Nr. 255Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oderhefien)
Zreitag, /.Moder 1938
Die Lösung der Ludenfrage in Italien
Der Große Rat des Faschismus stellt bindende Richtlinien auf.
Rom, 7. Oft. (DRV. Funkspruch.) Der Große Faschistische Rat hat seine Herbsttagung begonnen. Es wurde zunächst eine Tagesordnung angenommen, in der der Große Rat des Faschismus dem italienischen Volke seine Anerkennung für die Haltung ausspricht, mit der es in der letzten Zeit einen neuen Beweis für den tiefgreifenden Wandel gegeben hat, der durch die Revolution der Schwarzhemden im Geist und im Charakter der Italiener vollzogen worden ist. Der Große Rat ist ebenso wie alle Italiener stolz darauf, mit dem Glauben, den Werken und den Waffen dem D u c e d i e n e n zu können, dessen entschlossenes Eingreifen in die Ereignisse, deren abschließende Entwicklung noch im Gange ist,denSlegdesFrie- densauf der Grundlage der Gerechtigkeit und dem Anbruch jenes neuen Europas gekennzeichnet hat, das dem Duce selbst vor Augen schwebl^und von ihm seherisch verlangt und gefördert wird.
Nach einer Ehrung, des Quadrumvirn General d e Bono, der vor 3 Jahren Adua eingenommen hat und damit die Eroberung des Imperiums begann, behandelte der Große Rat die Rassenfrage, zu der folgende Erklärung genehmigt wurde: „Der Große Rat des Faschismus betont als Folge der Eroberung des Imperiums die aktuelle Dringlichkeit der Rassenfrage und die Notwendigkeit eines Rassenbewußtseins. Er erinnert daran, daß der Faschismus seit 16 Jahren stets eine positive Tätigkeit entfaltet hat, die auf die quantitative und qualitative Hebung der italienischen Rasse abzielt, eine Hebung, die durch Kreuzungen und Bastardbildungen mit unberechenbaren politischen Folgen ernsthaft gefährdet werden könnte. Die Judenfrage ist nur die für das Mutterland geltende Seite eines Problems allgemeinen Charakters.
Der Große Hat des Faschismus ordnet an: a) Das. Verbot der Eheschließung von Italienern und Italienerinnen mit Angehörigen der hamitifchen, semitischen und anderen nichtarischen Hassen;
b) das für Zivil- und TNilitarpersonen, die im Dienste des Staates und öffentlicher Körperschaften stehen, geltende Verbot der Eheschließung mit Ausländerinnen jedweder Hasse;
c) die Ehe von Italienern und Italienerinnen mit Ausländern selbst arischer Hasse bedarf der vorherigen Zustimmung des Innenministeriums; »
d) die Maßnahmen gegen Personen, die das Ansehen der Hasse in den Gebieten des Imperiums schädigen, müssen verschärft werden." Weiter erinnert der Große Rat des Faschismus daran, daß „das W e l t j u d e n t u m , insbesondere nach der Aufhebung der Freimaurerei, die treibende Kraft des Antifaschismus auf allen Gebieten ist und daß das ausländische oder abtrünnige italienische Judentum in einigen entscheidenden Zeitabschnitten, wie in den Jahren 1924 und 1925 und während des abessinischen Krieges, einmütig faschistenfeindlich war. Die Einwanderung fremder Elemente, die seit 1933 stark zugenommen hat, hat die Stimmung der italienischen Juden, die nicht ehrlich genommen wird, gegenüber dem Regime verschlechtert, da dieses im Gegensatz zu der Psychologie der Politik und der internationalistischen Einstellung Israels steht. Sämtliche antifaschistischen Kräfte werden von jüdischen Elementen angeführt. Das Weltjudentum steht in Spanien aus der Seite der Bolschewisten von Barcelona.
