Nr. 1Z1 Erstes Blatt
188. Jahrgang
Mittwoch. 8. Juni 1938
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Zwei Rekordbrecher.
Eine „He" und eine „Ju" haben über Pfingsten den Ruhm der deutschen Flugzeugindustrie in beachtlicher Weise zu mehren gewußt. Beide Maschinen, in ihren Typen grundverschieden, stammen aus Werken, die Weltruf genießen und deren Schöpfer sich stets als tüchtige Flugzeugkonstrukteure erwiesen haben: der eine, Ernst Heinkel, der andere, der kürzlich verstorbene Professor Junkers. Wenn wir die Namen dieser beiden Männer heroorheben, dann geschieht das aus besonderem Anlaß, nicht aber, um etwa die Bedeutung der anderen deutschen Flugzeugkonstrukteure, etwa der Schöpfer unserer fabelhaften Messerschrnittrnaschi- nen, der Focke-Wulf-Flugzeuge, der Dornier-Wale und wie sie alle heißen, die immer wieder die Aufmerksamkeit der gesamten fliegenden Welt auf sich lenken, in den Hintergrund treten zu lassen. Sie alle ziehen an einem Strang, wenn auch jeder für sich arbeitet und höchsten Zielen zustrebt. Sie alle haben dem deutschen Flugzeug zu einer Entwicklung verholfen, die immer wieder höchstes Erstaunen auslösen muß.
Denn wir mußten in der Nachkriegszeit unser Bautempo abstoppen, wir durften über gewisse Grenzen nicht hinaus, wir durften vor allem keine Kriegsflugzeuge bauen. So gewann das Ausland einen Vorsprung von vierzehn Jahren, während bei uns der Raum für Flugzeugkonstrukteure viel zu klein war. Schließlich war es immer nur die Deutsche Lufthansa, die Flugzeuge, aber auch «nur Berkehrsmaschinen abnehmen konnte. Trotzdem rasteten unsere Flugzeugkonstrukteure nicht. Und sie taten recht daran. Denn auch für sie mußte der Tag kommen, der ihnen zum Signal wurde, nun mit aller Macht vorwärts zu streben und -unter Ueberspringung der Vergangenheit für die Zukunft höchste Leistungen zu vollbringen. Wir stehen den Jahren noch viel zu nahe, die" seit 1933 eine sprunghafte. Entwicklung unseres 'Flugzeuges brachten. Erst später wird man eine Geschichte dieses Aufbaues schreiben können, dann aber auch zu zeigen haben, was deutsche Flugzeugkonstrukteure in edelstem Wettbewerb zustandebrachten. Wir können nur das eine: uns über jeden neuen Erfolg freuen und dem Erfolgreichen unseren Glückwunsch aussprechen.
Diesmal sind es die H e i n k e l w e r k e in Warnemünde und die Junkerswerke in Dessau, die sich neuen Lorbeer holten. Heinkel trat mit einem Jagdslugzeug, Junkers mit dem „Großen Dessauer" in die Erscheinung. Beide Flugzeuge trugen ihre Zeichen, das „He" und „Ju" zum Siege. Daß über das Heikel-Jagdflugzeug nähere Angaben fehlen, versteht sich von selbst. Anders ist es mit dem „Großen Dessaue r", der im Herbst vorigen
Frankreich bewundert Lldets Geschwindigkeitsrekord
Paris, 7. Juni. (Europapreß.) Die von Übet aufgestellte neue Schnelligkeitsweltbest- l e i st u n g mit 634,370 km/st hat in Frankreich starken Widechall gefunden. Die Blätter teilen ihren Lesern, um ihnen die von Übet erzielte Geschwindigkeit leichter verständlich zu machen, mit, wie lange Übet mit einer derartigen Geschwindigkeit zu Flügen zwischen größeren französischen Städten gebraucht hätte. Paris — Straßburg in öreioiertel Stunden, Paris—Bordeaux in fünfzig Minuten und Paris—Marseille in einer Stunde, zehn Minuten, das find die Zahlen, die dem französischen Zei- tungsleser am besten die von Udet erzielte Geschwindigkeit verdeutlichen.
