kreis Wetzlar.
Aus der engeren Heimat.
von
Ausländische Zngendführer bei Baldur von Schirach
m stmg und
mit Kleinschlagpflaster instandgesetzt werden Ferner soll für laufende Kosten eine Umlage 5 bis 7,50 Mark je Anteil erhoben werden.
gewesen sein mag. Aber der Draht ist nicht mehr da' Einfach weg! —
Uebrigena ist der Schlffenberg angesichts der guten SchneeverhäUnisje rasch Mode ' geworden. Wer Zeit für den einstündigen Anmarsch fand, begab sich hinaus. Der breite und ziemlich steile Hang an der Kapelle bot den Anblick eines seriösen Winterjportplatzes. Nicht nur jene, die mit dem Rodelschlitten die Wintertage genießen wollten, waren da sondern auch die Skiläufer nahmen das TrainiRg auf und übten Stemmbogen oder gar den neuen „Lemposchwung".
Die zugesrorene Lahn mußte ja fast als eine Sensation für sich empfunden werden. Darüber berichteten wir bereits am Donnerstag.
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Das alles war also um die Mitte der scheidenden Woche so, wie es hier geschildert ist, am Diens-
Äerdunkelungs-Uebungen im Kreise Gießen.
Hausen, 7. Jan. Hier fand auf Veranlas- des Kreisamtes Gießen eine Luftschutz- Verdunkelungsübung unter der Mit-
Die englischen, französischen und belgischen Jugendführer, die in den Jugend-Skilagern zu einem 14tägigen Besuch weilten, wurden in München von Reichsjugendführer Baldur von Schirach empfangen. — (Atlantik-M.)
entlastet. Im weiteren Verlauf der Versammlung wurde beschlossen, daß der Zufahrtsweg zur Mühle soll.
sich auf 5498 Mark, die Gesamtausgabe 5323 Mark. Das Guthaben bei dem hiesigen Vorschuß- und Kreditverein schloß am 1.1. 38 ab mit 1344 Mark. Bei dem zweiten Zweig des Vereins, der Pferdekasse, ergab sich folgende Geschäftslage: Die Mit- aliederzahl betrug 63, die Zahl der versicherten Tiere 91. Für fünf Pferde wurden 2160 Mark Entschädigungen bezahlt. An verwerteten Tieren erlöste man 680 Mark. An Versicherungsbeiträgen wurden 1587 Mark bezahlt, oder 2 v. H. des Gesamtwertes. Die Gesamteinnahmen beliefen sich auf 3671 Mart, die Gesamtausgaben auf 3397 Mark. Der Kontobestand bei der Vorschußkasse betrug am 1.1.38 594 Mark.
Wirkung der Feuerwehr, der Sanitätskolonne, der Laienhelferinnen usw. statt. Die Hebung nahm einen ausgezeichneten Verlauf, der nicht nur den unmittelbar Beteiligten, sondern der ganzen Bevölkerung alle Ehre machte. Regierungsrat Dr. Krüger, der mit Kreisgruppenführer Clotz (Gießen) und Kreisfeuerwehrführer Bouffier (Gießen) der Hebung beiwohnte, ließ nach Schluß der großangelegten Hebung erkennen, daß die Gemeinde Hausen ganze Arbeit geleistet habe* Er sprach allen Beteiligten Dank und Anerkennung aus.
0 Rieder-Bessingen, 7. Jan. In unserem Ort fand am Mittwoch ebenfalls eine vom Kreisamt Gießen veranlaßte Verdunkelungs- Hebung statt. Die Bevölkerung hatte von dieser Maßnahme nur insoweit Kenntnis, als der Ortspolizeiverwalter vor einiger Zeit bekannt gab, daß in den nächsten 14 Tagen eine Verdunkelungs- Hebung stattfinden werde. Die Hebung nahm einen in allen Teilen guten Verlauf. Der Referent für den Luftschutz, Regierungsrat Dr. Krüger, gab seiner Freude über die wohlgelungene Hebung Ausdruck und dankte vor allem dem Bürgermeister, der dafür gesorgt hatte, daß die Hebung in ihrem Ablauf durchaus den Anforderungen für den Ernstfall entsprach. Die Verdunkelungsmaßnahmen seien sehr ordentlich durchgeführt worden. Auch der Verkehr auf der Durchgangsstraße war mustergültig geregelt. In Begleitung von Regierungsrat Dr. Krüger befand sich auch der Kreisgruppenleiter Elotz (Gießen), sowie der Kreisfesterwehrführer Bouffier (Gießen).
