diese Stadt, die als eine der schönsten auf der Erde gilt, einen gänzlich anderen Schmuck aus­gedacht als Rom und Neapel. Sie will in einem denkbar festlichen Gewände vor dem hohen Gast erscheinen, aber auch eins ihrer Hauptanziehungs­mittel, die herrlichen alten Paläste der italienischen Renaissance, unbeeinträchtigt zur Geltung bringen. Man gestaltete also den Festschmuck der Stadt aus Blumen un.d großen farbigen Bän-

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diese Wettkämpfe und Spiele, bei denen insgesamt 1700 Mitwirkende auftreten, erfolgen in prächtig­stem Rahmen historischer Gewänder, mit mittel­alterlichen Fahnen, Musikstücken und Umzügen. Das Ganze schließt sich dann zu einer großen Huldigung für den befreundeten Gast aus Deutschland zu-' summen.

fall auszubrechen.

So ist dieses Bauwerk in seinem Ausdruck und in seiner Art ein Stück bedeutsamster florentinischer Geschichte. Denn aus dieser Zeit der Wirren ent­wickelt sich Florenz zu seiner höchsten Blüte. Unter den Albizzi und Medici wird die Stadt der erste jeiner felbft bewußte Staat Europas, hier werden die Künste der Statistik zum ersten Male für ein Staatswesen nutzbar gemacht, hier lebten Dante und Boccaccio, sein erster Erklärer, in Florenz ent­wickelt sich die Kunst der Geschichtsschreibung, wie die Namen Macchiavelli, Varchi Guicciardini be­weisen, und im Leben Michelangelos, Leonardo da Vincis, Raffaels hat der Florentiner Aufenthalt entscheidend gewirkt. Don hier geht jene geistige Bewegung aus, die wir Renaissance nennen, und verbreitet sich über die abendländische Welt. So wird der Palazzo Vecchio zu dem Symbol eines Staatswesens, das sich durch die Weisheit seiner Regenten und durch das Verantwortungsgefühl feiner Bürger aus blutiger Zwietracht und auf­reibenden Bürgerkriegen zu höchster Blüte erschloß.

In Florenz bewohnt der Führer einen der archi­tektonisch bedeutsamsten Paläste, den Palazzo Pitti. Er ist von 1861 bis 1870 die Residenz des königlichen Hauses gewesen; denn Florenz war in diesen Jahren die erste Hauptstadt des jungen Königreiches, nachdem Victor Emanuel II. den Titel König von Italien angenommen hatte. Eine der mächtigsten und einflußreichsten Bankiersfamilien des alten Florenz, das Geschlecht der Pitti, ließ den Palast im 15. Jahrhundert von dem berühmtesten Architekten der damaligen Zeit in Florenz, Brunel» leschi, dem Konstrukteur der Domkuppel, erbauen. Da der Palast auf einer Anhöhe liegt, übersieht man von ihm aus die ganze Stadt. Mussolini nimmt für die Zeit des Aufenthaltes in Florenz in einem anderen berühmten Haus Wohnung, dem Palazzo Medici. Er wurde im Jahre 1444 begonnen; heute ist er Amtssitz des Präfekten.

Florenz, die mit Kunstschätzen angefüllte Hauptstadt Toskanas, wird der Führer und Reichs- kanzler auf feiner Jtalienreife besuchen. Links der berühmte Palazzo Vecchio, in der Mitte der Dom mit Campanile. (Scherl-Bilderdienft-M.)

weifende, grimmige Fassade des Palazzo Vecchio ^erischer Natur, u. a. eine Aufführung von entstanden. Darum steht heute an der Piazza della Verdis OperSimone Boccanegra Signoria keinRathaus", wie wohl der Name' -n Teatro Communale. Nach der Oper steht der des Platzes verspricht, sondern diese T r u tj =1 crr-1* bürg mit dem mächtig hervorragenden Wehrgang.