Der „Paris Soir" bringt ein Bild Udets als Kriegsflieger mit einer Widmung an einen der berühmtesten französischen Kriegsflieger, Rene Fonck, der selbst in einem Artikel den Lesern dieses Blattes Udet vorstellt. Während des Krieges sei er, so schreibt Fonck,, oft mit Übet in den Lüften zusammengetroffen, und die Begrüßung fei durch Maschinengewehre erfolgt. Nach dem Kriege sei er von Übet nach Berlin eingeladen worden, und er t)abe mit i h m zusammen seinen ersten Flug über Berlin unternommen. Udet sei unzweifelhaft einer der besten deutschen Kriegsflieger gewesen, und er sei es g?- blieben. Der Beweis sei. daß er Deutschland zwei der bedeutendsten Bestleistungen vom militärischen Standpunkt aus gegeben habe. Die große .Stärke der deutschen Luftwaffe liege darin, so schreibt Fonck weiter, daß sie von „wahrhaftigen Fliegern" geleitet werde, die unter Lebensgefahr eine große Erfahrung gesammelt hätten und diese Erfahrung jetzt in den Dienst des Vaterlandes stellten. Die deutsche Fliegerei stehe unter der Leitung des Generalfeldmarschalls G ö - ring, der ebenfalls ein „Aß" unter den Kriegsfliegern gewesen sei, und des Generals Udet, der feine rechte Hand fei. „Indem ich noch persönlich Udet, dem ehemaligen und loyalen. Kriegsflieger", so fährt Fonck fort, „zu seiner Leistung beglückwünsche, spreche ich den Wunsch aus, daß diese Leistung auch Frankreich nützlich sein werde, indem sie den Franzosen endlich die Augen über die Wirklichkeiten der Zukunft öffnet."
Der „Paris Midi" stellt fest, daß der fron- z ö s i sch e Geschwindigkeitsrekord nur 476,310-km/st betrage und bereits im Jahre 1935 aufgestellt worden sei. Seit dieser Zeit habe Frankreich nichts
mehr getan, es sei jetzt stark im Rückstand. Die gegenwärtig im Dienst befindlichen französischen Jagdflugzeuge (Devoitine) erreichten höchstens 300 km/st, die im Bau befindlichen Moräne-Flugzeuge 480 bis 500 km/st. Die in Amerika bestellten Curttß-Flugzeuge sollten 480 km/st erreichen. Im „Jntransigeant" bespricht ebenfalls ein ehemaliger Kriegsflieger, Peyrynnet de Torres, £ie Leistung Udets. Er bedauert, daß Frankreich gegenwärtig nicht die „lebendigen Kräfte" besitze, um seine Flug-
zeugerzeugung zu beschleunigen. Die Leistung des Generalmajors Udet sei deshalb außerordentlich beachtenswert, weil sie beweise, daß die Hindernisse, die sich den Ingenieuren auf dem Gebiete des Apparate- und des Motorenbaues entgegenfteUten, nacheinander überwunden würden und daß der Mensch fähig sei, selbst in einer Haarnadelkurve ein Flugzeug mit über 600 Kilometer Stundengeschwin» digkeit mit sicherer Hand zu führen.
Adel flog 634 Stundenkilometer.
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Auf einer amtlich vermessenen Flugstrecke in der Nähe von Rostock—Warnemünde brachte Generalmajor Udet mit einem einsitzigen Heinkel-Jagdflugzeug den Schnellig- keitsweltrekorb für Flugzeuge nach Deutschland Er verbesserte ben bisher vom Auslande mit 554,357 Kilometer je Stunde gehaltenen Rekord um 80 Kilometer auf 634,370 Kilometer. Unser Bild zeigt Generalmajor Udet nach seinem Rekordflug — (Scherl-Bilderdienst-M.)