> Queckborn, 7. Jan. Am Mittwoch, 5. Januar 1938, fand hier auf Veranlassung des Kreisamtes Gießen eine Verdunkelungs-Hebung statt, die ohne vorherige Bekanntgabe an die Bevölkerung einen durchaus zufriedenstellenden Verlauf nahm. Der Referent für den Luftschutz, Regierungsrat Dr. Krüger vom Kreisamt Gießen, kam überraschend zur Kontrolle und drückte seine vollste Zufriedenheit aus. (
# Lützellinden,' 7. Jan. Am gestrigen Donnerstag fand in der Gastwirtschaft von Arnold die Generalversammlung der L u hmühlen- Gesellschaft statt. Der erste Vorsitzende, Landwirt Ludwig Hölz, eröffnete die Versammlung. Anschließend wurde der Geschäftsbericht über das verflossene Rechnungsjahr 1937 von Rechner Johannes Hofmann vorgettagen. Der Geschäftsbericht, der einen zufriedenstellenden Stand der Gesellschaft aufzeigte, wurde in Einnahme und Ausgabe geprüft und für richtig befunden. Der Rechner wurde
Landkreis Gießen.
= Mainzlar, 7. Jan. Im Monat Dezember 1937 wurden in der Zelle Mainzlar gespendet: 96 Pfundspenden und 58 Fleischbüchsen. Insgesamt wurden bis jetzt in dieser Zelle 103 Büchsen Fleisch/ und Wurstwaren gegeben. Die Werbung für die NSV. in dieser Zelle erreichte im Dezember zwölf Neuaufnahmen.
! Großen-Linden, 6. Jan. Der Zweigverein „H ü t t e n b e r g" vom V H C. beging am Sonntag eine schöne Neujahrsfeier. Nach einer kurzen Wanderung durch die mit Schnee bedeckten Fluren versammelten sich die Mitglieder in Lang- Göns. Kamerad Sern sprach herzliche Willkommensworte. Danach gab der Vorsitzende Klingel- Höfer einen kurzen Bericht über das abgelaufene Wanderjahr, das erfreuliche Ergebnisse zeitigte. Der Vorsitzende hofft, daß auch das Jahr 1938 nicht nachstehen werde. Durch Kamerad Blaß (Gießen) wurden dann in feierlicher Weise die Wanderauszeichnungen an verschiedene Wanderer verliehen. Die goldene Nadel erhielten: Frau Buß (Leihgestern), ' Herr Geißler (Großen-Linden), Frau Jung (Leihgestern) und Lehrer Conrad (Lang-Göns),
tag, am Mittwoch und am Donnerstag! Doch — Hand auf's Herz! —,- wer traute der winterlichen Pracht Bestand zu? Der Wetterbericht unkte schon am Donnerstag don Niederschlägen und von Schnee, der in Regen übergehen werde. Am Donnerstag fiel denn auch der Schnee schon reichlich feucht, nicht mehr so zart rieselnd wie am Dienstag und am Mittwoch, am Freitagmorgen war die Luft frühlinahaft mild, Und wie es am morgigen Sonntaa auf Dem Hohe- rodskopf bei den Kreis-Skimeisterschaften aussehen wird, das mit Bestimmtheit voraussagen zu wollen, wird wohl niemand wagen. Da uns nur übrig bleibt, das Wetter äu nehmen, wie es ist, wird es gut sein, mit philosophischem Gleichmut den Rodelschlitten und die Skier genau so sorgsam aufzubewahren, wie wir es dankbar tun würden, wenn sie uns Sonntag um Sonntag durch die winterliche Welt getragen hätten.
• N.
die silberne Nadel wurde Frau Geißler und Frau Luh (Großen-Linden) überreicht. Bei gemeinsamem Gesang wurden dann noch einige frohe Stunden verlebt.
s. Lang-Göns, 7. Jan. Am 9. Januar kann unser Mitbürger Johannes Konrad Spies, Niederhofenstraße, in voller geistiger und körperlicher Rüstigkeit seinen 81. Geburtstag feiern. Herr Spies gehört schon lange Jahre dem evangelischen Kirchenvorstand als Mitglied an.
Watzenborn-Steinberg, 7 Jan. Aus dem Standesamtregister unserer Gemeinde ist folgendes zu berichten: Im vergangenen Jahr wurden 14 Paare getraut und 48 Kinder geboren. Gestorben sind 22 Personen.