Und es kommen noch andere Erscheinungen hin­zu, die dem Platz den Charakter des Kolosfischen aufprägen. Dor dem Portal stehen die weit über­lebensgroßen Marmorbildwerke, deren leuchtendes Weiß sich eindrucksvoll von den grauen Quadern des Palazzo und von den Fliesen abhebt, mit denen der Platz belegt ist: vor den Ausmaßen des David von Michelangelo und vor der Größe

des Bandmellischen H e r k u le s schrumpfen die Menschen, die hier Vorbeigehen, beträchtlich zusam­men. Und noch eins: unmittelbar zur Rechten des Palazzo öffnen sich die sehr hohen und weiten Kreuzgänge der Loggia dei Lanzi, unter deren Ausdehnungen die Bildwerke, die dort auf- gestellt find, kleiner erscheinen. Und wie zur Rechten die Loggia die Maßstäbe verkleinert, so wirkt zur Linken des Palazzo der große Neptunsbrun­nen mit feinem Meeresgott und feinen Figuren, die wiederum überlebensgroß gehalten sind; durch die übermenschlichen Dimensionen des Baus und seiner Umgebung wirkt die Piazza della Signoria immer wieder überwältigend und erdrückend

Auch im Innern des Palazzo, der heute als Stadthaus dient, find die Zeichen einer harten und kriegerischen Geschichte abzulesen. Wenn man in den offenen Hof tritt, bedrücken die steil aufstei­genden Wände des hohen Mauernschachts, durch ben kaum jemals die Sonne bis auf den Estrich scheint. In der Mitte sprudelt ein Springbrunnen, aber die Brunnenfigur, Verocchias reizender Knabe mit dem Fisch, erscheint in dieser öüftern Um­gebung wie ein Idyll aus einer anderen Welt. Und

dem. In ganzen Kompositionen von kleinen, gro­ßen und größten Blumengiwinden werden Tos- canas Blumenzüchter miteinander wetteifern und im übrigen sind nur noch breite Tuchstreifen in den verschiedensten Farben über die Straßen weg ge­spannt, so daß ein ganz eigenartiges Bild entstan­den ist.

Wenn man, aus dem Stadtinnern von Florenz kommend, plötzlich auf die Piazza della Signoria tritt, wird man immer wieder von der Größe ihrer Architektur überwältigt, der Palazzo Vecchio ist fein Prachtbau in unserem Sinne, sondern eine mächtig und plötzlich am Rande des Platzes auf- ragenbe Burg aus grauen Quadern: er wirkt wie ein riesiger behauener Felsblock, der jäh und kühn in die Mitte der Stadt gestellt wurde. An feiner rechten Ecke schnellt der viereckige Turm bis gegen hundert Meter hoch empor, und vor den Ausmaßen dieses monumentalen Bauwerks müssen die Men­schen und Wagen, die sich über die Piazza bewegen, klein und zierlich erscheinen, als die Wesen einer heutigen Welt, die an dem Schicksal des Palazzo keinen Anteil haben. Der Palazzo Vecchio ist der Ausdruck einer harten, kriegerischen und grausamen Zeit.

Als sich der florentinische Adel unfähig erwies, die Stadt zu verwalten, stellten die Zünfte im Jahre 1282 ihre Vorsteher, die Priori, als d i e Sig­noria (den Rat) an die Spitze des Stadtstaates, und für diese Signoria wurde der Palast in den Jahren 1298 bis 1314, wahrscheinlich nach den Ent­würfen d i Cambios, erbaut. Er baute, was in diesen, von Bürgerkriegen zerrissenen Zeiten der Signoria not tat: d i e Burg, die allen Angriffen trotzen konnte, und er stellte den hohen Turm auf, von dem aus man das gefährliche Treiben in den Straßen beobachtete: so ist die kalte, ad-

Führer eine riesige Komposition aus künstlichem ^lcht und Farben: Die Ufer des Arno sind phan­tastisch beleuchtet und im Hintergrund erblickt man die Hügel von Florenz mit bengalischen Feuern angestrahlt. Aber damit nicht genug. Das italienische Volk hat den Ehrgeiz, dem Staatsoberhaupt des Deutschen Reiches einen möglichst geschloffenen Ein­druck auch seiner landsmannschaftlichen Eigenart, seines Volkstums und seines Brauchtums zu geben. Um das trotz der Kürze der verfügbaren Zeit wenigstens mit den eindrucksvollsten Beispielen zu ermöglichen, werden mehrere Städte die uralten Festspiele, die sie sonst nur in ihren eigenen Mauern uno an ganz bestimmten Daten abhalten, dem Führer zu Ehren nach Florenz verlegen. Das be­kannteste darunter ist dasPaliv" der Stadt Siena, zu dem zweimal im Jahr, am 2. Juli und am 14. August, 40 000 bis 50 000 Zuschauer nach Siena eilen, um den jahrhundertealten Brauch eines mit höchstem Ehrgeiz ausgekämpften Pferde­rennens auf dem halbrunden Platz der Stadt Siena zu sehen. Daran sind als wetteifernde Parteien die 17 Stadtviertel von Siena beteiligt. Dazu kommen das alte Brückenfpiel der Bürger von Pisa und das Sarazenenspiel der Einwohner von Arezzo, während die Florentiner ihrerseits ihr Gioco del Calcio, eine Art Fußballspiel, beisteuern. Alle