Jahres zum ersten Male öffentlich vorgeführt wurde und den man eigentlich mit einem fliegenden V-Zug- roagen vergleichen kann. Alle Bequemlichkeiten für den Reisenden sind hier vereinigt. Vierzig Personen können jeweils befördert werden, dazu in einem weit über dem Durchschnitt gewöhnlicher Reifeflugzeuge liegenden Tempo. Die Geschwindigkeit des „Dessauers" liegt bei 410 Kilometer, die Stärke der vier Motoren zwischen 800 und 1200 PS. Da aber eine Auswechslung der Motore vorgenommen werden kann, wird sich bei der Fortentwicklung dieses Typs auch noch eine Steigerung dieser an sich schon beachtlichen Geschwindigkeit erreichen lassen. Welche Möglichkeiten in dem Flugzeug liegen, .hat der über Pfingsten aufgestellte Höhenrekord gezeigt. Man wußte wohl, daß die Steigfähigkeit über Erwarten gut ist. Jetzt aber ist unter Beweis gestellt worden, daß ein schwer beladenes deutsches Großverkehrsflugzeug ohne Mühe bis in die Zehn- tausendmeter-Region vorstoßen kann.
Wirtschastswerbung.
Eröffnung des Kontinentalen Rettame- tongresses in Wien.
Wien, 7. Juni. (DNB.) Im großen Festsaal der Wiener Hofburg wurde der Kontinentale Reklamekongreß 1938 eröffnet, an dem rund 1000 Vertreter des Werbewesens aus 15, Staaten des Kontinents teilnahmen.
Der Präsident des Kontinentalen Reklameverban- des, M a i l l a r d (Paris) übergab das Präsidium dem Vertreter Deutschlands, Stabsleiter Hugo F i - f ch e r. In unseren Händen — so führte der Stabsleiter Fischer aus — liegt die geistige und materielle Führung und Gestaltung der Wirtschaftswerbung, in der jeder von uns auf feinem Platz feinem Volke dient. Durch friedliche Ordnung der Wirtschaft ist für die Völker Europas die Voraussetzung für den wirtschaftspolitischen Frieden geschaffen, die jedem Volk und jedem einzelnen Lebensraum und Lebensrecht sichert.
Der .ständige Vertreter des Präsidenten des Werberates der deutschen Wirtschaft, Professor Dr. Hunke, erinnerte daran, daß schon auf dem Kontinentalen Reklamekongreß im November 1936 in Berlin die Grundlinien der Umgestaltung der deutschen Wirtschaft festgelegt worden waren und daß sich seither tatsächlich ein neuer Stil, eine neue Wirtschaftsgesinnung und ein neues Können in der Wirtschaftswerbung durchgesetzt hat. Deutschland habe sich aber auf den letzten Quell jeder Wirtschaft und jeden Reichtums, auf seine eigene A r - b e i t 5 t r a f t besonnen. Heute befänden wir uns auf der letzten Stufe des wirtschaftlichen Handelns und fingen an, unsere Kraft immer planmäßiger, vernünftiger und produktiver einzusetzen, um mehr zu leisten und mehr zu schaffen. Die Wirtschasts- werbung habe ein Dreifaches zu beachten: Die Achtung vor der Volksgemeinschaft, den notwendigen Takt gegenüber dem Mitbewerber und Wahrheit und Klarheit gegenüber dem Verbraucher Mit dem Wunsche, daß der Kongreß der Weiterentwicklung der Wirtschaftswerbung einen entscheidenden An
trieb geben möge, entbot Prof. Dr. Hunke den Versammelten dey Willkommengruß des Deutschen Reiches.
5. Arbeitstagung;
des Ernährungshilfswerks.