Das Verbot der Einwanderung und die AusweisungausländischerJuden konnte nicht länger verzögert werden. Die Richtlinien für die Zugehörigkeit zur jüdischen Rasse sehen vor, daß das Kind zweier
jüdischer Elternteile sowie das Kind eines jüdischen Vaters und einer ausländischen Mutter und weiter derjenige, die sich zur jüdischen Religion bekennt, obwohl er aus einer Mischehe stammt, als zur jüdischen Rasse gehörend gelten Es folgen dann Bestimmungen über Ausnahmen für bestimmte Gruppen von Juden italienischer Staatsangehörigkeit, wie z. B. Kriegsteilnehmer mit Auszeichnung. Italienische Staatsangehörige jüdischer Rasse können nicht in die faschistische Partei ausgenommen werden, sie können keine Betriebe besitzen oder leiten, die mehr als hundert Personen beschäftigen, sie können nicht mehr als 50 Hektar Land besitzen, sie können keine Militärdienste leisten. Für die Ausübung von Berufen sind weitere Bestimmungen vorgesehen. Zu der Frage der Einwanderung von Juden nach Äetiopien schließt der Große Rat des Faschismus die Möglichkeit nicht aus, in einigen ätiopischen Gebieten eine kontrollierte Einwanderung europäischer Juden zuzulassen, auch um die jüdische Einwanderung von Palästina abzulenken.
Abschließend wird festgestellt, daß sich die Handhabung der Maßnahmen immer nach der jeweiligen Haltung des Judentums richten werde. Mit Genugtuung nehme der Große Rat davon Kenntnis, daß der Unterrichtsminister an den Hauptuniversitäten Italiens Lehrstühle zum Studium der Rassenfrage eingerichtet hat. Schließlich erklärt der Große Rat, daß das gesamte Rassenproblem im italienischen Volk außerordentliches Interesse gefunden hat, daß die Richtlinien der Partei in dieser Frage für alle grundlegend und verpflichtend anzusehen sind, und daß die Richtlinien des Großen Rates den Gesetzen zugrundeliegen müssen, die von den einzelnen Ministerien beschleunigt ausgearbeitet werden sollen.
Kunst und Wissenschaft.
Probleme der Kolonisation.
Der 8. Volta-Kongreß in Rom beschäftigte sich mit Fragen der Akklimatisation der weißen Rasse in Afrika und mit dem Verhalten der Eingeborenen gegenüber der europäischen Zivilisation. Sir Edwin Horn sprach über die Ueberwachung des Gesundheitswesens in den Tropen Die Professoren Bot- t a z i und Busineo äußerten sich dann über Tropenkrankheiten und ihre Bekämpfung. Beide kamen zu dem Schluß, daß utüer den heutigen Bedingungen und bei geeigneten Vorbeugungsmaßnahmen die weiße Rasse auch in den tropischen Zonen Afrikas leben und sich fortentwickeln könne. Der Oberkommissar von Angola, Professor Ferreira, legte die portugiesischen Erfahrungen hinsichtlich der Akklimatisierung in den Tropen dar, während Professor Demangeon von der Pariser Sorbonne über die Kolonisierung im Nigertal und Professor Chlgi über die Akklimatisierung in Jtalienisch- Ostafrika sprachen. Eine Ansprache des Vorsitzenden des Kongresses des deutschen Professors von Linde q u i st, über die Rettung des europäischen Friedens durch die vier großen Staatsmänner in München wurde mit lebhaftem Beifall ausgenommen. Dabei gab Professor Lindequist auch der Hoffnung Ausdruck, Laß die Arbeiten des Kongresses dazu beitragen möchten, Afrika stärker an Europa zu binden. Die Aussprache wandte sich weiter den landwirtschaftlichen Möglichkeiten für die weißen Siedler in Afrika zu. Es sprachen dazu Professor Rivvra, Professor Brumpt und der englische Professor Thompson-Serper. — Die Erörterung des Themas „Das Verhalten der Eingeborenen gegenüber der europäischen Zivilisation" wurde mit einem Vortrag des Professors Turnwald von der Universität Berlin eingeleitet.