Dem Charakter dieser einzigartigen Stadt ent­sprechend sind ihre Darbietunaen vor ollem künst­lerischer Natur, u. a. eine Au fführung von

Nichts als Redensarten ...

Don Professor Dr. Erich Ienisch.

Nichts als Redensarten... Das heißt soviel wie nichtssagende Worte!" Aber sagen Redensarten wirklich gar nichts? Sagt der Satz:Er hat leeres Stroh gedroschen!" in seiner Anschaulichkeit und überzeugenden Bildhaftigkeit nicht viel mehr als Er machte nichts als Redensarten"?

Die Lebendigkeit, die unseren Redensarten eigen­tümlich ist, mag oft verdunkelt sein dadurch, daß wir ihre Bedeutung nicht mehr verstehen. Zahllose sind jedoch von so unmittelbarer Eindruckskraft, daß sie in ihrer Prägnanz zu den besten Schöp­fungen des Sprachgeistes gehören. Kann das ge­wandte, sich immer herauswindende Benehmen eines Menschen, der nie zu fassen ist, mit einem Worte treffender gekennzeichnet werden, als^ daß wir von ihm sagen, er seiaalglatt"? Oder können wir den Ausdruck der Ueberraschung, des Nicht- fassenkonnens plastischer ausdrücken als durch die RedensartMaul und Nase aufsperren"?

Auch der AusdruckMaulaffen feilhalten" hat die gleiche Bedeutung. Luther erklärtMaulaffe" durcheinen, der das Maul auffperrt". Wir ver­stehen ihn aber nicht, weil er zu jenen Redensarten gehört, die, ursprünglich in niederdeutscher Mund­art gesprochen, durch Übertragung ins Hochdeutsche in ihrem Sinn undurchsichtig geworden sind. Ins Niederdeutsche übertragen, erklärt sich Ursprung und Sinn von selbst:He hälft Mul open!" (das Maul offen). .

Aehnlich verhält es sich mit der RedensartSem Schäfchen aufs Trockne bringen". Auch sie Jagt erft niederdeutsch aus, was sie meint. Denn dann heißt Schäfchen" -Schäpke" =Schiffchen". Sein Schiff­chen aufs Trockene bringen bedeutet also: Wieder an Land fein, feinen Erwerb in Sicherheit gebracht haben. Wenn gegen diese Deutung eingewendet wird, daß Schiffe nicht ihren Zweck erfüllen, wenn sie aufs Trockene gesetzt sind, sondern daß sie ge­borgen sind, wenn sie den Hafen erreicht haben, so besagt dieser Einwand nichts. Denn auch heute noch wird jedes Fischerboot auf den Strand gezogen, um vor Beschädigungen durch bil Brandung bewahrt zu werden. -

Gruppen von Redensarten verdankt die deutsche Sprache bestimmten Berufszweigen. So erhellen sich, wenn man weiß, daß sie aus der Sprache des Weidmannes genommen find; von selbst Redens­arten wie:Auf den Busch klopfen",Auf die Sprünge ober auf bie Schliche kommen",.,.Wie ein Schießhunb aufpaffen",Wind bekommen",Knall

und Fall",Auf etwas anlegen". Aucheinen cm-1 laufen lassen", was soviel wiejemandem übel be-1 gegnen", ihngehörig abfertigen" bedeutet, stammt aus der Sprache des Jägers; er gebraucht den Aus­druck vom Wildschwein, das er auf ben entgegen­gehaltenen Spieß, bieSaufeber", laufen läßt.