NSG. Aus dem ganzen Reichsgebiet treffen heute im Gau Hessen-Nassau die Teilnehmer an der 5. Arbeitstagung des Ernährungshilfswerkes cm. Der Gauleiter, der stets ein energischer Förderer des Ernährungshilfswerkes war, wird die Gäste am Donnerstag im Jakob-Sprenger-Haus in Darmstadt begrüben. Im Februar 1937 wurde auf Anordnung des Gauleiters versuchsweise d i e e r st e M ä st e r e i in Darmstadt in gepachteten Stallungen eingerichtet. Der anfängliche Bestand von 380 Schweinen und die damit angestellten Mastversuche berechtigten zu den besten Hoffnungen, so daß man nach kurzer Zeit dazu überging, eine Großmästerei in Darmstadt neu zu errichten und auch in anderen Städten auf die Einrichtung des EHW. zu drängen. Um die Jahreswende konnte das Ernährungshilfswerk im Gau »Hessen-Nassau einen lausenden Bestand von über 2000 Tieren aufweisen. Heute hat das EHW. im Gau Hessen-Nassau bereits 52 Mästereien in Betrieb genommen, die zur Zeit insgesamt 4500 Schweine auf Mast liegen haben. Ende 1938 ist bei der Berücksichtigung der Erweiterungen, Anbauten und Neubauten der Mästereien ein Gesamtbestand von weit über 8000 Schweinen anzunehmen. Bei 2V2maügen Mastperioden ergibt triefe Zahl schon heute für das Jahr einen Schweinebestand von 20 000 Tieren. Bei restloser Erfassung aller Küchenabfälle im Gau Hessen-Nassau durch das Ernährungshilfswerk kann deshalb mit einem Gefamt- beftänb von 25 000 Schweinen gerechnet werden.
Die'Küchenabfälle find zum öffentlichen Gut erklärt worden. Niemand mehr wird heute sagen können, daß es eine bessere Verwendung gebe, oder daß sich die Mühe nicht lohnen würde, sie durch die Einrichtungen der NS.-Dolkswohlfahrt nutzbringend auswerten zu lassen. Große landwirtschaftliche Flächen, die Aecker vieler Bauernhöfe wären nötig, um diejenige Futtermenge anzupflan- zen, die dem Ernährungshilfswerk durch die Sammlung aller Abfälle zur Verfügung stehen. Die deutsche Hausfrau hat es in der Hand, durch ihren kleinen Beitrag mitzuhelfen, daß eine solch lebenswichtige Einrichtung zum Erfolg führt, der heute schon mit Bestimmtheit erwartet werden kann. Alles, was aus dem Ernährungshilfswerk gewonnen wird, Fleisch und Fett wie auch etwaige Bar- überschüsse kommen immer wider nur der Allgemeinheit zu gut Volksgenossen haben Arbeit bekommen, Züchter haben ein wichtiges Absatzgebiet für ihre Tiere gefunden, Industrien haben Aufträge erhalten, das Bauhandwerk hat eine ansehnliche Belebung erfahren und nicht zuletzt wurde in der Fleisch- und Fettversorgung eine empfindliche Lücke geschlossen, was unsere Hausfrau wieder zu spüren bekommt.
Neue Gewaltakte tschechischen Militärs.
Deutscher Pfarrer am Besuch eines Sterbenden gehindert.
Passau, 7. Juni. (DNB.) Am Dienstagmorgen begab sich der deutsche Pfarrer Pius Fischer von Obermoldau im Böhmerwald mit einem Begleiter nach Eleonorenheim, um dort einen Sterbenden zu versehen. An der Kleidung und der mit- geführten Tasche war klar zu erkennen, daß es sich um einen Pfarrer handelte, der auf einem Versehgang war. Trotzdem wurde der Geistliche kurz vor dem Ort auf eine Entfernung von sechs Meter von tschechischen Soldaten angerufen und, da er mit seinem Motorrad nicht so schnell bremsen konnte, samt der mitgeführten kirchlichen Geräte von der Maschine h e r u n t e r g e r i f f e n und zu Boden .geworfen. Der Pfarrer erlitt mehrere Verletzungen. Trotzdem wurde er zur Gendarmerie geschleppt. Erst jetzt wurde dem Pfarrer der Gang zu dem Sterbenden erlaubt. Der Pfarrer begab sich später zum Arzt, um sich ein Zeugnis über seine Verletzungen ausstellen zu lassen. Dem Arzt war jedoch inzwischen von der Gendarmerie bedeutet worden, daß er kein Zeugnis, aus ft eilen dürfe.