Der 9. Deutsche Zahnärztetag.
Vor 1200 Zahnärzten aus allen Gauen Deutschlands und über 100 Vertretern von 15 Nationen
der Erde wurde in Berlin der ^Deutsche Zahnärztetaa und zugleich die 75 Tagung der Deutschen Gesellschaft für Zahn-. Mund- und Kieferheilkunde durch den Reichszahnärzteführer Dr Stuck eröffnet. Die Eröffnung gestaltete sich zu einer Dankeskundgebung aller deutschen Zahnärzte an den Führer in dem Gefühl, Zeugen seines beispiellosen Triumphes gewesen zu sein. Professor Dr. Euler, der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, wies darauf hin, daß man bewußt davon abgesehen habe, eine bestimmte Einzelirage der Zahnheilkunde in den Vordergrund zu stellen. Während der Tagung ist in der Krolloper eine große Schau der Dental-Industrie zu sehen, auf der die verschiedenen Arzneimittel, Werkstoffe, Präparate, zahnärztliche Instrumente und die umfangreiche einschlägige Fachliteratur ausgestellt sind.
Kleine politische Nachrichten.
Der Reichsbauernführer, Reichsminister Darr 6, befindet sich seit dem 1. Oktober auf einer Reife durch Teile der Landesbauernschaften Sachsen, Bayern und Donauland. Neben zahlreichen Besichtigungen landwirtschaftlicher Betriebe und Einrichtungen fanden Besprechungen über Fragen der Ernährungswirtschaft und der Erzeugungsschlacht mit den jeweiligen zuständigen Behörden und Organisationen statt. Am Donnerstag fand in Bad E l st e r unter Vorsitz des Reichsbauernführers eine Sitzung über Fragen der Ernährungswirrschaft Sudetendeutschlands statt.
Reichswirtschaftsminister Funk wurde in Ankara herzlich empfangen Der Wirtschaftsminister gab ein Festessen, wobei er ausführte, daß die Wirtschaftsbedingungen beider Länder die Grundlage für einen regen Warenaustausch geschaffen haben und sich weiter gestalten werden, wobei die Türkei vollauf den großen Anteil würdigt, den die deutsche Industrie am türkischen Aufbauwerk genommen hat.
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Die ungarische Regierung ließ der tschecho-slowakischen Regierung eine Note überreichen, in der sie sich mit Rücksicht auf die tschecho
slowakische Regierungskrise mit einem späteren Beginn der Verhandlungen, und zwar am 8. Oktober, 12 Uhr mittags, einverstanden erklärt. Sie hält jedoch unverändert an ihren Forderungen fest.
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König Leopold von Belgien wird am 21 November zu einem Staatsbesuch inAnist e r d a m eintreffen. Am 23. November wird der König nach einem kurzen Besuch im Haag die Rückreise nach Brüssel antreten. Amsterdam wird festlich geschmückt werden, die historischen Grachten der Altstadt werden reich illuminiert.
Die Sduike glänzen, das £edee (Heißt cueick1 denk £adix putzt und pflegt zugleich /
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QUALITÄTS-ERZEUGNIS DER SIDOL-WERKE
Der französische Generalissimus, General Garn e l i n , besichtigte die Befestigungen in der Gegend von Straßburg und insbesondere am Brückenkopf von Kehl. An die Besichtigung schloß sich eine große Parade an, an der 20 000 Mann teilnahmen. Die Bevölkerung, nahm an diesen Kundgebungen regen Anteil.
Marschall Avörescu ist im Alter von 79 Jahren gestorben. Averescu war rumänischer Heerführer im Weltkriege, später mehrmals Ministerpräsident und Staatsminister.
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Der dänischeReichsta g ist zu seiner Wintertagung zusammengetreten. Die Beratung des von den Regierungsparteien und den Konservativen ausgearbeiteten Vorschlages zur Revision der St.aatsverfassung und die Prüfung der Möglichkeiten einer Verminderung der A r - beitslosigkeit werden die Hauptaufgaben dieser Session sein.