Kartenspielern sind Wendungen geläufig wie klein beigeben",Farbe bekennen",sich nicht in bie Korten sehen lassen". Weil durch bie Feuer­waffen die Kunst bes Fechtens verdrängt wurde, sind Redewendungen unverständlich geworden wie Nicht gehauen und nicht gestochen",Jemandem in bie Parabe fahren",Einem bie Spitze bieten", Stich halten",Sich eine Blöße geben". Auch Bei der Stange bleiben" ist ein Ausdruck der Fechter, beim ber schlechte Fechter unterbricht ben Fortlauf des Kampfes baburch, baß er feine Waffe nicht sofort nach jebem Stoß roieber mit bet Waffe bes Gegners binbet. Die Schützenschießen über's Ziel", und wenn sie Armbrustschützen sind schießen sie den Vogel ab", ber beim Wettschießen an einer hohen Stange befestigt war.

Merkwürbigerweise Hot die RedensartUnter aller Kanone" nichts mit dem Spiel der Waffen zu tun. Sie stammt aus der Schülerfprache.Kanone" ist bewußte oder unbewußte Entstellung ausKa­non". Was unter allem Kanon war, war unterhalb jedes Maßstabes, war also ganz und gar schlecht. MitKanone" dagegen hängen dieKanonen­stiefel" zusammen; das französischecanon, das italienischecannone heißt wörtlichgroßes Rohr"

Oft erklären sich auch Redensarten aus volks­tümlichen Bräuchen. Einst war es Sitte, daß nur verheiratete Frauen eine Haube tragen durften; junge Mädchen trugen einen Kranz im Haar. Hei­rateten sie, so kamen sieunter die Haube" Die Hochzeitshauben ber Bräute waren befonbers kumt- voll geschmückt unb mit einer großen Zahl kleiner, glitzernber Plättchen bebeckt. Ein altes Wörterbuch aus bem 18. Jahrhunbert erklärt bazu, baß ,bie jungen Frauen bie mit Flittern gezierten Hauoen unb Bänblein noch eine zeitlang nach ber Hochzeit trugen", also währenb berFlitterwochen"

Kein anberer als Goethe scheint eine Rebensart in unsere Sprache eingeführt zu haben, nämlich bie vomroten Faben", ber sich burch etwas hinburch- zieht. Er verbankt biefes Bilb nicht unmittelbarer Anschauung, sondern feinem Wissen. In benWahl- oerwanbtschaften" roenbet er ben Ausbruck auf Ot­tiliens Tagebuch an, muß aber vorher bem Leser sagen, was er eigentlich meint:Wir hören von einer befonberen Einrichtung bei ber englischen Ma­rine Sämtliche Tauwerke bei ber königlichen flotte, vom stärksten bis zum schwächsten, sind bergejtalt

! gesponnen, baß ein roter Faben durch bas Ganze l'burrfjgebt, ben man nicht herauswinben kann, ohne alles aufzulösen, unb woran auch bie kleinsten Stücke kenntlich sind, daß sie ber Krone gehören. Ebenso zieht sich burch Ottiliens Tagebuch ein Fa­den ber Neigung unb Anhänglichkeit, der alles ver­bindet und bas Ganze bezeichnet."

Äie lange flauer! ein Kuß?

Vor bem Gericht in Olb Bailleh (USA.) stand kürz­lich ein Autvdusschaffner unter ber Anklage ber Er­regung öffentlichen Aergermsses. Er hatte auf einer Fahrt ein junges hübsches Mädchen geküßt, ganze fünf Minuten; ein Passagier hatte genau nach der Uhr gesehen. Die Sache wurde immer vertagt, ein­mal, weil die Tatzeugin nicht rechtzeitig aufgefunden werden konnte, dann weil der Zeuge und Beobachter nicht erschienen war, ein drittes Mal, weil kern Sachverständiger" da war. Jetzt wurde erneut ver­handelt. Gegen die Tatsache des Kusses wurde aller­dings nicht verhandelt, sondern nur der Länge wegen, und der-Richter hörte sich die Ausführungen des Sachverständigen für Kuß- bzw. Schicklichkeits­fragen geduldig an. Dieser führte, was die Länge eines Kustes betrifft, folgendes aus:

Es gibt verschiedene Küsse unb auch verschiebene Zeiten. Zunächst einmal wäre ba ber mütterliche Kuß, er erregt keinen Anstoß unb ist in ber Zeit ben Umständen entsprechend angepaßt. Der väter­liche Kuß ist wesentlich kürzer. Dann gibt es den durchaus flüchtigen Kuß zwischen zwei Freundinnen, er ist meistens ganz kurz, ober aber, wenn er län­ger .bauert als eine Sefunbe, bann ist es einGift- fufc" voller Hinterhältigkeit unb Neid. Weiter gibt es einen Kuß zwischen Männern als Zeichen be­sonderer Zuneigung und Verehrung, z. B. zwischen Staatsmännern usw., dieser Kuß ist aber hier nicht in Anwendung zu bringen. Um aber zur Sache zu kommen, gibt es bann ben Kuß zwischen Eheleuten, er richtet sich meistens nach bem guten ober weniger guten inneren Verhältnis unb bauert keinesfalls fünf Minuten.

Nach biefer Aufführung ber verschobenen Kuß- arten fragte ber Richter, ungebulbig roerbenb, wie lange ber Kuß zwischen einem jungen Mann unb einem jungen Mäbchen bauert.

Der Sachverftänbige erging sich in Vermutungen, bie aber von ber Verteidigung des jungen Bus­schaffners immer wieder entkräftet wurden. Schließ­lich fragte dann der Richter, wie lange der Sach­verständige ein junges Mädchen geküßt habe, als er noch jung war Wo auf dieser kleinlaut zugeben mußte, daß er noch nie ein junges Mädchen geküßt

habe. Darauf wurde der anstoßnehmende Zeuge verhört, und bei ihm stellte sich heraus, daß auch er noch nie so richtig geküßt hatte.

Der, Verteidiger bes Schaffners erlaubte sich nun bie Frage an ben, Richter, bie von ben Zuhörern mit Beifall ausgenommen würbe. Der Verteibiger fragte, wie lange benn ber Richter, ber hier Recht zu sprechen habe, schon geküßt habe, worauf biefer fein lächelnd sagte, bas wüßte er nicht mehr, ihm schien es heute, als hätte er immer zu kurz geküßt; benn bie Zeit, in ber man bei einem Kuß alle Zeit vergesse, sei leiber lange vorbei.

Unter bem Beifall ber Anwefenben würbe ber Busschaffner freigesprochen, befonbers beshalb, weil er feine Kußpartnerin in der Zwischenzeit geheiratet hat. Nachdem das Urteil gesprochen war, ging die junge Frau auf denSachverständigen" zu unb gab ihm einen herzhaften Kuh mit ben Worten:Damit er in künftigen Prozessen wisse, daß man beim Küssen niemals nach der Uhr sehe!" N. I.

Zeitschriften

Wie man Singapore in. Besitz nahm, wie man es befestigte, und was diese modernste Werft ber Erbe, deren Ausbau rund 140 Millionen Mark | kostete, heute für England bedeutet, erzählt ein ! fesselnder Sonderbericht mit Bildern im neuesten Heft derS i r e n e". Ein großer Artikel zeigt uns einenSchutzraum, wie er fein soll". Durch die Schaffung dieses Schutzraumes bewies der Land­rat des Kreises Teltow weitestgehendes Verständnis für die Forderungen des Selbstschutzes. Der reich- bebilderte Bericht zeigt die vorbildliche Schutzraum­anlage im Kreishaus, die bereits heute das Ziel zahlreicher beamteter Teilnehmer an Luftschutzlehr­gängen, vieler Industrieller unb Behorbenvertreter i ist, die hier für bie eigene Praris Erfahrungen ! sammeln wollen. Weitere Artikel wie... unb | morgen große Luftschutzübung" sowieLuftschutz im ' grünen Herzen Deutschlanbs" bereichern biefes in- ; tereffante Heft ber Luftschutz-Illustrierten mit ben Mitteilungen des Reichsluftschutzbundes.

£od>fd)u1nad)rid)fen.

Der ordentliche Professor der Astronomie an ber Universität Heidelberg und Direktor der Ba­dischen Landessternwarte auf dem Königstuhl, Dr. phil. nat. Heinrich Vogt, hat ben an ihn er­gangenen Ruf als Direktor an bas Astrophysika­lische Observatorium in Potsbam unb als orbent« licher Professor an bie Universität Berlin abge­lebt.