Ein Reichenberger deutsches Einwohner wollte seine Nichte, die im Krüppelheim in Reichenberg in
Behandlung gewesen war und noch ein Bein jm Gipsverband hatte, nach Jungbuch bei Trautenau schaffen. Beim Umsteigen in der Station T u r ° nau wollten beide den Wartesaal betreten, was ihnen aber verweigert wurde, weil sich dort die Bahnhofswache eingerichtet hatte. Der Kommandant beschimpfte die beiden in wüster Weise und bestimmte zwei Mann der Bahnhofswache mit aufgepflanztem Seitengewehr dazu, den Deutschen, dem man inzwischen die weißen Strümpfe heruntergerissen hatte, mit feiner kranken Nichte auf die Gendarmeriestation zu führen. Die beiden Deutschen waren auf diesem Wege üblen Schimpfereien tsch echischer Passanten ausgesetzt. Der Wachkommandant hatte die Begleitsoldaten ausdrücklich gefragt, ob sie scharfe P a - t r o n e n bei sich hätten, was von ihnen bejaht wurde. Auf der Gendarmeriestation wurde ein Protokoll aufgenommen, worauf die Deutschen wieder entlassen wurden. Die Sudetendeutsche Partei hat bei den zuständigen Stellen Beschwerde wegen dieses neuen Uebergriffes des tschechischen Militärs eingelegt.
Die Außenpolitik her französischen Sozialisten.
Leon Blum auf dem Sozialistischen Parteitag in Royan.
Paris, 7. Juni. (Europapreß.) Der Parteitag der französischen Sozialisten in Royan' fand mit einer großen Rede ihres Vorsitzenden Leon Blum seinen Höhepunkt. Blum vertrat erneut seinen bekannt ten Standpunkt, die Sozialisten dürften im gegenwärtigen Zeitpunkt nicht die Verantwortung für einen Sturz der Regierung Daladier und damit für den Bruch der Volksfront übernehmen. Es fei unmöglich, eine hundertprozentige Volksfrontregierung unter Einbeziehung der Kommunisten zu bilden, da die Radikalsozialisten eine derartige kommunistische Mitarbeit nicht dulden würden. Ein Verbleiben der Regierung Daladier im Amte sei deshalb vorzuziehen. Außenpolitisch bemühte sich Blum, die Nichteinmischungspolitik der beiden von ihm geführten früheren Regierungen gegenüber dem linken Flügel der Partei zu verteidigen. Er sei heute noch der Ansicht, daß eine Einmischung in Spanien für Frankreich genau so unmöglich sei wie vor zwei Jahren. Blum bestritt energisch, die Anweisung .gegeben zu haben, drei französische Divisionen nach Spanien zu schicken. Er sei auch heute noch für eine loyale Nichteinmischungspolitik, aber wenn der seit etwa 'einem Jahre andauernde Zustand weiter bestehen bleiben sollte, dann wolle auch er nichts mehr von Nichteinmischung wissen.
Blum erklärte, es sein ein Hirngespinst, zu glau
ben, man könne Mussolini und Hitler entzweien. Das gegenwärtige Europa sei eine Tatsache, über die man nicht mehr hinweggehen könne, es erinnere lebhaft an das Europa Napoleons I. Wenn man die Idee der kollektiven Sicherheit bis zu ihrem Ende verfolge, müsse man sich auch mit der Möglichkeit eines Krieges vertraut machen, aber, um einen Krieg zu verhindern, müsse man in gewissen Augenblicken eine Kriegsgefahr auf sich nehmen. Die Volksfrontregierung habe im Jahre 1936 keinen einzigen zuverlässigen Freund gehabt. Seine Regierung habe^die Lage Frankreichs von Grund auf geändert, Freundschaften befestigt und Mißverständnisse zerstreut.
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Die Auseinandersetzungen zwischen den linksradikalen Anhängern Marceau Piverts und der Mehrheit des Sozialistischen Parteitages erreichten einen Höhepunkt, als der ehemalige Innenminister der Blumschen Volksfrontkabinette, Marx Dormo y, auf der Straße in ein Handgemenge mit „Pioertisten" geriet. Während im Kurhaus von Royan die sozialistische Parteimehrheit tagt, beraten ungefähr hundert Schritte davon entfernt, in einem Cafä, die Ausgeschlossenen. Obwohl bisher nur die Pariser Abgeordneten der „Republikanischen Linken" ihre Parteizugehörigkeit ver-