△ Eberstadt, 8. Jan. Am morgigen Sonntag kann einer der ältesten Einwohner unserer Gemeinde, Wilhelm W e d e m a n n I., in aller körperlichen und geistigen Frische seinen 8 4. Geburtstag begehen. Wir beglückwünschen!
(xd Lan gsoorf, 7. Jan. Nach altem Herkommen hielt der hiesige Viehversicherung s- verein seine General-Versammlung ab. Die Rindviehkasse, der die hiesigen Viehbesitzer zu. fast 100 v. H. angehören, hatte 133 Mitglieder, die 855 Tiere versicherten. An Entschädigungen wurden gezahlt für 15 Stück Großviel und 11 Kälber 4831 Mark. Der Erlös aus verwertetem Vieh, das die Kasse übernahm, betrug 2093 Mark. Die gezahlten Versicherungsprämien erreichten eine Höhe von 2248 Mark, der Prozentsatz betrug 7/io v. H. des versicherten Viehs. Die Gesamteinnahme belief
Büchertisch.
— Wille und Weg der nationalsozialistischen Studenten. Bericht von der ersten Reichsarbeitstagung des NDS.-Studentenbundes und der Deutschen Studentenschaft: Heidelberg, 22. bis 25. Juni 1937. Herausgeaen vom Leiter des Amtes Presse und Propaganda der Reichsstudentenführung Dr. Wilhelm K a f f l. Preis 1,60 Mark. Verlag der Hniversitäts-Buchdruckerei Joh. Aug. Koch (Dr. C. Hitzeroth),.Marburg-Lahn. — (524) — Die Schrift gliedert sich m drei Hauptabschnitte; der erste handelt von den studentischen Aufgaben und bringt nach den Heidelberger Reden des Reichs- studeptenführers und des Reichsministers Rust Beiträge von Ernst Krieck (Nationalsozialismus und Wissenschaft), F. A. Six, Gerhard Krüger und Ernst Horn (Zucht und Form als Grundlage studentischer Erziehung). Der zweite Abschnitt behandelt die wesentlichen Teile der studentischen Arbeit: Außenarbeit, Verfassung, Facharbeit, Sozialarbeit, nationalsozialistische Erziehung, Stellung d§r Studentin, Kulturarbeit, Leibeserziehung und Ehrenordnung.
Der dritte Abschnitt berichtet über die Sonder- tagungen der einzelnen Aemter in Heidelberg. Im Anhang findet man Bilder von der Heidelberger Tagung und u. a. eine Hebersicht über die Aemter- Verteilung der Reichsstudentenführung.
— Das Handbuch der geographischen Wissenschaft (herausgegeben von Hniversitäts» Professor Dr. F K l u t e, mit etwa 4000 Textbil, dem und Kärtchen, gegen 300 Farbbildern, vielen Kartenbeiligen, Preis pro Lieferung 2,40 RM., Akademische Verlagsgesellschaft Athenawn, Potsdam), bringt in den Lieferungen 132 bis 143 zwei besonders aktuelle Kapitel: Spanien und China. Professor Dr. L a u t e n s a ch , der früher in Gießen gelehrt hat, schildert Land und Leute der iberischen Halbinsel in meisterhaft anschaulicher Weise. Ebenso erleben wir in der Darstellung Professor Wegeners China von der Seite gegenwartsnaher Erdkunde her. Diese umfassenden und klar geschriebenen Kapitel sind ein unentbehrlicher Kommentar zu den Ereignissen im Fernen
»Urquell«
Osten. Professor Hassinger führt seine „Allgemeine Geographie" und zwar die „Geographie des Menschen" über Klima und Sterblichkeit, Bevölkerungsbewegung und Beoölkerungsgliederung, Wanderbewegungen der Menschen bis zur Wirtschaftsgeographie fort. Professor Brandt beginnt den neuen Band „Deutsches Reich" mit einer konzentrierten Darstellung von „Europa als Erdteil" und Professor D ö r r i e s entwirft ein sorgfältiges geographisches Bild von England. Den Text ergänzt der schöne und reichhaltige Bildteil auf das glücklichste.