Das läßt Herr Trenker fich gefallen!
Carla Rust und Luis Trenker in einer Szene des Terra-Films .Liebesbriefe aus dem - Engadin". — (Foto: Trenker/Terra.)
Herbfifahrt auf der Ostsee.
Von Annemarie von puttkamer.
Jeder dieser leuchtend klaren Herbsttage ist ein Geschenk, nirgends aber kann es vollkommener genossen werden als im Segelboot im unendlichen Licht von blauem Himmel und blauem Meer, wenn das Boot unter vollen Segeln im leichten Südwest- wind dahinrauscht Um 1Ö Uhr vormittags gleiten wir mit unserem Zweimaster aus dem Hafen von Saßnitz heraus und nehmen nordöstlichen Kurs auf Arkona zu. Bald steigt Stubbenkammer aus dem Meer, steil und blendend weiß in der^ Sonne, den grüngoldenen, zum Teil bis zu den 0'üßen herabwallenden Mantel feiner herbstlichen Buchenwälder um die Schultern geschlagen. Stundenlang könnte man so an Deck liegen und vor sich hinträumen. Aber es dauert nicht lange, da meldet sich der Hum ger. Es bleibt mir nichts anderes übrig, als mich aus der Faulheit aufzuraffen, hinunterzugehen uno für uns vier auf dem Primuskocher Mittagessen zu kochen. ...
In der Küche ist gerade Platz genug, um sich einmal um sich selbst zu drehen Frisches Fleisch und Gemüse haben wir aus Saßnitz mitgenommen, ich bin im besten Kochen, da bekomme ich plötzlich einen Stoß und fühle mich vom schwankenden Fußboden hin- und hergeworsen. Nebenan in der Kajüte ein Gepolter. Ich'rücke hastig die Töpfe vom Feuer und springe im ganzen Schiffsraum umher, um alles seftzumachen, was irgendwie so aussieht, als ob es über Stag gehen könnte. Dann stürze ich an Deck.
Das Bild ist völlig verändert. Das ganze Meer bedeckt mit weißen Wogenkämmen Dicht vor uns das einsame, fast immer windumtoste Arkona, die alte Wetterecke. Ich komme grade recht um beim Herunterholen der beiden Topsegel zu helfen. Nach dem Manöver kann ich mich wieder meinem halb- fertigen Mittagessen widmen. Beim Essen muß man seinen Teller festhalten, sonst läuft er davon. Aber es schmeckt! Mittagsschlaf an Deck Wind — Sonne — Salzluft — das rhythmische Aul und Nieder des Schiffes und als Schlummerlied das Rauschen des Meeres und das Knarren des Takelwerks — der lichte Traum nimmt das alles auf Als ich erwache, steht die Sonne schon tief. Backbord querab em Leuchtturm. Ich kann mich gar nicht zurechtt'nden „Was ist denn das?" „Dornbusch" Was, noch immer Hiddensee! Da waren wir doch vor zwei Stunden schon! Dabei hat der Wind tüchtig aufgefrischt Aber er ist wieder aus Südwest Wenn wir unseren Kurs halten, machen wir nur wenig Fahrt voraus Nach dem Kaffee beraten wir. Steuerbord voraus
haben wir einen schmalen Dunststreifen, der sich mit dem Glase deutlich als Land erkennen läßt, 2)as kann nur die dänische Insel Möen sein. Wir sind von unserem Kurs abgekommen und liegen zu weit nördlich. Wenn wir nach Warnemünde hereinwollen, müssen wir uns jetzt entschließen zu kreuzen, und vor später Nachtstunde können wir auf keinen Fall dort sein. Wir beschließen, Warnemünde aufzugeben und zunächst Kurs auf Gjedser Feuerschiff zu nehmen, von da direkt nach Travemünde.