— Cosima Wagner: Briese an Lubar i a Schemann. Mit einem Bild und einem Faksimile. Geheftet 0,90 Mark, Ballonleinen 1,80 Mark. Gustav Bosse, Verlag, Regensburg. — (570) — Dokumente der Freundschaft, die Cosimas Lebensbild wertvoll ergänzen, und denen die Persönlichkeit des Adressaten, des heute 85jährigen Gobi- neau- und Cherubini-Forschers und treuen Vorkämpfers für Bayreuth, doppeltes Gewicht verleiht. Eine der schönsten Gaden zu Cosima Wagners 100. Geburtstag am 25. Dezember 1937.
v Rundfunkprogramm
Sonntag, 9. Januar.
6 Hhr: Hafenkonzert. 8.15: Gymnastik. 8.30: Kleiner Bauernkalender. 8.45: Klaviermusik. 9: Christliche Morgenfeier. 9.45: Ahnenvergangenheit und Erbenzukunft. 10: handeln, das ist die Sache — was hilft das bloße Wissen". 10.30: Chorgesang. 11.15: Mich aber schone der Tod. Gerrit Engelke zum Gedächtnis. Hörfolge. 11.50: Hnser Kalenderbild: Januar. 12: Militärkonzert. 14: Für unsere Kinder. Lustiges um unser Kasperle. 14.30: Konzert in „Sp-aß"-Dur. 15: Dorfsonntag. Der „Hagestolz" des Dorfes. Ein frohes, ländliches Spiel. 16: Nachmit- tagskqnzert. Als Einlage <17 bis 17.15): Von Köln: Endspiel um den Tschammer-Pokal Schalke 04 gegen Fortuna Düsseldorf (2. Halbzeit). 18: Serenade unter Sternen. Hörfolge. 19: Nachrichten. 19.10: Konzert. Barnabas von Geczy und das Meistersextett. 19.40: Sportspiegel des Sonntags. 20: „Die unsterbliche Sehnsucht". Operette. 22: Nachrichten. 22.10: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 22.15: Sportbericht.
Montag, 10. Januar.
6 Hhr: Morgenspruch, Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. 7: Rachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Nachrichten. 10: Schulfunk. Pole Poppenspäler. Nach der Erzählung von Theodor Storm. 10.30: Musik am Morgen. 11.40: Hausfrau hör zu! 11.50: Eisen und Brot aus eigenem Boden 12: Schloßkonzert. Das Niedersächsische Sinfonie-Orchester. 15: Nachrichten. 13.15: Schloßkonzert (Fortsetzung). 14: Nachrichten. 14.10: Wie nett! Klingende Kleinigkeiten. 15: Volk und Wirtschaft. Die Handelsauskunftei — eine Hilfe für den Kaufmann. 15.15: Für unsere Kinder. Jetzt basteln wir ein Spiel. 15.45: Der Sport der Jugend. Ein Stundenbild der Quarta. 16: Nachmittagskonzert. 18y Zeitgeschehen. 19: Nachrichten. 19.15: Stuttgart spielt auf. Heitere Feierabendmusik. 21: Das Gewitter. Ein lustiger Sketsch. 21.15: Konzert. Zum 82. Geburtstag von Christian Sinding. 22: Nachrichten.
Opus I.
Von Helene Voigi-Oiederichs.
Junges Blut von siebzehn Jahren. Gedichte, die alle paar Wochen beharrlich an Otto von Leixner geschickt wurden. Die Antwort erfolgte vorläufig noch im Briefkasten der von ihm geleiteten Romanzeitung. betrüblicherweise hielt meine, der Siebzehnjährigen, Mutter dies Matt nur im Lesezirkel; sechs oder sieben Wochen vergingen, bis fein Rundlauf von Gut zu Gut das heimische Marien- hof erreichte. Dies bedeutete eine schwer zu ertragende Wartezeit — bis es endlich der List gelang, sie zu verkürzen.
Einer meiner Brüder, der sich wegen Schulbesuchs in der Kreisstadt Eckernförde aufhielt, wurde ins Vertrauen gezogen. Freudig übernahm er das Ehrenamt, Sonnabends in der Heldischen Buchhandlung, sobald die neuen Zeitschriften ein» gelaufen waren, den Briefkasten der Romanzeitung durchzustöbern und'das auf mich Gemünzte abzuschreiben. Das Kennwort, nicht bürgerlich-menschlichen Bezirken, sondern lockenden Tier-, Stein-, Pflanzen- oder Sternenwesen entlehnt, wurde dem Nothelfer von Fall zu Fall bekanntgegeben.
Sonntags kam der Briefträger nicht über Land. War ein Urteil fällig, holte ich es zu Fuß oder Pferd von der eine Stunde weit entfernten Poststation. Niemals lautete es eindeutig: Papierkorb! oder: Helfen Sie lieber Ihrer Mutter in der Küche! sondern es ermunterte, belehrte dichteroäterlich, auch an kleinen handfesten Hinweisen auf die Mängel des jeweiligen Musengeschöpfes fehlte es nicht. Aber das bezaubernde „Angenommen", mit welchen Rosinen besagter Briefkasten ohnehin nicht reich gespickt war — niemals galt es während dieser halbkindlichen Werdezeit dem Herrn Erdrauch, Möoe. Donnerkeil, Beteigeuze ...
Gegen Ende des Jahres gab es, von Herbstgefühl befeuert, frische Versware. „Mondnacht auf dem Moore" nannte sie sich, laut Tagebuch gedichtet bei Vollmondschein am Tor der Dauerweide. Landschaft, mit leidlich eigener Seele gesucht, im Ausdruck schwer befangen durch die höhere Gewalt des Lenau-Erlebnisses. Ganz geheuer war nur von Anfang an der Fall nicht, Vollmondnacht, Riedgras.
dunkle Gräben, herbes Geschick und Nebelschweben entsprachen den Tatsachen. Doch es fehlten die schwarzen Wasser, endlos Lache neben ßadje, in denen das Dichterauge, auf den Mond bezogen, Hundertfach sein Abbild glühen" sah. Kurzum, das große wirkliche Moor hatte bei diesen Strophen nicht Gevatter gestanden. Schwamm drüber! wozu gibt es dichterische Freiheit! Abgeschrieben, einmal und einmal und noch einmal, und dann dem Hüter der geisttgen Arena nach Berlin geschickt.
Llm gleichen Abend schon meldete sich ein Herzschreck. Gut, mochte das herbeigeschwindelte Moor als notwendiger Schauplatz zu Recht bestehen. Aber das tausendfache Abbild machte sich mausig. Es half nichts, daß die Verfasserin sich vor sich selber bereit erklärte, das rhythmisch wohlklingende „tausend" in „hundert" abzumildern. Sogar ein Spielraum lassendes „vielfach" wurde angeboten; erwies sich aber schon wegen der eingesparten Silbe als unbrauchbar.
Guter Rat war teuer. Ich zog, ein Paar Lang- schäftige, die noch von Großvaters Zeiten her hingen, an den Füßen, auf nächtliche Erkundungsfahrt, streifte hin an Kuhlen, Gräben, überschwemmten Wiesen und Fördeufern — nirgend die bescheidenste Mehr-Zahl, immer nur der eine einzige Spiegelmond enthüllte sich. Trotzdem verlor ich nicht jede Hoffnung: all dies Gegenzeugnis war kein Beweis, solange nicht die echten schwarzen Lachen bei Nacht un& Mond sich auch dem äußeren Blick entscheidend aufgetan. Aber das Moor war weit, und die nächste Mondenzeit müßte herangewartet werden
Es war kurz vor Weihnachten. Mein Bruder und ich pflegten, sobald er auf Ferien kam, im Stuhlwagen oder Schlitten aus dem Walde eines entlegenen Gutes den Christbaum zu holen. Großmoor — bis dort hinab reichte dieser Wald: willkommene Möglichkeiten wieherten geradezu!
Nachmittags rummelten wir vom Hof, das übliche Butterdrittel für die Bahnstation im Wagenstroh, die Tüten mit braunen Kuchen für die Försterskinder im Fußsack Anderthalb Stunden später das Gewimmel der frohen bube, draußen dann, duftend neben der Wunde seines Stumpfes, der waldgrüne zum Mitnehmen bereite Baum. Inzwischen war es dämmrig geworden, in halber Höhe hing ein dumpfes Mondgesicht, ja. und jo traute
mein hintersinniger Vorschlag sich heraus: Laß uns | einen Hmweg machen, am Moor vorbei! Mein Bruder war hochzufrieden: Hngewöhnliches, obendrein zur ungewöhnlichen Zeit, genügte als Lockung.