Das Abendessen muß heute ganz pünktlich sein. Um 20 Uhr sind der Kapitän und ich auf Wache. Es ist schon ganz dunkel, funkelnder Sternenhimmel über uns. Wir haben drei Blinkfeuer voraus, an Backbord Darßer Ort, an Steuerbord Gjedser Feuerschiff, noch weiter Steuerbord Gjedser Odde Als wir Darßer Ort passiert haben und die unbeleuchteten Tonnen, die dort liegen, nicht mehr zu fürchten brauchen, übergibt der Kapitän mir das Steuer und geht hinunter. So bin id) ganz allein an Deck beim Schein der Kompaßlaterne in der weiten Nacht auf dem unendlich wogenden Wasser, durch das unser stolzes Schiff mit vollgebauschten, im Sternenlicht mattschimmernden Segeln seine schweigenden Bahnen zieht, dem Druck meines Steuers folgend
In solcher Nachteinsamkeit wird jedes auftauchende Lick)t zum Ereignis, das sofort unters Fernglas genommen wird. Der Horizont belebt sich allmählich, denn wir nähern uns der Fahrstraße Warnemünde— Gjedser. Und ein wenig nördlich von uns läuft/die große Route all der Fahrzeuge, die durch den Feh- marn-Belt gehen Zweimal gleiten Dampfer so nah bei mir vorüber, daß ich mit dem Glase Einzelheiten untersd-eiden kann. Doch begegne ich keinem einzigen Segler Das Helle weiße Licht dort Backbord voraus aber ist kein Fahrzeug. Es ist ein Blinkfeuer. Das kann nur Warnemünde sein. Der Kapitän, der eben wieder heraufkommt, bestätigt es nur. Er hat eine Flasche unter dem Arm Ein Schluck Kognak in dieser Nachtstunde tut doch gut. Aber als eine Halde Stunde später die Ablösung kommt, tut es mir fast leid. „Guten Morgen!" „Guten Morgen?" Ein paar Worte über den Wind und den Kurs. Dann gehen wir hinunter. Kaum bin ich unter Deck, so spüre ich bod) eine plötzliche Abspannung. Nur Mantc-l und Schuhe ziehe id) aus und krieche in meine enge Koje. Ich schlafe sofort qm, schlafe wie eine Tote, bis ich um vier Uhr zur Ablösung geweckt werde.
Wie ich hinaufkomme, finde ich es sehr viel windiger geworden. Außerdem ist es neblig und bitterkalt Der Morgen fänqt eben an, ganz leise zu grauen Ich w'ckle mich fester in Mantel und Decke und setze mich neben den Kapitän, der schon am
Ruder steht. „Vier Stunden sind doch eine lange Zeit!" denke ich. Da kommt der zweite Mann der anderen Wache noch einmal herauf, um zu melden, daß er Kaffee gekocht hat. Das war ein vernünftiger Gedanke! In der einsamen Kajüte fitze ich unter der Petroleumlampe und frühstücke erst einmal behaglich, bis ich den Kapitän am Ruder ablöse. Mit einer Tasse heißen starken Kaffees im Magen sieht sich die Welt schon anders an. Es weht heftig, aber der Wind ist ziemlich nach Süden herum, so daß wir jetzt viel höher liegen können und dabei rauschende Fahrt laufen. Wie es langsam Heller wird, fällt auch der Nebel. Aus dem fahlen Licht wachsen rasch kräftigere Morgenfarben. Schon haben die nahen Gegenstände wieder ihre vertrauten Umrisse. Jetzt erglühen Mast und Segel in goldener Helligkeit. Der Wind springt unruhig hin und her. Im Osten steht der Himmel in Flammen. Da taucht der rote, strahlenlose, oben und unten plattgedrückte Ball aus dem Meer auf. Rasch steigt er empor, löst sich vom Horizont und schwebt frei über dem Meer wie ein gut gelungenes Riesenspielzeug. Der Glanz ist erloschen. Der Tag ist da.
Um acht Uhr lege ich mich noch einmal für zwei Stunden schlafen. Kurz vor zehn sind wir schon am Traoemündener Feuerschiff. Es ist Sonntag, ein strahlender Morgen, vielleicht der letzte schöne Segel- Sonntag des Jahres. Darum kommt uns aus dem Hafen aber auch die ganze Travemünder Jachtflotte entgegen Ein paar Minuten nach zehn machen wir am' Bollwerk fest. Eine Stunde später sind wir schon auf dem Wege zur Stadt der roten Backsteingotik und der still' besonnten Plätze, in das herbstmilde Lübeck.
Hochschulnachrichten.
Professor Dr. Hans Böker, Ordinarius der Anatomie an der Universität Jena, ist in gleicher Diensteigenschaft an die Universität Köln berufen worden.
Dem nb. ao. Professor Dr. Karl Pesch in Köln wurde an der Universität Berlin die Professur für Hygiene und Bakteriologie verliehen
Professor Dr med. Rene du Bois-Reymond, der frühere Extraordinarius für Psychologie an der Universität Berlin, ist in Storkow i. d Mark kurz vor Vollendung seines 75. Lebensjahres gestorben Du Bois-Reymond war bis zu feiner Emeritierung, die wegen Erreichung der Altersgrenze erfolgte, Abteilungsvorsteher am Berliner Physiologischen Institut/
Gloria-Palast:
„Liebesbriefe aus dem Engadin".
Luis Trenker, den mir bisher fast nur in ernsthaften Berg- und Schi-Filmen kennengelernt haben, verzichtete diesmal auf sine heroische Fabel mit dramatischen Steigerungen und war darauf bedacht, die Lachmuskeln seiner Zuschauer in Bewegung zu bringen. Zwar kann er auch hier nicht aus seiner Haut und seiner landschaftlichen Sphäre heraus, und ein paarmal sieht es sogar — mit Lawine und Absturz in die Gletscherspalte — so aus, als ob es wirklich ernst werden sollte. Aber 'es geht alles gut und bleibt in den unbeschwerten Bezirken des Lustspiels und des Schwanks. (Wenn man sich auch vorstellen kann, daß dem sportlich denkenden Freunde von Bergsteiger- und Schiläuferfilmen das leichtfertige Spiel mit Menschenleben als Luftspielmotiv ein wenig auf die Nerven fällt.) Trenker ist hier, wie meist, Drehbuchtzerfasser (mit Hanns Sa ß - mann), Spielleiter und Hauptdarsteller in einer Person. Der etwas unwahrscheinliche Einfall der aus geschäftlichen Gründen diktierten Liebesbriefe aus dem Engadiner Wintersport-Paradies gibt ihm Gelegenheit, seine urwüchsige und naturhafte Männlichkeit und einen trocknen Humor in reizvollen Gegensatz zu einem Schwarm verliebter, eifersüchtiger und'launenhafter Damen zu stellen: er ist aber als Mode-Schilehrer nicht nur der Hahn im Korbe, der sich aus dieser Rolle wenig macht, sondern erweist sich überdies als ein zünftiger Sportsmann von beachtlichen Qualitäten. Auf der weiblichen Gegenseite tun fich, temperamentsmäßig voneinander verschieden, Carla R u ft, Charlott Daudert, Erika von T h e 11 m a n n und Hertt Kirchner hervor. Uebrigens ist der Film — an der Kamera standen bewährte Männer wie Ri ml, Ertl, Puth und v. Rautenfeld — sehr gut photographiert. Giuseppe Becce, seit langem Trenkers musikalischer Mitarbeiter, schrieb diesmal, geschmeidig mitgehend, eine überraschend leichte, hübsch uni» luftig instrumentierte Begleitung. — (Terra.)
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In der neuen Ufa-Wochenschau siebt man neben Bildern vom Tage der Wehrmacht in Nürnberg und vom neuen Zeppelin eindrucksvolle Reportagen aus dem sudetendeutschen Grenzlande und vyn den Zusammenkünften Hitlers und Chamberlains in Berchtesgaden und Godesberg. Hans Thyriot.