Der Wagen spurt die überfrorenen Gleise des Knickweges hinab. Unter den schotternden Hufen des Pferdes knackt das Lufteis, freier und flacher wird das Land, rötlichgrün zwischen Abend und Nacht dunstet das All. Das weite Moor tut sich auf, Nebetschwaden, braunes Heidekraut und Wasserlachen, bis hierher hat der Dichter am heimischen Hecktor richtig geschaut. Aber nun, Herz und Augen weiten sich: so sehr sie sich ansaugen und spähen, o Schmach und Graus! die zum Abzählen des vielfachen Weltkörpers bereiten Finger erstarrten. Trübgoldener Mond im Himmel, und aus den schwarzen stummen Torflöchern — kein Querlegen des Kopfes, kein von Untenherbticken hilft — immer nur, nirgend mehr, nirgend weniger, das eine einzige Abbild glüht!
Ich entsinne mich nicht, was der Briefkasten diesmal geantwortet hat Immerhin gab unbewußt dieser Vorfall dem Dichterling Anlaß, sich abzukehren von dem schwungvoll in gebundener Form auftrumpfenden Ich und zunächst einmal die Fühler andersherum zu strecken. Am gleichen Tor, wo ein junger, nie zuvor gerittener Fuchs ihn einstmals kopfüber in die Aue geschmissen, ereignete es sich ein gutes halb Jahr später — während in gewittriger, halb schon mondiger Schwüle die Tagelöhner beim Weizenmähen Feierabend machten und zwischen den Garben schweren Schrittes Buttermilchkruken und blaue Linnenjacken zusammensuchten — daß der Plan zu einer richtigen Menschen- geschichte aufsprang.
Acht Stunden darauf, noch vor Sonnenaufgang, in der schrägen, nach Osten gerichteten .Geheimkammer wurde die Hinschrift begonnen. Unb es dauerte nicht allzulange — wie kann man Freude bei sich behalten — bis eines Mittags der Mutter, beileibe vorerst nur ihr! das Blatt mit der gedruckten Erstlingsgeschichte hingelegt werden konnte. Schauplatz: Erntekoppel und brennendes Kuhhaus . ..
Mit dem Erfolg, daß draußen vor den hellen Fenstern ein halbes Dutzend handbeschatteter Gesichter lich gegen die Scheiben quetschte und alsbald
| die Freude der vorlaut das Geheimnis brechenden Geschwister lostromMelte: Oha — sie hat gedichtet!
Zeitschriften.
— „Der Naturforscher", vereint mit „Natur und Technik", Hugo Bermühler, Verlag, Berlin- Lichterfelde, bringt im Januar-Heft eine Reihe wertvoller Abhandlungen und ausgezeichnete Bildwiedergaben. Geheimrat Professor Dr. Tirala berichtet über seine Ergebnisse bei der Heilung der Blutdruckkrankheit. Der Marburger Zoologe Prof., Dr. Alverdes gibt einen Heberblick über seine tier- psychologischen Hntersuchungen an niederen Tieren. Dr. Franz Graf Zedtwitz berichtet in seinem mit guten Aufnahmen versehenen Aussatz „Von der Gemse", einer leicht zu beobachtenden Wildart. Dr. Volz bringt einen Artikel über neue Beobachtungen und Hntersuchungen an Bohrschwämmen. Dr. Th. Haas veröffentlicht Bilder von dem Blütenbau und dem Aufblühen des größten Osterluzeigewächses der Welt, der • Aristolochin Goldieana. Dr. Fritzsche spricht über den Wohllaut der Vogelstimme. Dr. Glasewald von der Reichsstelle für Naturschutz sagt den vielen Vogelfreunden, womit wir, unsere Kleinvögel im Winter füttern sollen, wo es darauf ankommt, mit aller Nahrung im Sinne des Vierjahresplanes hauszuhalten. Professor R. Win- derlich zeigt in seinem Aufsatz über neue Werkstoffe, wie es unsere chemische Industrie versteht, sich immer stärker von fremden Rohstoffen unabhängig zu machen und die heimischen Quellen aus» zunützen. Kleine Beiträge aus den verschiedensten Gebieten, ■ Forschungsergebnisse, Anregungen zur Naturbeobachtung (die Insekten unserer Wohnung im Winter), die Bücherschau und die beliebte Preisfrage schließen das Januarheft ab.
— Das neue Heft der „6 i r e n e" bringt die Lösung der Luftschutz-Preisaufgaben. Dazu beginnt ein fesselnder Fortsetzungsbericht: „Wie Frankreich zu seinen Kolonien kam". Zu Beginn wird erzählt, was die Kolonien heute für Frankreich bedeuten. Das Heft bringt außerdem eine Reihe interessanter Bildberichte, Aufsätze, die Mitteilungen des Reichsluftschutzbundes und manches andere.


